.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: J. K. Simmons

Wer ist Daddy?

Was mir zuerst in den Sinn kommt, wenn ich Ed Helms auf der Leinwand sehe, ist Hangover. Und tatsächlich hatte Regie-Debütant Lawrence Sher auch in allen drei Teilen seine Finger mit im Spiel, was die vielverzweigten Anspielungen und Elemente, die man gut und gerne auch in diesen Filmen eingebaut sehen könnte, bei Wer ist Daddy? erklärt.
Aufgebaut auf einen recht ungewöhnlichen Road-Trip erobert man mit jeder Menge Slapstick-Einlagen und urkomischen Momenten des Zuschauers Herz und setzt dabei komplett auf familiäre Elemente, die in einem für diesen Film untypischen Finale münden, was ich auch gleichzeitig als kleinen Kritikpunkt anbringen will.
Natürlich sitzt man im Kino, beschaut sich das Prozedere und ist von vielen liebevollen Gags und spinniger Liebenswürdigkeit umgeben und denkt sich, dass das zwingend so enden muss, andererseits könnte man genau dieses Finale aber auch als Versuch werten, hier wieder mehr sein zu wollen, als man ist und damit eben etwas mehr Publikum abgreifen zu können, was ich – in wirtschaftlichen Interessen begründet – niemals für gut heiße.
Das ändert jedoch nichts daran, dass man während des Films – insbesondere zu Beginn – unglaublich viele tragende, spaßige und vorantreibende Momente erlebt, die für viel Kurzweil und gute Unterhaltung sorgen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Egal, ob mit Freundin oder Familie, allein oder mit Kumpels – dieser Film eignet sich hervorragend, um einen gemütlichen und lustigen Kinoabend zu genießen.
Das Ende fordert einem ein klein wenig was ab, aber davon sollte man sich nicht beirren lassen – als Gesamterlebnis bleibt ein durchweg positiver Eindruck zurück, den man gerne mit nach Hause nimmt. Also auf geht’s und rein da!

 
Nachspann
ist anfangs gesäumt von tollen Aufnahmen und erliegt dann dem schwarzen Stream, man darf also gerne wieder nach draußen.
Kinostart: 15. Februar 2018

