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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Künstler

Shut up and play the Piano

Folks? Kino! Alles andere zählt bei diesem Streifen nicht. Wirklich nicht.
Geht also los, wählt das größte, beste und tollste Kino, das ihr finden könnt – fahrt notfalls in eine größere Stadt und wählt dort das nächstgrößere Kino aus, um eure Entscheidung selbst noch einmal zu toppen. Dann löst .kinotickets für Shut Up and play the piano und hockt euch – am besten Mitte Mitte – in den Saal.
Nach spätestens 12 Sekunden werdet ihr merken, warum!
MOAH!
Ich war echt weggeblasen und ich LIEBE diesen Typen. Und werd jetzt mal ganz ganz persönlich:
Mum, was immer du dir in all den Jahren erhofft hast, als ich in die Tasten gegriffen habe, ich habe dir niemals gesagt, dass ich es nicht auf die Reihe kriege, das auszudrücken, was ich denke und fühle.
Chilly hat’s getan. Dieser Film ist genau das Produkt, das ständig in meinem Kopf rumgeistert und all jene Elemente und Wahrnehmungen, Gefühle und Rebellionen und Ungleichsein mit der mich umgebenden Gesellschaft auf den Punkt bringt. Dieser wahrhaftige Aufstieg zu enormer Größe, die Federführung mit Noten und Musik, die Vergewaltigung von Tasten und Erwartungen … all das, was tief in meinem Herzen schlummert und ich niemals zu Papier bringen konnte, weil … keine Ahnung … – ich habe ihn gefunden: Den Film, der mir eben jene Aufgabe abgenommen hat: Shut Up and play the piano.
Halt’s Maul und spiel Klavier.
Und ich verspreche dir hiermit öffentlich, dass ich dich und Dad gemeinsam in diesen Film einlade, damit du ihn nicht im Home-Cinema anschauen, sondern in einem Kino genießen kannst – das ist enorm wichtig, weil sonst … ja, das Leben irgendwie flöten geht.
Genau diese Konstellation ist es nämlich: Dieser verrückte Kerl, die Instrumente und Elemente, mit denen er um sich wirft und das einen umgebende, alles erschlagende Kino mit Boxen, die Musik zum Leben erwecken und nicht einfach nur abspielen.
Ich hab bis jetzt meine Klappe gehalten, weil ich den Kinostart abwarten wollte, um euch nicht unnötig heiß zu machen und dann ebenfalls warten zu lassen (übrigens inzwischen einer meiner größten Bürden im Leben), aber nun ist der Zeitpunkt gekommen – der 20. September naht und ich lege es wirklich JEDEM ans Herz, sich diesen Film in seiner Gänze im Kino (Versprecht mir das – wartet nicht auf TV oder Netflix und Prime, sondern geht in den großen Saal!) zu besehen.
Der Streifen führt einen emotionalen Krieg, wie ihn keiner von euch bislang erlebt hat. Dieser Streifen durchflutet eure inneren Organe und räumt mit allem Mist auf, den man bisher kannte. Und er entspringt einem tiefen Verständnis des Flusses aus meinem Herzen, der eben jene Organe und Meinungen, Empfindungen und Ansichten wiedergibt, die zu einem ganz großen Verständnis meiner Person – und damit auch dieses Blogs – führen.
DAS da … bin ich.
Bisher hab ich jedem erzählt, man soll sich 5 Rezensionen durchlesen von Filmen die man mag, und 5 Rezensionen von Filmen, die man nicht mag – und seinen Filmgeschmack dann daran angleichen, um zu wissen, wie man meine persönliche Einschätzung hernehmen kann, um sich selbst ein Bild für den kommenden Kinofilm zu machen.
Es geht auch einfacher: Geht in diesen Film hier, und versteht ihn. Wer diese Abgründe erkannt und begriffen hat, der weiß, wer ich bin.
Und ja, Chilly, ich würde dich wirklich gerne persönlich kennenlernen.
Sag mir wo und wann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mir fehlen die Worte … so etwas unbeschreibliches hab ich noch nie erlebt.
Mein Leben lang renne ich mit einem Dorn im Hirn rum, das weder zu greifen noch zu verstehen ist … und dieser Film sorgt dafür, dass alle Fragen dazu einfach mal so beantwortet werden – und ich hab keinen Plan, wie er das macht.
So etwas hammermäßiges hab ich noch nicht gesehen und bin mir auch ziemlich sicher, dass in diesem Stile nie wieder etwas folgen wird, was mich derart verständnisvoll in den Arsch boxt und zu Boden gehen lässt.
Leute: Das Teil hier funktioniert nur in einem großen, lauten Kino, wo der Sound sich richtig entfalten und zum Leben auferstehen kann – und man nicht einfach nur Musik hört. Wenn ihr geht – geht bitte ins Kino und nirgendwo sonst hin. Je größer, desto besser.

