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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Hans Löw

In My Room

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© 2018 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

 

Es ist das, wovon jeder bestimmt 1x im Leben träumt – es ist diese Art Welt, die ich mir oft nichts als mehr herbeisehne … keine Ahnung, wieso. Genau aus dem Grund vergöttere ich dieses Filmgenre. Damit packt man mich also schon mal per se in die Tasche.

Trotzdem hält sich meine Begeisterung in Grenzen. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch an die Zeit zurückerinnert, als wir uns alle von der ersten Staffel The Walking Dead hinreißen lassen haben und mit welcher Verblüffung man diese Serie in den Himmel heben musste, weil sie einfach so gnadenlos gut war. Inzwischen sind das ja himmelweite Unterschiede im Vergleich zur aggressiven Grandiosität, die uns da zu Beginn serviert wurde.

Ein Planetarium weiter findet man dann wahrscheinlich die Galaxie, die es ein weiteres Mal davon entfernt ist, was uns In My Room bietet: Es fühlt sich an, als hätte sich Deutschland fälschlicherweise daran gemacht, TWD zu beantworten und ist dabei nicht nur gestolpert, sondern auch ins 300-Sparta-Becken gefallen und wurde dort vom Meg zerfleischt.

Die Ansätze sind grandios, die Gedankenexperimente, die damit gestartet werden, ausgezeichnet, das Genre perfekt – und die Umsetzung aufs Ende hin derart stümperhaft und unausgereift, dass man meint, es handele sich um einen zweitklassigen Abschlussfilm der Hochschule.

Tatsächlich bietet dieser Film so viele abartig gute Ansätze, dass ich mich frage, warum man das alles nicht zu Ende gedacht hat. Du siehst Dinge, du denkst dir “Okay, geht klar” – wirst vom Plot und einigen geilen Twists überrascht, siehst dann auf einmal Kameraeinstellungen und Szenen, die obergrandios sind und bist vom Schlussteil des Films so mega enttäuscht, dass quasi alles in goldenem Schein den Bach runter rinnt. Wieso?

Hier steckt so viel Potenzial, so viele geile Ideen drin, so vieles, was man daraus hätte machen können, und gleichzeitig so viel Unüberlegtheit und Unausgereiftheit, was den Story-Strang angeht, dass sich einem zeitweilig die Fußnägel hoch rollen. Damit macht man nicht nur eine grandiose Show-Einlage kaputt, sondern zerstört quasi sagenhaft den kompletten Film.

Und was hinten dran an Produktions-Überraschungen noch den Weg auf die Leinwand geschafft hat, ist eigentlich schon wieder wert, dass man sich doch aufmacht und das Lichtspieltheater besucht: Ich bin echt hin und hergerissen.

 

.kinoticket-Empfehlung: Großartiges Genre, sensationelle Denkansätze, absolute Verschwendung, da nichts zu Ende gedacht wurde.

Damit zerstört der Film das gewaltig beeindruckende Kunstwerk, dass er vorher selbst aufgebaut hat, mit eigenen Händen und schaufelt sich sein eigenes Grab.

Ich würde trotzdem empfehlen, reinzugehen, weil einfach zu viele geile Überraschungen und Ideen verbastelt wurden, die man sich anschauen sollte, weil sie es einfach verdient haben.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht bis zum Schluss auszuharren, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 8. November 2018

