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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Jack Huston

Ihre beste Stunde – Drehbuch einer Heldin

Schaut man sich das Plakat zum Film an, ist bereits alles gesagt, nicht wahr?
Die Presse und Kritiker überschlagen sich auf jeden Fall mit Lob und überall ist der Film in aller Munde. Kein Wunder, denn nicht umsonst wurde er mit dem Prädikat “besonders wertvoll” ausgezeichnet. Die Macher projizieren nicht nur den Schöpfungsprozess eines Films und geben Einblicke hinter die Kulissen des Schaffens zu eben jener Zeit, sondern proklamieren auch gleich noch ganz andere Dinge, die längst gesagt werden mussten.
Damit eroberte man sich die Herzen der Fans im Sturm und legte einen sensationellen Abschluss des diesjährigen Münchner Filmfests hin. Stargast Bill Nighy war vor Ort und signierte, was das Zeug hielt.
Inhaltlich hat man es meiner Meinung nach ganz nach oben geschafft, da hier nicht nur die kürzlich anvisierte Gleichberechtigung einen ganz neuen Stellenwert erhält, sondern man auch gleich noch tief ins politische Potpourri greift, um eben nicht nur eine Geschichte zu erzählen, sondern gleich mehrere Dinge aufzudecken, an denen sich bis heute immer noch nicht viel geändert hat.
Wer anderer Meinung ist, dem empfehle ich gerne, mal einen Blick auf http://www.fernsehkritik.tv zu werfen und dort die ein oder andere Sendung zu konsumieren.
Diese Problematik beschäftigt Lone Scherfig aktuell im Kino mit ihren Zuschauern, die daraus auch gleich ein hervorragendes Resume zieht und den Probanden auf dem Kinosessel vorlegt.
Warum ich mich bislang so zurückgehalten habe, darüber zu schreiben? Weil jeder es tut und man den Film sowieso gesehen haben sollte… und ich in meiner Naivität mal davon ausgehe, dass ihr das bereits längst erledigt habt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht umsonst wurde er mit dem Prädikat “besonders wertvoll” ausgezeichnet.
Ein Film, den man auf jeden Fall gesehen haben sollte – ganz gleich, welche Ausreden einem einfallen, dies nicht zu tun.
Hier stimmt nicht nur die Bildgebung, Länge und Intention, sondern auch der Inhalt und alles drum herum. Ein Meilenstein in der Geschichte des britischen Films.

 
Nachspann
kommt keiner, man braucht also nicht unbedingt bis zum Schluss hocken bleiben.
Kinostart: 6. Juli 2017

Ben Hur (3D)

Einfallslosigkeit ist so eine Sache, die man in Hollywood öfters erlebt. Statt Unterhaltungslücken mit kreativen Ideen zu spicken, nimmt man Althergebrachtes und mischt es neu auf, um es als Revival in die Kinos zu verkaufen.
Der Plan geht auf. Meistens. Finanziell zumindest sichert man sich damit die College-Jahre seiner Kinder. Und der Zuschauer bezahlt mit Langeweile und Enttäuschung.
Es darf also jeder selbst darüber urteilen, wenn man nun beginnt, alte Geschichten in neuem Karton wieder auf die Leinwand zu bröseln, um damit auch die allerletzte Klientel abzugreifen, denen man nicht die durchaus brillante erste Verfilmung vorsetzen kann => zu alt.
Doch allein das als Begründung herzunehmen, um den Stoff jetzt neu zu verfilmen, empfinde ich persönlich als etwas zu unspektakulär, um zu rechtfertigen, dass man sich jetzt mit neumodischen Alternativen an meisterlichen Klassikern vergreift.
Sei’s drum. Das Remake ist da und wir alle müssen damit leben.
Womit ich etwas Probleme habe (scheinbar nicht nur hier, sondern z.B. auch in dem absoluten Wunderkracher Auferstanden), ist die pikant-poppige Art des Dress’, mit dem man die Schauspieler einkleidet und somit nicht nur modetechnisch, sondern auch in punkto Sprache und Verbalgewalt einen gewaltigen Rückzieher macht, um ja nicht zu tief in das Becken möglicher Konsequenzen einzutauchen, sondern immer brav an der Oberfläche zu bleiben, wo alles klar ist und einem nichts nachgesagt werden kann. Risikofaktor? Null.
Das Problem hatte man in Hail, Caesar! auch bereits, es dort dann aber durch brillante Dialoge und einer überirdisch guten Eigenironie wieder wettgemacht, die das – ich möchte sagen – “Zurückgebliebene” der Dialogfindung wieder ausgebügelt hat.
Und genau diese Epos-Größe vermisse ich beim Remake von Ben Hur ganz mächtig. Hier bleibt nichts mehr von dem Glanz, der Glorie, dem echten, unübersehbaren Grund, weshalb das ein Blockbuster mit Alljahresgarantie geworden ist, übrig, sondern man schwimmt in seichten Gewässern, in das per se schon kein Hai kommen kann, um mal richtig Unfrieden zu stiften.
Und sorry, dafür ist mir der Name einfach zu heilig, als dass man ihn mit einem “billigen B-Movie” abspeisen könnte. Dieses Gefühl trägt zumindest durch die ersten 50 Minuten, bis man ein wenig auf Touren kommt und dann anfängt, tatsächlich Geschichten zu erzählen, die einer großen Leinwand würdig sind.
Dass auch hier wieder ein klein wenig Authentizität fehlt und man durchaus etwas mehr in den Dreck hätte greifen können, um es lebendig zu machen und nicht nur zu spielen, sei dahingestellt. Problematisch sehe ich eher, dass das Klischee von Ben Hur – nämlich Wagenrennen – so dermaßen in die Köpfe verpflanzt zu sein scheint, dass sich die Macher wohl gedacht haben: “Okay, das nehmen wir und machen daraus etwas ganz großes!”
Und eines morgens fiel einem von denen auf: “Ach fuck, da muss ja auch noch ein Film drumrum, äh… wie war das denn gleich nochmal … warte mal dvd such” – so ungefähr kann ich es mir vorstellen und so kommt es für mich – auch nach zweimaligem Sichten rüber.
Die Wagenrennen sind durchaus akzeptabel und bringen auch Speed in die Runde, der Film läuft und die Sequenzen tragen sich von selbst. Das Drumherum ist allerdings furchtbar und entbehrt jeglicher seelenergreifender Manie, die dem Zuschauer das Fünkchen mehr mit auf den Weg nach Hause gibt, wofür Kino eigentlich da sein könnte.
Dass man in diesem Punkt darauf verzichtet und sich für eine derart an die Popkultur angelehnte Vorgehensweise entscheidet, die nichts mehr mit epischer Größe, sondern vielmehr mit durchexerzierten Dialogen und höchstenfalls noch könnerischen Leistungen in punkto Kostümen zu tun hat, ist für mich ein herber Schlag gewesen, den ich gerade dieser Geschichte keineswegs gewünscht hätte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich darauf freut, wie eine Brezel und meint, jetzt hier das Schlachtepos mit Tiefenwirkung schlechthin zu kriegen, der könnte evtl. enttäuscht werden.
Dafür waren mir die Dialoge zu seicht, die römische Kultur zu platt, die Geschichte zu steril abgebildet und mit insgesamt zu wenig Seele bestückt.
Klar hat der Film seine epischen Momente, die allein aber die Gesamtstory nicht tragen und daher kein vollkommenes Ganzes bilden, auf dessen Basis man erneut einen Alltime-Klassiker hätte entstehen lassen können.
Wieder wurde also einmal bewiesen: Man kann immer nur 1x Original, alle Kopien davon erzählen vielleicht das gleiche, begeistern aber niemals in der Art wie das echte Original.
Von dem her: Entscheidet selbst – am besten mit dem Kauf eines .kinotickets, denn dann haben wir alle Stoff zum diskutieren.

