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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Los Angeles

Hotel Artemis

Dieser Film ist eine Ode an die Stadt Los Angeles – und ja, der Titel heißt Hotel Artemis und nicht La La Land! Regisseur Drew Pearce vereint hier sowohl nostalgische als auch Sci-Fi-Elemente und bespielt die Leinwand mit einem martialischen Mix aus düsterer Zukunftsdystopie und einer Hommage an das Facettenreichtum der Stadt Los Angeles, in die er sich nach seiner Reise beim Dreh von Iron Man 3 sofort verliebt hat.
Jodie Foster dafür zu rekrutieren, war meines Erachtens einer der besten Schachzüge, da diese Frau einfach perfekt in die Rolle passt und sich für diesen Part auch extra eine “abgefuckte Stimme” zugelegt hat – man sollte sich den Film also definitiv im Original besehen, denn auch die anderen Darsteller kommen amerikanischer rüber und man zollt dem Distrikt viel mehr Respekt, als man dies in der abgesofteten Synchro-Version tut.
Eines der tragenden Elemente des Films ist neben seiner beschaulichen Düsternis und dem futuristischen Schein dreckiger Neonlampen definitiv sein Soundtrack. Die dunklen und unheilvollen Klänge sind wieder mal einen Blick auf das Soundtrack-Album wert, der auch gerne ohne Hintergrundwissen gehört werden kann und definitiv Stimmung aufkommen lässt. Eben jene Stimmung sorgt auch im deutschen Pendant für den richtigen Flair im Kinosaal und entführt in eine dunkle Welt spannender Technik und sarkastischen Humors.
Hierbei hat man sich bewusst für den Independent-Film entschieden und damit den Weg in eines der Studios vermieden, um auch wirklich aufs Ganze gehen zu können und die Story so zu erzählen, wie sie ursprünglich gedacht war. Dies verschafft dem Werk eine große Portion Glaubwürdigkeit und Eigencharme und zollt der größten Stadt der Filme mit seinem bescheiden-grandiosen Beitrag den größten Respekt ever.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine dreckige, futuristische und verneigungsträchtige Hommage an die größte Stadt des Films – mit einer großartigen Jodie Foster und anderen Filmgrößen.
Das Original ist hier der Synchronisation definitiv vorzuziehen, aber auch in der Deutschen Fassung kommt dank des Soundtracks Stimmung auf. Gepaart mit dem düstren Humor und der Eigenwilligkeit entfaltet sich hier die tiefe Liebe zum Film.

 
Nachspann
✅ Man sollte selbst entscheiden, ob sich das Warten lohnt: Ein kleines Gimmick gibt’s noch am Schluss, aber die Welt geht nicht davon unter, wenn man das verpasst.
Kinostart: 26. Juli 2018

