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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Handy

Feuerwehrmann Sam – Plötzlich Filmheld

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© 2019 justbridge entertainment media

Ganz ehrlich? Ich hatte noch nie damit zu tun und musste mich selbst erstmal einlesen: Es gibt wohl mittlerweile einige Kinofilme, TV-Serien und was alles zu so einem Kinder-Universum dazu gehört … inklusive der Spielzeugtrailer vor Filmbeginn, die das neueste gleich zum Kauf feilbieten… erinnert mich an ein Transformers für 4jährige, nur dass die Optik und der Sound im Film längst nicht so geil aussieht, wie in Michael Bays Werken.

Tatsächlich ist überdeutlich zu sehen, dass alles über 8 Jahren hier deutlich fehl am Platz ist … und dafür fährt man gleich zu Beginn des Films schwere Geschütze auf: Die Art, hier Stimmung zu machen ist mega-billig und gleichermaßen altersentsprechend faszinierend und fast schon “überfordernd”.

Auch weiß ich nicht genau, wie so kleine Weltenkinder nun darauf reagieren, dass man offensichtliche “Erwachsenenkrankheiten” hier derart offen kommuniziert und veranschaulicht, was stellenweise sogar im Kino Fragen auslöst (“Mama, warum ist der so böse?”) – da ob des Zeichenstils wohl kaum ein Erwachsener aus eigener Intention in so einen Film gehen würde und dafür sogar Geld bezahlen, sondern man quasi nur bei seinen Kindern sitzt und darauf wartet, dass es endlich vorbei ist… Auf die Idee, hier eigene Lehren mit zu nehmen, kommt man während des Films einfach nicht.

Tatsächlich ist mir die offensichtliche Werbung für die Spielsachen diesmal auch echt negativ aufgefallen, da eben jene Features dann im Film offensichtlich präsentiert werden und den Eltern quasi hinterher keine Chance eingeräumt wird, überhaupt “nein” zu sagen. Die “Verkommenheit dieser Welt” nun so in ein Werk für Kinder zu verpacken … keine Ahnung, was ich davon halten soll.

Tatsächlich – um bei dem Transformers-Vergleich zu bleiben – fehlt mir hier einfach der Entertainment-Funke, der auch ohne Merchandising eine unterhaltsame CGI-Schlacht bietet, die nicht offensichtlich an den Kauf von Produkten gekoppelt ist, sondern mehr oder weniger auch tolle Leinwandmomente erzeugt … und dafür war das alles eben einfach zu schwach.

.kinoticket-Empfehlung: Um die Zeit zu überbrücken, bis die Kleinsten dann endlich in den aktuellen Transformers dürfen, reicht es allemal.

Intentionen, auch für Ältere, sind mit verarbeitet, gehen aber irgendwo im Strudel der Belanglosigkeit unter und zeichnen ein Bild von der Welt, dass in meinen Augen dem Zielpublikum zu dem Zeitpunkt noch nicht vorgesetzt werden muss. Man hat halt eine Stunde Ruhe und nimmt danach aber nicht wirklich was davon wieder mit heim. Belehrt mich eines besseren, wenn ihr Kinder und andere Erfahrungen damit habt .. bin auf eure Meinungen gespannt!

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, das hört alles sehr ruckartig wieder auf.

Kinostart: 05. Januar 2019

Original Title: Fireman Sam: Hollywood Hero
Length: 60 Min.
Rated: FSK 0

Drei Gesichter

© 2018 Weltkino Filmverleih

Iran im Jahr 2018 – wir müssen, wenn wir wirklich ehrlich uns gegenüber sind, zugeben, dass wir eigentlich rein gar nichts über das Land wissen außer dem Schrott, der uns in den sensationsheischenden Medien über den Krieg zwischen den USA und dem Iran erzählt wurde (oder war‘s Irak – selbst das können die wenigsten auseinanderhalten).

Dieses Land hat auch Filme? Auch Kultur? Dort leben Menschen Tag für Tag, die an etwas anderem interessiert sind, als den Amis irgendwelche Waffen vorzuenthalten?

Ja! Über die Kultur und das „Innenleben“ dieses Staates wissen nur sehr wenige – und in meinem Umfeld und Einflusskreis rein gar niemand etwas drüber. Tatsächlich ist es aber so – manche mag das verwundern – dass dieses Land sehr viel mehr zu bieten hat, als das Paradebeispiel für die Achse des Bösen für den Rest der Welt darzustellen.

Im Iran gibt es auch viele Probleme und das alltägliche Leben ist für die meisten kein Zuckerschlecken. Und darüber erzählt Jafar Panahi etwas, der Buch geschrieben und Regie geführt … und als Besetzung auftritt, gemeinsam mit Behnaz Jafari, der gefeiertsten und berühmtesten Schauspielerin des Landes.

Ja, sie treten gemeinsam selbst auf und erzählen gewissermaßen „ihre eigene Geschichte“ anhand eines Portraits, das sehr tiefe, ehrlich-authentische und beeindruckende Einblicke in ein Land gewährt, das für viele immer noch ein Buch mit sieben Siegeln ist.

Cannes hat das Werk bereits anerkannt und die Goldene Palme für die beste Regie überreicht, jedoch ist dieses Stück so viel mehr! Unsereiner sieht vielleicht einen Film, der „echt ganz gut ist“, aber wenn man überlegt, wieviel Arbeit da dazugehört, in einem Land wie diesem als Frau in der Öffentlichkeit auftreten zu dürfen und welche kulturelle und politische sowie geistig-gesellschaftliche Vorarbeit notwendig ist, um erstmal für uns völlig banale Alltäglichkeiten herzustellen, dann ist es in tiefstem Maße beeindruckend, so etwas hergestellt zu haben.

Panahi mögen einige kennen über seinen vorherigen Film Taxi Teheran und mit Drei Gesichter zeichnet er erneut das Bild eines Landes in völlig verständlichen Farben auf einem hoch ansehnlichen Niveau für den Kinogänger in einer Weise, die im Gedächtnis haften bleibt und die es deshalb für mich zu den Filmen geschafft hat, die man definitiv gesehen haben sollte, um seine kulturelle Allgemeinbildung dahingehend erweitert zu haben.

Und hier zählt wirklich viel mehr als das wirklich rühmliche Offensichtliche – nämlich, welche künstlerischen Möglichkeiten und „Ausflüchte“ jemand in einem Land nehmen muss, um einfach „frei sprechen“ zu können: Vor diesen Schachzug verneige ich mich in Ehrfurcht und lege allen ans Herz: Besorgt euch .kinotickets, auf denen Drei Gesichter aufgedruckt ist – egal, wo. Hauptsache, der Titel stimmt!

.kinoticket-Empfehlung: Ein intimer Einblick in eine völlig unbekannte Wahrheit und Kultur eines Landes, über das nur sehr wenige genaueres wissen.

Die Figuren spielen sich alle selbst und dringen dabei in Gefilde vor, die wohl kaum jemand aus unseren Kreisen je erreichen dürfte: So präzise, fein austariert und künstlerisch auf höchstem Niveau hat mir bisher noch nie jemand einen kompletten Staat beschrieben. Großartig und zu Recht in Cannes ausgezeichnet! Rein da!

Nachspann
❌ braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 26. Dezember 2018

Original Title: Se rokh
Length: 100 Min.
Rate: FSK 12

Fifty Shades of Grey – Befreite Lust

Die Uhren schlagen zwölf – es ist soweit: Der finale Teil der Fifty Shades of Grey-Saga kommt (haha) offiziell in die Kinos und löst weltweit wieder einen Superhype aus, den niemand versteht und in den nur die Doofen reingehen. Genau wie die BILD: Kauft keiner, liest keiner, hat aber nen riesigen Absatz.
Dieses Jahr hab ich mich bewusst und sehnsüchtig für die Pressevorführung vorab entschieden, weil ich mich jetzt gerne und liebevoll für ein paar Wochen aus dem regulären Kino zurückziehe, bis diese Seuche wieder vorbei oder zumindest abgeflacht ist. Aber der Reihe nach:
Meine Äußerungen zu den Vorgängerfilmen sind in diesem Zusammenhang vielleicht nicht ganz uninteressant, um meine jetzige Einstellung besser zu verstehen:
Fifty Shades of Grey
Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe
Man merkt also, dass Fifty Shades of Grey insgesamt ein gewollt sadomasochistisches Peitschen-Image mit Sexverdunkelung und Abgründen erotischer Natur aufgebaut hat, um seinem Ursprungsideal der SM-Fanfiction-Variante von Edward und Bella aus Twilight zu entsprechen.
Und an alle Zweifler, die mir das immer noch nicht glauben: https://de.wikipedia.org/wiki/Shades_of_Grey#Entstehung << tatsächlich als Fanfiction von Twilight entstanden und später umgeschrieben. Voilà!
Ich meine: An sich ist die Idee ja gar nicht schlecht, immerhin gibt es von vielen Filmen mittlerweile die “(Soft)Pornovariante” auf Sport1 im Spätprogramm, auch wenn ich (ehrlich) noch nie eine davon gesehen habe. Sollte ich vielleicht mal nachholen, weil ich anschließend von dem hier begeistert sein werde … wer weiß 😉
Allein schon die Idee, so einen Jugend-Kitsch-Schmalzi-Girlie-Fanschrei-Film (Twilight) aus der pubertären Verniedlichung in die (ernstgemeinte) SM-Tiefe zu schicken, sollte eigentlich Freudensprünge beim von Einfallslosigkeit geprügelten Zuschauer auslösen. Dass daraus dann aber ein Konstrukt erwächst, dass den Zuschauern jedwede Relation zu seinem eigentlichen Ursprung abspricht – obwohl teils schon fast szenengenaue Parallelen zum Vorbild vorhanden sind und eigentlich deutlicher nicht mehr sein könnten – trotzdem einschlägt wie eine Bombe, wirft für mich zwei Thesen auf:
Entweder ist die ganze Welt vollkommen krank und ich bin geistig soweit zurückgeblieben, dass ich den Erfolg und das Verlangen nach solchem Stoff erst verstehen werde, wenn mir jemand an meinem Sterbebett erklärt, warum…
oder:
Diese Einfallslosigkeit ist so weit verbreitet und ich bin zu behämmert, um zu kapieren, dass das tatsächlich Alltag da draußen ist und sollte wirklich öfters aus dem Kino und mehr in die Realität wechseln.
Fakt ist: Man sollte vor dem PR-Coup seinen Hut ziehen, denn hier wurde wahrhaftig aus Scheiße Gold gemacht – und das nicht zu knapp. Allein der .trailer hat bereits Weltrekorde aufgestellt und sogar Star Wars geschlagen … mit einer Fanfiction eines behämmerten Films auf SM-Niveau! * kopfgreif * – in was für einer gestörten Welt leben wir denn?
Über die Vorteile davon hab ich mich bereits damals schon ausgelassen – den Chancen, sexuelle Aufklärung zu betreiben, Sex-Nischen salonfähig zu machen, Plattformen zum öffentlichen Diskurs zu bieten und den Menschen die Chance zu ermöglichen, auch über Tabuthemen gemeinsam zu sprechen, um so Unerfahrenheit oder ungewollte Versteckspiele endlich beenden zu können.
Ich meine: Die Welt sieht zu, die Aufmerksamkeit ist vollends vorhanden und alle starren gebannt auf die Leinwand – und was macht man daraus?
Fifty Shades of Grey – Befreite Lust!
Für mich wirkt das alles so, als wäre ein Großteil meiner Mitmenschen in einer irren Blase gefangen, die einer unbefriedigten Hausfrau der frühen Neuzeit entspringt, die vom großen Geld, dem traumhaften Prinzen und jeder Menge anderem Kitsch träumt und diesen mit unfassbar viel Kohle und einer vollkommen wahnsinnig gewordenen Kultur subventioniert bekommt.
Kürzlich meinte mal einer zu mir: Deutschland hat keine Fähigkeiten darin, Dialoge zu schreiben. Fifty Shades of Grey ist das beste Beispiel dafür – nur, dass es nicht aus Deutschland kommt. Die Dialoge sind dermaßen zum Schreien, dass es nicht mehr komisch ist. Auf Stumpfsinn folgt Plätte und danach kommt Fifty Shades.
Es fällt schwer, hier tatsächlich ernst zu bleiben und diese “unerreichbare Größe”, die dem Edward im ersten Teil zumindest noch teilweise innewohnte, hat man nun vollends aufgegeben. Ich meine, es ist okay, von dem wahnsinnig gut gebauten, knackigen, Superduperhypermilliardär zu träumen, für den alles fern jeglicher Realität absolut kein Problem ist und der sich alle Sorgen einfach mit sündhaft viel Geld wegkauft. Es ist okay, darüber Bücher zu schreiben und sich darauf einen zu schrubben, es ist auch okay, das dann ins Kino zu bringen und dem Rest der Welt zu ermöglichen, sich ebenfalls einen darauf zu schrubben.
Aber zumindest im dritten Teil erwarte ich als Kinogänger doch, dass man zumindest ansatzweise anfängt, mich als Zuschauer wahrzunehmen und aufhört, mir irgendwelche Märchen auftischen zu wollen. Ich sehe also nicht mehr in eine Girlie-Fan-Blase, sondern erwarte einen ernsthaften Film, der mich dann tatsächlich in die Welt der Superreichen einführt – was zumindest wieder Spannungsbogen-Potenzial aufweist und auch hier wieder Chancen bietet, daraus etwas durchaus Sehenswertes zu machen.
Und genau da krankt der aktuelle Film nicht nur, sondern stirbt tausend unrühmliche Tode: Christian wirkt in die wahl- und lieblos zusammengestellten Kulissen wie reingeschneidert, man kauft ihm die Rolle als Mega-Milliardär schon längst nicht mehr ab, sondern seine Stellung wirkt unbeholfen, lächerlich und hat längst nichts mehr von dem mysteriösen, verdorbenen Charme, für den Anastacia ihn im ersten Teil noch abgöttisch anhimmelte.
Statt hier den Weg einfach konsequent weiter zu gehen (Teil 1 anteasern, Teil 2 langsam bodenständig werden und Teil 3 nun vollends in die SM-Unterwelt abzutauchen und einfach Peitschen und Devotsein, Machtspiele, Erhabenheit und Unterwerfung und all die tausend Gefühle sprechen zu lassen) ergießt man sich hier in eine unzählbare Fülle von dümmlichen Dialogen, die himmelschreiende Realitätsferne aufweisen und von dem subtilen Witz und der unberührbaren Unkenntnis über dieses Genre aus Teil 1 absolut nichts mehr innehaben.
Verdammt! Ich meine, unsere Zeit ist doch aufgeklärt genug, dass man sich durchaus sexueller Themen auf der Leinwand annehmen könnte, die nicht bei Knutsch-Kuss-Wegblende aufhören, sondern man durchaus mal richtig vögeln darf und dabei auch über die Missionarsstellung hinaus gehen könnte … und was kommt?
“Hi.”
“Hey.”
“Kommst du ins Bett?”
“Später vielleicht.”
Ähm … es gibt Leute, unglaublich viele Leute, die für diese – sorry – Scheiße echtes Geld hinblättern und erwarten, dass ihr ihnen etwas dafür liefert. Und zwar nicht so einen geistigen Dünnschiss, sondern zumindest ein bisschen Humor und Ernsthaftigkeit – aber doch nicht so was?
Und was ist aus der eleganten Kulisse aus dem ersten Teil geworden? Aus dem Monster-Immobilien-Ding, dass man technisch gerne erkundet hat? Aus den Farbenspielen und den professionellen Versuchen, der Farbe Grau ein wenig Leben abzuringen?
Eine Anhäufung verschiedenster, nicht zueinander passender Stile, die stümperhaft zusammengewürfelt in eckige Szenen geschnitten wurden, in denen die beiden Hauptdarsteller jederzeit vollkommen verloren und deplatziert wirkten, was im Presseheft dann mit “sommerlicher Frische” und “farblicher Befreitheit” entschuldigt wurde. Hat bei mir nicht funktioniert.
Überhaupt wirkte dieser Film eher wirklich wie ein Softporno mit profaner Entschuldigung, für den man sich nicht mehr zu schämen braucht, weil ihn ja hunderttausend andere Menschen ebenfalls ganz offen schauen.
Von Sado oder Maso oder anderen themenrelevanten Dingen einfach überhaupt keine Spur mehr. Na gut, immerhin sieht man zumindest 2-3 Minuten mal ein paar Handschellen, aber dann?
Seid ihr wirklich so einfallslos und langweilig, ein – eigentlich so spannendes – Thema auf diese billigen Klischees zu begrenzen? Hier kommt mir wieder die untervögelte Hausfrau in den Sinn, die sich nichts mehr wünscht, als mal so richtig von Edward durchgebumst zu werden und die ihren fickrigen Sehnsüchten nun in Form einer Milliardenproduktion Ausdruck verleiht … oh mein Gott, wo sind wir da alle rein geraten? Mommy porn im Kino? Ernsthaft?
Sorry, wenn ich hier im Niveau etwas absinke und mich nicht mehr gewählt auszudrücken vermag, aber ich war gestern echt sauer. Sauer auf das, was man daraus gemacht hat. Sauer darauf, dass man jetzt ein Leben lang mit der Message leben darf, dass genau das ja “Sadomaso” ist.
Um mal Vergleiche zu ziehen: Es gibt schwule Kerle, denen man kein “Tuff Tuff Baby ich zieh mir Frauenkleider an und schmink mich” ansieht, die sich aber trotzdem inniglich lieben und definitiv schwul sind. Und dann kommt Frau Mama und erzählt: “Ich hab letztens so einen Film gesehen, in dem sich ein Typ schminkt und als Diva rumläuft, bist du auch so, weil du ja auch schwul bist?”
Und wisst ihr, was das Problem ist? Die Medien haben bis heute keine gegenteilige Ansicht geliefert, die der breiten Bevölkerung eindrücklich ins Hirn hämmert, dass sie sich ihre bekloppten Vorurteile sonstwohin stecken und anfangen sollten, einfach mal ernsthaft mit anderen zu reden.
Und dank Fifty Shades of Grey ist das jetzt nicht nur bei Schwulen und Lesben so, sondern auch bei Liebhabern dieser sexuellen Branche, die sich sowieso schon in der Öffentlichkeit immer unverstanden gefühlt haben.
Und wisst ihr was? Wir alle sollten uns auf die Schultern für diesen misslungenen Integrationsversuch klopfen und weiterhin in Ruhm und Schande ertränken, die wir uns selbst zufügen, indem wir tagsüber aller Welt von Gleichberechtigung und Integration, Toleranz und Selbstverständlichkeit predigen und uns nachts dann von Fifty Shades mit Gegenteiligkeit verarschen lassen, die uns auf den kommenden Tag und die Hexenjagd vorbereiten.
Wundert es da noch jemanden, dass es Parteien wie AfD und Co. an die Spitze der medialen Berichterstattung geschafft haben? Ich bin echt gespannt, was die hiesige Presse auf diesen Titel zu schreiben weiß, denn im Kino haben sich viele vor Lächerlichkeit kaum zurückhalten können.
Merkt eigentlich keiner von den Schaffenden, was hier allgemein für ein Bullshit produziert wurde? Die ertrinken fast in ihren Argumentationen, wie unglaublich professionell und ausgewählt, subtil und emotional hier aufeinander eingegangen wird und dass der Film sich selbst quasi nicht mehr parodiert, sondern beschämend in den Mülleimer wirft, hat dabei keiner gemerkt?
Abschließend sollte man noch erwähnen, dass man sich technisch nun auf absolut perfektem Niveau befindet, sowohl bei Kameraführung als auch in Sachen Soundauswahl! Ohne Witz: Der Soundtrack im aktuellen Shades-Film ist derart berauschend und für mich wohl das beste, das man der Welt damit schenken konnte.
Mir ist die Gänsehaut über den kompletten Körper gerauscht, als man – endlich wieder – Ellie Gouldings “Love Me Like You Do” in einem grandiosen Remix anstimmte und das Kino davon erfüllt war!
Und nicht nur da, sondern auch bei anderen Titeln hat man unglaubliches Gespür bewiesen – z.B. mit Hailee Steinfeld & BloodPop’s “Capital Letters” – einfach mal rein hören. Einige Titel, die man ruhig im Radio zu Tode spielen darf – vollkommen mein Geschmack! Dafür ein herzliches Dankeschön!
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich ist Fifty Shades of Grey – Befreite Lust der erste Film über Liebe, der selbst überhaupt nichts mehr mit Liebe zu tun hat.
Ich meine, es gibt mittlerweile so viele unzählige, berührende, zu Tränen führende Filme, die sich dieser Thematik annehmen und so tief in die Materie eintauchen. Das hier ist einfach nur noch ein billiger Witz, der selbst seine Einzigartigkeiten – und waren sie noch so verrückt – aufgegeben hat, um sich schlussendlich selbst zu verraten.
Und dabei war da bevor man mal begonnen hat, eigentlich unglaublich hohes Potenzial vorhanden.
Aber um mit was positivem zu schließen: Als Jugendlicher hat man nun definitiv ein schlagfestes Argument, um sich völlig ungeniert in der Öffentlichkeit billige Softpornos anzuschauen, die auch die gleiche inhaltliche Tiefe aufweisen, wie es Softpornos eben tun.
Yeah Baby!

 
Nachspann
Abwarten. Zum einen bis ganz zum Nachspann, weil da noch die Happy-End-Sequenzen kommen, von denen man im Film ja bekanntlich nichts sehen wollte. Zumindest laut Autoren. Zum anderen hat sich das Team “fürs Erste” von Fifty verabschiedet. Um was wetten wir, dass das in ein paar Jahren wieder ausgegraben wird?
Kinostart: 8. Februar 2018

Wish Upon

Neben Happy Deathday ein weiterer Horrorstreifen, der die .trailer-Welt der Kinos derzeit beflügelt und offenkundig Lust auf mehr macht.
Zwar hat man hier vom Twist her nicht unbedingt das große Los gezogen, um mit grandiosen Einfällen zu punkten und die Zuschauer durch überragende Drehbuchleistungen zu überrumpeln, jedoch besticht das Werk durch seine durchaus bodenständige und solid-ruhige Art, durch einen Film zu führen und authentische Persönlichkeiten zu formen, die durch diese von Suspense durchzogene Story getrieben werden.
Dass dabei eben nicht die üblichen Klischees erfüllt werden (und auch der Trailer richtig geschnitten wurde, um keine Handlungsüberraschungen vorweg zu nehmen) rechne ich dem Titel dabei hoch an.
Die große Offenbarung bleibt zwar außen vor, die große Enttäuschung verabschiedet sich hinterher aber auch vor der Kinotür und hinterlässt einen würdigen Eindruck vom Gesamtgeschehen.

.kinoticket-Empfehlung: So wenig ich einfallslosen Geschichten abverlangen kann, so sehr habe ich mich bei diesem Titel unterhalten gefühlt und finde, dass dies durchaus ein nettes Beiwerk zu einem ansonsten grandiosen Kinotag werden kann, dass man entweder mit Freunden in der 23-Uhr-Vorstellung genießt oder als Auftakt für andere Horrorfilme im Heimkino verwenden kann.

Nachspann
Auf jeden Fall bis ganz zum Schluss durchhalten, so gehört sich ein guter Abgang!
Kinostart: 27. Juli 2017

Greg's Tagebuch: Böse Falle

Es ist wieder Kinderzeit im Kino: Mit Gregs Tagebuch: Böse Falle startet Twentieth Century Fox am Donnerstag den vierten Teil der Verfilmung dieser Kinderbuchreihe, der auf Band 9 der Gregs Tagebuch-Reihe basiert.
Für diesen Teil wurde ein komplett neuer Cast an Board geholt. Gespickt mit wunderbar niedlichen Animationen hätte der Film meiner Meinung nach sogar vollanimiert eingeschlagen, denn er vermittelt ein unglaublich heimeliges, nachvollziehbares und spannendes Ambiente für die Kids, die allesamt im Saal einen riesigen Spaß hatten.
Im hintersten Eckchen meiner kritischen Meinungshöhle bildete sich zwar ansatzweise eine leichte Furcht vor der FSK 0-Freigabe, die der Film erhalten hat, da manche Szenen verwirrend und durchaus fragwürdig sind, denen ich stellenweise sogar lieber FSK 12 verpasst hätte, jedoch ändert dies nichts an der wunderbar komischen und durchaus realistischen Darstellung der verrückten Abenteuer des Kinderbuch-Helden.
Das Zielpublikum ist natürlich die jüngste Riege, auch wenn selbst Erwachsene hierbei ihren Spaß haben können. Es ist also verständlich, dass man kein FSK 12 in Erwägung gezogen hat, da man dadurch per se die gewünschte Zielgruppe systematisch ausgeschlossen hätte, jedoch wäre ich dann beim Schnitt dazu übergegangen und hätte den Film um die entsprechenden Szenen gekürzt.
Abgesehen davon hat es selbst mir Spaß gemacht, denn dieses Mal musste man sich – im Vergleich zu vielen anderen Familienfilmen – nicht für irgendwelche Dummheiten fremdschämen. Gerade diese abstruse Natürlichkeit verleiht diesem Film einen unglaublichen Charme und hinterlässt ein wohliges, unterhaltsames und liebenswürdiges Areal, das die Fantasie und Abenteuerlust der Kleinsten auf seine Weise vollkommen anregt und für Abwechslung im Alltag sorgt.
Und genau dafür ist Kino ja wie geschaffen: Zum Ausblenden, Abschalten, in andere Welten eintauchen und sich von fremden Abenteuern überraschen und unterhalten zu lassen. All dies tut der Film auf beste Weise und liefert damit für mich den bis dato besten Kinderfilm dieses Jahres ab.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn stellenweise ein paar Szenen dabei sind, die man 3-4jährigen jetzt nicht unbedingt auf die Augen drücken muss, ist dieser Film einer der besten Familien-Action-Blödelfilme, die ich jemals gesehen habe.
Der neue Cast ist sympathisch, spielt spritzig und liefert dabei jede Menge komische Momente und spannende Abenteuer für die Kids, bei denen auch Erwachsene eine Portion Unterhaltung bekommen.
Daumen hoch!

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten, es sei denn, man mag die Animationen, die mit durchlaufen.
Kinostart: 1. Juni 2017

The Shallows

Lange habe ich auf diesen Film hingefiebert. Ich liebe Wasser. Ich liebe Einsamkeit. Ich liebe abgefuckte Situationen in solchen Filmen, aus denen sich ein oder mehrere Personen heraus befreien müssen.
Und der Trailer verspricht genau das. Eine Show zum Niederknien mit einer brachialen Soundwucht, dass es dir schon jetzt den Atem verschlägt.
Wie schon bei Chasing Niagara bestaunt man auch hier wieder mit höchst ästhetischem Anspruch die Kunstform Wasser und huldigt der Natur auf eine ganz großartige Weise. Allein dieser Fakt ist schon ein Grund, in den Film zu gehen und sich einfach von den gezeigten Bildern und Impressionen beeindrucken und mitreißen zu lassen.
Der Plot um die unwirklichen Ereignisse mag an manchen Stellen jetzt hadern und auch nicht sonderlich gut animiert sein, allerdings sollte man bedenken, dass es sich hierbei auch nicht um eine Produktion in der Größenordnung The First Avenger: Civil War handelt, sondern wesentlich weniger Mittel zur Verfügung standen und dieses Thema in der Filmwelt sowieso eine Nische mit wenig Erzählpotenzial ist.
Und unter diesem Aspekt hat man es wirklich gut gemeistert. Nicht nur Blake Lively macht hier eine wahnsinnig gute Figur, sondern auch die Akustik und die Bilder sehen brachial gut aus und entführen einen kurz auf einen unwirklichen Trip, bei dem jeder froh ist, dass er selbst nicht so eine Scheiße durchmachen muss.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kino ist zum Ausbrechen aus dem Alltag da – und der Film liefert genau den richtigen Stoff, um exakt dies zu tun.
Blake Lively macht alles richtig und auch im Film sind – bis auf das Ende – keine großartigen Idiotie-Ideen am Start, die den Film nicht sehenswürdig machen.
Wer einfach mal einen abartigen Filmtrip erleben will, für den ist The Shallows genau das richtige.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, bei Abblende darf man wieder aus dem Kino flüchten.

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