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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Naomi Watts

Schloss aus Glas

Das Thema Breakout ist derzeit in vielen Kinos wieder in Mode und erweist sich so langsam auch als Publikumsmagnet. Zumindest in kleineren Städten reißen sich die Menschen um .kinotickets für solche Vorstellungen und man rüstet den Wochenplan dementsprechend um, um genau das zu bieten.
Schloss aus Glas basiert erneut auf einer wahren Geschichte und ist somit zugleich Buchverfilmung als auch “aus dem echten Leben erzählt”. Die Geschichte ist derart verblüffend, tragisch und ergreifend, da sie nicht zwischen A und B entscheidet, sondern den erbitterten Zwist zwischen der notwendigen Realität und dem unerklärlichen Drang nach Freiheit und Ausbruch sorgfältig unter die Lupe nimmt und hier neue Formen des Umgangs damit präsentiert.
Durch seine “Tatsächlich passiert”-Nacherzählung verpuffen alle Argumente, die dieses Leben als “nur ein Film” hinstellen wollen und offenbart einmal mehr, dass es durchaus möglich ist, nicht nach den konformen Regeln des Konservatismus leben zu müssen, um tatsächlich erfolgreich und – viel wichtiger – glücklich im Leben sein zu können.
All dies verrät aber immer noch nichts über das, was uns in Schloss aus Glas in eindrücklichen und bleibenden Bildern erzählt wird. Brie Larson glänzt neben Naomi Watts an der Seite von Woody Harrelson, der wieder einmal Höchstleistungen darbietet, die auch in diesem Film wieder zum Anbeten sind.
Und neben all den Exzessen, Querulanten, Absonderlichkeiten und dem unbändigen Streben einer Coming-of-Age-Generation, die sich im harten Alltag durch alle möglichen und unmöglichen Situationen durchbeißt, erblüht hier eine diskutierbare Offerte von Optionen des Erwachsenwerdens, ohne dabei auf den Respekt und die Liebe verzichten zu müssen.
Und ich wage zu versprechen, dass jeder, der diesen Film besucht, auf irgendeine Weise angesprochen wird. Denn um das völlig gefühlskalt und emotionsbefreit abzutun, braucht es die Abwesenheit jedweder menschlicher Regung – und das dürfte in den seltensten Fällen der Fall sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine ergreifende und wahre Geschichte, die nicht nur mit völliger Schrägheit verblüfft, sondern die irren Windungen inmitten von Gesetzen und Normen durchbricht, um schlussendlich völlig befreit aus dieser Lage emporzusteigen.
Die Szenen sind beeindruckend und hallen noch lange nach, die Darsteller erobern die Herzen im Sturm und die erbitterte Wahrheit dieser Erzählung erschüttert noch lange danach den Geist.
Definitiv sehenswert und mega emotional!

 
Nachspann
sollte man mitnehmen, da dieser zur Glaubwürdigkeit extrem viel beiträgt.
Kinostart: 21. September 2017

