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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: John Cho

Searching

Eines der überraschendsten Filmbeginne. Und eines der Machwerke, dem man seine Brillanz erst ansieht, wenn man sich ein wenig in der Materie auskennt.

IT-Leute tun das. Menschen des alltäglichen Lebens, die sich der Technik und fortschreitenden Entwicklung der Industrie nicht verschlossen haben. Was da für eine Arbeit und Produktplanung im Hintergrund vollzogen und durchorganisiert wurde, ist der helle Wahnsinn.

Das Prinzip solcher Filme hat es schon mal gegeben, aber noch niemals hat man es so perfekt, so alltagstauglich, so realistisch durchgezogen. Bis dahin, dass selbst im Hintergrund alles komplett stimmt. Und was da alles dazu notwendig war, um tatsächlich eine Umgebung zu schaffen, in der man das Geschehen des Films platzieren kann mit allen Eventualitäten und Dingen, an die selbst erfahrene Nutzer nicht denken, wenn sie über solche Gepflogenheiten nachdenken – mega!

Und jetzt kommt der Knaller: Ich hab das Ding schon lange vor Kinostart im Original gesehen und anschließend nochmal im Rahmen der Sneak Preview auf deutsch, und: Es wurde alles – wirklich alles (!!!) – perfekt übersetzt. Nicht nur die Screens und Inhalte, auf die der Film augenscheinlich Wert legt, sondern selbst irgendwelche Banner und Meldungen im Hintergrund hat man eingedeutscht.

Dieses digitale Biotop aufzubauen und durchzuorganisieren ist ein Heldenwerk, dass so sicher kaum einer wirklich zu schätzen weiß und es fasziniert mich heute noch immer.

Der nächste Punkt: Ich erlebte zum ersten Mal in der Filmgeschichte, dass Technik tatsächlich authentisch und wahr dargestellt und nicht komplett verteufelt wurde. Man zeigt, was möglich ist – und wo Grenzen liegen, an die auch erfahrene User nicht herankommen. Keine dummen Hacks, keine dämlichen “Tipp Tipp grüne Schrift auf schwarzem Bildschirm” und ein “Das haben wir gleich” tippel tippel und er ist drin, sondern die wahren, authentischen und realen Meldungen von Walls, die man ohne das richtige Passwort nicht durchbrechen kann. Monstermäßig!

Wo bitte hat man so fähige ITler auf einmal her, die dem Film eine Authentizität angedeihen lassen, dass jedes Technikerherz höher schlägt?

Dieser Realismus ist Granate! Und das sage nicht nur ich, sondern auch andere, deren täglich Brot durch Tastendrücken verdient wird.

Wer jetzt noch Kritik üben will, darf sich gern ein wenig über das vergleichsweise einfallslose “Ende” des Films aufregen, sollte dabei aber das Wörtchen “vergleichsweise” nicht übersehen, denn hier spielt sich alles auf enorm hohem Niveau ab, dem ich jeden Respekt zolle.

Und wer – ausnahmsweise, ich weiß, es kostet euch unfassbar viel Überwindung und Einsatz ^^ – einfach nur erstaunt sein möchte, dem bietet Searching allen Grund dafür.

.kinoticket-Empfehlung: ENDLICH hat es mal jemand in Hollywood geschafft, technische Revolutionen wahrheitsgetreu wiederzugeben und einzusetzen und dabei gleichzeitig noch den richtigen Wert dieser Technik zu offenbaren und sie nicht per se zu verteufeln.

Was man hier an Projektplanung und Hintergrundarbeit geleistet hat – bis ins allerkleinste Detail – ist verblüffend und sorgt für mächtig Furore in den Kennerkreisen. Man darf mit Fug und Recht behaupten: So einen Film wie diesen hat es noch nie gegeben!

Und ich würde es begrüßen, wenn man sich derlei Ehrlichkeiten technischer Güte auch in Zukunft annehmen würde.

Nachspann
❌ liefert genügend Zeit, um über seine eigenen Onlinegewohnheiten nachzudenken, wartet aber nicht mehr mit Material auf.