Original Title: In My Room
Length: 120 Min.
Rate: FSK 12

Alles ist gut

Kennt ihr das, wenn jemand bockwütend im Zimmer steht, schnaubt und ächzt und ihr fragt: “Is was?” und diese Person euch antwortet: “Nö, alles gut.”?
Wenn offensichtlich ist, dass was ist, und man geradewegs ins Gesicht gelogen kriegt, obwohl man einfach die Wahrheit sagen könnte und somit die Probleme aus der Welt schaffen?
Und man dann dasteht und einen unbändigen Hass oder Gleichgültigkeit auf diese Person kriegt, weil sie die Dinge nur unnötig verkompliziert und ins Lächerliche zieht, statt aktiv an dem Problem zu arbeiten und es mit einem Fingerwisch ins Nirvana zu katapultieren?
Genau diesen Hass löst Alles ist gut als Film in mir (und einigen anderen ebenso) aus. Die Idee ist simpel: Ein Team junger Filmschaffender sitzt in einem Raum und fragt sich: Worüber können wir denn mal drehen?
Die Medien brüllen laut aus allen Poren: #metoo, #metoo, #metoo und die Filmschaffenden jubilieren und eröffnen das Feuer auf die moderne, männerhassende Welt, in der Individuen männlichen Geschlechts als Dreck und Abschaum beschimpft werden, einfach nur weil sie männlichen Geschlechts sind.
An dieser Stelle sollte ich wahrscheinlich schon mal vorsorglich zynisch applaudieren und der modernen Frauenbewegung meine herzlichen Glückwünsche aussprechen, ihr habt es tatsächlich geschafft, diese Welt wahnsinnig zu verbessern und zu wesentlich mehr Frieden und Miteinander beigetragen! Großartiges Kino!
Fakt ist nämlich: Dieser Film in seinem Fail-Whale-Verhalten projiziert genau die Probleme, die die moderne Gesellschaft mit Emanzipation, Frauenrechtsbewegungen, #metoo und anderem (mittlerweile) Quatsch hat: Angeblich wurde ja bereits alles vor der großen #metoo-Erleuchtung geschrieben und gedreht. Trotzdem versagt der Film in meinen Augen auf allen nur erdenklichen Ebenen.
Man castet eine junge Frau, die dominant, aufrecht, selbstsicher und charakterstark ist, packt sie in eine klassisch-klischeetriefende Opferrolle hinein und lässt sie jeglichen Seelendummfug anstellen, der einem nur aus den Fingern gesogen werden kann. Ihre Darstellung ist sowas von unlogisch, überzogen, dämlich und unglaubwürdig, dass es einem eigenständig sämtliche Fußnägel auszieht und Fingerkuppen von selbst brechen lässt. Facepalmen ist angesagt – und zwar fast schon sekündlich!
So viel abartige Dummheit, über die man sich wenige Sekunden später dann männeranklagend beschwert, habe ich selten auf einem Haufen gesehen. Ihr werden hunderte, tausende, ja millionenfach immer wieder Angebote vor die Füße geschmissen, um andere Ausgänge dieser Story zu produzieren und sie weigert sich vehement dagegen, ihre offensichtliche Charakterstärke dafür einzusetzen, tatsächlich einfach diese starke Frau zu sein, statt rumzuheulen und zu meinen “Nö, alles gut” und dann medienlastig als ein schwer gebeuteltes Opfertier zur Schlachtbank geführt zu werden und zu “offenbaren”, wie böse die bösen bösen Männer doch alle sind.
Hau ihm halt eine rein? Tritt ihn? Wehr dich? Geh nicht wieder zu ihm zurück? Schmeiß ihn aus deiner Wohnung? Lad ihn gar nicht erst zu dir ein? Geh in die obere Etage, in der du mit der Kamera kürzlich erst durchspaziert bist und lass ihn nicht die Treppe rauf? Hau ihm ins Gesicht? Tritt ihm in den Bauch? Geh selbst auf die Straße und damit aus der Situation raus? Lass es gar nicht erst zu, dass was passiert? Renn weg und stell nicht teilnahmslos irgendwelche dummen Fragen? Nimm das Angebot an, das dir unzählige andere hinterher anbieten und erzähl einfach, was los war und mach daraus eine Sache von Wahrheit und kein Schweigen und hinterher, wenn alles viel zu spät ist, rumheulen und auf völlig blödsinnige Weise nach “Gerechtigkeit” zu schreien, die völlig unangebracht, unrechtens und illegal ist?
Du bist sowas von blöd und dämlich und das hat auch überhaupt nichts mit Hilflosigkeit oder falschem Verständnis in der Gesellschaft zu tun, sondern ist schlichtweg einfach nur dumm und dumm und dumm!
Und sowas regt mich maßlos auf! Und dass dann irgendwelche Heinis noch daherkommen und erzählen, dass dieser Film die #metoo-Debatte auf den Punkt bringt, zeigt eigentlich nur, dass keiner dieser modernen Bioanbeter verstanden hat, worum es eigentlich gehen sollte. Sorry, sowas gehört fast schon verboten!
Dieser Film bringt überhaupt nichts auf den Punkt, sondern zeigt offen und für jeden erkennbar, welches Problem diese ganze Frauenrechtsdebatte hat: Sie führt sich selbst ad absurdum, indem eben nicht echte Vergewaltigungsszenen beleuchtet oder tatsächliche Opfer zu Wort gebeten werden, sondern irgendwelche Möchtegerne eine Plattform bekommen, auf der sie ungestraft über alles und jeden herziehen können, der ihnen gerade nicht in den Kram passt und das dann unter dem Deckmantel des #metoos verstecken und Menschen für Dinge büßen lassen, die an sich überhaupt keine Straftat sind.
Dass dabei den echten Opfern die Brisanz und grandiosen Möglichkeiten zur Findung wahrer Gerechtigkeit ganz nebenbei mit entzogen werden und diese nach Gerechtigkeit schreienden Monster dafür verantwortlich sind, dass wahre Opfer im tosenden Sturm der Entrüstung sang- und klanglos untergehen, dafür wird a) niemand zur Rechenschaft gezogen und b) interessiert’s auch keinen weiter, hauptsache, man dreht den Spieß jetzt einfach um und wehrt sich mit Unterdrückung und wüster Beschimpfung und Hasstiraden und Beil und brennender Fackel gegen das männliche Geschlecht um am Ende die selben Probleme wieder zu haben: nur umgekehrt.
Rache. Blutrünstige Rache war schon immer DAS Mittel der Wahl, um hier auf Erden das Himmelreich entstehen zu lassen. Man nehme: Gleichgültigkeit, forciertes Fehlverhalten und lehne jede Möglichkeit zur vernunftbasierten Klärung offensichtlicher Tatbestände vehement ab. Dann hat man wenigstens einen selbst herbeigezauberten Grund, sich zu beschweren.
Und weil grad alle so wahnsinnig toll mitwolfheulen, passt’s doch wunderbar in diese Zeit mit rein und mit dem Thema hat man sogleich einen “Nerv der Zeit getroffen”, der nur mit Filmförderung und Subvention unterstützt werden kann – immerhin geht’s um Frauenrechte!!!
Wer Zynismus in meinen Worten findet, darf ihn behalten oder auf Internetplattformen versteigern. Sorry – bei aller Liebe, aber so nicht!
Wenn man schon in so eine Schiene möchte, dann bitte auf glaubwürdige Art und Weise und nicht mit einer Darstellerin, die genau das Gegenteil von dem verkörpert, was sie in ihrer Rolle eigentlich aussagen möchte und ohne die dämlichen forcierten Anti-Möglichkeiten, die sie mit Leichtigkeit hätte ergreifen können, um aus der Situation eine gänzlich andere zu machen: Das ist nichts weiter als pure Verarsche, die im Wahnsinn des Gerechtigkeitsaufschreis einfach nicht zur Kenntnis genommen wird, aber alle verarscht ihr damit eben nicht automatisch.
Und die Gesellschaft täte gut daran, eben dies auch zu erkennen. Das heißt nicht, dass ich hier eine Lanze für Männer breche, das heißt nur, dass in diesem Film das dümmste anzunehmende Beispiel gewählt und ausgebrütet wurde, dass man auf diesem Planeten finden konnte und dass mich dieser Schwachsinn so überhaupt nicht überzeugt hat.
Und wie schon erwähnt: Ich steh damit nicht alleine da. Dieser Film hat unbändige Diskussionen ausgelöst und noch ein paar Pressevorführungen weiter wurde immer noch hitzig darüber diskutiert – wenn das das Ziel war: Erreicht. Etwas für die Frauen zu unternehmen: Kläglich versagt!
Also Finger weg von diesem Mist und lieber selber vorher das Hirn einschalten, dann wird’s auch was mit der besseren Welt, von der alle träumen.
 

.kinoticket-Empfehlung: So einen unfassbaren Schwachsinn hab ich selten erlebt: Man forciert genau wie in der Gesellschaft auf stupide Weise eine charakterstarke Lady in eine herbeigezauberte Situationen, aus der sie sich angeblich nicht selbst befreien kann und am Ende leider leider das großartige Opfertierchen wird, vor dem sich alle Welt verneigen sollte.
Wenn das der Versuch für mehr Gleichberechtigung und härtere Bestrafung für männlichen Trash sein soll, dann ist’s leider tierisch in die Hose gegangen. Und diese Windel wird euch niemand freiwillig wechseln, aus der Scheiße müsst ihr euch schon selbst wieder rauskämpfen.
Also lasst die Finger davon, überlegt selbst und stellt fest: Alles, was im Film passiert, hätte einfach nicht sein müssen, wenn an winzigen Stellschrauben gedreht worden wäre, was keinerlei Anstrengung und Aufwand bedeutet hätte, sondern einfach nur eines gewesen wäre: Vernünftig. Und nein, sie hätte dafür auch nicht ihren Charakter eingebüßt, sondern alles wäre am Ende tatsächlich einfach “gut” gewesen.
Aber mit Debatten lebt sich’s ja einfacher, gell?

 
Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, der macht’s auch nicht besser.
Kinostart: 27. September 2018
Original Title: Alles ist gut
Length: 93 Min.
Rate: FSK 12

Es war einmal in Deutschland …

Was sich auf den ersten Moment wie ein gelungenes Märchen gewisser Gebrüder anhört, entfaltet seine Originalität und seinen Einfallsreichtum ziemlich schnell in einer Erzählung, die sich selbst im Schatten großer Historie nicht zu verstecken braucht, sondern dem Zuschauer einfühlsam und herzerwärmend den Teil geschichtlicher Ereignisse zum besten gibt, der im Trubel des Großen Ganzen bislang eher wenig bis keine Beobachtung erfahren hat.
Michael Bergmann hat sich seinerzeit hingesetzt und zwei Romane geschrieben, die genau diese unbeantworteten Fragen stellen und mögliche Lösungsvorschläge liefern, die er aus persönlicher Bekanntschaft damals hautnah miterlebt hat.
Diesem Stoff hat sich Sam Garbarski angenommen und daraus einen witzigen, vor Lebensenergie und Vorwärtsdringen sprudelnden Film gemacht und bewiesen, dass man auch innerhalb Deutschlands einer Zeit Humor abgewinnen kann, die alles andere als lustig gewesen ist.
Gerade dieses Spielen mit Momenten, die einem eigentlich die Tränen in die Augen drücken, einen aber gleichermaßen dazu bringen, doch seine Lachmuskulatur zu benutzen, kommt in diesem Film der Perfektion schon ziemlich nahe.
Mit Moritz Bleibtreu und Antje Traue hat man zwei Leitfiguren etabliert, die dem gesamten Ensemble mächtig Schwung geben. Die Truppe passt einfach zusammen und die Story ist gleichermaßen wahr wie unglaublich.
Dass hier das ZDF beteiligt war, lässt man geflissentlich unter den Tisch fallen, denn dadurch wird dieses Werk nur bekannt, sofern die es dann auf ihrem Äther an die Umwelt schicken.
Als jemand, der nicht in dieser Zeit aufgewachsen ist und sich auch nicht näher für spezielle Schicksale dieser Epoche interessiert, vermag man wohl zu fragen, an welches Publikum dieser Film wohl gerichtet ist.
In meinen Augen fühlt sich dort drin wohl, wer Freude an andersartigem Humor, positiver Auseinandersetzung mit rabenschwarzen Themen und einfach glanzvollem Schauspiel heimischer Darsteller hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die sprühende Energie in einem Umfeld voller Trauer und Tod erhebt diese Geschichte zu einen Meilenstein der deutschen Historie.
Gerade das Befassen mit dem Humor innerhalb dieser Epoche trägt hier deutlich dazu bei, dass man sich auch als Außenstehender wieder gerne mit der Thematik auseinandersetzt und dabei sogar Spaß hat.
Ein Besuch mit Freunden im Kino ist ganz sicher keine falsche Entscheidung.

 
Nachspann
folgt auf freiem Fuße, nur ohne weitere Szenen oder neuem Material.

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