The Book of Henry

The Book of Henry ist für mich eine der berührendsten, traurigsten und zugleich ergreifendsten und lustigsten Geschichten, die ich je gesehen habe. Bei diesem Film bleibt garantiert kein Auge trocken. Vor Lachen. Vor Ergriffenheit. Vor tiefer Trauer.
Nicht mal die Männer halten es aus, ohne Tränen im Saal und gleichzeitig aufmerksam zu bleiben.
“Hat das Tränengas gewirkt, dass wir während der Vorstellung in den Saal eingespeist haben?” als Frage vom Presseveranstalter ist daher gar nicht so blöd gestellt, schaut man danach in die verheulten Gesichter der Privilegierten, die diesen Film bereits vorab sehen durften.
Und wirklich: Es dauert keine zwei Sekunden und man ist gefangen in einer unfassbar herrlichen Welt, die geprägt von Menschlichkeit ist, dass es einem das Herz zerreißt. Offene Fragen, auf die heute viele mit Gleichgültigkeit antworten würden, werden hier eben nicht einfach aus diversen Gründen vom Tisch gefegt, sondern mit detailreicher und liebevoller Hingabe bearbeitet und vorgelebt. Dabei erobern die Charmeure Tremblay und Lieberher hier im Sturm die Herzen ob ihres jungen Alters, als ob es kein Morgen mehr gäbe.
Ich kenne wirklich kein vergleichbares Stück, dass dieser Großartigkeit gewachsen wäre und dem neuesten Geniestreich von Colin Trevorrow gefährlich werden könnte. Save. Versprochen.
Also gebt mir euer Wort drauf, dass jeder – und ich meine wirklich jeder – seinen Arsch hochhievt und in einen der zahlreichen Säle spaziert, in denen dieser Film gezeigt wird. Stürmt die Independent-Buden und zeigt auch den Multiplexern, dass ihr diesen und keinen anderen Film sehen wollt.
Und ich verspreche im Gegenzug davon, dass keiner von euch für seine Anstrengungen enttäuscht werden wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nehmt euch ein Handtuch mit – das reicht dann für die Fülle an Tränen, die dieser Film produziert.
So etwas unwahrscheinliches ersten Ranges habe ich wirklich noch nicht gesehen. Die Schauspieler umwerben eure Herzen und nehmen euch in einer Story gefangen, aus der ihr nicht mehr raus wollt.
Reingehen ist absolute Pflicht!

 
Nachspann
Die Türen stehen offen, man darf nach draußen, denn hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 21. September 2017

(Trailer) The Book of Henry

Wollen wir diesmal einfach nicht so viele Worte verlieren, sondern uns gleich der Essenz zuwenden:
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=qJ0fFQgFlnY?rel=0&w=560&h=315]
eindrucksvolle Geschichte präsentiert von © Universal Pictures Germany
 
Warum man diesen Film gesehen haben sollte
Er wirkt auf den ersten Moment einfach intelligent und wartet dazu mit Kinderdarstellern auf, die mal nicht dem Nerv-Aroma anheim fallen, sondern hier tatsächlich charakterliche Vorbildfunktion für diese Generation an Schauspielern darstellen.
Dazu der Plot, der zwar hier und da ein paar stilistische Schwächen durchblicken lässt, im Gesamtbild dann aber dennoch in vollem Umfang überzeugen könnte und das durchaus ethisch-wertvolle Moral-Ende, dass man dieser Form von Unterhaltung zumuten darf, machen zumindest mir extrem Lust auf mehr.
Und das beste kommt zum Schluss: Ihr müsst darauf gar nicht so lange warten.
 
Kinostart: 21. September 2017

Die Bestimmung – Allegiant

Ich hab’s versprochen – hier ist sie: Die .kinoticket-Filmrezension zum dritten (und vorletzten) Teil der Bestimmung-Saga.
An diesem Beispiel kann man glorreich erkennen, was passiert, wenn im Trailer viel zu viel verraten wird. An dieser Stelle: Teasern! Lasst die Leute auf die Mauer zurennen und dann blendet ab! Lasst doch den Scheiß und zeigt schon im Trailer die markanten Stellen, um der Geschichte schließlich noch den letzten Rest von Interpretationswürde zu rauben, damit macht ihr den Kinogängern nämlich das Leben wirklich zur Hölle.
Wir reden wieder einmal von: Vorhersehbarkeit.
Nichts ist tödlicher für eine Geschichte, als wenn man deren Ausgang erahnen könnte und sich dann im Laufe der Zeit mit der vorhergesagten Vermutungsbewahrheitung anfeindet. Und genau das wird scheibchenweise bei Die Bestimmung – Allegiant getan.
Klar, das Werk erhebt sich technisch aus der Masse der Dinge und entspricht in seiner Machart locker dem, was man ein episches Finale nennen würde, jedoch gilt mein Lob hier vorwiegend wieder: Der Kulisse, dem Ton und der Kameraführung.
Dass diesmal dann tatsächlich auf 3D verzichtet wurde (kommt das noch?) lässt sich wohl nur dadurch erklären, dass im zweiten Teil die Leute so dermaßen angepisst waren, dass man den Aufschwung zur 3D-.kinoticket-Grenze wohl nicht mehr wagen wollte, um wieder mehr Leute in den Film zu kriegen, damit die Massenphänomen-Regeln erfüllt werden.
Und ohne sagenhaftes 3D – wir erinnern uns: das war in Teil 2 wirklich herausragend! – bleibt dann auf einmal nur die Story und der Gesamteindruck des Films. Und da beschleicht mich das Gefühl, dass ich dem Alter entwachsen und somit nicht mehr einfach angefixt werden kann, denn das Kino war zum Teil mit 13-14jährigen gefüllt, die ihre helle Freude an den Geschehnissen verkündeten.
Und als Kinderrevolution geht die Sache durchaus durch. Wenn man beabsichtigt, die Generation BRAVO hier zu begeistern, erfüllt man definitiv die gewünschten Kriterien und erntet Lob vom Wunschpublikum. Die Frage ist nur, was diese (Quad)-Trilogie dann von Panem unterscheidet, da hat der Käse nämlich auch für Erwachsene durchaus zumutbar funktioniert.
Die Schauspieler sind ungefähr gleich alt, die Welt ist ähnlich beschissen aufgeteilt, die Menschen werden ähnlich unterdrückt, es geht ebenfalls um nicht ausschließlich erwachsene Systemkritik und bei dem einen krachts gewaltig und endet furios, bei dem anderen gähnt man hinterher und spaziert gemütlich wieder von dannen.
What has happened?
 