Kinostart: 20. September 2018

Original Title: Searching
Length: 102 Min.
Rated: FSK 12 | PG-13

Star Trek Beyond

In der Vergangenheit haben sich zwei extrem große Welten jeweils miteinander bekriegt: Die als extern handelnde, vielschichtigere Charaktere aufweisende und coolere Star Wars-Generation vs. die introvertierte, Handlung auf der Brücke stattfindende und vergleichsweise langweilige Star Trek-Mannschaft. Beide haben nun einen gemeinsamen Nenner: Produzent J.J. Abrams, der nun beide Lager in seiner Person vereint.
Was ich beim großen Vorbild noch mangelhaft und fehlend empfand, hat man in Zusammenarbeit mit Fast & Furious-Genie Justin Lin nun in Star Trek Beyond zu seiner Vollkommenheit geführt, denn die Langeweile bei dem dritten Teil des Reboots des vormals 10 Filme umfassenden Movie-Ensembles der Sternencrew gehört nun endgültig der Vergangenheit an.
Man mag sich über die neue Besetzung der Truppe aufregen oder sie als gegeben hinnehmen, ich für meinen Teil gehöre zu denen, die langsam kapieren, dass vergangene Zeitalter abgeschlossen werden und definitiv neue Gesichter die Bildflächen bevölkern, die der nächsten Generation als Vorbild dienen und somit meinereiner zum alten Eisen abstempeln. Ob dies nun bedauerlich oder erfrischend ist, vermag jeder für sich selbst beantworten.
Fakt ist, dass mit dem Reboot der Star Trek-Reihe auch eine völlig neue Machart konzipiert wurde, die hier wieder ganz klassische Akzente setzt und nicht nur Gesagtes erneut über den Filmtisch spulen will, sondern auch an bekannten Traditionen anknüpft, die beispielsweise seinerzeit wegweisend für die kulturelle Entwicklung der Gesellschaft waren und deutliche Akzente im Umgang bezüglich Toleranz und Harmonie gesetzt haben.
Dieser unterschwelligen Kritik bedient man sich auch weiterhin und führt somit ein großes filmisches Vermächtnis in die Hände jugendlicher Menschen, die auf ihre Art und Weise neu erkennen dürfen, wieviel Potenzial in unserer Rasse steckt und was man alles so aus sich rausholen kann.
In punkto Action und Abholwucht nimmt man sich hier ein deutliches Beispiel an dem soliden Fundament von Justin Lin, der seine Übertreibungsfehler aus dem Auto-Franchise bereut und diesmal – obgleich die Handlung sehr viel größer angelegt und das Spielfeld um Welten erweitert wurde – durchaus auf dem Boden der Glaubwürdigkeit bleibt und keine Lächerlichkeiten zur Schau stellt, die am Image des Films Schaden hervorrufen könnten.
Man wird als Zuschauer abgeholt, man genießt den trockenen Humor zwischen Captain Kirk und Spock und erfreut sich sowohl an grandiosen Action-Spektakeln alswie genauso an verbalen Diskursen, die an dieser Stelle nicht eingefleischten Englisch-Könnern durchaus zu schaffen machen könnten. Die dialoglastige Tiefe ist definitiv erreicht und füllt die Zeit erholsam auf, die man nach dem großartigen Abholen und Auf Trab bringen am Anfang des Films hat.
Die neue Crew erledigt ihre Dinge in meinen Augen genauso gewissenhaft und wohlüberlegt, auch wenn manch einer wohl nicht mit der etwas flachsigen Art von Chris Pine zurecht kommt, der hier wieder eine Nachfolgegeneration repräsentiert, von der sich ältere Semester per se angegriffen fühlen dürften, da hier keinerlei Bezug zum nachdenkenden Vorläufer hergestellt wird, sondern die Schauspieler ihre Rollen hervorragend kopieren und auf ihre Weise mit Leben füllen.
Ebenfalls erwähnenswert und vollständig ins Bild passend ist der neue Look der Filme, der hier in kühl gehaltenen Farben eine moderne, aber dennoch simple Welt konstruiert, die nichts von der ehemaligen Einfachheit gegenüber Star Wars einbüßt, aber dennoch vollständig modernisiert wurde und somit altes hinter sich lässt und neue Wege beschreitet, was wiederum proklamiert, dass man tatsächlich Neues schaffen möchte und keine ausgeleierten Kopien herstellt.
Und zu meiner allergrößten Freude war der endgültige Schritt nach draußen, der die Handlung nun in eine Welt wirft, die in Beyond einfach nur tierisch Spaß macht und Ängste wohl eher bei den Überlegungen aufkommen lässt, wie das nun weitergehen soll. Toppen sie sich im nächsten Teil selbst, läuft man wieder Gefahr an Übertreibung zu kranken, fahren sie zurück, mag man das als Blockade im Erzählfluss empfinden – der Grat ist auf jeden Fall schmal, auf dem man sich jetzt bewegt und in meinen Augen genau richtig austariert, um zwischen technischer Größe und schauspielerischem Talent eine Ausgewogenheit auf die Leinwand zu produzieren, die im Herz des Cineasten pure Freude aufkommen lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kurzum: Das hier ist der beste Star Trek dieses Jahrzehnts, den die Reihe seit dem Reboot erlebt hat.
Man läuft in genau die richtige Richtung, man hat filmisch den Zenit der Wohlgeborgenheit erreicht und konfrontiert die Zuschauer nicht nur mit ausgewogener Story, sondern auch mit satten Effekten und trächtigem Dialogreichtum.
Und genau diese Art von Film wünscht man sich doch, wenn man von Popcorn begleitet den Saal betritt und einfach nur einen verdammt geilen Kinoabend erleben will.
Also nutzt die Gunst der Stunde und abonniert euch den Männerabend im CinemaxX morgen bzw. kauft eure .kinotickets ab Donnerstag, wenn das Teil offiziell in den Kinos anläuft. Es lohnt sich endlich wieder einmal!

 
Nachspann
enthält keine weiterführenden Szenen, allerdings dürfte das Ende der Story noch lange nicht erreicht sein.

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