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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Militär

Mile 22

Mark Wahlberg ist bislang für mich immer so ein klein wenig der Hollywood-Luschi gewesen: Transformers – alle anderen sahen großartig aus, er dümpelt so ein bisschen vor sich hin, Boston – schrecklicher Vorfall, aber auch nur so halblebig gespielt und das ganze Comedy-Gelump hat er meiner Meinung nach nie so richtig beherrscht, sondern war eben einfach “da”.
Und dann kommt Mile 22 und ich sehe einen ernsthaften, permanent stinksauren und mega seriös spielenden Mark Wahlberg auf der Leinwand und kann dieser Person auf einmal abkaufen, dass er doch zu mehr in der Lage ist, als einfach nur der Prominenten-Lückenfüller fürs Plakat zu sein: Diesmal ist er wirklich großartig und entblättert eine auch patriotisch angehauchte Szenerie, die aber nicht in Amerikanismus ertrinkt, sondern eben einfach gut unterhält.
Und das ganze Konzept des Films ist diesmal ein völlig anderes: Er als Charakter braucht nicht den lonesome-hero spielen, den man ihm sonst immer andichtet, sondern er darf innerhalb einer Truppe fungieren und liefert in Kombination mit dem Soundtrack und den gezeigten Bildern, die auch die richtige Geschwindigkeit und Erzählfluss liefern, eine grandiose Show ab.
Nun mag man sich darüber aufregen, dass die Amis hier wieder viel zu stark auf die Kacke hauen, man großartiges Potenzial verschenkt, weil die Ideenansätze endlich mal geil sind, aber in einer unfassbar unrealistischen Ader ausgelebt werden und man hier eben wieder maßlos “leinwandübertreibt”, aber genau das macht Mile 22 zu dem was es ist: Großartiges Actionkino, auf das man sich einlassen kann – aber nicht braucht. Die Entscheidung liegt bei jedem selbst.
Was ich dazu aber noch anmerken muss: Im Original hören sich Dialoge, Funksprüche und anderes dann eben doch “amerikanischer” und damit um ein vielfaches echter an, als es in der deutschen Synchro der Fall ist, auch wenn diese gut übersetzt und auch stimmlich ganz gut ausgewählt wurde: Wer den wirklichen Thrill will: Choose the OV-Version!
 

.kinoticket-Empfehlung: Action-Kino inmitten der Sahnetorte, die man gleich mal mit dem Erdboden gleich macht!
Wahlberg in Höchstform und auch seine Mitstreiter liefern hier ein Ensemble, dass richtig in Fahrt kommt, auf die Kacke haut und genau das liefert, wozu dieses Ding da ist: Männerabende füllen und anschließend im Kino richtig zu feuern, ohne dabei auf Herzschmerz und Intelli-Gelüste zu achten.
Popcorn nehmen, Bierchen öffnen, Hirn aus, Augen auf und los geht’s. Beste Unterhaltung garantiert.

 
Nachspann
❌ liefert keinen Nachschlag, es darf also aufgestanden werden.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Mile 22
Length: 95 Min.
Rate: FSK 16 | R

7 Tage in Entebbe

Daniel Brühl gilt als deutsches Schauspielwunder und tatsächlich erfreuten sich auch einige Kinonachbarn an meiner Seite, als sein Name auf der Leinwand auftauchte und man wusste: Dieser Film wird wieder richtig gut!
So manch einer beschwert sich zwar über die zunehmende Anzahl “wahrer Begebenheiten”, die derzeit wie am Fließband abgespult und durch die Ränge in den Filmtoplisten gezogen werden, Fakt ist aber: Es ist eine funktionierende Möglichkeit, heutige Generationen, die quasi mehr oder weniger im hermetisch abgeriegelten Whatsapp-Gruppendiskussions-Zirkel aufgewachsen sind, die Geschichte der Welt zu lehren und sie aus vergangenen Taten und Fehlern der Menschheit lernen zu lassen.
Nach der Vorstellung habe ich mit einigen gesprochen, die die Live-Aktivitäten damals noch im Fernsehen verfolgt haben und quasi “aus erster Hand” erzählen konnten, wie es war und dass dieser Film das auch unglaublich gut rüberbringt.
Das Thema ist ernst – brandheiß und mit unglaublicher Sorgfalt beleuchtet worden und die Kombination, mit der man hier an die Erzählweise herangeht, ist bislang einzigartig.
Ich glaube, nur sehr wenige, aufgeschlossene Menschen werden diesen Film in seiner Gänze begreifen und ihn als das Kunstwerk verstehen, dass er tatsächlich ist. Es gehört allein schon übermenschliche Körperbeherrschung dazu, das zu vollführen, womit man im Nachspann verwöhnt wird – und ich glaube, dass diese Art Darstellung von vielen einfach missverstanden wird, weil eben mal absolut keine Standarderwartungen ausgeführt und erfüllt werden, sondern man sich völlig neu mit geschichtlichen Ereignissen auseinandersetzen muss aus einer Warte heraus, die so manch einem vielleicht nicht von Anfang an schmeckt.
Und die Riege an Schauspielern vollführt hier wahre Wunder: Es wird so überzeugend, ehrlich und realitätsgetreu gespielt, dass wirklich keine Zweifel an der Echtheit der Erzählung bestehen und man sich sehr gut in die Lage dessen hineinversetzen kann, auch wenn mir das von “politischer Seite” manchmal etwas zu “plump” wirkte. Die Inszenierung an sich ist aber den Besuch auf jeden Fall wert!
 

