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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Projekt: Antarktis

Projekt Antarktis

© 2018 24 Bilder

 

“Mach doch lieber was Vernünftiges” – wer kennt es nicht oder hat es von seinen Erziehungsberechtigten nicht schon wenigstens einmal gehört?

Oft gehören gerade die Menschen, die später Großartiges vollbringen und nach ihrem Erfolg zu gefeierten Stars gemacht werden, zu denjenigen, die sich in ihrer Kindheit und Jugend mit eben jenen Traum-Spaßbremsen rumschlagen müssen, die solche wertlosen Ratschläge auf Lager haben und in alle Welt verteilen müssen. In meinen Augen sind diese Rat-Schläger die größten Verbrecher aller Zeiten, denn nichts ist schlimmer, als fantasiegetriebene Träume im Keim mit erwachsener Vernunft zu ersticken!

Niemand von denen hat sich nämlich je gefragt, ob es nicht langsam mit dem Brei der Einheits-Unglücklichen reicht, wenn abertausende Millionen Menschen tagtäglich vor sich dahinsiechen und keiner versteht, warum gerade das eigene Kind zu eben jener trostlosen Masse zwingend dazugehören soll. Und jetzt kommt mir nicht mit “Sicherheit” und “Lebensgrundlage” – was ist das für ein Leben, das einen mit Unglück und Freudlosigkeit bis ans Sterbebett begleitet? Richtig – keins!

Fantastisch, dass drei Studenten aus dem Norden Deutschlands in Bremerhaven sich diesem Lebenstotschläger entgegengestellt und ihre eigene Mission entgegen aller Widrigkeiten in Angriff genommen haben und auf ihrem Weg satte 14.000 km gereist sind, um sich ihren Herzenswunsch zu erfüllen.

Wie und was da passiert ist? Davon berichtet euch Projekt: Antarktis in eindrucksvollen Bildern und einem völlig ungewöhnlichen und bisher so nicht da gewesenen Film, der die Abenteuer beschreibt und begleitet und gleichermaßen fasziniert wie aufrüttelt.

Ja, dieses Projekt ist kein professioneller Hollywood-Film, der mit allen Mitteln der Kunst gestaltet und von jeglichen Kinderkrankheiten bereinigt wurde. Ja, die Jungs sind tatsächlich Deutsche und bringen in ihrem Wesen und ihrer Abenteuerlust ebenfalls typisch deutsche Merkmale mit, die immer noch meilenweit vom amerikanischen Optimismus entfernt sind und längst nichts mit übertrieben guter Laune zu tun haben, sondern sehr oft in Bodennähe rumdümpeln.

Und ja, dieses Projekt ist hoffentlich endlich eins, dass die anderen eingeschlafenen Deutschen in ihrer Manier wachrüttelt und ihnen zeigt, dass es sich eben auch als Deutscher lohnt, seine Ziele und Träume in Angriff zu nehmen und nach etwas zu streben, und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Bislang hat man uns immer nur weismachen wollen, dass dies allein mit der amerikanischen Methode funktioniert und der trübselig-gesättigte Deutsche hat sich müde daneben gesetzt und war fest davon überzeugt, dass er dies aufgrund seiner Herkunft allein schon jetzt bereits nicht schaffen kann.

Dieses Argument beseitigen Michael, Tim und Dennis auf eine Art, die sich im Kino vielleicht etwas zurückhaltend und gebremst anfühlt, die dadurch aber womöglich viel mehr Bezug zum wirklichen Alltag herstellt und somit umso wertvoller als Beispiel zum Umsetzen fungieren kann.

 

.kinoticket-Empfehlung: Ein einzigartiges Projekt von Bremerhavener Jungs, die sich gegen die deutsche Trägheit stellen und etwas aufziehen, das einen Kinofilm definitiv wert ist.

Allein schon um der Bilder und Eindrücke wegen sollte man nicht versäumen, die Chance auf dem Big Screen wahrzunehmen, denn alles andere wäre ein Schnitt ins eigene Fleisch des Filmgenusses. Und vielleicht gehörst du ja anschließend zu denjenigen, die von diesem Filmgeist profitieren?