Criminal Squad

Heute läuft er endlich an und es wird Zeit, euch darüber zu berichten: Criminal Squad.
Für mich stellt der Film ein paar ganz wichtige Weichen in Richtung Zukunft des Kinos, auch wenn das nur meine persönliche Meinung ist (so wie ja alles hier im Blog). Tatsache ist, dass in jüngster Zeit ein paar neue Metropolen die Zuschauerschaft aus den Sälen rauslocken und anderweitig an die Monitore zu binden versuchen und die Geschäftszahlen dieser Unternehmen sind vielversprechend.
Klar also, dass sich auch in Hollywoods Reihen etwas tun muss, um die Anlaufstelle Kino auch in Zukunft weiterhin attraktiv zu halten und nicht vollends die Kontrolle über den Zuschauerstrom zu verlieren – denn genau das haben sie in den letzten Jahren ja unentwegt zugelassen.
Und in der Tat: Spricht man mit Regisseuren und Filmschaffenden, stellt man fest, dass den Big Bosses Risiken mittlerweile viel zu risikoreich (haha) geworden sind und man sich lieber 10.000x absichert und ja niemand verprellen will. Das Ergebnis sind weichgespülte Drehbücher, runtergecuttete FSK-Freigaben, merkwürdig seltsame Allgemeinplots und das Fehlen jedweder Nischen, die eine ganz spezielle Klientel – diese dafür dann aber exzellent und nicht nur durchschnittlich ansprechen.
Hauptsache, man lockt so viele Zuschauer wie möglich ins Kino und der Rest ist dann egal. Nun kommen Netflix und Konsorten auf den Plan und vermasseln dieses Geschäft durch ein paar Stellschrauben, die in den großen Studios seit Jahren eingerostet zu sein scheinen: Man erteilt Kreativitätsfreigaben, man macht Gelder locker, man ärgert sich nicht über vergeigte Serien, sondern schöpft aus einem Topf und verteilt einfach an alle.
Hat man sich irgendwo verkalkuliert, holen es drei vier andere Mitspieler durch Mehreinnahmen wieder raus. Dazu greift man nicht zu tief in die Tasche der Nutzer, sondern bietet allumfassenden Service, der im Monat weniger kostet als ein .kinoticket und schon hat man Unterhaltung für den armen Mann.
Soweit, so möglich.
Das Problem ist aber: Filme werden fürs Kino geschaffen und sollten auch auf großen Leinwänden gezeigt werden. Nicht, weil man sie nicht auf kleineren Monitoren schauen könnte, sondern weil es bei Filmen so ist, dass man sie immer nur ein einziges mal “zum ersten Mal” sehen kann. Und dieses Erlebnis wird immens gestört, wenn die Leinwände zu klein sind, die Soundanlage nicht stimmt oder das Publikum einfach das falsche ist. Hier kommt Kino ins Spiel und eröffnet Chancen, die man in seiner eigenen Freundesclique niemals hat, weil da allein schon immer die gleichen Personen zusammen Filme schauen. Natürlich nenne auch ich einen knapp 2m Bildschirmdiagonale-Fernseher mein eigen, aber fragt euch mal, warum Personen wie ich dann trotzdem fast ausschließlich ins Kino rennen und nicht zu Hause vor der Riesenglotze sitzen: Weil alles, was kleiner als eine Kinoleinwand nur noch ein billiger Abklatsch dessen ist, was man im Kino erlebt hat. Am besten vergleichbar mit Fotos, die man im Urlaub geschossen hat und die die Gefühle, Sinneseindrücke und Empfindungen aus dem Urlaub nochmal hervorrufen können – aber immer nur als Abbild dessen und niemals als Original.
Diese Wucht, die bedrohliche Ruhe, die gewaltigen Soundtrack-Eindrücke, das Reagieren von völlig Fremden auf bestimmte Szenen, die Angespanntheit von 256 Personen im gleichen Raum – all das kriegt man mit keinem noch so gut ausgestatteten Heimkino auf die Reihe. Und die meisten dümpeln noch mit 1,09m oder 1,39m Bildschirmdiagonale zu Hause rum. Das ist, als würde man sich die Weltmeisterschaft im Fußball auf seiner Apple-Watch ansehen. Geht, ist aber nicht unbedingt schön.
Und hier erprobt man zur Zeit wieder etwas, das ich persönlich höchst begrüße: Den Zuschauer mit hochwertigem Content zu locken, der das Bildungsniveau ankratzt, aber nicht so dermaßen überstrapaziert, so dass sich auch Hein-Blöd gut unterhalten fühlt, die allgemeine Intelligenz des Zuschauers aber nicht beleidigt wird durch all zu stupide Plots.
Und genau in dieser Liga spielt Criminal Squad: Er taktiert das Action-Genre, reizt seine Möglichkeiten aber nicht bis zur Lächerlichkeit aus, sondern gewahrt eine gewisse American Sniper-Gepflogenheit, die sich von den sonst dermaßen stupiden oder beleidigenden Filmen dieses Genre deutlich abhebt, auch wenn man hier jetzt keinen Meilenstein geschaffen hat.
An dieser Stelle dann Gerard Butler zu nennen, ist vielleicht ein Fehler, weil gerade er für die Sorte Film steht, von der man sich eigentlich distanzieren will, allerdings hat man seinen Bart derart zurechtgestutzt, dass auch er endlich als “gestandener Mann” wahrgenommen werden kann und nicht mehr als Witzfigur. Überhaupt hat man bewiesen, dass es eben nicht ständig irgendwelche zwuseligen Fäden sein müssen, die den “Männern” im Gesicht rumhängen, sondern man mit Gepflegtheit und auch gestutzten Bärten wesentlich mehr anerkennenden Respekt erzielt und sich die destruktive Übertriebenheit an dieser Stelle weniger auszahlt.
Und dass der Plot stellenweise noch Potenzial für wesentlich mehr bereit hält, unterstützt wieder meine Theorie: Man möchte aus dieser Sorte Film in Zukunft noch wesentlich mehr rausholen und “tastet sich mal vorfühlend in die Menge” um zu schauen, wie so etwas angenommen werden könnte.
Dann liegt nämlich hier bereits wesentlich mehr Inhalt für weitere Verfilmungen parat, für die man mit diesem Teil bereits wohlwollend vorgearbeitet hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Männer-Action auf einem Niveau, für das Sicario seinerzeit die Obergrenze gelegt hat: Man distanziert sich von stupider Action und mischt das Genre mit Intelligenzanerkennung des Zuschauers durch und erhält brauchbares, durchtriebenes und gut fundiertes Kino, dass seine Fächer in der Gesellschaft wieder etwas breiter ausgelegt hat.
Meiner Meinung nach ein Film, der die Anfänge dafür setzt, das Kino wieder mit Inhalten zu füllen, die sich vom sonstigen Angebot abheben und die große Leinwand wieder voll auskosten. Daumen hoch – weiter so.

