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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Lebenskünstler

Beach Bum

Beach Bu

© 2019 Constantin Filmverleih

Bevor alle rum meckern, zäumen wir das Pferd doch mal von unten auf: Hat sich einer von euch schon mal die Mühe gemacht und nachgesehen, was “Bum” überhaupt bedeutet?

Beach mag man noch übersetzt kriegen, aber ich schätze, bei “bum” hört bei den meisten das Englisch der Schule insofern auf, dass sie sich denken: “Ach, irgend ein Mist, der mich sowieso nicht interessiert” und dann lieber doch woanders rein gehen.

Schlägt man in einschlägigen Nachschlagewerken nach, entdeckt man Wörter wie “Gammler”, “Penner”, “Faulpelz”, “Pospalte” (schon irre, welche Unterschiede zwischen Amerika und Großbritannien herrschen) und ist direkt auf dem Trip (Hint), wo es in diesem Fall hingehen soll.

Dann muss ich zusätzlich noch etwas sagen: Durch meine leidenschaftliche Filmkunst bin ich mittlerweile einigermaßen des Englischen mächtig und habe festgestellt, dass ich das Original ohne Untertext-Ablenkung so arg schätze, dass mich deutsche Pendants oftmals nur noch ärgern. Und dieses Juwel der Filmkunst habe ich bereits lange vorab gesehen – und zwar in OV – also der Original Version ohne Untertitel, dafür mit dem perfekt-nuschelnden Englisch eines grandiosen Matthew McConaughey, der hier eine Persönlichkeit zum besten gibt, die in sich absolut stimmig ist.

Nun stehen wir also hier und haben einen Film, der einen erstmal sehr lange Zeit absolut im Dunklen lässt und überhaupt nicht weiß, was er den Zuschauern mitgeben soll. Story? Fehlanzeige. Irgendeine Richtung? Fehlanzeige. Deswegen absolut mies? In meinen Augen genauso Fehlanzeige.

Man fährt irgendwann genauso auf dem Trip mit, der einem hier geboten wird – und der Film glänzt bereits von Beginn an mit ganz anderen Dingen: Einer absoluten Farbenpracht und einem grandiosen Beat, der besser kuratiert nicht sein könnte.

Dazu kommt irgendwann dann auch noch so etwas wie ein “Plan”, der diesem Stück dann doch noch gewisse Relevanz verleihen möchte – und man badet sich förmlich in einer Persönlichkeit, die eines definitiv vorweist: Einzigartigkeit.

Nun schreien doch immer alle danach, dass Hollywood längst nicht mehr in der Lage dazu ist, Originale zu liefern, sondern alles nur noch aufgebrühte Kacke ist, man von Special Effects und Dummheiten vollgesülzt wird und empört sich über fehlende Tiefgründigkeit und Genialität. Wenn sich dann aber jemand auf den Weg macht und eben jene Originale bringt, soll’s auch wieder nicht recht sein?

Warum muss denn alles so durch und durch feuilletonisiert sein, dass man darin immer eine subtile, wissenschaftlich fundierte Kritik an Politik und System erkennt, die dann gleichermaßen auch noch die richtige Richtung einschlägt und den Zuschauer definitiv befriedigt?

Dieser Film will das nicht – und braucht das nicht, sondern er stellt einfach eine völlig absurde, farbenprächtige und dadurch definitiv interessante Welt und Lebensweise vor, die meiner Meinung nach sehr wohl ein .kinoticket wert ist: Denn anders geht eben anders und nicht gleich.

Meine größte Angst ist und bleibt deshalb nur: Womöglich ist die Übersetzung hier absolut kacke und macht den Film gänzlich kaputt. Ja, ich habe noch nicht die Chance gehabt, irgendwelche Synchron-Interpretationen zu sichten und konnte mir schon bei der OV redlich vorstellen, wie jemand McConaughey verständlich übersetzt und dadurch den Charakter killt – und genau das macht diesen Film dann einfach nur scheiße.

Was ich von Probanden der (deutschen) Sneak Preview dazu schon vernommen habe, geht zumindest befürchteterweise direkt in diese Richtung und genau das macht es noch viel schlimmer: Dadurch werden wohl noch weniger Kinos den Film überhaupt bringen … und schon gar nicht im eigentlich völlig coolen Original.

Solltet ihr also erwägen, ihn euch trotzdem anzuschauen, sucht danach, oder beißt in den sauren Apfel und stellt hinterher auf Blu-ray die Original-Tonspur ein und schaut ihn da. Wobei die Tragweite und das “Nicht Ergreifbare” dieses Films sehr wohl wesentlich heftiger auf dem Big Screen zur Geltung kommt.

Your Choice.

.kinoticket-Empfehlung: Im Original gesehen und absolut stimmige Charaktere mit subtilem Witz gepaart gefunden – jedoch in der Befürchtung, dass die deutsche Synchro das ganze Ding allein durch “es ist anders” kaputt machen wird.

Erste Anzeichen lassen genau dies vermuten, dabei strotzt der Film vor Farbenprächtigkeit, einem sensationell guten Soundtrack und einer völlig neuen, einzigartigen Art, die endlich mal frischen Wind in die Filmlandschaft bringt. Wenn genau dies untergeht, wäre das in meinen Augen sehr schade, denn hier ist die Diversität, nach der alle gerade so lauthals schreien.

Und McConaughey spielt so gnadenlos gut … auch wenn ihr nix versteht … der Typ ist Bombe in dieser Rolle!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 28. März 2019

Original Title: The Beach Bum
Length: 95 Min.
Rated: FSK 16

Champagner & Macarons

Champagner - Macarons
© 2018 Tiberius Film GmbH

 

Hinter diesem unscheinbaren Titel, der fast schon anmutend klingt, steckt ein Film mit sehr viel mehr Potenzial und Lachgarantie, als man im ersten Augenblick erwarten würde. Frankreich – berühmt für gut funktionierende und flächendeckend akzeptierte Komödien – stellt mit Agnès Jaoui eine neue Regisseurin auf den Plan, die ihr Ding mehr als solide meistert und erneut ein Stück abliefert, das sich in Insiderkreisen zum Lieblings-Hit mausern könnte.

Der Cast – bunt zusammengewürfelt – besteht aus den illustren Persönlichkeiten, die sich gemeinschaftlich eine urkomische, zynisch-bissige und überaus freudsame Blöße geben, deren einziger Zweck es ist, den Zuschauer zu belustigen und zu unterhalten und dabei ohne Schwere auch noch ein klein wenig Nachdenklichkeit in den Raum zu werfen, der den Hochgenuss dieser Komödie aber kein einziges Stück trübt.

Man braucht also keine Angst vor tiefsinnigen Trübseligkeiten zu haben, sondern darf sich beschwingt und munter auf die heitere Komödie stürzen und die Kinosäle bis zum Erbrechen füllen, denn das Ding hat es schlichtweg verdient, ein klein wenig finanziell erfolgreich zu sein.

Der Spaß deckt auch sämtliche Generationen ab: Vom jüngsten Spund bis zum ältesten Knacker – alles dabei und für jede Altersschiene die passenden Gags in der Tasche. Und dabei ist man von der jeweiligen “Gegenseite” kaum genervt, denn jeder Charakter macht auf seine Weise Spaß und erheitert das dunkle Gemüt .

 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich also wieder mal eine sehenswerte französische Komödie geben möchte, ist mit diesem Titel bestens bedient.

Die Altersklassen sind allesamt abgedeckt, der dunkle Rausch ins Reich der trübseligen Finsternis bleibt aus und die Gags sind erste Sahne, da die Charaktere allesamt herrlich zusammengestellt und auf ihre Weise interessant und spaßig dargestellt werden.

Daumen hoch – hier lohnt es sich wieder mal, den kompletten Freundeskreis zusammenzutrommeln und gemeinschaftlich ins Kino zu gehen!

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abzusitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 18. Oktober 2018

Original Title: Place Publique
Length: 98 Min.
Rate: FSK 6

Dieses bescheuerte Herz

Fack Ju Göhte 3 verschwindet langsam aus den größeren Sälen und einigen Kinos und beendet damit einen deutschen Kinoerfolg, der manche stark geprägt hat. Gerade Elyas M’Barek hat damit zu kämpfen, sich nach diesem einschlagenden Erfolg von den Vorurteilen seiner Rolle zu befreien um den Schöpfern neuer Kinofilme zu zeigen, dass er nicht nur der obercoole Lehrer ist.
Deshalb war Dieses bescheuerte Herz für mich auch so ein klein bisschen die Feuerprobe M’Bareks, weil das quasi der erste Film nach seiner Karriere als Kinolehrer ist, in dem er beweist, wohin es in Zukunft mit ihm gehen wird.
Und liest man sich den Plot des neuen Films ein bisschen durch, quellen Zweifel und Ängste, da dieses Bild so absolut gar nicht zu dem passt, wofür man Elyas inzwischen kennt. Logisch teasert man im .trailer dann auch möglichst nahe an seiner Coolness-Rolle, um die Fack Ju-Gemeinde abzuholen und auch im nächsten Film gute Quoten einzuheimsen.
Dieser Schachzug ist meines Erachtens gelungen, denn Dieses bescheuerte Herz ist ernst, ergreifend, absolut gefühlvoll und emotional. Es reißt einen in die Tiefe seelischer Agonie und erzählt eine unfassbare, wahre Geschichte, die meiner Meinung nach voll reinknallt!
Man sitzt gebannt im Kino, beobachtet das Geschehen, fiebert mit, hat extrem starke Empfindungen und ist äußerst angetan – obgleich dies eine deutsche Produktion ist, von der man gerne glauben möchte, dass sie wieder in die typischen Fremdschämfallen abdriftet, die man aus TV-Produktionen nur allzugut kennt. Hier haben die Macher so ein unglaublich fähiges Händchen bewiesen, um diese Gefälle zwar aufkommen zu lassen, aber niemals den Abgrund hinabzustürzen, sondern in einer ehrenhaften, ruhigen und ergreifenden Variante die Würde aller bestehen zu lassen: Also quasi das völlige Gegenteil von Fack Ju.
 

.kinoticket-Empfehlung: Womit wieder einmal bewiesen wäre: Drama können die Deutschen! Gebt uns einfach mehr davon – und bevölkert erstmal die Säle, wenn Dieses bescheuerte Herz demnächst anläuft. Endlich wieder mal ein Film, der sich zu schauen lohnt!

 
Nachspann
offenbart die echten Protagonisten – man sollte also nicht gleich rausrennen.
Kinostart: 21. Dezember 2017

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