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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Klinik

Die Welt der Wunderlichs

Da haben sich wieder mal ein paar große Fernsehsender zusammengetan und ein Gemeinschaftsprojekt auf die Füße gestellt, dass demnächst seine große Offenbarung in den Kinosälen feiern will. Im Rahmen der Sneak Preview durfte ich gestern bereits tiefe Einblicke in das Leben der Fernsehanstalten erhalten, das hier nicht nur im Plot tangiert wird, sondern sich auch unfreiwillig selbst auf die Schippe nimmt.
Man darf von den Öffentlich-Rechtlichen halten, was man will: für mich sind Sie undurchdringbar, verzweigt, komplex und selbstverliebt und man verliert bisweilen ein wenig den Blick für die Realität da draußen. Und genau diese Marotten spürt man sehr stark während des Films, da hier nicht nur eben jene Charakterzüge eine Bühne erhalten, sondern auch konsequent bis zum Schluss ausgekostet werden, um eine Geschichte zu erzählen, die es aber durchaus verdient, gesehen zu werden.
Tatsache ist, dass es sich hier um eine deutsche Produktion handelt und das allein für viele schon Grund genug ist, nicht ins Kino zu gehen. Tatsache ist aber auch, dass sich der einheimische Filmmarkt langsam immer verbessert und man endlich begreift, dass alte Strukturen nicht unbedingt der Garant dafür sind, um auch weiterhin international am Spielball zu bleiben.
Mit Die Welt der Wunderlichs betritt man also nun die Bühne mit unterhaltsamer Komik, Verschrobenheit und einer leicht zwischen den Zeilen erkennbaren Überheblichkeit, die das Profil der Macher, welches man als Außenstehender gewinnen kann, unterstreicht. Und genau das gereicht dem Werk zum Nachteil, denn das Drehbuch wurde wirklich gut herausgearbeitet und die Profile der Darsteller entlocken auch dem tiefsten Depressiven ein müdes Lächeln.
Für mich war das Staraufgebot im Film reichlich fragwürdig. Persönlichkeiten, die zu ihren Zeiten durchaus ihre heiligen fünf Minuten im Fernsehen genießen durften nach gefühlten Jahrhunderten wieder aus ihren TV-Särgen zu zerren um ihnen eine fragwürdige Position in diesem Kammerspiel zu vermachen, grenzt für mich durchaus an Einfallslosigkeit und mangelnde Alternativen. Hier hat unser Land noch mächtig Aufholbedarf, denn die wahren Künstler sitzen meist nicht vor, sondern hinter den Kulissen und verbreiten im Stillen ihr Werk, das im schlimmsten Fall noch nicht mal man die Außenwelt gelangt.
Insofern bin ich zwiegespalten wenn es um eine Empfehlung für diesen Film geht. Der geneigte TV-Produktionskucker hat an dieser Persiflage der Normalität durchaus seine Freuden und erlebt ein professionell gemachtes Werk, das andere Fernsehfilme weit in den Schatten stellt. Andererseits ist der Humor und das Gezeigte auch gut genug für das Screening in den großen Spielfilmhäusern, graduiert dort aber schnell zum kleinen Bruder, der noch vieles lernen muss, um endgültig in der Welt der Großen mitzuwirken und auch zu bestehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass hier die gewohnte Spitzenqualität von Hollywood fehlt und sich das Werk eher im Nischenbereich wiederfindet, wo es auch eine durchaus gute Figur macht.
Der Weg ist noch nicht zu Ende gegangen, jedoch zeigt man seitens der Öffentlich-Rechtlichen langsam auch, dass das vergangene Jahrhundert nun auch bei ihnen endlich vom Kalender abgerissen wurde und man sich schrittweise der Modernität nähert.
Die Sprache war durchwachsen, der Plot stellenweise fragwürdig und die Topbesetzung für mich daneben, aber das Werk hat seine unterhaltsamen Momente und greift nicht so ins cineastische Klo, wie es beispielsweise Tschiller mit seinem Kinotatort getan hat.

 
Nachspann
muss man nicht gleich raus rennen, eine Afterszene gibt es aber nicht mehr.

Lights Out

Wer sich den Trailer anschaut und diesem Genre etwas abgewinnen kann, dem kribbelt es anschließend tierisch in den Fingern. Ich hab mir extra eine große Portion Extrazeit mitgebracht, um mir den Streifen in der Nachtvorstellung noch anzuschauen und da ich mein Stammkino für seine Lautstärke und immense Wucht, die damit verbreitet wird, tierisch liebe, wurde es einfach nur eine gelungene geile Vorstellung.
Aber der Reihe nach. Allein schon der Titel ist dem genialen Einfall so unterlegen, dass man hofft (und die Gebete werden teilweise bereits erhört), dass demnächst noch weitere Teile diesbezüglich aufkreuzen werden. Dieser Thematik hat man sich so in der Filmwelt noch nie angenommen und dabei gänzlich (!) auf sämtliche Vorfälle und Handlungen verzichtet, die dem Horrorfilmschauer übel aufstoßen könnten.
Ganz im Ernst: So ernsthaft, normal, realitätsgetreu und brillant habe ich lange keinen Schauspieler mehr solch ein Thema spielen sehen wie in Lights Out. Nicht nur die Kinderdarsteller sind hervorragend gecastet, sondern auch die Erwachsenen enttäuschen zu keiner Zeit mit irgendwelchen Plattitüden, für die man die Protagonisten in Horrorfilmen so oft hasst.
Doch nicht nur im Spiel selbst, sondern auch bei der Einbeziehung der verschiedenen Optionen während der Show verzichtet man hier gänzlich auf Dummheit und obliegt einer realitätsnahen Schärfe, die man sich in so vielen anderen Filmen dieser Art so sehr wünscht. Wie erstaunlich und selbstreflektierend man sich hier immer wieder auf die Suche nach dem titelgebenden Licht macht, grenzt fast schon an ein Kunstwerk und lässt vergessen, dass keine milliardenschweren Sponsoren im Hintergrund sitzen, die sich Probleme einfach mit Geld wegkaufen.
Diese Ausdrucksstärke in den Gesichtern und den Augen der Darsteller, das Mitdenken in brenzligen Situationen und im Affekt richtige Handeln, der Schauer, der einem als Zuschauer durchaus die Rückenpartien runterläuft, während man nicht gespielt und erzwungenermaßen, sondern reell geschockt wird – von mir eine Eins Plus.
So unbefremdlich und klasse war schon lange kein Horrorfilm mehr, der dazu auch noch den Weg ins Kino überstanden hat. Ich war einfach nur begeistert und bete, dass man diese Schiene nicht zerfleddert und genauso derbe ausschlachtet, wie seinerzeit Saw. Dann hätten wir nämlich endlich wieder mal etwas, worin man sich als Fan gerne badet und das auch im heimischen Kino durchaus zu überzeugen weiß.
Auch erwähnenswert: Benjamin Wallfisch – der schon die Trailersounds für Die Insel der besonderen Kinder spendierte und damit voll ins Schwarze traf. Dieser Musikspezialist trumpft hier auch wieder mit einem Beat zum Niederknien auf, der allein schon Grund ist, selbst als Blinder die Vorstellung zu besuchen und sich von dieser tragenden Schwere langsam ins Reich des Staunens tragen zu lassen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Horror, der sich lohnt? Lights Out.
Nach diesem Film gehst du garantiert nicht ohne Taschenlampe ins Bett. Schocker, Darstellung und Realitätsnähe sind hier am oberen Limit und überzeugen mit einer Natürlichkeit, die seinesgleichen sucht.
Nicht nur der Sound überzeugt auf voller Länge, sondern sämtliche Horrorfilmklassikerdummheiten wurden ausgelassen und machen einer wunderschönen Normalität Platz, die man in vielen anderen Filmen dieses Genres oft vermisst. Wenn sich ein Film zum Gruseln lohnt, dann ist es Lights Out – also rein da!

 
Nachspann
kommt außer der abnormal geilen Mucke nichts mehr, auf das man warten müsste. Aber die Musik …. schwärm
 

The Choice – Bis zum letzten Tag

Wir alle erinnern uns an den rühmlichen Kein Ort ohne dich, Buchverfilmungsstoff von Nicholas Sparks, der damit zumindest bei mir ganz groß punkten konnte.
Endlich ein Film, der nicht in den schmierigen Klischeespalten weiblicher Romanleserstereotypen versinkt, sondern Geschichtsstoff, der modern, frisch und vor allem kinotauglich von der Leinwand hämmerte und die – für mich – Liebesgeschichte dieses Jahrzehnts erzählte.
Der Name des Autors steht diesesmal auch wieder auf dem Kinoplakat und wird im Trailer erwähnt. Das Genre des Films ist haargenau gleich, es gibt wieder Mann und Frau und ein paar Randfiguren dazu, aber die Flamme der Begeisterung erlischt bereits nach wenigen Sekunden.
Dabei hatte ich mir gerade diesen Film als Mittelteil meines Kinomontags ausgesucht und dafür auf den erwartbar-stereotypischen London has fallen und die im Nachhinein vielleicht bessere Alternative Der Spion und sein Bruder verzichtet. Eine andere, niveaumäßig gleichauf mit Kein Ort ohne dich liegende Story mit Tiefe wäre das, was ich mir im Gegenzug dazu erhofft hatte.
Tja, Pustekuchen. Die Figuren werden hier zwar wunderbar introduced, sogar die im Abseits befindlichen Charakterzüge von ihm ließen auf etwas mehr hoffen, jedoch driftet das Ding nach gefühlten Minuten bereits in Klischees ab, die einfach nicht mehr feierlich sind.
Irgendwie lieblos, uninspiriert, langweilig, völlig ohne Erzählbögen oder spannende Wendungen schleppt sich die Story von einer Minute zur nächsten. Selbst die romantypischen Sonnenuntergangs-Symbolbilder wurden hier eher B-Movie-mäßig reproduziert und lassen nicht im Geringsten erahnen, dass es den Machern wichtig war, visuellen Tiefgang zu erschaffen und die Menschen wieder so richtig in den Kinosessel zu drücken.
Ist die Zeit wirklich schon reif, um zu sagen, dass Sparks sein großes Ding bereits hinter sich hat und alles andere jetzt nur noch in seinem eigenen Schatten steht?
Ich hoffe nicht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Film war gelinde gesagt eine riesige Enttäuschung.
Unspannende Wendungen, vorhersehbare Stereotype, mehr Rumgeheule und -gejammer als inspirierendes Anpacken oder vorbildhaftes Verhalten.
Die Gefühls-Autobahn liegt hier so brach, wie der Highway nach Atlanta auf dem Cover von The Walking Dead. Will man auch in Zukunft mit Romanen dieser Art auf der Leinwand begeistern, muss man so ziemlich alles anders machen, als hier.
Daumen .. runter.

 
Nachspann
enthält kein weiteres Material oder irgendeinen Nachschlag.

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