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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Kristin Suckow

Frau Mutter Tier

Kennt ihr diese "Bio-Mütter"? Die alles und jeden zu irgendeiner keuschen Vegan-Flunker-Krümel-Backstein-Diät erziehen müssen und alles und jeden verteufeln, der nicht vollständig in ihren eigenen Exzessen aufgeht und sich in seinen Gelüsten allem und jedem beugt und dann der ganzen Welt vorspielt, wie toll und einfach doch alles ist, nur, um hintenrum dann zusammenzubrechen und in einen "Mallorca-Urlaub" in die nächste Anstalt zu fliegen, um sich von den geistigen Krankheiten wieder einigermaßen erholen zu können, bevor man endgültig vor Lüge, Trugsucht und Hass auf das Eigenversagen zusammenbricht und schließlich aufgibt und sich irgendwo auf dem Speicher aufhängt?
Ich erlebe und treffe regelmäßig diesen Schlag Menschen und würde ihnen allen mit Vorliebe kompetent in die Fresse schlagen und spürbar zeigen, dass es so nicht geht.
Und wenn ihr jetzt denkt: Großer Gott, nun kommt der mit so einem Film um die Ecke: Jap! Und nein – es ist so köstlich anders, als ihr nun alle glaubt: Den grandiosen Schlag in die Fresse übernimmt nämlich der Film – oder anders gesagt: Voila, hier ist er.
BAM!
🙂
Jap, ich HASSE diese Raben-rotierende-Helikopter-Bio-Mama-Geraffel-Tanten, die sinnfreien Sprit in ihr seelenloses Hirn pumpen, selbst nicht mit ihrem Leben klar kommen und dir dann erklären, wie dein Leben zu funktionieren hat und sich selbst als "Life-Coach" bezeichnen. Und glaubt mir, meine Waffen waren in den letzten Jahren oft genug gewetzt, und eben jene sind knapp der Gesichtsdresche entgangen, weil mein Beherrschungsgen grad noch so funktioniert hat.
Und im Zuge dessen darf ich euch eröffnen: Es ist ein herrliches FEST, was dieser Film dazu zu sagen hat. Er führt diese Persönlichkeiten nämlich höchst selbstbeweihräuchernd vor und entfesselt danach den Sturm der Gerechtigkeit über dieser Schwadron an Dummheit und Non-Intelligenz, um den gemeinen Kinozuschauer so richtig tiefherzig und umschwelend zu befriedigen. Und zwar in jederlei geistiger Hinsicht. Und anderswie auch.
Ich feiere wieder einmal die Obsieg-Macht der Wahrheit in den Kinos, die offen ansprechen, kein Blatt vor den Mund nehmen, Wahrheiten erkennen lassen, wo sich ganze Heerscharen sonst was vormachen und eben die Dinge auf den Punkt bringen, ohne dabei ausfallend oder verächtlich zu werden.
Und dieses Kunststück – Felicitas Darschin sei Dank – kann ab kommenden Donnerstag endlich ein jeder auf einer Leinwand seiner Wahl bewundern und sich dabei so richtig herrlich amüsieren und feststellen, wie schön vielfältig und inhaltsreich deutsches Kino doch sein kann.
Mit tiefer Verbeugung und aufrichtiger Danksagung: Gebt uns bitte mehr davon. Und behaltet dabei den zynischen Grad an Wahrhaftigkeit bei, so wie hier, dann feier ich euch auch in Zukunft weiter!
 

.kinoticket-Empfehlung: Zynisch, böse, durchleuchtend und offenbarend: Die Wahrheit über die fürchterlichsten Wesen dieser Erde – in seiner glorreichen Gänze!
Frau Mutter Tier echauffiert sich nicht nur über die schlimmsten der Schlimmen, sondern zeigt auch gleich noch bildungsfördernd Möglichkeiten der Eigencharakterbildung auf, um diese grausame Spezies möglichst bald auszurotten und der Vergessenheit anheim gedeihen zu lassen.
Selten so ein wohlschmeckendes Stück Wahrheit mit purer Ironie und dem süßen Geschmack der Offenheit verschlungen. Und glaubt mir – es geht runter wie Öl!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier kommt nichts mehr.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Frau Mutter Tier
Length: 96 Min.
Rate: FSK (tba)

LUX – Krieger des Lichts

Ich werfe mal zwei Aussagen in den Raum:

  1. Debütfilm
  2. Gewinner des Heinz-Badewitz-Preises der Internationalen Hofer Filmtage 2017

Spitz drauf gemacht?
Okay, noch eine: Superheldenfilm.
Und damit sind wir schon voll bei der Sache. LUX – Krieger des Lichts behandelt Identität, Alltag, Menschsein, Sozialsein, Verdrängung, Suche und Realität und lässt dabei den typischen Marvel-Klassiker ins Kiez münden, was bei mir gleich mal folgende Fragen aufwarf:

  1. Ist der Typ echt? Gibt’s den wirklich?
  2. Handelt es sich hier um Dokumentation? Fiktion? Beides?
  3. Sollte das nicht echt sein, warum macht sich jemand Gedanken um so etwas?

Tatsache ist: Wir haben es hier mit einem unfassbar genialen Projekt zu tun, das sich Filmemacher Daniel Wild auf die Fahnen geschrieben und als fertiges Produkt ans Publikum ausgeliefert hat, was viele Fragen aufwirft und zugleich durch Eigenvorbild beantwortet.
In einer Zeit, in der die Suche nach der eigenen Identität, dem Selbstbestimmtsein, dem Individuellen ganz oben auf der Tagesordnung steht, vergisst man oft, dass genau das jeder andere um einen herum auch tut und man damit per Massendefinition wieder in einem Pfuhl aus Gleichheiten landet, die eben nicht individuell bestimmt, sondern fremdgesteuert sind.
Was ist wichtig in unserer Zeit? Welche Komponenten braucht das Leben, um der Menschlichkeit genügend Raum zu bieten, sich zu entfalten?
Wie weit kann man dabei gehen?
Welche Konsequenzen hat es, wenn man Menschen in ihren Gefühlen an den Rand ihrer Existenz bringt und sie dann gnadenlos schlachtet?
Fragen, denen sich LUX – Krieger des Lichts in seiner unverblümt ehrlichen, schroffen und authentischen Erzählstrategie widmet und sie dem Zuschauer unverdaut in die Hand legt. Dabei werden moderne Elemente genauso beachtet und gleichwohl Augenmerk auf den Status und die Einflussnahme von Medien und moderner Kommunikationskultur gelegt.
Wieviel also ist ein Mensch wert? Was macht ihn zum Menschen und nicht nur zu einer Marionette innerhalb eines Systems unübersichtlicher Ignoranz und Selbstverliebtheit?
Diesen Dingen geht Wild mit leidenschaftlichem Ehrgeiz und einer völlig neuen Herangehensweise auf den Grund. Was anfangs noch als “merkwürdig” rüberkommt, erschließt sich im Laufe des Films automatisch und findet seine Erklärung in einem völlig absurden und damit realistischen Ende, was sowohl Anprangerung als auch Appell an jeden einzelnen ist, seine Verhaltensweisen zu hinterfragen und sich in seinem Denken ggfs. neu auszurichten.
Und damit landet man einen Coup, der einerseits lachhaft, andererseits todernst ist und – Fiktion oder nicht (ich löse es bewusst mal nicht auf) – jeden einzelnen auf seine Weise erreicht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieses illustre Stück startet diese Woche in ausgewählten Kinos und sollte zahlreich von euch besucht werden, denn die anfangs anmutende Unfähigkeit eines überbordenden Superhelden mündet alsgleich in Sympathie und Zuneigung.
Erst im Verlaufe des Films merkt man, wie eigentlich charaktergleich LUX im Vergleich zu Marvel’s Superhelden ist, was ihn nicht nur sofort ins Herz schließen lässt, sondern vielfältige Fragen aufwirft, für die man sich ruhig in einem Kino Zeit nehmen sollte.
Als Debütfilm wirklich gelungen und zu recht mit einem Preis ausgezeichnet.

 
Nachspann
lohnt nicht abzuwarten, hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 4. Januar 2018
Kinofinder: Deutschlandweit in diesen Kinos*

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