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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Joel Edgerton

Gringo

… oder die total absurde Geschichte wie aus Harold “Harry” wurde als Untertitel sagt ja eigentlich schon alles aus, was?
Tatsächlich lehnt der bereits mit political incorrectness belegte Titel an eben jene Schiene an und bringt wieder jede Menge Spannung in die verbohrten Muskeln der heute politisch verkrümmten Welt: Man möchte sich aus dem ganzen Wust an Reglements freikämpfen und erobert das Herz des Zuschauers durch etwas völlig Simples: Plumpen Humor auf hoher Ebene.
Dabei feuert man zielsicher auf eben jene, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, dafür zu sorgen, dass wirklich ein jeder in heutiger Zeit alle Eventualitäten, Rassen, Gruppierungen, Abarten und Kindeskinder mit anspricht und sich nicht mehr um die Sache als solches bemüht, sondern im Sumpf der gefühlt grausamen Pflicht der sprachlichen Vergewaltigung bis hin zur Unleserlichkeit bzw. der bürokratischen Aussprache erschöpft und man zwar Mann und Frau, Es und Etwas und auch alle, die nicht davon betroffen waren, benannt hat, jedoch im Schwulst der Gruppierungsbezeichnungen völlig vergessen hat, was man eigentlich sagen wollte.
ÄH …. ja. Genau.
In Gringo habt ihr keine Zeit für solchen Schwachsinn, weil man eure Lachmuskeln wieder etwas mehr strapaziert und statt sich mit dem Unfug rumzuschlagen, sollte man lieber beherzt ins Popcorn greifen und sich den Streifen wohlig zu Gemüte führen.
Zwar hat man am Schluss nicht das Gefühl, jetzt etwas Großartiges gesehen zu haben, allerdings ist der Streifen gut genug, um ihn nicht in der Masse untergehen zu lassen und pointenreiche Jokes sind en masse vorhanden. Vor allem der Beginn macht unheimlich viel Spaß und man hätte – meiner Meinung nach – dieses Tempo einfach bis zum Schluss durchziehen müssen, doch da ging den Machern ein wenig die Puste aus.
Ist dieser Film deshalb nicht würdig, einen Abend dafür im Kino zu opfern?
Doch. Man sollte – und zwar völlig vorurteilsfrei, denn wie so oft schon gesagt: Geschmäcker sind verschieden und wer weiß, ob nicht vielleicht gerade du derjenige bist, für den dieser Film wie maßgeschneidert ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Gelacht werden wird in jedem Fall, auch wenn das Tempo gegen Ende des Films sehr nachlässt und die ballungsreiche Moral ein wenig fehlt.
Für Unterhaltungszwecke super zu gebrauchen und mit Popcorn und Softgetränk bewaffnet ganz sicher die richtige Wahl für einen amüsanten Kinoabend.

 
Nachspann
Rausgehen erlaubt – hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 05. April 2018

Red Sparrow (mit Gewinnspiel)

