.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Job

Swimming with Men

Nehmt jemand her, der kein Problem mit Vorurteilen hat, lasst ihn oder sie die .kinotickets kaufen und den Rest der Truppe dann einfach mit einem sanft-gemütlichen Arschtritt ins Kino befördern und schauen, was passiert.
Liest man vorab den Plot, schaut sich .trailer oder sonstiges zu dem Titel an, kommt man womöglich auf seltsame Gedanken, die viele wohl erstmal ein klein wenig abstoßen dürften, weil diese Form des Sports eben nicht so geläufig ist, wie manch einer das wohl gerne hätte.
Vor Jahren gab es bereits eine Dokumentation namens Men who Swim, die ziemlich hohe Wellen schlug, und auf der basierend dieser Spielfilm gedreht wurde. Teile der Crew wurden sogar in die Arbeit mit einbezogen, damit ein möglichst wahrheitsgetreues Abbild der Ereignisse von damals geschaffen werden konnte, das dennoch die liebenswerten Qualitäten eines herzerwärmenden Spielfilmes aufweisen und das Kinopublikum zu unterhalten weiß.
Und dabei geht Regisseur Oliver Parker aufs Ganze und trumpft mit britischem Humor erster Güte auf, der die gar nicht mal so unalltägliche Geschichte eines Mannes erzählt.
Das Problem sehe ich hier eigentlich nur im ersten Schritt: Den Zweifeln und Vorurteilen einer ganzen Rasse vorauszugreifen und sie dazu zu bewegen, sich einfach mal ins Kino zu bewegen. Ist das passiert, wird’s garantiert köstlich und amüsant. Die Truppe weiß exzellent zu unterhalten, an Jokes und lustigen Momenten wird nicht gespart und auch die “Merkwürdigkeiten” verschwinden relativ schnell und werden vom Film sehr einfühlsam und respektvoll umschlungen, so dass am Schluss eigentlich jeder begeistert wieder aus dem Saal kommen wird, trotz dieses Themas.
Und darin brilliert dieser Film meisterlich: Er umwirbelt all die Gedanken, fängt sie ein und spinnt daraus ein farbenprächtiges Rad an Situationskomik und Alltagstragik, die eben nicht vollständig erfunden, sondern auf einer wahren Begebenheit beruht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer wieder einmal ungeniert lachen und sich köstlich amüsieren will, dabei aber auch sensible Gefühle zulassen kann, der ist mit diesem Film bestens beraten.
Britischer Humor in seiner vollen Blüte in einer fesselnden und zugleich faszinierenden Story, bei der es nur einen Knotenpunkt gibt: Den Einstieg. Ist man einmal im Saal, wird der Abend definitiv als gelungen in die Geschichte eingehen.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht ausharren, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 07. Juni 2018