.kinoticket-Empfehlung: Was einem hier vorgelegt wird, ist hochkarätige Kunst auf ganz hohem Niveau!
Die Geschichte ist tatsächlich passiert und wurde fürs Kino erzählbar aufbereitet und von einer Mannschaft erneut zum Leben erweckt, die ihre Arbeit wahrlich versteht! Die Bilder, die Inszenierung und das Gesamtwerk gehören für mich weder zu Dokumentation, noch zu Unterhaltung, sondern sind wahrhaftige Kunst, die zu würdigen dem Standard-Zuschauer wohl schwer fallen dürfte.
Versprecht mir, dass ihr trotz allem in diesen Film geht – Avengers: Infinity War ist bis dahin noch nicht ausgekämpft, sondern der läuft nächste Woche noch genauso.

 
Nachspann
Zieht euch diese Körperbeherrschung rein – auch wenn es vielleicht absurd wirkt … probiert es mal aus – es ist unfassbar, was uns da vorgesetzt wird. Haut nicht vorher ab.
Kinostart: 03. Mai 2018

Mit Siebzehn

Kein Bock mehr auf diese scheiß political correctness und den aberwitzigen Krampf an Bürokratie und Sprachgeficke, den man sich tagtäglich antut, nur um rein formal niemanden zu verletzen und sich ja ordentlich und vorbildlich zu verhalten, auf dass dein alltäglicher Scheiß einem niemals zum Verhängnis wird?
Abenteuer sind verboten, es lebe die prüde Alltagsszenerie in einer Welt, die öffentlich unausgesprochen deklariert, dass Männer auf Mädchen und vice versa zu stehen haben – zumindest quatscht in meiner Region hier jeder mal so.
Schwule werden belächelt, Menschen, die aufs gleiche Geschlecht stehen, ausgeschlossen und jeder reißt sein verdammtes Maul auf, um über Dinge zu urteilen, die er persönlich noch nicht mal ansatzweise gesehen, geschweigedenn untersucht hat.
Ich bin ein Mann der Taten. Das habe ich durch den Besuch von einigen Gay-Filmnächten sowie Lesbian-Nights bereits in der Vergangenheit bewiesen. Ich war drin. Und gehöre in meinem Umfeld wahrscheinlich zum einzigen, der in dieser Situation überhaupt etwas sagen dürfte.
Nun habt ihr die Chance, mal etwas völlig Verrücktes zu tun: Geht in diese Gay-Filmnacht und schaut euch diesen Film an!
Ich spüre schon, wie der Ekel schwallartig in den Gedärmen von Heteros aufsteigt und sie die klischeetriefenden Szenen billigen Rumgefickes von zwei … wuäh “Männern” anschauen müssen, die sich Schwänze in den Arsch stecken und gegenseitig widernatürliche Dinge treiben, die eher in die Hölle gehören als auf die Leinwand.