Wer direkt zum Gewinnspiel möchte, bitte ans Ende des Beitrags scrollen. 🙂
Jennifer Lawrence hat sich mit Die Tribute von Panem einen Namen gemacht, mit dem sie sich konsequent als großartige Schauspiellegende aus der Masse emporgearbeitet hat. Passengers als einen ihrer Höhenflüge hat mich seinerzeit sehr begeistert und man merkte damals bereits deutlich, wohin die Reise zu ihrer “role of life” geht.
Meine Hoffnung, nachdem ich den .trailer gesehen hatte: Dass sie ihr Tribute von Panem-Image durch ein aktuelleres ersetzen und sich selbst toppen kann, denn Red Sparrow verspricht, ihr exakt auf den Leib geschneidert zu sein.
Sie hat es geschafft!
Das ist einer der Gründe, wofür ich Twentieth Century Fox liebe: Sie verstehen es, Filme zu machen, die auf unerlaubt hohem Niveau punkten und mit Ästhetik und Schönheit überzeugen – sowohl inhaltlich als auch durch Style und Design.
Red Sparrow besitzt beides und greift eine Landeskultur auf, die höchst spannend inszeniert einen Plot darbietet, vor dem ich wieder einmal auf die Knie gehe: So etwas muss man sich erstmal ausdenken und dann noch dermaßen überzeugend verfilmen können: Ein Streifen, der sich endlich wieder lohnt und trotz seiner langwierigen Spielzeit von 141 Minuten keine Längen aufweist. Man nimmt sich Zeit, um eine Geschichte zu erzählen und drückt nicht durch gekünstelte Straffungen auf die Tube oder wirft seine Prinzipien über Bord, sondern zieht partout seine Schiene durch, ohne dabei das selbst gesteckte, hohe Maß zu unterbieten.
Und dabei geht es nicht um simplen Spionagekitsch oder künstlich aufgetakelte Wichtigtuerei, sondern man beschäftigt sich mit so spannenden menschlichen Mustern und tiefschichtiger Psychologie, die einem sogar auch außerhalb des Films durchaus im Alltag behilflich sein kann. Diesen selbst angesetzten Anspruch a) zu erschaffen und b) nicht zu verleugnen war etwas, das mich über alle Maßen beeindruckt hat.
Wer hinterher aus dem Film geht, ist definitiv mitgenommen. Man fühlt sich auf diverse Weise bereichert und kann definitiv behaupten, ein tolles Kinoerlebnis gehabt zu haben. Deshalb wundert mich ein klein wenig die PR-Zurückhaltung, denn damit hätte man viel mehr protzen können, ohne hinterher auf der Nase zu landen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Red Sparrow überzeugt auf allen Ebenen: Jennifer Lawrence liefert die Rolle ihres Lebens in einer Story, die vor Genialität und Inhalt nur so strotzt und sich mit bislang filmisch vernachlässigter psychologischer Härte auseinandersetzt, die einen definitiv nicht unberührt lässt.
Design, Ästhetik, Filmintelligenz und Kurzweil reichen sich hier einander die Hand und formen daraus ein Meisterwerk, das mich restlos begeistert: Reingehen reingehen reingehen!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts im Nachgang mehr.
Kinostart: 1. März 2018
 
G E W I N N S P I E L
Und damit euch die Show noch ein wenig versüßt wird, hat Twentieth Century Fox für euch ein Wahnsinns-Paket geschnürt, das ich hiermit gerne an euch weiter verlose.
Mit dabei sind u.a. 5x jeweils 2 Freitickets für Red Sparrow, mit denen ihr den Film for free in einem Kino eurer Wahl genießen könnt: Einfach die Karten an der Kasse gegen zwei Eintrittstickets eintauschen und den Film mit eurem/eurer Liebsten genießen.
Einzige Voraussetzung ist, dass dieses Kino Red Sparrow regulär im Programm hat und ihr eine Vorstellung besucht, in der noch freie Plätze zu vergeben sind.
Außerdem gibt’s jede Menge Kinoposter und eine wahnsinnig coole Red Sparrow-Sporttasche zu gewinnen.
Was ihr dafür tun müsst?
Kommentiert bis einschließlich Sonntag, 4. März 2018 unter diesem Beitrag und ihr seid im Lostopf dabei. Anschließend werden die Gewinner per Random.org gezogen und von mir benachrichtigt. Bitte gebt hierfür unbedingt eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch schnell erreichen kann. Anschließend gehen die Gewinne direkt zu euch auf die Reise.
Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke haben mit diesem Gewinnspiel nichts zu tun, dieses wird ausschließlich von www.kinoticket-blog.de veranstaltet. Die Preise wurden von Twentieth Century Fox im Rahmen des Kinostarts von Red Sparrow gesponsort.
Eine Barauszahlung der Gewinne ist nicht möglich. Es gelten die üblichen, vernunftbasierten Teilnahmebedingungen. Die im Rahmen des Gewinnspiels von euch angegebenen Daten werden nur im Rahmen der Verlosung verwendet und anschließend wieder gelöscht.
Wer hier im Blog keine E-Mail Adresse angeben möchte, darf mir gerne auch per Telegram oder Whatsapp oder als Direktnachricht auf Facebook mit Angabe seines Kommentar-Pseudonyms schreiben – die Daten dafür findet ihr in der Seitenleiste bzw. im Impressum.
Und nun wünsche ich euch allen viel Glück und natürlich mega viel Spaß und spannende Unterhaltung mit Red Sparrow im Kino!