I Feel Pretty

Amy Schumer hat bei mir schon längst tiefe, schmerzende Spuren hinterlassen, die sie für mich persönlich als Subjekt filmischer Überzeugungskraft durchfallen lassen haben. Ein Film mit Amy Schumer ist für mich gleichbedeutend mit Langeweile, Fremdscham, niveaulosen Jokes, abwesender Tiefgründigkeit … sowas eben.
Wenn ich also in einen Saal voller Frauen spaziere und mir einen Film mit Amy Schumer anschaue, dann mit entsprechend abwesenden Erwartungen.
Und dafür hat mich I Feel Pretty wahnsinnig positiv überrascht!
Manche erinnern sich vielleicht noch an Embrace – ich würde sagen, das hier ist dasselbe, nur in Spielfilmform. Die Botschaft und Idee gehört vielleicht ein paar Dekaden weiter in die Vergangenheit, aber – sind wir mal ehrlich – waren es nicht diese Filme, die damals unser Herz erobert haben und damit restlos funktionieren? Genau dafür ist Kino doch wie geschaffen: Um auf der Leinwand etwas zu zeigen, dass unser Kindsein weiterhin am Leben erhält. Dass uns dabei unterstützt, weiter zu träumen und sich von dem Realismus, den man als Erwachsener in der Welt erlebt, seelisch nicht vollends umbringen zu lassen.
Genau darin liegt doch unser Problem: Sobald das Erwachsensein auf den Plan tritt, opfern die Menschen bereitwillig all das, was ihnen vorher dabei geholfen hat, ein unbeschwertes Leben zu leben, nur um anschließend darüber zu jammern, wie schwer doch alles geworden ist.
I Feel Pretty überredet einen dazu, erneut über solche Dinge nachzudenken und sich einfach mal wieder in eine Geschichte entführen zu lassen, die nichts mit ihren bösen Schwestern gleichen Genres’ zu tun hat: Man wird nicht mit dieser übertriebenen Peinlichkeit überschüttet, sondern alles findet in sehr ruhigen, subtilen und fast schon ernstzunehmenden Situationen statt, die das Augenmerk wirklich auf das Wesentliche lenken, ohne dabei hier und da den Humor zu vergessen.
Das Publikum im Saal hatte auch sichtlich Spaß dabei und sogar ich selbst habe mich an vielen Stellen erwischt, wie ich einfach lachen musste, nicht weil’s peinlich war, sondern Schumer hier tatsächlich zu Höchstformen aufläuft und ihr altes Film-Selbst damit mehr als in den Schatten stellt.
Und das, was dieser Film transportieren möchte, ist ungemein wichtig und ich glaube fest daran, dass die Message auch die entsprechenden Personen erreichen wird und ihnen zu neuen Höhen aufhilft.
Ist es nicht das, wofür Kino einst gedacht war? Den Menschen weiterhin träumen zu lassen? Ihm weiterhin Hoffnung zu schenken und ihn glauben zu lassen, dass er alles schaffen kann, wenn er nur will?
Abseits all dieser “Niveaulosigkeit”, den viele Kritiker diesem Film attestieren, empfand ich die eigentliche Botschaft hervorragend rübergebracht und auf einem völlig glaubhaften Fundament begründet, dass hieraus nicht nur einen wunderbar erzählten Filmabend macht, sondern eben auch eine Grundsatzfrage meisterhaft beantwortet.
Mögen sich viele nach diesen Weisungen richten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Überraschend gut gelungen und in meinen Augen der perfekte Film, um in der Ladies Night zu laufen.
Egal, was andere darüber schreiben: Ich finde, der Film gehört in die Kinos und sollte gesehen werden, denn diese ruhigen Töne, das zur Abwechslung mal richtig bereichernd Normale, birgt eine ernstzunehmende Weisheit, über die manche mal diskutieren sollten.
Embrace hat damals eine grundsätzliche Sache klargestellt und dieser Film liefert den nötigen Realismus dazu, um mehr Menschen dazu zu verhelfen, ein einfaches, wunderbares – ja fast traumhaftes Leben zu führen ohne sich von den ganzen Irrgedanken runterziehen zu lassen.
Deshalb ist I Feel Pretty in meinen Augen mehr als gelungen und zählt als die positive Überraschung der Woche!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 10. Mai 2018

Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft

Das Konzept ist ja mittlerweile einige Male durch den Filmwolf gedreht worden und daher entlockt der Titel den meisten Zuschauern wohl nur noch ein müdes Lächeln oder sorgt dafür, dass man gar nicht erst ins Kino geht.
Dabei hat Sony hier tatsächlich einige Register gezogen, um erstklassige Unterhaltung für Kinder zu schaffen, die eben nicht alte Prinzipien wieder neu verpackt an den Zuschauer ausliefern will, sondern in einer bestehenden Welt die alte Crew wieder ins Leben gerufen und alles mit etwas mehr Ernsthaftigkeit und einem durchaus witzigen, logischen und überaus spannenden Skript versehen, dass den Kleinen auch wirklich Spaß macht.
Diese lustige, verdrehte und irgendwie völlig andere Perspektive könnte man fast schon als Erziehungsmaßnahme begreifen, die viele Alltagssituationen mal völlig neu an die Familie abgibt und damit eine komplett neue Rangordnung auf die Füße stellt, die selbst Erwachsene im Saal zum Lachen animiert.
Und obwohl ich anfangs auch riesige Bedenken hatte (“Oh Mann, noch so ein Film, der wieder nur bekannte Storys neu aufwärmt”), hatte ich am Schluss richtig Freude bei der Sache und würde mir den Streifen sogar nochmal im Kino ansehen, so sich die Möglichkeit dazu ergibt.
Denn selbst wenn man aus der Story ausbricht und sich wieder auf die filmischen Tricks und Umsetzungen stürzt, hat man hier viel zu rätseln, da der Übergang zwischen beiden Welten wirklich exzellent gelöst worden ist und keine halbherzigen Erklärungen und miese Animationen mehr dafür herhalten mussten: Man sieht dem Werk seine Ernsthaftigkeit und detailverliebte Durchdachtheit an.
Und dass man hier nicht durch billiges (oder überladenes) CGI, sondern handwerkliches Geschick beeindrucken will, löst bei mir definitiv Sympathien aus, was ich dem Werk hoch anrechne.
 