Denn genau so ist das Bild, dass einem vermittelt wird, wenn man mit offenen Ohren durch meine Region schlendert und sich diesbezüglich einfach mal ein wenig umhört.
Und jetzt … kommt die Chance … und Mit Siebzehn steht auf dem Plan.
Jeder, der den Film noch nicht gesehen hat, hält ab jetzt die Fresse und macht sie erst nach dem Abspann wieder auf. Und nein, Bier zählt nicht, denn das vernebelt den Verstand und man könnte vom Geschehen abgelenkt werden.
Es gab bereits einige Gay-Filmnächte, die mir recht positiv zugetan waren, aber nicht diese hier. Angesichts einer abgehakten Kinofilmwoche blieb dieser Titel als einziger auf der Liste, die ich noch nicht gesehen hatte, also ging ich rein.
Und diesmal war ich nicht positiv angetan.
Diesmal lag ich in der hintersten Ecke, weil mich der Film so volle Breitseite erwischt hat und durch Dinge begeistert, die ich versuchen möchte, ansatzweise zu schildern, ohne dabei zu spoilern.
Fangen wir mit der Kulisse an. Von der allerersten Sekunde trifft hier eine Aura von Welt auf die Augen, die als solches schon an hochkarätige Schwedenkrimis erinnert und eine Natur-Kulisse offenbart, die allein schon Grund genug ist, diesen Film zu besuchen. Allein das Spiel mit den Farben, den Jahreszeiten, dem Wetter und diese ganze permanent aktive Wahrnehmung seiner Umgebung gehört für mich nach ganz oben. Fifty Shades of Grey, du kannst einpacken mit deinen Szenendesign-Versuchen.
Die wortlose Kommunikation zwischen Leinwand und Zuschauer ist phänomenal und vermittelt hier eine Art Abgeschiedenheit, Geborgenheit, Ruhe, menschliche Isolation und stellt Brücken zur seelischen Verkrampftheit einer Generation her, die meisterhaft sind!
Womit wir bei den Darstellern wären. Kennt ihr die typische Sat.1-Mutti, die in schlechtem Ostdeutsch ihren Mann Herbert beeindrucken will und dafür alles tut, was im Alltag so fern zu sein scheint?
Gibts hier nicht. Jeder … ja – JEDER !!! Charakter bringt seinen Sack voll Charme selbst mit und feuert erstmal breitflächig um sich, bevor man überhaupt damit anfängt, die Person zu identifizieren und zu analysieren. Selbst Nebencharaktere sind hervorragend gecastet und verdeutlichen hier einmal mehr, mit wie viel Liebe, Hingabe und Herzblut man hinter den Kulissen gearbeitet hat, so dass am Ende wirklich alles im Film stimmt.
“Ja, aber die sind doch schwul und sowas ist eklig” … äh … Also, Anleitung für Doofe.

