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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Maria Bello

Letztendlich sind wir dem Universum egal

Als wir Kinder waren, haben wir den Fernseher eingeschaltet, einen Film eingelegt und uns dann gebannt vor die Flimmerkiste gehockt und uns von Filmen verzaubern lassen. Es war das Tor zu einer anderen Welt. Unmögliche Dinge waren auf einmal möglich, Magie erwachte zum Leben, Unvorstellbares wurde so glaubwürdig serviert, dass man einfach nicht zweifeln durfte, ob es echt war. Für uns war es das. Für uns war auf einmal alles möglich. Es war DIE Freikarte für eine Welt ohne Grenzen. Spannung wurde aufgebaut. Unglaubliches wurde offenbart.
Letztendlich sind wir dem Universum egal ist genau die Sorte Film, die ich damals als Kind geliebt habe: Du legst einen Film ein, etwas unfassbares passiert gleich am Anfang und der restliche Film beschäftigt sich dann mit der Auflösung oder Suche nach dem Grund oder erzählt, was überhaupt passiert ist. Genau diese Optionen lotet man hier ganz neu wieder aus, packt den Streifen dabei voll mit klasse Schauspielern und erzählt eine wunderbare Story, die so faszinierend sein kann – wenn man vorher nichts, wirklich rein gar nichts darüber weiß.
Also schaut euch KEINE .trailer an, lest keine Inhaltsangaben, haltet euch die Ohren zu, wenn andere etwas über diesen Titel erzählen wollen und geht völlig unbefangen und voller Interesse in diesen Film – dann, und nur dann, macht er auch richtig Spaß.
Ich habe mich mittlerweile wieder mit einigen unterhalten, die mir summa summarum mitgeteilt haben, dass sie diverse Probleme mit dem Ende hatten. Hier sei eine zu unvollständige, unbefriedigende Lösung angeboten worden.
Genau da hängt sich dieser Film auch ein wenig an sich auf: Allerdings ist das meiner Meinung nach kein Problem dieses Films, sondern ein Problem dieses “Genres” wenn man so will: Die Faszination und Mystik, die einem am Anfang in unerträglich hohen Dosen ins Hirn geworfen wird, kann per se nicht komplett bis zum Schluss erhalten werden, es sei denn, man böte gar keine Auflösung, was dann der Rest des Publikums wieder scheiße finden würde. Es ist also gar kein so großes Problem, sondern mündet einfach in ein “großes Becken” und läuft darin langsam aus.
Dieser Umstand macht den Film für mich aber jetzt nicht uninteressanter. Ein .kinoticket darf man also auch gerne für diese Vorstellung lösen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Rein ins Kino, Licht aus, Spannung an und eine faszinierende Geschichte ist garantiert.
Der Film baut auf Systeme alter Schule und hat damit auch Erfolg, scheitert ein klein bisschen am Schluss, was das Gesamterlebnis aber kaum trübt, da die Idee und Umsetzung wirklich einmalig ist und so auch noch nie vorher im Kino präsentiert wurde.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 31. Mai 2018

