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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Komödie. Page 1 of 2

Frau Mutter Tier

Kennt ihr diese "Bio-Mütter"? Die alles und jeden zu irgendeiner keuschen Vegan-Flunker-Krümel-Backstein-Diät erziehen müssen und alles und jeden verteufeln, der nicht vollständig in ihren eigenen Exzessen aufgeht und sich in seinen Gelüsten allem und jedem beugt und dann der ganzen Welt vorspielt, wie toll und einfach doch alles ist, nur, um hintenrum dann zusammenzubrechen und in einen "Mallorca-Urlaub" in die nächste Anstalt zu fliegen, um sich von den geistigen Krankheiten wieder einigermaßen erholen zu können, bevor man endgültig vor Lüge, Trugsucht und Hass auf das Eigenversagen zusammenbricht und schließlich aufgibt und sich irgendwo auf dem Speicher aufhängt?
Ich erlebe und treffe regelmäßig diesen Schlag Menschen und würde ihnen allen mit Vorliebe kompetent in die Fresse schlagen und spürbar zeigen, dass es so nicht geht.
Und wenn ihr jetzt denkt: Großer Gott, nun kommt der mit so einem Film um die Ecke: Jap! Und nein – es ist so köstlich anders, als ihr nun alle glaubt: Den grandiosen Schlag in die Fresse übernimmt nämlich der Film – oder anders gesagt: Voila, hier ist er.
BAM!
🙂
Jap, ich HASSE diese Raben-rotierende-Helikopter-Bio-Mama-Geraffel-Tanten, die sinnfreien Sprit in ihr seelenloses Hirn pumpen, selbst nicht mit ihrem Leben klar kommen und dir dann erklären, wie dein Leben zu funktionieren hat und sich selbst als "Life-Coach" bezeichnen. Und glaubt mir, meine Waffen waren in den letzten Jahren oft genug gewetzt, und eben jene sind knapp der Gesichtsdresche entgangen, weil mein Beherrschungsgen grad noch so funktioniert hat.
Und im Zuge dessen darf ich euch eröffnen: Es ist ein herrliches FEST, was dieser Film dazu zu sagen hat. Er führt diese Persönlichkeiten nämlich höchst selbstbeweihräuchernd vor und entfesselt danach den Sturm der Gerechtigkeit über dieser Schwadron an Dummheit und Non-Intelligenz, um den gemeinen Kinozuschauer so richtig tiefherzig und umschwelend zu befriedigen. Und zwar in jederlei geistiger Hinsicht. Und anderswie auch.
Ich feiere wieder einmal die Obsieg-Macht der Wahrheit in den Kinos, die offen ansprechen, kein Blatt vor den Mund nehmen, Wahrheiten erkennen lassen, wo sich ganze Heerscharen sonst was vormachen und eben die Dinge auf den Punkt bringen, ohne dabei ausfallend oder verächtlich zu werden.
Und dieses Kunststück – Felicitas Darschin sei Dank – kann ab kommenden Donnerstag endlich ein jeder auf einer Leinwand seiner Wahl bewundern und sich dabei so richtig herrlich amüsieren und feststellen, wie schön vielfältig und inhaltsreich deutsches Kino doch sein kann.
Mit tiefer Verbeugung und aufrichtiger Danksagung: Gebt uns bitte mehr davon. Und behaltet dabei den zynischen Grad an Wahrhaftigkeit bei, so wie hier, dann feier ich euch auch in Zukunft weiter!
 

.kinoticket-Empfehlung: Zynisch, böse, durchleuchtend und offenbarend: Die Wahrheit über die fürchterlichsten Wesen dieser Erde – in seiner glorreichen Gänze!
Frau Mutter Tier echauffiert sich nicht nur über die schlimmsten der Schlimmen, sondern zeigt auch gleich noch bildungsfördernd Möglichkeiten der Eigencharakterbildung auf, um diese grausame Spezies möglichst bald auszurotten und der Vergessenheit anheim gedeihen zu lassen.
Selten so ein wohlschmeckendes Stück Wahrheit mit purer Ironie und dem süßen Geschmack der Offenheit verschlungen. Und glaubt mir – es geht runter wie Öl!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier kommt nichts mehr.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Frau Mutter Tier
Length: 96 Min.
Rate: FSK (tba)

