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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Humor

Ein Lied in Gottes Ohr

Sprache ist ein schwieriges Thema. Sprache besteht quasi nur aus Missverständnissen oder den kläglichen Versuchen, so viele als nur irgend möglich davon zu vermeiden. Und das gelingt in der Regel eher schlecht als recht. Der Punkt ist, dass die Menschen alle grundsätzlich einmal davon ausgehen, dass ihr gesagtes Wort vom Gegenüber ganz genauso interpretiert wird, wie sie selbst es tun und sie daher eben exakt das gleiche verstehen müssten, wie man selbst im Hirn interpretiert hat. Und sie werden dann böse, wenn der andere mit anderen Interpretationen anrückt und sogar ausfällig oder wütend über so viel Dummheit und Unfug und Hirnlosigkeit.
Merkt ihr? Ich sage “alle”, “die Menschen”, “sie” und impliziere damit die ganze Welt und schließe völlig aus, dass ich als Person grundsätzlich gerne solche Verallgemeinerungen hernehme, weil mir komplizierte und lange Erklärungen oftmals im “einfachen Gespräch” zuwider sind und ich einfach davon ausgehe, dass mein Gegenüber mich ein wenig kennt und richtig einschätzen kann, dass bei mir solche krassen Aussagen und Worte immer relativ zu verstehen sind und niemals für absolut und korrekt hergenommen werden sollten. “Alle” bedeutet also nicht komplett und vollständig absolut jeder, sondern “einfach die Regel”, “grundsätzlich gehen die meisten”, “wenn man sich so umschaut und nicht gerade auf die berühmte Ausnahme trifft” und damit ist das als relativ zu betrachten, während ich diesen schwierigen und langen Absatz im Gespräch gerne mit “grundsätzlich alle” abkürze, um Zeit zu sparen und aufs Wesentliche zu kommen.
Ihr merkt: Sprache – schwieriges Konstrukt, und die Anzahl und Häufigkeit an Missverständnissen ist riesig! Das Ziel der Sprache ist also, möglichst durch lange Erklärungen und Umschiffen so viele Missverständnisse wie möglich auszuräumen, um so große Übereinstimmung mit dem Gegenüber zu schaffen, wie nur irgend möglich.
Dazu dann: Religion. Ich sehe förmlich schon die brennenden Heugabeln auf mich zufliegen, denn bei Religion können die Menschen erst recht richtig schön aufeinander losgehen und sich gegenseitig bekriegen, da sind dann noch Emotionen im Spiel und Hass, zutiefe Abscheu und gleichzeitig LIEBE zu den eigenen Menschen und der eigenen Religion, Absolutheit gegenüber anderen Weltanschauungen und -ansichten, hier gilt also nicht mehr nur das geschriebene oder gesprochene Wort, sondern da kommt die Emotion und Interpretation zum Einsatz, das Blut kocht hoch und es kommt regelmäßig zu Kriegen, Terror und Gewalt, weil der andere nicht glauben will, was ich glaube, also gehört er weggebombt. Damit könnte man verschiedene Abarten von Religion dann auch beschreiben (Ich weiß, es geht auch anders, aber ich will auf etwas anderes hinaus).
Nimmt man jetzt Sprache bzw. das Unvermögen der Sprache, und mischt es mit Religion und vertraut diesen Komplex dann der Verantwortung und Obhut einer Regierung an, dann kommt sowas wie “political correctness” raus, an der sich Medien, Freischaffende, Künstler, Menschen und andere Wesen den Arsch aufreißen und aus etwas eigentlich wunderschönem etwas vollkommen Verzerrtes und Hässliches machen.
Würde ich (und ich tu’s bewusst nicht, weil ich es krank und abartig finde), hier wirklich politisch korrekt schreiben und immer alles und jeden mit einbeziehen, jedes sprachliche Wehwehchen mit Eventualitäten wattieren und nur noch in Angst und Schrecken leben, ich könnte irgendeine völlig neue, unbekannte und anders interpretierte Form des Seins vergessen und damit “bewusst ausgegrenzt” haben, dann tun mir diese Leute unendlich leid, weil deren Leben so jämmerlich sein muss, dass sie sich tatsächlich von zwei Buchstabenbögen auf einem beleuchteten Display so provozieren und benachteiligt fühlen, dass ihr ganzes Leben in Erschütterung gerät – ich könnte dieses Blog schließen und würde nichts mehr posten, weil dies vernünftiger wäre, als diesem Quatsch untergeordnet zu sein und hier sprachliche Konstrukte auf die Menschheit loszulassen, die zwar politisch korrekt, dafür aber absolut unverständlich und vor allem unlesbar wären.
