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Tag: Gefängnis

Dogman

Dogman
© 2018 Alamodefilm

 
Dogman – Filme mit “Dogs” im Titel versprechen immer, wahre Insider zu werden: Reservoir Dogs, Dobermann… Doch nicht nur die USA oder Frankreich können böse, auch Italien leistet seinen Beitrag dazu und liefert hier gleich noch die Verfilmung wahrer Ereignisse, nur in sehr viel gutartiger, als die Realität gewesen ist.
Dogman besticht durch seinen einzigartigen, originalen Charme, den in meinen Augen nur das Original liefern kann: Also beherzt euch selbst (sofern es die Verleihe nicht schon getan haben) und verbannt die deutsche Synchronisation aus dieser Welt. Diese Stimme, der dazu passende Charakter, der morbide Wandel eines Menschen … all das kann Marcello Fonte nur in seiner wahrhaften Gestalt liefern und ich glaube nicht daran, dass irgendwer – und sei er noch so gut – diesen Geist und dieses Wesen glaubwürdiger darstellen könnte, indem er ihn synchronisiert.
Ich habe den Film inzwischen mehrfach in OmU gesehen und bin jedesmal davon überzeugt gewesen, dass eine Synchronisation den kompletten Film mit einem Fingerschnippen zerstören wird. Nicht umsonst ist er bereits mit Bester Darsteller geehrt worden – und da darf sich die Nischenfraktion gerne rein hocken und ihn so genießen, wie er gedacht war.
Und das sollte man auch tun, auch wenn die italienische Geschwätzigkeit für manchen zeitweise etwas schwer erträglich sein wird: Es ist ein echtes Unikum und verdient, im Kino gesehen zu werden.
Die Erzählung ist gleichermaßen erschreckend wie faszinierend, und der Fakt, dass in Wahrheit noch viel schlimmere und ausartendere Dinge passiert sind, zeugt einmal mehr davon, was für ein Monster der Mensch wahrhaftig ist. Und die klassische Frage: “Wer ist gut, wer ist böse und warum?” regt sowas von zu Diskussionen an, die über die Werte und das Wesen menschlicher Spezies philosophieren lassen … Nischenfraktion eben.
Und damit der dann noch ein bisschen bekannter wird, ist Dogman die Einreichung Italiens für den Best Foreign Language Film der 91st Academy Awards 2019.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein echtes Original, dass nur in OmU lebt und niemals nie in einer synchronisierten Fassung angesehen werden sollte.
Die würde den kompletten Film nämlich einfach zerstören, weil dadurch das Wesen von Fonte kaputtgemacht wird. Der Inhalt und die faszinierende Wandlung offenbaren einmal mehr das Wesen der Menschheit.

 
Nachspann
❌ braucht nicht ausgeharrt zu werden, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 18. Oktober 2018
Original Title: Dogman
Length: 102 Min.
Rate: FSK 16

KIN

Regiedebüt: Eines der Movies, das mich sofort gepackt hat! Diesmal hab ich mich sogar dazu herabgelassen und bereits vorher den .trailer geschaut und der hatte mich quasi schon fest in der Tasche – und der Film setzt dem ordentlich eins oben drauf!
KIN gehört zu der Sorte SciFi, die mit Hirn und Verstand an die Sache rangeht und somit unvergleichbar viel Realismus-Nähe mitbringt, was seinerzeit bei Arrival auch schon einen derart guten Beigeschmack hinterlassen hat. Man hebt eben nicht mehr in fantastische Zukunftswelten ab und bewegt sich völlig in einer Fantasie, sondern gestaltet die Elemente derart durchdacht, dass der Zuschauer die Handlung und Möglichkeiten abkauft und sich intellektuell nicht vor den Kopf gestoßen fühlt.
Und was mich absolut begeistert hat: Der Look und das Design des Films! Leute? Burner! Diese Einfälle erstmal zu kriegen und dann derart leuchtend und grandios umzusetzen ist ein Move, den ich lange nicht gesehen habe und der wirklich absolut überzeugend rüberkommt, trotz CGI-Rumgefummel. Ehrlich, wie kommt man dazu, so eine geile Technik zu erfinden und sie dann so formschön und elegant und gleichermaßen zerstörerisch und wütend auf die Menschheit loszulassen?
Dieser Film räumt auf und holt eine ganz bestimmte Sorte Menschen vor die Bildschirme, um ihre unausgesprochene Wut zu beantworten und zu kurieren. Und dabei bewegt man sich so fernab von jedweder Kinoblockbuster-Dummheit und kriegt jedesmal wieder eins auf die Twist-Mütze, wenn die Meinung aufkommen könnte, dass es langweilen würde.
Ganz ehrlich? Es macht so einen riesigen Spaß, dieser Geschichte zu folgen und auch wenn einiges vorhersehbar ist, stört dies nicht die exzellente Zusammenstellung des Casts und die bärigen Design-Elemente, mit denen man jedes Auge hier verwöhnt!
Schreibt mir, wem’s nicht so ging, dass er sich selbst auf die Leinwand wünscht um dies und das einfach zu klauen und es selbst zu besitzen, einfach weil’s geil aussieht! Auch wenn der Start inzwischen nahe gerückt ist, fällt es extrem schwer, darauf zu warten, dass ich endlich wieder Dauerkinosaalbesetzer werden kann, um dieses Ding hoch und runter laufen zu lassen, denn genau das sollte man damit anstellen: Gebt ihm so einen ruhmreichen Kinostart, dass sich die Produzenten von großartigen Filmen noch öfters dazu hinreißen lassen, so etwas grandioses zu probieren und aus dieser Geschichte eine Reihe werden lassen: Potenzial dazu hätte sogar der Plot in der Tasche!
 