 

Nachspann
✅ wandert seicht ins Dunkle über, lasst euch also ein bisschen Zeit und stresst nicht gleich gen Ausgang.

Kinostart: 25. Oktober 2018

Original Title: Projekt: Antarktis
Length: 97 Min.
Rate: FSK 0

Grenzenlos

Wim Wenders ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr und zumindest bei der betagteren Generation ein Begriff, der zuweilen besondere Gefühle auslöst. Das erste Mal so richtig auf ihn aufmerksam wurde ich durch Buena Vista Social Club, ein Film, den ich damals vergöttert und heute immer noch geliebt habe und der längst seinen Stammplatz in meiner Sammlung gefunden hat.
Aktuell kennen ihn wohl einige durch seine auch von mir kritisch beäugte Dokumentation Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes, die selbst bei einigen Pressekollegen ebenfalls schlecht abschnitt, da man ihn eben durch bessere Werke kennt und er sich seinen angestammten Platz in den hohen Riegen der Filmgesellschaft nicht durch gutes Aussehen verdient hat.
Vor diesem glücklichen Missgriff ertüchtigte er sich an einem Film, den man im Original mit Submergence bezeichnet, was übersetzt soviel wie “unter den Meeresspiegel tauchen”, “eintauchen” oder “überfluten” bedeutet. Hier merkt man sehr deutlich, dass der gewählte deutsche Begriff eher belanglos klingt und den Film schlechter dastehen lässt, als er ist.
Die Texte auf den Covern werden vermutlich von “Liebesfilm” reden, dem ich mich nicht wirklich anschließen möchte, da das Original bereits anklingen lässt, dass diesmal eben auf anderen Harfen gespielt wird und nicht die üblichen Kamellen auf dem Boden der Tatsachen landen.
Das geht schon mit einem hervorragend auftretenden James McAvoy los, dem diese Rolle unglaublich gut steht und den ich seitdem als Sam Witwicky in den Transformers-Filmen sehen möchte. Der Knabe läuft hier zu Hochtouren auf und verblüfft in seiner ziemlich abgedrehten Charakterpose mit einem unfassbar guten Schauspiel.
Über das Drehbuch mag man streiten, über die etwas farblos erscheinende Eigentlich-Hauptdarstellerin ebenfalls und hier und da hätte man wohl auch noch etwas an den Intensitätsschrauben drehen und dieses faszinierende Thema besser ausschmücken können, aber was soll das Jammern: Die Idee ist nicht von schlechten Eltern und die sprunghafte Umsetzung hat mich persönlich jetzt nicht so sehr gestört, wie man anderen Kollegen.
An der Tatsache, dass man diesen Reißverschluss gerne aufreißen und beide Teile in einem jeweils eigenen Film, dafür aber ausgeschmückter und intensiver hätte präsentieren können, so wie das beispielsweise Clint Eastwood mit seinem Flags of our Fathers / Letters from Iwo Jima gemacht hat, ist durchaus etwas dran. Aber Wim Wenders ist eben nicht Eastwood und darum macht er auch nicht genau das gleiche wie er.
Die Connection zwischen beiden eigentlich krassen Gegenteilen käme dann wohl auch schlechter zur Geltung, allerdings erreichte der Höhepunkt-Effekt in meinen Augen keine Glanz und Glorie, sondern verfehlt ein klein wenig das Thema, da hier und da dann doch noch zu viele Fragezeichen auftauchen, wenn auch leicht in Richtung Metaphorie driftend.
Fakt ist: Der Film hat grandiose Ansätze, baut diese Themen dann auch sehr gut aus und beeindruckt durch unglaublich gute Bilder, die jedoch den Absprung in die Königsklasse verfehlt haben. Anschauen sollte man sich den Streifen aber dennoch, und wenn es nur ist, um hinterher drüber reden zu können.
 