It Comes at Night

Heute möchte ich euch eine Perle des aktuellen Kinos vorstellen: It Comes at Night.
Leute: Ich bin sprachlos! Der .trailer lässt Hoffnung auf einen mittelmäßigen Horrorstreifen aufkommen und in meiner Sehnsucht nach gutem Material zieht es mich natürlich in die Lichtspielhäuser.
Ticket gekauft, Popcorn im Schoß und los die Show!
Und was da kommt, ist so viel besser als das, was man erwartet – ich habe lange nicht mehr so einen grandiosen, unbeschreiblich guten und bewundernswerten Streifen gesehen wie diesen hier!
Mein bester Freund steht überhaupt nicht auf Schockmomente und hasst es, wenn man Suspense-Stimmung aufbaut und ihn werde ich definitiv vor den Bildschirm fesseln und  dieses Teil zeigen! Natürlich hat man auch hier stimmungsmäßig ordentlich die Sau rausgelassen, aber eben nicht so, wie man vermutet! Mit so viel Liebe, Detailangst, Misstrauen und menschlicher Analyse hat man sich einer Situation zugewandt, die von Anfang bis Ende absolut spannend bleibt und einen mit einem übermäßigen und fast unerträglichen Brainfucked-Gefühl wieder aus dem Saal stößt. Mein Gedanke war eher, dass das extrem durchdachtes, extrem intelligentes Kammerspiel ist, in dem bedrohliche Elemente die Hauptrolle übernehmen, die keinerlei Anstalten machen, auch nur anflugweise an der Intelligenz des Zuschauers zu zweifeln.
Es hat lange gedauert, aber ich war tatsächlich wieder einmal sprachlos nach einem Film!
 

.kinoticket-Empfehlung: Von daher: Es wird zur Masteraufgabe, das Kino zu finden, in dem dieser Titel überhaupt (noch) gezeigt wird, aber der Kampf um diesen Platz ist mehr als lohnenswert, denn man darf endlich wieder mal in einen Plot abtauchen, in den sich der Regisseur selbst verliebt hat!
Großartig – beklemmend – fesselnd und absolut sehenswert!

 
Nachspann
folgt keiner mehr, der Saal kann freigegeben werden.
Kinostart: 18. Januar 2018

Jane Got A Gun

Am Anfang rauchts schmachvoll richtung Überstands-Western aus den Colts. Doch sind wir mal ehrlich: Was genau kennt man denn heutzutage alles noch, das in Richtung Western ausgelegt ist?
Bud Spencer – also der Blödel-Western mit Haudrauf-Garantie und dem alles durch den Kakao ziehenden Einschlag humoristischer Kunst mit Colts und Flatterbändern an den Ärmeln. Und Quentin Tarantino. Der uns immer wieder mit seiner durchschlagenden Verbalkraft und den aneinandergereihten Eigenarten Filme verkauft, die dafür sorgen, dass man nichts versteht und eben jenen Fakt denen vorhält, die seine Filme kritisieren.
Als wäre der Umstand, dass etwas mal augenscheinlich keinen Sinn ergibt (und damit einem erwähnenswerten Kultfaktor Daeinsberechtigung verschafft) geradezu darauf ausgerichtet, genial zu sein. Es kann auch einfach mal der Griff ins Klo werden.
Und eben jene Befürchtung hat man, wenn die ersten 5-10 Minuten des Films über die Leinwand flimmern. Die erhabene Eleganz einer offensichtlichen Nicht-Verblödung der Hauptdarsteller, kein Aufrauschen komischer Artefakte im Spiel um den Sieg und dazu auch keine lustvoll triefende, romantische Story, die im güldenen Sonnenschein zu einem huldvollen Stück irrationaler Liebesschnulze verkommt.
Im Gegenteil: Die Integration der Frau findet ihren Höhepunkt auf der Leinwand und lässt das männliche Geschlecht blöd dastehen. Dazu paart sich im Laufe der Zeit eine sehr tiefgreifende Story mit Elementen, die – transferiert in den modernen Alltag – einem jeden begegnen können. Als Zuschauer keimt geradezu der Wunsch nach so einer Frau im Hause auf. Natalie Portman macht ihre Sache hier wirklich grandios und behält sich dabei auch stets im Griff, um nicht doch wieder in einen Liebesroman abzurutschen.
Selten hab ich erlebt, dass man sich für eine Geschichte derart viel Ruhe und Zeit nimmt. Das Ganze trägt sich die komplette Spielzeit hindurch, als gäbe es kein Morgen. Allein beim Anschauen der Blätter im Wind, die Zurückgezogenheit in der Wüste, das Am Rande der Welt sein-Gefühl begleitet einen ständig und lässt die Story weit weit zurück in der Zeit reisen, wo alles noch irgendwo normal erschien verglichen mit den Abstrusitäten der heutigen Welt.
Probleme werden auf das Offensichtliche runtergebrochen, Hilfe sucht man eben nicht beim Gesetz oder den Richtern, sondern nimmt die Dinge auf beherzte Weise selbst in die Hand und entfesselt damit einen Reigen emotionaler Erfahrungen, die nicht nur die Gegenspieler auf der Leinwand hart treffen.
Und dieser Ernst, mit dem das alles angegangen wird, heilt viele filmische Wunden der Vergangenheit. Es muss mal keine Comedy sein. Es muss keine herzzerreißende Geschichte erzählt werden, die mit den RTL-Tränendrüsen spielt und die Zuschauer an den Rand des Empfindsam-Möglichen treibt. Und selbst die Größe eines bahnbrechenden Blockbusters greift man schon während der Mache gar nicht erst auf.
Man ist klein, besinnt sich auf das Wesentliche und hält alles ganz einfach – und dabei so prächtig professionell, dass der Slogan Großes Kino wie die Faust aufs Auge passt. Gerade zwischen monumentalen Werken wie Star Wars – Episode VII – Das Erwachen der Macht oder wirtschaftlichen Totschlägern wie James Bond: 007 – Spectre gibt sich dieser Film hier auf eine Weise die Ehre, die für sich schon wieder als ehrbar zu bezeichnen wäre.
 

