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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Fünf Freunde und das Tal der Dinosaurier

Fünf Freunde zählt bereits zu den bekannten und etablierten Buchreihen, die sich in Kinderzimmern schon längst ausgebreitet haben und ebenso im Kino einer großen Beliebtheit erfreuen. Mit Fünf Freunde und das Tal der Dinosaurier erleben wir nun schon das fünfte Kinoabenteuer, dass jetzt nach mehrjähriger Pause und fast kompletter Neubesetzung einen quasi Neustart der Erzählungen hinlegt, da man bereits im Vorgänger schon gemerkt hat, dass die Schauspieler für ihre Rollen langsam zu alt wurden.
Um der angehenden Anzweiflung in Sachen Glaubwürdigkeit entgegenzuwirken, hat man also den Trupp neu besetzt und sich anschließend wieder vollends in die Kindererzählung geschmissen und dabei wohl nicht bemerkt, dass an (zu) vielen Stellen eben jene Glaubwürdigkeit weiterhin angezweifelt werden darf. Zumindest, was die denkende Bevölkerungsschicht betrifft.
Ich bin (als Erwachsener) auch weiterhin Verfechter und Möger von Kinderfilmreihen im Kino, nicht umsonst habe ich sogar dieses Blogprojekt mit einem herrlichen Kinderfilm gestartet.
Man findet mich bekanntlich auch in Babyfilmen vor, deren Sichtung ich zwecks Rezension gerne über mich ergieße, weswegen ich mich ebenso mit Freuden in das neueste Abenteuer der Fünf Freunde aus der Kinderbuchreihe von Enid Blyton gestürzt habe.
Was mir hier bitter aufgestoßen ist, war, dass man quasi grundsätzlich mit einer Lässigkeit davon ausgeht, dass die Zuschauerschaft zu doof ist, um zu kapieren, dass viele Dinge so einfach nicht funktionieren. Natürlich ist es dramaturgisch vorteilhaft, gewisse Handlungen eben mit einer “Spektakulär”-Portion auszustatten, die Kinderherzen gerne höher schlagen lassen darf, wenn’s dann allerdings pädagogisch gefährlich wird, sollte man spätestens die Reißleine ziehen und sich nicht mit physikalisch unmöglichen Dingen über die Szenen hinweghelfen.
Genau dies wurde hier aber reichlich getan. Inmitten eines Bads aus unzähligen Klischeerollen, die sich gegenseitig die Klinke in die Hand geben, wird hieraus ein von Älteren geächtetes Werk, da sich diese Dinge so weit von der Realität entfernt abspielen, gleichzeitig aber zu wenig Abstand da ist, um mit Sicherheit davon auszugehen, dass die Kleinen dies als “nur” eine Geschichte respektive Märchen begreifen und nichts mit der Wirklichkeit assoziieren.
Natürlich sind die Kulissen beeindruckend und auch das prähistorische Zeitalter hat man wesentlich netter in seiner Rolle aufgehen lassen, als es z.B. bei Conny & Co. 2 der Fall war – allerdings bleibt der fade Beigeschmack von zu viel absurdem Klischee und zu wenig intellektueller Verantwortung.
 

.kinoticket-Empfehlung: Den Kindern wird hier zu wenig zugetraut und zu sehr auf altbackene Klischees gesetzt – das gibt dem Film einen faden Beigeschmack und lässt ihn trotz exzellenter Neubesetzung weiterhin an seiner Glaubwürdigkeit scheitern.
Die Kulisse ist toll, der Soundtrack und das technische Drumrum hervorragend ausgestaltet, nur am Drehbuch und einigen pädagogisch fragwürdigen Aktionen hapert es hier und da.

 
Nachspann
ist gespickt mit Outtakes vom Dreh, man muss also nicht gleich raus sprinten.
Kinostart: 15. März 2018