Justice League

Nun ist also DC am Zug und versucht sich erneut mit Marvel im Kräftemessen der Superhelden. Und leider – so muss man sagen – werden diese beiden Allzeit-Konkurrenten gerne und oft miteinander verglichen, obwohl man da viele wichtige Aspekte außen vor lässt, die aber meiner Meinung nach von extremer Bedeutung sind.
Ich habe im Thor – Tag der Entscheidung-Beitrag ja schon mal eine Auflistung aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) gemacht, das für viele andere Studios wohl ein enormer Ansporn dazu war, selbst ein eigenes Universum starten zu wollen.
Im Fall von Die Mumie, der der legendäre Auftakt des Dark Universe von Universal sein sollte, ging der Plan ja gehörig in die Hose und wurde beendet, ehe er richtig angefangen hat.
Bei DC hat’s besser geklappt, jedoch sollte man die Anzahl (und damit Erfahrung, finanzielle Mittel, Bekanntheitsgrad und was da noch so alles mit reinspielt) auch nicht vergessen: Wo man bei Marvel jetzt bereits bei 17 Veröffentlichungen ist, die teilweise die Weltrangliste anführen, hat DC im eigenen Filmuniversum gerade einmal vier Veröffentlichungen und geht jetzt mit Justice League zu Film Nr. 5 über. Wenn man also unbedingt Vergleiche anstellen will, sollte man diese dann auch aus der Zeit herausgreifen, in der Marvel an diesem Punkt war.
Dass DC hier ein wenig den Einstieg verschlafen hat und jetzt quasi Torschlusspanik bekommt, hat mit der Wertung der Filme an sich ja nichts zu tun, sondern sorgt einfach nur für übereilte Schlüsse und damit für Schusseligkeitsfehler. Und genau das wird Justice League eingangs auch etwas zum Verhängnis. Die leicht gequälte Einführung der verschiedenen Charaktere, die man möglichst schnell zusammenbringen will, um zeitgleich bei Avengers: Infinity War dann auch eine Truppe aufgestellt zu haben, der dann alles fehlen wird, was Marvel zum Erfolg verholfen hat: Die Zeit, sich zu entwickeln, funktionierende Einzelhelden-Filme, mit denen die Kids, Jugendlichen und Erwachsenen mitwachsen konnten und somit genügend Zeit war, um sich ausreichend damit zu befassen.
Dazu kommt, dass die beiden Comic-Verlage völlig unterschiedliche Helden haben, die eigentlich gar nicht zueinander passen. Und da hat Marvel klare Coolness-Vorzüge, denn welches Kind gibt in der Schule schon stolz zu bekennen: “Ich bin Aquaman … Yeah!”?
Da ist Iron Man oder Captain America doch viel cooler.
Und das spürt man am ganzen Universum: Bei Marvel und den Avengers nimmt sich keiner ernst. Man lacht, man zieht übereinander her und ist einfach völlig beflügelt von der eigenen Unbeschwertheit. Es gibt keine wirklich düsteren Bösewichte, sondern alles ist so kidslike, dass da überhaupt keine Angst aufkreuzen kann. FSK 12 ist in fast allen Fällen schon ohne Sichtung auspreisbar.
Und DC geht da in ganz andere Richtungen: Weniger Humor, dafür vergleichsweise mehr an Düsternis, Boshaftigkeit und Ernsthaftigkeit, was gegenüber Marvel wohl als Schwäche gewertet werden könnte, ich jedoch alleinstehend nicht als Schwäche ansehe, sondern sie sind einfach etwas anderes. Und täten gut daran, ihr eigenes Selbstwertgefühl nicht mehr an anderen Studios zu messen, sondern für sich zu arbeiten und einfach ehrenwert ihr Ding durchzuziehen, so wie man es mit Wonder Woman exzellent vorgemacht hat. Weniger Vorgaben vom Studio, die Regisseure machen lassen und dafür authentische und ein Zielpublikum befriedigende Ergebnisse schaffen, die am Ende auch für Erfolg sorgen.
Und da war meines Erachtens nach der ernsthafte Einstieg erst beim vorletzten Film zu finden: Wonder Woman, den gleichzeitig noch eine Frau fest in der Hand hatte, was vielleicht gar keine schlechte Entscheidung war, denn Wonder Woman ist immer noch die Hoffnungsträgerin überhaupt, wenn man sich im ganzen Universum umsieht.
Zack Snyder hat hier wieder viel zu viel Beschneidungswahnsinn gehabt, denn die Figuren sind lange nicht so ausgeprägt und mit liebevollen Details versehen, sondern eher funktionell denn begeisternd.
Wenn man sich jetzt zum Beispiel Batman anschaut, dann menschelt es hier zwar unfassbar viel im Vergleich zu seinen bisherigen Filmen, aber dafür bezahlt man mit der noch anbetungswürdigen düsteren Schnittigkeit, die uns Christopher Nolan seinerzeit in seinen Glanzstücken vor Augen geführt hat.
Warum also nimmt man sich nicht einfach unabhängig von allem anderen die Zeit und führt einen Charakter nach dem anderen in Ruhe ein, gibt der Welt Material dazu, gibt ihnen eine Geschichte und lässt daraus ganz von selbst etwas großartiges erwachsen, bevor man sie alle zusammenwirft und dann hauruck etwas aus dem Ärmel schütteln muss, dass unter Termindruck längst nicht so gut wird?
Genau hier sehe ich Defizite, die Marvel in seinen Anfangszeiten auch hatte. Siehe Der unglaubliche Hulk. Siehe Thor: Das dunkle Königreich – beides Filme, die auch nicht unbedingt vor Erfolg strotzen, aber einfach da sind und Teilstücke eines Ganzen liefern, dass dann im Folgeschluss auch richtig eingebettet werden kann – siehe Dauerflop Hulk.
Und gerade diese Düsternis, die sich DC hier zu eigen gemacht hat, ist doch ein wunderbares Fundament, auf dem sich hervorragende Geschichten gestalten lassen, die ebenfalls ein wenig mit Humor versehen werden können, um nicht vollends in die Depression abzurutschen. Da sieht man bei Justice League schon herausragende Ansätze, die mich sagen lassen, dass man das Niveau von Wonder Woman durchaus halten konnte und zeigt, in was für eine Richtung man jetzt gehen will.
Und die macht mir tatsächlich sehr viel Lust auf mehr. Ich würde sagen: Gebt DC einfach noch die Zeit, fünf, vielleicht acht weitere Filme zu drehen und diese Richtung, die man jetzt eingeschlagen hat, konsequent und steigernd beizubehalten und dann haben wir in ein paar Jahren tatsächlich ein ordentliches Battle zwischen beiden Verlagen, was wiederum zur Freude der Zuschauer auf dessen Kosten ausgetragen wird, denn damit gewinnt jeder: Die Produzenten ihr Geld, die Darsteller ihren Ruhm und die Cineasten hervorragende Unterhaltung, die mit allen technischen Hilfsmitteln die Welt tatsächlich aus den Fugen heben und es richtig krachen lassen kann.
Diesbezüglich war man jetzt noch ein klein wenig schwach auf der Brust, was sich in meinen Augen immer wieder aus dem Versuch heraus manifestiert, dass man sich als Ziel gesetzt hat, den großen Bruder zu übertrumpfen, statt einfach sein eigenes Ding zu machen und darin erfolgreich zu werden, ohne sich dabei unüberwindbaren Zielen zu unterwerfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: DC zeigt mit Justice League ganz klare Richtungen, in die man sich in Zukunft entwickeln will – und die Vorschau darauf macht unfassbar viel Lust auf mehr.
Die Ausgeprägtheit der Charaktere ist unvergleichbar in diesem Stadium, da wir in diesem Universum noch viel zu früh dran sind, um irgendetwas tiefgründigeres über jemanden sagen zu können, weil schlichtweg noch nicht genug Zeit dafür war, um die Figuren wachsen zu lassen.
Der erste richtige Schritt – Wonder Woman – hat gezeigt, dass man Dinge verstanden hat, Justice Leage geht hier den Weg konsequent weiter und liefert nach kurzen Anlaufschwierigkeiten dann recht vergnügliche Unterhaltung, aus denen die Wunderfrau wieder und wieder als Spitzengewinnerin hervorgeht.