  1. Du gehst in diesen Film.
  2. Du wartest 1 Stunde 50 Minuten.
  3. Du schließt deine Augen für gefühlte 1,5 Minuten.

und ich garantiere dir, dass du absolut keine einzige schwule Szene sehen wirst!
Ja, du hast richtig gelesen. Keine einzige Szene! Was Regisseur André Téchiné hier auf die Leinwand bringt, ist ein Gedicht fabulösen Ausmaßes über die Annäherung, Selbstfindung und menschliche Emotion, die in den rebellischen Jugendjahren zweier Protagonisten stattfinden, wie ich es bis dato noch nirgends gesehen habe.
Er selbst sagt darüber:
“Wir sind von der Idee eines Dreiecks zwischen einer Mutter ausgegangen, aus der wir eine wichtige Figur machen wollten, und zwei Jugendlichen, die im Laufe der drei Trimester des Schuljahres ihr Verlangen entdecken und auskundschaften. Eine einzige Idee leitete uns: Die Körperlichkeit. Den Film so physisch wie möglich zu schreiben. Jede Szene sollte ein Moment der Aktion sein. Die Figuren mussten stets auf der Lauer liegen und reagieren ohne zu verstehen, was mit ihnen geschieht und wie sie reagieren sollten und es vor allem nicht in Worte fassen könnten. Es war undenkbar, dass Tom und Damien ihre Emotionen ausdrücken wie dies Erwachsene tun würden.”
(Quelle: Queer Film Nacht Flyer 02/2017)
Und damit bringt er es auf den Punkt. Genau so habe ich den Film erlebt – als eine Offenbarung. Allein schon der Humor – brachial ehrlich und so ausgereift und perfekt, dass er andere französische Komödien in den Schatten stellt und mit jeder Pointe der Charmebolzen wieder gen Himmel getrieben wird, denn das macht alle Beteiligten nur um so sympathischer.
Allein dieses Umherschweifen um Unausgesprochenes, was einerseits aufzeigt, dass man eben auch heute noch nicht offen über alles reden kann, obwohl dies bei so vielen Jungs soooooowas von notwendig wäre, sondern auch das grandiose Tanzen und Beibringen von Zuständen und Taten, Gefühlen und Empfindungen, die man als Außenstehender nach diesem Film garantiert begreift und vielleicht zum ersten Mal versteht, was es bedeutet, schwul zu sein.
Schon allein für diese Tatsache verneige ich mich zutiefst vor diesem Film und bedanke mich bei allen Beteiligten, dass sie gezeigt haben, dass es eben doch geht: Mit unbändigem Stil und Eleganz über ein Thema sprechen, dass in den meisten Köpfend dieser Welt als ekelhaft wahrgenommen wird und zu zeigen, dass hier verletzliche Seelen am Start sind, die man nicht zwanghaft mit Füßen treten muss, sondern denen man sich völlig normal nähern kann.
Womit wir wieder bei dem weltumspannenden Motto wären, dass ich persönlich lebe: Akzeptanz, Offenheit, Toleranz und Defensivität in punkto Handeln und Sprache. Erst zuhören, dann urteilen. Erst begreifen, danach evtl. kritisieren.
Ein Kino eurer Wahl gibt euch deutschlandweit diesen Monat die Chance darauf, dieses Erlebnis zu machen und 116 spannende Minuten in eine Geschichte abzutauchen, die ich mir direkt im Anschluss nochmal hätte anschauen können.
Diese Gay-Filmnacht hat mich also nicht positiv überrascht, sie hat mich absolut vom Stuhl gehauen und gezeigt, dass man mit diesen scheiß Vorurteilen im Jahr 2017 nicht weiter kommt als bis aufs Klo – denn da gehören sie runtergespült.
Und alle, die das Datum verpasst haben, an dem der Film lief: Die DVD-Welt gehört euch. Greift zu und macht das Experiment, einfach mal mit der Familie oder dem besten Freundeskreis zu schauen. Danach kristallisiert sich raus, wer Freund ist oder wer einfach nur ein dümmlicher Schwätzer ist, der im entscheidenden Moment entblößt, welch hässliches Inneres er eigentlich hat.
Mögen die Spiele beginnen.
Ich hab’s getan. Ich war drin und hab ihn gesehen. Und ihr?
 

.kinoticket-Empfehlung: Das hier ist keine Empfehlung, sondern ein Arschtritt.
Ich wünschte mir so, die Menschen würden alle gegen die symbolische Wand rennen, innehalten und sich diesen Film zu Gemüte führen, denn der offenbart nicht nur ein hochsensibles Thema, dass so grandios umschifft und eingezäunt wird, um letztendlich auf den Punkt zu kommen, sondern begeistert auch in allen anderen Bereichen eines Films mit herausragendem Können, meisterlichem Handwerk und einer Liebe zum Film, die in allen Facetten aufblüht und unkommentiert bewundernswert ist.
Ich war zutiefst positiv geschockt und habe nun den endgültigen Beweis, dass die Gay-Filmnacht ein Event im Kino ist, dass durchaus meine unabgelenkte Aufmerksamkeit verdient.

 
Nachspann
folgt ohne weitere Szenen und Kommentare.

