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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Margot Robbie

Maria Stuart, Königin von Schottland

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© 2019 Universal Pictures International

Saoirse Ronan und Margot Robbie dienen schon längst der elitären Vorstellung von damhaften Rollen in Kinofilmen, die eine gewisse Präsenz ausstrahlen und somit zur Oberschicht weiblichen Kinos zählen. Diesbezüglich haben sie sich in der Vergangenheit einen Ruf aufgebaut, der heute kaum noch Einsatz und Leistung erfordert, sondern oftmals das bloße Erscheinen ausreicht, um von aller Welt gefeiert zu werden und einen Hype auszulösen, der quasi nichts anderes als den puren Erfolg zulässt.

Diesen Trend empfinde ich persönlich als sehr gefährlich, weil dadurch nicht mehr Leistung anerkannt wird, sondern unspezifische Gegebenheiten als „persönliche Leistung“ deklariert werden und die ganze Welt förmlich Amok läuft, obwohl überhaupt gar nix ist.

Auf deutsch: Dass diese beiden Damen schauspielern können, haben sie längst bewiesen. Dass deshalb jetzt jedes Werk unreflektiert abgefeiert werden und ihrer „Größe und Brillanz“ keinerlei Zweifel mehr anhaften dürfen, ist deswegen längst nicht richtig. Maria Stuart – Königin von Schottland ist einer dieser Filme, die berechtigte Zweifel für die Eignung zum großartigen Leinwand-Event aufkommen lassen dürfen, zumal hier vielmehr Theater-Einspieler und bühnenhafte Inszenierung richtig wäre und man deutlich spürt, dass reines Kino nicht Sinn und Zweck dieser Darstellung ist.

Unlängst hat es einen Film mit dem exakt gleichen Titel gegeben … und auch, wenn hier jetzt die Vorgeschichte erzählt werden will, reicht dies noch längst nicht, um vor Entzückung alle seelischen Hüllen fallen zu lassen und sich der spielerischen Ekstase hinzugeben. Natürlich: Darbietung, Ankleidung und Make-Up sowieso alles Textilgesteuerte rund um den Film haben ihre Berechtigungen für Auszeichnungen im Vorfeld längst passiert, dass deshalb der Kinoabend für den Zuschauer ein Stimmungsgarant wird, steht wiederum auf einem völlig anderen Blatt.

Hier muss man schon gewisse Avancen für Theaterliebe mitbringen, um vollends in der Erzählung aufzublühen und sich in den Anblicken dieser beiden Damen und deren Welt um sie herum zu verlieren. Die ist nämlich völlig anders, als der Kinogänger sie bisher kennt: Irische Härte, brutale Kämpfe, Braveheart-Blut und dramatische Moral: All dies entfernt sich still und heimlich aus Maria Stuart und überlässt das Feld einer überhypten Selbstverständlichkeit, die meiner Meinung nach bestenfalls zweifelhaft ist.

.kinoticket-Empfehlung: Sieht gut aus, wird auch gut gespielt, bedeutet aber noch lange nicht, dass daraus auch ein guter Film entsteht: Theater ist hier das Maß aller Dinge.

Ob dies zwingend auch immer auf einer Kinoleinwand funktionieren muss, ist deshalb nicht zweifelsfrei erwiesen. Man muss aufpassen, dass man den Damen nicht per se eine herausragende Schauspiel-Leistung deklariert, sondern ob ihrer hohen Qualität auch immer neu hinterfragt, ob dies nun tatsächlich oscarwürdig ist oder nicht. Nur, weil‘s früher mal unangefochten war, bedeutet ja noch lange nicht, dass dies auch heut noch der Fall ist.

