.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Italien Page 1 of 2

Christo – Walking on Water

Christo

© 2019 Alamodefilm

Christo – In der Kunstszene ein bekannter Hund, der schon vielerorts für Aufsehen mit seinen Kunstwerken gesorgt hat und den man auch als Szene-Nicht-Insider schon mal durch irgendein Projekt zu Gehör bekommen haben dürfte. Und der Typ ist es leid, auf seine Reichstagsverhüllung reduziert zu werden, sondern er möchte mit seiner Kunst viel mehr ausdrücken.

Und dabei spielt er alles aus, was man akribischen Künstlern so gerne vorwirft: Er ist menschlich oftmals gelinde gesagt einfach ein “Arsch” und gibt dabei der Menschheit so viel, dass sie zu Millionen Scharen anreisen, um seine Kunstwerke zu bestaunen und zu erleben.

Christo – Walking on Water fängt dabei das Bild Christos sehr realistisch und naturnah ein und spiegelt wieder, wovon viele eben nichts mitkriegen: Den Hintergrundabläufen und der vollständigen Persönlichkeit, auch den Momenten, wenn keine Kameras laufen und kein Massenpublikum auf irgendwelchen Gala-Dinners zugegen ist.

Genau das macht den Film – und auch den Menschen – dann doch wieder sympathisch: Man taucht langsam, teils qualvoll, aber auch sehr inbrünstig und intensiv in seine Aussagen und seine Kunst ein und beginnt, das große Ganze dahinter zu verstehen. Genau so erlebt man auch den Film: Anfangs sehr distanziert und seltsam, teils unerträglich entwickelt sich das Werk im Fortgang zu einem wahnsinnig spannenden, beeindruckenden Spektakel, das wiederum nicht nur das Kunstwerk selbst repräsentiert, sondern auch den Umgang unzählig vieler Menschenbeispiele dazu: Von Hass, Liebe, Gier, Ignoranz, Begeisterung, Andrang, Sturm, Drohung, über Verzweiflung und einfach dem Wunsch, den Menschen etwas erleben zu lassen – alles dabei.

Der Punkt ist schnell erreicht, wo man einfach nicht mehr damit aufhören kann, hinzusehen und spannend mitfiebert, weil es einfach irrsinnig interessant und faszinierend ist, was man sich hier in den Kopf gesetzt hat und nach jahrelanger Idee und Planung endlich umsetzt.

Regisseur Andrey M. Paounov hat dieses Werk aus 700 Stunden Filmmaterial zusammengeschnitten und damit ein Projekt begleitet, das 16 Tage lang geöffnet war und letztendlich 1,2 Millionen Zuschauern Freude bereitet hat. 11.000 Menschen konnten sich gleichzeitig darin aufhalten, 500.000 Besucher waren von den Schöpfern angedacht, diese Zahl wurde weit übertroffen.

Für die Region war es ein Segen: Alle Hotels waren über Monate hinweg komplett ausverkauft, die Herstellungskosten selbst beliefen sich auf 15 Millionen Euro, die Christo persönlich aus Verkäufen seiner Kunst finanzierte, um den Besuchern wie immer freien Eintritt zu gewähren.

Insgesamt wurden drei Kilometer Strecke verlegt, 16 Meter breit, 30 cm hoch und 2,5 km zusätzlich Strecke an Land ausgebaut. Die “Floating Piers” bestanden aus 220.000 verbundenen Polyäthylen-Würfeln, die von Tauchern mit Ankern am Boden des Sees festgetäut wurden.

100.000 m2 Stoff (insgesamt 20 Tonnen) wurden dabei verwertet – und für die Umweltfanatiker unter euch: Christo ist bekannt dafür, dass er alles aus seinen Kunstwerken anschließend immer wieder recycelt und wiederverwertet, um keinen “Müll” zu hinterlassen. Darauf legt er bereits bei der Planung großen Wert, dass die verwendeten Arbeitsmaterialien hinterher weiter sinnvoll verwendet werden können.

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film gibt Einblick in die Verwirklichung einer Kunstidee aus dem Jahr 1969 – mit allen Strapazen und Hürden, die dabei zu überwinden waren.

Was anfangs etwas träge und teils ermüdend beginnt, entwickelt sich schnell zur rasanten Faszination und man schafft es nicht, den Film frühzeitig zu beenden und wieder aus dem Saal zu gehen. Dafür ist es viel zu spannend!