.kinoticket-Empfehlung: McAvoy ist klasse und reißt hier tugendhafte Stücke vom Bock, die starke Bilder in einem völlig neuen Licht präsentieren.
Der vermutete Ansatz von Wenders geht durch die leichte Blässe von Alicia Vikander etwas flöten und die “Verknüpfung” wirkt teilweise lächerlich, hier hätte man besser zwei Filme gedreht und diese dann genügend ausgearbeitet. Dennoch sind die verbliebenen Eindrücke sehenswert und das Schauspiel McAvoys rechtfertigt jeden .kinoticket-Kauf mal definitiv! Also Daumen hoch – reingehen!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.
Kinostart: 2. August 2018

Am Strand

Passend zum Sommer schickt PROKINO den Titel Am Strand in die Kinos, was einerseits als Aufforderung verstanden werden darf, andererseits geht es – wie man dem englischen Original On Chesil Beach entnehmen kann – um einen ganz bestimmten Strand. Saoirse Ronan als Hauptdarstellerin passt ebenso perfekt in die Rolle, wie ihr gegenüber Billy Howle, die sich gemeinsam an einem Thema zu schaffen machen, über das unsereiner heutzutage vielleicht nur noch lächeln mag.
Eben dies veranlasste mich dazu, die dargebotene Jahreszahl als etwas zu “jung” zu erachten. Aber meine Recherchen und einige Interviewgespräche haben ergeben, dass zu dieser Zeit damals tatsächlich nicht nur in England oder anderen Ländern solche noblen Sitten an der Tagesordnung waren, sondern selbst ein paar Straßenzüge von dem Kino, wo ich den Film gesehen habe, weiter derartiges Alltag war.
Wie schnell sich die Welt doch ändert. Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb gerade solch ein Thema, exerziert aus einer Buchvorlage, heute auf der Leinwand so viel Spaß machen kann, weil man sich so köstlich über die Unbeholfenheit und teilweise Hilflosigkeit der beiden amüsiert und es wirklich herzallerliebst anzuschauen ist, wie sie sich stückweise nach vorne quälen und dabei immer wieder in verschiedene Fettnäpfchen treten.
Unterlegt mit wunderbaren Bildern ergibt dies einen herrlichen Film, der einem den Kinoabend vollends versüßen kann. Und macht es anschließend bitte besser als die beiden 😉
 

.kinoticket-Empfehlung: Kultiviert, konservativ und herrlich schräg dabei: Am Strand ist herrliche Lektüre, die sowohl als Buch, als auch auf der Leinwand wunderbar funktioniert.
Die Rollen sind hervorragend gecastet und das Thema ist heutzutage so herrlich altmodisch, dass eine durchaus ernste Angelegenheit hier die Basis für viel Schmunzeln und Lachen bildet. Wer sich einfach mal gut unterhalten lassen möchte, ist hier genau richtig.

 
Nachspann
❌ braucht nicht abgewartet zu werden, hier kommt nichts mehr.
Kinostart: 21. Juni 2018

ITTEFAQ – Es geschah eines Nachts

Und weiter geht’s im Land der Besonderheiten: Wir bewegen uns nach Bollywood und verzichten gleich mal auf Show, Tanz und Gesang: Ja, Indien kann auch ganz anders!
ITTEFAQ – Es geschah eines Nachts lehnt an das 1969 gedrehte Filmwerk an und präsentiert einen erstklassigen Krimi in indischer Manier: der deutsche Kulturgänger wird hier wohl die ein oder andere merkwürdige Szene finden, die den indischen Humor durchscheinen lässt, was für den geneigten film noir-Liebhaber wohl seltsam anmuten wird, allerdings kann man sich stellenweise das Lachen dann doch nicht verkneifen und die Story reißt auch ziemlich bald in ihren Bann und fesselt bis zum spektakulären Finale.
Wer sich jetzt desinteressiert abwenden möchte: In Indien wurde der Streifen zeitgleich mit Thor: Ragnarok released, was eine ziemlich starke Konkurrenz darstellt und gegen den er trotzdem seinen Platz behauptet hat. Ein Blick in die hierzulande rar gesäten Vorstellungen ist er also definitiv wert.
Über die anfängliche Suche zwischen Komödie und Thriller ist er schnell hinweg und entwickelt dann einen sehr speziellen, tiefergehenden und interessanten Blick in eine Geschichte, die zum Mitraten einlädt und ihre Offenbarung lange auf sich warten lässt. Diese ist dafür aber umso genialer und bereitet dem Zuschauer ein süffiges Ende. Damit erlebt man einen Thriller, der zwar von fern her kommt, es jedoch locker mit internationalen Größen aufnimmt und sie locker in die Tasche steckt. Prädikat: Sehenswert!
 

.kinoticket-Empfehlung: Bollywood mal ganz anders: Kein Gesang, kein Tanz und keine Kleider: Hier herrschen völlig neue Prinzipien und nehmen einen mit auf eine spannende Ratetour quer durch die dunklen Tiefen einer wunderbar erzählten Story.
Auch wenn der indische Humor vielleicht nicht jedermanns Geschmack ist: Der überwiegende Teil dieses Films besteht aus einem ernstzunehmenden Thriller mit wendungsreichen Pointen und einem herrlichen Finale.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht ausharren, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 31. Mai 2018
Alle Kinos, die den Film in einem einmaligen oder wiederholten Event zeigen, findet ihr hier.

Wer ist Daddy?

Was mir zuerst in den Sinn kommt, wenn ich Ed Helms auf der Leinwand sehe, ist Hangover. Und tatsächlich hatte Regie-Debütant Lawrence Sher auch in allen drei Teilen seine Finger mit im Spiel, was die vielverzweigten Anspielungen und Elemente, die man gut und gerne auch in diesen Filmen eingebaut sehen könnte, bei Wer ist Daddy? erklärt.
Aufgebaut auf einen recht ungewöhnlichen Road-Trip erobert man mit jeder Menge Slapstick-Einlagen und urkomischen Momenten des Zuschauers Herz und setzt dabei komplett auf familiäre Elemente, die in einem für diesen Film untypischen Finale münden, was ich auch gleichzeitig als kleinen Kritikpunkt anbringen will.
Natürlich sitzt man im Kino, beschaut sich das Prozedere und ist von vielen liebevollen Gags und spinniger Liebenswürdigkeit umgeben und denkt sich, dass das zwingend so enden muss, andererseits könnte man genau dieses Finale aber auch als Versuch werten, hier wieder mehr sein zu wollen, als man ist und damit eben etwas mehr Publikum abgreifen zu können, was ich – in wirtschaftlichen Interessen begründet – niemals für gut heiße.
Das ändert jedoch nichts daran, dass man während des Films – insbesondere zu Beginn – unglaublich viele tragende, spaßige und vorantreibende Momente erlebt, die für viel Kurzweil und gute Unterhaltung sorgen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Egal, ob mit Freundin oder Familie, allein oder mit Kumpels – dieser Film eignet sich hervorragend, um einen gemütlichen und lustigen Kinoabend zu genießen.
Das Ende fordert einem ein klein wenig was ab, aber davon sollte man sich nicht beirren lassen – als Gesamterlebnis bleibt ein durchweg positiver Eindruck zurück, den man gerne mit nach Hause nimmt. Also auf geht’s und rein da!

 
Nachspann
ist anfangs gesäumt von tollen Aufnahmen und erliegt dann dem schwarzen Stream, man darf also gerne wieder nach draußen.
Kinostart: 15. Februar 2018

Table 19 – Liebe ist fehl am Platz

Dieser Film besticht durch seine komplette Andersartigkeit sowohl in der Auswahl des Themas, als auch in seiner Art, die Dinge zu erzählen. Wenngleich die großen Köpfe des verbalen Intellekts hier auch ihre Schwierigkeiten haben mögen, so entfaltet dieser Titel dennoch eine ungewohnte, völlig absurde und dadurch absolut interessante Plattform, auf der man sich eines Themas annimmt, von dem der normale Zuschauer denkt, dieses gehöre wohl kaum als Hauptaugenmerk auf die Leinwand.
Dass genau dies passiert, macht diesen Streifen zu einem sehenswerten Konstrukt, denn man findet sich mal nicht in den üblichen platten Klischee-Zelebrierungen wieder, sondern widmet einen ganzen Spielfilm einer Gruppe, die sonst außen vor bleibt.
Dass man da jetzt keine schauspielerischen Offenbarungen oder horizonterweiternde Erlebnisse erwarten braucht, ist glaube ich jedem von Anfang an klar. Dass der Besuch eines Lichtspieltheaters trotzdem lohnenswert ist, bezeugt allein schon die Tatsache, dass diese wirklich derb komischen Vögel gemeinsam besser belacht werden können, als zu Hause auf der heimischen Couch.
Und der Spaß kommt mit dem Tun: Im Laufe der Zeit entwickelt der Plot immer mehr Eigenständigkeit und kommt durch seine skurrilen Ausführungen ins Rollen, auch wenn das groß erwartete Finale eher unspektakulär wirkt, so gehört genau dieses Ende auch wieder der Zielgruppe an, um die es hier geht.
Es ist nicht der Inhalt oder die Pointe, sondern vielmehr die Tatsache, warum dieser Film gedreht wurde, der uns einen Spiegel vorhält und zeigt, dass eben nicht nur die üblichen Verdächtigen auf einer Leinwand Platz haben, sondern man auch ganz andere Materie hernehmen kann, um diskussionswürdigen Stoff zu produzieren.
Mit Table 19 schickt man da einen Film ins Rennen, der durchaus kritisch begutachtet werden darf und den man sich gerne als Grundlage für weitere Gespräche ranziehen kann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Erwartet nichts normales, sondern stellt euch einfach auf eine völlig andersartige Überraschung ein, dann wird es auch keine Enttäuschung.
Die Nische, in der man hier wandelt und die gekonnte Nicht-Inszenierung dessen, was eigentlich jeder erwartet hätte, lässt aufleuchten, dass hinter den Absichten mehr steht, als man eingangs vermutet.
Definitiv eine interessante, aufschlussreiche Erfahrung.

 
Nachspann
Aufstehen, anziehen, rausgehen – hier folgen keine weiteren Szenen.
Kinostart: 17. August 2017

Alibi.com

Früher hat man das französische Kino ausnahmslos gelobt. Der geniale Einfallsreichtum und die unverbrauchte Frische gegenüber den ausgedienten Hollywoodschinken war eine völlig neue Erfahrung im Kino.
Mittlerweile haben sich einige Schauspieler zu internationalem Ruhm emporgearbeitet, die nun – gleichsam wie in der großen Filmschmiede – zum Aushängeschild mutieren und dafür sorgen, dass die Hinter-den-Kulissen-Arbeiter nicht mehr soooo sorgfältig beim Auswählen ihrer Sprüche und Einfälle sind, da man sich auf bereits erreichte Erfolge stützt und darauf hofft, dass die aktuellen Werke daran anschließen.
Und genau dieses Eingefahren sein, dass sich damit ausbreitet, macht mir als Vielkinogänger und Filmjunkie extreme Unlust, denn ein zweites Hollywood ist nicht nur überflüssig, sondern befreit uns damit auch von der Andersartigkeit und Vielfalt, die mit internationalen Filmerschaffern einhergeht. Und genau diese Vielfalt sollten wir erhalten.
Alibi.com dreht den Spieß nun wieder um und orientiert sich an den ursprünglichen Werten französischer Komödien: Man stellt keine bekannten Leute auf die Leinwand, sondern sorgt sich wieder um einen herausragenden Plot, der mit Genialität besticht und den Zuschauer von Anfang an auf einen unglaublich irren Trip durch die Filmgeschichte mitnimmt.
Es ist wieder an der Zeit, die Zuschauer darauf vorzubereiten, dass man zum Verstehen all der vielen Anspielungen unglaubliches Filmwissen und Vorkenntnisse mitbringen sollte, um das gigantische Ausmaß an Gags hier voll auszuschöpfen.
Bei einigen Dingen wird nachgeholfen und so manche Alliteration verstehen auch Unmündige, und genau das hat mir Anfang der Woche im Saal extrem Spaß gemacht: Man wurde für sein Filmwissen belohnt und durfte von einem Lacher zum anderen segeln.
Der einzige Kritikpunkt, den ich hier anführen möchte, ist folgender: Ab einem gewissen Punkt nimmt sich der Film selbst nicht mehr wirklich ernst und driftet dabei etwas spurverloren über die Geschwindigkeit, die er anfangs aufgebaut hat. Ohne dabei sein Ziel wirklich zu verlieren, erlebt man während dieser Fahrt einen Moment der Unsicherheit, der zwar zum Ende hin wieder aufgefangen wird, aber aus einem möglichen sensationellen Erfolg “nur” einen Kinofilm macht, den man zwingend mit Freunden in vollen Sälen besucht haben sollte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die typisch gewordene French Comedy wurde durchbrochen und durch ursprünglichen Wind ersetzt, der die Segel wieder herrlich weit aufbläht und hier für ordentlich Fahrt sorgt.
Das enorme Ausmaß an filmübergreifenden Gags ist allein einen Besuch wert und die Idee als solches sorgt definitiv für Spaß in den Reihen.
Schnappt euch ein paar Freunde, fahrt ins nächstbeste Kino und genießt die Show – es lohnt sich!

 
Nachspann
Selten so gelacht. Also: Sitzenbleiben!
Kinostart: 3. August 2017

Greg's Tagebuch: Böse Falle

Es ist wieder Kinderzeit im Kino: Mit Gregs Tagebuch: Böse Falle startet Twentieth Century Fox am Donnerstag den vierten Teil der Verfilmung dieser Kinderbuchreihe, der auf Band 9 der Gregs Tagebuch-Reihe basiert.
Für diesen Teil wurde ein komplett neuer Cast an Board geholt. Gespickt mit wunderbar niedlichen Animationen hätte der Film meiner Meinung nach sogar vollanimiert eingeschlagen, denn er vermittelt ein unglaublich heimeliges, nachvollziehbares und spannendes Ambiente für die Kids, die allesamt im Saal einen riesigen Spaß hatten.
Im hintersten Eckchen meiner kritischen Meinungshöhle bildete sich zwar ansatzweise eine leichte Furcht vor der FSK 0-Freigabe, die der Film erhalten hat, da manche Szenen verwirrend und durchaus fragwürdig sind, denen ich stellenweise sogar lieber FSK 12 verpasst hätte, jedoch ändert dies nichts an der wunderbar komischen und durchaus realistischen Darstellung der verrückten Abenteuer des Kinderbuch-Helden.
Das Zielpublikum ist natürlich die jüngste Riege, auch wenn selbst Erwachsene hierbei ihren Spaß haben können. Es ist also verständlich, dass man kein FSK 12 in Erwägung gezogen hat, da man dadurch per se die gewünschte Zielgruppe systematisch ausgeschlossen hätte, jedoch wäre ich dann beim Schnitt dazu übergegangen und hätte den Film um die entsprechenden Szenen gekürzt.
Abgesehen davon hat es selbst mir Spaß gemacht, denn dieses Mal musste man sich – im Vergleich zu vielen anderen Familienfilmen – nicht für irgendwelche Dummheiten fremdschämen. Gerade diese abstruse Natürlichkeit verleiht diesem Film einen unglaublichen Charme und hinterlässt ein wohliges, unterhaltsames und liebenswürdiges Areal, das die Fantasie und Abenteuerlust der Kleinsten auf seine Weise vollkommen anregt und für Abwechslung im Alltag sorgt.
Und genau dafür ist Kino ja wie geschaffen: Zum Ausblenden, Abschalten, in andere Welten eintauchen und sich von fremden Abenteuern überraschen und unterhalten zu lassen. All dies tut der Film auf beste Weise und liefert damit für mich den bis dato besten Kinderfilm dieses Jahres ab.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn stellenweise ein paar Szenen dabei sind, die man 3-4jährigen jetzt nicht unbedingt auf die Augen drücken muss, ist dieser Film einer der besten Familien-Action-Blödelfilme, die ich jemals gesehen habe.
Der neue Cast ist sympathisch, spielt spritzig und liefert dabei jede Menge komische Momente und spannende Abenteuer für die Kids, bei denen auch Erwachsene eine Portion Unterhaltung bekommen.
Daumen hoch!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, es sei denn, man mag die Animationen, die mit durchlaufen.
Kinostart: 1. Juni 2017

Conny & Co. 2 – Das Geheimnis des T-Rex

Ich habe mir ja eigentlich vorgenommen, hier im Blog nicht zu fluchen. Schon gar nicht an einem Sonntag. Aus dem Grund habt ihr auch nicht schon gestern meine ehrwürdige Meinung zu diesem Stück Sch… äh Kinderfilm gekriegt.
Ich meine, Til Schweiger stößt hierzulande immer mehr auf Ablehnung und fabriziert inzwischen auch nicht mehr wirklich das, was man von einem guten Schauspieler erwarten würde. Meine Meinung? Er hätte sich damals nach Knockin’ on Heavens Door einfach zur Ruhe setzen sollen und wäre uns allen als wunderbarer Schauspieler in Erinnerung geblieben. Aber was wünscht man sich nicht alles so den lieben langen Tag lang.
Nun ist ja nicht mehr nur er derjenige, der unsereiner mit schlechter Schauspielerei beeindruckt (siehe Tschiller: Off Duty), sondern sein Nachwuchs wird nun gefühlt mit Nachdruck ebenfalls in die schauspielerische Laufbahn gedrückt und das, obwohl mehr als offensichtlich ist, dass sie absolut talentfrei ist, was das angeht.
Nehmt es nicht persönlich … dieses Gewese hat mich im ersten Teil schon mega angekotzt und tut es im zweiten nicht minder: Die hochnäsige, abtrünnige Art der Sorte von Blag, die man gedanklich am liebsten den ganzen Tag treten will und bei denen niemand sauer ist, wenn sie von anderen gehänselt werden, weil sie es nicht besser verdient haben.
Und dabei spreche ich jetzt nicht von tatsächlichem Hass oder Mobbingvorschlägen, sondern einfach nur von den genervt rollenden Augen tausender Erwachsener, die an der Supermarktkasse stehen und sich einfach woanders hin wünschen, weil eines dieser hyperventilierenden Kids mal wieder seine Tobsuchtanfälle hat.
Genau diese Form von “Gemütlichkeit” erlebt man im ganzen Film. Und das hört bei den Kleinsten nicht auf, sondern zieht seine Bahnen bis hin in die Erwachsenenriege, die so dermaßen seltendämlich ist, dass es fast schon weh tut. Falsch – es tut weh, aber so sehr, dass man es nicht mehr als Schmerz auslegt, sondern seine Synapsen im Hirn aussteckt, damit keinerlei Gefühle mehr erzeugt werden.
Es gab mal einen Film, den man nur mit Schnaps ertragen hat (“Antanasiaaaaaaaaaaa“) und selbst das hilft in diesem Fall hier auch nicht mehr. So viel kann man nämlich gar nicht trinken, wie man kotzen möchte, wenn man diese von Logik durchzogenen Meisterleistungen zu Gesicht bekommt … * Ironie aus *
Soll ich spoilern? Oder euch den Spaß nicht verderben und ihr merkt selbst, dass hier keine Flüchtigkeitsfehler mehr passiert sind, sondern mit System versucht wird, den Zuschauer zu verarschen? Stichwort “Knochen”, “Größe”, “Wasser” … achtet mal drauf und schaut, ob euch was auffällt.  Um mal nur das offensichtlichste Beispiel zu nennen…
Bei aller Liebe, allem Verständnis, aller geheuchelter Freundlichkeit und sämtlichen kirchlich erkauften Verhaltensverzerrungen, die man dem Film entgegenbringen könnte: Er war und ist einfach nur dämlich, blöd, ohne irgendeinen Mehrwert, unterhaltungsfrei und leider erst Teil 2 einer ganzen Buchreihe, die Schweiger scheinbar nur verfilmt, um seiner Tochter eine Plattform zu bieten, auf der sie sich austoben kann, weil kein anderer Interesse daran hat, jemand wie sie auch nur ansatzweise zu beschäftigen.
Und das merkt man leider einfach so dermaßen, dass einem als Zuschauer nicht nur die Lust, sondern auch alles andere vergeht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Somit bleibt mir nichts weiter zu sagen, als dass ich den schlechtesten Film dieses ganzen Jahres bereits jetzt gefunden habe und keinem auch nur empfehlen könnte, da rein zu gehen, es sei denn, man ist absolut Hirn- und schmerzfrei und tut sich gerne so eine intellektuelle Vergewaltigung an.

 
Nachspann
Hier gibt’s nur eins zu sagen: RAUS! Und zwar so schnell als nur irgend möglich. Und bitte bitte bitte lasst diesen Teil einen absoluten Flop werden! Bitte!

Alles unter Kontrolle!

Dass die Franzosen Komödien machen können, weiß eigentlich jeder, der mit Kino zu tun hat. Mit Alles unter Kontrolle wird ein weiteres Erfolgserlebnis auf den Screen gebracht, dass definitiv den Besuch eines der Lichtspielhäuser wert ist.
Wer jetzt die Befürchtung hat, dass dies wieder nur so eine Art abgestumpfter Humor ist, wie wir es in der peinlichen Vorführung von Nichts zu verzollen erleben durften, der irrt. Der Humor ist hier so abgebrüht, zynisch und spitz, dass sich so manch politisch Korrekter durchaus daran stören könnte.
Und genau das macht für mich eine gelungene Komödie aus: Themen anzusprechen, die einen Nerv treffen, ohne dabei andere zu verletzen und manch oberernstes politisch heikles Thema auf amüsante Art zu persiflieren. Wenn dabei dann noch der Grat des guten Geschmacks gewahrt bleibt und man sich keiner billigen Sexwitze bedienen muss, um die Leute bei der Stange zu halten, dann steuert man fast schon auf die perfekte Unterhaltung zu.
Und als ich mich so im Saal umgehört habe, konnte ich genau das entdecken: Absolut zufriedene, glückliche Menschen, die permanent damit beschäftigt waren, zu grinsen, zu lachen und den Film zu feiern. Einschließlich mir.
Es wäre zu wünschen, dass sich viele Kinobetreiber dazu entscheiden, eben jenes Stück in ihre Säle zu verfrachten um den Menschen wieder das zu bieten, wonach sie sich in den düsteren Zeiten sehnen: Einen Grund, einfach so entspannt und ohne Probleme völlig unbeschwert und nach aller Herzenslust zu lachen.
Alles unter Kontrolle bietet dafür nicht nur die perfekte Grundlage, sondern wartet dazu noch mit einem Plot auf, der von seiner Spritzigkeit und der feschen Art kein Stück einbüßt, sondern auch hier dafür sorgt, dass keinerlei Langeweile aufzieht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich nach dieser Vorstellung nicht unterhalten gefühlt hat, der ist selber schuld.
Die Bewertungen nach dem Film haben auch eine eindeutige Sprache gesprochen: Fast alle haben bei positiv eingeworfen und damit signalisiert, dass der Film definitiv ankam.
Leute schnappen, .kinoticket lösen und Abmarsch ins Kino – diesmal lohnt es sich wieder, auch ohne seine Freunde vorher zu befragen oder irgendwelche Trailer zu schauen. Vertraut mir einfach.

 
Nachspann
Sitzen bleiben, sonst verpasst man den Schluss!

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