 
Nachspann
darf man sich schenken, auch wenn hier dann das 3D richtig ausgespielt wird, was im Film selbst nicht ganz so der große Star ist.

Stolz und Vorurteil & Zombies

Der Titel an sich ist ja bereits eine wunderbare Persiflage über die allseits aufkommenden Zombiefilme, die gerade ein Revival feiern, dass derartig überhand nimmt, dass man es bald nicht mehr sehen kann.
Dass nun überall einfach noch Zombies dazu kommen, gepaart mit dem Original Stolz und Vorurteil macht hier im Saal mal richtig Laune auf hohem Niveau. Das wunderbare Arrangement zwischen Romantik und Töten wurde hier so gekonnt ineinander verflochten, dass die Balance auf beiden Seiten immer gewahrt bleibt und keiner von beiden Interessenten zu jedweder Sekunde im Film enttäuscht von dannen ziehen muss: Sowohl Damen als auch Herren haben hier einen höllischen Spaß und können das Werk abfeiern, ohne dabei argwöhnisch die Augen zu verdrehen, wenn man mit Freundin wieder einer ihrer Schnulzen schauen respektive mit ihm wieder einer seiner brutalen Blutfilme durchleiden muss.
Wie die Herrschaften es gepackt haben, derart unterschiedliche Genres in ein einziges zu verwandeln und dann auch noch eine so gute Geschichte darum zu basteln, dass das Patchwork-Filmwerk als Alleinstellungsmerkmal dastehen lässt, ist mir bis heute ein Rätsel. Tatsache ist: Dieses unglaubliche Experiment funktioniert – und zwar erstaunlich gut. Es macht Spaß, den Helden bei ihrer Arbeit zuzusehen und in der Traumwelt der Romantik einzutauchen, während rund um einen rum einfach alles einstürzt.
Selten habe ich bei einer so ernsten Angelegenheit so viel Spaß im Kino erlebt und erst recht nicht nach dem Abspann so über das Nachfolgende so laut gelacht, wie hier: Wer sich mal etwas völlig Abwegiges anschauen möchte, einen einigermaßen harten Magen hat und im allerbesten Fall noch das Original kennt, der kommt hier richtig auf seine Kosten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Titel holt hier beide schon von ihren Plätzen ab: Leute, die Romantik mögen und Menschen, die solche Filme überhaupt nicht abkönnen.
Das Kunstwerk zu vollziehen, hier beide Klientel friedliebend im Kino nebeneinander vergnügt zu sehen, ist den Machern hier ausgesprochen gut gelungen. Hoffen wir, dass die restlichen Bücher dieser Reihe auch noch verfilmt werden, denn auf diesen Klamauk hätte ich ehrlich riesig Bock.

 
Nachspann
Sitzen bleiben … geiler kann ein Film kaum enden 😉

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