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Mary Queen of Scots
Length: 125 Min.
Rated: FSK 12

Goodbye Christopher Robin

Was haben wir aus der Vergangenheit gelernt? Twentieth Century Fox kann Filme. Einmal mehr hat sich das Tochterunternehmen des Studios einer Geschichte angenommen, die unverblümte Wahrheiten auspackt und damit ganz neue Einblicke in den Wahnsinn manchen Geschehens ermöglicht. Dass Menschen so sind, wie sie sind, ist ja weithin bekannt und wurde millionenfach von Hollywood besungen.
Was hier allerdings zum Besten gegeben wird, ist nicht nur sensationell überraschend, sondern trumpft mit einer Unglaubwürdigkeit auf, die so manches Weltbild zum Einsturz bringen könnte. Anfangs mutet der Film noch sehr altmodisch an, braucht eine Weile, um in die Gänge zu kommen und richtig an Fahrt aufzunehmen, aber dann entwickelt sich das einerseits zu einem Heidenspaß, andererseits glänzt man hier durch schockierende Tatsachen, die endlich mal die ganze Wahrheit solcher Fälle offenbaren und nicht immer nur die Creme-Seiten auftischen.
Und genau das macht diesen Film so spannend: Inspiriert von der wahren Geschichte, die die Hintergründe zu dem liefert, was Medien und Co. seinerzeit schon zu Tode getrampelt haben, ermöglicht man nun den Zuschauern, sich hier umfänglicher zu informieren und die Reise noch einmal durchzuführen, nur diesmal eben von der anderen Seite der Scheibe aus.
Ganz deutlich muss man hier auch die Hauptakteure des Films hervorheben, die sich durch ihr Schauspiel großartig von der Masse abheben: Margot Robbie, vielen aus Suicide Squad oder I, Tonya bekannt, begleitet von Domhnall Gleeson, den einige wohl zuletzt in Star Wars: Die letzten Jedi auf der Leinwand gesehen haben dürften, und den Kinderstar Will Tilston, dem nach dieser Leinwandoffenbarung alle Türen im Showbusiness offen stehen dürften.
Die großartigen Leistungen – und vor allem auch das großartige Plädoyer der Dialogschreiber zeigt einmal mehr, dass auch in Hollywood die Kunstfertigkeit der Sprache noch nicht gänzlich ausgestorben ist, sondern man durchaus auf hohem Niveau zu entzücken weiß.
Am Schluss versteht man vieles nicht mehr, an das man früher gerne glauben mochte, zieht aber nicht enttäuscht, sondern bestens unterhalten von dannen und hat einen weiteren wunderbaren Film in seinem Sichtungsportfolio.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nehmt euch am Anfang ein wenig Zeit, um in den Film reinzukommen, nach ungefähr 20 Minuten taut der dann wirklich auf und liefert erstklassige Unterhaltung, die u.a. sehr zum Lachen anregt.
Die Story und das Geschehen könnte so manches Weltbild einstürzen lassen, umso wichtiger ist daher, dass genau das auch unters Volk kommt und gesehen wird. Vielleicht versteht man dann einiges ein klein wenig besser.

 
Nachspann
❌ Nach dem Text ist Schluss – hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 7. Juni 2018

I, Tonya

Fangen wir mal mit dem Titel an: Der führt zurück auf das Werk “I, Caesar – The Rise & Fall of the Roman Empire“, was bereits viel über das hier vorliegende Werk aussagt – und zwar nicht nur in punkto zynischer Schärfe, die man grundsätzlich und allgegenwärtig im Film spürt.
Regisseur Craig Gillespie, der sich eigentlich schon aus dem Filmbusiness verabschieden wollte, gelangte an die wahre Story über die Eiskunstläuferin, die als erste amerikanische Athletin den Dreifach-Axel gesprungen ist und war fasziniert von ihrer Geschichte, die damals von den Medien bis zum Tode ausgeschlachtet wurde.
Er begab er sich nicht nur auf die Suche nach den wahren Persönlichkeiten, um sie allesamt vor der Kamera zu interviewen, sondern durchstöberte auch die zahlreichen Quellen auf YouTube und online, die ihm quasi als Quell freudiger Erinnerungen gefüllt mit jeder Menge authentischer Beweise zusprudelten.
Margot Robbie ihrerseits hatte – wie ich im Übrigen auch – von der Originalstory recht wenig mitbekommen und dachte beim Lesen des Drehbuchs an eine fiktive Geschichte und war fasziniert über die skurrilen Zusammenhänge und Kreativität, der sich die Drehbuchautoren scheinbar bemächtigten.
Tatsächlich ist bei ihnen aber rein gar nichts aus den Fingern gesaugt, sondern basiert alles auf den Erzählungen dieser Interviews und kommt damit quasi aus erster Hand. Gut so, denn hier sollte nicht einmal mehr der mediale Schlachtruf posaunt und daraus noch eine Melk-Kino-Kuh zum Tode geführt werden, sondern man wollte dem Zuschauer die Möglichkeit geben, die Sachlage nicht durch die Brille der Medien bewerten zu müssen, sondern sich ein eigenes Bild davon verschaffen zu können, was damals wirklich passiert ist.
Die echte Tonya Harding war in den Dreh bereits involviert und lobte u.a. Margot Robbie für ihre natürliche und realistische Darstellung ihrer Person – was ja auch schon viel heißt. Unsereiner kennt sie vielleicht eher als Harley Quinn aus Suicide Squad oder aus dem Film The Wolf of Wall Street, der sie zu internationaler Bekanntheit führte.
Man sagt – und das zu Recht – dass diese Rolle hier die ihres Lebens sei. Und man spürt es. Ich habe nach der Vorstellung mit einem Eiskunstschnellläufer gesprochen, der mir die Szene und den Sport an sich etwas beschrieb und er meinte, dass alles, was im Film gezeigt wird, tatsächlich sehr nah an der Realität ist und in diesem Sport genau so vorgegangen wird, wie im Film gezeigt.
Meine Frage, was er als “inszeniert” bezeichnen würde, beantwortet er damit, dass die echte Harding wohl eher weniger provokativ gewesen sei und nicht ganz so forsch in ihrem Auftreten, es Robbie aber sehr gut geschafft hätte, ihre Persönlichkeit zu imitieren.
An den Regeln und dem Drumrum würde er gar nichts ändern, denn das sei genau so, wie es damals gewesen ist. Und tatsächlich hat der Regisseur auch auf sehr viele Originale zurückgegriffen und konnte sich viele Dinge aus den Aufzeichnungen zusammenholen, um sie anschließend in diesen Film zu packen, der sich von menschlicher Seite aus an die Story annähert und damit ein wunderbares Bild – ja fast schon den Traum einer Berichterstattung – liefert, dass wir wohl in den Medien auch in 100 Jahren nicht zu sehen kriegen werden.
 

.kinoticket-Empfehlung: In meinen Augen ist der Coup definitiv gelungen und es ist keine breiige Aufwärm-Gülle, die uns hier vorgesetzt wird, sondern erstklassige Kunst, ein so ausgeschlachtetes Thema oscarwürdig zu präsentieren.
Auch wenn man dem Sport nichts abgewinnen kann, sollte man sich die Mühe machen und den Film sehen, denn schon der Sarkasmusanteil ist allein einen Besuch im Kino wert – und bislang hat noch niemand gesagt, dass ihn dieser Film enttäuscht hätte.

 
Nachspann
Zeigt die echten Szenen von damals und beweist, wie akkurat und präzise sich Robbie dieser Thematik gewidmet hat.
Kinostart: 22. März 2018

Suicide Squad (3D)

Ich beobachte in der Welt immer wieder Phänomene, die ich nicht verstehe. Zum Beispiel, wenn Menschen etwas Großartiges hernehmen, daraus eine kleine Ecke abbrechen und alle wie die wilden Hunde über diese kleine Ecke herfallen und den Rest stillschweigend ignorieren.
Batman ist so ein Phänomen, ein Meisterwerk, bei dem wirklich alles stimmt. Schauspieler, Geschichte, subtile Moralpredigten, der aufkeimende Wahnsinn, der ausbrechende Wahnsinn, Schauspielerleistungen, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen, ein Score zum Niederknien und in der Neuzeit eine Form von Boshaftigkeit und Düsterness, die Leuten wie mir die Gänsehaut auf den Rücken jagt – vor Begeisterung.
Und was tut der Großteil der Menschen?
“Wähhhhh, Joker hat viel zu wenig Spielzeit bekommen buhahahahahaäääääMAMAAAAAAA!!!”
Ganz ehrlich? Ich versteh’s nicht.
Ja, wir alle wissen um die Vorherrschaft außergewöhnlichen Schauspielerns des grandiosen Jokers aus The Dark Knight, der eine Show hingelegt hat, die selbst im Folgeteil nicht überboten werden konnte (und: Überraschung => auch niemals mehr überboten werden wird!) und nun rennen Scharen von Menschen dem Irrglauben hinterher, etwas Vollkommenes ließe sich durch Wiederholungen zu etwas noch vollkommenerem umwandeln.
Leute, das funktioniert nicht. Genauso wie in der Musik, wenn einer eine grandiose Idee hat, die jeder abfeiert und anschließend Milliarden anderer “Künstler” sich dieses Machwerk zu Herzen nehmen und abertausende Male kopieren – es ist und bleibt ein langweiliger Brei an Musik, der hinterher auf dem Tablett steht und niemandem mehr schmeckt, sondern nur noch das fade Gefühl von Traurigkeit und Bedauern auslöst, wo doch so viel kreative Kunst stattdessen durchs Radio schallen könnte.
Wieso also – wieso heulen alle rum und fixiert sich jeder verdammte Bundesbürger einzig und allein auf einen einzigen Charakter in einem Universum, das von interessanten Persönlichkeiten nur so geprägt ist?
Suicide Squad schert sich darum einen Scheißdreck. Macht zumindest den Eindruck. Denn was hier geboten wird, lässt mir persönlich die Gänsehaut nicht den Rücken hoch und runterfahren, sondern dringt direkt ins Fleisch ein und sorgt für einen Dauerzustand von düsterem “Wow”.
Ja, ich mochte den Film. Ich mochte die Art, wie man großartige, epische Charakter mal eben an den Rand packt und etwas viel größeres auffährt, wie man mit Effekten spielt und aus Verzweiflung zu bunt wechselt, weil die Seele, das Empfinden, die Umgebung und alles andere einfach nur noch böse ist.
Ich mochte, dass man es geschafft hat, einen Film ins Leben zu rufen, in dem es so absolut rein gar nichts Gutes mehr gibt, und dieser krampfhafte Versuch, das Böse böse aussehen zu lassen, schlichtweg nicht nötig ist, weil die Schauspieler (jeder von ihnen) auf ihre Weise so authentisch spielen, dass der Regisseur zu Recht Psychologen ans Set gerufen hat aus Angst, ihm würden die Leute schier durchdrehen.
Dass hier nicht nur mit Wahnsinn gespielt wird, sondern der Wahnsinn eine allgegenwärtige Macht ist, die den ganzen Film über durchzieht und durch seine Omnipräsenz fast schon einen eigenen Charakter darstellt – darüber hört man kein Wort. Und meine Fresse, wie zieht sich alles in einem zusammen, wenn man die durchgeknallten Charaktere auf der Leinwand rumwüten sieht, während alles um sie herum zerbricht und keiner von ihnen dabei seinen krankhaften Humor verliert oder in anderer Art und Weise abtrünnig wird und in kritisierenswürdiger Form schwächelt – nichts!
Die Boshaftigkeit und dunkle Schwere in dem Streifen ist kaum zu ertragen. Nicht, weil sie schlecht ist, sondern weil sie so mächtig und überzeugend ist, dass man sich als psychisch Labiler durchaus ernsthaft die Frage stellen sollte, ob man sich diesen Film überhaupt anschaut oder besser nicht.
Der Trailer hat ja sein Übriges dazu geleistet, um möglichst viele Menschen davon abzuhalten, in Suicide Squad zu gehen, den verhaltenen und abweisenden Reaktionen des Publikums anderer Filme nach zu urteilen, wenn im Vorprogramm die gute alte Musik lief.
Und ganz ehrlich? Das ist auch gut so. Die Herrschaften in diesem Film geben sich die größte Mühe und setzen hier ein Werk in Gang, dass den Massenphänomenen nicht gewachsen sein will, sondern lieber böse ist und in Nischen vorprescht, die langsam keine mehr sind. Und – oh Wunder – langsam setzt sich das Phänomen Suicide Squad doch durch und wandert in immer größere Säle, die selbst zu den Spätvorstellungen noch reichlich gefüllt sind.
Fakt ist: Suicide Squad ist ein Film, der die Nation ohne Frage spaltet und kein Mittelding zulässt. Diejenigen, die ihn mögen, trauen sich in der immer überwachteren Öffentlichkeit kaum noch, das laut auszusprechen und beginnen fast schon zu flüstern und sich vorsichtig vorzutasten, um ihre Sympathie mit dem Streifen zu bekunden, während die, die ihn hassen, mit schwenkenden Fahnen durchs Land ziehen und versuchen, den Hype um diesen Film gleich im Keim zu ersticken.
Ganz ehrlich? Lasst es uns doch einfach abfeiern und die Show genießen, denn was man hier geboten kriegt, ist längst nicht der Zenit dessen, was im Rahmen dieser Veröffentlichung noch vor uns liegt.
Nur eines: Haltet eure Kinder von diesem Film fern und gebt ihnen genügend Zeit zum Reifen, Stärke aufbauen und dem sinnvollen Umgang mit derlei Gefühlen, denn Suicide Squad ist keine Unterhaltung, sondern vielmehr ein Spiegel der Unterwelt unserer heutigen Zeit. Und genau dieses Erschreckende und Boshafte wird hier ungeschönt auf die Leinwand produziert und hat zumindest mich zutiefst berührt. Anders kann ich mir die 30minütige Gänsehaut nach dem Film nicht erklären. Und ich stehe dazu. Öffentlich.
 

.kinoticket-Empfehlung: Lange nicht mehr so viele Gothics, Metal-Fans, Punks und andere Nicht-Mainstream-Gruppierungen in einem großen Kinosaal gemeinsam zusammen sitzen und feiern gesehen.
Allen schlechten Kritiken zum Trotz sollte man sich – einen positiven Geist und genügend Willensstärke vorausgesetzt – diesen Film ansehen und genießen, dass endlich wieder ein Großer den Mut dazu hat, etwas zu produzieren, was sich auch als Flop erweisen könnte.
Die Darsteller machen ihre Sache so überzeugend, dass man sich tatsächlich wundert, dass hierbei keine größeren psychischen Schäden entstanden sind – und allein das ist eine Filmleistung, die man mit dem Lösen eines .kinotickets durchaus würdigen sollte.

 
Nachspann
die 3D-Effekte noch mitnehmen, das ist nämlich im Film herausragend, und anschließend darf man sich wieder ans Sonnenlicht wagen.

Legend of Tarzan (3D)

Ja, ich weiß: Zur Zeit wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist, neu verfilmt. Der gemeine Kinogänger kann es nicht mehr sehen, alles quillt angeblich neu aus den Macherpistolen und wird uns aufgewärmt und irgendwie “schlechter” wieder vorgesetzt, weil die Ideologie des neuen Einfalls fehlt und Hollywood irgendwie die Ideen auszugehen scheinen.
Stopp! Oben gesagtes mag in vielen Fällen stimmen und das Computerisiert-Überreizte mag die Genialität einer guten Story überholt und vom Thron der Filmseele gestoßen haben, was in vielen Fällen zu einer miesen Überarbeitung eines ursprünglich tollen Films führt, der einfach nochmal Geld in die Kassen spülen und die Zeit bis zum nächsten schlechten Einfall überbrücken soll.
Pustekuchen! Legend of Tarzan schleudert hier eine Form von Film auf den Tresen, der endlich wieder einmal das Attribut “episch” verdient. Und ich mein das Ernst: Nicht nur optisch überzeugt man hier auf einem Niveau, bei dem Farben, Look und Stimmung derart aufeinander abgestimmt sind, sondern auch der Sound prügelt dir um die Ohren, dass es nach langer Zeit mal wieder erwähnenswert ist, die Augen nach dem Score aufzuhalten, denn der vermittelt hier eine Schwere, die nicht in Worte zu fassen ist.
Genauso beschreibungsunwürdig ist die Form der Kommunikation, die man in diesem Film anwendet. Wer seine lieben Schwierigkeiten mit The Jungle Book (3D) hatte, weil der zu kindisch, zu abgehoben, zu unrealistisch war, der wird nun mit einer Erwachsenenversion belohnt, die sich nicht nur in punkto Erzählweise, sondern auch bei allen anderen Rafinessen würdig erwiesen hat und hier mit einer Form von Genialität glänzt, die man sehr sehr lange Zeit im Kino nicht gesehen hat.
Dank Christoph Waltz könnte man fast auf die Idee kommen, Quentin Tarantino hätte sich neu erfunden und würde als Jüngling ein weiteres Mal die Herzen der Kinosüchtigen begeistern, jedoch ist die Mitarbeit von selbigen hier nicht vorhanden. Stattdessen überrascht man mit einer gekonnten non-verbalen Kommunikation, die alles bisher dagewesene mal eben in den Schatten stellt und in meinen Augen ganz großes Kino produziert: Epische Momente, die vor Coolness, angedeuteter Brutalität und überbordender Größe nur so glänzen und dabei zu keinem Zeitpunkt auch nur den Anschein erwecken, hier nicht noch mehr PS unter dem Arsch zu haben, als ohnehin schon über die Leinwand kracht.
Und genau dieser Fakt hat mich rückwärts mit offenem Mund wieder aus dem Kino fliegen und sprachlos werden lassen: Das einzige Wort, das hier klar ausdrückt, was ich in diesem Film empfunden habe, ist: EPISCH!
 

.kinoticket-Empfehlung: Nein, es ist keine brühwarme Auffrischung oder Reinszenierung alten Materials, sondern eine völlig berechtigte, überzeugende und wuchtige Story, die hier mit enorm viel Kraft, Ausdrucksstärke und Bildgewalt über die Bühne rollt und jeden Zuschauer auf seine Weise erreicht.
Der Look, der Sound, die Brachialität und Urgewalt, die man hiermit auf den Zuschauer loslässt, sucht seinesgleichen und liefert endlich wieder einen Film, der die Langeweile des Sommerlochs eiligst verschwinden lässt.
Und wenn man sich nur für diesen Film aufmacht und ins Kino bewegt: DAS lohnt sich definitiv!

 
Nachspann
beinhaltet keine nachfolgenden Momente, Szenen oder Bilder.

Focus

Füllstoff? Nimm den auch noch mit? Oder ganz andere Gründe? Fakt ist, dass mich der Trailer zu Focus überhaupt nicht angesprochen hat, da hier auf die Art Humor angespielt wird, mit der ich so überhaupt nicht kann.

Erzählt wird aber nicht die Geschichte eines Mannes, sondern die einer Truppe, die sich auf ungewöhnliche Weise am “Arbeitsmarkt” positioniert und durch ihr Tun den Kinozuschauer unterhalten möchte. Das beginnt auch recht schnell sehr viel Spaß zu machen, denn die Tricks und Kniffe, mit denen man hier aufwartet, sind nicht unbedingt alltäglich.

Was wohl am meisten fasziniert, ist die Professionalität, mit der hier jeder einzelne arbeitet. Nicht nur die Schauspieler auf der Leinwand, sondern auch das Team dahinter beweist, dass nicht nur so mancher Charakter hier und da mal nicht genau hinsieht. Auch der Zuschauer wird oft und saftig hinters Licht geführt. Trickreiche Wendungen, völlig abstruse Änderungen und gelegentliches Alles-auf-den-Kopf-stellen gehören hier zum guten Ton.

Und das – gepaart mit dem Abstieg in eine Welt, in der sich so mancher gern mal für eine Weile ausruhen würde – überzeugt auf ganzer Linie.

Am Schluss war ich froh, den Film gesehen zu haben, denn als Blindkauf hätte der wohl kaum den Weg in meine Sammlung gefunden.

.kinoticket-Empfehlung: Solide Unterhaltung, bei der hoffentlich kein Nachfolger erscheint, denn die Geschichte ist erzählt – und das durchaus gekonnt.

Bild und Ton wirken im Heimkino sicherlich genauso wie im großen Saal, einmal gesehen haben sollte man den Film aber definitiv.

Nachspann
❌ Braucht man nicht abzuwarten, hier kommt nichts sehenswertes mehr.

Kinostart: 5. März 2015

Original Title: Focus
Length: 105 Min.
Rated: FSK 12

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