Dann würde zwar keiner mehr die Inhalte vom Text verstehen, niemand wüsste mehr, was ich zu sagen habe, niemand könnte sich mehr Hilfestellungen geben lassen, welche Filme für ihn toll wären, ABER: Meine Texte wären politisch korrekt.
Ergo: Political Correctness ist das dümmste, was es je gegeben hat, weil es nie darum ging, sondern diese Sache ganz andere Ursachen und Krankheiten in sich trägt, die viel eher zu ändern sind. Das würde an dieser Stelle aber zu weit führen.
Warum schreib ich jetzt hier also erstmal drei Bücher über Sprache, Religion und political correctness, wenn es eigentlich gar nicht darum geht?
Weil Ein Lied in Gottes Ohr wunderbar herrlich damit bricht und es zur damaligen Zeit, als noch niemand in den Medien großartig darüber spekuliert hat, als ich den Film das erste Mal gesehen habe, eine absolute Freude war, einen derartigen Streifen mit dieser sprachlichen Leichtigkeit und herrlichen Unkorrektheit zu erleben, der wieder auf niveauvollem Spaß basiert und die Menschen sowohl unterschwellig etwas lehrt, dabei aber keine Moralkeulen um sich schwingt, sondern eher in erzählerischer Beschwingtheit ein absolut schwieriges Thema kabarettistisch humorvoll und voller Liebe auf die Spitze der Palme bringt und den Menschen permanente Lachmuskelprovokationen auferlegt, zwischen denen er dieses “hochgradig schwierige Thema” durchackern muss.
Und das macht so richtig tierisch Spaß, ist absolut derb und wird vom Film mit einer Feinfühligkeit und erlesenen Gradlinigkeit angegangen, die allen Ernstes bewundernswert ist, da man zwar den Bogen heftig spannt, es aber kein einziges Mal schafft, ihn wirklich zu überspannen, sondern die Sehne langsam entknotet und entfernt und den Menschen zeigt, dass alles eigentlich gar kein Problem ist, wenn man nur miteinander redet.
Leute: Es ist großartig! Das Drehbuch, die Witze, die Intensität des Sarkasmus und der gegenseitigen Provokation, die Basis und Ebene und das federleichte Dahinsegeln zwischen so vielen Unterschiedlichkeiten und Einzigartigkeiten, was damit ein herrliches Abbild unserer kunterbunten Weltkugel abgibt, in der alle Farben und Formen des Lebens zu finden sind, was uns übrigens von allen anderen Planeten und Kugeln in näherer Umgebung vollständig abhebt.
Dazu noch die Message und fertig ist einer der Kinofilme, die man sich unbedingt ansehen sollte, um nicht eine wichtige Lektion zu verpassen und natürlich: Um mal wieder herzhaft und ausgiebig lachen zu können ohne sich dabei panikartig in alle Richtungen umsehen zu müssen, ob nicht jemand von hinten links grad mit der Waffe der Moral auf einen zielt und soeben abgedrückt hat.
Dieser Befreiungsschlag aus den Fesseln der korrekten Aussprache ist eine absolute Wohltat und der Film beweist, dass dies völlig ohne Kränkungen und Wehklagen passieren kann und der Mensch doch tatsächlich in der Lage sein sollte, diese Dinge zu vollführen, ohne dabei den Planeten in Schutt und Asche legen zu müssen.
Ein Hoch auf diese grandiose Erkenntnis und möglichst viele volle Kinosäle in den nächsten Wochen, wenn dieses Fundstück des Jahres anläuft und endlich der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Ein Tipp von mir: Geht unbedingt rein!
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine großartige Entfesselung aus den erdrückenden Fängen von Sprache, Interpretation und political correctness: Dieser Film bezeugt mit einer Leichtigkeit, dass die ganze Sprachscheiße, die sich einige in letzter Zeit ausgedacht haben, völliger Humbug ist und beweist in klassischer Manier, dass es viel geiler, lustiger und vor allem entspannter genauso geht!
Ein Film, den man zwingend gesehen haben muss, allein schon wegen der bitterbösen Humorspitzen, mit denen man hier den Bogen nicht überspannt, sondern ihn sukzessive aus der Szenerie entfernt und zeigt, dass eigentlich gar kein Krieg herrscht, sondern der ganze Krampf alles menschengemacht ist.
Ein großartiges Lehrstück französischer Filmgeschichte, das mehr kann, als alle Politik in den letzten Jahren zusammengebracht hat. GEHT REIN!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.
Kinostart: 26. Juli 2018

B12 – Gestorben wird im nächsten Leben

B12 – Autofahrer werden unweigerlich eine Straße damit in Verbindung bringen und tatsächlich ist dieses Werk auch exakt daraus entstanden: Regisseur Christian Lerch wandelte eine Raststätte, an der er täglich vorbeifuhr, in einen Film um und erschuf damit ein Universum bayerischer Heimatliebe in einem ganz besonderen Stück Filmgeschichte.
Auch als bekennender Liebhaber bayerischer Kultur und Menschen braucht man erstmal eine Weile, bis man sich an den “Slang” gewöhnt und den dramatischen, lustigen, lebensfrohen und kämpferischen Ausführungen der durch die Bank weg authentischen Menschen folgen kann. Was zu Beginn vielleicht etwas befremdlich wirkt, mündet alsbald in eine liebenswerte Gemeinschaft, in die man sich auch als Zuschauer sofort herzlich aufgenommen fühlt und ein Stück Heimatliebe kennenlernt, dass vor allem durch eines strotzt: aufrechte Ehrlichkeit. Niemand verstellt sich, keiner spielt etwas vor, sondern alle sind einfach genau das, was sie sind: Menschen.
Dabei entdeckt man sehr bald komische Seiten, hat Spaß an immer wiederkehrenden Momenten und schließt allesamt in sein Herz. B12 – Gestorben wird im nächsten Leben entführt so in ein Stück deutsche Kultur und lässt den Alltag auf der Leinwand auf faszinierende Weise Wirklichkeit werden – genau das hätte ich niemals gedacht: Dass man es schafft, mit etwas derart Banalem wie einem Rastplatz tatsächlich einen spannenden Film zu zimmern, der eigentlich nichts weiter tut, als das abzubilden, was man sehen würde, würde man sich tatsächlich draußen hin stellen und die Leute dort einfach genauer betrachten.
Hier schenkt man dem Zuschauer einen intimen Einblick in das Leben verschiedener Menschen, zeigt auf, mit welchen Sorgen und Nöten man sich im Alltag rumschlägt und beweist damit gekonntes Handgeschick durch simples Hinsehen und Nicht-Kommentieren.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn er die großen Screens vielleicht nicht im Sturm erobern wird – es ist eben jene Erfahrung, die den Film noch ein Stück wertvoller macht, als wenn man ihn nur im TV besieht: Das sich Zeit nehmen und über Dinge nachsinnen, über die man sonst vielleicht niemals nachgedacht hätte.
B12 besticht durch überschwängliche Hingabe zur Authentizität und ist einer der besonderen und liebenswürdigsten Heimatfilme aller Zeiten.

 
Nachspann
❌ läuft langsam aus und dauert nicht allzulang, man darf also gerne sitzen bleiben.
Kinostart: 19. Juli 2018

Augenblicke: Gesichter einer Reise

Nouvelle-Vague-Regie-Ikone Agnès Varda und Streetart Künstler JR haben sich zusammengetan und eine Reise angetreten, in der es um die sinnlichen, herzergreifenden und seelisch intimen Momente von Menschen aller Art geht. Dieser Film ist eine Perle – eine Augenweide für die Seele und das Herz. Er erweicht jeden noch so knochenharten Betonbrecher und öffnet das zärtlichste aller Organe ganz wie von selbst.
Dass ich als Kamerabenutzer etwas für Fotografie übrig habe, ist offensichtlich. Dass ich mich für Kunst und geistreiche Kreativität begeistere, hat man wohl auch schon aus dem ein oder anderen Beitrag herausgelesen. Mich hat Augenblicke: Gesichter einer Reise voll erwischt! Dieses Projekt ist der reine Wahnsinn und es wurde zurecht auf den wichtigsten Verleihungen als beste Dokumentation nominiert und sogar mit Preisen ausgezeichnet!
Das, was die zwei hier angehen, einfach anzusehen ist schon absolut ergreifend. Diese Reise als Zuschauer mit anzutreten und in die geheimen Höhlen menschlicher Existenz vorzukrabbeln um darin die pure Schönheit zu entdecken, ist ein wahres Juwel, dass dieses Werk jedem Zuschauer einfach so in die Hände legt. Die Künstler verstehen ihr Handwerk bestens und es ist faszinierend, bewegend und überwältigend zugleich.
Auch Kunstbanausen und solche, die mit “Art” und “französischen Begriffen” absolut nichts anfangen können, holt der Film an ihrem Standpunkt ab und vermittelt ihnen etwas, dass wirklich jeder versteht und an dessen Ergebnissen sich tatsächlich jeder erfreuen kann. Es gibt also keine Ausreden, die Freundin nicht zu begleiten.
Diese Vielfalt, die Schlupflöcher in die Gefühlswelt der Menschen und die selbst auferlegten Regeln der zwei sind wunderbar und schöpfen hier das wahre Ich aus jedem einzelnen der Protagonisten.
Zu erleben, wie Menschen mit eigentlich einfachsten Mitteln die besten Seiten aus ihren Mitmenschen heraus kitzeln, sollte jedem ein .kinoticket wert sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Selten habe ich etwas so wunderschönes und einfühlsames gesehen, wie das hier: Kunst, Ästhetik und Schönheit auf den Punkt gebracht und zur Vollkommenheit geführt.
Zwei großartige Menschen haben sich auf den Weg gemacht und aus der Welt etwas geholt, um es in dieser großartigen Dokumentation jenem Planeten zurückzugeben und zu zeigen, dass die Menschheit manchmal eben doch ganz anders ist. Man muss einfach nur hinschauen … und hier und da ein wenig zuhören.

 
Nachspann
✅ Sollte man mitnehmen, es hört erst auf, wenn’s wirklich alle ist 😉
Kinostart: 31. Mai 2018

Solange ich atme

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst … und davon wurden in letzter Zeit so viele erzählt, dass vielen dieses “Nach einer wahren Geschichte” schon etwas zum Halse raus hängt.
Robin Cavendish zählt dabei aber nicht zu denjenigen, die einfach irgendwas erlebt haben und dann darüber berichten, sondern sein Wille und Lebensmut hat dazu beigetragen, diese Welt nachhaltig für viele weitere grundlegend zu verbessern.
Ob man sich dieses Werk nun besehen möchte, weil man Lust auf einen Liebesfilm hat, man einfach mal wieder etwas rührseliges braucht, Andrew Garfield oder Claire Foy mag oder sehen möchte, wie Tom Hollander in einer Doppelrolle brilliert: Es gibt viele Gründe, in diesen Film zu gehen.
Der für mich weitaus wichtigste: Zu sehen, wie eine einfache Entscheidung dazu beitragen kann, diese Welt aus den Fugen zu heben. Jeder, der nach der Vorstellung wieder aus dem Saal kommt, kann von sich behaupten, dass auch er etwas zugeben muss, dass ihm diese Erkenntnis bislang noch gefehlt hat, weil – sofern man Gottseidank nicht betroffen ist – man sich einfach viel zu wenig in diesem Metier auskennt.
Damit hat Andy Serkis einen Film geschaffen, der – getrieben von dem Willen des Sohnes dieser Hauptperson – die Geschichte dessen Vaters erzählt und damit der Welt einmal mehr erklärt, dass eben doch alles möglich ist, wenn man nur will.
 

.kinoticket-Empfehlung: Berührendes Drama, hochgradige Liebesgeschichte, inspirierender Quell: Dieser Film pusht durch so viel positive Lebensenergie, bricht dir gleichzeitig dein Herz und basiert dabei auf der wahren Geschichte von Robin Cavendish.
Für einen Kinoabend in dem Kino deiner Wahl definitiv das richtige – aber nehmt Taschentücher mit.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, der Saal darf geräumt werden.
Kinostart: 19. April 2018

Gänsehaut (3D)

Ein kleines Kind quietschte vergnüglich: Da will ich rein!, was die Mutter desselben vehement verneinte, als der Trailer zu Gänsehaut in einer anderen Vorstellung lief.
Doch genau dies sollte man erwägen: Rein zu gehen.
Hier prallt fantastisch aufbereitete Unterhaltungskost mit einem fast schon sensationellen Start, was dieses Genre angeht, auf den Zuschauer hinunter. Der Humor, dem man sich hier bedient, trifft in diesem Fall fast schon perfekt meinen Geschmack. Schön zynisch, bitter, kokett und provokativ, ohne dabei über die Stränge zu schlagen oder anderweitig beschämend zu enttäuschen.
Ich weiß, Komik ist ein zweischneidiges Schwert, aber interessanterweise hatte der gesamte (und im übrigen proppenvolle) Saal bis zur großen Wende einen Heidenspaß.
So mancher mag nun innerlich zusammenzucken und die Kaufgelüste eines .kinotickets nochmals überdenken, wenn er von dem Umschwung liest, den man in vorherigem Satz vermuten könnte. Falsch. Hier wird einfach nur ein Thema aufgegriffen, das meines Erachtens schwierig darzustellen ist, ohne dabei lächerlich oder übertrieben zu wirken. Damit hat der Streifen zwar zeitweise etwas zu kämpfen, das Endergebnis wurde jedoch so perfekt und dramatisch gelöst, dass man voller Elan und Lebenslust aus einer Vorstellung entlassen wird, nach der die gewonnenen Glücksgefühle noch lange nachhallen.
Einziger Kritikpunkt meinerseits: Sollte es möglich sein, sich diesen Film ohne 3D anzuschauen, dann hat man hierbei diesmal nichts verpasst. Zwar gibt es die ein oder andere Einstellung, in der die Räumlichkeit durchaus gut ausgenutzt wurde, jedoch gewinnt man im Gesamten kein positives 3D-Erlebnis. Dafür gibt es andere Filme, die diese Technik weitaus besser zu nutzen wissen.
 

kinoticket-Empfehlung: Wer mal wieder so richtig gute Laune verpasst kriegen, einfach mal unkompliziert lachen und sich von einer etwas skurrilen Geschichte verzaubern lassen möchte, der macht mit Gänsehaut auf keinen Fall etwas falsch.
Selbst für jüngeres Publikum, dem man den Film laut Trailer eher zumuten würde, eignet sich der Streifen durchaus. Allerdings sollte einem schon klar sein, dass der Trailer hier nur anteasert und nicht alles verrät. Der Klamauk ist es aber allemal wert, gesehen zu werden. Also hopp hopp und auf ins Kino!

 
Nachspann
hat in den ersten Momenten noch ganz nette 3D-Szenen zu bieten, sobald die enden, kommt aber nichts weiter.

Ich & Earl & das Mädchen

Ich weiß, ich hänge nach (es steht immer noch eine Gewinnspielauswertung und Gewinnerbekanntgabe aus) und der Montag ist aus beruflichen Gründen gerade auch verflossen, darum gibt es diese Woche einmalig die Sneak Preview an einem Dienstag im Blog.
Ein Film, der mir bei dem dieswöchigen Sneak-Beispiel sofort einfällt, ist Coconut Hero. Nur dass hier nicht schamlos kopiert oder krampfhaft versucht wurde, alles besser zu machen. Im Gegenteil: Man möchte wohl ein neues Genre erschaffen, das mit dem Mix aus schwarzem Humor, Dramatik und anti-filmgesetzmäßigem Heroismus punktet.
Und was soll ich sagen – es funktioniert. Beginnt die Story anfangs noch etwas weltfremd, fühlt man sich als Zuschauer wild in den ungewöhnlichen Mix hineingeworfen, landet man schon bald in einem Terrain, wo weder Humor, noch Tragik oder Unterhaltung zu kurz kommen. Kurzum: Es macht einen Heidenspaß, sich in die Gegebenheiten der Geschichte zu schmeißen und den Protagonisten beim Durchleben ihrer Probleme zuzuschauen.
Und nicht nur das: Hier wird feinfühlig auf einen eingedroschen, schmerzhaft unter Beanspruchung der Lachmuskeln Tabuthemen abgehandelt, die eine große Portion von Kunstverständnis voraussetzen, um nicht die Masse zu vergraulen. Und glaubt mir: Alle im Kino hatten Spaß dabei.
Ein riesiger Bonuspunkt, den Ich & Earl & das Mädchen mitbringt, sind die vielen kleinen “Einspieler” innerhalb des Films, die nicht nur fanatische Filmkenner wie mich tierisch zum Schmunzeln bringen, sondern definitiv jeden, der auch nur ansatzweise weiß, was Kino ist, an einer der tausend Stellen packen dürften. Eine riesige Hommage an die Kunstschaffenden des Films, die mit einer derart sympathischen Art auf dem Silbertablett serviert wird, dass jedem Cineasten warm ums Herz wird.
Selbiges beginnt nicht nur an besagten Momenten zu schlagen, sondern bereitet zusätzlich noch viel Platz für die Lebensart der Hauptdarsteller, denn die wirken nicht nur absolut knuffig, sondern strahlen eine charmante Liebenswürdigkeit aus, die jedweden Fehler verzeihen lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier wird einem Kino fürs Herz geboten, das definitiv kein Auge trocken lässt.
Selbst die Entscheidung darüber, ob die feuchten Augen vom Lachen oder den herzzerreißenden Momenten her rühren, wird einem abgenommen: Hier stimmt einfach alles!
Kurzweil, Unterhaltungsfaktor, Tiefgründigkeit, Charakterprofiltiefe, ein nischiges Thema, die richtige Form von Humor, keine Unter- oder Übertreibungen: Kino in Vollendung.
Wem der Film vor die Linse kommt, der macht einen Fehler, wenn er die Chance nicht ergreift und ihn sich ansieht.

 
Nachspann
gibt es keinen, dafür vorher einen wahnsinnig guten Film, den man neben all den berühmten Blockbustern zur Zeit mehr als beachten sollte.

Er ist wieder da

Es ist unbestritten eines der besten Bücher des Jahres. Und dazu umso verwunderlicher, dass sich ein Land wie unseres mit einer Geschichte wie unserer so unverblümt und -verschämt an das Thema traut und damit so viel Schabernack treibt, wie es Constantin Film mit Er ist wieder da auf der Leinwand tut.
Erntet man zu Beginn noch einen gelungen-makaberen Witz nach dem anderen, bildet sich – frei nach Christoph Maria Herbst – im späteren Verlauf ein Kloß im Hals, der immer dicker wird und an dem man am Ende zu ersticken droht.
Der Humor und die Perversion, mit der man hier geschichtliche Aufarbeitung versucht, sind derart gewagt und grenzüberschreitend, dass einem im Saal zeitweise Angst und Bange wird. Denn genau diese Beobachtungen kann man erschreckenderweise in unserer Gesellschaft haargenau gleich feststellen, so dass die Hüllen zwischen “Fiktion auf der Leinwand” und “harter Realität” auf einmal zerbersten und man vor dem unerschütterlichen Fakt steht, dass alles gar nicht so weit hergeholt ist – ohne dabei dokumentarisch zu wirken. Der Schrecken verlässt im Verlauf des Films die Leinwand und schwappt in die real-existierende Gesellschaft über. Der Zuschauer bekommt mit, dass die Distanz zwischen Leinwand und Wirklichkeit in diesem Fall nicht existiert, da es sich um reales Gedankengut handelt, das gefährlich in verschiedenen Tiefen der Köpfe lauert und hier und da auszubrechen versucht.
Und hier sehe ich auch eine der unbestreitbaren Stärken des Films: Beide Seiten so offen und unkommentiert und dennoch ethisch-richtungsweisend dastehen zu lassen, ohne sich als Moralapostel aufzuplustern und die eine oder andere Seite zu verdammen.
Meiner Meinung nach deckt der Film ein hässliches Gesicht unserer Gesellschaft auf, das hinter vielen Fassaden und neuartig formulierten Floskeln noch im Stillen lauert und am Ende mehr als offensichtlich angesprochen wird. Jedoch bezweifel ich stark, dass diese Message bei den Menschen oder gar den Jugendlichen ankommt, zumal in meinem Fall fast nur Leute im Kino saßen, die den “Hauptdarsteller” noch in natura hätten erleben können. Und genau das macht mir Angst.
Der Hype, den man “feiert”, ist nach dem Film in den Nachrichten genauso weiterzuverfolgen – aus der Geschichte gelernt hat keiner. So zumindest macht es den Anschein.
Als ich den Film vor knapp einem halben Jahr als Testscreening im Kino gesehen habe, musste ich schon ziemlich schwer schlucken und der Kloß im Hals ist beim erneuten Final-Cut-Sichten nicht unbedingt schlanker, sondern eher noch erstickender geworden.
“Damals haben sie anfangs auch alle gelacht.” – solche Aussagen wollen aufzeigen, wie gefährlich nahe wir uns an einer Wiederholung der Geschichte befinden, angesichts der aktuell-politischen Geschehnisse, die so manchem Bürger Deutschlands das Blut in Wallung bringen und niederträchtige Werte wieder aufleben lassen.
Wenn es je eine Kritik an diesem verwerflichen System & Denken gegeben hat, dann ist es dieser Film, der einen selbst durch die galant-geführte, systematische Verblendung lotst, die hinterher Dinge zur Bejahung bringt, die bei näherem Nachdenken feststellen lassen, dass sich das Horrormonster nicht auf der Bildfläche, sondern in so manchem Kopf befindet, den man auf der Leinwand interviewt. Und diese Leute sind nicht etwa Schauspieler oder Komparsen, sondern echte Politiker, die von uns in die Regierung gewählt werden wollen – und zum Teil sogar werden.
Wenn dieser Film nicht aufrüttelt, dann weiß ich auch nicht, was es sonst noch schaffen will. Gerade das Ende – die letzten Sätze – sollte man sich in jedem Unterricht, in jedem Haushalt wieder und wieder anschauen, analysieren und herausfinden, warum das so ist und was man tun kann, um die Wiederholung solch einer furchtbaren Zeit zu verhindern.
Blieb bei dem nicht untertitelten Testscreening bei einem geschichtsverdrossenen Zuschauer noch ein wenig die Hoffnung, es handle sich hier um Fiktion und angeheuerte Sprecher, die das Drehbuch aufsagen, räumt die jetzige Bezeichnung und der zusätzlich eingefügte Bezug zur aktuellen Missstimmung in Deutschland auch die letzten Zweifel aus, dass diese Menschen und dieses Denken tatsächlich existiert.
Noch nie war ein Film so aktuell wie jener, noch nie war ein Thema so anschaulich, verdaulich und erschreckend realistisch ausgearbeitet, wie dieses. Noch nie gab es so viel werterelevante Gründe, seinen Arsch ins Kino zu bewegen und sich von Er ist wieder da belehren zu lassen.
Möchte ich in einer Welt leben, die das wiederholt? Ganz klar: Nein!
 

.kinoticket-Empfehlung: Und aus genau diesem Grund sollte jeder mit offenen Augen in den Saal gehen und sich anschauen, was passiert, wenn die Meinungen und unreflektierten Ansichten weiter so unverschämt publiziert werden, ohne dabei auch nur ansatzweise sein Hirn zu benutzen und mal darüber nachzudenken, was man da eigentlich für eine Scheiße von sich gibt.
Das Gefährliche ist nicht die Propaganda selbst, die hässlichen Parteinamen oder die oberflächlichen Floskeln, die jeder sofort vehement ablehnt, sondern sehr viel mehr das stille, unbemerkte Einschleichen, das durch verschiedene neue Parteien und unreflektierte Bemerkungen in den Köpfen der Menschen fruchtet.
Erst geht es um den Euro, dann geht es hier und da mal um ‘Dinge, die sich keiner traut, auszusprechen und die deshalb gesagt werden müssen’ und zack – hat man genau das, was eigentlich keiner will.
Lernen wir dieses Mal aus der Geschichte oder beweisen wir einmal mehr, wie dumm unser Volk in Wahrheit ist?
Dieser Film ist erneut ein großer Anstoß an jeden von uns, sein Hirn einzuschalten und Nachrichten nicht mehr mit Sensationsgier zu konsumieren, sondern analysierend zu reflektieren, was in unserem Land derzeit abgeht – und dagegen vorzugehen.

 
Nachspann
Der Schock sitzt tief in den Gliedern, die Endbilder des Films verstören und lassen somit keinen Platz für noch mehr Grauen.

Pitch Perfect 2

Zu einer guten Show gehört gutes Aussehen, eine gute Performance und frische Ideen.
Drei Dinge, für die Elizabeth Banks durchaus steht. Es hat eine Weile gedauert, bis ich ihr Gesicht richtig zuordnen konnte, hatte sie doch in Die Tribute von Panem die Rolle einer Show-Größe übernommen, aus deren Feder ein Werk wie dieses durchaus stammen könnte.
Der Film passt total zu ihrer schillernden Persönlichkeit und liefert hier einen Orgasmus an musikalischem Können und durchaus bewundernswerten Performances ab, die sonstige musikalische Bashing-Filme ruhig mal nebenan stellen können. Es wird gesungen, es wird getanzt, es werden Shows zelebriert, es folgen Abstiege und Aufstiege und auch die Art von Humor erinnerte mich immer wieder an Effie Trinket, die sie in den Hungerspielen darstellt.
Ein wenig verrückt, ein wenig neben der Spur, ein wenig lächerlich und dennoch nicht unverzichtbar – all das stellt Effie in Tribute von Panem – The Hunger Games dar und genau diese Charakterzüge macht sich Pitch Perfect 2 zu eigen.
Wer hier Spaß haben will, der sollte schon vorher für Bühnenfilme etwas übrig gehabt haben, auch wenn sich hier nicht das klassische Vorbild in uninspirierter Art kategorisch auf der Bühne abspielt. All zu ernst sollte man den Film aber dennoch nicht nehmen, denn hier wird kein monströses Mega-Kino geschaffen, sondern einer Form von Musik Stimme verliehen, die sonst keiner so wirklich aufgreifen und fördern möchte.
Und genau das reißt einen dann doch in die Geschichte rein. Wäre die Musik nicht so verdammt gut, könnte der Film nicht existieren und würde eher die jüngere Klientel unterhalten, die hier mit billigen Jokes und merkwürdigen Pointen durchaus zu Lachern gezwungen werden, für die erwachsenere Menschen weniger übrig haben dürften.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer akzeptiert, dass hier Musik die Schnauze vorne hat, der wird dadurch gut unterhalten.
Liebhaber von gut ineinander verflochtenen Geschichten oder sinnigen Plots sollten eher zu was anderem greifen, denn dieser Punkt geht hier eindeutig an die Konkurrenz. Alle anderen erleben musikalisches Können, das auf der Leinwand durchaus richtig Spaß macht.

 
Nachspann
sollte man abwarten, hier wird’s nochmal richtig lustig.

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