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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Internet

The Cleaners

Dieses Mal ist es ganz einfach: Beantworte folgende Fragen. Falls du bei einem (oder mehreren) Punkten mit “ja” antwortest, dann ist dieser Film für dich Pflicht!

  • Hast du ein Smartphone?
  • Bist du bei Facebook registriert?
  • Nutzt du Twitter?
  • Schaust du hin und wieder (oder regelmäßig) auf YouTube Videos?
  • Nutzt du Instagram?
  • Nutzt du generell soziale Netzwerke?
  • Folgst du auf irgendeiner Plattform Freunden?
  • Hast du dir Ausschnitte eines Lebens schon mal in einer Timeline oder Wall angesehen?
  • Kennst du Menschen, die soziale Netzwerke nutzen?
  • Hast du vom Datenskandal auf Facebook gehört?
  • Hast du schon mal etwas von der Einflussnahme sozialer Netzwerke auf unsere Gesellschaft gehört?
  • Kennst du den Namen “Mark Zuckerberg“?
  • Sagt dir Google etwas und nutzt du deren Online-Angebote manchmal?

Solltest du eine dieser Fragen da oben mit “ja” beantworten, dann stehst du in der Pflicht! Dann bist du mit verantwortlich! Dann bist du Teil von etwas, das der Menschheit längst über den Kopf hinausgewachsen ist – ein entfesseltes Monster, dass es wieder zu bändigen gilt!

In den letzten Tagen und Wochen ist ein Konstrukt durch die Medien gegeistert, von dem diejenigen, die sich nicht aktiv mit Medien, IT und der Macht dahinter beschäftigt haben, vielleicht nicht viel verstanden haben.

Wieder einmal gilt nämlich: Worin Politik, Medien und öffentliche Personen glorreich versagt haben, obsiegt einmal mehr die Leinwand, indem sie eine Filmproduktion zulässt, die jedem Menschen diese Dinge beispielhaft und einleuchtend erklärt.

Es geht um ein Phänomen, von dem kaum einer etwas mitkriegt, weil diesen Personen unfassbare Bürden aufgelegt werden – wie die, über ihre Tätigkeiten schweigen zu müssen … was nun mutige Filmemacher recherchiert und enthüllt haben: Die schmutzige Dreckwäsche der Communities, in denen wir alle uns mehr oder weniger täglich rumtreiben und von dem Gebaren vordergründig kaum etwas mitkriegen.

The Cleaners heißt zu Deutsch: “Die Säuberer” – und dieses Wort allein löst schon eine schmutzige Affirmation aus: Ethnische Säuberungen, brutale Aktionen, Etwas, wo man am liebsten schnell wegschauen möchte, weil es mit Sicherheit irgendetwas Ekelhaftes im Hintergrund birgt.

Dieses Ekelhafte ist der Mensch. Das, was Menschen tagtäglich auf sozialen Plattformen hochladen, was von Facebook sozialgenormt als “hatespeech entfernen” in den Medien salonfähig gemacht wurde. Was so “normal” und wie eine gesellschaftliche Pflicht klingt, ist in Wirklichkeit ein hässliches Geschäft, dass auf dem Rücken weniger ausgetragen wird und enorme Risiken birgt, die eine Grundsatzdiskussion auslösen MÜSSEN!

Leute, um diese Pflicht können und dürfen wir uns nicht mehr drücken: Die Inhalte dieses Films MÜSSEN in den Medien und der Öffentlichkeit, in Schulen, Universitäten diskutiert werden, ja – dieser Film sollte zur Pflichtlektüre werden, bevor man sich als Anwender jemals an ein Smartphone setzen und dieses benutzen darf.

Ich appelliere hier ganz stark an die öffentlich-rechtlichen Medien, von ihrer Reichweite und Gebührenstärke unabhängig von der Quote Gebrauch zu machen und diesen Film breitflächig durch das Programm zu jagen – wieder und wieder – und all diejenigen zu erreichen, die es bislang noch nicht in den Kinos gesehen haben, solange der Film dort läuft.

Diese Botschaft hat nichts mehr damit zu tun, dass jemand hier Geld verdienen will oder man einfach nur “eine Geschichte” erzählt, diese Botschaft grenzt von ihrer Wichtigkeit her an die Grundprinzipien des Menschen, deckt Abgründe auf, in die wir uns alle mit Scheuklappen verrennen und elendig darin zugrunde gehen, sofern wir uns nicht aktiv diesem Thema annehmen und uns alle endlich darüber klar werden, was da eigentlich im Hintergrund gespielt wird – und wieso!

Das hat auch nichts mehr mit “Facebook” allein zu tun oder mit sozialen Netzwerken. Selbst wenn du kein Handy hast, kein Account auf dem Blauen Riesen besitzt, dich vehement dagegen weigerst, ein Smartphone zu besitzen und zu bedienen, aber deine Freunde oder Familie tut es: Deine Pflicht ist hier genauso, sie mit diesem Film zu konfrontieren und zur allgemeinen Debatte beizutragen, damit endlich Aufklärung in diese dunklen Bereiche kommt und die Menschen wissen, WAS sie da in den Händen halten.

Hier gehört Schulung her, hier gehören Menschen her, die mit klugen Gedanken eine Gesellschaft unterrichten und die Kompetenz in jedem einzelnen herstellen, der bereits ein Smartphone besitzt und diese Netzwerke ständig nutzt.

Die jahrelang versäumten Informationen, die aus dem “Was ist das überhaupt? Das braucht doch kein Mensch” ein Medium entwickelt haben, von dem heute viele süchtig sind und ohne das viele nicht mehr leben können, gehören endlich in die breite Öffentlichkeit, damit jeder, der dort drin agiert, endlich selbstbestimmt und verantwortungsbewusst postet und derartige Aktionen nicht mehr in den digitalen Hinterzimmern durchgeführt werden müssen, sondern endlich transparent und vom Bürger verständlich in die Primetime von ARD und ZDF gespült werden, damit diejenigen, die zu dem Zeitpunkt nicht schauen, spätestens in die Wiederholungen in den Dritten reinschalten, weil es vom Ersten in einer Primetime ausgestrahlt wurde und daher wichtig sein muss!

Letztendlich liegt die Verantwortung nämlich allein bei uns – den Anwendern – die ihr Verhalten und ihre Sichtweise mit eigenen Gedanken bespielen müssen, damit nicht mehr das Netz das alleinige Medium bleibt, dem man Glauben schenkt, sondern das eigene Hirn das zentrale Organ wird, mit dem ein objektives Bild hergestellt wird und manche (viele?) Dinge vorerst in Frage gestellt werden.

Und bevor jetzt der ein oder andere Angst kriegt, dass dies wieder so eine aufmerksamkeitsheischende Hetzjagd auf soziale Netzwerke wird: Dies ist es nicht. Dieser Film versteht sehr gut die Bedürfnisse und zeigt genauso auf, wie wichtig diese digitalen Einrichtungen sind. Hier werden keine Pauschalurteile gesprochen, sondern immens wichtige Punkte angerissen und Dinge aufgezeigt, die zum Alltag (!) dieser Netzwerke gehören und die einfach nicht länger ignoriert werden dürfen!

.kinoticket-Empfehlung: Der Film feierte im Rahmen des DOK.fest in München seine Deutschlandpremiere und startet am 17. Mai 2018 regulär in den Kinos.

Seit diesem Zeitpunkt kann niemand mehr behaupten, er “habe ja nichts davon gewusst”, sondern es gehört zu eurer bürgerlichen Pflicht, diesen Stoff zu konsumieren und zu verstehen – und lautstark dafür zu protestieren, dass diese Diskussion endlich von den Medien sachlich aufgegriffen wird, in Schulen und Universitäten verbreitet und flächendeckend die Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, wie wir alle in Zukunft mit so etwas umgehen müssen.

Die Zeit des Wegsehens ist vorbei und Ausreden gelten dabei auch nicht: Wer sich den Eintritt ins Kino nicht leisten kann, für den werden TV-Ausstrahlungen zur Verfügung stehen, wo er sich spätestens darüber in Kenntnis setzen kann, was dieser Film zu berichten hat.

Und ja, hier ist nichts gefaked, sondern es ist ein Enthüllungsfilm, der unter enorm schwierigen Voraussetzungen gedreht wurde und bei dem einige Menschen ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um uns an diese Informationen gelangen zu lassen. Also zollt ihnen gefälligst den Respekt dafür, den sie verdient haben!

Ich weiß: Die Konkurrenz diese Woche ist riesig – aber die Message dieses Dokumentarfilms ist um Welten wichtiger!

Nachspann
❌ Raus zu den anderen und darüber reden! Tauscht euch darüber aus. Diskutiert auf den Schulhöfen, in den Klassen, mit euren Lehrern, in Apple-Stores und Handyverkaufsgeschäften. Auf der Straße. Einfach überall darüber, was hier abgeht. Den Nachspann braucht ihr dafür nicht abwarten.

Kinostart: 17. Mai 2018

Original Title: The Cleaners
Length: 85 Min.
Rated: FSK 16

Und das sagen andere zu diesem immens wichtigen Film:
Programmkino.de: https://www.programmkino.de/content/Filmkritiken/the-cleaners/
ARD-Sendung Stilbruch: http://www.ardmediathek.de/tv/Stilbruch/The-Cleaners-Doku-über-die-digitale-/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=3914800&documentId=49763856
Variety.com: http://variety.com/2018/film/reviews/the-cleaners-review-1202673932/ (englisch)
Puls im BR: https://www.br.de/puls/themen/popkultur/interview-macher-the-cleaners-100.html


Userstimmen: Wenn ihr auch in diesem Beitrag gelistet und verlinkt werden möchtet, schreibt einfach eine kurze E-Mail mit eurem Blog/Artikel und einem Link dazu an meine E-Mail benjamin@directbox.com – ich werde eure Beiträge sichten und gerne mit einpflegen. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass sich so viele Menschen wie möglich mit diesem Thema auseinandersetzen und wir denjenigen Gehör verschaffen, die so etwas im Namen dieser Konzerne durchleiden müssen.

Gerne freue ich mich auch über Backlinks: Let’s spread the world!

The Circle

Am schlimmsten sind die Dinge, von denen keiner so wirklich merkt, dass sie immer mehr zum Alltag werden, bis es irgendwann kein Zurück mehr gibt.

In Zeiten von Digitalisierung, Vorantrieb durch die Politik, gnadenloser Überwachung und dem konzentrierten Ausbau totalitärer Transparenz merkt man nicht, dass bestehende Konzerne wie Facebook, Apple, Google oder Amazon im digitalen Bereich längst die Weltherrschaft an sich gerissen haben und die Bürger durch ihre Strategien kontrollieren.

Die Menschen rennen ihren Produkten hinterher, erfreuen sich an der scheinbaren Kostenlos-Politik und merken dabei nicht, dass die Währung des heutigen Zeitalters längst nicht mehr Geld in Form von Papier und Münzen, sondern die digitale Identität zum Zahlungsmittel mutiert ist.

The Circle nimmt sich dieses Themas an und baut dabei auf Ideen aus dem Buch von Dave Eggers, der sich einfach mal vorgestellt hat, wie die Welt in ein paar Jahren aussehen könnte und welche Folgen diese Entwicklung haben wird.

Ansätze davon sieht man auch schon heute, wenn man mit offenen Augen den Fortschritt der Technik und des Internets begutäugt. Längst stellt sich nicht mehr die Frage, ob diese Mutation nun gut oder schlecht, gewinnbringend und förderlich oder angstbereitend ist, sondern man kümmert sich nur noch darum, wie man den Schritt in die digitale und damit vollkommen überwachbare Phase gehen kann.

Dass die Kameras in den Supermärkten an der Kasse nicht dafür da sind, um Diebstähle zu verhindern, sondern ebenfalls die Mitarbeiter überwachen und sogar ermöglichen, die Kunden und ihr Einkaufsverhalten auszuspionieren, dürfte jedem klar sein. Dass mit Punktekarten darum geworben wird, zu erfahren, was der Kunde tatsächlich gekauft und womit er bezahlt hat, ist auch kein großes Geheimnis mehr und die immer weiter um sich greifende Vernetzung aller möglicher Dienste, teils durch Aufkäufe von größeren Firmen (siehe Whatsapp-Übernahme durch Facebook) dienen nur mehr dazu, detailliertere Profile von Nutzern zu erstellen, um in der Flut von Userdaten Trends und Werbepublikum zu erkennen und letztendlich dadurch Geld zu machen.

The Circle treibt diese Gedanken und Entwicklung, in der wir mittendrin stecken, komplett auf die Spitze und zeigt im Schnellverfahren, wohin wir mit riesigen Schritten zurasen, wenn dieser Farce nicht irgendwann Einhalt geboten wird.

Und das wird nicht passieren. Niemand hat Interesse daran, Firmen Einhalt zu gebieten, die sich ehrenamtlich engagieren, soziale und ökologische Projekte fördern und Umweltschutz auf ihre Fahnen schreiben, um beim Publikum gut anzukommen. Keiner möchte auf die gut gemeinten Ansätze verzichten, die uns kostenlos in den Appstores angeboten werden.

Niemand macht sich irgendwo Mühe, wenn man das gleiche Ergebnis auch gratis von Google in Simplizität ausgeliefert bekommt und warum noch nach etwas suchen, wenn Amazon mühelos und günstiger nach Hause liefert.

Wer immer noch der Meinung ist, er könne durch Weglassen von Smartphones oder den Verzicht auf Online-Banking dieser Überwachung entgehen, der erkläre mir doch einmal, wie er im Stadtzentrum von München all den Kameras entfleuchen will, die überall in den Geschäften angebracht sind und mit denen auch die Straßenszenen aufgenommen werden können. Oder wie er verhindern will, dass er von unzähligen Smartphone-Aufzeichnungen erfasst wird, die ihr Material wieder an eine der großen Firmen ausliefern. Oder wie er ohne Bankkonto im Laden bezahlen will (unter laufenden Überwachungskameras), die somit in irgendeiner Form ermitteln, wer was wann getan hat. Oder wie er öffentliche Verkehrssysteme benutzen möchte ohne von Kameras (auf der Autobahn, im Bus, in den Zügen, S- und U-Bahnen) erfasst werden möchte.

Oder wie er tanken will, ohne dass er auf einem Überwachungsband landet.
Ihr merkt: Argumentationen dieser Richtung sind nicht nur sinnbefreit, sondern grenzen bereits an Lächerlichkeit und bezeugen eher, dass die Verfechter dieser Ansicht völlig am aktuellen Weltbild vorbei leben und keinerlei Ahnung haben, was sich direkt in ihrem Umfeld abspielt.

Damit wird The Circle wieder einer der Filme, die nicht nur mit offenem Mund wieder aus dem Saal schicken, sondern gerade deshalb zur Pflichtlektüre jedes Bürgers und Politikers gemacht werden sollten, um aufzuzeigen, dass all die Gemütlichkeit und Datenflut nicht nur gänzlich positive Seiten hat, sondern die Diskussion um Überwachung, “Schutz und Sicherheit” und mögliche Folgen noch lange nicht ausdiskutiert ist.

.kinoticket-Empfehlung: Der Gang ins Kino ab dem 14. September 2017 gehört zur Grundwissensausbildung und die breitgefächerte Diskussion in der Öffentlichkeit ist für mich eine unvermeidbare Aufgabe, der sich die Gesellschaft noch zu stellen hat.

Wer’s nicht abwarten kann, darf gerne inzwischen zum Buch oder einer alternativen Geschichte von Marc Elsberg greifen (Zero), um sich mit der Thematik vertraut zu machen.

Allen anderen wird ab oben genanntem Datum der Inhalt durch wahnsinnig gute Schauspieler präsentiert, die einen Film abliefern, der neben extrem spannender Unterhaltung auch unglaublich hohes Informationspotenzial aufweist und hier den Sprung aus der Entertainment-Kiste schon im .trailer vollzogen hatte.

Reingehen ist hier Pflicht und steht außer Frage!

Nachspann
❌ liefert keine weiteren Szenen, sollte aber bereits zum Gespräche beginnen genutzt werden, denn dieses Thema wird uns eines Tages alle umbringen, wenn niemand etwas tut!

Kinostart: 14. September 2017

Original Title: The Circle
Length: 110 Min.
Rated: FSK 12

Monsieur Pierre geht online

Soll ich verraten, wie der Titel im französischen Original heißt? Nein, denn das würde zu viel spoilern, euch aber vor negativen Überraschungen bewahren. Ihr merkt schon, ich bin zwiegespalten, was das – und auch, was den Film angeht.
In der ersten Hälfte hat man nämlich richtig viel Spaß, erlebt freizügige, unverbrauchte Gags auf einem Gebiet, in das man sich meines Wissens nach filmisch noch nicht vorgewagt hat – was wiederum erfinderische Unterhaltung und jede Menge kreative Abenteuer verspricht, die der Film im letzten Abschnitt aber keineswegs liefert.
Irgendwie ist nach der Hälfte der Zeit die Luft absolut raus und der anfangs vorpreschende Geist des frischen Windes und der französischen Leichtigkeit verebbt zu einem zähen Schlamm widerwilligen Fortbewegens, während man in klischeehafte Comedy-Bausteine abfällt, um sich dann irgendwie noch zum bitteren Ende vorzukämpfen, das mit Ach und Krach in einem unsensationellen Finale gipfelt. Als wäre der Regisseur mit seiner Crew in der Mitte des Films auf einmal depressiv geworden und keiner hätte mehr großartige Lust gehabt, das Projekt jetzt auch zu beenden.
Das andere: Der Titel – im Original am Schluss gezeigt – wirkt irgendwie wie eine Entschuldigung, dass jetzt doch alles so mies geworden ist, während man im Deutschen auf völlig andere Erwartungen stößt, die logischerweise nicht erfüllt werden. Für mich ein nachträglicher Stoß vor den Kopf, der einem mitteilt: “Ätsch, falsche Erwartungen gehabt, hättest dich mal eher informiert”.
Und obwohl man hier alle klassischen Elemente einer Komödie vorfindet, erinnerte mich der Film eher an eine ermüdende Tragödie denn an ein (schwarzes) Humorstück. Anfangs fand ich diese unaufgeregte Ruhe noch extrem entspannend, während man sich im weiteren Verlauf kaum zu einem neuen Aufschwung hocharbeitet, sondern eben immer weiter in den Strudel der Depressivität eintaucht, der mit einem unglaublich vorhersehbarem Ende auch nicht besser wird.
Dabei können die Franzosen doch sonst so unglaublich gute Filme machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fürs Kino nur bedingt zu gebrauchen, da man sich mittendrin auf einmal anfängt, über den Kauf zu ärgern.
Ausrufe wie “Hä?” oder “Oh mein Gott…” im Publikum waren durchaus berechtigt.
Wer sich die (finanzielle) Enttäuschung sparen möchte, sollte warten, bis das Teil im Free-TV läuft und dann nur bis zur zweiten Werbepause schauen.

 
Nachspann
kommt keiner, wer sich also nicht noch mit seinem Sitznachbarn über den Film austauschen möchte, darf gern den Gang ins Tageslicht antreten.
Kinostart: 22. Juni 2017

Greg's Tagebuch: Böse Falle

Es ist wieder Kinderzeit im Kino: Mit Gregs Tagebuch: Böse Falle startet Twentieth Century Fox am Donnerstag den vierten Teil der Verfilmung dieser Kinderbuchreihe, der auf Band 9 der Gregs Tagebuch-Reihe basiert.
Für diesen Teil wurde ein komplett neuer Cast an Board geholt. Gespickt mit wunderbar niedlichen Animationen hätte der Film meiner Meinung nach sogar vollanimiert eingeschlagen, denn er vermittelt ein unglaublich heimeliges, nachvollziehbares und spannendes Ambiente für die Kids, die allesamt im Saal einen riesigen Spaß hatten.
Im hintersten Eckchen meiner kritischen Meinungshöhle bildete sich zwar ansatzweise eine leichte Furcht vor der FSK 0-Freigabe, die der Film erhalten hat, da manche Szenen verwirrend und durchaus fragwürdig sind, denen ich stellenweise sogar lieber FSK 12 verpasst hätte, jedoch ändert dies nichts an der wunderbar komischen und durchaus realistischen Darstellung der verrückten Abenteuer des Kinderbuch-Helden.
Das Zielpublikum ist natürlich die jüngste Riege, auch wenn selbst Erwachsene hierbei ihren Spaß haben können. Es ist also verständlich, dass man kein FSK 12 in Erwägung gezogen hat, da man dadurch per se die gewünschte Zielgruppe systematisch ausgeschlossen hätte, jedoch wäre ich dann beim Schnitt dazu übergegangen und hätte den Film um die entsprechenden Szenen gekürzt.
Abgesehen davon hat es selbst mir Spaß gemacht, denn dieses Mal musste man sich – im Vergleich zu vielen anderen Familienfilmen – nicht für irgendwelche Dummheiten fremdschämen. Gerade diese abstruse Natürlichkeit verleiht diesem Film einen unglaublichen Charme und hinterlässt ein wohliges, unterhaltsames und liebenswürdiges Areal, das die Fantasie und Abenteuerlust der Kleinsten auf seine Weise vollkommen anregt und für Abwechslung im Alltag sorgt.
Und genau dafür ist Kino ja wie geschaffen: Zum Ausblenden, Abschalten, in andere Welten eintauchen und sich von fremden Abenteuern überraschen und unterhalten zu lassen. All dies tut der Film auf beste Weise und liefert damit für mich den bis dato besten Kinderfilm dieses Jahres ab.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn stellenweise ein paar Szenen dabei sind, die man 3-4jährigen jetzt nicht unbedingt auf die Augen drücken muss, ist dieser Film einer der besten Familien-Action-Blödelfilme, die ich jemals gesehen habe.
Der neue Cast ist sympathisch, spielt spritzig und liefert dabei jede Menge komische Momente und spannende Abenteuer für die Kids, bei denen auch Erwachsene eine Portion Unterhaltung bekommen.
Daumen hoch!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, es sei denn, man mag die Animationen, die mit durchlaufen.
Kinostart: 1. Juni 2017

Why Him?

Bryan Cranston ist spätestens seit Breaking Bad ein Publikumsmagnet und begeistert in seinen Rollen immer wieder eine Schar seiner Fans. Wo er früher in Malcolm Mittendrin noch eher die unsichere Rolle dargestellt hat, zeigt er in Why Him?, dass er längst aus dieser Unbeholfenheit entwachsen und in seiner Glaubwürdigkeit ungeschlagen ist (Ja, das hat er in Breaking Bad schon bewiesen …).
Das ihm hier aufgeschusterte Rollenbild stellt er nicht nur perfekt dar, sondern symbolisiert damit schon fast den rettenden Fels in der Brandung, den man im Verbalgaggewitter von James Franco und dessen absolut übertriebener Verrücktheit durchaus braucht, um diese zartlinige Odyssey humoristischen Ausmaßes heil zu überstehen.
Dabei schlägt sich Why Him? weit über dem Niveau deutscher Comedy, auch wenn die Ausflüge oberhalb der Grenzen des guten Geschmacks kaum dominieren. Gerade am Anfang des Films bombardiert man mit einem Gag-Feuerwerk, dass ebenso schrägt wie funktionell ist und damit garantiert die Masse erreicht. Und das erstaunlicherweise nicht auf Fremdschäm-Niveau, sondern durchaus mit Stil und Charme, während der Zuschauer auch hier wieder permanent aus der Wohlfühlzone gekickt wird.
Damit treffen die Macher durchaus den Nerv der Zeit und beweisen, dass selbst das rabiate Sprachbild unserer Generation mit Stil durchleuchtet und gewissenhaft wiedergegeben werden kann, ohne dabei den Intellekt älterer Zuschauer zu vergrämen.
Im weiteren Verlauf des Films verzahnt man sich dann hier und da mit ein paar Längen, wird zeitweise ernster und erinnert sich stellenweise wieder an das Cindy aus Marzahn-Niveau, das allerdings immer wieder abgefedert wird und somit nie richtig zur Geltung kommt. Der Film funktioniert, wenn auch nicht in der Oberklasse sehenswerter Filme.
Sei’s drum: Im Publikum kam er an und überzeugte mit einer überragenden Mehrheit bei den Bewertungen der Sneak-Preview und sorgte somit für positive Stimmung selbst außerhalb der Kinos. Denn: Sogar in den U-Bahnen wurde anschließend fröhlich weiter darüber diskutiert und Späße gerissen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mehr als einmal würde ich ihn mir jetzt auch nicht anschauen, die Witze sind aber durchaus gelungen und treffen moderat den Geist der Zeit.
Das Zusammenspiel zweier Extreme wurde hier wunderbar miteinander verwoben, endet schließlich aber in einer etwas ernstzunehmenderen Länge, die sich zeitweise wirklich zieht.
Das gibt dem Film jetzt nicht den Todesstoß, jedoch spürt man, dass zum Schluss die Luft irgendwie raus ist.
Nichtsdestotrotz ist der Ausflug in diese Welt durchaus als sehenswert zu bezeichnen und erfreut ab Donnerstag hoffentlich auch ein paar mehr Kinogäste.

 
Nachspann
sollte mitgenommen werden, denn hier kommt noch ein bisschen was.

Kingsman – The Secret Service

Wenn es einen Film gibt, den man gesehen haben muss, dann ist es Kingsman. James Bond auf parodistische Art zu persiflieren ist in der Regel ein Unterfangen, das die schmale Gratwanderung zwischen lustig und voll daneben in den allermeisten Fällen nicht überlebt. Gerade bei komödiantisch angehauchten Macharten geht dieser Schuss – was mein persönliches Empfinden betrifft – fast schon per Definition nach hinten los.

Nicht bei Kingsman. Die Grenze zwischen genial und absolut dämlich wird niemals überschritten. Alles behält den im Film allzeit forcierten Standard von Gentlemen und ist dabei nicht nur unterhaltsam, sondern sorgt mit genügend lustigen Einlagen auch für jede Menge Lachspaß im Kinosaal.

Die Härte, denen sich die Bewerber in diesem Fall stellen müssen, grenzt nahezu an Wahnsinn und hält immer genügend Flächen offen, um verbal nochmal eins nachzusetzen. Dabei vergeht die Zeit wie im Flug.

Man mag meinen, das Thema sei schon ausgekaut genug, doch dieser Film belehrt hier eines besseren. Es macht ungeheuren Spaß, den Figuren dabei zuzusehen, wie sie versuchen, das Ende der Welt zu verhindern. Jeder einzelne verkörpert dabei eine verdammt gute Nummer und leistet hervorragende Schauspielarbeit. Selbst die Newcomer charmeuren durch ihre teils unbeholfene Art, die komplett in ihre Rolle passt und somit nicht negativ zu werten ist.

Ganz abgesehen vom Zusammenspiel zwischen Colin Firth und Taron Egerton, der als Gary “Eggsy” Unwin hier die ungelernte Rolle des Schützling von altem Hasen einnimmt und mit Bravour meistert. Das gegenseitige Bälle zuwerfen macht nicht nur beim Zusehen Spaß, sondern toppt auch mit verdammt lässigem Coolness-Faktor. Dabei steht das Alter der Jugend in rein gar nichts nach.

Die Ideen, mit denen der Film aufwartet, sind gleichermaßen skurril wie genial und teilweise auch gar nicht mal so abwegig. Doch abseits jedweder gesellschaftlicher Entwicklungskritik verliert man niemals den Fokus, der hier eindeutig auf pures Vergnügen ausgerichtet ist.

Lange – wirklich lange – keinen so guten Film mehr gesehen, der in unserer Zeit produziert wurde.

Das Sahnehäubchen war für mich dann noch das Publikum! Jungs – ihr ward wirklich großartig!!! Selten so viel Spaß jenseits der 100-Menschen-im-Saal-Grenze erlebt und so viel gemeinsam gelacht.

Ein Kinobesuch, wie er im Buche steht, der meiner Meinung nach noch sehr viel öfters so sein könnte.

.kinoticket-Empfehlung: Wenn du Comedy was abgewinnen kannst, gehört Kingsman sowieso zur Pflichtlektüre. Wenn nicht, dann lerne endlich, dass es zwischen all dem Mist auch manchmal Perlen gibt, die man sich ruhig ein zweites Mal anschauen kann.

Die Story sprudelt geschüttelt, nicht gerührt daher und verleiht dem großen Vorbild Bond allzeit gebührend alle Ehre. Reingehen!

Nachspann
✅ Sollte man dringendlichst abwarten, denn die Coolness hört auch da nicht auf.

Kinostart: 12. März 2015

Original Title: Kingsman: The Secret Service
Length: 129 Min.
Rated: FSK 16

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