.kinoticket-Empfehlung: Design: Augenschmaus! Cast: Mega! Twist: Bravourös!
KIN hat mich sofort gepackt und bisher nicht mehr losgelassen: Ich liebe so einen Scheiß! Allein nur wegen der Effekte und dem außerordentlich göttlichen Design des Films hat dieser Titel Aufmerksamkeit verdient und wer sich dann noch in dem Plot verliert, wünscht sich genauso, dass man hier jetzt ansetzt und endlich mal eine taugliche SciFi-Reihe auf die Füße stellt, die man sich ungeschoren ansehen kann!
Großartig – und als Regie-Debüt einfach klasse!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht aushocken, Kinosaal freimachen und zum Putzen freigeben. Bucht lieber die nächste Vorstellung inzwischen… 😉
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: KIN
Length: 102 Min.
Rate: FSK 12 | PG-13

Suicide Squad (3D)

Ich beobachte in der Welt immer wieder Phänomene, die ich nicht verstehe. Zum Beispiel, wenn Menschen etwas Großartiges hernehmen, daraus eine kleine Ecke abbrechen und alle wie die wilden Hunde über diese kleine Ecke herfallen und den Rest stillschweigend ignorieren.
Batman ist so ein Phänomen, ein Meisterwerk, bei dem wirklich alles stimmt. Schauspieler, Geschichte, subtile Moralpredigten, der aufkeimende Wahnsinn, der ausbrechende Wahnsinn, Schauspielerleistungen, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen, ein Score zum Niederknien und in der Neuzeit eine Form von Boshaftigkeit und Düsterness, die Leuten wie mir die Gänsehaut auf den Rücken jagt – vor Begeisterung.
Und was tut der Großteil der Menschen?
“Wähhhhh, Joker hat viel zu wenig Spielzeit bekommen buhahahahahaäääääMAMAAAAAAA!!!”
Ganz ehrlich? Ich versteh’s nicht.
Ja, wir alle wissen um die Vorherrschaft außergewöhnlichen Schauspielerns des grandiosen Jokers aus The Dark Knight, der eine Show hingelegt hat, die selbst im Folgeteil nicht überboten werden konnte (und: Überraschung => auch niemals mehr überboten werden wird!) und nun rennen Scharen von Menschen dem Irrglauben hinterher, etwas Vollkommenes ließe sich durch Wiederholungen zu etwas noch vollkommenerem umwandeln.
Leute, das funktioniert nicht. Genauso wie in der Musik, wenn einer eine grandiose Idee hat, die jeder abfeiert und anschließend Milliarden anderer “Künstler” sich dieses Machwerk zu Herzen nehmen und abertausende Male kopieren – es ist und bleibt ein langweiliger Brei an Musik, der hinterher auf dem Tablett steht und niemandem mehr schmeckt, sondern nur noch das fade Gefühl von Traurigkeit und Bedauern auslöst, wo doch so viel kreative Kunst stattdessen durchs Radio schallen könnte.
Wieso also – wieso heulen alle rum und fixiert sich jeder verdammte Bundesbürger einzig und allein auf einen einzigen Charakter in einem Universum, das von interessanten Persönlichkeiten nur so geprägt ist?
Suicide Squad schert sich darum einen Scheißdreck. Macht zumindest den Eindruck. Denn was hier geboten wird, lässt mir persönlich die Gänsehaut nicht den Rücken hoch und runterfahren, sondern dringt direkt ins Fleisch ein und sorgt für einen Dauerzustand von düsterem “Wow”.
Ja, ich mochte den Film. Ich mochte die Art, wie man großartige, epische Charakter mal eben an den Rand packt und etwas viel größeres auffährt, wie man mit Effekten spielt und aus Verzweiflung zu bunt wechselt, weil die Seele, das Empfinden, die Umgebung und alles andere einfach nur noch böse ist.
Ich mochte, dass man es geschafft hat, einen Film ins Leben zu rufen, in dem es so absolut rein gar nichts Gutes mehr gibt, und dieser krampfhafte Versuch, das Böse böse aussehen zu lassen, schlichtweg nicht nötig ist, weil die Schauspieler (jeder von ihnen) auf ihre Weise so authentisch spielen, dass der Regisseur zu Recht Psychologen ans Set gerufen hat aus Angst, ihm würden die Leute schier durchdrehen.
Dass hier nicht nur mit Wahnsinn gespielt wird, sondern der Wahnsinn eine allgegenwärtige Macht ist, die den ganzen Film über durchzieht und durch seine Omnipräsenz fast schon einen eigenen Charakter darstellt – darüber hört man kein Wort. Und meine Fresse, wie zieht sich alles in einem zusammen, wenn man die durchgeknallten Charaktere auf der Leinwand rumwüten sieht, während alles um sie herum zerbricht und keiner von ihnen dabei seinen krankhaften Humor verliert oder in anderer Art und Weise abtrünnig wird und in kritisierenswürdiger Form schwächelt – nichts!
Die Boshaftigkeit und dunkle Schwere in dem Streifen ist kaum zu ertragen. Nicht, weil sie schlecht ist, sondern weil sie so mächtig und überzeugend ist, dass man sich als psychisch Labiler durchaus ernsthaft die Frage stellen sollte, ob man sich diesen Film überhaupt anschaut oder besser nicht.
Der Trailer hat ja sein Übriges dazu geleistet, um möglichst viele Menschen davon abzuhalten, in Suicide Squad zu gehen, den verhaltenen und abweisenden Reaktionen des Publikums anderer Filme nach zu urteilen, wenn im Vorprogramm die gute alte Musik lief.
Und ganz ehrlich? Das ist auch gut so. Die Herrschaften in diesem Film geben sich die größte Mühe und setzen hier ein Werk in Gang, dass den Massenphänomenen nicht gewachsen sein will, sondern lieber böse ist und in Nischen vorprescht, die langsam keine mehr sind. Und – oh Wunder – langsam setzt sich das Phänomen Suicide Squad doch durch und wandert in immer größere Säle, die selbst zu den Spätvorstellungen noch reichlich gefüllt sind.
Fakt ist: Suicide Squad ist ein Film, der die Nation ohne Frage spaltet und kein Mittelding zulässt. Diejenigen, die ihn mögen, trauen sich in der immer überwachteren Öffentlichkeit kaum noch, das laut auszusprechen und beginnen fast schon zu flüstern und sich vorsichtig vorzutasten, um ihre Sympathie mit dem Streifen zu bekunden, während die, die ihn hassen, mit schwenkenden Fahnen durchs Land ziehen und versuchen, den Hype um diesen Film gleich im Keim zu ersticken.
Ganz ehrlich? Lasst es uns doch einfach abfeiern und die Show genießen, denn was man hier geboten kriegt, ist längst nicht der Zenit dessen, was im Rahmen dieser Veröffentlichung noch vor uns liegt.
Nur eines: Haltet eure Kinder von diesem Film fern und gebt ihnen genügend Zeit zum Reifen, Stärke aufbauen und dem sinnvollen Umgang mit derlei Gefühlen, denn Suicide Squad ist keine Unterhaltung, sondern vielmehr ein Spiegel der Unterwelt unserer heutigen Zeit. Und genau dieses Erschreckende und Boshafte wird hier ungeschönt auf die Leinwand produziert und hat zumindest mich zutiefst berührt. Anders kann ich mir die 30minütige Gänsehaut nach dem Film nicht erklären. Und ich stehe dazu. Öffentlich.
 