.kinoticket-Empfehlung: Es tut so wahnsinnig gut, mal einen ernstzunehmenden Film zu erleben, der sich im Bereich klischeehafter Genres einnistet, diese dabei aber nicht bedient.
Kaum zu glauben, dass im Jahr 2015 Western gedreht werden, die auf der Leinwand wirklich zünden und dabei auf keine Machart zurückgreifen, die man aus längst vergangenen Jahrzehnten bereits kennt.
Ich wage fast, zu behaupten, dies wäre der erste und einzige anständige Western, den ich in meinem Leben jemals gesehen habe (wenn man vom üblichen Spiel mir das Lied vom Tod einmal absieht). Die erfrischende Ernsthaftigkeit und das überaus genussvolle Maß an Ruhe und Zeit, die einem hier als Zuschauer gegeben wird, ist für mich ein wahres Geschenk.

 
Nachspann
kommt keiner mehr. Beim Anbruch der Textzeilen am Schluss darf man sich also getrost wieder in die Wirklichkeit aufmachen. Der Trip in die Vergangenheit bleibt trotzdem cool.

The Gift

Gott war’s schön – zu sehen, wie die Beinchen der weiblichen Zuschauer zitterten, als Blumhouse Productions sein Logo auf der Leinwand aufblitzen ließ.
“Oh nein, bitte keinen Horrorfilm, da geh ich raus!”
Gegangen ist keiner. Und Horror lief auch keiner. Zumindest nicht im klassischen Sinne. Aber der Reihe nach.
The Gift erzählt die Geschichte eines Ehepaars, das in einem Haus einzieht und Bekanntschaft mit einer sehr dubiosen Person macht. Faszinierend daran war die häusliche Art, mit der man als Zuschauer – ganz nach Paranormal Activity-Manier – in das Leben der beiden eingeführt wurde. Jedoch stieg man diesmal nicht in irgendwelche merkwürdigen Eskapaden ab, sondern bewegte sich stets solide am Boden der Tatsachen und zeigt so eine neue Art des Erzählens auf, bei dem sich der Erzählstrang sowohl bei Darstellern als auch Zuschauern immer enger um den Hals zieht.
Freak-Out-Szenen braucht man keine erwarten, die pure Realitätsnähe, mit der man sich hier konfrontiert erlebt, erzeugt aber schon das ein oder andere Mal Gänsehaut auf dem Rücken. Jedoch würde ich dabei eher von abartig gutem Suspense als von Horror oder “Schocker” sprechen.
Gespielt wird hervorragend, auch dieses Mal sind die Stärken eher die Dialoglastigkeit und der subtile Inhalt des Gesagten als irgendwelche zweitklassigen Effekte. Kurzum: Die Maschinen machen den Menschen den Weg frei und überlassen ihnen die Hall of Fame ganz für sich.
Und diese Tatsache funktioniert hervorragend. Nicht nur mir hat es bis ganz zum Schluss wahnsinnig Spaß gemacht, auf diesen subtilen Trip menschlichen Versagens geführt zu werden und Momente zu erleben, die nicht nur beängstigend, sondern auch verdammt realitätsnah sind, was das Ganze zu einer wunderbaren Achterbahn der Emotionen verwandelt, nach dessen Fahrt man beglückt wieder in seine eigene Welt fällt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein Ausflug in die Tiefen der menschlichen Psyche, der nicht nur Verletzlichkeit, sondern auch Stärke, Ehre sowie auch Rache und Hass in professionell verpackten Bildern auf die Leinwand bringt und meines Erachtens auf voller Linie überzeugt.
Die nicht-überheblichen Verbalakte, die hier als tragendes Element im Film fungieren, stellen das Werk als Ganzes auf ein solides Fundament und lassen den Zuschauer weder verstört, noch verärgert zurück.
Wer mit Suspense etwas anfangen kann, sollte sich hiermit vergnüglich beglücken dürfen.