.kinoticket-Empfehlung: Filmischer Spaß, garniert mit einer Portion Ernsthaftigkeit und einer Brise Erwachsensein ohne dabei den spielerischen Geist der Kinder zu opfern – auf technisch hohem Niveau und mit Unterhaltungsfaktor für jung und alt – was will man mehr für einen Familienfilm, bei dem jeder etwas mitnehmen kann.
Auch, wenn es das schon gefühlt zig Mal gegeben hat: Geht trotzdem rein, denn dieser Film wächst über sich hinaus und liefert etwas, dass es so bislang noch nicht gab.

 
Nachspann
Nicht gleich abhauen, da gibt’s noch ein paar Gimmicks.
Kinostart: 18. Januar 2018

Das unerwartete Glück der Familie Payan

Wer unentwegt lachen will, sollte nicht in den Keller, sondern nach Frankreich gehen – zumindest in Sachen Kino. Mit Das unerwartete Glück der Familie Payan wirft Regisseur Nadege Loiseau einen herzerwärmenden Film für die ganze Familie auf die Leinwand und fordert damit auch den mürrischsten Deutschen wieder zum Lachen auf.
Dabei erzählt er nicht etwa Geschichten aus fernen Welten oder dem Reich der Fantasie, sondern bewegt sich im natürlichen Areal des Alltags und lässt in seinem Regiedebüt wieder den Charme seiner Schauspieler spielen.
Wie aus dem klassischen französischen Kino bekannt begegnet man während dieser Reise jeder Menge Momente, die einem ein Lachen abringen und so so manche Alltäglichkeit zu einer skurrilen Angelegenheit machen.
Dabei wird nicht eine spezielle Zielgruppe bedient, sondern generationenübergreifend von den Schwierigkeiten, Problemen, der Familie aber auch glücklichen Momenten erzählt.
Dieser Film strotzt vor Unbeschwertheit, liefert aber gleichsam ein Erlebnis, welches in wunderschöne und wärmende Watte gepackt ist. Die Spannung ist dabei zeitweise kaum auszuhalten, und das, obwohl jeder solche Situationen kennt.
Für mich ist dieses Werk wieder ein Beleg dafür, dass man eigentlich bedenkenlos in jederlei Art von Erstlingswerk gehen kann ohne dabei eine Enttäuschung zu erleben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer also mal wieder richtig lachen möchte und den ganzen Krampf der großen Produktionen leid ist, sollte sich zwingend mit diesem Film anfreunden und sich einen Kinobesuch schon jetzt im Terminkalender vormerken.
Enttäuscht wird hier glaube ich niemand.