The Girl with all the Gifts

Ich hab Angst. Der Film ist gerade erst ins Kino gekommen und dümpelt bereits von Anfang an in den 23 Uhr Vorstellungen rum, die erfahrungsgemäß sowieso keiner großartig besucht.
Ich verstehe, weshalb man als Kinobetreiber darum ersucht, solche Filme in eben jene Zeitschienen zu schieben, weil sie aufgrund ihrer Inhalte schlichtweg früher fehlplatziert wären.
Ich erkenne das Dilemma, hier auf Jugendschutz zu achten und gleichzeitig das Kunststück fertig zu bringen, etwas derartiges überhaupt zu screenen.
The Girl with all the Gifts verschlägt mir gerade derartig die Sprache, dass ich nicht weiß, was ich überhaupt dazu sagen sollte, außer sprachlos mit dem Maul zu klappern und in richtung Kino zu brüllen.
Leute – das ist mit Abstand der BESTE Horrorfilm, den ich in diesem ganzen Kinojahr (beginnend mit dem April letzten Jahres) überhaupt je gesehen habe.
Wie sehr bin ich ständig auf der Suche nach all den Elementen, die man hier nicht nur feierlich miteinander vereint, sondern auf so extrem brachiale Weise gebracht hat, dass es mir nach der Vorstellung immer noch in Mark und Bein übergeht.
Wo soll ich anfangen? Und wie?
Der Film reißt. Er reißt dich so gewaltig in einen Strom von (An)Spannung, die die ganze Spielzeit über kaum abreißt. Meine Arme schmerzen immer noch.
Informationen gibt’s keine. Es passiert einfach und du sitzt die ganze Zeit davor und denkst dir: “What the Fuck?” während mit unerbärmlicher Grausamkeit und orkanartiger Stärke vernichtende Bilderstürme über dich hereinbrechen, die nicht nur mit absolutem Unverständnis, sondern einer derartigen Endgültigkeit über die gnädigen Wünsche urteilen und dich vor absolut vollendete Tatsachen stellen, die du nicht nur nicht wahrhaben willst, sondern deren Realität du wohl kaum begreifen wirst – auch nicht, wenn es denn irgendwann mal klar wird.
Warum?
Warum?
Mir fehlen einfach die Worte. Kein Gefasel. Keine Befriedigung. Keine Abfertigung irgendwelcher Massen. Kein Kommerz. Kein Gebashe. Keine Vergleiche. Kein Genörgel. Absolut keine Kompromisse.
Der Plot stellt sich jeglichen Anforderungen einfach mit seiner totalen Wahrhaftigkeit in den Weg und rumpelt alles platt, was es schon mal gegeben hat.
Die Show zieht. Und zwar sowas von. Atempausen gibt es keine. Höchstens ein paar Inseln, die sehr schnell offenbaren, dass Ausruhen als Tätigkeit nicht akzeptiert wird.
Dazu der Soundtrack. Dazu die Optik … mir kommen vor Freude und Ergriffenheit fast schon die Tränen! Es ist mit Abstand – mit Abstand der beste Horrorfilm dieser Art, der hier so klare Grenzen gegenüber allem anderen zieht und mit Dingen beeindruckt, die sonst keiner vorweisen kann. Allein schon, dass wirklich an alles gedacht wurde und die Intelligenz des Zuschauers in keiner einzigen Sekunde beleidigt wird … Meine tiefste Ehrfurcht und Verneigung vor den Machern dieser Story!
Wer jemals wissen wollte, wie ein Film aussieht, der zu absolut 100% meinen Geschmack trifft: Hier ist er. The Girl with all the Gifts.
Und wisst ihr, was der größte Scheiß daran ist?
Das Teil sprießt so dermaßen aus einer Nische heraus, dass man tausende von Kilometern zurücklegen muss, um überhaupt ein Kino zu finden, das ihn zu einer nicht existenten Tageszeit auf den Screen wirft. Und was glaubt ihr, wie lange wird sich diese Konstellation in unserer geldgierigen Weltwirtschaft wohl auf den Bildschirmen halten können?
Und genau davor habe ich Angst. Bittere Angst. Denn anschauen will ich mir das Teil nicht nur noch 10 oder 20 mal …
 

.kinoticket-Empfehlung: Ihr wollt einen Referenzfilm, der meinen Geschmack zu 100% trifft und völlig kompromissfrei meinen zutiefst sehnlichen Filmgeschmack repräsentiert?
Hier ist er.
Anschauen! Wenn ihr alt genug seid und genügend davon ertragt.
Und das bittere ist: Ich wünsche mir nicht nur die Filmwelt unter diesen Umständen, sondern hätte auch nichts dagegen, wenn es auf unserer Welt so zugehen würde, denn das würde bedeuten: Es gibt doch Gerechtigkeit und all unsere Sünden wären damit vergeben.
Mir hat’s die Sprache verschlagen – und ich wette, jedem von euch wird das auch so gehen, sofern ihr auf dieses Genre steht.
Ein grandioser Meilenstein perfekten Kinos. Rein!

 
Nachspann
Ruhig noch sitzen bleiben, es kommt zwar nichts mehr, aber der Sound dreht hier nochmal richtig auf.

