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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Kelly Macdonald

Goodbye Christopher Robin

Was haben wir aus der Vergangenheit gelernt? Twentieth Century Fox kann Filme. Einmal mehr hat sich das Tochterunternehmen des Studios einer Geschichte angenommen, die unverblümte Wahrheiten auspackt und damit ganz neue Einblicke in den Wahnsinn manchen Geschehens ermöglicht. Dass Menschen so sind, wie sie sind, ist ja weithin bekannt und wurde millionenfach von Hollywood besungen.
Was hier allerdings zum Besten gegeben wird, ist nicht nur sensationell überraschend, sondern trumpft mit einer Unglaubwürdigkeit auf, die so manches Weltbild zum Einsturz bringen könnte. Anfangs mutet der Film noch sehr altmodisch an, braucht eine Weile, um in die Gänge zu kommen und richtig an Fahrt aufzunehmen, aber dann entwickelt sich das einerseits zu einem Heidenspaß, andererseits glänzt man hier durch schockierende Tatsachen, die endlich mal die ganze Wahrheit solcher Fälle offenbaren und nicht immer nur die Creme-Seiten auftischen.
Und genau das macht diesen Film so spannend: Inspiriert von der wahren Geschichte, die die Hintergründe zu dem liefert, was Medien und Co. seinerzeit schon zu Tode getrampelt haben, ermöglicht man nun den Zuschauern, sich hier umfänglicher zu informieren und die Reise noch einmal durchzuführen, nur diesmal eben von der anderen Seite der Scheibe aus.
Ganz deutlich muss man hier auch die Hauptakteure des Films hervorheben, die sich durch ihr Schauspiel großartig von der Masse abheben: Margot Robbie, vielen aus Suicide Squad oder I, Tonya bekannt, begleitet von Domhnall Gleeson, den einige wohl zuletzt in Star Wars: Die letzten Jedi auf der Leinwand gesehen haben dürften, und den Kinderstar Will Tilston, dem nach dieser Leinwandoffenbarung alle Türen im Showbusiness offen stehen dürften.
Die großartigen Leistungen – und vor allem auch das großartige Plädoyer der Dialogschreiber zeigt einmal mehr, dass auch in Hollywood die Kunstfertigkeit der Sprache noch nicht gänzlich ausgestorben ist, sondern man durchaus auf hohem Niveau zu entzücken weiß.
Am Schluss versteht man vieles nicht mehr, an das man früher gerne glauben mochte, zieht aber nicht enttäuscht, sondern bestens unterhalten von dannen und hat einen weiteren wunderbaren Film in seinem Sichtungsportfolio.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nehmt euch am Anfang ein wenig Zeit, um in den Film reinzukommen, nach ungefähr 20 Minuten taut der dann wirklich auf und liefert erstklassige Unterhaltung, die u.a. sehr zum Lachen anregt.
Die Story und das Geschehen könnte so manches Weltbild einstürzen lassen, umso wichtiger ist daher, dass genau das auch unters Volk kommt und gesehen wird. Vielleicht versteht man dann einiges ein klein wenig besser.

 
Nachspann
❌ Nach dem Text ist Schluss – hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 7. Juni 2018

T2 Trainspotting

Stell dir eine Welt voller Filme vor. Unzählige einzelne Blu-ray-Scheiben schwirren durch den Kosmos. Einige paaren sich und werden zu Double-Features, andere reihen sich aneinander und vereinen ihre Inhalte zu einem Gesamtplot, wieder andere stehen für sich. Viele werden vergessen, manche vergleichen sich mit wiederum anderen. Manche lassen sich zu thematischen Gruppierungen zusammenfassen, wieder andere stehen komplett für sich allein da.

Trainspotting gehört zu denjenigen, die – einmal angeklickt und in den Vordergrund dieses Filmgeschwaders geholt – für sich alleine dastehen und alles andere um sich herum ausblenden.
Er ist unvergleichbar. Er ist Kult. Er ist das Maß eines Kindes, dass den ultimativen Ausbruch respektive in einer wirren Welt den Anschluss an die verkabelten Synapsen der Gesellschaft zu verhindern sucht. Er steht für etwas, dass in der Vergangenheit mal ein extrem heller Stern am Firmament des Bewegtbilds war und bis heute ist. Er steht für eine Zeit. Für das Empfinden einer Generation. Er lebt das, was man sich sonst höchstens in seinen Gedanken kurz ausmalt, bevor man sich wieder der Normalität zuwendet und seinem alltäglichen Trott nachgeht.
Umso erwartender war ich, als das erste Mal der Trailer zu T2 Trainspotting anlief, der erneut in wirren Bildern eine wahnwitzige Story auf die Leinwand zu bringen schien, was in mir extreme Glücksgefühle hervorrief, die meinen kritischen Geist nicht anspringen ließen. Warum auch immer.
Nun habe ich den Film gesehen und gemischte Gefühle.
Für mich war vieles verkrampft. Die Inspiration, der Geist der Jungs, die man aus dem ersten Teil kennt und für den man sie liebt, hallt nur noch in verklungenen Bildern durch den Äther und hinterlässt bei weitem nicht den bewundernswerten Eindruck, den uns der erste Teil geliefert hat.
Die Zeit des Bedauerns wurde aktiviert und wird sowohl vom Darsteller, als scheinbar auch vom Zuschauer so vernommen, denn der Wumms ist einfach raus.
Statt der konsternierten Gesellschaft erneut ihren Stempel aufzudrücken und die Dinge einfach anders zu regeln, schwelgen die Herrschaften hier ermüdend nüchtern in Nostalgie und man versucht … verkrampft … den Flair vergangener Tage neu zu beleben.
Ob dies nun gewollte Taktik der produzierenden Mannschaft gewesen oder einfach nur die Konsequenz verschiedener Faktoren ist, in einer Welt, in der solche abgefahrenen Szenen einfach nicht mehr den gleichen Stellenwert haben, wie in den Originaljahren seines Vorgängers, weiß ich nicht.
Gefühlt tut man sich unglaublich schwer damit, den alten Motor wieder anzuwerfen und besinnt sich daher eher auf Rückblenden, Erinnerungen, spricht die Dinge sogar exakt an. Der große Moment, an dem man dann die Keule gegen die Offensichtlichkeit richtet, mutet hier eher wie der peinliche Versuch eines Kindermagazins an, das jetzt auch auf all das drauf drischt, wogegen sowieso schon jedes kleinste Dorfblatt wettert.
Ein Versuch, der meines Erachtens voll in die Hose ging. Ironischerweise sind in den Kinos die Toilettentüren mit Werbung für diesen Film gepflastert.
Doch nicht alles ist schlecht. Gemischte Gefühle bedeutet auch, dass – im verbotenen Vergleich zu anderen Filmen unseres Jahrzehnts – dann eben doch wieder Kameraeinstellungen da waren, Blickwinkel gefeiert wurden, die Abartigkeit und Andersartigkeit des Filmemachens zelebriert wurde und man doch gespürt hat, dass hier kein Allerweltsgesicht eines Megakonzerns am Werk war, sondern jemand, der wenigstens versucht hat, wieder ein wenig aus der Reihe zu tanzen und etwas zu kredenzen, dass dem Blick des Zuschauers gewachsen ist.
Halt immer mit der zerrissen wehenden Fahne des faden Beigeschmacks einer billigen Kopie, wie es auch schon bei Der Blutige Pfad Gottes 2 war: Coole Charaktere, extrem geiler Ursprung, anbetungswürdige Ideen und dann so ein mieser zweiter Teil, der selbst als 4,99 € Blu-ray den Kauf nicht wert ist.
Bei T2 Trainspotting würde ich jetzt nicht so weit gehen und sagen, er ist brutal schlecht, den Anspruch auf die gleiche würdige Ebene wie sein Vorgänger hat er aber keineswegs erfüllt oder erreicht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Das große Zauberwort heißt hier Nostalgie.
Man verliert sich in dem Wunsch nach vergangener Zeit und bündelt hier nicht genügend Energien, die dem leblosen Korpus wieder Odem einhauchen, sondern bedauert sich lieber selbst und erinnert sich sehnsüchtig daran zurück, wie geil es damals mal gewesen ist.
Und das tut beim Rausgehen dann irgendwie im Herzen weh. Ein zündendes Feuerwerk mit explodierendem, unvergessenem Abgang hätte meinem Wunsch eher entsprochen.

 
Nachspann
hat seinen eigenen Stil, wartet aber nicht noch mit irgendwelchen Easter Eggs auf.

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