.kinoticket-Empfehlung: Zusammenfassend würde ich sagen, dass man hier zwar einiges aus dem wirklich verpatzten zweiten Teil wieder gut gemacht hat, jedoch zu wenig Materie auf den Bordstein wirft, um die Menschen darauf auch nur annähernd zu erschüttern.
Stoff genügend hätte man, um hier etwas wirklich großes daraus entstehen zu lassen, doch damit hätte man sich dann wohl von der Kinderfraktion abgewendet und wäre publikumsleer ausgegangen. Und das soll ja nun nicht passieren.

 
Nachspann
Die Musik war gut – wirklich gut. Doch ob sich dafür das Warten auf den Schlussakkord lohnt, bleibt jedem selbst überlassen. Der Teaser für das endgültige Finale bleibt auf jeden Fall aus.

Die Bestimmung – Insurgent (3D)

Twilight, Tribute von Panem, Harry Potter, Rubinrot / Saphirblau / Smaragdgrün, Fifty Shades of Grey – scheinbar ist es zur Zeit grad in Mode, mehrteilige Buchreihen zu verfilmen. Die Bestimmung – Insurgent als zweiter Teil der “Die Bestimmung“-Reihe bildet da nur einen weiteren Baustein im Buchverfilmungsrausch, den Hollywood gerade abfeiert.

Da der Trailer in 3D sehr vielversprechend wirkte, organisierte ich mir den ersten Teil auf Blu-ray und sah ihn mir kurz vor dem Kinobesuch zum ersten Mal an… und war restlos begeistert und überrascht.

Die eigenständige Welt mit ihren völlig eigenen Regeln, die man hier aufstellte, toppte meiner Meinung nach sogar den Erfindungsgeist von Die Tribute von Panem, dessen Teile ich mir schon zu früherer Zeit gerne im Kino angesehen hatte. Die Idee, die Gesellschaft derart zu klassifizieren und die damit einhergehenden Probleme – gepaart mit der Charakterstudie eines jeden einzelnen Mitspielers und den neuen Ideen – ließ sicherlich nicht nur bei mir Lust auf mehr aufkommen, denn sonst wäre Teil 2 ja niemals entstanden.

Umso mehr freute ich mich darauf, die Fortsetzung von Divergent dann auf dem großen Display zu schauen und umso mehr wurde ich bitter bitter böse enttäuscht.