 
Nachspann
✅ liefert großartige Musik, bleibt hocken und genießt es!
Kinostart: 20. September 2018
Original Title: Shut up and play the piano
Length: 85 Min.
Rate: FSK 0

Gauguin

Der Titel lässt bereits erahnen, in welche Kultur man hier abdriftet und mit solchen Vermutungen liegt man auch goldrichtig. Nicht nur die Schauspieler haben sich in diesem Land einen großartigen Namen gemacht, sondern auch der dazu gehörige Künstler, dessen Leben als Biopic verfilmt wurde.
Dabei muss man anerkennend erwähnen, dass Vincent Cassel hier herausragende Schauspielarbeit abliefert und einen weiteren Künstlerfilm mit düsterem Ambiente auf die Leinwand wirft, der es definitiv wert ist, gesehen zu werden.
Nicht nur wegen der großartigen Darstellung, sondern auch und gerade wegen den abstrusen Gedankengängen, die diesen Menschen zu jener Zeit geprägt haben und der mit seiner zu Lebzeiten verkannten Genialität die Welt nachhaltig beeindruckt und verändert hat.
Ich finde, Kino ist ein hervorragender Ort, um sich an Unbekanntem zu bereichern und sein Wissen in punkto Lebenskultur und Vergangenheit zu erweitern, um nicht nur andere Epochen, sondern auch komplett andere Weltansichten kennenzulernen – von Menschen, die wirklich existiert haben.
Damit befinden wir uns eben nicht mehr im Bereich der Fiktion und Fantasie, sondern bei reellen Tatsachen, die früher jemand tatsächlich durchlebt und -litten hat, um auch Jahrhunderte später noch Menschen durch sein Vorbild zu inspirieren. Und wahre Größe kommt bekanntermaßen aus Dingen, die nicht den Normen entsprechen, sondern in ihrer Zeit völlig unterschätzt wurden.
Damit ist es höchste Zeit, über diesen Menschen zu berichten, der tatsächlich waghalsige Aktionen auf sich genommen hat, um es in der Welt zu Ruhm und Ansehen zu bringen. Wie genau?
Das seht ihr euch einfach in einem gemütlichen Kino eurer Wahl an. Kunstfaktor ist garantiert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein düsteres Bild eines Menschen, der zu Lebzeiten zu wenig Anerkennung bekam und erst nach seinem Tod berühmt wurde.
Grandios herausgearbeitet und mit hintergründigen Geschichten zu den betreffenden Werken gespickt bereichert dieses Werk garantiert den Geist eines jeden, der für Kunst etwas übrig hat, ohne zu tief in sie einzutauchen. Man wird weniger an die Elemente seines Wirkens als vielmehr in sein Leben integriert und bekommt Teil daran, welche Werke warum entstanden sind.

 
Nachspann
Sehenswert, da hier die Originale vorgestellt werden, auf denen dieser Film basiert.
Kinostart: 2. November 2017