Crazy Rich

Beim Originaltitel Crazy Rich Asians denkt unsereiner im schönen Europa ja erstmal “Was für ein Schmarren” – und wendet sich, sofern keine Liebe zum asiatischen Kino vorhanden ist, elegant zur Seite.
Aus dem Grund hat man den Filmtitel auch geändert um dieser Fehlentscheidung ein wenig entgegen zu wirken, denn dieses Ding mischt zwar im “Wir möchten den asiatischen Markt erobern”-Feldzug mit, zählt aber zu den Titeln, die auch jeder Europäer einmal gesehen haben sollte.
Und ganz ehrlich: Der Film ist richtig gut! Das ganze Kino hat sich während der Vorstellung den Arsch abgelacht und seinen Heidenspaß dabei. Interessanterweise löst weder der Titel, noch das Plakat noch der .trailer eben dieses Gefühl aus, was ich bei einigen Probanden mittlerweile getestet habe. Einerseits erzählt man im .trailer wieder die halbe Geschichte, ohne dabei jedoch auf das Wesentliche zu kommen, andererseits hab ich zur Zeit das Gefühl, man hat generell kein Interesse mehr daran, gute Filmtrailer zu machen, sondern lässt einfach so per Zufall KI entscheiden, welche von den Szenen jetzt in den .trailer sollen.
Zumindest ist mir das schon häufiger begegnet, dass die Vorschauen sowas von selten dämlich waren und der Film hintendran dann richtig gut.
Crazy Rich macht hier keine Ausnahme und ist überhaupt nicht das, was man im Vorfeld vielleicht vermuten würde – und vor allem nicht, was man im .trailer verspricht, sondern einfach ein Film, der eine wunderbare Story erörtert und dabei auch noch eine wunderbare Moral in sich trägt, die sich im Laufe der Spielzeit gänzlich entfaltet.
Diese Pointe tut einfach nur gut und man spaziert am Schluss wieder aus dem Saal und hatte ein richtig gutes Filmerlebnis.
 

.kinoticket-Empfehlung: Begrabt eure Vorurteile und gebt diesem Titel eine Chance, er hat es echt verdient!
Hier schlummert wesentlich mehr unter der Decke, als anfänglich angenommen, was weder Plakat, noch .trailer offenbaren. Erst im Film merkt man, dass die Entscheidung zum Kauf eines .kinotickets eigentlich doch gar nicht verkehrt war und hat hinterher das Gefühl, etwas richtig gemacht zu haben – geht rein!

 
Nachspann
✅ ist ziemlich cool animiert, hält zwar keine weiteren Szenen bereit, aber betört durch geile Grafik.
Kinostart: 23. August 2018

Nicht ohne Eltern

Christian Clavier kennt man hierzulande wohl am besten aus Monsieur Claude und seine Töchter. Später kam noch Nur eine Stunde Ruhe! ins Kino, der aber an der großen Allgemeinheit leicht vorbeigesegelt ist und in dem er meiner Meinung nach die großartigere Rolle gespielt hat, als in dem Vorgänger. Natürlich hat er noch viel mehr Werke auf dem Kasten, die teilweise aber sehr weit in der Zeit zurückreichen und somit von keinem Jugendlichen mehr als selbstverständlich auf dem Schirm sein dürften.
Nicht ohne Eltern geht einmal mehr den Schritt ins Culture-Clash-Milieu und begeistert mit einer fast schon grenzwertigen politischen Unkorrektheit, für die Clavier aber irgendwo bekannt ist. Hier werden Themen inkludiert, die manch einem vielleicht bitter aufstoßen mögen und hier und da Fragen aufwerfen, ob das noch “in Ordnung” ist oder man es lieber kritisieren sollte.
Ich finde, es passt. Zum einen ist das eine Theaterstückverfilmung, was sowieso für provokante Thesen steht und oft die unliebsamen Dinge anspricht, zum anderen wird aus der Geschichte so viel Klamauk rausgehauen, dass man sich stattdessen eher für die “normalen Reaktionen” schämt und in Sachen Randgruppe spaßig unterhalten fühlt. Hier gehört meines Erachtens einfach eine neue Denkweise her, die mit den alten Vorurteilen und den oft als falsch beschrieenen Reaktionen aufräumt und eine grundsätzliche Gelassenheit ins Spiel bringt, auf deren Basis man dann auch solche Filme wie diesen drehen kann.
Also bringt ein wenig Toleranz mit und ölt dafür eure Zwerchfelle, mit den Jokes treibt man es hier gerne und häufig auf die Spitze, was im Kino einfach zwischendurch mal wieder so richtig Gaudi bereitet und die Lachmuskeln beansprucht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wunderbar schräg, herrlich inkorrekt und mit einer süffisanten Spitze Humor zu nehmen: Dieser Film unterhält bestens und bedient sich dabei völlig neuer Ideen.
Clavier in einer seiner besten Rollen, geht hier völlig auf und bereitet dem Kinopublikum jede Menge Lacher und beste Unterhaltung. Großartig!

