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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Isla Fisher

Catch Me!

Catch Me! – ein Spiel, dass glaube ich jeder in seiner Kindheit unzählige Male gespielt hat. Kindheit – die Zeit im Leben, in der man unbeschwert und voller Sorglosigkeit in jeden Tag hineinlebt und ein Abenteuer nach dem anderen durchstreift und dabei immer wieder neue Dinge entdeckt.
Dann kommt das Erwachsensein, man übernimmt Verantwortung, sucht sich Arbeit, wird seriös, macht gewisse Dinge nicht mehr, weil “das so gehört” und benimmt sich nicht mehr kindisch, um in der Gesellschaft nicht negativ aufzufallen.
Der “Ernst des Lebens” beginnt und damit einher gehen Traurigkeit, Depressionen, Sorgen, Nöte, Ängste, Abgründe und unvergleichlich viel negative Emotionen.
So selten fragen sich Menschen dann, wann und vor allem, warum sie die Fähigkeit des Lachens und der Freude aufgegeben haben und was sie eigentlich ganz genau davon abhält, diese Freude auch weiterhin zu verspüren, auch im höheren Alter?
Ich beobachte dieses Phänomen schon seit Jahren und habe mir persönlich damals gesagt, dass es wichtig ist, niemals die Fähigkeit zu opfern, täglich zu spielen. Wer aufhört, das Leben als ein Spiel zu betrachten, der öffnet gewissermaßen Depressionen und Ängsten Tor und Tür.
Catch Me! kommt nun mit einer wahren Geschichte daher, in der ein paar Männer eben jene Fähigkeiten nicht aufgrund ihrer Karrieren oder Lebenswegen geopfert haben, sondern sich alljährlich zusammentun und ihre Kindheit weiterleben lassen, indem sie einfach spielen. Die Idee und Botschaft, die hinter diesem Streifen steckt, ist also außerordentlich und beinhaltet eine gewisse Wichtigkeit, die sich jeder zu Herzen nehmen sollte.
Filmisch umgesetzt wurde das Thema super lustig, sofern man auf Ed Helms-Humor steht. Ich persönlich kann ihm weniger etwas abgewinnen und war auch kein allzu großer Fan der Hangover-Filme, es ist ganz nice anzuschauen und man lacht sich hier und da auch krumm ob der wirklich abstrusen Einfälle, jedoch verliert sich der Streifen damit ein wenig an “Ernsthaftigkeit”, die das Publikum – das ja nun mal erwachsen ist und bereits in der ‘Ich spiele nicht mehr’-Falle gefangen ist – dadurch nicht wirklich abholt, sondern bestenfalls top unterhält.
Die Message des Films bleibt davon aber absolut unberührt, was ihn für mich dennoch zu einem sehenswerten Film macht, den man am besten mit seinen Freunden im Kino anschauen sollte. Zusammen macht’s eben einfach mehr Spaß! 🙂
 

.kinoticket-Empfehlung: Tolle Botschaft, wahre Story und ein Appell an alle, die die Fähigkeit verlernt haben, sorglos durchs Leben zu spazieren.
Ed Helms hat einen besonderen Humorstyle, den man mögen sollte, um völlig bespaßt zu werden, unterhaltsam und witzig ist das Ding allemal und die Moral von der Geschicht’ würde unsere Welt auch in Teilen etwas mehr auflockern. Kein Überflieger, aber für einen tollen Kinoabend durchaus zu gebrauchen.

 
Nachspann
✅ Sitzen bleiben – selten so gelacht!
Kinostart: 26. Juli 2018

Die Jones – Spione von nebenan

Mit Gal Gadot und Zach Galifianakis eher prominent besetzt, erwartet man hier einen Film, der sich seinen Ruhm und Titel für den Aufstieg in die erste Liga reichlich verdient hat.
Geschichtlich fühlt man sich als Zuschauer sehr schnell an alte Kassenschlager erinnert (Mr. und Mrs. Smith), merkt aber recht früh, dass die Klasse, die seinerzeit Brad Pitt und Angelina Jolie an die Tagesordnung legten, hier gänzlich fehlt. Galifianakis steht als Persönlichkeit dank seines Erfolgs durch Hangover ja auch eher für schräge Filme (auch, wenn ich dieses Mal zweimal hinsehen musste, um zu checken, dass wirklich er es ist).
Die kuriose Erzählweise, der flache Humor, die unglaublich schlechte Vorhersehbarkeit – all das sind die Dinge, die den Zuschauer hier böse aufstoßen lassen. Mittlerweile sollte man kapiert haben, dass Menschen, die Geld für einen Film im Kino liegen lassen, intellektuell nicht jederzeit zur untersten Schiene gehören, sondern auch gerne gefordert werden und man ihnen durchaus geistig anspruchsvolles Material vorsetzen darf.
Dass dies hier nicht gemacht wurde ist offensichtlich und zugleich tragisch, denn dadurch beerdigt sich der Film von vornherein selbst.
Sollte die Intention jedoch eine ganz andere gewesen sein und man wollte einfach nur leichte Kost und spaßige FBI-Unterhaltung, so hätte man sich wohl mehr an dem Erfolg von Spy – Susan Cooper undercover orientieren sollen. Der spielt genauso mit den niederen Instinkten und befriedigt eine Klientel, der man die Klischee-Bierflasche in der Hand zuschreiben kann, stürzt dabei aber nicht so oft vom schmalen Grat des guten Geschmacks ab wie dieser Film hier.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein paar witzige Szenen sind durchaus enthalten, allgemein ist der Film für mich aber eher enttäuschend gewesen, zu uninnovativ und zu vorhersehbar.
Spannung und eine flotte Erzählweise fehlen und machen es dem Zuschauer dadurch sehr schwer, mit Begeisterung bei der Sache zu bleiben.

 
Nachspann
kann abgebrochen werden, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.

Nocturnal Animals

Es gibt hin und wieder Trailer, die irgendwo nichtssagend sind und dennoch so ein feinfühliges Rausfluppen aus der Allgemeinheit tangieren, das unterschwellig mitschwingt und so manchen Langzeitkinogänger zärtlich ankratzt.
Genau so ein Fall ist Nocturnal Animals, der auf den ersten Eindruck merkwürdig erscheint, man das Gesehene setzen lassen muss, hier und da eine positive Wertung aufnimmt und sich schlussendlich richtig darauf freut.
Strike – was meine Vermutung und mein Hauptwunsch für die Sneak Preview diese Woche angeht – es war Tom Fords neuestes Werk, das nicht nur als film noir wieder berauschende Maßstäbe setzt, sondern eine überraschend packende Story beschreibt, die ich diesmal sogar mega gerne als Buch gelesen hätte.
Die für ihn typischen Charakterzüge mit Achtung vor der Eleganz, Anmut und dem stilistischen Design seiner Schauspieler, dass teilweise bereits schon auf Kosten des Plots in den Himmel gekürt wurde, zieht auch hier wieder kräftig an der Wichtigkeitsleine und beweist, dass es eben ein echter Tom Ford ist.
Stimmung kommt auf jeden Fall auf und das düstere Schauspiel nährt sich im Zuge seiner Episoden immer mehr von den Interpretationsmöglichkeiten, die man als Zuschauer dazu investiert und sich somit irgendwo selbst sein Bild des Geschehens macht – ganz im klassischen Sinne hervorragenden Kinos.
Da ich eh ein Fan von film noir bin und diese Darstellungsmethode liebe, das düstere, das unerreichbare, zerbrochene, markante und trächtige Wesen dieser Filmart total mag, war nicht nur ein Grund, weshalb dieser Titel bei mir voll eingeschlagen hat.
Dazu kommt einer meiner Lieblingsschauspieler – Jake Gyllenhaal – der auch hier wieder eine hervorragende Performance abliefert und dem das Drehbuch – wieder einmal – auf den Leib geschneidert erscheint.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für hervorragende Unterhaltung mit Anspruch, Anmut und Eleganz als empfehlenswertes Stück Filmgeschichte zu gebrauchen.
Die Erzählweise, Verschachtelung der Ereignisse und das Rüberbringen der Atmosphäre sind hier wieder einmal vom Konzept her gründlich durchdacht und mit Hingabe und Liebe zum Detail umgesetzt, ohne dass man sich dazu zu sehr in irgendwelchen Nebensächlichkeiten verirrt.
Herausragend, so darf es gerne weiter gehen!

 
Nachspann
Es bleibt der übliche Schuss vor den Bug, der den Zuschauer entlässt und ihm Zeit zum Nachdenken gibt. Diese Zeit wird durch nichts weiteres unterbrochen.

Der Spion und sein Bruder

Sacha Baron Cohen ist für viele ein heißes Eisen. Was man mit Gewissheit sagen kann: Seine Filme sind kritisch, schwer verdaulich und mit Sicherheit nichts für die breite Masse.
Sein Humor verlangt, dass man sich mit seiner Art, Filme zu machen, auseinandergesetzt hat und der Übertriebenheit seines Stils etwas abgewinnen kann. Cohen nimmt kein Blatt vor den Mund und ihm ist nichts zu peinlich, was er in seinen vergangenen Werken nur allzudeutlich zu erkennen gegeben hat.
Worum viele mittlerweile einen Bogen machen, entwickelt sich für mich neuerdings zu sehnsüchtig erwarteter Kost, da ich die Andersartigkeit nicht nur als erfrischende Abwechslung in einem immer größer werdenden Pott von mainstreamiger Langweiligkeit begrüße, sondern ihn langsam beginne, zu verstehen.
Klar rollen sich einem bei manchen Szenen die Fußnägel des guten Geschmacks undurchtrieben nach oben, jedoch ist die teilweise unerträgliche Ehrlichkeit und Geradlinigkeit seiner Machart derart sympathisch, dass man ihm auch grobe Schnitzer bereitwillig verzeiht und sich mit zunehmender Zeit immer leichter auf diesen Schmarren einlässt.
Und ist dieser Grad des guten Geschmacks einmal seicht umsegelt, hat man in der Vorstellung jede Menge Spaß.
Das Problem sehe ich hier wiederum eher in der üblichen Art, die Leute in diesen Film zu bewegen, denn hätte ich nur den Trailer zur Verfügung gehabt, wäre dieser Titel auch als eher unspannend von mir abgetan worden. So aber kam ich in den Genuss einer exklusiven Preview, die durch die zusammenhängenden Szenen dann eher den Geist des Films offenbart und das anfangs falsche Trailerbild wieder zurechtgerückt hat.
Und zusammenhängend macht das Werk dann nämlich auch richtig Freude – wenn man sich darauf einlässt. Was man aber auf keinen Fall erwarten darf, ist leichte Unterhaltung, die sich mit anderen Filmen vergleichen lässt. Diesbezüglich hat Cohen längst sein eigenes Genre erschaffen, in dem er genauso aufblüht, wie ein Tarantino es gleichermaßen in seinem Umfeld tut. Davon zeugen nicht nur teils wirklich akribische, höchst professionell gefilmte Szenen wie hier am Anfang, mit denen er unlängst bewiesen hat, dass es ihm mit der ganzen Sache durchaus todernst ist.
Ein Unikat, und ich möchte schon fast sagen, ein unterschätztes Genie in Hollywood, dem man auch in Zukunft sehr genau auf die Finger schauen sollte. Diesen oberflächlich wirkenden Blödsinn tatsächlich als solchen abzutun wäre definitiv ein riesengroßer Fehler.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sich vorher andere Filme von Sacha Baron Cohen angesehen zu haben, ist definitiv kein Fehler.
In einem eigens von ihm geschaffenen Genre blüht er auch hier wieder mit Können und ungeniertem Talent auf und unterhält auf sehr schwierigem Niveau. Ein Film für die Masse ist das nicht. Dass man es deswegen aber mit nicht sehenswertem Material zu tun hat, bedeutet dieser Umstand ganz gewiss nicht.
Reingehen, wenn man einen seiner vorherigen Filme auch nur annähernd mochte.

 
Nachspann
Auch wenn es schwer fällt: Sitzenbleiben. Nicht nur, bis die Sequenzen im Abspann durch sind, sondern bis ganz zum Schluss. Der Vorhang geht nochmal auf.

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