Lights Out

Wer sich den Trailer anschaut und diesem Genre etwas abgewinnen kann, dem kribbelt es anschließend tierisch in den Fingern. Ich hab mir extra eine große Portion Extrazeit mitgebracht, um mir den Streifen in der Nachtvorstellung noch anzuschauen und da ich mein Stammkino für seine Lautstärke und immense Wucht, die damit verbreitet wird, tierisch liebe, wurde es einfach nur eine gelungene geile Vorstellung.
Aber der Reihe nach. Allein schon der Titel ist dem genialen Einfall so unterlegen, dass man hofft (und die Gebete werden teilweise bereits erhört), dass demnächst noch weitere Teile diesbezüglich aufkreuzen werden. Dieser Thematik hat man sich so in der Filmwelt noch nie angenommen und dabei gänzlich (!) auf sämtliche Vorfälle und Handlungen verzichtet, die dem Horrorfilmschauer übel aufstoßen könnten.
Ganz im Ernst: So ernsthaft, normal, realitätsgetreu und brillant habe ich lange keinen Schauspieler mehr solch ein Thema spielen sehen wie in Lights Out. Nicht nur die Kinderdarsteller sind hervorragend gecastet, sondern auch die Erwachsenen enttäuschen zu keiner Zeit mit irgendwelchen Plattitüden, für die man die Protagonisten in Horrorfilmen so oft hasst.
Doch nicht nur im Spiel selbst, sondern auch bei der Einbeziehung der verschiedenen Optionen während der Show verzichtet man hier gänzlich auf Dummheit und obliegt einer realitätsnahen Schärfe, die man sich in so vielen anderen Filmen dieser Art so sehr wünscht. Wie erstaunlich und selbstreflektierend man sich hier immer wieder auf die Suche nach dem titelgebenden Licht macht, grenzt fast schon an ein Kunstwerk und lässt vergessen, dass keine milliardenschweren Sponsoren im Hintergrund sitzen, die sich Probleme einfach mit Geld wegkaufen.
Diese Ausdrucksstärke in den Gesichtern und den Augen der Darsteller, das Mitdenken in brenzligen Situationen und im Affekt richtige Handeln, der Schauer, der einem als Zuschauer durchaus die Rückenpartien runterläuft, während man nicht gespielt und erzwungenermaßen, sondern reell geschockt wird – von mir eine Eins Plus.
So unbefremdlich und klasse war schon lange kein Horrorfilm mehr, der dazu auch noch den Weg ins Kino überstanden hat. Ich war einfach nur begeistert und bete, dass man diese Schiene nicht zerfleddert und genauso derbe ausschlachtet, wie seinerzeit Saw. Dann hätten wir nämlich endlich wieder mal etwas, worin man sich als Fan gerne badet und das auch im heimischen Kino durchaus zu überzeugen weiß.
Auch erwähnenswert: Benjamin Wallfisch – der schon die Trailersounds für Die Insel der besonderen Kinder spendierte und damit voll ins Schwarze traf. Dieser Musikspezialist trumpft hier auch wieder mit einem Beat zum Niederknien auf, der allein schon Grund ist, selbst als Blinder die Vorstellung zu besuchen und sich von dieser tragenden Schwere langsam ins Reich des Staunens tragen zu lassen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Horror, der sich lohnt? Lights Out.
Nach diesem Film gehst du garantiert nicht ohne Taschenlampe ins Bett. Schocker, Darstellung und Realitätsnähe sind hier am oberen Limit und überzeugen mit einer Natürlichkeit, die seinesgleichen sucht.
Nicht nur der Sound überzeugt auf voller Länge, sondern sämtliche Horrorfilmklassikerdummheiten wurden ausgelassen und machen einer wunderschönen Normalität Platz, die man in vielen anderen Filmen dieses Genres oft vermisst. Wenn sich ein Film zum Gruseln lohnt, dann ist es Lights Out – also rein da!

 
Nachspann
kommt außer der abnormal geilen Mucke nichts mehr, auf das man warten müsste. Aber die Musik …. schwärm
 

Die 5. Welle

Die Herren der PR-Abteilung haben hier alles richtig gemacht: Der Trailer suggeriert nicht nur, er zwingt einen dazu, sich diesen Film ansehen zu müssen. Wer lässt sich auf solche Spielchen nur allzugerne ein? Moi.
Meine Erwartungen vor dem Film? Action dass es kracht. Weltuntergangsstimmung. Seelische Verzweiflung à la The Walking Dead. Die stille Hoffnung, dass der Trailer nur angerissen hat, er eher ein Teaser sein will und kein Vollender. Irgendeine Mainstreamgeschichte, bei deren Effekten man so zerbombt wird, dass man über die menschliche Oberflächlichkeit hinwegsehen kann.
Was man geliefert bekommt? Ein klein wenig Vorhersehbarkeit und quasi einen Grundschulfilm über die Apokalypse. Hier werden keine genialen Ideen verbreitet und damit der Filmmarkt neu aufgemischt, sondern eher bekannte Stilmittel zum Zwecke der Selbstvermarktung eingesetzt, um eine Pointe am Leben zu erhalten, die sich relativ früh erschließt. Dabei kann es mitunter teilweise sogar zu Langeweile kommen, wenn Dinge abgefrühstückt werden, die zwar zur Story gehören, die Handlung aber keineswegs voran treiben oder heimliche Hoffnungen auf Überraschungen vorbereiten.
Schlussendlich bewahrheitet sich nämlich genau das, was einem kurz am Anfang in den Sinn kommt und sogar von den Darstellern verbal angesprochen wird. Und damit versetzt sich der Film im Prinzip seinen eigenen Todesstoß, denn von Weltuntergang erwarte ich etwas so berauschendes und gewaltiges, das alles bisher dagewesene in den Schatten stellt und neue Superlativen auf den Markt wirft.
Schade eigentlich, denn auf diesen Titel hatte ich lange hingefiebert und diese Art der Enttäuschung tat letztendlich wirklich ein bisschen weh.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer Spaß an Endzeitdramen hat und die apokalyptische Grundstimmung am Leben erhalten möchte, der findet in diesem Titel einen weiteren Film, der sich die typischen Elemente der Zerstörung von außen zu eigen macht.
Wer Überraschungen liebt oder nach San Andreas noch eins oben drauf will, der wird schmerzlich enttäuscht.
Ich hatte das Gefühl, hiermit möchte man die angehenden Heranwachsenden auf die Filmwelt der Erwachsenen vorbereiten und liefert ihnen Stoff, für den kein Psychiater zum Anwalt rennen würde, der aber dennoch hart genug ist, um die Jüngsten zu schockieren.

 
Nachspann
Kommt keiner mehr. Demnach gibt es auch keine Erwartungen an eine Fortsetzung.

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