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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Jared Harris

Allied

Robert Zemeckis, dem wir Filmlegenden wie Zurück in die Zukunft I-III, Der Tod steht ihr gut, Forrest Gump und Contact zu verdanken haben, wirft einmal mehr den Scheinwerfer über dem Regiestuhl an und widmet sich diesmal einem Drama, das ich in einer derart sensiblen, zärtlichen und einfühlsamen Verbaljonglage so noch nicht erlebt habe.
Da ich diesen Film im Rahmen der Sneak Preview Tage später erneut im deutschen Synchronton erleben durfte, muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass sich meine Rezension tatsächlich auf die Originalversion bezieht, die man (wahlweise mit deutschen Untertiteln) der Deutschen auf jeden Fall vorziehen sollte.
Warum?
Brad Pitt und Marion Cotillage machen hier einen derart feinfühligen Sprachwettbewerb auf, der mit dieser extrem anmutigen Darstellungsweise von ihr beispielsweise eine abartige Gänsehaut erzeugt, wenn sie an vielen Stellen des Films elegant durchs Bild tanzt und sich in ihrer ruhigen, sensiblen Art und Weise nicht nur durch die Gegend, sondern auch den Plot bewegt.
Pitt reagiert darauf nicht weniger professionell und erhebt die Kunst des Krieges damit auf ein neues Niveau: Der Überraschungsmoment im Film ist nicht etwa der, den man als Zuschauer tatsächlich im Stillen erwarten würde, sondern erhebt sich auf völlig neue Ebenen, die sich einem erst dann erschließen, wenn man wirklich im Film sitzt und alles andere um sich rum langsam ausblendet.
Das Ganze gipfelt in einem Finale, bei dem ich in der OV-Vorstellung wahrhaftig Tränen in den Augen hatte. Die stille Verzweiflung, das erhebende Gefühl von Liebe und Geborgenheit, die Sehnsucht und inneren Wünsche wurden von Cotillard hier so dermaßen eindrücklich in die Kamera gesendet, dass der deutsche Zuschauer nur davon träumen kann, dieses Momentum in gleichem Ausmaß zu erleben.
Tatsächlich ist nämlich in der Synchronisierung jeglicher Charme dieser eleganten Darstellungsweise durch plumpes “Ablesen” verloren gegangen, was den Film zwar auf bildhafter Ebene großartig erscheinen lässt, mit dem stumpfen Dahinplappern der Dialoge dann aber eher zu einer ungewollt-komischen Vorstellung erscheinen lässt, die den tieferen Sinn dieses Dialogs völlig ins Abstruse verkehren.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nichtsdestotrotz sollte man sich aufmachen, denn Allied – Vertraute Fremde schafft auch hier wieder Raum für großartig erzähltes Kino und präsentiert eine wunderbare Geschichte mit herzergreifendem Ende.
Wer immer die Chance dazu hat, sollte sich nach den OV-Vorstellungen umsehen oder später in den VOD-Portalen nach eben jener suchen, denn nur hier kommt wirklich rüber, was Zemeckis uns in seiner Geschichte sagen wollte.

 
Nachspann
enthält Cast & Crew nach üblicher Manier, wartet aber nicht mit Bild- oder Videomaterial auf. Der Sturm zum Ausgang ist also gerechtfertigt.

Codename U.N.C.L.E.

Inspiriert durch eine Serie aus den Sechzigern… das lässt Menschen wie mich sofort in Nostalgie schwelgen, denn – auch wenn mein Jahrgang noch etwas jüngerer Natur ist – das Wissen, dass es die Jungs zu damaligen Zeiten echt drauf hatten, ist auch bis zu meiner Generation durchgedrungen. Hoffentlich.
Codename U.N.C.L.E. merkt man auf jeden Fall seine durchtriebene Geschichtslastigkeit an, mit der locker flapsig durch die Zeit geführt wird. Das Zusammenspiel der beiden Agenten lässt in mir den tiefen, sehnlichen Wunsch aufkeimen, dass daraus eine große Filmreihe wird, an der wir uns auch noch nach zehn Jahren erfreuen dürfen. Hier wird – und das ist spannend – mal mit dem ersten Teil eine Introduktion geführt, die etwas höchst potenzielles in den Raum wirft und vorstellt. Dass mal nicht gleich das volle Pulver im ersten Teil verschossen wird, sondern quasi das Prequel der Startschuss ist, hat es glaube ich in der Filmgeschichte so noch nicht gegeben.
Man kann und sollte hier auch keine Vergleiche ziehen. Die Anmut und humoristische Eleganz, mit der die Schauspieler jeder für sein Land in die Presche springen und ihren Teil der Abmachung einzuhalten versuchen, ruft beim Zuschauer das reinste Vergnügungsgefühl auf den Plan. Der vielgezogene Vergleich “James Bond meets Oceans Eleven” hinkt meiner Meinung ein bisschen, denn beide Parteien sind für sich jeweils eine völlig andere Welt, die mit dem hier beschriebenen Titel gar nichts gemein haben.
Und darin liegt auch das Alleinstellungspotenzial: Man kupfert mal wieder nicht ab, sondern besinnt sich auf eigene Ideen, die eine so liebenswürdige Echtheit generieren, die den Film auf jeden Fall sehenswert macht. Das hier ist einfach nicht Bond und man möchte es auch nicht sein. Und das ist gut so.
Somit bleibt ein Machwerk, das vor neuer Energie und kreativem Schöpfungsgeist nur so blüht und eine geniale Frische ins Land der ausgereizten Ideen bringt, mit der nicht nur neue Meeresluft aufkreuzen, sondern hohe Wellen geschlagen werden können.
Hoffen wir, dass die Macher den Wink verstehen und das Publikum diesmal nicht so blöd ist und dem Werk nicht die nötige Aufmerksamkeit schenkt, so dass wir alle die Flut an geilem Kino noch zu Lebzeiten erleben dürfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Da es sich hier um den Auftakt einer Serie handelt, die man großartig ins Kino portiert, sollte man sich selbst den Gefallen tun und später behaupten können, man sei von Anfang an dabei gewesen.
Bond-Liebhaber wissen um das Gefühl, wie es ist, mit einer Filmreihe groß zu werden und genau das könnte hier auch der Fall sein: Der Startschuss einer genialen Serie in Kinofilm-Format ist gefallen und man erobert die Leinwand und legt einen fulminanten Auftakt mit einer unterhaltsamen, witzigen, spritzig-frischen Komödie auf den Tisch, an der sich einfach jeder Cineast bedienen sollte.
Also Augen auf im Straßenverkehr, Karre abstellen, .kinoticket lösen und dann vergnügliche 116 Minuten abschalten und den Alltag vergessen. Es lohnt sich!

