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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Kater

My Little Pony – Der Film

Dass Hasbro grundsätzlich an Filmen interessiert ist, die in erster Linie als Produktvermarktungsstrategie fungieren, dürfte spätestens seit Transformers unwiderlegbar sein. Was viele nicht wissen: Auch My Little Pony gehört zum Inventar des Spielzeugriesen und stellt damit aktuell wieder einen Merchandising-Schachzug der Firma dar, die mit dieser Low-Level-Inhalts-Produktbombe etwas auf die Leinwände schmeißt, wonach kleine Kids am Ende wieder ordentlich schreien.
Wer bereits den .trailer gesehen und nicht davon blind geworden ist oder nachträglich festgestellt hat, dass die Drogen (noch) nicht gewirkt haben, dürfte ja inzwischen ungefähr wissen, worauf er sich da einlässt.
Warum ich trotzdem eine Besuchsempfehlung ausspreche?
Es ist außerordentlich spannend, was sich da im Kino sowohl auf der Leinwand als auch im Saal abspielt.
Punkt 1: Ein altes Ehepaar ohne (!) Kind, das sich geistesgegenwärtig bei jeder Szene vor Komik schreiend facepalmt und dabei über die quietschige Eigensatire auf der Leinwand sinniert, was weder zu übersehen noch zu überhören ist.
Punkt 2: Kleine, noch nicht sprechende Kinder, die sich vor Angst auf den Schößen ihrer Eltern verkriechen und anschließend vorzeitig den Saal verlassen.
Punkt 3: Kleine, gerade sprechende Kinder, die nach dem Film selbstbewusst ihre Mama an der Hand nehmend die Treppe raus stolzieren und voller Empathie zu ihren Eltern aufschauen und ein “Na, der war ja mal gut, nä?” rausposaunen.
Was ebenfalls auffällt: Die Kleinen kennen diese Biester mit ihren FSK 18-Stimmchen alle auswendig und applaudieren fast beim Erscheinen auf der Leinwand wie unsereiner es mit tatsächlichen Stars beim Auftreten in Stadien tun würde … oder bei Helene Fischer. Da versteh ich’s auch nicht, aber die Welt hat mehr als einmal gezeigt, dass sie doof genug ist und es eben trotzdem tut. Also ihr zujubeln. Oder ihnen. Also den Ponys. Oder Einhörnern.
Was mich zu Punkt 4 bringt: Eltern, die eigens gebastelte Rainbow-Hair-Einhorn-Plüsch-Mützen tragend mit ihren Kindern (die nicht verkleidet sind) in den Saal gehen und sich diesen Schrott äh … Film ansehen.
Hat man sich dann erstmal damit abgefunden, dass all das eben einfach so ist, wie es ist (Pinky [Wird die so geschrieben?] wird mein Lieblings-Dominik-Ärger-Einhorn werden schätze ich), fängt der Film tatsächlich an, irgendwie doch ein Film zu werden – auf seine völlig drogenfundierte und persiflierende Art und Weise. Bei Transformers fällt’s dank der strotzenden Effekte und alles niederwalzenden CGI-Größe gar nicht so auf, dass da eigentlich überhaupt keine Inhalte mehr da sind, die erzählt werden wollen – und da macht es mit Popcorn in der Hand und aufgedrehter Anlage ja auch noch richtig Spaß.
Bei My Little Pony hingegen?
Meine Fresse – schaut ihn euch an. Das Ding ist teilweise dermaßen blöd, das muss man gesehen haben, sonst glaubt’s einem keiner!
Was bleibt mir also noch übrig zu tun, als euch zu verkünden:
“Hey, da ist eine Stadt – da wirds dann ja wohl auch irgendwo einen Schönheitssalon geben.”
Und genau den brauch ich jetzt, um mir all den Glitzer wieder von der Seele pflücken zu lassen, der mir da eben von der Leinwand übergebraten worden ist.
Bereue ich es?
Nein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Warum nicht?
Ich kann mir jetzt auf die Fahnen schreiben: I SURVIVED MY LITTLE PONY – DER FILM.
Wenn du das auch willst, dann geh rein und hol dir die definitiv schrägste, schrillste und ohrenzerreißendste Kinoerfahrung in 2017. Verrückter geht glaube ich nicht mehr.

 
Nachspann
Auf jeden Fall dran bleiben.
Kinostart: 5. Oktober 2017
Post Credits Bemerkung: Die Integration von SIA im Film ist meines Erachtens außerordentlich gut gelungen. Dafür ein ehrliches Daumen hoch!

Begabt – Die Gleichung eines Lebens

“Hast du einen Stoff, der wirklich groß und ungewöhnlich ist? Was begeistert dich am meisten?”
(Karen Lunder im Gespräch mit Produzent Andy Cohen)
© Presseheft by Twentieth Century Fox

Daraufhin schickte dieser ihr das Skript und der Anfang für den Film war gemacht. Der Rest ist – wie man so schön sagt – Geschichte. Die passieren wird. Denn am 29. Juni diesen Jahres kommt das Endresultat der Bemühungen des gesamten Teams auf die Leinwand und begeistert euch hoffentlich genauso wie mich.
Mögen viele bei dem Namen Chris Evans automatisch sofort ihren Superhelden aus der Avengers-Reihe Captain America im Sinn haben, beweist dieser Junge, dass er zu so viel mehr fähig ist. Gemeinsam mit McKenna Grace widmet er sich hier einem Problem, dem sich wohl viele Lehranstalten dieses Landes ausgesetzt sehen und erzählt in typischer Arthouse-Kino-Manier über das Leben eines ganz besonderen Menschen.
Dabei war man sich nicht zu schade, die allbekannten Regeln moderner Kinogeschichte über Bord zu werfen und sich wieder ganz dem klassischen Erzählen hinzugeben, welches man hier mit einer unglaublichen Warmherzigkeit und Hingabe zelebriert. Die Ausgestaltung jedes einzelnen Charakters mit der würdigen Zeit, das Zusammenspiel verschiedener Elemente, der Fluss und die Entwicklung deuten mehr als einmal darauf hin, dass das, was man so über die Produktion hört, tatsächlich stimmt: Dass nämlich beim Schreiben der Drehbücher mal keine Verkaufsstrategien, Verträge und Kommerz im Vordergrund standen, sondern sich jemand für lange Zeit ins dunkle Kämmerchen zurückgezogen hat und einfach frei von der Seele weg geschrieben hat.
Genau das ist ein Faktor bei Spielfilmdebüts, die ich so liebe und schätze: Der freie Geist ohne Einschränkungen von Ultramogulen, die ihre standardisierten Vorstellungen jedem noch so kleinen Independent-Gedanken aufzwingen wollen, um daraus möglichst viel Kapital zu schlagen.
Und diese hier existente Freiheit merkt man nicht nur dem Drehbuch, sondern auch den Darstellern und dem gesamten Werk unbändig an. Ich war schon immer der Meinung, dass man am besten schreibt, wenn man nicht dazu “gezwungen” wird – denn diese Geschichten sind unbezahlbar wertvoll für jeden, der sie liest.
Mit Begabt – Die Gleichung eines Lebens erhält die Welt ein weiteres solches Werk, dass nicht nur aktuelle Thematiken aufgreift, sondern auch noch Lösungsansätze für Familie, Freunde und Bekanntschaft liefert, die unter ethischen Aspekten beleuchtet eine wahnsinns Vorbildfunktion haben. Gerade diese daraus entstehende menschliche Komponente, die dem Alltag so sehr fehlt, liefert hier das Kino auf einer Bühne des Träumens und der Glückseligkeit.
Hört sich vielleicht ein bisschen an wie eine Droge, hat vielleicht auch die gleiche Wirkung, bietet aber kompromissfreie Chancen, in die Welt der Hauptdarsteller abzutauchen und mit ihnen zu lachen und zu weinen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Diesen Film muss man unbedingt gesehen haben.
Charmant, herzerwärmend, liebevoll und intelligent: Alles, was man für einen kuschligen Kinoabend benötigt. Ein Film, der die Seele berührt und das Herz eines jeden ein Stück weiter öffnet.
Daumen hoch.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 29. Juni 2017

Bob, der Streuner

Im Getümmel der ganzen durchaus brauchbaren Veröffentlichungen zur Zeit geht Bob, der Streuner fast schon ein wenig unter. Zu unrecht, denn hier handelt es sich um einen Film, dessen Sehenswertigkeit nicht nur in der Wiedergabe einer wahren Begebenheit liegt, sondern der auch mit ganz viel Charme und Sympathie das Herz der Zuschauer erobert.
Und damit meine ich nicht das typische “Oh kuck mal, Katzen”-Emotionsgetue, dass man auf einigen Timelines auf Facebook oder sonstwo im Internet abfeiert, sondern durchaus eine tiefgreifende Geschichte, die die berührende Veränderung erzählt, die der Protagonist im Laufe seines Lebens durch dieses Tier durchmacht.
Auch wenn das Poster in meinen Augen schon fast etwas 0-8-15 erscheint, den Kauf eines .kinotickets werdet ihr an dieser Stelle nicht bereuen. Es ist das Leben, das die besten Geschichten schreibt und Regisseur Roger Spottiswoode spielt hier gekonnt die Fäden dieser Erfahrungen zu einem Geflecht zusammen, dass wiederum ein gemütliches Gesamtbild ergibt, an dessen Ergebnis nicht nur die Leser der Buchvorlage in jüngster Vergangenheit bereits ihren Spaß hatten.
Das Besondere am Film: Der Original-Kater spielt tatsächlich seine eigene Rolle und wird nur in wenigen Fällen “gedoubelt”. Das macht alles noch ein Stück weit authentischer und verleiht der Erzählung einen Spritzer mehr Esprit.
Das Abtauchen in diese für viele unbekannten Züge des Lebens wird nicht nur gekonnt umgesetzt, sondern die damit verbundenen Empfindungen auch glaubwürdig rübergebracht. Damit erstellt der Film ein ganz neues Profil einer Gesellschaftsklasse, der wenige angehören möchten und die in der Öffentlichkeit allgemein ungern gesehen ist.
Der schonungslose Umgang mit diesen Widerwärtigkeiten lässt diesen Film als lehrreiche und dennoch unterhaltsame und zuletzt wunderschöne Erfahrung im Saal widerhallen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht nur für Katzenfans, sondern alle, die Gefühlskino lieben, ohne dass man in die Schnulzen-Region abdriftet.
Aufrichtiges Kino mit der richtigen Portion Geschick, bei der die wahre Geschichte sehr authentisch und glaubwürdig wiedergegeben wird.
Definitiv sehenswert!

 
Nachspann
Zum Schluss wird noch einiges an Überraschungen geboten – also nicht gleich aufspringen.

Petterson und Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt

ZDF lässt grüßen. In Sachen Altbackenheit. Traditionell. Opa-Flair. Dazu noch zweitklassige Animationen und fertig ist ein Film, der höchst seltsam anmutet und hier die Kinderschar begeistern will.
In der Kinderbuchwelt scheinbar wieder ein etabliertes Werk, das man als Elternteil kennen sollte (Gottseidank hab ich keine Kinder) und von dem es schon einige Vorläufer und Serien gibt. Ändert nichts daran, dass der Film irgendwo nicht zünden will.
Zielpublikum sind hier wohl die 4jährigen, die eine Geschichte rein instinktiv über die Momentaufnahmen einiger Bilder wahrnehmen und sich den Rest mit ihrer kindlichen Fantasie dazu ausmalen. Oder man wirft etwas ein und schaut sich das Teil auf einem Trip an, das könnte dann auch spannend werden.
So bleibt hier eine Verniedlichung, die kaum auszuhalten ist und rein gar nichts mit der Realität zu tun hat. Allerhöchstens mit der des ZDF – ich weiß es nicht. Ich zumindest hätte meinen Namen nicht für so etwas hergegeben. Und als Familienfilm taugt der auch nur, wenn man sich hinterher heftig mit der Jugendfraktion auseinandersetzen und zerstreiten möchte, weil der Tag im Arsch ist.
Ja, hier sollen Werte vermittelt werden, die mit Freundschaft, Familie, Hilfe und anderen Dingen zu tun haben, aber das Umfeld ist derart surreal, dass ich an dieser Stelle noch nicht mal von einem Lerneffekt durch eine eindrückliche Moral sprechen will, sondern mich eher zügeln muss, damit keine Aggressionen hervorbrechen, die in breiten Kotzattacken enden.
Es war schwierig, den Film bis zum Ende anzusehen und es ist noch schwieriger, darüber zu schreiben, ohne mich strafbar zu machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn ihr zur rollkragenpullovertragenden farblosen Generation gehört, die nach Omi-Parfum stinkt und bei denen die Moderne komplett ausgeschlossen ist, euch Schmonzetten absolut nichts ausmachen und ihr keine gute Moral wollt, sondern einfach nur eine Geschichte, die hinterm Mond anzusiedeln ist, dann geht hier rein.
Ganz im Ernst: Ich liebe Weihnachten und mach diesen ganzen scheiß Kitsch mit, weil es mir was bedeutet, einfach mal ein paar Tage im Jahr nachdenklicher zu werden und sich allgemein zu beruhigen.
Aber damit es ein schönes Weihnachten wird, werde ich alles dafür tun, um diesem Film so fern wie möglich zu bleiben. Anders kann ich es für mein Empfinden an dieser Stelle nicht ausdrücken. Sorry ZDF.

 
Nachspann
Ob es sich lohnt, hier zu warten, ist fraglich, denn die Sequenz ganz am Schluss ist … nichtssagend. Hm.

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