 
Nachspann
folgt ohne weiter Szenen oder Material.
Kinostart: 20. Juli 2017

Schatz, nimm du sie

Deutsch. Komödie. Beziehungen & Familie. Drei Gründe für mich, um um diesen Film einen Bogen zu machen. Persönlich hätte ich ihn mir wohl auch niemals angeschaut, denn mein Interesse für so manches Werk erwächst tatsächlich desöfteren aus der Tatsache, dass hier dann wieder eine Rezensier-Möglichkeit mehr da ist und ich so anderen auch etwas Gutes tun kann.
An dieser Stelle sei der Mannschaft aus Augsburg gedankt, in deren Unterhaltung ich reingeplatzt bin und die mir diesen Titel wärmstens empfohlen haben.
Meine Kinoerfahrung war zwar unter aller Sau (Danke, Kempten!), der Film hatte aber durchaus seine Momente, die das deutsche Kino für sich wieder liebenswert erscheinen lassen.
Fakt ist, dass man mal keine Laiendarsteller oder Fernsehheinis, sondern tatsächlich Komiker und Satiriker besetzt hat, die an sich schon mal den wahnsinnig herzerwärmenden Vorteil mit sich bringen, dass sie SPRECHEN können! Und zwar normal! Dadurch erhebt man sich mit Schatz, nimm du sie schon mal aus der Masse mieser deutscher Filme heraus und zeigt einmal mehr, dass dieses Land tatsächlich in der Lage ist, sich international auf den Bildflächen nicht permanent nur zu blamieren.
Auch vom Plot war ich relativ angetan, der zwar im ersten Moment dahingehend anmutet, wie man es aus zig anderen Beziehungskrisen-Filmen kennt. Dadurch, dass man hier aber an Stellschrauben gedreht hat, die quasi völlig andere Themen glorifizieren und damit erneut frischen Wind in die Unterhaltung sprühen, erlebt man durchaus Momente, in denen es einfach Spaß macht, an dieser irren Tour beteiligt zu sein.
Die Konstellationen der einzelnen Darsteller und die verzweigten Verknüpfungen zwischen ihnen bekommen von mir ein saftiges Lob und sind quasi mehr oder weniger der alleinige Grund dafür, weshalb ich euch diesen Film tatsächlich ans Herz lege (auch wenn er bereits schon wieder aus den Kinos verschwindet).
Einige Ideen und Umsetzungen waren tatsächlich so klasse, dass selbst die Outtakes am Schluss nicht mit mehr Witz und Charme punkten konnten, sondern man eher zwischendrin mehrfach lachen musste.
Auch wenn es nicht 100% meinen Geschmack trifft, finde ich diesen Film durchaus besser als andere Beziehungskomödien, die eben alle im Einheitsbrei rumrühren und dabei keinerlei Vergnügen bereiten.
Und ein Wort zum Schluss: Mit Plastiktüten rascheln, während der Film noch läuft, in riesiger Mannschaft durchs Kino rennen und anfangen zu kärchern, obwohl noch Szenen auf der Leinwand laufen, die natürlich bereits in voller Lichtmontur angestrahlt wird, gehört für mich nicht zu dem Ansinnen, dem Kinogast ein erfreuliches Erlebnis zu bescheren. Danke, Kempten!
 

.kinoticket-Empfehlung: Endlich mal ein Film aus Deutschland, bei dem ich nicht an der Aussprache rummeckern muss und der sogar noch ein paar überraschende Wendungen und mehrschichtige Verquirltheiten im Plot bereit hält.
Er ist kein meisterhaftes Wunderwerk, hatte aber durchaus seine charmanten Momente und sorgte zumindest in meinem Kinosaal bei dem älteren Publikum für ständige Lacher.

 
Nachspann
Ja, man darf sitzen bleiben, denn es werden nicht nur fast permanent Outtakes gezeigt, sondern es kommt auch noch eine saftige After-Credits-Scene, sofern man die Möglichkeit überhaupt gestellt bekommt und noch was versteht, bei der Kärcherei vom Personal im Kino. Danke, Kempten!

Office Christmas Party

Bei einer Vor-Nikolaus-Sneak Preview kann eigentlich nur dieser Film auf der Liste stehen und voilà – er wurde es dann auch. Allein der Trailer erweckte ja schon den Aufwind richtung Die Highligen drei Könige und erinnerte einmal mehr an diese Art von Film, die ironischerweise fast alle in New York spielen, mit Jennifer Aniston im Gepäck auflaufen und alle denselben, merkwürdigen Humor in sich tragen.
Mag sein, dass die Klientel für diese Streifen mittlerweile groß genug ist, dass man sich nach Hangover-Manier überall ein paar Sympathisanten abgreift, mich jedoch erreicht diese Form von Ulkigkeit nur bedingt.
Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Er war ganz nett, jedoch jetzt kein Überflieger. Für meine Begriffe zieht sich der Film anfangs tierisch in die Länge, das Zeitlassen beim Vorstellen der Hauptdarsteller war einfach zu ausgeprägt und thematisch bedingt für Außenseiter zu langweilig. Die Spanne, bis man dann endlich zum “Ausrasten” übergeht, ist deutlich zu lang und enthält zu wenig Pointen, die einen wirklich zum Lachen zwingen, sondern der Humor plätschert so vor sich hin und hat hier und da mal eine größere Blase, die dann tatsächlich komisch wirkt.
So richtig in Fahrt kommt auch keiner, sondern man wird im Saal das Gefühl nicht los, dass hier krampfhaft versucht wird, lustig zu sein ohne dabei tatsächlich den Drive zu spüren, der die Story auch richtig in Fahrt bringt und mit vollen Schüben in die Lachmuskeln der Zuschauer pusht.
Eine Szene gibt es, relativ spät im Film, wo die Erwartungen dann schon in die richtige Richtung tendieren, dessen Höhepunkt aber auch wieder durch die willkürlichen Eingriffe jemandes abgewürgt werden und somit klargestellt wird, dass hier die konstituierte Linie ganz klar nicht verlassen werden soll.
Somit verkommt Office Christmas Party klar zu einem spezifisch-mainstreamorientierten Machwerk, das keinerlei Bedeutung abverlangt und hinterher auch leicht in Vergessenheit gerät, es sei denn, man ist 14 und findet solche Spielereien unterhaltsam. Stichwort: Schulhofhumor.
 