 
Nachspann
zeigt anfangs noch Bilder im authentischen Stil, beim Switch auf den schwarzen Lauftext darf man dann wieder in diese Realität rennen.

Poltergeist (3D)

Poltergeist war der Film, auf den ich diese Woche eigentlich viele Karten gesetzt hatte. Alles andere, was läuft oder angelaufen ist, kannte ich bereits aus diversen Vorschau- und Eventveranstaltungen, denen ich in der Vergangenheit bereits beiwohnen durfte.
Zum einen war ich gespannt darauf, wie sich 3D auf einen Geisterfilm auswirken würde, zum anderen erhoffte ich mir wieder mal ein wenig Grusel.
Genährt von diversen älteren guten Filmen auf Blu-ray ging ich also mit ein paar Erwartungen in den Saal und bemerkte gleich, dass die hier nicht befriedigt werden sollten.
Die Voraussetzungen für den Film waren genauso, wie beispielsweise bei Dark Skies oder The Purge, bei denen ich auch keinerlei Vorkenntnisse mitbrachte und die mich daher völlig unvoreingenommen überraschen durften. Genauso wenig kenne ich das Original aus dem Jahre 1982, dessen Remake dieser Film wohl darstellen soll.
Was man hier geboten bekommt, ist einer dieser typisch-doofen Möchtegerngruselfilme, die sich jedweder Logik entbehren und sich daher schwer damit tun, ernst genommen zu werden. Ein Kind erlebt die schrecklichsten Dinge in seinem Zimmer und findet bei seinen Eltern kein Gehör? Die merkwürdigsten Sachen passieren und den Eltern ist das völlig schnuppe? Irgendwie fehlte mir hier jeglicher Realitätsbezug, der wiederum den Motor für das Grauen im Kopf darstellt, die solche Filme auslösen wollen.
Das 3D ist an manchen Stellen sehr angenehm, an anderen vergleichbar mit Age of Ultron. Und so richtig Spaß macht der Film auch erst fast ganz am Schluss, als dann endlich ein wenig Action aufkommt und sich die vorhersehbare Langeweile stückweise zurückzieht. Aber da ist das Schauspiel dann auch gleich wieder vorbei und man geht eher genervt wieder aus dem Saal hinaus.
Hinter mir im Kino saß ein alter RTL II Rocker mit seiner jüngeren Tochter, die den ganzen Film über typische Hartz-IV Kommentare abgaben, was jetzt wohl gleich passieren wird und wie dumm sich die Protagonisten wieder benehmen und dass das ja wohl nur ins Auge gehen kann. Irgendwo hatten die beiden leider recht.
Von Schauer und Schock ganz weit entfernt. Da sind selbst B-Movies wie The Pyramid noch furchteinflößender. Nochmal antun würde ich mir den Film auf keinen Fall.
 

.kinoticket-Empfehlung: Selbst als Füllfilm zwischen zwei anderen Vorstellungen grenzwertig. Ich war wirklich bitter enttäuscht. Weder Grusel noch Horror noch irgendwelche großartigen Überraschungsmomente tauchen auf und sorgen für Spannung und Spaß.
Gute Unterhaltung, die Gänsehaut auf den Rücken projiziert, sieht wirklich anders aus. Daumen runter.

 
Nachspann
Wer den Film überlebt hat, darf den Nachspann auch noch mitnehmen.

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