 
Nachspann
Sollte man inzwischen auch hier immer abwarten, denn die wichtigsten Szenen kommen – wie immer – ganz am Ende. Knallhartes Durchhalten ist angesagt!
Kinostart: 16. November 2017

Schneemann

Der .trailer sorgte im Vorfeld ja schon bei einigen für Furore und kündigte sich als bildgewaltiges Horrorspektakel an, was in Verbindung mit dem immer genannten Michael Fassbender bei vielen für hohe Erwartungen gesorgt hat.
Um eins vorweg zu nehmen: Die werden nicht erfüllt.
Allen, bei denen jetzt der Gute-Laune-Zeiger mit Hochgeschwindigkeit zu Boden sinkt, sei gesagt: Ganz so schlimm ist es nicht. Das Problem am Film ist meines Erachtens einfach das Drehbuch.
Im großen Ganzen lässt sich nämlich sagen: Der Rest ist wirklich gut, nur der Plot krankt an allen Ecken und Enden, wo immer man ihn kranken lassen kann. Es wirkt fast, als hätten die Macher in diesem Punkt einfach keinen Bock gehabt und sich daher auf die billigste Standard-Variante aller Optionen eingelassen aus Mangel an Kreativität oder unzulänglicher Einflussnahme.
Klar, Buchverfilmung hin oder her, Vorgaben … blabla … im Endeffekt kann man sich mit dem “basierend auf …” auch davon lösen und einfach den besseren beider Filme gestalten, was hier aber nicht getan wurde.
Dies sagt keineswegs etwas über das Schauspiel von Fassbender oder seiner Kollegen aus, noch über die Kulisse und die Optik des Films, die zusammen mit der Kameraführung und der restlichen Technik wirklich herausragend gut sind.
Wer also einfach einen der besten Schauspieler unseres Jahrzehnts wieder vor sich hin professionalisieren sehen will, sollte sich durchaus ein .kinoticket zulegen und die Show einfach genießen, auch wenn der große Showdown in Wirklichkeit gar keiner ist und die Auflösung nicht nur schwelend vor sich hin bruddelt, sondern irgendwie auch gar nicht da ist.
Das große “Häh”-Fragezeichen stand auf jeden Fall nicht nur den Presseleuten auf der Stirn, sondern auch bei vielen Sneakern, die den Film bereits vor Kinostart sichten durften und auch nur mäßig begeistert waren.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte entweder ganz ohne Erwartungen in den Film gehen oder sich dessen bewusst sein, dass hier nicht so pompös aufgetragen wird, wie man es im .trailer verspricht.
Dem Film fehlt einfach ein würdiges Ende. Zu sagen, er wäre ein guter TV-Krimi ist ungerecht, dafür ist er viel zu gut, ihn aber im Kino als den Erfolg anzupreisen, ist auch nicht ganz richtig, denn dafür krankt er zu sehr am Drehbuch und den Vorgaben darin.
Alles andere spielt sich auf hohem Niveau ab.

 
Nachspann
gibt’s keinen, man darf also raus gehen und darauf warten, dass es anfängt zu schneien.
Kinostart: 19. Oktober 2017

Boston

Genau wie auch schon bei Sully kommt hier wieder eine Verfilmung, die nicht durch trickreiche Plot-Twists brillieren kann, da die Geschichte bereits landesweit durch die Medien gegeistert ist und so ziemlich jeder aufmerksame Nachrichten-Verfolger durchaus weiß, zu welchem Ende diese Story führt.
Sofern schließt das von vornherein schon mal alle Politik- und Weltgeschehen-Interessierten aus, hier einen durchaus spannenden Film zu sehen, der eine unglaubliche Geschichte wiedergibt und verarbeitet. Da man sich seitens der Macher dieses Umstandes auch ganz und gar bewusst zu sein schien, hat man sich auch von vornherein gar nicht erst die Mühe gemacht, hier irgendwas zu verschleiern oder mit Überraschungsmomenten aufzutrumpfen, sondern erzählt relativ bodenständig und souverän den Hergang aus allen möglichen Blickwinkeln.
Dies baut eine mehr oder weniger gelungene Handlungsverzweigung auf, da die Schauspieler hier nicht durch übermäßiges Talent glänzen, sondern halt einfach ihr Ding machen und man sich auch nicht großartig Zeit dafür nimmt, die Charaktere mit emotionaler Verbundenheit aufzuladen, sondern die einzelnen Stränge mehr oder weniger abfrühstückt.
Insgesamt hat sich mir der Anfang des Films als viel zu langwierig, wenig patriotisch und langatmig präsentiert, so dass ich glaube, dass durchaus das Gros der jugendlichen Kinozuschauer hier ihre Schwierigkeiten mit dem Film haben könnten.
Gegen Ende des Films wird es dann tatsächlich etwas besser. Es kommt mehr Drive in die Sache, die Erzählgeschwindigkeit wird durch mehr Actionmomente angehoben und die Anforderungen, die man aus den Szenen, die im Trailer angeteasert wurden, erwartet, werden zumindest entschädigt.
Dass man am Ende sehr gefühlvoll seine Respektsbekundung äußert, hier aber auch kein heroisches Denkmal menschlicher Interaktion aufträgt, lässt Zweifel am Originaltitel aufkommen (Patriot’s Day).
Dennoch war Wahlberg besser in seiner Rolle als der Trailer vermuten ließ und machte im Film durchaus seine Sache vorbildlich. Allerdings sehe ich auch viel Enttäuschung auf Seiten der Kundschaft, denn im Kino erwartet man irgendwo Spektakuläres, Spannung, Interessantes und irgendwo auch Schnelligkeit, die in einer Zeit, wo man nicht mit dem ersten Moment an sofort Aufmerksamkeit erzeugen kann, weil man anschließend über die Facebook-Timeline weggewischt wurde, geradezu überlebenswichtig für den Film ist.
Das Publikum sehe ich hier also eher in denen, die bei den Geschehnissen live dabei waren, evtl. sogar persönlich betroffen sind oder einfach die Zeit mit anderen gemeinsam neu aufarbeiten möchten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte entweder völlig unvoreingenommen an die Sache rangehen und hier auch absolut keine Ahnung von den Geschehnissen aus dem Jahr 2013 haben, um im Kino dann eine überraschende Story geliefert zu kriegen.
Ansonsten bekommen man hier die aufgearbeitete Version der Vorfälle am 15. April geliefert, die die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln darstellt und hier nicht mit sonderlich packender Erzählweise vermittelt wird.
Der Anfang ist zäh, gegen Ende wird es besser – Wahlberg ist insgesamt klasse, jedoch fehlt mir persönlich einfach das gewisse Etwas, um diesen Film tatsächlich großartig sein zu lassen.

 
Nachspann
kommt nichts mehr. Rausgehen erlaubt.

La La Land

Es ist wieder kurz vor Februar. Die Zeit, in der sich Hollywood selbst huldigt, wird eingeleitet – wir alle stehen kurz vor den 89. Academy Awards und schon im Vorfeld dessen hat La La Land Rekorde gebrochen: 14 Nominierungen, u.a. in den besten Kategorien.

Das haben bisher nur zwei Filme überhaupt geschafft. Einer davon war Titanic. Auch bei den Golden Globes hat dieser Film schon rühmlich abgegriffen und wenn man die einschlägigen Magazine und Presseberichte aufschlägt, wüstet einem ausschließlich Positives entgegen: Man überschlägt sich mit Lob, huldigt diesem Streifen in allerbesten Tönen und lässt die Zuschauerschaft glauben, dass man da unbedingt rein rennen muss.

Rein gehen auch welche. Vorwiegend diejenigen mit grauen Haaren.
Und soll ich euch was sagen, Leute?

Wenn schon im Vorfeld eines Films so viel Hype geschoben wird, dann bin ich erst recht skeptisch. Mir haben sogar direkt Presseleute zugetragen, dass sie aufgrund des Trailers nicht reingegangen wären, und nachdem sie den Film in der Pressevorführung gesehen haben, unbedingt nochmal rein wollen.

Das schreit geradezu nach Skepsis. Dementsprechend arglistig waren meine Erwartungen, als ich in den Saal rein bin und die Vorstellung vor mir hatte.
Tja.

La La Land … huldigt den Kinoanfängen und erweckt den Broadway zum Leben. Hier wird nicht nur viel besser als bei Disney zum Träumen aufgerufen, sondern eine Show geliefert, bei der die Tränen ehrlich gesagt nur so fließen.

Ich saß noch nie in einem Titel und hab tatsächlich so derb mit den Flüssigkeiten in der Fresse kämpfen müssen, nicht mal bei Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Und das soll was heißen.

Die pure Liebe, die man hier in Dramaturgie, Filmkunst, Musik, Bewegung, Farben, Design, Zeitalter und alles andere gelegt hat, reißt einen nicht nur vom Stuhl, sondern schleudert einen permanent seelisch durchs Kino und lässt einen immer wieder positiv auflaufen.

Nicht nur der Plot, sondern die ganze Musik, die Show, das Entertainment in seiner höchsten Ehre würdigt hier die Anfänge und eine Zeit, in der Kino noch etwas besonderes war. Dagegen stinkt sogar Hail, Caesar! erbärmlich ab. Und diesen Film hab ich für genau diese Tatsache absolut gemocht!

Ich hab kaum noch was gesehen, als es gegen Ende des Films zuging und der Abspann lief. Mein erster Gedanke war: Oh Gott, nein, warum jetzt schon? Warum ist das schon vorbei?

Wenn die Academy Awards auch so auffahren, na dann haltet euch mächtig fest. Denn der Film passt nicht nur wieder mal extrem in diese Zeit, sondern schlägt als waschechte Arthaus-Publikation auch tatsächlich mal wieder Messlatten in die Öffentlichkeit, die zukünftige Filme nun im nächsten Jahr vergeblich zu erklimmen versuchen werden. Das Niveau – der Stil – die Eleganz – der Anmut – die Liebe – die pure Kunst … das ist alles nicht wirklich zu toppen.

Und wisst ihr was? Den Oscar® für den besten Film aller Zeiten hat sich La La Land in meinen Augen schon jetzt verdient!

.kinoticket-Empfehlung: Es ist ein Arthaus.

Und jetzt geht gefälligst da rein, aber zackig! 14 Nominierungen bei den Oscars®, davon in der Kategorie “Bester Film” und das zu recht! Muss ich mehr sagen?

Rein!! Bevor ihr euch während der Verleihung spoilern lassen müsst.
Und auch ohne dass ihr sie schaut – der Film ist die absolute Pflicht!

Nachspann
❌ Als jemand, der den Film würdigt, bleibt man sowieso beim Abspann sitzen. Bei mir ist mal niemand aufgestanden und frühzeitig raus, auch wenn keine Bilder mehr kommen.

P.S.
* Bester Film
* Beste Regie
* Bester Hauptdarsteller
* Beste Hauptdarstellerin
* Bestes Originaldrehbuch
* Bester Song (2x)
* Beste Filmmusik
* Beste Kamera
* Bestes Szenenbild
* Bestes Kostümdesign
* Bester Ton
* Bester Schnitt
* Bester Tonschnitt

Dazu hat er in der Filmpreissaison 2016/17 bereits über 120 Preise abgegriffen und ist für weitere 180 nominiert. Bei den Golden Globes hat er erstmalig in der Geschichte überhaupt in allen 7 Kategorien Preise abgegriffen und somit einen Weltrekord aufgestellt.
(Quelle: Wikipedia)

Noch Fragen?

