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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: John Malkovich

Mile 22

Mark Wahlberg ist bislang für mich immer so ein klein wenig der Hollywood-Luschi gewesen: Transformers – alle anderen sahen großartig aus, er dümpelt so ein bisschen vor sich hin, Boston – schrecklicher Vorfall, aber auch nur so halblebig gespielt und das ganze Comedy-Gelump hat er meiner Meinung nach nie so richtig beherrscht, sondern war eben einfach “da”.
Und dann kommt Mile 22 und ich sehe einen ernsthaften, permanent stinksauren und mega seriös spielenden Mark Wahlberg auf der Leinwand und kann dieser Person auf einmal abkaufen, dass er doch zu mehr in der Lage ist, als einfach nur der Prominenten-Lückenfüller fürs Plakat zu sein: Diesmal ist er wirklich großartig und entblättert eine auch patriotisch angehauchte Szenerie, die aber nicht in Amerikanismus ertrinkt, sondern eben einfach gut unterhält.
Und das ganze Konzept des Films ist diesmal ein völlig anderes: Er als Charakter braucht nicht den lonesome-hero spielen, den man ihm sonst immer andichtet, sondern er darf innerhalb einer Truppe fungieren und liefert in Kombination mit dem Soundtrack und den gezeigten Bildern, die auch die richtige Geschwindigkeit und Erzählfluss liefern, eine grandiose Show ab.
Nun mag man sich darüber aufregen, dass die Amis hier wieder viel zu stark auf die Kacke hauen, man großartiges Potenzial verschenkt, weil die Ideenansätze endlich mal geil sind, aber in einer unfassbar unrealistischen Ader ausgelebt werden und man hier eben wieder maßlos “leinwandübertreibt”, aber genau das macht Mile 22 zu dem was es ist: Großartiges Actionkino, auf das man sich einlassen kann – aber nicht braucht. Die Entscheidung liegt bei jedem selbst.
Was ich dazu aber noch anmerken muss: Im Original hören sich Dialoge, Funksprüche und anderes dann eben doch “amerikanischer” und damit um ein vielfaches echter an, als es in der deutschen Synchro der Fall ist, auch wenn diese gut übersetzt und auch stimmlich ganz gut ausgewählt wurde: Wer den wirklichen Thrill will: Choose the OV-Version!
 

.kinoticket-Empfehlung: Action-Kino inmitten der Sahnetorte, die man gleich mal mit dem Erdboden gleich macht!
Wahlberg in Höchstform und auch seine Mitstreiter liefern hier ein Ensemble, dass richtig in Fahrt kommt, auf die Kacke haut und genau das liefert, wozu dieses Ding da ist: Männerabende füllen und anschließend im Kino richtig zu feuern, ohne dabei auf Herzschmerz und Intelli-Gelüste zu achten.
Popcorn nehmen, Bierchen öffnen, Hirn aus, Augen auf und los geht’s. Beste Unterhaltung garantiert.

 
Nachspann
❌ liefert keinen Nachschlag, es darf also aufgestanden werden.
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: Mile 22
Length: 95 Min.
Rate: FSK 16 | R

Deepwater Horizon

“Oh mein Gott, nicht schon wieder ein Film, wo ein reales Ereignis verfilmt wird, das jetzt wieder bis aufs Blut ausgeschlachtet wird? Muss man wirklich alles zu Geld machen?”
So, oder so ähnlich könnte es einem ergehen, wenn man den Titel liest und sich Gedanken darüber macht, dass genau das eintreffen wird. Und der Trailer präpariert das Hirn zusätzlich mit amerikanischem Patriotismus, dem typischen Heldenmut und einer Story, die unter aller Sau ist.
Und tatsächlich, die ersten Sekunden des Streifens lösten im Kinosaal das blanke Entsetzen aus, keiner hatte wirklich Lust auf den Titel. Allgemeines Raunen ging durch die Reihen.
Sobald dann das Bild einsetzte, wurden die Stimmen leiser.
Und im Verlauf des Films saßen glaube alle mit offenem Mund betroffen schweigend da.
Was Deepwater Horizon in einer unermüdlichen und überzeugenden Weise generiert, sind Bilder, die deine Seele tief berühren. Nicht nur von den Kameraeinstellungen her, sondern die Eindrücke sind so gewaltig, dass wirklich jedem irgendwann der Atem stockt und man einfach nur gebannt auf das Geschehen starrt, ohne auch nur eine Sekunde seine Augen davon abwenden zu können.
Die Bildgewalt, die hier auf einen runterprescht, ist teilweise so heftig, dass im Saal nur noch Totenstille herrschte und keiner auch nur ansatzweise etwas anzumerken hatte oder sich in irgendeiner Weise äußerte.
Auch die vom Trailer angeschnittene Heldenehre, die sich die USA so gerne auf die Fahnen schreiben, wurde so dezent eingesetzt, dass sie nicht auf die Nerven geht, sondern tatsächlich dem Geschehen den Raum lässt, den es verdient. Und die Momente sind abartig, das vermag man sich als Zeitungsleser oder Nachrichtenschauer gar nicht ausmalen.
Die Umsetzung ist wirklich erstklassig und imposant und hinterlässt bei jedem Kinosaalbesetzer tiefe Furchen im emotionalen Spielfeld. Und das ist gut so.
Auch wenn im Abspann wieder die übliche Dramatisierung für unterhaltsame Zwecke-Meldung aufkreuzt, so empfinde ich den Film dennoch als wichtig, aufklärend und lehrreich, denn man bekommt als Zuschauer nicht nur ein Ereignis bildhaft vor Augen geführt, das tatsächlich so passiert ist, sondern erhält auch ganz tiefe Einblicke in diesen Zweig der Wirtschaft und fühlt sich gewissermaßen ein Stück weit selbst mitverantwortlich für die Geschehnisse, da man als “Kunde” tatsächlich auch irgendwo dafür sorgt, dass derartige Unternehmungen überhaupt stattfinden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die tiefe Betroffenheit, die ehrliche Bodenständigkeit und das sanfte Dahinscheiden des amerikanischen Heldenpatriotismus machen aus diesem Film ein Stück wertvolle Geschichtsaufarbeitung, die die Menschen ehrt, die bei dem wahren Ereignis 2010 ihr Leben gelassen haben.
Ich würde sagen, der Trailer hat mit dem Film überhaupt nichts zu tun und bete dafür, dass genügend Menschen über ihren Schatten springen und sich diesen Film ansehen – denn er ist es wirklich wert und trifft einen tief in seiner Seele.
Erstklassiges Kino, erstklassige Unterhaltung und eine wunderbare Geste von Kurt Russell an die Opfer des Unglücks.

 
Nachspann
folgt keiner, man darf dann gern wieder nach draußen.

Zoolander No. 2

Filme mit Ben Stiller und Owen Wilson sind in der Regel von Natur aus schrill und überzogen merkwürdig. Wenn dann allerdings im Cast noch Leute wie Justin Bieber, Penélope Cruz, Katie Couric, Christiane Amanpour, Jane Pauley, Will Ferrell, Justin Theroux, Milla Jovovich, Joe Scarborough, Natalie Morales, Soledad O’Brien, Don Lemon, Billy Zane, Kristen Wiig, Kiefer Sutherland, Susan Boyle, Benedict Cumberbatch, Olivia Munn, Naomie Campbell, Willie Nelson, Katy Perry, Sting, Alexander Skarsgard, M.C. Hammer, John Malkovich, Anna Wintour, Alexander Wang, Marc Jacobs, Tommy Hilfiger, Kate Moss, Valentino Garavani, Dan Abrams, Mika und Rakim Mayers auftauchen, dann weiß man spätestens, dass es sich hier nicht um schrulliges altes Kino zweitklassiger B-Güte handelt, sondern ein Streifen generiert wurde, bei dem die Creme de la Creme sich zusammensetzt und ein Stück auf die Bühne zaubert, das Ansinnen, Edelmütigkeit und Esprit ausstrahlt: Zoolander No. 2. Und der Cast ist in meiner Aufzählung noch nicht vollständig!
Noch nie ist mir begegnet, dass im Abspann so oft Herself / Himself auf der linken Seite gestanden hat, wie in diesem Teil.
Mein Eindruck vom Film, der komischerweise nirgendwo angeteasert oder im Trailerpool der Filmindustrie aufgetaucht ist, war schlicht und ergreifend von dem Gedanken geprägt, dass sich die Mode- und Hollywoodgrößen hier zusammengetan haben, um der Welt etwas zu präsentieren, das sie nicht versteht.
Denn so doof und überzogen dämlich, wie man hier die Pointen der Geschichte darstellt, kann eigentlich gar kein Mensch sein. Das Problem dabei ist nur: Allein durch den gewaltigen Soundtrack und Filmscore schafft man es als Zuschauer absolut gar nicht, dem Glauben zu verfallen, hier wäre irgendwer nicht bei Sinnen. Schon in den ersten Minuten des Films denkt man: Bond bekommt Konkurrenz – und zwar gewaltige.
Ich habe mir den Spaß mal erlaubt und einem Freund ein paar Ausschnitte aus dem Score vorgesetzt, ohne ihm zu sagen, was das ist. Seine Reaktion: “Könnte aus einem Actionfilm oder einem anderen Filmepos sein.”
Right. Denn die Ohren gewöhnen sich nicht nur an das Mission: Impossible-Gefühl, sondern suhlen sich geradezu in dem professionellen Wahnsinn, der uns in farbigen Bildern hier auf der Leinwand begegnet.
Und diese Form von melodisch absolut größenwahnsinniger Kunst wird nicht von jedem verstanden. Aus diesem Grund spazierte auch der ein oder andere Zuschauer mit ärgerlicher Miene mitten in der Vorstellung plötzlich aus dem Saal und kehrte nicht wieder.
Und das ist auch mein Empfinden: Dieser Film wurde für Menschen wie Karl Lagerfeld gemacht und erinnert eher an den Governors Award als an die breite Masse. Hollywood feiert sich selbst und setzt dabei auf Kuchenstücke, die der Hansmüller von der Straße eben nicht kennt und auch nicht probieren will.
Verschwinden aus diesem Grund die Spielzeiten bereits wieder aus den Kinosälen?
Ich persönlich war inzwischen 2x drin und würde sofort auch noch ein drittes Mal gehen, denn eines ins ungeschlagen: Das musikalische Erlebnis und die ungezwungene Form von skurriler Kunst.
Und davor ziehe ich meinen Hut – auch wenn die Story absolut dämlich ist – ist das riesengroße Klasse.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier trifft sich die Creme de la Creme zur fürstlichen Abendgala und feiert sich selbst: Zoolander No. 2 ist nicht nur selbstironisch, sondern fährt mit einer Entertainmentproduktion auf, von der sich viele Abendshows eine große Scheibe abschneiden sollten.
Allein der Soundtrack ist es wert, sich diesen Streifen zu Gemüte zu führen. Auf den Rest muss man sich einfach einlassen und die unterschwellige Professionalität spüren, die Stiller hier mit seiner Produktion an den Tag legt.

 
Nachspann
hat ein ziemlich coolen Song als schrilles Musikvideo am Start, das man auf jeden Fall mitnehmen sollte. Danach kommt nichts weiter.

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