Nachspann
❌ muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 11. April 2019

Original Title: Walking on Water
Length: 100 Min.
Rated: FSK 0

Loro – Die Verführten


© 2018 DCM Film Distribution GmbH

 

Loro werden die Italiener als Loro 1 und Loro 2 kennen, denn dieses Stück wurde in Italien in zwei Akten konzipiert und am 24. April 2018 sowie am 10. Mai 2018 uraufgeführt. Die Längen betrugen jeweils 100 und 104 Minuten (also sagenhafte 3 Stunden 24 Minuten), welches für den internationalen Vertrieb von Paolo Sorrentino auf einen um etwa 60 Minuten gekürzten Director’s Cut geschnitten wurde. Mit 145 Minuten (2 Stunden 25 Minuten) ist man aber auch hierzulande immer noch ausreichend bedient und kann nicht behaupten, zu wenig Spielzeit für sein Geld zu kriegen.

Und auf diese Show sollte man sich – ob Berlusconi-Befürworter oder -verächter – definitiv einlassen. Loro entführt hier nicht nur in die korrumpierte italienische Politiker-Welt, sondern erzählt gleichermaßen anhand eines “Originals”, auf welchem Boden sämtliche Mafia-Filme fundiert sind. Und das beständige Flair, das dieser Film dabei ausstrahlt, zieht von Anfang an in seinen Bann.

Man kann jetzt nicht behaupten, dass dies “normale Umgangsformen” wären, aber genau das ist das spannende daran: Diese schmierige, permanent-in-die-Fresse-schlagende Schleimart, mit der Berlusconi hier dargestellt wird, ist zum Anbeten gut gespielt und sorgt für viele freiwillige und unfreiwillige Lacher. Dieser Sog, der sich dabei entwickelt, grenzt fast an das Unaussprechliche, das uns The Wolf of Wall Street 2013 geliefert hat und eröffnet nun einen politisch wesentlich aktuelleren Reigen von Verdorbenheit und Sünde.

Es fühlt sich an, als hätte man Der Pate neu verfilmt, nur dass diese Gegebenheiten natürlich (!) erzählerisch gedichtet sind und rein gar nichts (absolut nichts !) mit eventuell aktuellen, lebenden Personen zu tun haben oder haben könnten. Ein Narr, wer … naja, ihr wisst schon.

In Sachen Produktionsgröße, Dialogschwere, mentale sowie gesellschaftliche Ausmaße kommt man auf jeden Fall an Francis Ford Coppolas Vorbildwerk heran und mit den richtigen Hintergrundgedanken und einer im Sessel gefesselten Genusswirkung von bildschönen, sich räkelnden Körpern auf der Leinwand erlebt man all das fast schon in Form eines drogenähnlichen Trips, aus dem man hinterher nur beschwert wieder aufwachen kann.

Mich dazu hinreißen lassen, das Werk mehrfach zu sichten, konnte ich nicht – da hat mich dann wahrscheinlich die Länge doch zu sehr abgeschreckt, aber ihn deshalb nicht anzuschauen, empfinde ich genauso als einen Fehler: Nutzt die Gunst der Stunde und gönnt euch ein Stück italienische Politik-Geschichte in unglaublich erzählerischem Ausmaß und einer betörend-schönen Verdorbenheit.

 

.kinoticket-Empfehlung: Erledigt vorher alle körperbedingten Tätigkeiten, denn die Zeit, bis die Türen sich wieder von selbst öffnen, ist lange.

Kein Grund, sich deshalb vor diesem Titel zu drücken: Hier wird auf eine unverblümte, erschreckend ehrliche und fast schon ironisch-satirische Art die Wirkensweise der Politiker am italienischen Beispiel erläutert. Die fragwürdige Situationskomik gepaart mit einer betörenden Schönheit und illustren Verdorbenheit portraitieren einen psychedelischen Trip, der einen ganz schnell gefangen nimmt und für viele Stunden bewegungsunfähig macht.

Ein Erlebnis, das man sich sehr wohl auf der großen Leinwand geben sollte.

 

Nachspann
❌ Das ist der wahrscheinlich längste Abspann, der mir je untergekommen ist – und er lohnt nicht, abzuwarten.

Kinostart: 15. November 2018

Original Title: Loro
Length: 145 Min.
Rate: FSK 12

Dogman

Dogman
© 2018 Alamodefilm

 
Dogman – Filme mit “Dogs” im Titel versprechen immer, wahre Insider zu werden: Reservoir Dogs, Dobermann… Doch nicht nur die USA oder Frankreich können böse, auch Italien leistet seinen Beitrag dazu und liefert hier gleich noch die Verfilmung wahrer Ereignisse, nur in sehr viel gutartiger, als die Realität gewesen ist.
Dogman besticht durch seinen einzigartigen, originalen Charme, den in meinen Augen nur das Original liefern kann: Also beherzt euch selbst (sofern es die Verleihe nicht schon getan haben) und verbannt die deutsche Synchronisation aus dieser Welt. Diese Stimme, der dazu passende Charakter, der morbide Wandel eines Menschen … all das kann Marcello Fonte nur in seiner wahrhaften Gestalt liefern und ich glaube nicht daran, dass irgendwer – und sei er noch so gut – diesen Geist und dieses Wesen glaubwürdiger darstellen könnte, indem er ihn synchronisiert.
Ich habe den Film inzwischen mehrfach in OmU gesehen und bin jedesmal davon überzeugt gewesen, dass eine Synchronisation den kompletten Film mit einem Fingerschnippen zerstören wird. Nicht umsonst ist er bereits mit Bester Darsteller geehrt worden – und da darf sich die Nischenfraktion gerne rein hocken und ihn so genießen, wie er gedacht war.
Und das sollte man auch tun, auch wenn die italienische Geschwätzigkeit für manchen zeitweise etwas schwer erträglich sein wird: Es ist ein echtes Unikum und verdient, im Kino gesehen zu werden.
Die Erzählung ist gleichermaßen erschreckend wie faszinierend, und der Fakt, dass in Wahrheit noch viel schlimmere und ausartendere Dinge passiert sind, zeugt einmal mehr davon, was für ein Monster der Mensch wahrhaftig ist. Und die klassische Frage: “Wer ist gut, wer ist böse und warum?” regt sowas von zu Diskussionen an, die über die Werte und das Wesen menschlicher Spezies philosophieren lassen … Nischenfraktion eben.
Und damit der dann noch ein bisschen bekannter wird, ist Dogman die Einreichung Italiens für den Best Foreign Language Film der 91st Academy Awards 2019.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein echtes Original, dass nur in OmU lebt und niemals nie in einer synchronisierten Fassung angesehen werden sollte.
Die würde den kompletten Film nämlich einfach zerstören, weil dadurch das Wesen von Fonte kaputtgemacht wird. Der Inhalt und die faszinierende Wandlung offenbaren einmal mehr das Wesen der Menschheit.

 
Nachspann
❌ braucht nicht ausgeharrt zu werden, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 18. Oktober 2018
Original Title: Dogman
Length: 102 Min.
Rate: FSK 16

Tanz ins Leben (Freikarten zu gewinnen!)

Am Ende des Beitrags gibt es zwei Freikarten für den Film zu gewinnen!
Ihr steht gerade vor einem Phänomen, dass ich sehr lange Zeit weder im deutschen, noch im britischen oder französischen Kino gesehen habe. In heutiger Zeit sind wir ja längst daran gewöhnt, dass mit absurden Summen plot-halbgare Monsterfilme auf die Leinwand befördert werden, in denen weder Seele, noch Herz, noch irgendwelche schauspielerischen Leistungen stecken, sondern man jüngliche, frisch dem Mutterleib entschlüpfte und im Fitnessstudio großgezogene Milchbubis herangezüchtet hat, die allesamt in sich austauschbar sind und den eigentlichen CGI-Stars einfach nur ein Gesicht geben sollen, damit die großen Verleihe Geld verdienen können.
Diese Form des abgestumpften Kinos hat eine große Zuschauergruppe in den vergangenen Jahren oft vor den Kopf gestoßen: Menschen, die sich noch an Zeiten zurückerinnern können, wo die Schauspieler die Stars, technische Kniffe und Tricks das “CGI” ausgemacht haben und man noch echte Handwerkskunst auf der Leinwand geboten bekam. Diese Gruppe ist es gewöhnt, mit Inhalten umspült zu werden, Herzblut und Seele zu genießen und möchte nach einem Kinobesuch beseelt von Liebe, erzählerischer Leidenschaft und emotionalem Tiefgang sein.
Und wenn man das so liest, denkt man sehr schnell an “Kitsch”, Filmgesetze, die übliche Vorhersehbarkeit und somit auch gleich an Langeweile und wenig Spaß.
Damit stehen wir jetzt vor dem Phänomen: Tanz ins Leben ist ein Film, bei dem sehr schnell klar wird, dass genau das hier gespielt wird – und der einen absolut mitreißt und bei dem diese ganzen vorhersehbaren Klischees wunderbar und hervorragend funktionieren. Man sitzt drin und will es! Man wäre enttäuscht, wenn sie sich von dem üblichen Schema abwenden würden und ergötzt sich auf einmal an einem wunderbaren Stück Kinogeschichte, dass genau diese Generation herzlichst dazu einlädt, ihre Seele mal wieder umsorgen zu lassen und 111 köstliche Minuten zu träumen und zu genießen!
Und das hat es schon sehr lange nicht mehr gegeben. Es ist dauerhaft kurzweilig, man ist gespannt bei der Sache, man kann es kaum erwarten, wenn endlich der nächste Schritt im Drehbuch eintrifft und man ist ergriffen und beherzt von der süßen Melodie, die das Leben hier vorgibt.
Auch bei der Schauspieler(innen)-Auswahl hat man voll ins Schwarze getroffen und dem gewünschten Zielpublikum das geliefert, was hier passt, ohne auf Koryphäen zurückzugreifen, mit deren Namen man marketingstrategisch bessere Werbung fährt, sondern das Ensemble passt so gut zusammen, dass auch hier wieder völlige Harmonie und Einheit herrscht und man – selbst als jüngerer Zuschauer – hier nicht vor den Kopf gestoßen wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: Am Schluss ist jedem klar, dass hier typische Klischees gefeiert werden, aber jeder einzelne weiß, dass es diesmal echt funktioniert und keiner möchte es anders.
Dieser Film gehört damit fast schon zur “traditionellen Schule”, weil er die Filmgesetze perfekt inszeniert und ein Filmerlebnis bietet, dass zwar in Vorhersehbarkeit ertränkt, jedoch keineswegs enttäuscht oder langweilt.

 
Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden.
Kinostart: 31. Mai 2018
 
:: G E W I N N S P I E L ::
Entertainment One Germany GmbH lädt zwei meiner Leser dazu ein, sich den Film gratis in einem Kino ihrer Wahl anzusehen und hat mir daher zwei Freitickets zum Selberausdrucken überlassen, die ich euch hiermit weiterverlosen darf.
Was ihr dafür tun müsst?
Kommentiert bis zum einschließlich 6. Juni 2018 24:00 Uhr unter diesem Beitrag und hinterlasst dabei eine gültige E-Mail Adresse, an die ich euch die Freitickets schicken kann.
Diese müssen von euch dann ausgedruckt und mit ins Kino genommen werden, z.B. ins

  • Cineplex
  • CinemaxX
  • Kinopolis
  • CineStar
  • UCI Kinowelt
  • Cinecitta
  • Cinedom
  • Traumpalast
  • UFA-Palast
  • (m) mathäser
  • Yorck Kinogruppe
  • Kinobetriebe Muckli
  • Dersa Kino
  • Zoo Palast
  • C1 Cinema filmpalast

oder ein Kino eurer Wahl, dass diesen Film zeigt und in der gewünschten Vorstellung noch freie Plätze übrig hat.
Die Freitickets sind gültig bis 1. Oktober 2018 und in jedem Kino einsetzbar, dass Tanz ins Leben im Programm hat, auch denen, die oben nicht gelistet sind. Sollte euer Kino nicht auf der Liste stehen, kauft ihr bei Gewinn regulär zwei Kinotickets, genießt den Film und ladet anschließend ein Foto eurer gekauften Tickets gemeinsam mit den Gutscheinen auf einer Website hoch, gebt dort eure Bankverbindung an und bekommt vom Verleih den Eintrittspreis zurückerstattet. Genaueres werde ich euch dann in der Gewinner-E-Mail mitteilen.
Hinweis zum Datenschutz: Eure Daten werden nur zur Auswertung dieses Gewinnspiels von mir persönlich genutzt und der Gewinner anschließend von mir per E-Mail benachrichtigt. Es genügt, wenn ihr in eurem Kommentar in das entsprechende Feld eine gültige E-Mail Adresse angebt, hierfür können auch Einweg-Adressen oder Alias-Adressen genutzt werden, solange ihr nach dem 6. Juni 2018 noch darauf zugreifen könnt und darunter erreichbar seid.
Nach dem Versand werden alle Daten von mir gelöscht.
Der Rechtsweg ist – wie üblich – ausgeschlossen, ebenso eine Barauszahlung des Gewinns. Es gelten die vernunftbasierten Gewinnspielbedingungen. Gerne dürfen mehrere Teilnehmer eines Haushalts kommentieren, dies erhöht eure Gewinnchancen. Die Ziehung wird per random.org vorgenommen, indem alle Kommentare durchnummeriert und dann per Zufall der Gewinnerkommentar ausgelost wird.
Und nun viel Glück und viel Spaß bei einem der schönsten Filme des Jahres!

