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Tag: Jugendamt

Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers

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© 2019 Concorde Filmverleih GmbH

Bei Pferdefilmen ist es genau wie bei Tanzfilmen: Hast du einen gesehen, kennst du alle. Der Plot ist immer der gleiche: Am Anfang ist ein Hof. Irgendein Konkurrent möchte dem Hof böses und sorgt deshalb dafür, dass er garantiert und ohne Umschweife komplett untergeht! Nicht Teile des Hofs müssen geschlossen werden oder bestimmte Bereiche verkauft oder vermietet oder umstrukturiert, nein – der komplette Hof muss schließen!

Dann gibt es da noch das Pferd. Und eine “sie”, die irgendwie mit dem Pferd verbandelt ist. Sie kann den Hof retten. Die Eltern und Erwachsenen mit Finanzhoheit und Lebenserfahrung haben rein gar keine Chance, es müssen (!) die Kinder machen, denn die Erwachsenen sind in ihrer Trauer und Hoffnungslosigkeit vollkommen außer Gefecht gesetzt und dadurch absolut handlungsunfähig. Wären nicht die Kinder, wäre alles verloren!

Irgendein “Eindringling”, der anfangs rein gar keine Beziehung zu Pferden und dem Hof hat, sorgt für Ideen, gilt als Motivator oder Antrieb, der die Kinder dazu befähigt, weit über sich hinaus zu wachsen und im besten Falle mit einem groß angelegten Rennen ein Preisgeld zu kassieren, das den Hof komplett rettet und alle glücklich in den Sonnenuntergang reiten lässt.

Achja, und das Mädchen küsst den Jungen. Abspann.

Wahlweise macht man aus “Hof” eine “Tanzschule”, aus “Pferd verbandelt” ein “Junge verbandelt” und aus “Rennen” ein “Street Dance Event mit Preisgeld” und man hat den Plot für Tanzfilme.

Das garniert jede Fanbase dann mit ihrem eigenen Logo, tut so, als ob es außer ihrer Marke rein gar nichts gibt, was auf diesem Gebiet das Wasser reichen könnte und lebt so, als wäre es immer schon so gewesen. Dazu ein paar rührselige Landschaftsbilder und viel Pferdegetrappel und fertig ist der tolle, atemberaubende Pferdefilm, der das Millionenpublikum begeistert!

Boah … ertrinkt ihr auch gerade so in diesem Kitsch-Schleim?

Yes – der .trailer zu Immenhof hat genau das vermittelt: Just another one … dazu mit den wahnsinnig innovativen, mutigen, aus der Reihe tanzenden Einfällen der Öffentlich-Rechtlichen inkl. Filmförderung, die ja bekannt für “neue Ideen” sind, und … äh ja, die Ironie merkt ihr oder?

Meine Fresse, was hab ich wochenlang abgekotzt und mir gedacht: Lasst es doch einfach sein! Wer braucht das? Immenhof, da hat’s mal irgendwas im Fernsehen gegeben, was dich damals schon nicht interessiert hat und wenn “kleine Mädchen” und ARD/ZDF in einem Atemzug genannt werden, brauch ich per se direkt einen Eimer.

Und dafür hat mich Immenhof – Abenteuer eines Sommers echt überrascht. Positiv. Ja, Ostwind – Aufbruch nach Ora ist für mich immer noch das Maß aller Dinge, weil dieser Film endlich aus dem üblichen Schemata ausbrach und etwas lieferte, was ich bis dato noch nie in einem Pferdefilm gesehen habe: Einen Charakter, der mehr war, als das üblich-schmonzige ARD-Geraffel und etwas, das bereits weit in die Erwachsenenwelt hineinreicht und Avancen hat, größer zu werden, als es jemals war.

Und auf diesen Zug springt Immenhof gewissermaßen auf. Die Szenerien und Landschaftsauswahl gehört zur Kategorie “großartige Bilder” genau wie auch der Soundtrack vermittelt, dass man sich eben von der TV-Serie abwendet und tatsächlich ins Kino möchte. Auch beim Plot spürt man deutlich, dass Kino hier das Maß aller Dinge sein sollte, auch wenn hier und da noch ein wenig die Fernsehlandschaft durchblickt, diese Momente sind ganz schnell wieder vorbei und man entwickelt sich so, dass am Ende tatsächlich der Gang in den Saal von Nöten ist und man das Ding nicht einfach nur auf dem Bildschirm abspulen kann.

Auch charaktertechnisch hat man einiges aufgefahren, was sich eben von dem üblichen Standards abhebt und in einer sehr einfühlsamen Weise zum Ausdruck verhilft, so dass man die Story, wenngleich sie oben beschriebene Elemente enthält, dennoch glaubhaft akzeptiert und hier einen Film erhält, der meiner Meinung nach zwar noch nicht an mein Vorbild heranreicht, jedoch nicht mehr weit davon entfernt ist.

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v.l.n.r. Benjamin Trinks, Rafael Gareisen, Leia Holtwick, Ella Päffgen, Sharon von Wietersheim, Laura Berlin, Moritz Bäckerling auf der Premiere von Immenhof – Abenteuer eines Sommers

© 2019 Petra Schönberger

Vielen Dank an Petra Schönberger für das Bereitstellen des Fotos. Schaut auch mal auf ihrer Seite vorbei: www.events-for-you.eu.

.kinoticket-Empfehlung: Viel positiver, als ich anfangs gedacht habe: Man distanziert sich fast schon aus dem eigenen Genre und liefert Bilder, Soundtrack und Charaktere, die sich vom restlichen Genre deutlich abheben und ein viel “gesünderes Bild” zeichnen als andere Filme dieser Gattung.

Damit kommt man zwar nicht ganz, aber fast an mein Allzeitvorbild Ostwind – Aufbruch nach Ora ran. Der Gang ins Kino ist damit von mir freigegeben 😉

Nachspann
❌ kann man hocken bleiben und den Pferdchen beim Springen zusehen, weiterführende Szenen gibt es aber keine mehr.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers
Length: 105 Min.
Rated: FSK 0

Die Beste aller Welten

Keine Worte.
Auch Tage nach der Vorstellung immer noch: Keine Worte.
Ich habe im Foyer noch überlegt, ob ich hierzu einfach eine Rezension mache, die den Titel trägt, euch vorerst das Plakat zeigt und einfach nur drunter schreibe: “Reingehen. :-(”
Und nichts weiter.
Weil der Film für sich selbst spricht.
Ja, ich bin auch kein Verfechter solcher Allüren, die Horrorfilmen “nach einer wahren Begebenheit” auf die Cover pflastern und meinen, damit dann mehr Leute ins Kino zu locken. Dieses Phänomen funktioniert allenfalls im für uns nicht durchschaubaren und völlig verquer dargestellten Amerika oder bei gutgläubigen Idioten. Aber doch niemals bei denkenden Menschen.
Dieses Mal ist es kein Horrorfilm. Und es steht dennoch “nach einer wahren Geschichte” drauf.
Und es kommt noch besser: Adrian Goiginger ist nicht nur Regisseur des Films, sondern auch die Person, die genau das erlebt hat. Sprich: Kein externer Regisseur, der sich mal eben paar Stunden mit jemandem zusammen gehockt hat, um Randfakten zu eruieren und daraus nach Schema F einen funktionierenden Blockbuster zu kredenzen, sondern Erfahrungen, die expressiv aus eigenem Erleben heraus geschildert werden können und somit unglaublich detailliert und vor allem mit zielgerichteter Authentizität wiedergegeben werden.
Auf deutsch: Es geht um Inhalte. Um herzzerreißende Inhalte. Du kannst noch so hartgesottener Horrorfilmkucker sein, dieses Ding bricht dir trotzdem die Knochen. Und du sitzt im Kino und kriegst kein Wort mehr raus. Allenfalls Tränen, die du hinterher hastig abwischst, damit kein anderer was davon mitkriegt. Obwohl die auch alle einen Kloß im Hals sitzen haben.
Jungs und Mädels: Das hier sind exakt die Filme, nach denen ich immer auf der Suche bin und die allen Missachtungsregeln widersprechen.
Es ist keine “Kunst”, das erhabene Gequatsche irgendwelcher arte-Elitären, das die normale Welt nicht versteht.
Es ist kein “schlechter” Film, dessen Abstrusität mit “Kunst” entschuldigt werden muss.
Es ist keins dieser moralpredigenden Biopics, das alte Männer oder Frauen mit irgendwelchen lahmarschigen politischen Errungenschaften oder dergleichen zeigt.
Nein!
Es ist eine Geschichte eines Mannes, die euch garantiert umhauen wird! Drum fasst euch ein Herz, schmeißt die Suchmaschinen an und holt die Kinos auf die Bildfläche, in denen Die Beste Aller Welten läuft und nehmt jeden, dem ihr mal wieder eine innere Kur wünscht, einfach mit: Es wird funktionieren! Das garantiere ich euch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein so unfassbar realistisches, herzzerreißendes und episches Leben eines noch so jungen Menschen in einem Film so drastisch und dramatisch rüberbringen zu können und ob all der nicht in Worte fassbaren Grausamkeiten dennoch eine derart einprägsame Botschaft von Liebe und Füreinander zu präsentieren – mit diesem Filmende?
Etwas, das definitiv jeder gesehen haben MUSS!

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden. Der Respekt vor den Machern entsteht bereits während des Films.
Kinostart: 28. September 2017

Zum Verwechseln ähnlich

Eigentlich bin ich ja nicht so der Freund von Trailern, da hier meist schon viel zu viel vorab verraten wird. Bei Zum Verwechseln ähnlich bin ich mir unsicher, da einerseits auch wieder Schlüsselmomente auftauchen (wer bewilligt eigentlich so etwas?) und zum anderen aber ein übermäßig gutes Bild vom Film selbst vermittelt wird, das einem auch ohne ihn gesehen zu haben, einen tollen Überblick gibt, ohne dabei zu viel zu verraten.
Der Sommer wird ja meistens von französischen Komödien begleitet und da macht 2017 auch keine Ausnahme. Sobald man den Film (oder Trailer) sieht, weiß man, dass der Titel förmlich nach Ironie schreit und man sich bei dem Werk guten Gewissens auf viele Lacher einlassen kann, die eingangs auch für ordentlich Stimmung sorgen und den Lachspaß nach vorne treiben.
Diese Erzählgeschwindigkeit behält man auch lange bei und sorgt mit immer mehr Culture-Clash-Klamauk für Abwechslung und Unterhaltung.
Was mir persönlich nicht so gepasst hat, war das vergleichsweise lahmarschige Ende, das hier irgendwie keinerlei Aussage beinhaltet und den Eindruck vermittelt, man hätte kurz vor Schluss einfach keine Lust mehr gehabt und nur noch mit Hängen und Würgen einen Abschluss kreiert, weil sonst das Allgemeinwerk nicht verkauft worden wäre. Schade eigentlich. Eine kurze After-Credits-Szene oder ein x-sekündiger Ausstand, der hier nochmal irgendeine Krone oben drauf gepackt hätte, hätte aus dem Film einen richtig hochwertigen Comedy-Kracher gemacht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Enthält viele Szenen zum Lachen, in denen mit Haudrauf-Comedy nicht gespart wird.
Das Dabeisein innerhalb dieser Familie macht Spaß, solange man immer sicher sein kann, dass eine schützende Trennmauer zwischen der Leinwand und deinem eigenen Leben vorhanden ist.
Die Schrägheit der Figuren findet sich bei dem ein oder anderen sicherlich auch im echten Leben wieder, dadurch erhält man viel mehr Nähe zu den Personen und kann die Verschiedenheit vielleicht noch besser verstehen. Spaß gemacht hat’s auf jeden Fall.

 
Nachspann
braucht man wieder einmal nicht abwarten, auch hier folgen keine Abschlussszenen mehr.
Kinostart: 13. Juli 2017

Lights Out

Wer sich den Trailer anschaut und diesem Genre etwas abgewinnen kann, dem kribbelt es anschließend tierisch in den Fingern. Ich hab mir extra eine große Portion Extrazeit mitgebracht, um mir den Streifen in der Nachtvorstellung noch anzuschauen und da ich mein Stammkino für seine Lautstärke und immense Wucht, die damit verbreitet wird, tierisch liebe, wurde es einfach nur eine gelungene geile Vorstellung.
Aber der Reihe nach. Allein schon der Titel ist dem genialen Einfall so unterlegen, dass man hofft (und die Gebete werden teilweise bereits erhört), dass demnächst noch weitere Teile diesbezüglich aufkreuzen werden. Dieser Thematik hat man sich so in der Filmwelt noch nie angenommen und dabei gänzlich (!) auf sämtliche Vorfälle und Handlungen verzichtet, die dem Horrorfilmschauer übel aufstoßen könnten.
Ganz im Ernst: So ernsthaft, normal, realitätsgetreu und brillant habe ich lange keinen Schauspieler mehr solch ein Thema spielen sehen wie in Lights Out. Nicht nur die Kinderdarsteller sind hervorragend gecastet, sondern auch die Erwachsenen enttäuschen zu keiner Zeit mit irgendwelchen Plattitüden, für die man die Protagonisten in Horrorfilmen so oft hasst.
Doch nicht nur im Spiel selbst, sondern auch bei der Einbeziehung der verschiedenen Optionen während der Show verzichtet man hier gänzlich auf Dummheit und obliegt einer realitätsnahen Schärfe, die man sich in so vielen anderen Filmen dieser Art so sehr wünscht. Wie erstaunlich und selbstreflektierend man sich hier immer wieder auf die Suche nach dem titelgebenden Licht macht, grenzt fast schon an ein Kunstwerk und lässt vergessen, dass keine milliardenschweren Sponsoren im Hintergrund sitzen, die sich Probleme einfach mit Geld wegkaufen.
Diese Ausdrucksstärke in den Gesichtern und den Augen der Darsteller, das Mitdenken in brenzligen Situationen und im Affekt richtige Handeln, der Schauer, der einem als Zuschauer durchaus die Rückenpartien runterläuft, während man nicht gespielt und erzwungenermaßen, sondern reell geschockt wird – von mir eine Eins Plus.
So unbefremdlich und klasse war schon lange kein Horrorfilm mehr, der dazu auch noch den Weg ins Kino überstanden hat. Ich war einfach nur begeistert und bete, dass man diese Schiene nicht zerfleddert und genauso derbe ausschlachtet, wie seinerzeit Saw. Dann hätten wir nämlich endlich wieder mal etwas, worin man sich als Fan gerne badet und das auch im heimischen Kino durchaus zu überzeugen weiß.
Auch erwähnenswert: Benjamin Wallfisch – der schon die Trailersounds für Die Insel der besonderen Kinder spendierte und damit voll ins Schwarze traf. Dieser Musikspezialist trumpft hier auch wieder mit einem Beat zum Niederknien auf, der allein schon Grund ist, selbst als Blinder die Vorstellung zu besuchen und sich von dieser tragenden Schwere langsam ins Reich des Staunens tragen zu lassen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Horror, der sich lohnt? Lights Out.
Nach diesem Film gehst du garantiert nicht ohne Taschenlampe ins Bett. Schocker, Darstellung und Realitätsnähe sind hier am oberen Limit und überzeugen mit einer Natürlichkeit, die seinesgleichen sucht.
Nicht nur der Sound überzeugt auf voller Länge, sondern sämtliche Horrorfilmklassikerdummheiten wurden ausgelassen und machen einer wunderschönen Normalität Platz, die man in vielen anderen Filmen dieses Genres oft vermisst. Wenn sich ein Film zum Gruseln lohnt, dann ist es Lights Out – also rein da!

 
Nachspann
kommt außer der abnormal geilen Mucke nichts mehr, auf das man warten müsste. Aber die Musik …. schwärm
 

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