 
Nachspann
folgt keiner mehr, man braucht also nicht sitzen bleiben, sondern darf gleich raus.
Kinostart: 1. Februar 2018

The 90th Academy Awards Nominations

Wie ihr alle wisst, bin ich absoluter Fan der Selbstbeweihräucherung Hollywoods und gehöre zu den Kranken, die sich Jahr für Jahr live die Oscars® geben, um mitzufiebern, wer im nächsten Jahr mit der goldenen Trophäe auf den Covern seiner Produkte werben darf.
Heute – am 23. Januar 2018 – wurden die Nominierungen der 90th Academy Awards bekanntgegeben! Und damit ihr nicht auf irgendwelchen Seiten rumsuchen müsst, gibt’s jetzt einfach mal eine kleine Übersicht aller diesjährigen Nominierungen auf eurem Lieblings-Kinoblog.
 
BESTER FILM
Call Me by Your Name
Die dunkelste Stunde
Dunkirk
Get Out
Lady Bird
Der seidene Faden
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Die Verlegerin

 
BESTE REGIE
Dunkirk – Christopher Nolan
Get Out – Jordan Peele
Lady Bird – Greta Gerwig
Der seidene Faden – Paul Thomas Anderson
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers – Guillermo del Toro
 
BESTER HAUPTDARSTELLER
Call Me By Your Name – Timothée Chalamet
Der seidene Faden – Daniel Day-Lewis
Get Out – Daniel Kaluuya
Die dunkelste Stunde – Gary Oldman
Roman J. Israel, Esq. – Denzel Washington
 
BESTE HAUPTDARSTELLERIN
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers – Sally Hawkins
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – Frances McDormand
I, Tonya – Margot Robbie
Lady Bird – Saoirse Ronan
Die Verlegerin – Meryl Streep
 
BESTER NEBENDARSTELLER
The Florida Project – Willem Dafoe
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – Woody Harrelson
Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers – Richard Jenkins
Alles Geld der Welt – Christopher Plummer
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – Sam Rockwell
 
BESTE NEBENDARSTELLERIN
Mudbound – Mary J. Blige
I, Tonya – Allison Janney
Der seidene Faden – Lesley Manville
Lady Bird – Laurie Metcalf
Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers – Octavia Spencer
 
BESTES ORIGINALDREHBUCH
The Big Sick – Emily V. Gordon & Kumail Nanjiani
Get Out – Jordan Peele
Lady Bird – Greta Gerwig
Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers – Guillermo Del Toro & Vanessa Taylor
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – Martin McDonagh
 
BESTES ADAPTIERTES DREHBUCH
Call Me By Your Name – James Ivory
The Disaster Artist – Scott Neustadter & Michael H. Weber
Logan – The Wolverine – Scott Frank & James Mangold & Michael Green
Molly’s Game – Aaron Sorkin
Mudbound – Virgil Williams & Dee Rees
 
BESTE KAMERA
Blade Runner 2049 – Roger A. Deakins
Die dunkelste Stunde – Bruno Delbonnel
Dunkirk – Hoyte Van Hoytema
Mudbound – Rachel Morrison
Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers – Dan Laustsen
 
BESTES SZENENBILD
Die Schöne und das Biest – Sarah Greenwood & Katie Spencer
Blade Runner 2049 – Dennis Gassner & Alessandra Querzola
Die dunkelste Stunde – Sarah Greenwood & Katie Spencer
Dunkirk – Nathan Crowley & Gary Fettis
Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers – Paul Denham Austerberry &Shane Vieau & Jeff Melvin
 
BESTES KOSTÜMDESIGN
Die Schöne und das Biest – Jacqueline Durran
Die dunkelste Stunde – Jacqueline Durran
Der seidene Faden – Mark Bridges
Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers – Luis Sequeira
Victoria & Abdul – Consolata Boyle
 
BESTER TON
Baby Driver – Julian Slater & Tim Cavagin & Mary H. Ellis
Blade Runner 2049 – Ron Bartlett & Doug Hemphill & Mac Ruth
Dunkirk – Mark Weingarten & Gregg Landaker & Gary A. Rizzo
Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers – Christian Cooke & Brad Zoern & Glen Gauthier
Star Wars: Die letzten Jedi – David Parker & Michael Semanick & Ren Klyce & Stuart Wilson
 
BESTER SCHNITT
Baby Driver – Paul Machliss & Jonathan Amos
Dunkirk – Lee Smith
I, Tonya – Tatiana S. Riegel
Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers – Sidney Wolinsky
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – Jon Gregory
 
BESTER TONSCHNITT
Baby Driver – Julian Slater
Blade Runner 2049 – Mark Mangini & Theo Green
Dunkirk – Richard King & Alex Gibson
Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers – Nathan Robitaille & Nelson Ferreira
Star Wars: Die letzten Jedi – Matthew Wood & Ren Klyce
 
BESTE VISUELLE EFFEKTE
Blade Runner 2049 – John Nelson & Gerd Nefzer & Paul Lambert & Richard R. Hoover
Guardians Of The Galaxy Vol. 2 – Christopher Townsend & Guy Williams & Jonathan Fawkner & Dan Sudick
Kong: Skull Island – Stephen Rosenbaum & Jeff White & Scott Benza & Mike Meinardus
Planet der Affen: Survival – Joe Letteri & Daniel Barrett & Dan Lemmon & Joel Whist
Star Wars: Die letzten Jedi – Ben Morris & Mike Mulholland & Neal Scanlan & Chris Corbould
 
BESTES MAKE-UP UND BESTE FRISUREN
Die dunkelste Stunde – Kazuhiro Tsuji & David Malinowski & Lucy Sibbick
Victoria & Abdul – Daniel Phillips & Lou Sheppard
Wunder – Arjen Tuiten
 
BESTER SONG
Call Me By Your Name “Mystery Of Love” – Sufjan Stevens
Coco – Lebendiger als das Leben!Remember Me” – Kristen Anderson-Lopez & Robert Lopez
Greatest Showman “This Is Me” – Benj Pasek & Justin Paul
Marshall “Stand Up For Something” – Diane Warren & Lonnie R. Lynn
Mudbound “Mighty River” – Mary J. Blige & Raphael Saadiq & Taura Stinson
 
BESTE FILMMUSIK
Dunkirk – Hans Zimmer
Der seidene Faden – Jonny Greenwood
Shape Of Water – Das Flüstern des Wassers – Alexandre Desplat
Star Wars: Die letzten Jedi – John Williams
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – Carter Burwell
 
BESTER ANIMATIONSFILM
The Boss Baby – Tom McGrath & Ramsey Ann Naito
The Breadwinner – Nora Twomey & Anthony Leo
Coco – Lebendiger als das Leben! – Lee Unkrich & Darla K. Anderson
Ferdinand – Geht STIERisch ab! – Carlos Saldanha
Loving Vincent – Dorota Kobiela & Hugh Welchman & Ivan MacTaggart
 
BESTER ANIMIERTER KURZFILM
Dear Basketball – Glen Keane & Kobe Bryant
Garden Party – Victor Caire & Gabriel Grapperon
Lou – Dave Mullins & Dana Murray
Negative Space – Max Porter & Ru Kuwahata
Revolting Rhymes – Jakob Schuh & Jan Lachauer
 
BESTER KURZFILM
Dekalb Elementary – Reed Van Dyk
The Eleven O’Clock – Deren Seale & Josh Lawson
My Nephew Emmett – Kevin Wilson, Jr.
The Silent Child – Chris Overton & Rachel Shenton
Watu Wote/All Of Us – Katja Benrath & Tobias Rosen
 
BESTER DOKUMENTARFILM
Abakus: Small Enough To Jail – Steve James & Mark Mitten & Julie Goldman
Face Places – Agnès Varda, Jr & Rosalie Varda
Icarus – Bryan Fogel & Dan Cogan
Last Men In Aleppo – Feras Fayyad & Kareem Abeed & Soren Steen Jespersen
Strong Island – Yance Ford & Joslyn Barnes
 
BESTER DOKUMENTAR-KURZFILM
Edith+Eddie – Laura Checkoway & Thomas Lee Wright
Heaven Is A Traffic Jam On The 405 – Frank Stiefel
Heroin(E) – Elaine McMillion Sheldon & Kerrin Sheldon
Knife Skills – Thomas Lennon
Traffic Stop – Kate Davis & David Heilbroner
 
BESTER FREMDSPRACHIGER FILM
A Fantastic Woman – Chile
The Insult – Libanon
Loveless – Russland
On Body And Soul – Ungarn
The Square – Schweden
 
Mit insgesamt 13 Nominierungen ist Shape of Water – Das Flüstern des Wassers bereits jetzt ein hochgehandelter Favorit, gefolgt von Dunkirk und Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – allesamt verdient!
Schön ist auch, dass Blade Runner 2049 mit insgesamt 5 Nominierungen in für den Film wichtigen Kategorien bedacht wurde, da so das Heimkino-Verkaufsspiel dieses Titels etwas gefördert werden kann und trotz des massiven Kinoflops dennoch weitere Hoffnungen auf Fortsetzungen dieser Art bestehen bleiben.
Wie üblich landet Star Wars auch in diesem Jahr wieder keine wichtigen Treffer, sondern dümpelt nur in technischen Kategorien vor sich hin, was einmal mehr beweist, dass das Original von George Lucas bislang ungeschlagen ist und Disney sich für seine Zukunft etwas ausdenken muss, wenn sie da mal einen Hit landen möchten.
Host ist wohl auch dieses Jahr wieder Jimmy Kimmel, der auch schon letztes Jahr durch die Verleihung geführt hat. Da hätte ich mir etwas mehr Weiblichkeit gewünscht (Ellen DeGeneres z.B.), wobei ich denke, dass man ihn deshalb wieder ausgewählt hat, um die negativen Schlagzeilen in und um Hollywood rum etwas zu relativieren – das hat er letztes Jahr ja auch schon sehr gekonnt vollzogen.
Und nun Bühne frei für politisches Geläster, Equality-Geschrei und sonstigen Müll, der mit der Ehrung von Filmleistungen rein gar nichts zu tun hat.
Achja: Aufgrund der Olympischen Winterspiele wurde die Verleihung auf die Nacht am 4. März 2018 verlegt. Datum also rot anstreichen 🙂

Blade Runner 2049

Eines Tages entstand einmal ein Film. Eine Nische. Bewegtbilder. Die Menschen waren begeistert. Man entwickelte sich fort, führte immer neue Prozesse, neue Techniken, neue Blickwinkel und Kamerapositionen ein, stockte später mit immer mehr raffinierten Tricks auf und entdeckte irgendwann das CGI-Zeitalter. Arbeitete sich empor in immer neue Höhen und verließ den Independent-Film.
Mit jedem neuen Produkt wurde man immer größer, Hollywood entstand und es entwickelte sich eine immer größere kapitalistische Marktmacht, die seinerseits in immer höhere Sphären aufstieg, weil man mittlerweile nicht mehr nur mit Tricks, sondern auch mit Namen Geld machen konnte. Die Raffinessen, um den Zuschauer zu begeistern, waren längst nicht mehr Hauptbestandteil dessen, worauf man stolz war, sondern oft war es einfach nur die Marke.
Es wurden lieblose Fortsetzungen produziert, irgendwann gingen die Ideen aus, zwischendrin gab es auch mal einen heftigen Drehbuchautorenstreik und dann begann man, einfach alte Geschichten neu zu erzählen. Obwohl man es im Laufe der Zeit auch nicht besser konnte.
Wo anfangs noch der Charme, die Liebe zum Detail, die ausgeklügelten Fähigkeiten das Herz eines Films ausmachten, war es jetzt allenfalls der einstige Erfolg des namentragenden Vorgängers, der wieder Geld in die Kassen spülen sollte.
In den vergangenen Jahrzehnten wurden wir mit solchen Reboots, Neuauflagen und Fortsetzungen gequält, die weder technische noch inhaltliche Verbesserungen aufweisen konnten.
Zwischendrin zuckelte immer mal ein Independent-Film an die Oberfläche, um zu beweisen, dass Kino doch noch Spaß machen kann und nicht nur die Multimilliardär-Mogule das Sagen haben, nur um sogleich wieder von einer Giganstromonster-Produktion plattgemacht zu werden, die im inhaltlichen keinerlei Anspruch mehr besaß und den Zuschauer in seiner fortschreitenden Verblödung eher noch unterstützte, als etwas dagegen zu unternehmen.
Und jetzt?
Jetzt kommen wir anscheinend langsam in eine Zeit, in der man es verstanden hat, die technischen Errungenschaften der letzten 30 Jahre sinnstiftend zu benutzen und dem geneigten Kinoliebhaber zwar entweder anheftende oder Neuinterpretationen alter Geschichten vorzusetzen, die aber so dermaßen beeindruckend zu präsentieren, dass sie ihre Originale im Eilschritt vom Thron fegen und selbst ein neues Jahrhundert ankündigen.
Und es erstmal auf die Reihe zu kriegen, dass eine Neuverfilmung seinen Klassiker einfach mal so eben mit einem Wisch besiegt und weit über ihm angesiedelt werden kann, ist schonmal eine Leistung für sich.
Dass dann aber in Serie zu produzieren, bereitet mir inzwischen ziemliche Gänsehaut, denn Kino dürfte sich demnach in den nächsten Jahren dann definitiv wieder lohnen.
Und mit Blade Runner 2049 haben wir einen weiteren Meilenstein Nr. 1, der sich mit ES das Treppchen teilt und die Aufmerksamkeit des Rennens aller Filme dieses Jahrzehnts auf sich gezogen hat. Und zwar mit so immens großem Abstand zu allen anderen Filmen, dass man sich fragt, ob die überhaupt auf der gleichen Piste im Rennen um die Gunst des Zuschauers mitfahren.
Mir kommt’s so vor, als buhlten die ganzen anderen Filme um “Ich bin besser”, “Nein, ich bin besser”, “Nein, du bist doof, ich bin viel cooler” und allesamt merken sie nicht, dass ihre Ränge irgendwo zwischen 96 und 104 postieren und sich die Bevölkerung um ganz andere Dinge schert.
Und die Top 3 haben sich diese zwei gekrallt: ES und Blade Runner 2049. Und zwar beide gleichauf an der Spitze.
Es gibt als Laie (ich bin weder ausgebildeter Schreiberling, noch habe ich Journalist, Redakteur oder sonst etwas studiert oder gelernt) kaum eine Möglichkeit, sich ebenso würdig an dieses Werk zu nähern, wie es die Produzenten mit dem Klassiker aus dem Jahr 1982 getan haben.
Das unglaublich gute Gefühl hatte ich bei den sanft eingeführten Teasern schon, dass man sich hier mit extrem großer Würde einem zeitlosen Klassiker nähern würde, ohne ihn zerstören zu wollen. Und der Film bricht alle Rekorde.
Er wird in den kommenden Jahren selbst ein zeitloser Klassiker seiner Zeit werden und die Menschen auch noch in 20 Jahren mit seiner heutigen Überlegenheit faszinieren. Schade, dass man Twitter für diese Situationen nicht genauso wirksam konservieren kann, wie es damals für Zeitungsartikel und Kritiken galt. Schlagt einfach mal in der Community nach und lest ein paar Rezensionen aus Amerika: Sie sind allesamt wahr, das überschwängliche Lob gerechtfertigt.
Du sitzt im Kino und denkst dir immer mehr: Was bin ich nur für eine unwürdige Kreatur in der Schöpfung dieses Kolosses, dass man da auf die Welt losgelassen hat und das jetzt in aller Ruhe Stück für Stück die Ränge in allen Teilen der Welt erobert.
Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch als Hauptverantwortliche für den Soundtrack haben sich in ihrem Lebenswerk beide selbst mehr als übertroffen. Nicht nur, wie man sich den Original-Themes von viel weiter oben heran annähert und dem Film in seiner bahnbrechenden, unterschwelligen Wucht Tribut zollt, sondern die gesamte Kulisse ist gelinde gesagt spektakulär. Das Kino bebt, die Menschen zittern und man ist überwältigt – und ich rede hier immer noch ausschließlich vom Ton.
Dazu kommt eine Kulisse, die eine düstere Vision einer Zukunft formiert, die der von 1982 in absolut nichts nachsteht. Der Kunde darf staunen – und wird überwältigt von Impressionen und unglaublich bildstarken Stadtansichten, die den Geist einfach mal so in die Knie zwingen. Und der Soundtrack wirkt übrigens weiter.
Die Regisseure himself – Dennis Villeneuve und Ridley Scott – haben selbst die Presse darum gebeten, nichts zu spoilern, denn dieser Film lebt von seiner Geschichte und den Entwicklungen darin. Und ich bin gespannt, demnächst von meinen “Kollegen” die Kritiken zu lesen und zu schauen, ob sie es genauso auf die Reihe gekriegt haben, wie ich es hier probiere: Spoilerfrei darüber zu schreiben und trotzdem der Begeisterung zum Ausdruck verholfen zu haben. Denn das ist ein weiterer Punkt dieser Megaproduktion: Hier man man wieder alles, was ich oben angekreidet habe: Ein Monsterprojekt mit einem Namen, der sich absolut vermarkten lässt – und dazu einen Film, der von Inhalten (!) lebt!!!
Leute, das ist unfassbar!!! Auf Twitter schreibt man, dass es eine unglaubliche Erfahrung ist, diesen Film zu sehen – und bei Gott, das ist es! Womit wir beim nächsten Punkt wären: Fürs Kino gemacht!
Blade Runner 2049 zählt wieder zu den Werken, die man uneingeschränkt und ausschließlich für den großen Screen empfehlen kann. KEIN Display dieser Welt, dass in irgendwelchen noch so himmlisch ausgestatteten Heimkinos präsentiert werden kann, könnte je die Imposanz und Macht genauso wiedergeben wie Kinos, die an IMAX-Qualität heranreichen, für die dieser Film produziert wurde. Wieder einmal gilt – mit Abstand: Je größer und lauter, um so besser.
Nicht, weil es hier an Actionsequenzen kracht und scheppert und man wieder laut brüllt und nichts dahinter ist, sondern weil der unterschwellige wummernde Sound in Verbindung mit den unglaublich beeindruckenden Bildern ein großes Ganzes ergibt, dass nicht mal annähernd auf anderen Bildschirmen widergespiegelt werden kann.
Und nicht zum Schluss noch ein Punkt, der mich sehr gefreut hat: Keine Mitleidsrollen. Niemand wurde hier zu irgendwas verpflichtet, um nochmal mehr Dienerschaft abzuschöpfen und mit seiner Ehre und Schauspielerwürde dafür zu stehen, dass den Bediensteten der großen Studios noch mehr Geld in die Kassen gespült wird, sondern man hat jedem, der “wieder aufkreuzt”, eine würdige Rolle verpasst, die sich mehr als galant in die Storyline einpflegt und ein herrlich süffisantes Wohlgefühl hinterlässt.
Darum:
 

.kinoticket-Empfehlung: Es ist Zeit, ins Kino zu gehen, um nicht die Geburtsstunde eines historischen Meilensteins der Kinogeschichte zu verpassen und mitzuerleben, wie ein Mega-Blockbuster tatsächlich wieder die Aufmerksamkeit der ganzen Welt verdient hat!
Was hier gerade passiert, ist beispiellos in der Geschichte des Motion Pictures!
Dieses Jahr kann definitiv nichts mehr kommen, dass dem noch eine Krone aufsetzen würde. Also nutzt die Chance – noch sind beide Repräsentanten der erfüllten Hoffnung, dass auch Blockbuster herausragend sein können, im Kino.
Ausreden zählen nicht: .kinoticket kaufen und sich selbst davon überzeugen!

 
Nachspann
Allein die Musik und optische Aufmachung ist es wert, sich den Abspann bis zuletzt anzuschauen. Auch wenn hier keine weiteren Szenen mehr kommen.
Kinostart: 5. Oktober 2017

La La Land

Es ist wieder kurz vor Februar. Die Zeit, in der sich Hollywood selbst huldigt, wird eingeleitet – wir alle stehen kurz vor den 89. Academy Awards und schon im Vorfeld dessen hat La La Land Rekorde gebrochen: 14 Nominierungen, u.a. in den besten Kategorien.

Das haben bisher nur zwei Filme überhaupt geschafft. Einer davon war Titanic. Auch bei den Golden Globes hat dieser Film schon rühmlich abgegriffen und wenn man die einschlägigen Magazine und Presseberichte aufschlägt, wüstet einem ausschließlich Positives entgegen: Man überschlägt sich mit Lob, huldigt diesem Streifen in allerbesten Tönen und lässt die Zuschauerschaft glauben, dass man da unbedingt rein rennen muss.

Rein gehen auch welche. Vorwiegend diejenigen mit grauen Haaren.
Und soll ich euch was sagen, Leute?

Wenn schon im Vorfeld eines Films so viel Hype geschoben wird, dann bin ich erst recht skeptisch. Mir haben sogar direkt Presseleute zugetragen, dass sie aufgrund des Trailers nicht reingegangen wären, und nachdem sie den Film in der Pressevorführung gesehen haben, unbedingt nochmal rein wollen.

Das schreit geradezu nach Skepsis. Dementsprechend arglistig waren meine Erwartungen, als ich in den Saal rein bin und die Vorstellung vor mir hatte.
Tja.

La La Land … huldigt den Kinoanfängen und erweckt den Broadway zum Leben. Hier wird nicht nur viel besser als bei Disney zum Träumen aufgerufen, sondern eine Show geliefert, bei der die Tränen ehrlich gesagt nur so fließen.

Ich saß noch nie in einem Titel und hab tatsächlich so derb mit den Flüssigkeiten in der Fresse kämpfen müssen, nicht mal bei Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Und das soll was heißen.

Die pure Liebe, die man hier in Dramaturgie, Filmkunst, Musik, Bewegung, Farben, Design, Zeitalter und alles andere gelegt hat, reißt einen nicht nur vom Stuhl, sondern schleudert einen permanent seelisch durchs Kino und lässt einen immer wieder positiv auflaufen.

Nicht nur der Plot, sondern die ganze Musik, die Show, das Entertainment in seiner höchsten Ehre würdigt hier die Anfänge und eine Zeit, in der Kino noch etwas besonderes war. Dagegen stinkt sogar Hail, Caesar! erbärmlich ab. Und diesen Film hab ich für genau diese Tatsache absolut gemocht!

Ich hab kaum noch was gesehen, als es gegen Ende des Films zuging und der Abspann lief. Mein erster Gedanke war: Oh Gott, nein, warum jetzt schon? Warum ist das schon vorbei?

Wenn die Academy Awards auch so auffahren, na dann haltet euch mächtig fest. Denn der Film passt nicht nur wieder mal extrem in diese Zeit, sondern schlägt als waschechte Arthaus-Publikation auch tatsächlich mal wieder Messlatten in die Öffentlichkeit, die zukünftige Filme nun im nächsten Jahr vergeblich zu erklimmen versuchen werden. Das Niveau – der Stil – die Eleganz – der Anmut – die Liebe – die pure Kunst … das ist alles nicht wirklich zu toppen.

Und wisst ihr was? Den Oscar® für den besten Film aller Zeiten hat sich La La Land in meinen Augen schon jetzt verdient!

.kinoticket-Empfehlung: Es ist ein Arthaus.

Und jetzt geht gefälligst da rein, aber zackig! 14 Nominierungen bei den Oscars®, davon in der Kategorie “Bester Film” und das zu recht! Muss ich mehr sagen?

Rein!! Bevor ihr euch während der Verleihung spoilern lassen müsst.
Und auch ohne dass ihr sie schaut – der Film ist die absolute Pflicht!

Nachspann
❌ Als jemand, der den Film würdigt, bleibt man sowieso beim Abspann sitzen. Bei mir ist mal niemand aufgestanden und frühzeitig raus, auch wenn keine Bilder mehr kommen.

P.S.
* Bester Film
* Beste Regie
* Bester Hauptdarsteller
* Beste Hauptdarstellerin
* Bestes Originaldrehbuch
* Bester Song (2x)
* Beste Filmmusik
* Beste Kamera
* Bestes Szenenbild
* Bestes Kostümdesign
* Bester Ton
* Bester Schnitt
* Bester Tonschnitt

Dazu hat er in der Filmpreissaison 2016/17 bereits über 120 Preise abgegriffen und ist für weitere 180 nominiert. Bei den Golden Globes hat er erstmalig in der Geschichte überhaupt in allen 7 Kategorien Preise abgegriffen und somit einen Weltrekord aufgestellt.
(Quelle: Wikipedia)

Noch Fragen?

Kinostart: 12. Januar 2017

Original Title: La La Land
Length: 128 Min.
Rated: FSK 0

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