Call Me By Your Name

Lasst uns mal ein bisschen träumen: Ich bete schon, seit ich ihn gesehen habe, dafür, dass genau dieser Film den Goldjungen in der Kategorie “Best Picture” abräumt!
Es wäre so ein dermaßen endgeiles Statement der Academy und ganz ehrlich: Timothée Chalamet spielt zum Heulen schön! Egal, was du über die Thematik denkst: Nach diesem Film bleibt garantiert kein Auge trocken und kein Herz unberührt!
Bislang hat man noch nicht oft genug versucht, den Menschen diese Inhalte in einer derartig normalen Version zu vermitteln, und alle früheren Versuche hatten bislang eins gemeinsam: Sie scheiterten grandios!
Call Me By Your Name macht die Ausnahme und holt garantiert jeden aus seiner Ecke ab und pulvert ihn mit Normalität zu, dass gar nicht auffällt, was sich hier eigentlich tatsächlich abspielt!
Und Leute: Vorbilder! Es ist so tränenrührend nachahmenswert, wie sich Stuhlbarg und Co. hier verhalten: Jede Gesellschaft muss davor niederknien, zutiefst um Entschuldigung flehen und anschließend schwören, sich für alle Zeiten zu bessern! Eine bessere, sinnlichere und aufwühlendere Pointe in einem Bilderbad der Gefühle hat bislang noch niemand so unvergesslich auf die Leinwand gebannt!
Nach Call Me By Your Name gibt es einfach keine Entschuldigungen mehr, kein “Ich konnte es ja nicht wissen”, keine Intoleranz und Wegsehen – danach muss es endlich jeder verstanden haben und ich erbitte, dass die Welt reif genug ist, um damit umgehen zu können: Der Oscar® in Best Picture würde ein Vielfaches dazu beitragen!
Und ja, ich hab selten so intensiv und berührt im Kino gesessen und einfach geweint!
 

.kinoticket-Empfehlung: Mein Lieblingsfilm 2018? Call Me By Your Name.
Timothée Chalamet legt eine Performance an den Start, die dieses Genre ENDLICH mit Normalität, verspielter Jugendlichkeit und absolut liebenswürdiger Unerfahrenheit beseelt, was aus Call Me By Your Name für mich schon jetzt DEN Film des Jahres macht!
Rein! Anschauen und von dem lernen, was euch da vor die Füße gespielt wird – etwas herzergreifenderes wie das hier werdet ihr sowieso nicht so schnell wieder finden!
Vote 4 Best Picture!

 
Nachspann
😭😭😭😭😭😭😭 Wer hält sowas aus?
Kinostart: 1. März 2018
P.S: Man spricht bereits über Fortsetzungen … JAAAAAA BITTE!!!

Maria Mafiosi

Mit den Eberhofer-Krimis ist zumindest in Bayern ein neuer Kinokult aus dem Boden gestampft worden, der hierzulande auch wahnsinnig positiv aufgenommen und von den Kritikern hoch gelobt wird.
Kein Wunder also, dass man sich jetzt auch anderweitig in dieser Nische versucht und mit Maria Mafiosi erneut ein Mundart-Werk in die Kinos bringt, das genau diese Zielgruppe befriedigen soll: Bayerische Fans, die Krimi-Komödien lieben und ihre bekannten Stars aus den Eberhofer-Verfilmungen auch zwischen den Publikationen auf den Leinwänden erleben wollen.
Dieser Aufgabe hat sich Jule Ronstedt angenommen und einen abtrünnigen Bruder der großartigen Filme erschaffen, der eine eigene Gangstergeschichte erzählt, die nicht weniger lustig ist und vor lauter Klischees nur so trieft.
Ob dies nun positiv oder negativ aufgenommen wird, überlasse ich den Zuschauern. Offensichtlich versucht man sich hier kaum an politischer Korrektheit noch daran, der Gleichberechtigung oder anderen neuartigen Phänomenen hinterherzurennen, sondern bedient sich ganz altbackener, klassischer Stereotype, um den Kinozuschauer in seiner Lust nach lokalsprachlicher Komik-Unterhaltung zu befriedigen. Und das gelingt meiner Meinung nach auch ganz gut, sofern man sich nicht den vergleichsweise hohen Ansprüchen der Rita Falk-Verfilmungen stellen möchte.
Maria Mafiosi bedient hier sozusagen die gleiche Klientel auf hohem Fan-Art-Niveau und lockt mit dem Regiedebüt der aus Wer früher stirbt ist länger tot bekannten Schauspielerin in die Kinos.
 

.kinoticket-Empfehlung: Natürlich muss man sich damit abfinden, dass hier keine großartigen Hollywoodbudgets im Hintergrund dümpeln oder sich die Macher auf ihre jahrelange Erfahrung stützen können, sondern man es mit einem vergleichsweise “jungen” Film zu tun kriegt, der die Zuschauer einfach auf seine Weise begeistern will – und kann.
Die Darsteller sind teilweise bekannt und liefern allesamt glaubwürdige Szenarien ab, die für sich zwar kein Meilenstein in der Kinogeschichte darstellen, allerdings auch nicht zum Lückenbüßer verkommen, sondern durchaus ihre Existenzberechtigung vorweisen.
Wer sich darauf einlässt, hat hier durchaus seinen Spaß im Kino – solange der Streifen noch auf den Screens gezeigt wird.

 
Nachspann
gibt’s ohne weiterführende Szenen oder zusätzliche Gimmicks – man darf also getrost nach draußen spazieren.

War Dogs

“Der Film ist eine Mischung aus Lord of War und Wolf of Wallstreet – um einen aus dem Saal zu zitieren, der damit mal nicht ganz unrecht hat.
Man darf von Jonah Hill halten, was man möchte – auch mir ist der Knabe nicht in jedem seiner Streifen wohlgesonnen gewesen, aber was zählt, sind die Fakten und das Trara drumrum. Und da wird auch hier wieder ein geschmackvoll inszenierter Blick auf die Wirklichkeit ins Leben gerufen, der wohl einige Nicht-Denker dazu animieren könnte, die Sülze von Brei zu interpretieren, die einem tagtäglich von Medien wie TV oder Zeitung vorgesetzt wird, um anschließend daraus brauchbare Informationen zu schöpfen, die das verklärte Weltbild des gemeinen Dummbürgers mal ordentlich durch die Mühle rütteln.
Obwohl der Film in punkto Unterhaltungswahnsinn nicht den Adrenalinstoß ausschüttet, den man sich nach dem Trailer wohlweislich erhofft hätte, ist hier dennoch unglaublich wichtiges Gedankengut vergraben, dass schnellstmöglich an alle verteilt werden und in verdaulichen Dosen unters Volk gebracht werden sollte. Und wieder einmal unterstreicht die eigentliche Nicht-Brillanz der Darsteller die Wichtigkeit des gezeigten Themas: Jeder sollte so einen Blick dafür entwickeln, wie es die beiden gleich am Anfang des Films vormachen.
Dass so etwas auf “wahren Begebenheiten beruht”, mag ja manch einer als PR-Masche auslegen und gänzlich glauben, was man im Kino vorgesetzt kriegt, sollte man sowieso nicht. Allerdings lädt War Dogs dazu ein, intensiver über manche Sachen nachzudenken und die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen – und genau dafür sind Kinofilme u.a. in meinen Augen gedacht.
Dabei offenbart das Werk nicht nur die Machenschaften der Dinge, die man als Durchschnittsbürger gar nicht mitkriegt, sondern zeigt auch mal öffentlich auf, mit welchen Methoden hier überhaupt vorgegangen wird und worauf es auf der großen Weltbühne des Lebens eigentlich ankommt.
Dieses Wissen wird ja wohlbekanntlich nicht mehr in Schulen vermittelt (wurde es das je?), sondern in Büchern versteckt oder unter Fachkreisen diskutiert, zu denen niemand richtig Zugang hatte. Nun ist es für alle einsehbar auf der Leinwand, eingepackt in feschem Witz, trivialen Humor, spannungsgeladenen Wahnsinn und eine Story, die so verrückt klingt, dass sie tatsächlich wahr sein muss.
Für mich hat sich der Kinobesuch gelohnt und ich bin mir sicher: Solltet ihr ein klitzekleinwenig Spaß daran haben, zwischen den Zeilen zu lesen, wird euch dieser Film unglaublich gefallen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man braucht keine komödiantischen Höchstleistungen erwarten, kriegt aber eine Geschichte geliefert, die einen Kinofilm verdient.
Die Darsteller machen ihre Sache gut, auch wenn da sicher noch Luft nach oben ist, was zählt sind allerdings die Dinge, über die gespielt wird – also das Thema an sich. Und mit welcher Schroffheit und Zügellosigkeit hier umgegangen wird, offenbart eine neue Dimension von Wahnsinn in einer Welt hinter den Kulissen dieser Welt. Das allein macht War Dogs schon zu einem sehenswerten Film.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, aufspringen – rausrennen … macht ihr ja sowieso!

Schweinskopf Al Dente

Das Wunder ist geschehen: Es gibt eine deutsche Filmreihe, die ich genial und urkomisch finde: Dampfnudelblues, Winterkartoffelknödel und darauf folgend Schweinskopf Al Dente.
Das neuste Werk besticht wieder mit seinen typischen Charakteren und dem bayerischen Slang, der einmal mehr beweist, dass man durchaus deutsche Filme in Mundart produzieren kann, die vom Publikum geliebt werden und die auch den Weg in die (zumindest bayerischen) Kinos schaffen.
Die lakonisch-trockene Art des Hauptdarstellers trifft genau meinen Geschmack und ist nur eines von vielen Schmankerl, die man im Film vorgesetzt bekommt. Buchautorin Rita Falk hat hier ein Universum geschaffen, das man gerne am Sonntagabend im Fernsehen vorgesetzt bekommt und die Verfilmungen bestechen mit derartiger Schaffenskunst, dass sich die Kinos mehr oder weniger darum reißen, diesen Streifen zeigen zu dürfen.
Auch im dritten Teil ermittelt man wieder auf die bekannt-charmante Art und Weise und trägt hier mit bekannten Elementen dieser Filmreihe auf, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Genau das ist auch einer meiner Kritikpunkte am aktuellsten Fall: Man verfällt ein wenig in die Lethargie funktionierender Elemente und hat etwas den Biss verloren, den die beiden Vorgängerteile noch lieferten.
Dass die Geschichte noch lange nicht auserzählt ist, verraten hier einige eindeutige Hinweise und es bleibt zu hoffen, dass man wieder zu der Kaltschnäuzigkeit des ersten Teils zurückfindet, wenn Kommissar Eberhofer 2017 erneut die Leinwand betritt. Bis dahin darf man sich aber genüsslich zurücklehnen und hervorragende deutsche Unterhaltung genießen – im wahrsten Sinne des Wortes.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier ist sie: Die deutsche Filmreihe, die ich prächtig finde und an der ich wirklich richtig Spaß habe.
Mit Schweinskopf al dente beweist man einmal mehr, dass unser Land doch im Stande dazu ist, Unterhaltung zu produzieren, auf die man auch international stolz sein kann. Humor, charaktive Ausgewogenheit und ein spannungsträchtiger Plot: Hier gibt es wirklich kaum etwas, das nicht passt.
Wer die Möglichkeit findet, den Film im Kino zu sehen: rein da. Alle anderen warten auf die Ausstrahlung in den öffentlich-rechtlichen Medien, denn der wird definitiv deutsche Kinogeschichte schreiben.

 
Nachspann
mit einem Wort: SitzenbleibenbiszumSchlussdanke. 😉

Der Vollposten

Na, geht’s dir auch so? Liest du den Titel und denkst dir: “Wäh, noch so ein scheiß Film über die Intelligenzabwesenheit mit irgendwelchen Idioten, die das dumme Volk unterhalten sollen?”
Dann erliegst du auch dem Phänomen, das mit der immer schnelllebigeren Zeit einhergeht: Man sieht nicht mehr genau hin. Im Titel hat sich nämlich absolut kein “f” versteckt, sondern das Thema des Films ist ein gänzlich anderes.
Auch ich habe vor der Einladung zur Pressevorführung noch nie etwas über diesen Film gehört oder gelesen und meine ausgiebige Fragetour gestern hat auch kein einziger mit vorhandenem Wissen über diesen Titel beantworten können. Meiner Meinung nach dümpelt dieser grenzgeniale Streifen völlig zu Unrecht in den Unwissenheitsseen vor sich hin und sollte viel mehr Publicity und Aufmerksamkeit genießen, denn: Französische Komödien, die als Meisterleistung im Comedy-Bereich des Kinos gelten, sind hiergegen ein Scheißdreck.
Bereits ab der allerersten Minute erliegt man den Gewehrsalven des derben Humors, der garantiert kein Auge trocken lässt. Es tut als Rezensent schon fast weh, Wörter wie “Gag-Feuerwerk”, “garantierter Spaßfaktor” oder Ähnliches in den Mund zu nehmen, denn all diese adverbialen Beschreibungen werden dem nicht gerecht, was da tatsächlich von der Leinwand runterprasselt und jeden förmlich dazu zwingt, in Lachorgien auszubrechen.
Im Pressesaal war zumindest mal kein Auge trocken – und sehr viel Zeit, um sich zwischen den Witzen zu erholen und ansatzweise darüber nachzudenken, verbleibt genauso nicht, denn inzwischen lacht man bereits über die nächsten fünf Jokes und kuriosen Momente, mit denen hier an keiner Stelle gespart wird.
Sehr spannend finde ich auch, dass hier keinerlei Humor unter der Gürtellinie gebraucht wird, um irgendwie beim Publikum anzukommen, sondern alles auf einer charmanten, herzensguten Art fundiert ist, die sowohl alt als auch jung mitreißt. Und dabei geht es um ein Thema, das alles andere als witzig ist. Dieses dann in eine Form zu bringen, die so skurril und weltfremd scheint und dennoch ganz nah beim Zuschauer stattfindet, ist für mich eine Meisterleistung, die so selten jemand anders auf die Reihe bringt.
Die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen, das um einen herum Spielen mit Thematiken, die normalerweise in klassischer Unterhaltung zu Hause sind, das Andersartige in diesem Film hat mich zutiefst begeistert und selbst ich habe mich darüber gewundert, wie ungezwungen und fröhlich man mal wieder im Kino sein kann ohne jegliche Scham oder anderweitige negative Gefühle.
Ich predige hier ja schon seit Jahren immer wieder, dass ich so meine lieben Schwierigkeiten mit Komödien habe, weil es sehr schwer ist, mich in diesem Genre wirklich zufriedenzustellen – wer sich bisher darüber aufgeregt hat und wissen will, worüber ich lachen kann, der sollte sich diesen Film ansehen, denn der trifft ganz exakt meinen Humor.
Der Gang ins Kino ist in diesem Fall nicht nur Pflicht, sondern gehört zur Grundausstattung eines jeden, der in Zeiten wie diesen einfach mal wieder etwas Frohsinn und ungezwungenen Spaß erleben will. Kein Wunder also, dass Der Vollposten in seinem Heimatland bereits ca. 10 Millionen begeisterte Zuschauer kreierte und damit Filmgrößen wie Star Wars weit hinter sich ließ.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn es eine Komödie im Leben gibt, die ich wirklich uneingeschränkt gelungen finde, dann ist es Der Vollposten.
Der Film erwächst aus einer völlig neuen Art, etwas zu erzählen, dass es in dieser Form bisher noch nicht gegeben hat und erzählt hier eine Geschichte der ganz besonderen Art, die nicht nur mit wunderbaren Eigenschaften, sondern auch mit ganz viel Herzblut, Leidenschaft und freudiger Euphorie gefüllt ist, die – so klischeehaft dieses Wort klingt – wirklich kein Auge trocken lässt.
Beten wir zu Gott, dass sich viele Kinos dazu aufraffen, diesen Film auszustrahlen, dann können nämlich Ziemlich beste Freunde und Co. ihre Sachen packen und den Platz für die beste Komödie des Jahres räumen.

 
Nachspann
enthält am Schluss noch eine Audio-Überraschung.
Kinostart
voraussichtlich 22. September 2016

Mia Madre

Wenn arte im Kino landet, und erstklassige Regisseure ihr Handwerk nicht nur verstehen, sondern aktiv in die Hand nehmen, dann kommen dabei Stücke wie Mia Madre heraus.
Einigen ist bestimmt schon aufgefallen, dass ich in letzter Zeit ein klein wenig Filmflut hab durch den Publisher sickern lassen – der Grund dafür war ein intensiver Kinorausch, den ich mir in Berlin in meinem Stamm-CinemaxX geben durfte – der Ort meiner Filmsucht-Geburt.
Dort zeigte man eben nicht nur die üblichen Blockbuster und Massenproduktionen, sondern behielt eine komplette Etage Filmstudios allein für Werke besonderer Güte frei, in denen ich mich zum Großteil aufhielt.
Mia Madre ist so ein Werk, dass sich vorwiegend mit den Gefühlen einer Frau beschäftigt, die nicht nur einen hochspannenden Beruf ausübt, sondern dabei auch mit jeder Menge außerordentlicher Probleme konfrontiert ist, denen sie sich stellen soll.
Dies alles überschattend behandelt der Streifen die Beziehung zu ihrer Mutter, was nicht nur namensgebend (Mia Madre = Meine Mutter), sondern auch inhaltlich zu einer subtilen Moral verarbeitet wird.
Was man hier vorfindet, ist eben kein Film, der auf Großbildleinwänden von der Durchschnittsmasse angebetet, sondern heimlich im kleinen Kämmerlein von Bewunderern der Kunst in Genussform zelebriert wird, der eine ganz besondere Aura des Empfindens hinterlässt und sicherlich für manche harte Kost bedeutet.
Insofern weiß ich nicht, inwieweit es zum jetzigen Zeitpunkt noch sinnvoll ist, auf einen Kinobesuch hinzuweisen, Ausschau danach auf Sendern wie 3sat oder arte (wo er sicherlich irgendwann gescreent wird) zu halten, ist aber definitiv Pflicht. Denn hier ist ein Werk, in dessen Armen Menschen geboren werden, die uns später großartige Filmkunst auf der Leinwand bescheren und dafür sorgen, dass Anspruch, Güte und Qualität im Kino nicht abhanden kommt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Rührselige Inszenierung der Seele einer Frau, die mitten im Leben steht und sich Herausforderungen stellt, die ihr einiges abverlangen.
Freunde von emotionaler Kunst sollten definitiv nach diesem Film Ausschau halten. Was hier abläuft, funktioniert jenseits der Schienen altbekannter Filmmuster und zelebriert eine neue Form von emotionaler Bewandtnis in einer authentischen Umgebung.
Von mir mit dem Prädikat “Sehenswert” ausgezeichnet, den dies hat sich dieser Film redlich verdient!

 
Nachspann
gibt’s keinen. Man darf also wieder zurück ins echte Leben.

Page 1 of 2

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén