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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Léa Drucker

Champagner & Macarons

Champagner - Macarons
© 2018 Tiberius Film GmbH

 

Hinter diesem unscheinbaren Titel, der fast schon anmutend klingt, steckt ein Film mit sehr viel mehr Potenzial und Lachgarantie, als man im ersten Augenblick erwarten würde. Frankreich – berühmt für gut funktionierende und flächendeckend akzeptierte Komödien – stellt mit Agnès Jaoui eine neue Regisseurin auf den Plan, die ihr Ding mehr als solide meistert und erneut ein Stück abliefert, das sich in Insiderkreisen zum Lieblings-Hit mausern könnte.

Der Cast – bunt zusammengewürfelt – besteht aus den illustren Persönlichkeiten, die sich gemeinschaftlich eine urkomische, zynisch-bissige und überaus freudsame Blöße geben, deren einziger Zweck es ist, den Zuschauer zu belustigen und zu unterhalten und dabei ohne Schwere auch noch ein klein wenig Nachdenklichkeit in den Raum zu werfen, der den Hochgenuss dieser Komödie aber kein einziges Stück trübt.

Man braucht also keine Angst vor tiefsinnigen Trübseligkeiten zu haben, sondern darf sich beschwingt und munter auf die heitere Komödie stürzen und die Kinosäle bis zum Erbrechen füllen, denn das Ding hat es schlichtweg verdient, ein klein wenig finanziell erfolgreich zu sein.

Der Spaß deckt auch sämtliche Generationen ab: Vom jüngsten Spund bis zum ältesten Knacker – alles dabei und für jede Altersschiene die passenden Gags in der Tasche. Und dabei ist man von der jeweiligen “Gegenseite” kaum genervt, denn jeder Charakter macht auf seine Weise Spaß und erheitert das dunkle Gemüt .

 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich also wieder mal eine sehenswerte französische Komödie geben möchte, ist mit diesem Titel bestens bedient.

Die Altersklassen sind allesamt abgedeckt, der dunkle Rausch ins Reich der trübseligen Finsternis bleibt aus und die Gags sind erste Sahne, da die Charaktere allesamt herrlich zusammengestellt und auf ihre Weise interessant und spaßig dargestellt werden.

Daumen hoch – hier lohnt es sich wieder mal, den kompletten Freundeskreis zusammenzutrommeln und gemeinschaftlich ins Kino zu gehen!

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abzusitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 18. Oktober 2018

Original Title: Place Publique
Length: 98 Min.
Rate: FSK 6

Nach dem Urteil

Dieser Film wird euch schmerzhaft ins Gesicht schlagen! Ein Meisterwerk seiner Zunft!
Oftmals handelt man gerade kleine Dinge im Kino relativ abgehärtet ab und beschäftigt sich – womöglich aus psychologischen Selbstschutzgründen – kaum weiter damit. Wo es mir jüngst den Boden unter den Füßen weggezogen hat, war bei Was werden die Leute sagen, der ebenfalls sehr eindringlich einen “Term” abhandelte, über den man sonst kaum nachdenkt.
Nach dem Urteil tut dem gleich und beschäftigt sich kompetent und extrem bitter mit den Momenten, die sich außerhalb der Wahrnehmung bei Medien, Nachrichten und Fernsehen abspielen: Der Zeit nach dem Urteil. Was bedeutet ein Spruch? Was bedeutet eine Entscheidung? Was zieht das für Konsequenzen nach sich, wenn jemand über etwas entschieden hat und man damit dann quasi “alleingelassen” wird?
Und wie ist das zu bewerten? Gut? Böse? Wer ist schuld? Wer nicht? Gibt es schwarzweiß? Gibt es die generelle Pauschalantwort auf solche Fragen oder ist alles irgendwo grau? Sind Männer die bösen? Oder Frauen? Oder beide?
Nach dem Urteil krempelt die komplette Denkweise über Menschen und Urteile vollständig um und tut dies filmisch auf einem sehr angespannten, extrem nervenzerfetzenden und unfassbar brutal-realistischen Niveau, unter dem der Zuschauer vor Schock fast zusammenbricht. Dabei hat der Regisseur auf einige sehr schwierige Aktionen gesetzt, beispielsweise der Tatsache, dass der Film quasi vollständig im “Hier und jetzt” stattfindet und sich der Realität soweit annähert, dass es z.B. keine Soundtrack-Untermalung gibt, sondern der Ton aus Momenten und Klängen entsteht, den man in der Realität auch wahrnehmen würde. Dadurch entsteht so ein extrem realistisches Abbild der Abhandlungen, dass man sich permanent gezwungen sieht, aufzustehen, in die Leinwand zu springen und die Menschen dort zu erlösen!
Was mich zudem absolut fasziniert hat, war die Reaktion des (Presse)Publikums, dass anschließend über den Film diskutierte. Und wahrlich, Diskussionen löst dieser Film aus, denn was man hier zu sehen bekommt, wird man nicht so schnell vergessen.
Es ist außerdem spannend, wie aktuell diese Thematik derzeit noch in den Medien bzw. sozialen Medien diskutiert wird und welche Relevanz dieser Film mit sich bringt: Man sollte viel mehr Sendezeit darauf verwenden, solche Weltanschauungen zu diskutieren und dem Menschen mehr Fragen an die Hand geben, anhand derer er seine eigene Einstellung überdenken und überarbeiten kann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Unfassbar real und extrem schockierend: Dieser Film schlägt in eine Presche und fordert dem Zuschauer psychisch einiges ab!
Jungdarsteller Thomas Gioria spielt großartig und sorgt für extreme Gefühlsausbrüche sowohl bei Protagonisten, als auch im Kinosaal: So etwas heftiges spielt sich sicherlich tausendmal irgendwo auf der Welt ab und Xavier Legrand zwingt nun endlich alle, bis ganz zum Schluss hinzusehen und die Augen davor nicht zu verschließen!
Meisterwerk, dass bis ins Mark und Bein erschüttert!

 
Nachspann
❌ man ist sowieso geschockt und sollte sich in diesem Zustand eher langsam wieder auf die Straße bewegen. Folgen wird nichts weiter.
Kinostart: 23. August 2018

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