Judentum

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Dass es im christlichen Glauben gleich zwei Marias gibt, die etwas mit der Person Jesu Christi zu tun haben, wissen viele gar nicht. Tatsächlich passiert es öfters, dass man Maria Magdalena mit der Mutter Gottes verwechselt. Doch dieser Film handelt nicht von der berühmten Geburt Jesu, sondern beschäftigt sich tatsächlich mit Maria Magdalena, die 2016 vom Papst rückwirkend anerkannte erste Zeugin von der Auferstehung Jesu.
Und damit sind wir gleich mal bei der Kritik meinerseits: Ich habe ein immenses Problem damit, dass sich irgendwelche von Menschen gewählte Menschen die Geschichte so zurechtstricken, wie es ihnen gerade in den Kram passt. Anfänglich hat man sich noch darüber mokiert, dass Maria evtl. sogar die Geliebte Jesu gewesen sein soll, dann verpasste man ihr jahrelang den Ruf einer Hure, um sie anschließend mal eben in den gewürdigten Status der ersten Zeugin Jesu Christi’ Auferstehung zu erheben.
Diese Willkür, mit der hier gespielt wird, hat für mich nichts mehr mit gefestigten Glaubensprinzipien zu tun, sondern offenbart viel mehr, dass sich die Kirche die Tatsachen so hinbiegt, wie man sie eben gerade braucht.
Dass sich nun Joaquin Phoenix und Rooney Mara eines solchen Films annehmen, ließ in mir die Hoffnung aufkeimen, dass man sich nun tatsächlich endlich einmal aus der schmierigen christlichen Allüren-Bewegung loseist, um den biblischen Fakten nun wahrhaftig auf den Grund zu gehen und die Sache auch mal etwas kritischer anzugehen – aber genau das passiert in Maria Magdalena eben nicht.
Es sind die gleichen Bilder, wie man sie schon aus so vielen christlichen Pamphlet-Filmen kennt: Lange Bärte, rühmliches Überlegen und ewiges Schauen, einfach weil es theatralisch wirkt, man läuft … und erzählt … und läuft … eigentlich gibt’s da gar nichts und es steht auch kein Ziel oder Haus oder dramaturgischer Grund auf dem Plan, warum man jetzt irgendwohin laufen muss, hauptsache, man sieht irgendwelche Gestalten sprechend durch die Wüste laufen.
Entfernt man sich jetzt mal von diesen – ich möchte sagen – schon fast sektiererischen Methoden der Unterhaltung und sieht sich dieses Werk absolut nüchtern an, kommt man nicht umhin, über solche Dialoge und dieses irre Gerede einfach nur den Kopf zu schütteln und sich zu fragen, was diese Personen wohl eingenommen haben mögen, um derart viel geistiges Gewirr von sich zu geben.
Damit lässt sich eigentlich nur ein einziges Fazit ziehen: Dieser Film wurde nicht gemacht, um sich ernsthaft und authentisch mit Religion und der christlichen Vergangenheit auseinanderzusetzen, sondern es ist nur ein weiteres, unkritisches Machwerk, dass den sowieso schon Bekehrten zusätzlich in die Finger spielt.
Hier fand ich bei Hannah wesentlich beeindruckender, dass man trotz all der prokritischen Berichterstattung über diese Religion durchaus Platz und Worte für kritische Auseinandersetzung zuließ, doch das würde wohl die in sich bornierte und in ihren Katechismen gefangene Kirche davon abhalten, sich dieses Machwerk zu Gemüte zu führen. Immerhin ist es keine Seltenheit, dass überzeugte Christen nichts anderes außer ihr eigenes Weltbild zulassen und es für sie absolut unerträglich ist, einmal kritisch hinterfragt zu werden, um den Bestand ihrer Worte a la “Berühr seine Hände und überzeug dich selbst” überprüfen zu lassen und am Ende durch Wahrheit zu obsiegen.
Frage: Ist ihr Glaube etwa so schwach, dass sie solch einer Prüfung nicht standhalten würden? Maria Magdalena erhob genau diesen Verdacht in mir und zählt darum für mich nur zu den bisherigen Versagenswerken, die eine Religion abfeiern ohne weiterführende Möglichkeiten zu geben, etwas besonderes in ihr zu entdecken.
 

.kinoticket-Empfehlung: Zu unkritisch, zu einseitig und mit den typischen Bibelfilm-Merkmalen behaftet: Auch der herausragende Cast rettet die teils lächerliche Story hier auch nicht mehr.
Man hinterfragt zu wenig, man möchte niemanden vor den Latz stoßen, doch genau das wäre notwendig, um die Menschen außerhalb des aktiven Glaubens ebenfalls anzusprechen und sie evtl. sogar für ihre Lehren zu gewinnen.

 
Nachspann
hält keine Überraschungen parat. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 15. März 2018

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