.kinoticket-Empfehlung: Klar erkennbare Massenware für Menschen, die auf der Hangover-Welle mitgeschwommen und diese Erfahrung für gut befunden haben.
Ans Original kommt man dabei bei weitem nicht, verlässt allerdings ganz bewusst auch nicht die Sorte Film, die sich die Macher hier ganz klar auf die Fahne geschrieben haben.
Mein Humor ist es nicht, wer jedoch dem Sex and the City-Charme etwas abgewinnt, der ist mit Office Christmas Party ganz klar auch nicht auf dem falschen Dampfer.

 
Nachspann
darf abgewartet werden, da hier nahtlos noch Outtakes gezeigt werden, die jetzt zwar auch nicht so der Brüller sind, jedoch dem Film noch das gewisse Etwas verleihen. Nach deren Abblende kommt dann tatsächlich nichts weiter mehr.

Bad Moms

Man darf von den Hangover-Machern denken was man will. Begrabt es!
Man darf von solcher Art Filme halten, was man will: Begrabt es!
Man darf Vorurteile haben, sie ausleben, aussprechen … ratet mal: Begrabt sie!
Man darf von dem Trailer halten, was man will: …. ihr wisst schon => Begrabt es!
Bad Moms macht nämlich so richtig richtig richtig viel Laune und verbreitet eine Stimmung, gegen die der Trailer richtig mies wirkt!
Wo man anfangs noch das Gefühl hat, es wird wieder nur zu so einer erbärmlichen Show, die nahe am Fremdschämen vorbeischlittert und vielleicht grad so den Bogen kriegt – diesmal halt wieder nach derzeit üblicher Manier auf Frauenseite – der täuscht sich gewaltig.
Der Humor in diesem Streifen ist derart gut austariert, dass er zwar immer den Bogen sehr weit spannt und sich streckenweise auch gewaltig aus dem Klischeefenster hängt, jedoch niemals den Absturz in die Tiefe exerziert, sondern jedesmal einen Volltreffer landet, der in tausenden Lachern beim Publikum mündet.
Ganz ehrlich? Mich hat es total erstaunt! Ich hatte nämlich echte Bedenken, obwohl ich beim ersten Mal beim Trailer schon dachte: Wow, das könnte was werden – während meine Stimmung beim 50. Mal Trailer ziemlich tief im Keller war.
Und der ist weit weit von dem entfernt, was der Film letztendlich bietet: Nicht nur die Spaßmomente sind einzigartig und erfreuen das Publikum in mannigfaltiger Art und Weise, sondern auch die Lehren zwischen den Zeilen sprechen mir zu 100% aus der Seele.
Mal ganz im Ernst: Wir alle fühlen mit Mila Kunis, wenn sie ihre Ansprachen hält und die Wahrheit auf den Tisch packt und können nachempfinden, was sie meint. Und diese für einige bittere Realität ist derart unterhaltsam und witzig verpackt worden, dass man jedem nur empfehlen kann, sich auf die Socken zu machen und diesen Titel auch tatsächlich zu schauen, sobald er in die Kinos kommt: Ein absolutes Muss, denn dieser Film gehört endlich mal zu der Kategorie “Comedy”, der ich wirklich etwas abgewinnen kann.
Und zwar nicht nur vom Humor, sondern vor allem auch von den schauspielerischen Leistungen der Damen. Kunis feierte in älterer Vergangenheit ja nicht gerade ruhmreiche Dialoge in Filmen wie Jupiter Ascending und hatte bislang auch schauspielerisch bei mir nicht die besten Karten. Aber was diese Frau hier vom Stapel lässt und welche Mimik und Eigenaura sie dabei auf den Tisch wirft, haut mich fast schon vom Hocker.
Generell hat der Cast eine derart hervorragende Leistung erbracht, die allein schon Grund genug für den Film liefert, im Gesamtpaket mit dem Plot, den verbalen Spitzen und den vergnügt-seeligen Reißern in die Klischee-Schiene macht das Werk dann aber nicht nur richtig Spaß, sondern haut einem förmlich den Wecker weg.
Mich würde es wundern, wenn in der Auswertung nächste Woche tatsächlich Stimmen dabei sind, die den Film als negativ bewertet haben, denn der ist alles andere als das!
 