Kinostart: 12. Januar 2017

Original Title: La La Land
Length: 128 Min.
Rated: FSK 0

The Accountant

Ben Affleck galt in Hollywood schon immer als der kleine Außenseiter, den man mal im Daredevil-Flop gesehen hat, der sich dann mit Argo das Vertrauen zurückregisseurt hat und schlussendlich als Batman eine wahnsinnig gute Figur abgibt.
Die düsteren Rollen abseits des Kitschfigurromans stehen ihm ausgesprochen gut. Das beweist auch The Accountant, dessen Trailer durchaus einen teils merkwürdigen Geschmack hinterließ, zumal hier nicht irgendwelche Plattitüden aufs Tablett kommen und man sich als Angefixter durchaus die Frage stellt, ob dieser Streifen wirklich lohnenswert ist oder man ihn geflissentlich übergehen kann.
Man kann nicht. Man sollte nicht. Zumindest Menschen, denen film noir Spaß macht und die sich an ausgeklügelten Plots ergötzen wollen, finden hier nicht nur eine Fundgrube außerordentlicher Arbeit, sondern bekommen zudem reichlich Vergnügen, eine gute Portion schwarzen Humor und eine verzweigte Story, die mehr wie unterhält.
Die Themen des Hauptdarsteller reißen zudem auch noch ein viel größeres Band an ernstzunehmenden Situationen an, was hier nicht nur entertainend wirkt, sondern gleichwohl für viele Unwissende eine Lehre sein kann, die dazu im Stande sind, über die arglistigen, bitterbösen Kommentare hinwegzusehen und zwischen den Zeilen die Ernsthaftigkeit dieser Situationen zu begreifen.
Man möchte fast meinen, dass hier auf martialische Art eine Form von Lehrbuch dafür geschaffen wurde, was natürlich absolut nichts von der Bühne der Unterhaltung abschöpft und Nicht-Interessierten den Film in irgendeiner Weise nicht mehr schmackhaft machen würde.
Die beeindruckende Schwere lastet auch nach dem Abspann noch schwer auf einem und man hat durchaus Stoff, um die Verarbeitungsmaschinerie noch eine Weile zu beschäftigen. Der galant-kunstvolle Kinoabend dürfte nach diesem Film aber definitiv als gelungen markiert sein.
 
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte sich schleunigst auf den Weg machen und zu denjenigen zählen, die den Vorteil eines düsteren Kinosaals ausgenutzt haben, denn nur hier kommt die Atmosphäre so richtig extrem zur Geltung.
Die Bewertungen der Presse dürften anderenorts vielleicht sogar schon negativer ausfallen, denn die Brachialgewalt, mit der man hier an den Zuschauer ranpirscht, sucht seinesgleichen und benötigt die dafür geschaffene Umgebung.
Also rein ins Kino und hinterher mitdiskutieren können. Anspruch, Kurzweil, Unterhaltung und jede Menge Szenen zum Lachen sind garantiert.

 
Nachspann
nicht abwarten, hier kommt nichts spannendes mehr.

Mit besten Absichten

Schaut man sich dieses nervenzerreißende, triste Bild am Anfang des Films an, erwartet man unbewusst absolut nichts gutes. Wenn der Publisher dann auch noch Sony Pictures Classics heißt, zieht sich bei so manchem wahrscheinlich auch noch der Magen zusammen und es zuckt in den Gebeinen, um möglichst schnell aus dem Saal zu verschwinden.
Und genau dies sollte man tunlichst vermeiden, denn mit Mit besten Absichten hat Regisseurin Lorene Scafaria eine Arbeit abgeliefert, die sich nicht nur meisterlich aus den wirtschaftlichen Überbossen von Massenfilmen herauskristallisiert, sondern zudem nicht nur wahnsinnig herzergreifend, melodramatisch und emotional rüberkommt, sondern auch eine Geschichte erzählt, die mit fortlaufender Spielzeit immer berührender wird und schließlich in einem fulminanten Ende gipfelt, das aus einem spannenden Kinoabend etwas Unvergessliches werden lässt.
Herausragend ist nicht nur der Plot, der in Zeiten von überdimensionalem Wahnsinn sowieso schon etwas ganz besonderes darstellt, sondern auch die schauspielerischen Leistungen von Susan Sarandon, die in ihrer Klasse als unverwechselbar gilt und dem Film durch ihre eigene Persönlichkeit eine Note verleiht, die kein Computer mit noch so großer Rechenkraft ersetzen könnte.
Das Problem, dass in den großen Blockbustern die Schauspieler alle austauschbar sind und der eigentliche Star die Technik ist, die den Größenwahnsinn proklamiert und mal mehr schlecht als recht und dann wieder besser zu überzeugen weiß, birgt das Problem, dass Filme zur Massenware degradieren und man als Zuschauer keine echten Schauspieler mehr serviert bekommt, sondern allenfalls “Lückenfüller”, um die menschliche Komponente im Film auch noch zu beleben.
Früher war das anders – und das unterstreicht das “Classics” am Ende des Publisher-Namens dann auf höchst erfreuliche Weise, denn hier wird etwas abgestellt, das vor Seele und wahrem Leben nur so trieft.
Dass sich die Inhalte der Geschichte zudem auch noch tief in die eigene Seele vorbohren und dort einen vergnüglich-schmerzlichen Eindruck hinterlassen, ist die Kirsche auf der Sahnetorte, die man den Teilhabenden dieses Ensembles gerne gönnt.
Wer sich also ab morgen auf die neue Kinowoche vorbereitet, der sollte sich diesen Titel ganz genau ansehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Herrlich oldschool, aber nicht altbacken, sondern mit einer erfrischenden Prise Humor, Vergnüglichkeit, Seelenschmerz und auf der Suche nach der eigenen Identität in einer Welt, in der auf einmal alles anders ist als es bisher war.
Hier versteht jemand sein Handwerk und schenkt seinen Zuschauern ein Werk, dass vor einfühlsamem Verständnis nur so ins Herz übergeht. Ein Film, den man sich besser mehrmals anschaut als ihn auch nur ein einziges Mal zu verpassen.
Reingehen!