Auguste Rodin

Hand hoch, wer kennt ihn? Ich zähle … genau. Mir sagt der Name nämlich auch rein gar nichts und dementsprechend unvoreingenommen bin ich in diese Vorstellung spaziert und habe mich davon berieseln lassen, was da kommen möge.
Regisseur Jacques Doillon hat sich der Verfilmung des Biopics eines Menschen angenommen, der in unserer Welt großartiges vollbracht hat, dafür aber privat mit genügend anderen Problemen hat kämpfen müssen.
Was zuerst auffällt: Die Hingabe zur Kunstfertigkeit und das Zeitnehmen zum Betrachten und dabei Zusehen, wie solche Kunstwerke entstehen. Noch niemals wurde ein Schaffensprozess derartig in Ton und Bild gewürdigt, wie es hier der Fall ist.
Das Eintauchen in diese für den Durchschnittsmenschen völlig abgeschiedene Welt der Arbeit entbehrt jedweden Beispiels, so dass man allein durch die Zurschaustellung des Konzipierungsprozesses eine völlige Alleinstellungstaktik vollzieht, die aus dem Film an sich schon wieder etwas Sehenswertes abseits des sonstigen Geschehens macht.
Dass dabei dem Publikum währenddessen genügend Zeit zum Nachgrübeln und Ergründen des ergänzenden Menschen drumherum bleibt, ist vielleicht Bonus, vielleicht auch beabsichtigt und gibt hier einer eigentlich in kurzen Sätzen erzählten Thematik ausreichend Raum, um sich zu entfalten und auch die dunkelsten Ecken ins Licht zu ziehen.
Apropos Licht: Kunst bedeutet immer in gewisser Weise den Umgang und die Inszenierung von Licht – und dabei hat man hier wahrhafte Könner ans Werk gelassen: Die Optik allein ist einen Besuch im wörtlichen Lichtspielhaus wert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Grundsätzlich kann man sagen, ist Auguste Rodin eine Hommage an die Kunst und all dessen, was der Betrachter von außen nicht so mit kriegt.
Durch verschiedene Film-Elemente wird auch hier sehr großer Wert auf die Darstellung der verschiedenen Objekte gelegt und ihr Wesen im Rahmen dieses zweistündigen Films erklärt.
Ein zutiefst befriedigender Einblick, der sich vor allem eins vom Publikum nimmt, um es ihm ausgefüllt wieder zurückzugeben: Zeit.
In dieser hektischen Welt ein Denkmal für die wahrhaften Inhalte, denen sich keiner mehr so wirklich zuwendet.

 
Nachspann
bleibt ohne weitere Szenen oder Überraschungen, der Gang aus dem Saal also für den Betrachter konsequenzlos.
Kinostart: 31, August 2017

Wie schön du bist (Beautiful Something)

Ich hab mich wieder getraut und die nächste Gay-Filmnacht besucht in der Hoffnung, dass man an die durchaus akzeptablen Beiträge der letzten Ausstrahlungen dieser Kino-Sendereihe anknüpft und auch hier wieder Material liefert, das die schwule Community innerhalb des Leserkreises befriedigt und gleichermaßen für meiner einer auch erträglich zum Anschauen ist.
Diesmal: Harte Kost. Als Hetero hat man in den ersten nicht enden wollenden Minuten wirklich schwer zu kämpfen. Regisseur Joseph Graham hat sich dafür entschieden, in einem Teilbereich der Schwulenszene einzusteigen, mit dem ich persönlich eher weniger klar komme und der dementsprechend schwierig auszuhalten war, da er sehr plastisch und dramatisch umgesetzt wurde.
Der Aufbau des Plots ließ auch keine weiteren Hoffnungen gedeihen, dass dies demnächst besser werden würde. Mit dem linken Fuß schon fast aus dem Saal flüchtend änderte der Filmgestalter dann aber höchst gekonnt die Richtung und morphte das Kunstwerk in einen Präzedenzfall des guten Geschmacks: Am Schluss saß ich da, starrte gebannt auf die Leinwand und traute meinen Augen kaum: Stil, Eleganz, Würde, Ehre … alles Dinge, die man in den ersten 10 Minuten des Films auf keinen Fall erwarten würde, strecken sich hier gegenseitig die Flinte zu.
Auf einmal entdeckt man sich selbst in einem Gefühlswirrwarr wieder, mit dem man sanft zu Meere getragen immer weiter in die Wellen geschifft wurde und schließlich kolossal endend die Vollkommenheit emotionaler Momente durchlebt und -leidet, wie ich sie in einem Genrefilm dieser Art bislang noch niemals in meinem Leben gesehen habe.
Ohne Mist: Meinen aufrichtigen Respekt, ein so schwieriges und immer noch nicht gesellschaftstaugliches Thema derart sensibel und professionell in Szene zu setzen, dass sogar Typen wie ich mich angesprochen fühlen und hinterher auf eine (ich trau es mich kaum auszusprechen) wunderbare Geschichte zurückblicken, die in diesem Fall viel zu früh endet.
Ich würde fast soweit gehen und sagen, hier hat man es geschafft, die Liebe zwischen Männern in ihrer mannigfaltigen Weise einzufangen, darzustellen und fast schon realitätsgetreu wiederzugeben, ohne dabei auf die Merkmale des guten Films zu verzichten und dabei der Erzählkunst eine ganz große Bühne zu bieten.
Die ist aber nicht nur mit sehr natürlichen, bodenständigen und durchaus realitätsbezogenen Dialogen, sondern auch mit einer traumhaften Kulisse bestückt, die die nächtliche Welt der seelischen Ausflüchte sehr gut umreißt und auch hier wieder einen Fundus an Platz bietet, auf dem sich die einzelnen Darsteller gemütlich entwickeln können. Und alles umspielt von einem Soundtrack, der sorgsam ausgewählt auch hier wieder plastisch an die Bühne angepasst ist und die nächtliche Rastlosigkeit nahezu perfekt unterstreicht.
Ihr merkt schon: Ich bin leicht begeistert und teilweise echt geschockt von mir selbst, weil ich einem Film dieses Genres diese eloquente Tiefe niemals zugetraut hätte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ist man hetero, spult man einfach die ersten 15 Minuten vor und schaut sich dann den Rest des Films an. Die Reaktionen darauf würden mich brennend interessieren.
Derart viel erzählerische Tiefe und eine so dermaßen intensive Charakterentwicklung hätte ich einem Film dieser Art niemals zugetraut. Die Macher haben es sogar geschafft, jemanden wie mich abzuholen und zum Schluss nahezu perfekt zu unterhalten.
Solche Vorstellungen machen in der Tat Lust auf mehr. Und das aus meinem Mund soll wirklich etwas heißen.

 
Nachspann
enthält keine weiterführenden Szenen oder Bilder, beinhaltet aber immer noch den herausragenden Soundtrack, der auch im Film eine große Rolle einnimmt und die gefühlslastige Betontheit zusätzlich unterstreicht.

The Danish Girl

Im Zuge meiner Veröffentlichungen wurde ich von einigen Lesern gefragt, ob ich mir auch spezielle Spartenfilme anschauen und rezensieren könnte. Anfangs noch ignorierend dachte ich mir, dass die Nachfrage danach recht dürftig ausfallen würde und beschloss daher, den Sektor Nischenkino vorerst Stillschweigen bewahren zu lassen.
Da sich jedoch in letzter Zeit solche Anfragen häufen und ich im vergangenen Jahr bereits tatsächlich Filme aus diesen Genres gesehen habe, möchte ich die Gelegenheit der Stunde nutzen und hiermit bekannt geben, dass in Zukunft hin und wieder auch absolutes Nischenkino gesehen und verbloggt wird, auch wenn mich diese Themen persönlich oft nicht in dem Ausmaß interessieren wie manch einer im Zuge der gewählten Sparten vielleicht vermuten könnte.
Beginnen möchte ich mit einem relativ aktuellen Film, der diese Woche seinen Kinostart feierte und das Thema Transgender etwas näher beleuchtet. Angetrieben von dem bereits oscarprämierten Schauspiel von Eddie Redmayne zog es mich in The Danish Girl, indem besagter Schauspieler seine inneren Widersprüche bezüglich seines Geschlechts entdeckt und entsprechende Maßnahmen ergreift, um mit sich selbst wieder im Reinen zu sein.
Dass es sich hier weder um Pornografie noch um einen klassischen Gay-/Lesbian-Film handelt, merkt man daran, dass man sich von Seiten der Macher her nur zaghaft an das Thema Geschlechterwechsel heranwagt und hier die professionelle Arbeitsweise eben auch Züge der allgemein bekannten Schwerfälligkeit beinhaltet, mit der die Gesellschaft auf Menschen reagiert, die – aus welchen Gründen auch immer – etwas abseits der Norm leben und verschiedene Aspekte eben anders behandeln als die Allgemeinheit.
Ich bin in meinem Leben sehr tolerant erzogen worden und habe daher, ich möchte schon fast sagen aus Trotz, viele Freunde und Bekannte, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben und komme mit diesen Menschen wunderbar aus. Die üblichen Vorurteile kann ich persönlich nicht bestätigen und das über einen Kamm Scheren kann ich nicht ausstehen. Auch bei Heteros gibt es Arschlöcher und sexuelle Belästigung, was man im Zuge der Diskussionen um Köln ja aktuell wieder auf dem Schirm beobachten kann.
Im Gegenteil: mir sind diese Menschen oftmals sogar lieber als die breite Masse, da ich hier oft die zuverlässigeren Freunde gefunden habe, die auch dann da waren, wenn alles um einen rum weniger gut ausgesehen hat.
Dass man sich diese Hasstiraden auf spezielle Randgruppen sonstwohin stecken kann, beweist dieser Film, der sich eben massentauglich-sensibel an das Thema heranpirscht und im Zuge eines Spiels Dinge zum Vorschein bringt, die vielleicht im ersten Moment schockieren, im finalen Zug dann aber ihre Richtigkeit beweisen. Was hier wunderbar zur Geltung kommt, ist das Feingefühl und Interessierte, mit dem man sich dem Körper nähert und ein Gespür dafür entwickelt, wer man eigentlich ist.
Spielend in einer Zeit, wo derartige Gedanken noch wirkliche Probleme hervorrufen konnten, ist hier die Geschichte einer der Vorreiterinnen der Transgenderbewegung dokumentiert, die mit beispielhaftem Verhalten voranging und für Millionen von Menschen mutiges Vorbild war, zu sich selbst zu stehen.
Was ich hervorragend fand, war, dass dieser Outingzwang, der in der Gesellschaft Normalität zu sein scheint, diesmal absolut keine Beachtung bekam. Hier ging es nicht darum, sein ganzes Umfeld und am besten die ganze Welt darüber in Kenntnis zu setzen, welche sexuellen Vorlieben man hat, um – ganz nach öffentlicher Markierung, wie man sie aus dem dritten Reich kennt – ein öffentliches Register zu führen, von wem man sich in Zukunft besser fernhält. Wäre diese Marotte normal, müsste man automatisch auch jede Essensgewohnheit oder Reisevorliebe zwanghaft jedem mitteilen und das will nicht nur keiner hören, sondern das geht ehrlich gesagt auch niemanden etwas an.
Was man in so manchen Gegenden dann oft zu spüren kriegt, findet hier eben mal löblicherweise keine Unterstützung, sondern es wird tatsächlich auf die eigenen, persönlichen Gefühle wert gelegt, dessen daraus resultierenden Handlungen den einzigen Zweck erfüllen, dass man selbst wieder glücklich ist. Und dieses tiefe Verlangen bringt Redmayne fantastisch rüber, auch wenn es Mitdarsteller und vielleicht auch ein, zwei Zuschauer tatsächlich schmerzt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Alles in allem ist mit The Danish Girl ein wunderbarer Film entstanden, den man als Uninteressierter nicht unbedingt gesehen haben muss, der aber ein wichtiges Biopic liefert, dessen Inhalte den Urspung der Transgenderbewegung dokumentieren.
Für Liebhaber einschlägiger Filme definitiv hoch angesiedeltes Fressen, das in Sachen Niveau und professioneller Machart andere Spartenfilme extrem weit hinter sich lässt. Hier sprechen nicht mehr besondere Regisseure, die sich diesen Thematiken verschrieben haben, sondern das ist Hollywood, das sich hiermit den Randgruppen annähert, um einiges wiedergutzumachen, was filmtechnisch in der Vergangenheit gegenüber dieser Bewegung verbockt wurde.
Will man solche Charakterzüge besser verstehen, dann liefert dieser Film gutes Lehrmaterial, nicht nur dafür, wie man mit sich selbst umgeht, falls man persönlich davon betroffen sein sollte, sondern eben auch für Mitmenschen,  die sich schwer damit tun, solche Wünsche und inneren Befangenheiten zu verstehen.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, nach der Schwarzblende darf man also gemütlich wieder von dannen ziehen.

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