Alles, was ich an dem ersten Teil so großartig schätzte – das sich Zurechtfinden in der Gesellschaft, die Zerbrechlichkeit und gleichzeitig Stärke von Tris, vielleicht auch symbolisiert an ihren langen Haaren und der Weiblichkeit, die damit eingeht, die mysteriöse Aura um Eric und Four, die eine tiefgreifende Vergangenheit vermuten ließ, der man sich in fortsetzenden Teilen hätte widmen können – wie bei einem Sprung vom Hochhaus katastrophal in den Abgrund gestürzt.

Doch nicht nur die Veränderungen optischer Natur (auch, wenn man sich im ersten Teil manchmal gewünscht hätte, sie würde es tun), sondern gerade die geistig-verbale Komponente lassen hier nicht nur extrem nach, sondern sind quasi kaum vorhanden. Die Dialoge sind so billig, dass man meinen könnte, der Drehbuchautor hätte vor Beginn seiner Arbeit gekündigt und man hätte das dann verfilmt.

Ganz ehrlich – es zieht sich ewig, bis man offensichtliches dann endlich als Fakt auf der Leinwand präsentiert? Überraschungsmoment gleich Null. Die Story wurde so gehörig gegen die Wand gefahren, dass ich mir für den dritten (und hoffentlich letzten Teil, auch wenn ich in Zeiten von “das Ende verfilmen wir als Zweiteiler” nicht so wirklich dran glauben will) dann so richtig krachige Action und das Zugeständnis von fehlenden Spannungsbögen wünsche, so dass die Trilogy wenigstens wieder einigermaßen auf zwei Füßen steht, wenn auch hinkend.

Schade eigentlich, denn mit Divergent lieferte man Zündstoff erster Güte, aus dem man in den Fortsetzungen eine richtig fette Bombe hätte basteln können.

Vielleicht tue ich den Filmautoren hiermit auch unrecht, denn ich habe weder das eine, noch das andere Buch gelesen und weiß nicht, inwieweit ihnen hier die Hände aufgrund von Buchnähe gebunden waren. Für mich einfach nur enttäuschend.

Man nimmt vorhandenes, bastelt daraus eine Geschichte, die vor Logiklücken und Unlust nur so trieft und möchte damit einen weiteren Hit landen? Das Traurige daran ist, dass aufgrund der “Wir wollen wissen, wie es weiter geht”-Erfolgslinie der zweite Teil somit mehr oder weniger kapitalistisch zum Erfolg verdammt wird und somit ein dritter und womöglich vierter Teil nicht ausbleiben wird. Revolutionsgefühl kam bei mir definitiv nicht auf und wohlwollend umsorgt habe ich mich auch nicht gefühlt. Im Gegenteil. Der Blick zur Uhr versprach an manchen Szenen des Films dann doch ein Stück Hoffnung.

Positiv – und das meine ich an dieser Stelle tatsächlich ernst – war das Bühnenbild und die Kulisse. Hier erweckt man den Eindruck von Kaputtheit, Größe und dekadenter Eleganz, in der sich die ganze Sache abspielt und auch das 3D überzeugt an allen Enden. Selbst einfache Szenen sind wunderbar schmeichelnd umgesetzt. Sowohl Formen als auch Farben und Räumlichkeit kommen nicht nur gut zur Geltung, sondern überzeugen in allen Bereichen.

Das Problem ist nur: Die Charaktäre liefern nicht die Vorgeschichte dazu, um eine Existenzberechtigung für diese “kriegerische Zerschundenheit” zu liefern und dadurch wirkt das Handeln der Einzelnen eher lächerlich als überzeugend. Schade, denn daraus hätte wirklich etwas großes werden können.

.kinoticket-Empfehlung: Holt euch die Blu-ray vom ersten Teil und belasst es dabei.

Ich werde mir die Fortsetzung selbstverständlich “im Namen der Wissenschaft” reinziehen und euch hier im Blog berichten, ob sie sich lohnt oder man sich die folgenden Teile genauso stecken kann.

Dieser Film ist keine Sekunde wert, gesehen zu werden, wenn man auf die anfangs angefixte Story etwas gibt.

Nachspann
❌ Es wäre cool gewesen. Aber auch hier: Enttäuschend.

Kinostart: 19. März 2015

Original Title: Insurgent
Length: 119 Min.
Rated: FSK 12

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