 
Nachspann
driftet langsam ins Off … also nicht ganz so schnell aufstehen, sondern gemütlich aus dem Saal raus. Dann passt das.
 
P.S: Noch nie wurde Product Placement so elegant und komödiantisch als Stilmittel eingesetzt wie hier – von daher sind die teils übertriebenen Einlagen ebenfalls zum Schmunzeln 😉

Zoomania (3D)

Eines gleich vorweg: Filme von Disney sehe ich mir seit neuestem mit einem gewissen Ziehen in der Bauchgegend an. Warum? Ich mag die Art nicht, wie dieser Riesenkonzern mit seinen Publishern – sprich: den kleinen Kinos umgeht. Gut, man mag mir selbst vorwerfen, dass ich selbige nicht unterstütze, da ich mein zu Hause auch in einer großen Kinokette gefunden habe, die in solchen Dingen dann doch noch mehr Mitspracherecht hat wie das Dorfkino von nebenan.
Allerdings weiß ich auch, dass es eben diese Kinos sind, die das eigentliche Filmleben erhalten und dafür sorgen, dass neue, kreative und geistreiche Filmbeiträge produziert (und gezeigt) werden, die die Filmwirtschaft somit am Laufen halten und dafür Sorge tragen, dass wir nicht eines Tages nur noch Mainstreamscheißdreck zu sehen kriegen, bei dem sich keiner mehr was traut, um die Massen nicht zu vergraulen. Vordefinierte Phrasen und ausgeklügelte Parolen, die statistisch das meiste Einkommen generieren und damit Filme schaffen, die zwar nichts mehr anprangern oder aufdecken, dafür aber Geld einbringen – ich glaube, keiner von uns will das.
Und die kleinen Kinos, Nischenbeiträge und Dorfleinwände sorgen dafür, dass diese Vielfalt nicht ausstirbt. Aber davon können diese Kinos nicht leben. Sie brauchen die Massenfilme, um die Nische zu refinanzieren. Und wenn dann ein Konzern wie Disney ans Tageslicht tritt und allen Ernstes meint, jetzt für seine Blockbusterverleihung nicht mehr die üblichen Prozente an den Ticketeinnahmen zu kassieren, sondern weitaus mehr als alle anderen möchte (warum auch immer), dann halte ich das persönlich für höchst fragwürdig und sage ganz klar, dass ich dieses Gebahren nicht unterstützen möchte. Weil damit nämlich nicht die Großen leiden, sondern die kleinen zugrunde gehen, die auf einmal nicht mehr besucht werden und eben keine Einnahmen mehr generieren können. Weder mit Blockbustern, noch mit Nischenfilmen.
Und das bedeutet auf lange Sicht den Tod der Filmwirtschaft und somit auch das Ende der Bewegtbildunterhaltung. Warum schaue ich mir dann trotzdem Disney-Filme an?
Ich habe eine Flatrate für Kinofilme, an der die Studios direkt nichts mehr verdienen. Sprich: Ich zahle nicht für ein Ticket von Disney, sondern nutze den reinen Umstand aus, dass sich meine Investition bereits nach 38 gesichteten Filmen ausgezahlt hat und ab dem 39. Film rentiert. Danke an CinemaxX für diese sensationelle Möglichkeit.
Derzeit bin ich bei 260 Vorstellungen und Zeit bleibt noch genügend, um das Kinojahr zu vollenden, ergo nutze ich den Umstand der tatsächlichen Flatrate, um die Inhalte legal zu konsumieren und euch gleichzeitig in die Dorfkinos zu schicken, um dort das .kinoticket zu lösen, denn Zoomania hat es tatsächlich verdient, besucht zu werden.
Was hier nämlich grenzgenial geschaffen wurde: Endlich gute PR. Der Trailer zeigt Ausschnitte, die lang genug sind, um diesen Teil der Geschichte zu verraten und verrät gleichzeitig wenig genug, um den Spaß am Gesamtfilm zu erhalten und die Möglichkeit offen zu lassen, den Besucher immer noch extravagant aufs Glatteis zu führen und alles anders darzustellen, obwohl er meint, er weiß es.
Was ich gleichzeitig aber bemängele: Wieso zur Hölle hat man den Synchronsprecher ausgetauscht und die derart harte Stimme eingefügt? Die passt so gar nicht mehr ins Gesamtbild des Films und zerstört somit den weichen Eindruck, den der Trailer eingangs vermittelt hat. Diese Szene (die im Prinzip aber jeder schon auswendig kennen sollte), ist allerdings das einzige, das man am Film bemängeln braucht, denn der Rest fügt sich derart unterhaltsam, liebevoll und ideenreich ein, das hier zwar nicht der Eindruck eines auf die Masse ausgerichteten Films verschwindet, die Mankos davon aber durchaus galant überspielt werden.
Es ist unterhaltsam, findet alles in einer mehr oder weniger vorhersehbaren Welt statt und macht durch die Darstellung der top gecasteten Animationscharaktere extrem viel her. Zudem sollte man nicht nach der großartigen Botschaft Ausschau halten, sondern einfach die Show genießen. Das 3D im Film ist auch ordentlich (da animiert) und sorgt zusätzlich für Filmspaß, auch wenn hier keine überragenden Leistungen auf die Bühne geworfen wurden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Alles in allem erhält man einen Feelgood-Movie mit fantastischen Beats von Shakira, die für einen gemütlichen Kinoabend mit Spaßgarantie sorgen.
Den großen Überflieger braucht man allerdings nicht erwarten, der Vorzeige-Rohrkrepierer ist das aber auch überhaupt nicht. Solide Unterhaltung mit Mehrwertgarantie durch fantastische Darsteller runden hier ein Kinopaket ab, bei dem man in der Regel nichts verkehrt macht.