.kinoticket-Empfehlung: Klarer Fall: Reingehen! Und zwar sofort!
Ohne Diskussion und ohne Kompromisse. Ich würde sogar soweit gehen und sagen: Der hier bricht sogar den Erfolg von Hangover, denn er ist besser als der.
Wer den verpasst hat, kann nicht nur nicht mitreden, sondern hat auch 100 Minuten geilste Kinogeschichte nicht miterlebt – tut euch das selbst nicht an, sondern geht verdammtnochmal rein! Danke 🙂

 
Nachspann
Selten erlebt: Jeder blieb sitzen – bis zum Schluss. Der ist nicht nur reichlich gefüllt, sondern macht das gesamte Werk nochmal um Klassen sympathischer! Also auf jeden Fall bis zum Ende sitzen bleiben!

Mother's Day – Liebe ist kein Kinderspiel

Ja, ich weiß: Das Genre der Liebe ist ausgeschöpft und alle Geschichten wurden mindestens schon einmal erzählt, verfilmt, wiederverfilmt und dazu dann als Buch geschrieben.
Der Intellekt unserer Welt ist natürlich viel zu hoch angesiedelt, um zu erwarten, dass man von so einem Film überrascht werden könnte, der quasi nur der lauwarme Aufguss einer Erzählung ist, die in hochgradigem Stil bereits vor Jahrzehnten für Begeisterung sorgte.
Warum hat mich der Streifen trotzdem fasziniert?
Weil er eine gewisse Grundordnung ins Leben bringt. Dieses typische 2016er Muttigehabe, das man seit Jahren von der Leinwand runterpredigt und damit gestressten Erziehenden moraltechnisch die Hölle ins Leben wirft, wird hier einfach mal komplett verurteilt. Dieser ganze Wahnsinn rund um Kinder, Erziehung, Schule, Fahren etc. wird hier vom Plot erwürgt, in die ewigen Jagdgründe geschickt und dadurch dieses fürchterliche Mami-Papi-Getue beendet. Endlich!
Und diese Normalität in den Gesprächen, in den Vertrauensgesprächen, in den Dialogen, in den Situationen, in die die Protagonisten im Laufe der Zeit reinschlittern – all das hat mich verbal ziemlich beeindruckt.
Man hat einen Film, bei dem jeder erwartet, dass jetzt hier die Post abgeht und stattdessen wird man einfach wieder ruhig und … normal.
In einer krankhaften Welt, wie unsere eine ist, empfinde ich das fast schon wieder als begehrenswert, wenn einfach mal wieder alte Werte zurück ins Bewusstsein kehren, die dabei aber nicht verstaubt, sondern auf irrationale Weise modern wirken. Und diese Entwicklung kann ich persönlich nur begrüßen – aus diesem Grund hab ich den Film auch gleich 2x gesehen, bevor ich hier drüber schreibe.
Und ja, das Gefühl ist auch beim zweiten Mal noch das gleiche. Wäre kein Problem, ein drittes Mal reinzugehen und diese Bodenständigkeit und ruhige Ausgeglichenheit erneut zu erleben. Das sensible Herantasten an die verborgenen Gefühle inmitten einer Welt, die erbarmungslos auf einen einschlägt und dann in die Augen einer Julia Roberts zu schauen, die in diesem Film meines Erachtens wirklich gut spielt – für mich ein Genuss, den ich jedem nur ans Herz legen kann.
 

