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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Lior Ashkenazi

Foxtrot

Foxtrot ist ein glanzvolles Beispiel dafür, wo Gelder aus den Gebühren für arte und ZDF hin fließen und dass der Rundfunkbeitrag eben doch nicht so stumpfsinnig ist, wie es im Programmheft der ARD oft den Anschein hat. Genau dieser Umstand ist mir in den letzten Jahren so oft aufgefallen und ich empfinde es an dieser Stelle mal als wichtig, darauf hinzuweisen, dass hinter dem (ja, ich weiß – es ist wirklich so) blöden Programm des öffentlich-rechtlichen Mediengiganten noch viel mehr steckt, wozu Gebührengelder ebenfalls genutzt werden, wenn auch nur in Teilen davon. Genau das ist aber ein Grund, weshalb man diese Gebühren nicht partout abschaffen sollte. Vielmehr müsste man sich um eine neue Gebührenstruktur bemühen, die eine gerechtere Aufteilung unter allen Anteilhabern ermöglicht und eben solche Projekte wie das hier mehr fördert.

Vielleicht würde es auch reichen, die Öffentlichkeit mehr (und einfacher) darüber aufzuklären, wo alles Gelder aus dem Rundfunkbeitrag in welchen Höhen hin fließen, da oftmals auf den Leinwänden im Kino Projekte und Filme landen, die einen enormen Wichtigkeitsgrad innehaben oder großartige Geschichten erzählen und damit aktiv Kunst und Bildung ermöglichen und leben. Hier werden die Gebühren sozusagen mehr ihrem eigentlichen Zweck zugeführt, als im TV-Programm. Zielgerechteres Zahlen wäre eine mögliche Alternative, den Bürger versöhnlicher auf die oft so verhasste “GEZ-Zwangsgebühr” zu stimmen und Filme wie dieser beweisen, dass der Grund dieses Beitrags durchaus seine Berechtigungen hat.

Israel als Land hätte es niemals auf die Reihe gekriegt, in seiner kinogeschichtlichen Umgebung einen Film wie diesen auf die Füße zu stellen. Hier hat Deutschland unter die Arme greifen müssen, damit die Autoren diese Geschichte erzählen, diese Inhalte an die Weltbevölkerung weitergeben können. Das großartige Zusammenspiel beider Länder zeugt von künstlerischer Annäherung, die die Beziehung zwischen den beiden durch ihre Geschichte so gebeutelten Länder erneut positiv beeinflusst und Hoffnung darauf macht, dass es vielleicht irgendwann doch ein “Vergeben” gibt und man nicht mehr über manche Dinge sprechen muss.

Auch hier hat Kino wieder Vorbildwirkung und es bleibt zu hoffen, dass sich dies in den kommenden Jahren dann auf die restliche Menschheit und Gesellschaft auswirkt.

Und das geht bereits bei den kleinsten Dingen, wie bei einem “t” los: Kurz nach der Vorstellung bemängelte ein Pressevertreter, dass im beigefügten Presseheft zu wenig darauf hingewiesen wird, dass es sich hier nicht um den allgegenwärtig bekannten Tanz “Foxtrott”, sondern das Codewort im Buchstabieralphabet der Army (“Foxtrot”) handelt. Was uns gleich zum nächsten Problem bringt: Schon wer was vong dem neuen Jugendsprache gehört? In Zeiten von Fack Ju Göhte weiß doch sowieso niemand mehr, wie richtig geschrieben wird, und selbst die alten Hasen sind teilweise bei der Einführung der neuen Rechtschreibung dann endgültig ausgestiegen. Auch bei mir wird “Portmonee” immer noch “Portemonnaie” geschrieben und das wohlwarme Gefühl des “Das passt schon so, weil’s gefühlsmäßig richtig ist”, nach dem man sich zu Schulzeiten immer noch richten konnte, findet heute keine Anwendung mehr.

Wem von der jüngeren Kinotruppe sollte also so etwas auffallen? Zumal selbst schon das Plakat augenscheinlich mit eben diesem Grad an Verschwommenheit arbeitet und man sich eben nicht wirklich sicher ist, was genau nun jetzt hier gemeint ist.

Und damit sind wir voll im Thema: Unklarheiten, kleine Absonderlichkeiten, die großartige Wirkungen und Konsequenzen nach sich ziehen und teils verheerende Folgen haben. Dies lässt sich alles wieder metaphysisch auf unser Land anwenden, aber ich möchte euch mal an der Stelle nicht zu sehr überfordern, sondern verweise still und heimlich auf das “Gewinner Großer Preis der Jury Film Festival Venedig”, das man mitten aufs Plakat gedruckt hat und verrate euch, dass dies absolut berechtigt ist.

Tatsächlich punktet der Film gleich in mehreren Ebenen. Fangen wir mal bei etwas weniger wichtigem an: Der Farbgebung, der Kulisse, dem “Geist eines Landes”, den man hier sicherlich nicht alltäglich kennt. Allein schon die Introduktion der verschiedenen Protagonisten erweist sich als reichlich intelligent und zum ersten Mal seit langem hatte man mal nicht das Gefühl, dass hier etwas “aufgesetzt” oder bewusst “künstlerisch wertvoll” begangen wurde, sondern man sich bodenständig auf sehr eigenwilligen und markanten Wegen vorwärts bewegt.

Die verschiedenen Geistes-Meta-Ebenen, in die man sich dann im Verlaufe des Films verstrickt, sind auch allesamt sorgfältig ausgewählt und bereisen eine Welt, die sich dem monotonen Alltag des Durchschnitts-Deutschen sicherlich entzieht. Es ist höchst interessant, die Jungs auf der Leinwand zu verfolgen und sich in dieses Bad an intellektuellen Gefühlen und Sinneseindrücken zu winden.

Und das ging nicht nur mir so: Viele (eigentlich fast alle) meiner Pressekollegen empfanden diesen Film erstmalig wieder als erfrischend positiv und gelungen. Tatsächlich wird man wirklich mit einer Professionalität überwältigt, die einem so selten begegnet ist – auch hier gerne wieder der Verweis auf die besondere Zusammenarbeit verschiedener Länder. Die Jugendlichkeit dieser Beziehungen zahlt sich an dieser Stelle inhaltlich wieder mal voll aus, gleich dem, wie man es von Debüt-Filmen her bereits aus der Vergangenheit kennt.

Und am Schluss sitzt man da und hat für wenig Geld (Arthaus-Kino) ein großartiges Stück Filmgeschichte bekommen, dass noch lange nachhallt und mit Sicherheit niemanden unberührt wieder von dannen ziehen lässt.

 

.kinoticket-Empfehlung: So wird Kino gemacht: Aus Gebührengeldern teilweise finanziert entstand hier ein Projekt, dass die sinnliche Annäherung grober Gewalten portraitiert und dabei auf die behutsamsten Ebenen des Seins vorstößt: Foxtrot erzählt eine unglaubliche Geschichte und berührt mit überwältigenden Bildern und Sinneseindrücken.

Eine visuell-starke Reise in eine entfernte Welt mit Abstecher in die Gefühlsendlosigkeit der menschlichen Existenz.
Hier sollte man zwingend zugreifen und den Abend ganz bewusst genießen, so etwas prächtiges und faszinierend-schönes bekommt man selten “vor die Linse”.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 12. Juli 2018

Original Title: Foxtrot
Length: 113 Min.
Rated: FSK 12

7 Tage in Entebbe

Daniel Brühl gilt als deutsches Schauspielwunder und tatsächlich erfreuten sich auch einige Kinonachbarn an meiner Seite, als sein Name auf der Leinwand auftauchte und man wusste: Dieser Film wird wieder richtig gut!
So manch einer beschwert sich zwar über die zunehmende Anzahl “wahrer Begebenheiten”, die derzeit wie am Fließband abgespult und durch die Ränge in den Filmtoplisten gezogen werden, Fakt ist aber: Es ist eine funktionierende Möglichkeit, heutige Generationen, die quasi mehr oder weniger im hermetisch abgeriegelten Whatsapp-Gruppendiskussions-Zirkel aufgewachsen sind, die Geschichte der Welt zu lehren und sie aus vergangenen Taten und Fehlern der Menschheit lernen zu lassen.
Nach der Vorstellung habe ich mit einigen gesprochen, die die Live-Aktivitäten damals noch im Fernsehen verfolgt haben und quasi “aus erster Hand” erzählen konnten, wie es war und dass dieser Film das auch unglaublich gut rüberbringt.
Das Thema ist ernst – brandheiß und mit unglaublicher Sorgfalt beleuchtet worden und die Kombination, mit der man hier an die Erzählweise herangeht, ist bislang einzigartig.
Ich glaube, nur sehr wenige, aufgeschlossene Menschen werden diesen Film in seiner Gänze begreifen und ihn als das Kunstwerk verstehen, dass er tatsächlich ist. Es gehört allein schon übermenschliche Körperbeherrschung dazu, das zu vollführen, womit man im Nachspann verwöhnt wird – und ich glaube, dass diese Art Darstellung von vielen einfach missverstanden wird, weil eben mal absolut keine Standarderwartungen ausgeführt und erfüllt werden, sondern man sich völlig neu mit geschichtlichen Ereignissen auseinandersetzen muss aus einer Warte heraus, die so manch einem vielleicht nicht von Anfang an schmeckt.
Und die Riege an Schauspielern vollführt hier wahre Wunder: Es wird so überzeugend, ehrlich und realitätsgetreu gespielt, dass wirklich keine Zweifel an der Echtheit der Erzählung bestehen und man sich sehr gut in die Lage dessen hineinversetzen kann, auch wenn mir das von “politischer Seite” manchmal etwas zu “plump” wirkte. Die Inszenierung an sich ist aber den Besuch auf jeden Fall wert!
 

.kinoticket-Empfehlung: Was einem hier vorgelegt wird, ist hochkarätige Kunst auf ganz hohem Niveau!
Die Geschichte ist tatsächlich passiert und wurde fürs Kino erzählbar aufbereitet und von einer Mannschaft erneut zum Leben erweckt, die ihre Arbeit wahrlich versteht! Die Bilder, die Inszenierung und das Gesamtwerk gehören für mich weder zu Dokumentation, noch zu Unterhaltung, sondern sind wahrhaftige Kunst, die zu würdigen dem Standard-Zuschauer wohl schwer fallen dürfte.
Versprecht mir, dass ihr trotz allem in diesen Film geht – Avengers: Infinity War ist bis dahin noch nicht ausgekämpft, sondern der läuft nächste Woche noch genauso.

 
Nachspann
Zieht euch diese Körperbeherrschung rein – auch wenn es vielleicht absurd wirkt … probiert es mal aus – es ist unfassbar, was uns da vorgesetzt wird. Haut nicht vorher ab.
Kinostart: 03. Mai 2018

Norman

Müsste ich das vorliegende Werk klassifizieren, würde ich ihn dem New York-Genre zuordnen, denn diese Stadt hat sich in der Geschichte doch längst – sind wir ehrlich – als eigenes Filmgenre herauskristallisiert.
Norman erzählt wieder eine Story, die sich in dem für mich bis heute immer noch nicht greifbaren Genre der New Yorker Büroturm-Welt abspielt und es dennoch geschafft hat, mich so richtig zu packen.
Wer jetzt glaubt, er wird mit Floskeln aus einer Branche beworfen, mit der auch er nichts anfangen kann: Selbst die Originalversion des Films ohne Untertitel war für alle leicht verständlich – ein Hoch auf Richard Gere, dessen seelige Ruhe auch in diesem Film wieder maßgeblich zu einem wunderbaren Feeling beiträgt.
Neben ihm machen Lior Ashkenazi, Michael Sheen, Steve Buscemi, Harris Yulin und andere ebenfalls eine gute Figur und offenbaren dem Kinopublikum eine verzweigte Story, die in Theater-Manier aufgespielt wird und mit der man sich spätestens nach 10 Minuten innig angefreundet hat.
Und wer zwischendrin meint, aus welchen Gründen auch immer den Saal verlassen zu müssen, der verpasst eines der schönsten Filmenden, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Und bei im Durchschnitt 400-500 Vorstellungen im Jahr sind das einige.
 

.kinoticket-Empfehlung: So unscheinbar der Titel, so altbacken vielleicht der Hauptdarsteller in seinem Genre wirken mag, so genial und grandios durchzogen ist der Plot, der in einem Finale mündet, dass wirklich jedes Herz aufbricht.
Man braucht vielleicht eine Weile, bis man drin ist, aber dann macht die Show wirklich Spaß. Zutiefst berührend und sehenswert.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten – Ausgang freigegeben.
Kinostart: 21. September 2017

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