 
Nachspann
kriegt man mit, solange es noch animiert ist finger tippel, nach der Schwarzblende kommen dann keine erweiterten Szenen mehr.

Terminator: Genisys (3D)

Als jemand, der in seiner Kindheit selbstgebastelte Altar-Monumente Schwarzeneggers in sein Kinderzimmer stellte, Bücher, Bildmaterial und vor allem die Filme hatte, die er nicht nur gesehen, sondern live mitsprechen konnte, sollte ich eigentlich jemand sein, der mit Terminator nichts mehr als grenzenlose Freude und immensen Spaß erlebt.
Dass dem nicht so sein würde, ahnte ich bereits beim Erkennen, mit welch aggressiver Manier man das neue Machwerk des Franchises im Kino bewarb. Ich hatte also meine Zweifel.
Im Zuge der Vorfreude und auch, weil mein Mitbewohner die alten Teile noch nicht kannte, bereitete ich uns beide mit dem Sichten der ersten vier Teile auf die kommende Wiederauferstehung des Terminator-Kults vor: Großer Fehler.
 
The Terminator
Mit dem Einstieg und der Idee aus dem Jahre 1984, mit dem ich zufällig sehr viel anfangen kann, sieht man erneut, wie gutes Filmemachen stattfindet. Hier wurden ganz klar technische Geräte genutzt, die Zeit war längst nicht reif für überdimensionale CGI-Effekte und die Geschichte hatte derart Tiefgang, dass man sich nur ehrfürchtig vor dem Werk verneigen und den Machern seinen tiefsten Dank auszusprechen wagte. Gold in allen Punkten, die es gibt.
 
Terminator 2 – Tag der Abrechnung
aus dem Jahre 1991 führte diesen filmischen Siegeszug fort, entwickelte neue Terminatoren und schickte mit einer noch genialeren Story an, die der alten in nichts nachstand und von ihrem 80er Jahre Charme rein gar nichts eingebüßt hatte. Bonuspunkt: Schwarzenegger ist diesmal der Gute und kämpft für die richtige Seite, so dass man sich als Verehrer nun endlich nicht mehr rechtfertigen muss. Ein Meisterwerk.
 
Terminator 3 – Rebellion der Maschinen
erzählt erneut die Story um Sarah, John und den Terminator und liefert mit Kristanna Loken nun einen der unsympathischsten Bösewichte ab, die die Filmgeschichte je gesehen hat. Hier versucht man erneut, neue Module zu installieren und die fiktive Zukunft weiterzuentwickeln, aber was dabei rauskommt, ist eigentlich schon fast übertrieben. Konnte in meinem Fall mit Teil 2 nicht mehr mitziehen, sondern verlor rasant an Fahrt.
 
Terminator: Die Erlösung
ohne Schwarzenegger und damit ohne Terminator. Selbst seine politische Karriere hat gezeigt, dass Arnie der einzige und wahre Terminator sein und bleiben wird – wie soll da ein Streifen funktionieren, der ohne ihn auszukommen versucht? Ein Griff ins Klo, der seinen Charme und alles, was Terminator einmal ausgemacht hat, einbüßt zugunsten eines nochmaligen Reboots, der mächtig in die Hose ging. Danach war erstmal Ruhe und ich als Zuschauer hoffe, dass damit nun endlich auch der endgültige Tod des Franchises besiegelt war und ich tatsächlich von schlechtem Kino erlöst sein würde. Bis heute.
 
Terminator: Genisys (3D)
Ja, Arnie spielt wieder mit – einer der wenigen Hoffnungsschimmer, die ich hatte, als ich zum ersten Mal den Trailer auf der Leinwand sah. Doch seine Glanzzeiten sind längst vorbei und die eigenkreierte, wortkarge und somit einzigartige Filmpersönlichkeit, die er durch seine Schauspielerei geschaffen hat, gehört zu den alten Eisen, die langsam aber würdevoll abtreten sollten. Er ist nicht mehr der unzerstörbare, alles besiegende Held, dem keiner das Wasser reichen kann, sondern wird langsam ein grauhaariger, zerbrechlicher Mensch, dem man die Maschine einfach nicht mehr glaubhaft abkauft.
Das gleiche gilt für die verloren gegangene Härte einer Frau, die sich in Form von Sarah Connor hilflos durch den Alltag kämpft und sich nicht nur den Maschinen aus der Zukunft, sondern auch der Borniertheit ihrer eigenen Spezies in den Weg stellt und für das Überleben der Menschheit kämpft. Es hat den Anschein, als hätte man die Wichtigkeit des Überlebens unserer Rasse nun aus den fähigen Händen entgleiten und an die spielerische Jugend übergeben, die ihre Sache nach Tribute von Panem-Art irgendwie durchziehen. Die Ernsthaftigkeit, mit der John Connor im zweiten Teil noch unterrichtet wurde, macht nun einer handlungsunwürdigen Gleichgültigkeit Platz, die nicht mehr durch Dialogträchtigkeit und brillanter Hintergrund-Komplexität glänzt, sondern einzig und allein den Schmachtbonus auszuspielen versucht, für die Jungs wie Jai Courtney und Girls wie Emilia Clarke wie geschaffen sind.
Alles andere versinkt in einer übersintflutartigen Überreizung durch CGI-Effekte, die in 3D mehr schlecht als recht rüberkommen und deutlich sichtbare Mankos mit auf die Leinwand transportieren. Weniger … sehr viel weniger … wäre an dieser Stelle bedeutsam mehr gewesen, denn der Zuschauer ertrinkt an Effektbombardements, was natürlich zu lasten der Geschichte getragen wird.
Die in den Vorteilen mysteriös gehaltene Zukunft, aus der immer nur sporadisch Bildmaterial gezeigt und die damit interessant gehalten wurde, verliert ihr komplettes Ansehen dadurch, dass jetzt nicht mehr aus Sicht der Menschen des Heute, sondern aus der Sicht einer möglichen Zukunft berichtet wird, die nun ihre Kämpfe in der Vergangenheit auszutragen versuchen. Dass sich im Laufe der Zeit alles weiterentwickelt hat – keine Frage – nur ergibt hier alles so überhaupt keinen Sinn mehr und das geniale Spielen mit den verschiedenen Komponenten der Zeitreisen und dem Verändern der Vergangenheit rutscht leicht ins Abseits und macht Platz für … nichts.
Mein Gedanke nach dem Film war: Wie kann man ernsthaft versuchen, einen Film mit CGI vollzustopfen und ihn dann im Jahr 1984 spielen lassen?
Ich war bitter enttäuscht, habe die Enttäuschung ein paar Tage ruhen lassen, ihn mir nochmal angesehen und war wieder enttäuscht. Warum greifen sie teilweise vollständige Dialoge schlecht kopiert wieder auf und kredenzen nicht einfach etwas völlig neues, das sich nur an den Grundelementen der alten Filme bedient und daraus etwas völlig neues erschafft? Damit hätte man sich das Recht auf Eigenständigkeit erkämpft und aus etwas Großartigem etwas neues großartiges geschaffen.
Aber stattdessen kopiert man hier Vergangenes, übertrieft es mit Computerlastigkeit, das einem schlecht wird und lässt es dann im selben Zeitalter spielen, wie seine 31jährigen Vorgänger. Und das kann in meinen Augen einfach nur schief gehen.
Da klingt es fast schon selbstironisch, wenn Schwarzenegger sich in seinen Dialogen auf der Leinwand dafür rechtfertigt, dass er wieder engagiert wurde.
Die Aussicht, dass hier noch zwei weitere Teile kommen sollen (und werden), bereitet mir eher Bauchschmerzen denn Freude. Ich weiß nicht, wie die Generationen nach mir Filme bewerten und anschauen und ob es einfach an meiner Generation liegt, die mit höherwertiger Schaffenskunst aufgewachsen ist und eben jene schätzt. Vielleicht sind wir dazu verdammt, dem Untergang perfekter Popcornunterhaltung zuzuschauen, die sich von ihrer intelligenten Komplexität verabschiedet und der Gleichgültigkeit immer mehr Platz einräumt.
Ich für meinen Teil war einfach nur bitter enttäuscht und ich glaube kaum, dass sich daran durch ein drittes Mal schauen etwas ändern wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auf keinen Fall die vorherigen Teile wieder anschauen und hoffen, dass man vergessen hat, was darin vorkam.
Oder einfach auf den hier verzichten und sich ausschließlich die vorherigen Teile anschauen. Beides gemeinsam löste in mir nur Enttäuschung aus.
Teil 5 ist für mein Empfingen zu CGI-überladen und hält wenig vom bisherigen Terminator-Charme bereit, der durch seine typischen Charakterausbildungen und den bevorstehenden Tod der Menschheit eine gewisse Beklemmung und -befreiung in einem auslöste.
Vielleicht ist das der Preis, den wir für immer teureres, immer gigantöseres Kino zahlen müssen: Dass alles in einer Effektwüste verkommt und stupiden Explosionen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss als den wirklich wichtigen Dingen.
Ließe sich das 3D wegmachen, wäre ein handwerklich ordentlicher Film zustandegekommen, der nur noch inhaltsschwache Defizite aufweist, aber so haben wir einen Teil, der maßlos übertreibt und damit ein weiterer Meilenstein misslungener Fortsetzungen ist.
Verdammt, dabei hätte es doch so schön weitergehen können …

 
Nachspann
Sitzenbleiben und nicht gleich losrennen. Nach den ersten paar Zeilen kommt eine weitere, 3D-animierte Szene, die den Bogen zu den kommenden Teilen spannen will. Erst danach darf man den Abspann abkürzen und rausrennen, man könnte ja eine Rotphase an einer Ampel verpassen.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén