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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: John Hawkes

Goodbye Christopher Robin

Was haben wir aus der Vergangenheit gelernt? Twentieth Century Fox kann Filme. Einmal mehr hat sich das Tochterunternehmen des Studios einer Geschichte angenommen, die unverblümte Wahrheiten auspackt und damit ganz neue Einblicke in den Wahnsinn manchen Geschehens ermöglicht. Dass Menschen so sind, wie sie sind, ist ja weithin bekannt und wurde millionenfach von Hollywood besungen.
Was hier allerdings zum Besten gegeben wird, ist nicht nur sensationell überraschend, sondern trumpft mit einer Unglaubwürdigkeit auf, die so manches Weltbild zum Einsturz bringen könnte. Anfangs mutet der Film noch sehr altmodisch an, braucht eine Weile, um in die Gänge zu kommen und richtig an Fahrt aufzunehmen, aber dann entwickelt sich das einerseits zu einem Heidenspaß, andererseits glänzt man hier durch schockierende Tatsachen, die endlich mal die ganze Wahrheit solcher Fälle offenbaren und nicht immer nur die Creme-Seiten auftischen.
Und genau das macht diesen Film so spannend: Inspiriert von der wahren Geschichte, die die Hintergründe zu dem liefert, was Medien und Co. seinerzeit schon zu Tode getrampelt haben, ermöglicht man nun den Zuschauern, sich hier umfänglicher zu informieren und die Reise noch einmal durchzuführen, nur diesmal eben von der anderen Seite der Scheibe aus.
Ganz deutlich muss man hier auch die Hauptakteure des Films hervorheben, die sich durch ihr Schauspiel großartig von der Masse abheben: Margot Robbie, vielen aus Suicide Squad oder I, Tonya bekannt, begleitet von Domhnall Gleeson, den einige wohl zuletzt in Star Wars: Die letzten Jedi auf der Leinwand gesehen haben dürften, und den Kinderstar Will Tilston, dem nach dieser Leinwandoffenbarung alle Türen im Showbusiness offen stehen dürften.
Die großartigen Leistungen – und vor allem auch das großartige Plädoyer der Dialogschreiber zeigt einmal mehr, dass auch in Hollywood die Kunstfertigkeit der Sprache noch nicht gänzlich ausgestorben ist, sondern man durchaus auf hohem Niveau zu entzücken weiß.
Am Schluss versteht man vieles nicht mehr, an das man früher gerne glauben mochte, zieht aber nicht enttäuscht, sondern bestens unterhalten von dannen und hat einen weiteren wunderbaren Film in seinem Sichtungsportfolio.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nehmt euch am Anfang ein wenig Zeit, um in den Film reinzukommen, nach ungefähr 20 Minuten taut der dann wirklich auf und liefert erstklassige Unterhaltung, die u.a. sehr zum Lachen anregt.
Die Story und das Geschehen könnte so manches Weltbild einstürzen lassen, umso wichtiger ist daher, dass genau das auch unters Volk kommt und gesehen wird. Vielleicht versteht man dann einiges ein klein wenig besser.

 
Nachspann
❌ Nach dem Text ist Schluss – hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 7. Juni 2018

Everest (3D)

Bergsteigerfilme gibt es viele. Irgendwen verschlägt es auf irgendeinen Gipfel, der in tollkühnen Aktionen bestiegen werden will, wobei dann irgendwas passiert – oder auch nicht.
Was hier durchaus zu einer lakonischen Abarbeitung altbackener Fakten mutieren hätte können, wandelt sich in ein eindrucksvolles Gigantismus-Kino, das nicht auf Superlativen setzt, sondern eine wahre Geschichte erzählt, deren Kernfakten nur durch etwaige Dramatisierungen fürs Kino aufbereitet wurden.
1996 stieg tatsächlich eine Gruppe von Leuten auf den Berg, die ein tragisches Schicksal erlitten, von dem die Menschen bislang vielleicht noch gar nichts wussten.
Überrascht hat mich hier, dass bei all den Vorbereitungen und der Story selbst mal keine Kleinkriege ausgefochten, sondern tatsächlich auf Zusammenhalt und Miteinander gesetzt wurde. So viel Vernunft bei einem kommerziell sowie egoistischem Unterfangen ist mir bislang nicht untergekommen.
Was außerdem beeindruckt, sind die faszinierenden 3D-Aufnahmen der Kulissen, die die betörende Schönheit der Umgebung irrsinnig gut einfangen. Man sitzt zu Recht vor den Bildern mit Respekt und schaut auf ein Geschehen hinunter, dass in einem nichts weiter zulässt als die pure Ehrfurcht vor den Gewalten der Natur. Zeitweilig kommt man sich als schäbiger Voyeur vor, wenn man dabei zusieht, wie die Menschen vor der Natur erzittern und jämmerlich darin verrecken, aber genau diese Art von natürlicher Gewalt hat mich seit jeher fasziniert und tut es bis heute.
Zu spüren, dass du selbst keine Chance hast und zu merken, wie man an seine Grenzen stößt, welche Opfer man bringen muss für solche wahnwitzigen Aktionen und welchen Preis man für das Gefühl von Leben zahlt – den Preis eines .kinotickets allemal wert.
Dass die Presse hier wieder kritisiert, es sei zu wenig auf die anderen Gruppen am Hügel eingegangen worden und man würde keine konkreten Schuldzuweisungen aussprechen, finde ich zum Teil absurd, denn niemals kann man in einer Geschichte alle Fakten und Variationen unterbringen, bei der dann nicht das kinoübliche Zeitformat gebrochen und weit überschritten wird. Dass hier ganz klar die Geschichte des einen Bergführers erzählt werden sollte, ist völlig legitim und angebracht und daher für mich auch nicht verwunderlich, wenn man mit Kamera, Drehbuch und Aussage dann auch den Fokus auf eben jene Bergleute richtet und den Rest einfach mal so außen vor lässt.
Ich für meinen Teil hatte sichtlich “Spaß” (das Wort ist völlig unangebracht an dieser Stelle, aber mir fällt kein anderes ein) beim Zuschauen, denn ich liebe es, wenn der Mensch verliert und die Natur beweist, dass sie am längeren Hebel sitzt. Das ist Wahrheit erster Güte, vor der ich mich jederzeit gerne erneut verneige.
Richtet man seinen Blick auf andere Bergfilme wie z.B. Nanga Parbat, fällt sofort auf, dass in Everest eben nicht nur der höchste und größte Berg bestiegen wird, sondern auch das Epos mit am Stärksten ist und man sich eben nicht mit kleingeistiger Erzählerei zufrieden gegeben hat.
Dem zuträglich ist auch die Auswahl an hochkarätiger Besetzung, die allesamt in ihren Rollen glänzen und ihre Arbeit meisterlich abliefern.
Selbst Menschen, die mit Bergsteigen nicht konform sind oder dieser “Sportform” nichts abgewinnen können, wird man mit diesem Werk überzeugen können, da die Gesamtmischung von eindrucksvollen Naturaufnahmen, zwischenmenschlichen Aspekten und katastrophal-angehauchter Unterhaltung einfach stimmig ist und somit cineastisch zu überzeugen weiß.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sauber stilisierte Bilder, ein beeindruckendes 3D und eine gut aufbereitete Geschichte liefern hier ein stimmiges Bild und wahnsinnig unterhaltsame Stunden ab.
Als Zuschauer bekommt man Respekt und Ehrfurcht eingeflößt, wenn man dabei zuschaut, wie der Mensch den Naturgewalten unterliegt. Den Everest selbst muss man nicht gleich besteigen, den Weg ins Kino sollte man dafür allemal antreten.

 
Nachspann
gibt’s keinen, nach dem Off darf man den Saal also getrost verlassen.

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