 
Nachspann
✅ Darf man sitzenbleiben, hier werden noch Bilder gezeigt, die allerdings die Handlung nicht noch weiter voran treiben.
Kinostart: 21. Juni 2018

Liebe zu Besuch

Reese Witherspoon steht mit ihrem Namen ja nicht unbedingt für Kategorie A-Humor, sondern sie hatte auch in der Vergangenheit immer wieder damit zu kämpfen, dass ihre Filme nicht so sonderlich fruchten wollten.
In Liebe zu Besuch merkt man dies sofort zu Beginn des Films, der sich marternde 15 Minuten lang dahinquält und nichts davon zum Vorschein kommen lässt, dass einen nun ein herrlicher Feel-Good-Movie erwartet.
Aber das Zähne zusammenbeißen lohnt sich, denn mit dem Auftreten ihrer Mitcharaktere ändert sich der Lauf und das Ding wird auf einmal irre spannend, unterhaltsam und nimmt Fahrt auf, die man auch bis kurz vorm Schluss durchweg durchzieht.
Stellenweise weiß man nicht so richtig, wohin man nun will und schickt den Zuschauer in die Plot-Warteschleife und auch der Schluss ist meiner Meinung nach nichtsaussagend, da man seine Gradlinigkeit stellenweise aufgegeben hat und quasi alles mehr oder weniger ins Leere laufen lässt.
Dies liegt aber – wie auch schon zu Beginn – in meinen Augen eher am Drehbuch und den Vorgaben daraus als an den Schauspielern als solches. Die geben sich nämlich bis auf das letzte, gequälte Lächeln Witherspoons durch die Bank weg richtig Mühe und meistern ihre Rollen super, allen voran Pico Alexander, dessen forsches Auftreten fast jeden den ganzen Film über köstlich amüsiert hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte sich zu Anfang zwingen, im Saal zu bleiben und auch das unbefriedigende Ende nicht als Grund heranziehen, nicht in diesen Film zu gehen.
Liebe zu Besuch ist ein herrlicher Feel-Good-Movie, dessen überwiegender Teil sehr unterhaltsam und komisch ist und somit für einen gelungenen und spaßigen Kinoabend durchaus taugt.
Hier und da schwächelt er etwas am Drehbuch und Witherspoons übrigen Handicaps, aber das Ensemble an sich funktioniert und rang auch mir immer wieder herzliche Lacher ab.
Durchaus sehenswert.

 
Nachspann
braucht man nicht sitzen bleiben, auch nach dem Scrolling kommt kein erhofft gutes Ende mehr.
Kinostart: 23. November 2017

Logan Lucky

Als ich damals im Internet auf die Suche nach ein paar Vorabinformationen zu Kinofilmen ging, die ich plante, mir im Kino anzusehen, traf ich auf extrem viele Spoiler, aggressive Meinungen und jede Menge Rücksichtslosigkeit, was das Verraten von Detailinformationen zur Handlung betrifft und mir damit den Genuss komplett zerstörte, weil ich mich jetzt während des Films nicht mehr von interessanten Wendungen überraschen lassen konnte.
Damals dachte ich mir: Warum jetzt eigentlich darüber aufregen, dass niemand so etwas schreibt? Schreib es doch einfach selbst und sei du der Unterschied, den du dir in der Welt wünschst. Gesagt – getan. Fortan habe ich zu jedem Kinoticket, das man mir verkauft hat, eine Rezension geschrieben: .kinoticket-blog.de war geboren.
Steven Soderbergh erging es mit den großen Studios genauso – und ich denke, man kann aus so manchem Interview herauslesen, dass die kreativen Ausflüchte und Risiken, die man als Künstler gerne eingeht, oft (immer?) von den geldeintreibenden Großmächten wieder zurückgestutzt werden und so das geistreiche Schaffen der Regisseure mächtig beschränkt wird. Also warum noch länger damit rumärgern und nicht einfach selbst den Unterschied machen?
Gesagt – getan: Er gründete seinen eigenen Verleih Fingerprint Releasing, dass derzeit in den Kinos mit seinem ersten Großprojekt Logan Lucky am Start ist, dem man diese schöpferische Freiheit vollkommen anmerkt.
Das Bild von traditionell zurechtgestutzten Charakteren fehlt völlig und man verzichtet auf den ganzen massentauglichen Mist zugunsten von Ideen, die spürbar nicht in der Allgemeinheit verankert sind, sondern sich wieder der überaus schwierigen Aufgabe widmen, dem Zuschauer eine neue Form der Unterhaltung zu bieten und ihn gleichzeitig dafür zu gewinnen, so dass er mit einem großen Maß an Befriedigung wieder aus dem Kino raus kommt.
Meiner Meinung (und den Lachern meiner Mit-Zuschauer) nach zu urteilen ist dies auch völlig gelungen. Die schroffe, unnatürliche Art, in unerklärten Gesichtsausdrücken und Handlungsoptionen zu verharren, sie als gegeben zu präsentieren und deren Beweggründe vielleicht auch im kommenden Abschnitt nicht hinreichend (oder auch gar nicht) zu erklären, bezeugt für mich wieder den Mut, den Zuschauer durchaus für fähig dafür zu halten, die logischen Lücken der Profile der Protagonisten durch Eigeninitiative zu füllen und somit für sich selbst ein schlüssiges und funktionierendes Gesamtbild zu erschaffen.
Damit schlägt Soderbergh gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Er erspart sich das BILDhafte Idiotenerklärungssystem, dass sich neuerdings in Blockbustern eingeschlichen hat und nutzt zugleich das biologische Belohnungssystem des Zuschauers, um positive Emotionen zu bilden. Und das ist – neben der Geschichte an sich – für mich der eigentliche Coup dieses Films: Der gewagte und lohnenswerte Schritt neben die Spur und damit endlich wieder mal auf erzählerisches Neuland.
 

.kinoticket-Empfehlung: Schon der .trailer war seltsam und der Film offenbart dann, warum: Hier waren kreative Kräfte am Werk, die ein in sich schlüssiges Gesamtkonzept präsentieren, dass einen Besuch im Lichtspielhaus definitiv sinnvoll erscheinen lässt.
Die Konzeption von Offenlegung der Profile im gleichen Atemzug mit den Stichpunkten der Handlung einhergehend legt man hier eine völlig neue Erzählweise auf den Tisch und schafft es, die Kundschaft von diesem zu überzeugen.
Für mich einen Besuch im Kino definitiv wert.

 
Nachspann
hat leere Taschen und braucht deshalb nicht ausgesessen zu werden.
Kinostart: 14. September 2017

On the Milky Road

Unsereiner wird mit Monica Bellucci vor die Leinwände gelockt, Emir Kusturica inszeniert den Rest der Show und katapultiert sich dabei gleich selbst in die Hauptrolle. On the Milky Road trifft dabei die Wurzeln des Balkan-Films und schleudert eine dermaßen überdrehte Story auf den Tisch, dass einem so manches Mal der Atem im Hals stecken bleibt.
Dabei findet man sich nicht etwa in einer billigen Aufopferung anhimmelnd an die westliche Hemisphäre von unten her angreifend wieder auf dem Tableau internationalen Filmkönnens, sondern produziert hier mit Vorwärtsgang eine Ballade bildreicher Humorgewalt, der man beim Hinsehen trotz inneren Anspannungen kaum widerstehen kann.
Obwohl ich von dem netten Herrn bislang noch überhaupt nichts gehört habe, grenzt dieses Werk schon jetzt individual an cineastische Höchstleistung und portiert damit eine völlig neue Produktionsweise auf unsere heimischen Kinoleinwände.
Und ich sage vorab schon mal: Recht herzlichen Dank für diese irre Erfahrung, die damit am 7. September auch hierzulande die Independent-Kinos füllen wird.
Natürlich gibt es im Film genügend Beispiele dafür, die durchaus breitere Recherchen erforderlich machen würden, würde man sich an den Szenen in ihrer Echtheit und Arroganz stören und dennoch gehört genau diese Stimmung absolut in diesen Film, der damit eine hauseigene Marke seiner selbst präsentiert und auf absolut gar nichts aus dem Rest der Bewegtbild-Dimension zurückgreift.
Und wie hat man mir so schön gesagt: “Protestierende PETA-Befürworter sind doch auch eine schöne PR für diesen Film.”
An dieser Behauptung ist wohl was dran, auch wenn ich nicht umhin komme, die Genialität dieser Darstellung auch trotz der möglichen Anschuldigungen hier uneingeschränkt zu loben. Natürlich ist es grotesk, was man dem Zuschauer hier stellenweise zumutet, doch in Vereinigung mit dem Rest der einmalig erzählten Geschichte macht auch das ein umfassendes Bild aus, das man ob seiner skurrilen Darstellungsweise dennoch bewundern darf.
Also von mir aus: Gerne mehr davon.
 

.kinoticket-Empfehlung: Bewunderer auswärtigen Kinos finden hier eine Schlachtplatte burlesker Kinoerfahrung, die es genüsslich zu verspeisen gilt.
Insgesamt mutet das Werk als perfide Erfindung der Andersartigkeit an und erzählt in flottem, unterhaltsamen Tempo eine einmalige Geschichte, die in wundersame und zugleich bildschöne Szenen gepackt wurde.
Ich würde wieder rein gehen und empfehle euch, selbiges ebenfalls zu tun. Mit oder ohne Protest-Pulk an den Kinoeingängen.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, den Film sollte man aber unbedingt sehen!
Kinostart: 7. September 2017

Killers Bodyguard

Ich hoffe, ihr kennt alle die “Originalversion” mit Kevin Costner und Whitney Houston aus dem Jahre 1992. Allein schon das “Filmplakat”, das man im Internet zu beiden Filmen findet, verrät gewisse Parallelen.
Tatsächlich hat Twentieth Century Fox es sich hier auch nicht nehmen lassen, unfassbar viele Anspielungen auf das liebevolle Original im Neuwerk einzubauen und die Zuschauer so mit viel perfidem Vergleichs-Zynismus zu erfreuen.
Dabei gilt nicht mehr das klassische “Wir verarschen mal irgendeinen Film ein bisschen”, sondern man schlägt dermaßen über die Stränge, dass so manch frühzeitige Ausstrahlung durchaus in Frage gestellt werden darf.
Sehr zum Vergnügen der erwachsenen Zuschauer, die hoffentlich reichlich die Säle bevölkern, denn der Spaß findet kaum ein Ende. Dabei driftet man so herrlich in die Absurdität und Übertreibung ab, die längst nichts mehr mit klassischen B-Twist-Movies zu tun hat, welche man dem Film fälschlicherweise attestieren könnte, sofern man die “Vorgeschichte” dazu eben nicht kennt.
Daher mein gut gemeinter Rat an alle Newbies: Schaut euch vorab The Bodyguard mit oben erwähnten Darstellern an und nutzt diese Blu-ray als Vorfilm zur aktuellen Klamauk-Version, die aus dem ernst gemeinten Original dann etwas völlig anderes werden lässt – der Spaßfaktor steigert sich dadurch auf jeden Fall ungemein.
Und wie ich schon oft erzählt habe, hat jeder Schauspieler seine Rolle des Lebens, in der er die eigenen 100% erreicht und danach immer nur Schatten seiner selbst produziert. Bei Ryan Reynolds dürfte jedem klar sein, dass Deadpool diesen Platz ergattert hat – und diese Verrücktheit merkt man ihm auch hier ansatzweise an, auch wenn sie nicht so in den Spitzen gipfelt, wie in seinem Film.
Dennoch macht Killers Bodyguard unfassbar viel Spass und begeistert die Erwachsenenriege mit viel Sarkasmus, Übertreibung, Blut und noch viel mehr. Beste Unterhaltung im Kino garantiert!
 

.kinoticket-Empfehlung: Definitiv vorher The Bodyguard schauen, dann erkennt man viel mehr Zusammenhänge zum eigentlich sehr sinnlich-romantischen Original.
Reynolds und Jackson geben hier genauso gute Figuren ab, wie die Hauptdarsteller in der Vorlage und gemeinsam mit einem umwerfenden Cast hat man im Kino als Erwachsener durchaus jede Menge Spaß.

 
Nachspann
Auf jeden Fall abwarten, auch wenn es etwas dauert – die Geduld wird auf jeden Fall belohnt 😀
Kinostart: 31. August 2017

Tigermilch

Den Kino-Trend zu beobachten, der sich inzwischen in deutschem Lande ausbreitet, bereitet meiner einer relativ großes Vergnügen. Hatte ich in der Vergangenheit immer extreme Schwierigkeiten mit deutschen Filmemachern und ihren Endprodukten, entwickelt sich derzeit fast schon eine erbarmungslose Liebe zwischen mir und dem deutschen Kino.
Deutsche haben vorwiegend versucht, Komödien zu produzieren und die Welt zum Lachen zu bringen, vermutlich, weil dann nicht so schwerwiegend auffällt, dass hierzulande nicht mal annähernd so viel Kohle für die Filmproduktion übrig ist, wie in Hollywood. Das kann man in Komödien noch besser kaschieren, als wenn man sich z.B. Actionfilme vornehmen und diese produzieren würde.
Aus dem Grund quellen in den heimischen Verkaufsregalen auch nicht Unsummen von Action-Krachern, sondern Filme, die ich persönlich niemals kaufen würde, sondern eher peinlich berührt belächle.
Unter der Annahme, dass Geschmäcker verschieden sind, wage ich jetzt einfach mal die Aussage und behaupte, dass es in diesem Land niemanden gibt, der wirklich großartige Komödien auf die Reihe kriegt – weder Comedians noch Akteure der Filmindustrie. Zumindest sieht es so aus, wenn man das Tagesgeschäft dessen betrachtet, was sich derzeit auf dem Markt tummelt (Ja, ich weiß, Bully und so … der gehört für mich aber eher in das vergangene Zeitalter und nicht mehr zur modernen Filmpolitik).
Und statt aufzugeben und den Kopf in den Sand zu stecken, widmet sich das inländische Kino einfach einem anderen Genre, und haut da in kürzester Zeit einen Erfolg nach dem anderen raus: Drama.
Schaut man sich die ins Millionenfach gehenden Nazi-Produktionen an, mit denen wir im TV zugeschwemmt werden und deren Depressivität Nacht für Nacht die emotional Instabilen ins Unglück stürzt, hätte man sich eigentlich so etwas denken können. Doch bisher ist wohl niemand drauf gekommen, anders lässt sich nicht erklären, dass derartige Filme erst jetzt so richtig den Durchbruch an die Oberfläche des cineastischen Alltags geschafft haben und dort mächtig abstauben.
Tigermilch ist einer dieser Filme, in dem Constantin Film ein weiteres Mal absolutes Gespür für guten Geschmack, eine hervorragend erzählte Geschichte und prätentiösen Tiefgang beweist. Die Charaktere laben sich in ihrer Unschuld und erwecken beim Zuschauer sogleich Mitgefühl, Verständnis und emotionale Nähe, während sie ihren widerstrebsamen Geist auf das Volk loslassen und somit für Entertainment pur sorgen.
Nach Axolotl Overkill hat man auch hier wieder fähige Musiker die Auswahl des Soundtracks treffen lassen und zeugt einmal mehr davon, dass dieses Land mehr kann als Sauerkraut und Weißwurstbrezeln. Der Beat ist berauschend und führt mit der jugendlichen Agonie zwei Kinder an den Rand des Erwachsenwerdens, die sich eben nicht mehr nur mit Luxusproblemen herumschlagen müssen, sondern knallhart mit aktuellen, politischen Fakten konfrontiert und diese im Alleingang an vorderster Front lösen müssen.
Hierbei trifft Regisseurin Ute Wieland den Geist der Zeit und fordert den mündigen Bürger von anderer Seite her auf, aktiv zu werden um in der Gesellschaft manche Dinge im Sinne der Heranwachsenden endlich zu klären.
Dass man als Zuschauer die Problematik des Inhalts nun endlich auch mal sorgenfrei von der anderen Seite aus betrachten kann, ist fast schon ein Bonus, der interkulturell für mehr Verständnis sorgt und somit sogar ein klein wenig zum Bildungsreichtum beiträgt, den ich so gerne auf der Leinwand sehe.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ob es nun einfach die Frage ist, was derzeit grad sehenswert ist, oder man sich ein wenig amüsieren möchte – oder einfach auf der Suche nach tiefgründigem Stoff ist, der den Abend intellektuell auf ein klein wenig höheres Niveau hebt – Tigermilch eignet sich für all das hervorragend.
Der Zuschauer wird mitten in eine Welt geschmissen, von der man in den vergangenen Jahrzehnten immer weniger gehört hat, und dort durch richtige Songauswahl, erfrischende Charaktere und unglaublich gutes Können mit allerlei Liebenswertem beworfen.
Wieder einmal zeigt sich in jüngster Zeit das präferierte Genre, dem sich die inländischen Filmemacher mehr zuwenden sollten: Drama, Baby!

 
Nachspann
ist klassisch, wartet mit Musik und Text auf und enthält keine weiteren Überraschungsszenen. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 17. August 2017

Table 19 – Liebe ist fehl am Platz

Dieser Film besticht durch seine komplette Andersartigkeit sowohl in der Auswahl des Themas, als auch in seiner Art, die Dinge zu erzählen. Wenngleich die großen Köpfe des verbalen Intellekts hier auch ihre Schwierigkeiten haben mögen, so entfaltet dieser Titel dennoch eine ungewohnte, völlig absurde und dadurch absolut interessante Plattform, auf der man sich eines Themas annimmt, von dem der normale Zuschauer denkt, dieses gehöre wohl kaum als Hauptaugenmerk auf die Leinwand.
Dass genau dies passiert, macht diesen Streifen zu einem sehenswerten Konstrukt, denn man findet sich mal nicht in den üblichen platten Klischee-Zelebrierungen wieder, sondern widmet einen ganzen Spielfilm einer Gruppe, die sonst außen vor bleibt.
Dass man da jetzt keine schauspielerischen Offenbarungen oder horizonterweiternde Erlebnisse erwarten braucht, ist glaube ich jedem von Anfang an klar. Dass der Besuch eines Lichtspieltheaters trotzdem lohnenswert ist, bezeugt allein schon die Tatsache, dass diese wirklich derb komischen Vögel gemeinsam besser belacht werden können, als zu Hause auf der heimischen Couch.
Und der Spaß kommt mit dem Tun: Im Laufe der Zeit entwickelt der Plot immer mehr Eigenständigkeit und kommt durch seine skurrilen Ausführungen ins Rollen, auch wenn das groß erwartete Finale eher unspektakulär wirkt, so gehört genau dieses Ende auch wieder der Zielgruppe an, um die es hier geht.
Es ist nicht der Inhalt oder die Pointe, sondern vielmehr die Tatsache, warum dieser Film gedreht wurde, der uns einen Spiegel vorhält und zeigt, dass eben nicht nur die üblichen Verdächtigen auf einer Leinwand Platz haben, sondern man auch ganz andere Materie hernehmen kann, um diskussionswürdigen Stoff zu produzieren.
Mit Table 19 schickt man da einen Film ins Rennen, der durchaus kritisch begutachtet werden darf und den man sich gerne als Grundlage für weitere Gespräche ranziehen kann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Erwartet nichts normales, sondern stellt euch einfach auf eine völlig andersartige Überraschung ein, dann wird es auch keine Enttäuschung.
Die Nische, in der man hier wandelt und die gekonnte Nicht-Inszenierung dessen, was eigentlich jeder erwartet hätte, lässt aufleuchten, dass hinter den Absichten mehr steht, als man eingangs vermutet.
Definitiv eine interessante, aufschlussreiche Erfahrung.

 
Nachspann
Aufstehen, anziehen, rausgehen – hier folgen keine weiteren Szenen.
Kinostart: 17. August 2017

Recep Ivedik 5

Überfliegt man das Kinoprogramm der aktuellen Woche, stellt man mit Erstaunen fest, dass dieser Film in allen 4 Zeitschienen auftaucht und die ganze Woche über konsequent gespielt wird. Die 5 im Titel lässt auch auf eine erfolgreiche Vergangenheit schließen, ergo interessierte mich schon ein wenig, weshalb man dieses türkische Konstrukt programmtechnisch so in den Himmel hebt und nicht – wie üblich – in die letzte Vorstellungsrunde packt und damit am Rande des Abseits verkommen lässt.
Die Übersetzung des Titels kann ich mir diesmal wohl getrost sparen, denn wer den Film sieht, wird sofort wissen, wer gemeint ist. Die übliche türkisch-überdrehte Komik greift auch hier wieder, auch wenn man den Fundus an Beleidigungen und Abstrusitäten jetzt langsam auf ein Tableu gleiten lässt, das sich schon ein wenig aus “billigeren” Filmen gleicher Kultur erhebt, jedoch in meinen Augen keinen durchschlagenden Erfolg produziert, den man mit einer derart aufgefächerten Vorstellungsauswahl krönen müsste.
Auf deutsch: Ich war nicht sonderlich begeistert, aber auch nicht wirklich enttäuscht. Kurioserweise zieht der Film langsam an, sobald die Gags etwas ins untere Niveau abrutschen, was bei mir aber auch keine Lachsalven hervorrief, sondern allenfalls hier und da einen anständigen Schmunzler.
Ich kann mir vorstellen, dass dieses Stück in einem ausgefüllten Saal richtig Laune macht und brauche da bei zwei weiteren Einzelpersönchen keine Rückschlüsse auf gute Saalunterhaltung ziehen.
Problematisch ist, dass ich den Trailer bereits kannte und der halt extrem viel preisgibt, was das Überraschungsmoment deutlich schmälert, da man sich im Film dann für die Fortführung der Handlung stellenweise extrem viel Zeit lässt, während die brutale Redegeschwindigkeit aber nicht abnimmt. Und das empfinde ich zeitweilig als anstrengend, zumal einem noch nicht mal die Chance vergönnt wird, eine Zeile Untertitel zu Ende zu lesen.
Dass man hier mal von den üblichen türkischen Hochzeiten abgesehen und das Kulissen-Großaufgebot woanders angesiedelt hat, rechne ich dem Film als Pluspunkt an, auch wenn ich die Idee völlig anders verarbeitet und mit deutlich mehr Ernsthaftigkeit angegangen wäre.
 

.kinoticket-Empfehlung: Begeisterung sieht anders aus und Verständnis für die unzähligen Vorstellungsangebote in den Kinos kann ich auch nach dem Sichten nicht aufbringen, müsste ich jedoch alle gesehenen türkischen Filme miteinander vergleichen, läge dieser Titel klar auf Platz 2.

 
Nachspann
enthält keine weiteren Szenen oder Bilder. Rausgehen erlaubt.

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