Glen Powell

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Leute: Zeit für Titeldiskussionen!
Was lest und seht ihr beim Plakat? Ich bin unzählige Male in der Untergrundstation an dem riesigen Teil vorbeigelaufen und dachte mir: Mäh, noch so ein Weiberfilm, Mann, Frau, Deine Juliet, wunderbar für’n Mädchenabend … da musst du dann wohl irgendwann durch und dir den Mist anschauen, ihn bewerten und darfst ihn dann endlich wieder vergessen. Gottseidank.
Ich verrate euch, wie das Original dazu heißt:
The Guernsey Literary And Potato Peel Pie Society
oder übersetzt:
Die Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf
Merkt ihr was?
Irgendwo tief im Hirn klopft Der Club der toten Dichter ans Hirninnere und erinnert an einen verdammt guten Film. Solche “schwierigen” Titel haben doch schon einmal funktioniert, wieso belässt man es dann nicht einfach beim englischen Original?
Weil das Buch in Deutsch bereits auch so doof heißt.
Wer hat damals diese katastrophale Fehlentscheidung überhaupt getroffen? Nun, Titel werden wohl immer schon früh genug ausgewählt und dann wird erstmal gemacht … und dabei handelt der Film tatsächlich vielmehr von der “Society” als dem “Deine Juliet”-Anteil, der zwar vorhanden, aber eher unwichtig ist.
Und er nimmt jedwedes Frauen-Vorurteil und spricht eine in meinen Augen viel breitere Masse an, was den Film viel interessanter macht und enorm aufwertet. Warum also verzichtet ihr auf diesen geilen Titel? Zumal der im Film sogar oft genug genannt wird, um titelgebend Bezug darauf nehmen zu können?
Egal.
Was viel wichtiger ist: Dieses Werk, in dem gefühlt der komplette Downton Abbey-Cast mitspielt (eben die Elite der britischen Schauspieler), baut zwar auf Klischee und Tränendrüsen-Mentalität und greift somit scharf die kritischen Züge von Genialität und Einfallsreichtum an, aber: Er funktioniert. Und das sowas von. Man möchte es nicht anders.
Er ist großartig! Beeindruckend. Nachhallend. Diese Geschichte lebt und man entdeckt ein völlig neues Niveau in diesem Genre, das kein anderer Liebesfilm bisher auch nur annähernd auf diesem Level erreicht hätte. Und genau das ist der Grund, weshalb der nicht nur in der Ladies-Night, sondern überall laufen und von allen Gesellschaftsschichten und -sorten besucht werden sollte: Diese geniale Auseinandersetzung mit den Themen, mit denen Deine Juliet aufwartet, gehört mit ausreichend Besucherzahlen belohnt. Man fühlt sich auf intellektuell absolut hohem Niveau bestens unterhalten und stört sich kein kleines bisschen an möglichen Klischees oder emotionalen Tragweiten.
Dieses enorm hohe Level an Kunstfertigkeit, mit denen Mike Newell hier auftrumpft, hat auch mich stark beeindruckt. Und ja, ich werde erneut reingehen und ihn tatsächlich in der Ladies-Night sichten, um die Reaktionen des Publikums abzugreifen und mich davon zu überzeugen, dass die Erst-Sichter dann auch genügend Werbung für diesen Film machen, denn so etwas gehört auf die Leinwand. Den Weg in die Herzen der Menschen erobert der Film im Sturm.
Was noch beeindruckend ist: Arthaus hat ja mittlerweile einen zu abgespacten Beigeschmack, so dass sich viele in dem Wissen eher wieder davon abwenden, weil die Filme zu seltsam, zu anspruchsvoll oder zu abgehoben sind. Das hier ist Arthaus und keiner merkt’s. Damit hat man eine Brücke geschlagen und bietet dem ganz gewöhnlichen Zuschauer, der keinen allzu großen Anspruch möchte, hochwertiges Kino mit einer lebendigen und spannenden Story, die für einen Kinoabend allem anderen vorzuziehen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Das Original heißt: The Guernsey Literary And Potato Peel Pie Society.
Und jetzt packt eure Klamotten ein, bringt ein paar Taschentücher mit und lasst euch von diesem anspruchsvollen und absolut wertigen Film beeindrucken, der mit dem deutschen Titel das Understatement des Jahrhunderts gesetzt hat: Dahinter verbirgt sich so viel mehr, als man anfangs erwartet. Und genau deshalb sollten insbesondere auch Männer diesen Film zwingend besuchen.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, rausgehen erlaubt!
Kinostart: 09. August 2018

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Lasst euch von den Slogans auf dem Poster nicht abschrecken. Schaut am besten keine Trailer dazu. Lest nichts darüber, wo euch auch nur ansatzweise etwas darüber erzählt wird, was im Film stattfindet. Denkt nicht darüber nach, ob ihr reingeht. Vertraut den Worten des Security-Einlassers bei der Pressevorführung, der zu mir meinte:
“Das ist der beste Film seit Jahren, den ich je gesehen habe.”
So manch alter Kinohase mag sich bei solchen superlativen Aussagen natürlich seinen Teil denken. “Wo warst du denn alles drin?” “Wieviele Filme siehst du überhaupt?” “Weiß der Geier, was du für einen Geschmack hast, auf dessen Basis deine Bewertung jetzt steht…”
Sagen wir mal so: Das Kino hat jetzt Schleifspuren in dem Gang, wo ich saß in Richtung Ausgang. Meine Kinnlade war nämlich reichlichst tief im Boden versunken und kam da auch kein Stück mehr hoch. Kaum ein Wort hervorbringend bin ich zu dem Herrn zurück und meinte: “Du hattest recht, es IST der beste Film seit langem überhaupt!”
Den Pressevertretern konnte ich auch kaum Worte entgegnen, sondern habe mich nur mehrfach tief verneigt… An dieser Stelle einmal ein ganz persönliches dickes fettes DANKESCHÖN an FOX, dass ihr euch all die Mühen gemacht habt, um dieses Werk hierzulande zu veröffentlichen.
Was soll man jetzt also über den Film erzählen?
Eigentlich ist jedes Wort, dass man darüber schreibt, eher eine Missetat, die die unerreichbare Ehrenhaftigkeit, die hier auf ethischem Niveau vollzogen ist, nur wieder mit Unzulänglichkeiten beschmutzt. Meine Idee war:
“Bildung ist die einzige Waffe gegen den ganzen Hass hier auf Erden, also geht einfach da rein und bildet euch!”
Auch dieser Satz trieft nur so von Unkenntnis, Unbeholfenheit und Fehlern, denn er bringt nicht zum Ausdruck, was ich nach dem Sichten von Hidden Figures für Gefühle hatte. Ganz im Ernst: Ich würde Geld dafür ausgeben, wenn dafür mehr Menschen diesen Film zu Gesicht kriegen und sich tatsächlich die Zeit nehmen, ihn mit allen Wahrheiten gänzlich zu verinnerlichen.
Mit Hidden Figures landet nämlich nicht nur die Erzählung wahrer Begebenheiten endlich auf der Leinwand und wird so der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sondern neben den üblichen, absolut vollkommen erfüllten Erwartungen, die man an einen guten Film stellen kann (Spitzenstory, pointenreiche Wendungen, Spannungsausschläge in kurzen Abständen, hervorragende und überzeugende Darstellung, Top Cast, grandiose Filmmusik, unschlagbare Kulissen) kommt hier noch etwas dazu, dass diesen Film für mich so dermaßen gelungen dastehen lässt:
Das erzählerische Epos.
Im Ernst: Was hier an Moral (das Wort klingt an dieser Stelle irgendwie falsch) und Affinität zu moralischem Handeln an den Tag gelegt wird, sucht nicht nur seinesgleichen, sondern postiert in einer Welt dominiert von Rassenhass, Fremdenfeindlichkeit und gesellschaftlicher Zerspaltung eine ethische Denkweise, die Jesus nicht besser hätte darstellen können. Und das mein ich tatsächlich ernst.
Ich habe jetzt knapp eine Woche mit mir gehadert, wie ich euch beibringen soll, dass der Besuch von Hidden Figures kein Diskussionspotenzial besitzt, sondern schlicht und ergreifend ein gesellschaftliches Muss für Jedermann ist. Und wie ihr seht, ist es mir ganz sicher auch immer noch nicht perfekt gelungen, tatsächlich den Text zu schreiben, der euch dazu bewegt, schnellstmöglich ins Kino zu rennen und die Vorstellungen dieses historischen Meilensteins zu überfluten.
“Ja, ich hab aber grad keine Zeit.” “Jetzt zu Weihnachten ist eh alles so stressig.” “Wie soll ich das jetzt noch in meinen Tagesablauf einbauen? Ich weiß eh schon nicht mehr, wo mir der Kopf steht…”
Ruhe bewahren – weiß ich alles. Aus diesem Grund nutze ich die Chance und poste jetzt schon über den Film, obwohl der Kinostart erst auf den 02. Februar 2017 angesetzt ist. Ihr habt also noch genügend Zeit, diese Vorstellung zu planen und all eure Freunde, Familie, Bekannten & Verwandten einzuladen und mit ihnen dieses herausragende Beispiel menschlichen Verhaltens zu konsumieren, das eben nicht mit der üblichen Moralkeule schwingt, sondern so unterschwellig, dezent umspielend, dafür aber mit abartiger Bild- und Wortgewalt daherkommt, dass es einen als Zuschauer einfach nur erschlägt und zutiefst beeindruckt.
Ich würde sogar soweit gehen und fragen: “Hast du Hidden Figures schon gesehen?” “Nein.” “Okay, dann red ich erst wieder mit dir, wenn du ihn gesehen hast.”
 

.kinoticket-Empfehlung: GEHT!
REIN!
DA!
Ende der Diskussion!

 
Nachspann
auch hier kommt nochmals das epische Ausmaß zum Tragen, wenn all die echten Persönlichkeiten vorgestellt werden, die vom Spitzencast im Film deutlich und einprägend dargestellt wurden. Rennt also nicht sofort raus.

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Willkommen in den 80ern. Willkommen bei Everybody Wants Some!!

Mit diesem Stück Filmgeschichte entführt man die Zuschauer zurück in vergangene Jahrzehnte und lässt erneut den Kult der 80er aufleben, wenngleich man es auch eher als späte Vorstellung der Endsiebziger bezeichnen könnte, da sich das Wesen des Films nicht an den Dingen orientiert, die die meisten mit den 80ern in Verbindung bringen.

Dennoch rührt man mit großem Können den Cocktail vergangener Tage an und erzählt die Geschichte junger Männer auf ihrem Weg ins Leben. Getrieben von den üblichen Problemen, mit denen angehende Collegestudenten zu kämpfen haben, begleitet man hier eine Truppe von Jungs auf dem Weg zum Erwachsensein.

Richard Linklater erschafft nicht nur ein Meisterwerk jugendhafter Erfahrungen, sondern entführt mit authentischer Detailverliebtheit in ein Jahrzehnt, an das sich viele gerne zurückerinnern und lädt somit zum Schwelgen in historischen Erinnerungen ein. Der ungetrübte Stil, der sich in Musik, Disco, Erfahrungen, Schallplatten, Haarschnitten und vielen anderen Wesenszügen auszeichnet, dominiert hier nicht nur das Szenenbild, sondern erschafft eine Aura, die einen für 117 Minuten tatsächlich zurück in das Jahrzehnt katapultiert, in dem ich geboren wurde.

Dieses Werk ist fast schon eine kulturträchtige, musikalische Hommage an die späten 70er, die diese Zeit und seine unverkennbaren Merkmale zelebriert und ausschmückt. Und genau wie heute widmete man sich damals auch eher den unterhaltsameren als den sinnstiftenden Dingen und stolperte eher ins Leben als wissende Schritte zu gehen, die auf Erfahrungen anderer basierten.

Dieser Film ist ein Feelgood-Movie, der sich nicht nur mit typischen Elementen dieser Zeit abgibt, sondern auch Grenzen, Rivalitäten, Selbstfindung und andere wichtige Komponenten des Lebens behandelt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn man aus dieser Vorstellung wieder heraustritt, ist man berauscht von einem Jahrzehnt, das langsam in Vergessenheit zu geraten scheint.

Linklater erschafft hier ein zeitgeschichtliches Wunder und lässt den Geist der 70er erneut aufleben. Detailverliebt und authentisch hat man hier sorgsam nach Requisiten und anderen zeitgeschichtlichen Dingen geforscht, die ein so dermaßen überzeugendes Abbild dieser Zeit wiedergeben, dass man sich nach dem Abspann kaum von dem Film verabschieden kann.

Die Musik ist fantastisch und brilliert neben unzähligen anderen Dingen. Insgesamt zeugt dieses Werk davon, dass die Macher ihr Handwerk tatsächlich verstanden haben und man nicht nur vom Hörensagen aus dieser Epoche berichtet.

 

Nachspann
sollte man sich ruhig antun, hier werden die Darsteller nochmals in einem lustigen Musikvideo vorgestellt.

Kinostart: 2. Juni 2016

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