.kinoticket-Empfehlung:Die Presse verreißt das Stück nach bestem Wissen und Gewissen – und ich kanns nicht verstehen. Wieder einmal.
Geht unbefangen in das Teil rein, fahrt runter, setzt euch gemütlich in den Kinosessel und genießt die Show. Wer sich darauf einlässt, dessen Herz bleibt danach nicht unberührt.

 
Nachspann
sollte man auf jeden Fall sitzen bleiben. Und zwar bis ganz zum Schluss.

Delibal

Wie oft waren die “Füllfilme”, um die Zeit zwischen den gewünschten Blockbustern zu überbrücken, oftmals die Errungenschaften des Kinotages, wenn ich auf meine bisherige Kinokarriere zurückblicke. Delibal macht hier keinen Unterschied.
Irgendwie gilt es mittlerweile fast schon als Erfolgsrezept, wenn man sich aus den üblichen Bereichen erfolgreichen Kinos verabschiedet und in ferne Länder abschweift, die – auch in heutiger Zeit – definitiv noch etwas von Humor und Witz verstehen. Die Türkei hat in jüngster Vergangenheit ja bereits bewiesen, dass gute Comedy eins ihrer Talente ist und nach Dügün Dernek 2: Sünnet setzen die Jungs mit ihrem neusten Werk nicht unbedingt einen oben drauf, beweisen aber erneut, dass ihr Fingerspitzengefühl, was Lacher im Kino angeht, durchaus in fähigen Händen arbeitet.
Da es sich hier nicht ausschließlich um eine Komödie handelt, sondern eher der tragische Weg einer beispiellosen Liebe beschrieben wird, ist es verzeihlich, dass die Humoreinlagen einen nicht ganz so großen Peak erleben, wie seinerzeit in Dügün Dernek 2: Sünnet. Jedoch tut dies der spritzigen, lebenslustigen und frohen Ader des Hauptdarstellers absolut keinen Abbruch, der mit seiner charmanten, durchtriebenen und optimistischen Art noch jedes Herz rumkriegt.
Was auch diesmal wieder hervorragend gelungen ist: Die Inszenierung. Keine platte Aneinanderreihung von Fakten, die laut Drehbuch abgearbeitet werden müssen, sondern das subtile Ineinandergreifen von sensiblen Momenten, die summa summarum ein Werk ergeben, das in seiner Gänze nach ganz oben strebt und auch überzeugend in diesen Gefilden ankommt.
Die Annäherung von Mann und Frau, das aufeinander einspielen, die Liebe zueinander, die Aspekte der Familie (die in türkischen Filmen irgendwie niemals fehlen dürfen), der Zusammenhalt bei Problemen, das sich selbst Aufraffen und die Dinge miteinander bewältigen … hier gibt es unzählige Momente, die Vorbildcharakter aufweisen und somit nicht nur der Unterhaltung Tribut zollen, sondern auch dafür sorgen, dass wertetechnisch Bildung stattfindet.
Und damit landet dieser Film wieder in der Topliste der empfehlenswerten Filme, die sich jeder hierzulande zu Gemüte führen sollte. Auch wenn man sich dafür vielleicht auf die Suche machen muss, da nicht jedes Kino Platz für ausländischen Kram bereitstellt: Der Aufwand lohnt sich und als Zuschauer wird man hier nicht enttäuscht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Das OmU im Titel sollte nicht davon abbringen, ein .kinoticket zu lösen und sich den Film anzusehen. Dank Untertitel kommt man auch als Nicht-Türkisch-Sprecher gut mit und kapiert, worum es im Film geht.
Der nämlich erzählt die wunderbare Geschichte einer Liebe, die nichts mit Schmalz und Romantik zu tun hat, sondern erfrischend kräftig und ungemein optimistisch in einer Zeit von Krieg und Terror Licht spendet, das wir alle nur zu sehr brauchen.
Allein die wunderbare Art, mit der Cagatay Ulusoy sein Verlangen zum Ausdruck bringt, ist es wert, den Film im Kino zu sichten. Freunde und Familie im Schlepptau -hier wird sicher niemand enttäuscht, der für ein paar Momente Lebensfreude etwas übrig hat.

 
Nachspann
gibt’s keinen, dafür wieder einmal den Beweis: Türkische Filme haben allzeit unglaublich geile Soundtracks! Kein Plan, wie die das bewerkstelligen, aber der Beat reißt jedesmal mit und ist allein schon ein Grund, diesen Film zu besichtigen.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén