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wenn aus filmen leidenschaft wird

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ITTEFAQ – Es geschah eines Nachts

Und weiter geht’s im Land der Besonderheiten: Wir bewegen uns nach Bollywood und verzichten gleich mal auf Show, Tanz und Gesang: Ja, Indien kann auch ganz anders!
ITTEFAQ – Es geschah eines Nachts lehnt an das 1969 gedrehte Filmwerk an und präsentiert einen erstklassigen Krimi in indischer Manier: der deutsche Kulturgänger wird hier wohl die ein oder andere merkwürdige Szene finden, die den indischen Humor durchscheinen lässt, was für den geneigten film noir-Liebhaber wohl seltsam anmuten wird, allerdings kann man sich stellenweise das Lachen dann doch nicht verkneifen und die Story reißt auch ziemlich bald in ihren Bann und fesselt bis zum spektakulären Finale.
Wer sich jetzt desinteressiert abwenden möchte: In Indien wurde der Streifen zeitgleich mit Thor: Ragnarok released, was eine ziemlich starke Konkurrenz darstellt und gegen den er trotzdem seinen Platz behauptet hat. Ein Blick in die hierzulande rar gesäten Vorstellungen ist er also definitiv wert.
Über die anfängliche Suche zwischen Komödie und Thriller ist er schnell hinweg und entwickelt dann einen sehr speziellen, tiefergehenden und interessanten Blick in eine Geschichte, die zum Mitraten einlädt und ihre Offenbarung lange auf sich warten lässt. Diese ist dafür aber umso genialer und bereitet dem Zuschauer ein süffiges Ende. Damit erlebt man einen Thriller, der zwar von fern her kommt, es jedoch locker mit internationalen Größen aufnimmt und sie locker in die Tasche steckt. Prädikat: Sehenswert!
 

.kinoticket-Empfehlung: Bollywood mal ganz anders: Kein Gesang, kein Tanz und keine Kleider: Hier herrschen völlig neue Prinzipien und nehmen einen mit auf eine spannende Ratetour quer durch die dunklen Tiefen einer wunderbar erzählten Story.
Auch wenn der indische Humor vielleicht nicht jedermanns Geschmack ist: Der überwiegende Teil dieses Films besteht aus einem ernstzunehmenden Thriller mit wendungsreichen Pointen und einem herrlichen Finale.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht ausharren, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 31. Mai 2018
Alle Kinos, die den Film in einem einmaligen oder wiederholten Event zeigen, findet ihr hier.

Pawo

Pawo beeindruckt gleich auf mehrfache Weise: Als Debütfilm des Regisseurs Marvin Litwak beschäftigt er sich mit dem Leben des echten Tibeter Mönchs Yamphel Yeshi, dessen Aktion stellvertretend durch die Welt ging und ihn zu einem Symbol machte.
2013 wurden erste Testszenen gedreht, mit denen dann eine Crowdfunding-Kampage ins Leben gerufen wurde, die diesen Film finanzieren sollte. Gleichsam verzichtete die komplette Darstellerriege (die übrigens allesamt Laien sind) auf ihre Gage. Außerdem wurden große Teile der Mitwirkenden durch direkte Ansprache auf der Straße für diesen Film gewonnen.
Allein dieses Engagement sollte belohnt und mit internationaler Aufmerksamkeit bedacht werden.
Viel packender ist allerdings die Tatsache, dass diese Story tatsächlich auf wahren Begebenheiten fußt und noch viel schlimmer ist die Aktualität, mit der man hier konfrontiert wird: Das entscheidende Ereignis fand nämlich erst im Jahr 2012 statt. Zu erleben, dass in heutiger Zeit noch derartige Probleme existieren, von denen man meinen könnte, sie gehören in ein vergangenes Jahrhundert, ist eine Erfahrung, die dieser Film sehr umfänglich liefert.
Der Plan geht auf: Man lernt wieder einmal etwas über ein Land, dass der Weltgemeinschaft wohl eher verborgen ist und von dem man dank seiner Unaufgeregtheit so gut wie kaum etwas weiß. Dass aber gerade da, wo viele von uns glauben, dass Frieden und Ausgeglichenheit herrscht, Zustände an der Tagesordnung sind, die himmelschreiend sind, ist unfassbar!
Die herrlich objektive Darstellungsweise, die absolut nicht von kommerziellen Interessen durchzogen ist, ermöglicht einen völlig neuen Blick auf Missstände, die schnellstmöglich ausgeräumt gehören und von der sich die Welt keinen einzigen Tag mehr abwenden darf.
 

.kinoticket-Empfehlung: Pawo feiert am 13. April 2017 im Mathäser Filmpalast seine Deutschlandpremiere und gibt ab sofort allen die Chance, in ein Land zu blicken, dass unsere Aufmerksamkeit verdient.
Die Begebenheiten beruhen alle auf wahren Ereignissen und sind hochaktuell: Das entscheidende Ereignis fand erst 2012 statt und daher bedarf es Filmen wie diesem, um die Welt über die Zustände zu informieren und dazu beizutragen, dass sich diese Situation endlich ändert.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 19. April 2018

Victoria & Abdul

Es gibt zwei Fakten über Judi Dench:
Erstens: Wir alle lieben sie seit spätestens ihrer legendären Rolle als M in den James Bond-Filmen.
Und zweitens: Sie kann verdammtnochmal schauspielern!
Und da ist Victoria & Abdul keine Ausnahme. Was sie hier raushaut, ist grandios. Begleitet von Ali Fazal, der mir persönlich nichts sagt, mich jedoch angesichts des unglaublichen Drehbuchs und der wahren Geschichte dahinter von Anfang an sofort begeistert hat.
Ja, die übliche “has been dramatized for purposes”-Meldung stand auch in diesem Film wieder im Abspann. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass man eben jene Tagebücher 2010 gefunden hat und nun mit Victoria & Abdul eine schier unfassbare Story hinter den Kulissen des britischen Empire der breiten Öffentlichkeit zugänglich macht – und das auf eine höchst unterhaltsame und extrem berührende Weise.
Der ganze Film ist teilweise so unfassbar, dass man glaubt, man würde hier verarscht und es würden einem irgendwelche Ammenmärchen vorgesetzt, die einfach nur gut schmecken sollen, weil es sich im Kino halt gerade deshalb anbietet. Sobald man aber etwas Recherche betreibt, stellt man schnell fest, dass jene Personen tatsächlich existiert haben und hier im großen Ganzen tatsächlich all das so geschehen ist – was die Sache als solches einerseits mega interessant für einen Film macht und andererseits dafür sorgt, dass man vor lauter Staunen oft den Mund nicht mehr zukriegt.
Wo auch immer der Streifen gezeigt werden wird: Sichert euch .kinotickets und besucht eines der Lichtspielhäuser, ihr werdet garantiert einen emotionsreichen Abend erleben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Dinge sind manchmal echt unfassbar und dennoch tatsächlich passiert, was Victoria & Abdul zu einer unglaublichen Geschichte macht, die man unbedingt gesehen haben sollte.
Dank unserer schnelllebigen Zeit bietet es sich daher an, diese Story in einem Kino und nicht im TV zu konsumieren, da man sich hier noch vollständig auf den Film einlassen kann und ziemlich störungsfrei verfolgen, was sich vor vielen Jahren so ereignet hat.
Definitiv eine Perle des Kinos, die sowohl Lachsalven als auch zutiefst empfundenes Mitleid in einem Werk vereint.

 
Nachspann
Mitnehmen – ist ziemlich wichtig und haut nochmal einen oben drauf.
Kinostart: 28. September 2017

Der Stern von Indien

Ich glaube, wenn man sich das Plakat des Films näher betrachtet, sticht einem sofort die Farbenvielfalt und -intensität ins Auge, von der der Film wahrlich einen unermesslichen Reichtum hat.
Gurinder Chadha erzählt hier mit viel weiblichem Einfühlungsvermögen einen politischen Staatsakt nach, der geschichtlich kaum Aufmerksamkeit bekommen und im Sumpf unsrer ewig-gleichen Erzählungen absolut kein Gehör gefunden hat – bis jetzt.
Die Story ist gleichermaßen beeindruckend wie erschütternd: Die Fahrt ins Grauen menschlicher Entscheidungen mündet in einem alles verändernden Moment, der Unmengen von Menschen einen tiefen Einschnitt in ihr Leben brachte und die Bildung unserer heutigen Weltgeschichte ganz neu entfaltet.
Schaut man sich Szenenmaterial oder den Trailer an, darf man nicht in Versuchung geraten, diesen Film mit Bollywood gleichzusetzen, denn beides hat rein gar nichts miteinander zu tun. Vielmehr erwischt man sich hier als Teilhaber historischer Momente, die mit Hingabe und Liebe zum Detail aufbereitet wurden und deren wahre Größe sich erst beim zweiten Hinschauen eröffnet.
Die Arbeit liegt eher im Zusammentragen von Fakten, dem Ausarbeiten der zeitgemäßen Kostüme, der Vielfältigkeit einer vollkommen anderen Kultur und dem unermüdlichen Kampf, diese Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Und die Bilder wirken noch lange nach, die Münder stehen offen und der imposante Schmerz ist fast spürbar im Saal.
Der Stern von Indien hat bereits das Prädikat “besonders wertvoll” erhalten und trägt diese Auszeichnung meiner Meinung nach auch zu Recht.
Nicht nur Hugh Bonneville sondern auch Gillian Anderson, die viele vielleicht als Akte X-Ermittlerin kennen, leistet hier Großartiges. Das delinquent durchgeführte Gebaren Einzelner wird hier in einer historisch beeindruckenden Offenbarung dem breiten Publikum zugeführt und ermöglicht so auch geschichtlich nicht Versierten einen zutiefst visuellen, bildgewaltigen und absolut sehenswerten Einblick in die Geschichte unseres Planeten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn die Bilder vielleicht nicht jeden gleich vom Sessel reißen, sollte man sich doch die 106 Minuten Zeit nehmen und das Werk in seiner Fülle und Farbenpracht bewundern.
Der Gang ins Kino ist hier definitiv lohnenswert, da viele Szenen ihre wahre Größe auch erst auf einer entsprechend großen Leinwand entfalten und die Macht und Durchdringung der unterschiedlichen Diversitäten erst durch plastische Größe greifbar wird.
Zu recht ausgezeichnet und hoffentlich beim Publikum Anklang findend demnächst im Kino eurer Wahl.

 
Nachspann
bleibt interessant, da auch hier einige überraschende Erkenntnisse publiziert werden. Also ruhig Blut und nicht gleich rennen.
Kinostart: 10. August 2017

(Trailer) WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt

Willkommen zurück zum Trailer-Sonntag auf .kinoticket-blog.de – heute mit einem außergewöhnlichen Kinostück, dass mich nicht nur persönlich mehr als fasziniert und bewegt hat, sondern auch gefühlt die komplette Gegend meiner Heimat in seinen Bann gezogen hat (der Saal war restlos ausverkauft + Warteschlange hinten dran!).
Darum auch diesmal ein .trailer, dessen Wartezeit kürzer ist denn je, denn die Screenings sind bereits in vollem Gange und sollten von euch so oft und viel genutzt werden wie nur irgend möglich.
 
[vimeo 211668510 w=640 h=360]

WEIT. Trailer präsentiert von © weit on Vimeo

 
Warum man den Film gesehen haben sollte:
Ich spreche aus eigener Erfahrung, da auch ich schon viele Länder bereist und viel von der Welt und anderen Kulturen gesehen habe und so manche Aussage durchaus mit eigener Erfahrung bestätigen kann:
Die Welt ist längst nicht so, wie sie uns hier in Europa in den Medien präsentiert wird, sondern man entdeckt sehr viel – nicht nur über andere Menschen, sondern vor allem über sich selbst, wenn man reist.
Reisen verändert dich – du kommst als anderer Mensch wieder zurück und bist in vielen Dingen gewachsen.
Reisen zeigt dir, was wirklich Schwierigkeiten und Probleme sind und lässt deinen Alltag ganz anders aussehen, als du ihn vorher vielleicht in Erinnerung hattest.
Diese beiden nehmen dich mit auf ihren ganz persönlichen Trip und erzählen dir Dinge, die du ganz sicher nicht auf dem Schulhof mitkriegst oder dir auf Arbeit erzählt werden.
Du bekommst die Chance, Einblicke in fremde Länder zu erhalten, fremde Kulturen, fremde Strapazen ohne dabei selbst die langen Wartezeiten und harten Schwierigkeiten durchmachen zu müssen, sondern du darfst währenddessen ganz entspannt im Kinosessel liegen und dein Popcorn futtern.
Viele Menschen haben regelrecht Angst vor der Veränderung, die es bedeuten würde, aufzubrechen und eine Weltreise anzutreten, viele haben Schiss vor der scheinbaren Unsicherheit, wenn man seinen Job kündigt oder die Wohnung aufgibt und auf einmal “nichts mehr hat” – und schrecken vor solch einer Erfahrung zurück und verwehren sich den dadurch gewonnenen Erkenntnissen vollends.
Mit WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt bekommt jeder für kleines Geld die Chance, dennoch um die Welt zu reisen und diese beeindruckenden Faszinationen und Momente zu erleben, ohne dabei seine (Schein)Sicherheit aufgeben zu müssen und selbst den Arsch hochzuhieven.
Und wer weiß, vielleicht entdeckt dadurch ja jemand seine Reisefreudigkeit ganz neu oder gräbt sie wieder aus …
 

.kinoticket-Empfehlung: Definitiv sehenswert mit höchst anspruchsvollem Inspirationsgeist, der nicht nur den inneren Schweinehund beflügelt, sondern frischen Wind und neue Lebenskraft einhaucht.
Die gezeigten Momente und Orte sind atemberaubend und ermöglichen den Zugang zu völlig anderen Teilen dieser Erde, von der wir – sind wir ehrlich – so gut wie kaum Ahnung haben.
Nutzt diese Gelegenheit und besucht die Kinos.

 
Nachspann
Enthält kein weiterführendes Material, listet aber spannende Facts und Menschen auf, denen die zwei auf der Reise begegnet sind. Liest sich für jemanden wie mich durchaus spannend!
 
Weitere Videos auf Vimeo.comhttps://vimeo.com/weitumdiewelt
(Hier erhält man schon mal einen kleinen Einblick, wie der Kinofilm ungefähr sein wird…)
Website: http://www.weitumdiewelt.de

Tubelight

Wer einmal ein Bollywood gesehen hat, hat entweder für immer damit abgeschlossen, oder seine Liebe daran gefunden. Ich bin zwiegespalten, was das angeht. In der Vergangenheit war ich mehrfach beeindruckt von dieser Art Film, seiner epischen Größe und der unglaublichen schauspielerischen Leistung, die man hier eingebracht hat.
Mit Tubelight geht wieder solch ein Titel an den Start, der in seiner Ernsthaftigkeit zwar schon leicht am türkischen Kino kratzt, jedoch niemals so ausfallend und absolut schräg wie dieses Land in cineastischer Hinsicht wird. Damit hat man Hauptdarsteller, die zwar die ganze Zeit über rum blödeln, Songtexte, die für sich einen Beitrag wert wären bezüglich inhaltlicher Fragwürdigkeit, dafür aber ein absolut stimmiges Gesamtkonzept und eine Botschaft, die wieder in den Untiefen des indischen Glaubens und dessen Weisheiten gräbt und Erstaunliches zutage fördert.
Und genau das rechne ich diesem Werk hoch an: Die behutsame und trotzdem unterhaltsame und spaßige Heranführung an diese durchaus expliziten und wichtigen Lebensweisen, denen wir auch in unserer westlichen Kultur etwas mehr Aufmerksamkeit beikommen lassen sollten, um generell ein besseres Leben führen zu können.
Solcherlei Gedankengut dümpelt in den Köpfen höchstens als fernes geschichtliches Konstrukt rum, das in der aktuellen Zeit keinerlei größerer Beachtung mehr bedarf, Tubelight zeigt aber genau das Gegenteil.
So kann man jetzt über die gelungene oder misslungene Darstellung von Salman Khan und Soheil Khan diskutieren, oder sich einfach auf das besinnen, was dieses Werk einem positiv mit auf dem Weg gibt: Die subtile, tiefgründige und umso wertvollere Botschaft in ihrem Kern daselbst.
 

.kinoticket-Empfehlung: Lasst euch von dem Wörtchen “Bollywood” nicht abschrecken, denn auch hier findet ihr wieder einen Film, der in meinen Augen absolut sehenswert ist.
Klar, sollte man mit den Grundpfeilern dieser Filmform zurechtkommen und keinen absoluten Hass hegen – oder man lässt sich einfach darauf ein, löst ein .kinoticket und lässt sich von dem, was da kommt, einfach überraschen. Wer weiß, vielleicht ist hinterher der ein oder andere ja gar nicht mehr so enttäuscht, wie vielleicht erwartet?

 
Nachspann
kommt keiner, man darf also wieder ans Tageslicht.

LION – Der lange Weg nach Hause

Lion erzählt die autobiografische Geschichte eines Mannes, der schier Unglaubliches erlebt hat.
Sehr ruhig, melodramatisch und mit sehr zeitverschwenderischer Kameraführung begleitet man hier die ins Herz gehende Story, die an Echtzeit und Authentizität nicht zu überbieten ist.
Die Jungdarsteller sind herausragend, man fühlt mit ihnen und kann sich gut in die absonderlichen Verhältnisse hineinversetzen.
Desweiteren gibt Lion nun endlich mal positive und reflektierte Nutzungsmöglichkeiten moderner Medien im Alltag preis und zeigt, dass an dem, woran sich die öffentlichen Medien und Publikationen oft stoßen, nicht nur Negatives ist.
Auch der Sound im Film ist hervorragend, defensiv und begleitend ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Man findet sich selbst in einem Potpourri der Gefühle wieder, die wunderschön tragend die herzzerreißende Geschichte umschmeicheln und hier nicht nur mit beeindruckenden Bildern aufwarten, sondern auch drehtechnische Meisterleistungen beinhalten.
Beispielsweise wurde der Bahnhof “Howrah-Station” in Kalkutta komplett kontrolliert, um hier einige Szenen zu drehen. Dieser Bahnhof gleicht der Grand Central Station in New York mit Millionen von Menschen. (Quelle: Presseheft von Universum Film)
Die Ergebnisse im Film beeindrucken in jederlei Hinsicht und liefern nicht nur Gefühlskino mit hohem Anspruch, sondern auch eine wahre Geschichte, die bereits als Buchform die Massen der Leser erreicht hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer auch immer die Chance hat, sollte sich definitiv die Mühe machen und den Film im Kino anschauen.
Die Abgeschnittenheit zur Außenwelt ist hier von großer Bedeutung, da man nur so die Möglichkeit hat, sich ganz auf die Erzählung einzulassen und sich von jeder Form von Störung distanzieren sollte, um das Gesamterlebnis nicht zu verletzen.
Die Darsteller spielen derart echt, dass einem in vielen Situationen die Gänsehaut über den ganzen Körper läuft und der Film als ganzes bleibt gewiss als positiver Eindruck im Gedächtnis haften.
Reingehen!

 
Nachspann
Hier lohnt Sitzenbleiben bis ganz zum Schluss, denn der Abspann ist nicht nur mit Bildern gespickt, sondern es folgt auch noch eine After-Credits-Szene.

(Exklusiv-Interview) Zwei um die Welt: In 80 Tagen ohne Geld

In einem zugegebenermaßen etwas merkwürdigen Trailer habe ich die beiden zum ersten Mal gesehen und dachte mir: Wow – ein Film übers Reisen, da muss ich unbedingt hin.
Pustekuchen. Denn das war kein Film, sondern die beiden Hauptdarsteller waren live vor Ort und haben über ein Experiment berichtet, das so sicherlich noch kein zweiter unternommen hat. Und es war nicht nur mega aufregend, den beiden Zwillingen beim Referieren über ihre Erfahrungen rund um den ganzen Globus zuzuhören und -zu schauen, sondern der Abend hat bei mir und sicherlich vielen anderen auch noch ganz andere Emotionen ausgelöst.
Warum ich hierüber berichten will? Weil ich es spannend und unglaublich wichtig finde, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und für mich das Leben nicht nur aus Facebook, Arbeit und Schlaf besteht, sondern ich das Reisen als elementaren Bestandteil einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung betrachte.
Neben den irrsten Berichten aus aller Herren Länder bringen die beiden auch noch etwas mit, das mich unglaublich beeindruckt hat: Eine Weltoffenheit, Sympathie und Ausgereiftheit, was die Wertvorstellungen im Leben angeht, von denen sich so manch Großer (und Kleiner) mehrere Scheiben abschneiden sollte.
 
in80tagenohnegeld

Werbung für die Show vorm CinemaxX Augsburg am 10.10.2016
© 2016 kinoticket-blog.de

 
Zur Geschichte von Hansen & Paul Hoepner
Mit dem Fahrrad mal eben von Maastricht nach Milano radeln, um eine Möbelmesse zu besuchen, die seit drei Tagen vorbei ist, das Ganze dann etwas mehr ins Extrem prügeln und mit dem Bike nach Shanghai – für die beiden Zwillinge Hansen & Paul Hoepner gehört das zum Leben dazu.
Ersterer studierte Produktdesign, Goldschmiede und Fotografie, während Paul Mediendesign in Köln und “Human Factors” an der TU Berlin studierte. Beiden wurde die Sehnsucht nach Abenteuern bereits in die Wiege gelegt, da ihre Eltern sie schon frühzeitig mit auf Touren nahmen. Dieses Hobby haben sie ausgebaut und jetzt das Experiment gewagt, in 80 Tagen einmal die Welt zu umrunden, ohne dabei Geld in der Tasche zu haben.
 
Das Ziel des Projekts
Vorurteile abbauen gegenüber anderen Menschen, anderen Kulturen. Die Couchzone verlassen, den Komfort hinter sich lassen und einmal die Erde umrunden, ohne dabei zu betteln oder auf bedürftig zu machen, sondern immer etwas zurückzugeben, wenn man auch etwas bekommen hat.
Das Ergebnis davon ist nicht nur wahnsinnig interessant, sondern sollte von euch allen gesehen werden, wenn sie ihre CinemaxX-Tour durch Deutschland machen und dabei ihr Projekt in den Kinos vorstellen.
 
Für mich ist es ein unglaubliches Privileg, die beiden kennengelernt zu haben und ich freue mich, euch heute hier ein exklusives Interview präsentieren zu dürfen, das ich nach der Vorstellung mit Paul Hoepner führen durfte.
 

Ben
Die erste Frage, die ich habe, ist: Was hat euch überhaupt bewegt, grundsätzlich diese Reise zu machen?

Paul
Ich glaube, der ursprüngliche Gedanke war, dass wir was machen wollten, was wir so vorher noch nicht gemacht haben, und zwar gleich aus zwei Richtungen: Wir wollten wieder ein Abenteuer erleben, wieder auf Reisen gehen, aber wir hatten keinen Bock, unendlich viel Geld auszugeben und unendlich viel zu planen, gerade was Finanzierung angeht, weil das bei unserer ersten Reise eben das aufwendigste war. Also dieses Crowdfunding, was wir gemacht haben, bei der ersten Reise. Und dann haben wir uns überlegt: Wir versuchen’s einfach ohne Geld einmal – keine Ahnung – quer durch Europa. Das war so der erste Plan. Dann haben wir halt immer weiter gesponnen und – wie es bei mir und Hansen dann halt so ist – spinnen wir so lang weiter, bis wir das Maximum haben. Also haben wir gesagt: Wir versuchen’s einmal ganz um die Welt.
Ben
Gab’s da jemals Zweifel daran, ob das Projekt generell durchführbar ist, oder habt ihr gesagt “Das ist auf jeden Fall machbar, nur  – es wird halt interessant”?

Paul
Es ist eigentlich ironischerweise beides, also einerseits hat mein Gefühl mir gesagt, und auch mein Verstand am Anfang, dass es nicht machbar ist. Ich hab auch ehrlich gesagt am Anfang nicht dran geglaubt, dass wir’s schaffen würden. Ich hab immer damit gerechnet, mir immer irgendwelche Trostpreise überlegt, so wie “Naja, wenn wir’s bis Lissabon schaffen, ist ja auch schon ganz schön” und so weiter. Dass wir dann tatsächlich irgendwann nach Kanada rüberkommen, war schon ‘ne Überraschung für mich. Und dass wir’s dann von Kanada tatsächlich auch noch nach Tokio schaffen, war ‘ne Überraschung. Und so kam eigentlich eine Überraschung nach der anderen, bis man’s dann irgendwann fast geschafft hatte, und dann kam natürlich entsprechend die große Enttäuschung, dass man dann so kurz vorm Ziel scheitern soll, wenn man’s schon so weit geschafft hat. Das ist so ein bisschen wie wenn du in einer Quiz-Show bist und du hast die 900.000 € Frage und denkst dir: “Verdammt nochmal, jetzt geh ich auf die Million!” und dann verkackste. (lacht)
Ben
Habt ihr irgendwelche Regeln für’s Unterwegs sein? Also so Regeln, die grundsätzlich gelten, sowas wie “Nimm möglichst wenig Gepäck mit” oder legt ihr das speziell bei jedem Projekt dann neu fest?

Paul
Wir haben wirklich Regeln, die auch auf Erfahrung basieren. Die erste Regel ist, dass die Welt bei weitem nicht so gefährlich ist, wie sie immer dargestellt wird. Dass man vor Ort Sachen viel viel besser einschätzen kann, als wenn man sie von zu Hause aus plant. Das ist glaube ich wichtig, sich zu merken, weil: Wenn ich hier zu Hause eine Reise plane und ich gehe Informationen über ein gewisses Land durch, dann wird man mir durch diese Informationen sagen, ich sollte besser nicht in dieses Land reisen, denn das ist gefährlich. Aber wenn man erst einmal vor Ort ist und sich langsam rantastet an die Leute, an die Kultur, an die Problemzonen vielleicht auch in diesem Land, dann ist das eigentlich immer so, dass man feststellen wird, dass diese ganzen Gefahren, die da so übertrieben dargestellt werden, nur für diese Leute gelten, die total unsensibel in diese Kultur reinplatzen. Die vielleicht mit fetter Spiegelreflexkamera vorm Bauch in irgendein Ghetto reingehen und da Fotos von hungernden Kindern machen, weil sie es irgendwie toll finden und so Leute werden überfallen und vielleicht auch Opfer von irgendwelchen Raubmorden, aber wenn du halt einfach sagst: “Ich geh da nur hin, wenn ich eingeladen werde”, dann ist das was anderes.
Ben
Wieso sollte man sich den Vortrag von euch anschauen? Also, was ist der Beweggrund für jemanden, der jetzt im Internet surft, auf ein Blog geht und sagt: Ich hab hier einen Filmtitel, warum soll ich jetzt da rein?
Paul
Hab ich keinen Grund (lacht). Macht’s auf keinen Fall! (lacht)
Also ich glaube, was so das Feedback ist – kann man ja selber immer schwer einschätzen – aber was das Feedback ist, das wir so kriegen, ist, dass es schön zeigt, wie Menschen von den unterschiedlichsten Kulturen an einem Strang gezogen haben, nämlich dieses Projekt umzusetzen. Es sind ja alle Leute, die uns irgendwie geholfen haben, alle Leute, die uns unterstützt haben, irgendwie Teil dieses Projekts geworden und das wussten die eigentlich auch schon in dem Moment, wo die angefangen haben, uns zu unterstützen. Und das macht irgendwie all diese Leute zu einem Team. Und das ist – glaube ich – echt ein schönes Erlebnis, das zu sehen, wie das funktioniert, quer über alle Kulturen hinweg, über alle Länder, durch die wir gereist sind. Und der Mehrwert, den man auch als Zuschauer vielleicht ein bisschen hat, ist, dass man die Angst vor der Welt ein bisschen verliert. Dass man sich vielleicht eher mal traut, nach Indien zu reisen, wenn man noch kein Hotel gebucht hat, oder sich nicht sicher ist, ob man sich das Hotel leisten kann. Einfach mal hinfahren und zu sagen: Mir wird nichts passieren, weil ich hundertprozentig sicher bin, dass ich irgendjemanden finden werde, der mich freundlich aufnehmen wird, der mir vielleicht sogar ein Hotel zahlen wird, oder was weiß ich. Offenheit ist auf jeden Fall ein gewisses Thema.
Ben
Hat euch jetzt speziell diese Reise persönlich irgendwie verändert oder ist danach irgendetwas anders geworden?
Paul
Also was anders geworden ist, ist so ein Gefühl von “Was soll jetzt noch passieren?” – wenn man es schon schaffen kann, ohne Geld um die Welt zu reisen und von wildfremden Leuten für ein Projekt, was ja eigentlich ein simulierter Zustand war, Hilfe zu bekommen, dann ist man sich eigentlich sehr sehr sicher, dass, wenn man in einer Situation ist, wo man ernsthaft Hilfe braucht, diese Hilfe auch bekommen wird. Und zwar auch überall auf der Welt. Und es gibt einem ein gutes, sehr zuversichtliches Gefühl übers Leben, weil was auch immer passieren wird – worst case ist: Man hat nichts mehr – und offensichtlich kommt man auch so ganz gut zurecht.
Ben
Und würdet ihr jetzt, nachdem ihr das alles erlebt habt und all die Eindrücke, die ihr gezeigt habt heute in der Show, diese Reise nochmal machen?
Paul
Das ist so ein bisschen eine zweiseitige Antwort dazu. Wir haben schon festgestellt, dass wir jedem empfehlen würden, so eine Reise mal zu machen, weil die Erfahrungen, die wir gemacht haben auf dieser Reise so wertvoll sind, allein die Menschen, die wir getroffen haben, mir gezeigt haben, wie Menschen in solchen Ländern eigentlich sind und nicht, wie sie durch die Medien dargestellt werden. Das ist das eine: Ich würd’s jedem empfehlen, das zu machen, aber ich würd’s selber nicht nochmal machen können, weil wenn ich jetzt schon wüsste, welche Strapazen auf mich zukommen, wenn ich diese Reise mache, dann würde ich wahrscheinlich sagen: Ich mach lieber was anderes. Aber trotzdem ist es die Erfahrung absolut wert, so an seine eigenen Grenzen zu kommen und in einer absoluten Abhängigkeit von anderen Menschen zu sein ist wirklich eine Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte.
Ben
Und zu dem Projekt, das ihr angekündigt habt für 2017, dass ihr in Deutschland Abenteuer erleben wollt, gibt es da schon ganz konkrete Pläne oder ist das alles noch in der Schwebe?
Paul
Ist eher noch in der Schwebe. Wir wollen irgendwas in Europa machen, was eine Herausforderung ist, was ein Abenteuer ist und was uns auch mit den Menschen in Europa zusammenbringt.
Ben
Vielen Dank für das Interview.
Paul
Sehr gerne.

 
Wow. Wenn man bedenkt, dass sie auf der ganzen Reise eigentlich keine einzige negative Reaktion auf ihr Vorhaben erlebt, sondern allerhöchstens Unglauben entgegengebracht gekriegt haben, zeigt das einmal mehr, wieviel Positives doch in den Menschen steckt.
All dies basierend darauf, dass sie nirgendwo gebettelt haben, sondern ehrlich und aufrichtig mit ihrem Experiment durch die Straßen gezogen sind und die Menschen mit ihrer Geschichte unterhalten haben.
Und all dies ganz bewusst ohne soziale Netzwerke. Paul hat mir gesagt, dass es ihnen wichtig war, nicht auf irgendwelche Hilferufe auf Facebook zu bauen, sondern dass all diese Kontakte tatsächlich im echten Leben stattfinden sollten. Noch nicht mal Bekannte oder Tanten, die man vielleicht irgendwo in Toronto hat, wurden informiert, weil man dieses Kapital dann auch von zu Hause mitgebracht hätte. Kein Couchsurfing, keine Apps, kein Internet.
Dass man dann in Tokio beim Einkaufen eben nicht weiß, was man da gerade kauft und das Mittagessen mal aus kondensierter Gemüsebrühepaste besteht, die ungenießbar ist, gehört dann einfach zum Abenteuer dazu.
Auf jeden Fall haben die Jungs viel von der Welt gesehen und wurden von vielen Menschen unterstützt, was sie nicht nur in finanzieller Form durch Unterstützung verschiedener Projekte wieder an die Welt zurückgegeben haben und -geben.
Insgesamt wurden bei dem Unterfangen rund 150 32GB-SD-Karten an Videomaterial erstellt, von denen knapp 50 Minuten verwertet wurden, die ihr alle auch in ihrer Show Zwei um die Welt – in 80 Tagen ohne Geld im CinemaxX eurer Wahl bestaunen dürft.
Lasst euch diese wertvolle Chance nicht entgehen und bucht die Vorstellung, solange noch Plätze verfügbar sind – dieses einmalige Erlebnis bekommt ihr garantiert so schnell nicht wieder!
Es war mir eine Ehre, euch beide kennengelernt zu haben und ich hoffe, wir laufen uns auch in Zukunft noch oft über den Weg.

Mohenjo Daro

Mit 150 Minuten schickt man hier ein Epos in die Welt, das die Kinosäle zum Erzittern bringt. Mal ganz ehrlich: Was verbindet man mit Bollywood, wenn man so ein Ding noch nie in seinem Leben gesehen hat?
Romantisches Geknutsche, indische Frauen, tanzende Kerle und jede Menge Musik – hab ich Recht?
Was einem hier aufgetischt wird, ist allerdings bei weitem nicht das, was man sich als Laie vielleicht darunter vorstellt. Zum einen: Das Event wurde von meinem Stammkino mal so richtig auf brutal gestellt, indem man einfach mal den Lautstärkeregler betätigt hat – nach oben. Ganz im Ernst? Ich saß in dem Teil und hatte Schiss … vor billigsten Animationen.
Der Beat krachte hier mal sowas von durch die Kinosessel, dass es scheißegal war, ob sich lebendes Fleisch darauf befand – das wurde einfach mit durchgeschüttelt. Und die Story baut sich auf, man erlebt eine fremde Kultur, man baut eine Geschichte darum und erhebt all das zu einem epischen Machwerk, dass Hollywood demnächst einpacken kann, sollte sich von dieser Seite der Erdkugel weiterhin derartiges in unseren Landen etablieren.
Und das mein ich ernst.
Man bekommt hier nicht mehr nur eine Idee, sondern einen Genre-Mix präsentiert, der sich gewaschen hat. Etwas derart Episches und dermaßen Verflochtenes habe ich bisher noch nie in dieser Intensität im Kino erlebt, geschweigedenn im heimischen Kinosaal. Und damit hat man definitiv mein Interesse an Bollywood geweckt, sollten die Filme alle in dieser Art sein. Kenner dürfen mich gern eines Besseren belehren, ich lasse mich zukünftig definitiv überraschen.
Was die Musik angeht: Ja, es reiht sich ein wenig in das Klischee ein, erhebt sich dann aber in einem epischen Ausmaß, dass mein Verlangen nach dem Soundtrack nicht nur geweckt, sondern förmlich entfacht hat – und umso wütender macht einen die leere Suchanzeige im Musikportal, wenn man wieder mal kaum erwarten kann, dass dieses Album endlich in Deutschland erhältlich ist.
Auch die Bildgewalt dieses Kunstwerks lässt anderes im tiefsten Schatten verenden: Hier wird mit Impressionen und Eindrücken um sich geworfen, die seinesgleichen suchen – und gepaart mit der Unzahl an Darstellern, Synchronisationsgenies und den vielen anderen Faktoren, die da mit reinspielen, erhält man wieder etwas, das nur auf ein Wort hinauslaufen kann: Epic!
Tut mir leid, wenn ich an dieser Stelle so einfallslos schreibe, aber diese Show hat mich grandios vom Hocker geschmissen und die unbeantwortete Frage aufgeworfen, weshalb solche Filme nicht öfters in deutschen Kinos gespielt werden.
Der Gang in den Saal mit allen Aufpreisen und Optionen lohnt sich für jeden Kinozuschauer mal definitiv.
 

.kinoticket-Empfehlung: Selten hat mich etwas so beeindruckt, abgeholt, überrascht und mitgenommen, wie dieses grandiose Meisterwerk.
Dass im Original gesprochen wird, macht das Werk eher sympathischer denn fremd und eröffnet hier eine Geschichte, die einem so garantiert den Abend versüßt. Reingehen wo immer man die Chance dazu hat – es lohnt sich definitiv.

 
Nachspann
sollte man abwarten, der hat nämlich richtig nette Animationen und blüht farbenfreudig vor sich her statt in langweiligem Schwarz-Weiß.

The Other Side of the Door

Freunde der gepflegten Grusel-Unterhaltung, die noch nicht zugegriffen haben und im Einzugsbereich eines Kinos leben, das diesen Film noch ausstrahlt, dürfen sich gerne von ihrer Couch erheben und sich den Titel auf ihr zukünftiges .kinoticket drucken lassen, denn endlich lohnt sich der Griff ins Horror-Regal mal wieder.
 

Wo wir in letzter Zeit desöfteren mit massentauglichen Schockern abgespeist wurden, die für Hartgesottene eher ins Kinderregal gehören, treibt dieser Streifen endlich mal wieder den körnigen Geist an und sorgt für gruselige Momente in einer Geschichte, die nicht auf Blut und Schulkindhorror aufbaut, sondern ihren ganz eigenen Charme mitbringt, den ich lange Zeit im Kino schmerzlich vermisst habe.

Allein der Aufbau und die Einführung der Mitglieder dieses Spiels zeugen hier von Können und der seelig-ruhige Müßiggang des morgenländischen Flairs schaffen einen Raum, der nicht von Offensichtlichem heimgesucht wird, sondern seine ganz eigene Vision von Unnatürlichem ins Feld wirft und die Zuschauer damit konfrontiert.

Dass ein Plot immer Introduktion, Problematik und Auflösung mit sich bringt und diese Form der Erzählung in abertausenden von Filmen wieder und wieder umgesetzt wird, ist hier vielleicht nicht optimal durchdacht, die Art, wie man sich durch diese systemische Erzählung hindurchwringt, hat mich allerdings sehr begeistert.

Nicht nur die Einführung und Momente zwischen den Höhepunkten des Films, sondern gerade der Schluss mit seinem überraschenden Paukenschlag war für mich ein Festhighlight der Filmgeschichte.

Positiv aufgefallen ist auch, dass hinter den Kameras keine Laien ihre Finger im Spiel hatten, sondern man auf schön subtile Weise eine Grundstimmung schafft, die nicht auf immerwährenden Wettstreit ausgelegt ist, sondern hier einfach solide und stark ihr eigenes Ding auf den Weg bringt und sich aus diesem Selbstbewusstsein heraus speist.

Zum Schluss bleibt ein Film, der eine wahnsinnig gute Geschichte bereit hält, dessen Effekte und Gruselmomente durchaus erwähnenswert sind und der sich mit einem Abgang verabschiedet, den man sich in vielen anderen Filmen bislang immer nur wünschen konnte aber nicht geliefert bekam.

 

.kinoticket-Empfehlung: Freunde des gepflegten Horrors haben endlich wieder einen Grund, ins Kino zu gehen.

Die Show ist gigantisch, die Stimmung herrlich düster und furchterregend und das Ende einfach nur geil!

 

Nachspann
kommt nichts mehr, nach der Schwarzblende darf man wieder ans Tageslicht.

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