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Mit 13 Oscar(r)-Nominierungen an der absoluten Spitze der diesjährigen Vorfreude auf die Academy Awards hat dieser Film bereits jetzt etwas völlig richtig gemacht!
Und das kann man von Guillermo del Toro’s Filmen generell behaupten: Er versteht es, den Zuschauer gleichermaßen zu faszinieren und zu schocken. Dafür hat man sich hier ein unglaublich sinnliches Beispiel hergenommen, mit einem exzellenten Cast besetzt und daraus eine Geschichte gemacht, die man so schnell nicht wieder vergisst.
Die Grenzen zwischen unbändiger Liebe und roher Gewalt verschwimmen auch hier wieder zu einer märchenhaften Erzählung, deren Wurzeln viel zu tief im Realismus des Erwachsenseins verankert sind, als dass man sie tatsächlich als Märchen abtun könnte. Shape of Water ist so viel mehr!
Es fällt wieder schwer, über etwas zu reden, ohne zu spoilern, aber ich denke, ich nehme nicht zu viel vorweg, wenn ich sage, dass man hier in allen Facetten mit ausdrucksstarker Bildgewalt gearbeitet hat, die weit über Worte hinausgeht. Um diese schauspielerische Vielfalt erbringen zu können, wurden nicht die Rollen geschrieben und anschließend nach Kompromissen gecastet, sondern jeder Einzelne stand bereits vorher fest und ihre Rollen wurden an die Stärken dieser Schauspieler angepasst.
Daraus erblüht eine Basis, auf der sich jeder Protagonist vollkommen ausleben und “er bzw. sie selbst” sein konnte, was vorzeiglich zu diesem Nominierungsergebnis geführt hat. Daraus lässt sich erkennen, dass der Zuschauer es ungemein schätzt, wenn Charaktere authentisch sind und nicht nur versucht wird, etwas möglichst gut zu spielen.
Aber del Toro hat auch ein unglaubliches Gespür dafür, Menschen zu fesseln und sie in ihren eigenen Emotionen ertrinken zu lassen, indem er Szenerien erschafft, in die man sich einlullt, nur um anschließend von ihm wieder durchs Eck gebeutelt zu werden. Diese unfassbare Erzählstärke und bildgewaltigen Ausdrücke einer tiefsinnigeren Welt mit Elementen, die einen aus dieser hier entreißen, erschafft ein filmisches Monument, dass ich im März einfach ausgezeichnet sehen will – weil es gottverdammtnochmal verdient ist!
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier explodieren Nominierungen und Auszeichnungen aller Art und das hat einen Grund: Dieser Film basht so ziemlich alles vom Thron, was vorher mal daran geglaubt hat, hier Platz nehmen zu dürfen.
Diese Zeiten sind vorbei, denn Shape of Water – Das Flüstern des Wassers eruiert den Meilenstein des Kinos völlig neu und belegt dabei gleich mal das Treppchen ganz oben. Gut gemacht!

 
Nachspann
Braucht man nicht sitzen bleiben – aber genießt das geniale Gefühl, mit dem euch der Film wieder nach draußen schickt einfach noch ein wenig.
Kinostart: 15. Februar 2018

Alibi.com

Früher hat man das französische Kino ausnahmslos gelobt. Der geniale Einfallsreichtum und die unverbrauchte Frische gegenüber den ausgedienten Hollywoodschinken war eine völlig neue Erfahrung im Kino.
Mittlerweile haben sich einige Schauspieler zu internationalem Ruhm emporgearbeitet, die nun – gleichsam wie in der großen Filmschmiede – zum Aushängeschild mutieren und dafür sorgen, dass die Hinter-den-Kulissen-Arbeiter nicht mehr soooo sorgfältig beim Auswählen ihrer Sprüche und Einfälle sind, da man sich auf bereits erreichte Erfolge stützt und darauf hofft, dass die aktuellen Werke daran anschließen.
Und genau dieses Eingefahren sein, dass sich damit ausbreitet, macht mir als Vielkinogänger und Filmjunkie extreme Unlust, denn ein zweites Hollywood ist nicht nur überflüssig, sondern befreit uns damit auch von der Andersartigkeit und Vielfalt, die mit internationalen Filmerschaffern einhergeht. Und genau diese Vielfalt sollten wir erhalten.
Alibi.com dreht den Spieß nun wieder um und orientiert sich an den ursprünglichen Werten französischer Komödien: Man stellt keine bekannten Leute auf die Leinwand, sondern sorgt sich wieder um einen herausragenden Plot, der mit Genialität besticht und den Zuschauer von Anfang an auf einen unglaublich irren Trip durch die Filmgeschichte mitnimmt.
Es ist wieder an der Zeit, die Zuschauer darauf vorzubereiten, dass man zum Verstehen all der vielen Anspielungen unglaubliches Filmwissen und Vorkenntnisse mitbringen sollte, um das gigantische Ausmaß an Gags hier voll auszuschöpfen.
Bei einigen Dingen wird nachgeholfen und so manche Alliteration verstehen auch Unmündige, und genau das hat mir Anfang der Woche im Saal extrem Spaß gemacht: Man wurde für sein Filmwissen belohnt und durfte von einem Lacher zum anderen segeln.
Der einzige Kritikpunkt, den ich hier anführen möchte, ist folgender: Ab einem gewissen Punkt nimmt sich der Film selbst nicht mehr wirklich ernst und driftet dabei etwas spurverloren über die Geschwindigkeit, die er anfangs aufgebaut hat. Ohne dabei sein Ziel wirklich zu verlieren, erlebt man während dieser Fahrt einen Moment der Unsicherheit, der zwar zum Ende hin wieder aufgefangen wird, aber aus einem möglichen sensationellen Erfolg “nur” einen Kinofilm macht, den man zwingend mit Freunden in vollen Sälen besucht haben sollte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die typisch gewordene French Comedy wurde durchbrochen und durch ursprünglichen Wind ersetzt, der die Segel wieder herrlich weit aufbläht und hier für ordentlich Fahrt sorgt.
Das enorme Ausmaß an filmübergreifenden Gags ist allein einen Besuch wert und die Idee als solches sorgt definitiv für Spaß in den Reihen.
Schnappt euch ein paar Freunde, fahrt ins nächstbeste Kino und genießt die Show – es lohnt sich!

 
Nachspann
Selten so gelacht. Also: Sitzenbleiben!
Kinostart: 3. August 2017

Spider-Man: Homecoming (3D)

Einigen wird wohl nicht entgangen sein, dass sich Robert Downey Jr. höchstpersönlich dafür entschieden hat, aus dem Marvel-Universum auszusteigen, solange es noch nicht peinlich geworden ist. Seine Zeit war bei Iron Man, wo er sagenhafte Leistungen ablieferte und als Filmserienheld Reden von sich machte.
Danach holte man ihn immer an Deck, wenn man mal wieder eine funktionelle Zuschauerspritze brauchte, oder einfach, um das Coolness-Level etwas aufzufrischen und andere Superhelden besser dastehen zu lassen. Denn, sind wir mal ehrlich: Mit einer Person allein funktioniert das in unserem Supergiganten-Universum nicht mehr wirklich. Die Zeiten haben sich irgendwie geändert und die Geschichten von früher müssen heute einfach anders erzählt werden. Und da ist die Auswahl der Hauptdarsteller manchmal eine ganz wichtige Angelegenheit.
Zu Downeys Coolness gehört neben einer sensationellen Schauspielerleistung aber auch, dass man sich würdig von den Bühnen der Welt verabschiedet und nicht verkrampft versucht, bis zum Schluss Kasse zu machen und auf Teufel komm raus nochmal zu brillieren (so wie man es bei Tom Cruise in Die Mumie vermuten könnte).
Und statt zu zeigen, was für ein toller Hecht er ist, welche Brillanz und Größe an ihm verloren gehen wird, setzt er sich hin und überträgt dieses Level einfach gnadenlos auf den – meiner Meinung nach – besten Spiderman überhaupt: Tom Holland.
Hier zählt auch wieder, dass Marvel durchaus weiß, was es tut. Nach der sensationellen Niederlage von The Amazing Spiderman wollte man sich eine derartige Blamage nicht noch einmal geben und nahm deshalb vollständig die (kreativen) Zügel in die Hand, um einen Film zu kreieren, der von sich Reden machen wird. Und auf Holland ist die Rolle wie maßgeschneidert: Der Kerl bringt einfach alles mit, was es in heutiger Zeit braucht, um ein anbetungswürdiger Superheld zu werden: Er ist jung, süß, strotzt nur so vor jugendlicher Agilität und ist fesch in seiner Spielweise. Er geht neben den Schauspiel-Legenden keineswegs unter oder kämpft erbittert um Aufmerksamkeit, sondern spielt sich mit Tony Stark die Bälle zu, dass es nur so kracht. Die Synergie, derer die beiden sich bedienen, ist beispiellos. Es funkt – wie man so schön sagt – auf einer ganz anderen Ebene als erwartet.
Dazu trägt auch das Drehbuch und die ganzen Rahmenbedingungen bei: Man hält sich eben nicht mehr damit auf, eine bekannte Story jetzt nochmal zu erzählen, sondern setzt gewisse Vorkenntnisse voraus, die auch Nicht-Film-Kenner wissen sollten und steigt einfach gleich mit Vollspeed ein. Das macht aus dem Stück ein herrlich-neues, ebenbürtiges Iron Man-Abbild, dessen Elemente, die wir alle bis heute lieben, nun auf die nächste Generation übertragen werden.
Somit erlebt man als Zuschauer im Kino kein Revival alter Marotten, die einem das Gefühl geben würden, das Geld aus der Tasche gezogen zu kriegen, sondern erhält einen munter-heiteren Neustart in einem Universum, dass der Allgemeinheit bekannt ist und sich darum nicht länger an äußeren Erzählhistorien aufhält.
Und dieser Schachzug macht Spider-Man: Homecoming für mich zu dem besten Spider-Man überhaupt, der selbst sein Original noch übertrumpft. Genau wie auch schon bei The First Avenger: Civil War erkennbar war, dass Marvel noch ganz andere Trümpfe in der Tasche hat, hält man jetzt alte Versprechen und enttäuscht die Kinozuschauer ein weiteres Mal nicht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sollte man sich als Fan der Saga bekennen, stellt sich einem gar nicht die Frage, ob man nun hier rein geht oder nicht.
Für alle anderen ist dies der exakt richtige Zeitpunkt, um damit anzufangen und sich bei Bedarf dann die alten Streifen nochmal im Heimkino zu Gemüte zu führen. Und derer gibt es ja mittlerweile einige.
Spider-Man: Homecoming trumpft jedenfalls nicht nur mit unglaublichem 3D und genialer Frische auf, sondern verzückt auch in Sachen Soundtrack, Humor, schnellem Schnitt und unglaublicher Erzählfreude, die einem das Leben für gute 2 ¼ Stunden so angenehm wie möglich macht.

 
Nachspann
Üben wir einfach nochmal alle zusammen:
Ich darf in Marvel-Filmen niemals früher aufstehen.
Ich darf in Marvel-Filmen niemals früher aufstehen.
Ich darf in Marvel-Filmen niemals früher…
Ich glaube, irgendwann kapiert das auch der letzte. Und Leute: Auch hier beweist man wieder: Es ist ein neues Zeitalter angebrochen und die Jungs haben das tatsächlich kapiert und sind ihrer Zeit – selbst ganz zum Schluss – wieder weit voraus.
Kinostart: 13. Juli 2017

Wonder Woman (3D)

Leute, es wird Zeit, endlich mit einem Mythos aufzuräumen, der zwei Comic-Studios schon seit gefühlten Jahrtausenden quält: Marvel vs. DC, die einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft im Filme produzieren führen, den Marvel bislang fast immer gewann.
Bislang.
Denn mit Wonder Woman und einer Frau im Regiestuhl wird nun endlich alles anders!
Und das ist kein Witz – dieser Film schlägt ein wie eine verdammte Filmbombe! Nicht nur packt es das bislang vom Erfolg verschont gebliebene Studio nun endlich, einen absoluten Kassenschlager zu veröffentlichen, sondern man prescht auch gleich noch in ein paar metaphysische Ebenen vor und schafft Vorbildfunktionspotenzial, das auch gleich mal voll ausgereizt wird.
Und ich schreibe hier als Kerl.
In diesem Film wurde so vieles richtig gemacht und bisher auch zu Recht von Presse und Kritikern gelobt. Da wären Chris Pine und Gal Gadot, die ja bereits in Batman v Superman: Dawn of Justice der heimliche Star war und wie eine Sonne inmitten der düsteren Ebenen des Films herausragte. Die Umkehrung der ungeschriebenen Machtverhältnisse zwischen beiden sorgt für jede Menge frischen Wind und räumt derartig mit Vorurteilen und der Last der Welt auf, dass man als Freund des Menschen im Kinosaal hockt und vor Ergriffenheit nicht weiß, wohin mit den Tränen.
Gerade diese Zielstrebigkeit, mit der man den weiblichen Star am Superheldenhimmel nun etabliert, erfreut mein Herz so dermaßen, dass dafür kaum Worte zu finden sind. Wonder Woman packt mit einem gekonnten Handgriff genau da hin, wo andere Filme bislang weit vorm Ziel bereits gescheitert sind. Und es tut nicht nur sooooowas von gut, ihr beim Erreichen ihrer Ziele zuzusehen, sondern man sitzt im Saal und fragt sich stellenweise, ob Jesus erneut auf die Erde gekommen ist und die Menschheit mit Liebe umarmt! So zumindest fühlt sich der Film an – und treibt mir schon beim Schreiben und Dran denken wieder die Tränen ins Gesicht!
Leute – geht da rein und zeigt DC, dass ihr mehr davon wollt! Die Regisseurin hat bereits angekündigt, wieder für einen Film zur Verfügung zu stehen und ich hoffe und bete, dass genau das passiert! Denn was euch da ab Donnerstag vor den Latz geknallt wird, ist der bislang beste Film (neben The Dark Knight), den DC jemals auf den Markt gebracht hat!
Und das absolute i-Tüpfelchen wäre jetzt noch, wenn jeder einzelne von euch anfängt, endlich mit dem verkorksten “Das ist doch nur Hollywood, sowas ist nicht echt und schon gar nicht real”-Denken aufzuhören und damit beginnt, zumindest ansatzweise so zu handeln, wie Wonder Woman herself es tut.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine so dermaßen tiefe, innige, von Herzen kommende und ernstgemeinte Verneigung wie dieses Mal gab es von mir bislang noch nicht!
Ganz egal, was ihr bisher von der Story kennt, wie ihr zu Superhelden steht oder was euch schon mal irgendwo darüber erzählt worden ist – alles hinfällig! .kinoticket kaufen, reingehen!
Pflicht!

 
Nachspann
mal abgesehen von dem irren Soundtrack, der den ganzen Film über aufgefahren wurde (und Leute, der allein hat einen Oscar verdient!) kommt hier nichts weiter, das erwähnenswert wäre.
Die Hoffnung auf den nächsten Streifen und damit den Ausbau genau dieser Ethik stirbt bekanntlich ganz zuletzt.

John Wick: Kapitel 2

Auf diesen Film haben sich Fans wohl schon lange gefreut und auch die Vorankündigungen der Presse haben Lust auf mehr gemacht. Hand aufs Herz: Wann ist das nicht so?
Völlig vorurteilsfrei habe ich mich in der Sneak davon überraschen lassen, wie man eine Geschichte, die im Ganzen eigentlich fertig erzählt ist, fortsetzen möchte und dabei der Sahne noch die berühmte Aufsteigerkrone aufsetzen möchte, die einen “noch besseren, noch gigantischeren zweiten Teil” ausmachen will.
Tatsache ist, dass man hier in punkto Style, Action und fahrischer Stärke noch einen oben drauf gesetzt hat und gleich mal zu Beginn richtig Speed aufkommen lässt, bevor klar ist, welchen Film man da überhaupt sieht.
Beim Humor hat man sich nichts nehmen lassen und steigt auch wieder voll in die Echtheit von John Wick ein, dessen Darsteller Keanu Reeves hier seine Paraderolle nachgesagt wird.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die eher in The Matrix stattgefunden hat und der Junge sich nach Werken wie Knock Knock sein “Newcomer”-Debüt in der düsteren Filmszene erobert, in die John Wick natürlich hervorragend passt und mit genügend Blockbuster-Potenzial auch wuchtig zu Buche schlägt.
Die Marke, die man mit dem ersten Teil etabliert hat, zeigt auf jeden Fall Wirkung und der sarkastisch-zynische Humor trifft vielerorts auf fruchtbaren Boden – auch bei mir.
Dennoch empfand ich, dass dem Film ein wenig die spielerische Harmonie fehlte, da die Szenen im Film teils etwas zu langatmig waren, sowohl die “Ruhephasen” als auch der actionlastige Anteil. Irgendwie kommt dabei kein richtiger Rhythmus auf und man versucht unterschwellig verzweifelt, so etwas wie eine gelungene Fahrt hinzukriegen, bei der man aber eher mehr stolpert als grandios erzählt.
Das Schwierige daran ist wohl auch, dass die Gelüste, denen er im ersten Teil frönt, ja insofern abgeschlossen sind und man hier nur etwas künstlich in die Länge ziehen will, was auch am Schluss sichtbar ist. Der lüsterne Blick auf eine neue Welle von John Wick-Filmen ist auch jeden Fall nicht völlig unberechtigt.
Sei’s drum: Die Action macht Spaß, der Momente, die wirklich Gaudi machen, sind viele und man hat auch so jede Menge Spaß inmitten von echtem Style, der so noch nicht oft kopiert wurde und daher ein Alleinstellungsmerkmal aufweist, von dem sich andere große Produktionen gerne ein bisschen mehr Initiative und Erfindergeist abschauen dürfen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Daher meine Empfehlung: Popcorn schnappen, Freundin zu Hause lassen (es sei denn, sie steht auf Action und mag Filme wie Trainspotting) und dann einfach mal etwas hirnfrei die Show genießen.
Action, Style, Humor und Look des Films haben neben den schauspielerischen Fähigkeiten durchaus ihre Aufmerksamkeit und somit den Kauf eines .kinotickets verdient.

 
Nachspann
kommt keiner, man darf sich also getrost richtung Ausgang bewegen.

Florence Foster Jenkins

Wie man auf den Szenenbildern des Films bereits sieht: Der Zeitgeist von 1944 wurde hervorragend eingefangen und auf die Leinwand gebannt. Schauspieler und Schauspielerinnen leisten großartiges. Und die Geschichte (einigen vielleicht schon aus Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne bekannt) sucht sowieso seinesgleichen.
Hier dann zu erleben, dass etwas bereits Existentes so unglaublich gefühlvoll und anders neu erzählt wird, ist nur einer der Punkte, die mich bei diesem Film vom Hocker gehauen haben.
Der emotionale Faktor, auf den man hier voll und ganz baut, fruchtet so unglaublich stark, dass es für Zuschauer mit Empathie fast unerträglich wird, während man gnadenlos das nacherzählt, was die Frau zu ihren Lebzeiten tatsächlich durchgemacht hat.
Die Bilder beeindrucken auf eine ungekannte Art und Weise und hinterlassen tiefe Spuren in den Seelen der Zuschauer. Eine derartige Ausdrucksstärke und Vollkommenheit inmitten dieses Chaos’ glänzt nicht nur vor Schönheit, sondern erfreut sich bei Liebhabern von guten Geschichten eines exzellenten Rufs.
Alle Beteiligten gehen hier voll aufs Ganze und erreichen den Zuschauer mit einer brachialen Intensität, die nicht nur extrem lange nachhallt, sondern diese unfassbare Geschichte hoffentlich etwas mehr ans Tageslicht bringt, als der “Vorläuferfilm” dies erreicht hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich in der PV saß und mir dieses Wunderwerk angesehen habe.
Anschließende Sprachlosigkeit, Ohnmacht, Unverständnis wie man die Zeit bis zum Kinostart überbrücken soll und der immense Wunsch, diesen Titel unbedingt noch einmal, zweimal, zehn mal anzusehen.
Wer das hier verpasst, der verpasst so derart großartiges Kino, dass dagegen auch keine Medikamente oder andere Argumente mehr helfen.
Tut euch den Gefallen und nähert euch dieser Geschichte. Wenn es sich je gelohnt hat, dann jetzt!

 
Nachspann
Auf jeden Fall sitzenbleiben. Da kommt noch etwas.

The Purge: Election Year

Nach The Purge – Die Säuberung und The Purge: Anarchy schickt Regisseur James DeMonaco uns in die dritte Runde des Tötungsspektakels und lässt bei Kinokennern so manches Grausen aufsteigen: Dritte Teile sind in der Regel nämlich niemals gut, sondern bezeugen eher den Tiefpunkt einer womöglich längeren Filmserie.
Und in diesem Fall hoffe ich, dass sie niemals aufhört.
Schon die ersten beiden Teile waren endlich mal nicht in die Masse des Mainstreams gefallen und darin erstickt, sondern erfrischten mit einer neuen Idee und glanzvoll inszenierten Form perverser Unterhaltung, die nicht nur “krass” ist, sondern gleichzeitig auch wertvolle Fragen im Umgang miteinander aufwarf, denen man sich – sofern gewünscht – hinterher unterwerfen durfte.
Genau das macht diese Filmreihe für mich so wertvoll: Der geneigte Fan kommt visuell definitiv auf seine Kosten und gleichzeitig braucht man das Hirn nicht am Einlass abgeben, sondern darf genüsslich darüber philosophieren, welche gesellschaftlichen Auswirkungen eine solche Machtherrschaft hätte, mit der man in dieser Trilogie rumspielt.
Schon beim Lesen merkt man, dass hier extrem viel Potenzial dafür da ist, diesen Film so richtig zu verkacken, weil nämlich irgendwann alles ausgelutscht und erzählt ist und man einfach nur noch wiederholt, wiederholt, wiederholt um nochmal Kasse zu machen. Und dieses Gefühl kommt bei The Purge: Election Year mal so überhaupt nicht auf – im Gegenteil: Es wimmelt nur so vor genialen Einfällen und Umsetzungen, die immer wieder derart Atmosphäre in den Äther schmeißen, dass einem schon per Definition die Gänsehaut über den Rücken schwappt.
Ja, der Film hat hin und wieder ein paar Längen, in denen nicht wirklich etwas passiert und man halt einfach mal so da ist, aber für einen Jason Blum eine herausragende Leistung und dass Größen wie Michael Bay noch ihre Finger mit im Spiel haben, zeugt von noch mehr talentiertem Können, wenn es darum geht, hier mal etwas außer der Reihe zu wagen.
Und grade dann, wenn die Stimmung evtl. abzukippen droht, reißt der Soundtrack (holt euch diesen Soundtrack Leute!) die Zuschauer wieder von den Stühlen und die gezeigten Bilder tun ihr übriges, um tierisch zu verblüffen und in erschrockenes Staunen zu versetzen.
Doch nicht nur die gezeigte Brutalität und perverse Freude an etwas völlig Irrsinnigem, sondern auch die konsequente Weiterentwicklung innerhalb dieses Experiments haben bei mir tiefste Bewunderung ausgelöst. So elegant und vorzeigbar war wirklich kein einziger dritter Teil, den ich jemals gesehen habe.
Und ich verfluche mich schon jetzt, dass die Zeit nicht dafür ausreichen wird, um sich diesen Film wieder und wieder anzuschauen … zumindest nicht im Kino. Denn ins heimische Kino kommt der mal auf jeden Fall – soviel steht fest.
 

.kinoticket-Empfehlung: Lasst euch vom Trailer nicht abschrecken, der teilweise mongoloide Züge aufweist und vermuten lässt, dass es sich hier um einen riesigen Haufen Mist handelt, sondern vertraut einem erfahrenen Kinogänger und geht rein.
Ihr werdet nicht enttäuscht werden, denn hinter all den wirren Bildern aus dem Trailer steckt ganz viel Sinn, Durchdachtheit und überraschend viele positive Eindrücke, mit denen man wieder aus der Vorstellung wankt.
Sofern es mir vergönnt ist, werde ich mir diesen Titel definitiv nochmal anschauen.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, da kommt nichts mehr.

Connie & Co.

Okay, ich bewege mich wirklich nicht im literarischen Bereich von Kinderbüchern und habe persönlich absolut keine Ahnung, welcher Stoff da zu gebrauchen ist oder gar von der Filmbewertung zu recht oder unrecht mit dem Prädikat wertvoll ausgezeichnet werden darf oder nicht. Von dem her ist es nun sehr schwer, über einen Film zu urteilen, in dessen Genre ich mich absolut nicht auskenne und daher rein und allein meinen ganz persönlichen Geschmack spielen lassen kann, der hier aber ein Urteil abliefert, dass dem Film womöglich nicht gerecht wird.
Schon der Trailer war für mich die reinste Hölle, wenn ich in das selbstgefällige Grinsen dieses Kindes blicken und die übertrieben fürsorgliche Art über mich ergehen lassen musste, die dem schweigerischen Clan allgemein inne zu hängen scheint. Dass ich nicht unbedingt der größte Fan von Til Schweiger bin, dürfte ja bekannt sein. Dass man jetzt seine schauspielerischen Beziehungen wirken lässt und nun seine Sprösslinge auch auf den erhabenen Ast des Erfolges setzen möchte, macht dieses Unterfangen für mich persönlich nicht unbedingt sympathischer.
Ja, ich schaue mir gern mal Kinderfilme an, denn immerhin gibt es in diesem Bereich genauso empfehlenswerte Kost, die sogar Erwachsenen Spaß machen kann – siehe Baymax. Leider ist Connie & Co. so völlig gegenteilig und verbreitet gleich von Anfang an pure Langeweile. Ich fühle mich als Rezensent schon fast schlecht, so mies über einen Film mit dieser Auszeichnung zu urteilen, jedoch hatte man auch im Kinosaal nicht den Eindruck, dass die Kids dabei wirklich Spaß hatten, sondern eher gelangweilt und desinteressiert waren, was ich angesichts der Geschehnisse auf der Leinwand auch vollkommen nachvollziehen kann.
Ich weißt nicht, warum man erwägt, sich so einen Film reinzuziehen und kann nicht verstehen, weshalb er mit dieser Auszeichnung gelobt wurde. Für mich war es einfach nur anstrengend, peinlich und zum Fremdschämen, denn das gesamte Paket hapert an allen Ecken und Enden. Die Sprache – wieder einmal – zum Schreien. Das übertrieben kindhafte stimmliche Gezeter über Themen, wo man als Erwachsener im echten Leben nur mit den Augen rollen kann und sich womöglich entnervt abwendet, das Wichtigtuerische, für das man in jeder Schulklasse erstmal eins auf die Fresse kriegen würde und genau diese Voraussetzungen bilden dann die Grundlage für einen Film, dessen Plot man eigentlich gar nicht ernst nehmen kann.
Wäre das das echte Leben, müssten sich die Protagonisten nicht darüber wundern, dass es mit den Freunden mauer gesät ist. Und wenn einem das Kinopersonal schon sagt, dass man wirklich viel auf sich nimmt, nur um den Film dann auch im Blog bewerten zu können, dann ist damit eigentlich alles gesagt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auf deutsch gesagt: Wer hier rein geht, der ist selber schuld.
Es gibt wirklich tausende bessere Möglichkeiten, seine Kinder zu unterhalten und zu lehren, als dieses langweilige, übertriebene und realitätsferne Werk. Ob daran nun jetzt ein filmischer Erfolg geknüpft wird oder nicht, lass ich einfach mal so stehen, denn das alles hier ist einzig meine persönliche Meinung und nichts anderes.

 
Nachspann
darf man nun auch noch mitnehmen, wenn man es eh schon bis hierhin geschafft hat. Auch wenn er für mich nicht zu den größten Errungenschaften dieser Welt zählt.

Smaragdgrün

Betrachtet man die Namensgebung auf dem Kinoplakat, stellt man schnell die Behauptung auf, es handele sich hierbei um eine deutsche Produktion.
Mir aufgefallen, als ich das .kinoticket bereits in den Händen hielt und wenige Minuten vor der Vorstellung im Foyer meines Kinos war und mit dem Personal über dieses Machwerk plauderte. Die Erwartungen sanken dementsprechend in den Keller und zudem gesellte sich noch meine Unwissenheit bezüglich der beiden Vorgänger Rubinrot sowie Saphirblau dazu, was sich in diesem Fall dann tatsächlich zum ersten Mal als echtes Manko entpuppte.
Zu meinem großen Erstaunen gibt es hier aber gar nicht die breite Palette an Ärgerlichkeiten, die man im nationalen Filmbusiness so oft antrifft, sondern lediglich den Hauch eines angekratzten sprachlichen Äußeren, der aber auch nicht so penetrant nervt, wie man es von anderen Produktionen heimischer Filmemacher gewöhnt ist.

Positiv aufgefallen ist mir ebenfalls, dass man sich hier tatsächlich mal völlig auf die Sache eingelassen hat und nicht wieder jeden Dummfug von Anfang an erklärt, sondern als Quereinsteiger durchaus seine lieben Schwierigkeiten hat, mit dem Gesagten mitzukommen, sofern man die Vorläufer der Geschichte nicht kennt. Toll, denn dadurch erlebt man als Kenner eine Geschichte, die nicht langweilt und die Story tatsächlich spannend bleiben lässt, ohne sich mit Nebensächlichem aufzuhalten.

Die Effekte und der visuelle Wumms verblüfft für eine deutsche Produktion auch und zeugt von einer Art kreativem Aufstieg, den ich diesem Werk ganz ehrlich nicht zugetraut hätte. Zwar merkt man schon, dass im Vergleich zu den ganz großen Trilogien aus Hollywood noch das Quäntchen Unterbau fehlt, auf dem sich die Story ausbreiten und das Gesamtwerk als solches überzeugen kann, jedoch waren die Abstände zur Oberliga noch niemals so gering wie hier.

Am Ende machte es richtig Spaß und aus einem “Wäh, ich muss mir gleich einen deutschen Film geben” wurde ein “Wow – echt geil, dass ich den gesehen habe”.

Respekt an die Leistung, Respekt an die Darsteller und das Team hinter den Kulissen, das, was ihr damit auf die Beine gestellt hat, treibt den deutschen Film wieder viel mehr in Richtung internationale Professionalität und gerade die Einlagen und der “Stil” des Films, der dann sicherlich wieder aus externen Landen zugeschanzt wurde, macht aus diesem Werk eine Art nationales Hail, Caesar!. So viel Freude am Schluss eines deutschen Machwerks hatte ich bisher noch nie!

 

.kinoticket-Empfehlung: Meinen größten Respekt und allerbesten Dank an die Macher, die diese cineastische Erfahrung mit uns teilen.

Die Inkludierung der altertümlichen Momente, das Heranführen an internationalen Slapstick und die Wesenszüge historischer Filme, die hier aufgegriffen wurden, machen aus diesem Werk etwas wirklich großes.

So einen rühmlichen Einschlag hätte ich dem deutschen Film niemals zugemutet und bin froh, dass ich ihn im Kino sehen konnte. Rubinrot und Saphirblau stehen seitdem definitiv auch auf der Liste der zu sichtenden Filme.

 
Nachspann
greift hier in wunderbarer Manier nochmals einen Rückblick auf die gesamte Trilogie auf, die lobenswerter Weise nicht in zwei Hälften am Ende gesplittet wurde, sondern ihren Finalschlag tatsächlich in einem einzigen Kunststück aufweist.

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