 
Nachspann
Der Saal darf nach getaner Arbeit ruhig verlassen werden. Hier folgt nichts mehr im Anschluss.

Black Mass

Johnny Depp hat schon viele unterschiedliche Rollen gespielt und landete damit mal ganz vorn, mal ganz hinten. In Black Mass tritt er erneut mit einem neuen Gesicht an und beweist einmal mehr, dass in ihm kein kleiner, sondern ein herausragender Schauspieler steckt, der durch Mimik, Sprache, Gestik und exzellente Darstellungen zu überzeugen weiß.
Dabei hatte ich oft das Gefühl, dass seine Mitspieler ihm bei weitem nicht gewachsen waren. Was Depp verkörpert, ist phänomenal und sucht grenzüberschreitend seinesgleichen ohne auch nur ansatzweise fündig zu werden. Die Thematik selbst empfand ich mehr lückenhaft als erfüllend, denn hier wird weder auf der einen, noch der anderen Seite hinreichend inhaltlicher Denkstoff gegeben, sondern mehr oder weniger aufgezeigt, was im Stillen sowieso fast jeder vermutet, auch wenn diese Art der Kooperation dann doch reichlich ungewöhnlich zu sein scheint.
Nichtsdestotrotz erfüllt Hollywood auch hier wieder eine neue Tugend: Man verfilmt Realereignisse und füllt die Kinosäle mit Menschen, die vergangene Geschichten zuschauerverträglich aufbereitet im Kino sehen möchten – dieser Trend scheint zu funktionieren.
Die Szenen (sowohl die lustigen, als auch die ernsten) brennen sich definitiv tief unter die Haut ein, die Skrupellosigkeit und Gier, die Unhaltbarkeit, das Verflechten in Systeme, deren Kontrolle man schon am Anfang verloren hatte – all das wird verständlich und visuell hervorragend rübergebracht.
Was mir allerdings fehlte, war ein zufriedenstellender Schluss. Irgendwie hockt man am Ende da und wartet auf eine Aussage, die einfach nicht kommt. Nach dem Abspann findet man sich dann damit ab, dass die Eindrücke und Szenerien, die während des Films gezeigt werden, allein die Essenz des Movies ausmachen wollen und da jetzt tatsächlich nichts mehr kommt – und das war für mich, als jemand, der den großen Endpaukenschlag abgöttisch liebt, tatsächlich etwas verstörend und enttäuschend.
Dennoch wandert man tief beeindruckt und seelisch mitgenommen wieder aus dem Kino auf die Straße und fühlt sich irgendwie kratzbürstig durchgewaschen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer Johnny Depp liebt, sollte sowieso da rein, wer einfach nur mal geniale Schauspielerei erleben möchte, auch.
Die verkörperte Gestalt von Bulger sucht seinesgleichen, was Charakter, Stärke und Profiltiefe angeht. Die Szenerien beeindrucken nicht in gleichem Maße, wie es Urgesteine wie Der Pate tun, allerdings erhält man hier etwas gleich großes, dem nur der epische Schlusspathos fehlt.
Ansonsten erhält man hier überdurchschnittlich rare Kost, die ein Biopic abzeichnet, das den Film zurecht verdient.

 
Nachspann
gibt es keinen, der Soundtrack von Tom Holkenborg überzeugt aber auch hier wieder auf voller Linie.

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