Jack Reacher 2: Kein Weg zurück

Mit Tom Cruise geht hier wieder ein Mann an den Start, dem man gelungene Filme zutraut und auch ein gewisses Niveau abverlangt. An Geld mangelt es dem Kerl nicht mehr, an Schauspielerfahrung und Tiefenwirkung genauso wenig.
Seine persönlichen Ausflüchte in Sachen Weltansichtsüberzeugungen mal außen vor war ich von seinen persönlichen Werken in filmischer Hinsicht eigentlich immer sehr angetan, im speziellen von den Mission: Impossible-Filmen.
Mit Jack Reacher 2: Kein Weg zurück setzt er ein filmisches Abenteuer fort, dass ebenfalls an das Niveau der M:I-Reihe angrenzt, es jedoch nicht ganz aufs Podest schafft.
Keine Frage ist auch hier wieder jede Menge Größe, die einem Epos nachhallt, in jederlei Hinsicht zu finden. Drehbuch, Plot, Wendungen, Kameraführung, Look & Feel – es passt soweit.
Wer Jack Reacher nicht kennt und völlig erwartungsfrei hier rein geht, darf sich gerne auf einen soliden, überzeugenden und unterhaltsamen Film einstellen, der auch als Fortsetzung alleinstehend geschaut werden kann und nicht viel Vorwissen benötigt.
Jedoch hat mir das Quäntchen Perfektion und persönliche Leidenschaft gefehlt, dass man ihm in M:I noch angesehen hat. Reacher läuft etwas unbedeutsamer, ruhiger, unterschwelliger über die Bühne und präsentiert sich nicht von seiner glanzvollsten Seite. Dafür jetzt aber den Film extra abzuwerten, empfinde ich persönlich als zu hart.
 

.kinoticket-Empfehlung: Gute Unterhaltung, die sich oberhalb des üblichen Mainstream-Blablas befindet, erhält man hier garantiert.
Wer auf Bond-Niveau hofft, sollte seine Erwartungen runterschrauben, jedoch wird man von einem Besuch dieses Streifens auch nicht enttäuscht.

 
Nachspann
Nope – der Weg nach draußen ist nach der Abblende geebnet.

Mein Bruder der Held

Nach den ersten positiven Erfahrungen in einer Gay-Filmnacht habe ich beschlossen, mir erneut ein solches Event zu geben und im Zuge dessen Mein Bruder der Held geschaut.
Dass sich dieser Film primär mit den militärisch-familiären Problemen der thailändischen Bevölkerung auseinandersetzt und ein gesellschaftliches Bild der Kultur dort abbildet, lässt mich persönlich daran zweifeln, was dieser Film in einer schwulen Abendvorstellung verloren hat. Vielmehr hätte ich ihn in die bildende Fraktion anderer Kulturen gesteckt, in denen eben das Schwulsein u.a. sehr dezent und unterschwellig mit angerissen wird.
Die Freigabe ab 12 lässt ebenfalls vermuten, dass hier so gut wie gar keine eindeutigen Szenen gezeigt werden, die nähere Rückschlüsse zulassen, sondern allenfalls Andeutungen stattfinden, die aber so subtil und unterschwellig dargestellt wurden, dass man rein aus der Tatsache heraus, in einem Gay-Film zu sitzen auf eben dieses schließen musste.
Die sozialkritischen Aspekte der Jugendlichen, die sich mit den Gepflogenheiten ihres Landes auseinandersetzen müssen, standen ganz klar im Vordergrund und bildeten für mich damit eine Basis, die den Film einem viel breiterem Publikum zugänglich macht. Nicht umsonst hat dieses Werk ein paar Preise abgeräumt. Und das meines Erachtens nach zurecht.
Ich war anschließend dankbar dafür, welche Zustände in Deutschland herrschen und dass wir nicht derartiger Willkür ausgesetzt sind, die im Film ganz klar kritisiert wurden.
Auch die eher unbekannten Darsteller lieferten in diesem Werk eine überzeugende Performance ab und hinterließen bei mir einen durchweg positiven Eindruck. Nehmt den Film aus der schwulen Ecke raus und stellt ihn auf eine künstlerische Basis, damit viel mehr Menschen sich mit diesen Dingen auseinandersetzen und zumindest filmtechnisch wichtige Aufklärung erfahren. Und damit meine ich nicht sexuelle Aufklärung.
 

.kinoticket-Empfehlung: Und was hatte der Film jetzt mit Schwulsein zu tun?
Exakt das war meine Frage beim Verlassen des Kinosaals. Ein hervorragendes Portrait der thailändischen Jugend in einem Land, das eine völlig andere Kultur lebt als wir sie kennen und darüber unterhaltsame Aufklärung liefert.
Vielen Dank für die Chance dieses intimen Einblicks in das Leben anderer Länder.

 
Nachspann
Es werden keine nachfolgenden Szenen oder Sequenzen gezeigt. Bei Abspann: Flucht.

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