.kinoticket-Empfehlung: Lange nicht mehr so viele Gothics, Metal-Fans, Punks und andere Nicht-Mainstream-Gruppierungen in einem großen Kinosaal gemeinsam zusammen sitzen und feiern gesehen.
Allen schlechten Kritiken zum Trotz sollte man sich – einen positiven Geist und genügend Willensstärke vorausgesetzt – diesen Film ansehen und genießen, dass endlich wieder ein Großer den Mut dazu hat, etwas zu produzieren, was sich auch als Flop erweisen könnte.
Die Darsteller machen ihre Sache so überzeugend, dass man sich tatsächlich wundert, dass hierbei keine größeren psychischen Schäden entstanden sind – und allein das ist eine Filmleistung, die man mit dem Lösen eines .kinotickets durchaus würdigen sollte.

 
Nachspann
die 3D-Effekte noch mitnehmen, das ist nämlich im Film herausragend, und anschließend darf man sich wieder ans Sonnenlicht wagen.

Zoolander No. 2

Filme mit Ben Stiller und Owen Wilson sind in der Regel von Natur aus schrill und überzogen merkwürdig. Wenn dann allerdings im Cast noch Leute wie Justin Bieber, Penélope Cruz, Katie Couric, Christiane Amanpour, Jane Pauley, Will Ferrell, Justin Theroux, Milla Jovovich, Joe Scarborough, Natalie Morales, Soledad O’Brien, Don Lemon, Billy Zane, Kristen Wiig, Kiefer Sutherland, Susan Boyle, Benedict Cumberbatch, Olivia Munn, Naomie Campbell, Willie Nelson, Katy Perry, Sting, Alexander Skarsgard, M.C. Hammer, John Malkovich, Anna Wintour, Alexander Wang, Marc Jacobs, Tommy Hilfiger, Kate Moss, Valentino Garavani, Dan Abrams, Mika und Rakim Mayers auftauchen, dann weiß man spätestens, dass es sich hier nicht um schrulliges altes Kino zweitklassiger B-Güte handelt, sondern ein Streifen generiert wurde, bei dem die Creme de la Creme sich zusammensetzt und ein Stück auf die Bühne zaubert, das Ansinnen, Edelmütigkeit und Esprit ausstrahlt: Zoolander No. 2. Und der Cast ist in meiner Aufzählung noch nicht vollständig!
Noch nie ist mir begegnet, dass im Abspann so oft Herself / Himself auf der linken Seite gestanden hat, wie in diesem Teil.
Mein Eindruck vom Film, der komischerweise nirgendwo angeteasert oder im Trailerpool der Filmindustrie aufgetaucht ist, war schlicht und ergreifend von dem Gedanken geprägt, dass sich die Mode- und Hollywoodgrößen hier zusammengetan haben, um der Welt etwas zu präsentieren, das sie nicht versteht.
Denn so doof und überzogen dämlich, wie man hier die Pointen der Geschichte darstellt, kann eigentlich gar kein Mensch sein. Das Problem dabei ist nur: Allein durch den gewaltigen Soundtrack und Filmscore schafft man es als Zuschauer absolut gar nicht, dem Glauben zu verfallen, hier wäre irgendwer nicht bei Sinnen. Schon in den ersten Minuten des Films denkt man: Bond bekommt Konkurrenz – und zwar gewaltige.
Ich habe mir den Spaß mal erlaubt und einem Freund ein paar Ausschnitte aus dem Score vorgesetzt, ohne ihm zu sagen, was das ist. Seine Reaktion: “Könnte aus einem Actionfilm oder einem anderen Filmepos sein.”
Right. Denn die Ohren gewöhnen sich nicht nur an das Mission: Impossible-Gefühl, sondern suhlen sich geradezu in dem professionellen Wahnsinn, der uns in farbigen Bildern hier auf der Leinwand begegnet.
Und diese Form von melodisch absolut größenwahnsinniger Kunst wird nicht von jedem verstanden. Aus diesem Grund spazierte auch der ein oder andere Zuschauer mit ärgerlicher Miene mitten in der Vorstellung plötzlich aus dem Saal und kehrte nicht wieder.
Und das ist auch mein Empfinden: Dieser Film wurde für Menschen wie Karl Lagerfeld gemacht und erinnert eher an den Governors Award als an die breite Masse. Hollywood feiert sich selbst und setzt dabei auf Kuchenstücke, die der Hansmüller von der Straße eben nicht kennt und auch nicht probieren will.
Verschwinden aus diesem Grund die Spielzeiten bereits wieder aus den Kinosälen?
Ich persönlich war inzwischen 2x drin und würde sofort auch noch ein drittes Mal gehen, denn eines ins ungeschlagen: Das musikalische Erlebnis und die ungezwungene Form von skurriler Kunst.
Und davor ziehe ich meinen Hut – auch wenn die Story absolut dämlich ist – ist das riesengroße Klasse.
 

.kinoticket-Empfehlung: Hier trifft sich die Creme de la Creme zur fürstlichen Abendgala und feiert sich selbst: Zoolander No. 2 ist nicht nur selbstironisch, sondern fährt mit einer Entertainmentproduktion auf, von der sich viele Abendshows eine große Scheibe abschneiden sollten.
Allein der Soundtrack ist es wert, sich diesen Streifen zu Gemüte zu führen. Auf den Rest muss man sich einfach einlassen und die unterschwellige Professionalität spüren, die Stiller hier mit seiner Produktion an den Tag legt.

 
Nachspann
hat ein ziemlich coolen Song als schrilles Musikvideo am Start, das man auf jeden Fall mitnehmen sollte. Danach kommt nichts weiter.

Dügün Dernek 2: Sünnet

Viele von euch wissen, dass ich kein großer Liebhaber von Komödien bin, weil Comedy so ein heißes Pflaster ist, das in heutiger Zeit so überstrapaziert und überreizt wird, dass die Unterhalter meist unter der Gürtellinie landen (müssen), um überhaupt das Publikum anzusprechen und Lacher aus ihren überreizten Zwerchfellen zu entlocken.
Umso erstaunlicher ist es, dass gerade ein Film, der die Beschneidung eines Jungen zum Thema hat, mich zu 100% davon überzeugt hat, zur Komödie des Jahres ernannt zu werden: Dügün Dernek 2: Sünnet.
Wir landen also – wieder einmal – im türkischen Kinoumfeld und hier bei derart schrägen Persönlichkeiten, die gleich von Anfang an auf Vollgas aufdrehen und diese Geschwindigkeit konsequent halten. Im Film selbst jagt ein Gag den nächsten und in Verbindung mit der Brücke zur türkischen Kultur im Saal ergibt dies ein Gagfeuerwerk der Extraklasse, bei dem jeder Schuss zu einem Treffer ins Schwarze mutiert.
Allein die Durchgeknalltheit der Hauptdarsteller reicht aus, um permanente Lacher im Saal zu produzieren und ich kann erfahrungsgemäß sagen, dass in unterschiedlichen Städten in unterschiedlichen Kinos jeweils mega Stimmung im Saal herrschte – und zwar den ganzen Film über.
Hier kann sich das deutsche Kino nicht nur eine oder zwei Scheiben abschneiden, denn Dügün Dernek 2 macht vor, wie Comedy richtig funktioniert. Nicht nur die Einfälle sind genial und übertreffen bisher alles dagewesene, sondern man suhlt sich auch in einem Klamauk der Kulturen und nimmt türkische Herausforderungen auf die Schippe und erfreut sich an dem skurrilen Ergebnis, das selbst landeseigene Zuschauer dazu zwingt, zu lachen!
Diese Geballtheit an Witz, funktionierendem Humor und spannender Kurzweil verbunden mit einer derartigen Sensibilität, die niemals unter die Gürtellinie rutscht, obwohl das Thema weit darunter liegt, hab ich bislang noch in keinem einzigen deutschen Film gesehen, der mit “Humor” und dergleichen wirbt. Hut ab und meinen tiefsten Respekt für diese Meisterleistung, die in meiner gesamten Kinokarriere zusätzlich auch noch einen weiteren Rekord aufgestellt hat: Durchsagen im Kinofoyer, dass die 23-Uhr-Vorstellung eines OmU-Filmes restlos ausverkauft ist!!!
Zu Recht! Denn wer diesen Film nicht gesehen hat, den interessiert Comedy schlichtweg nicht – anders kann man es nicht sagen.
 

.kinoticket-Empfehlung: “Kennst du einen lustigen Film, in den man gehen kann?” “Dügün Dernek 2: Sünnet.”
Und zwar uneingeschränkt und ohne Vorbehalte, dass da irgendwas nicht hinhaut. Von Sekunde 1 bis ganz zum Schluss ein Gagfeuerwerk, bei dem sich alle bisher dagewesenen deutschen und ein Großteil der amerikanischen Produktionen mehr als warm anziehen müssen, denn hier trifft jeder Schuss ins Schwarze!
Noch niemals hab ich erlebt, dass eine OmU-Vorstellung zu später Stunde restlos ausgebucht war und noch niemals hab ich inmitten eines so freudig erregten, vergnüglich quietschenden Publikums gehockt und konnte kaum mehr an mich halten, als in diesem Film.
Rein da – Klappe zu und einfach darauf warten, dass es los geht. Der Rest passiert ganz von allein. Versprochen!

 
Nachspann
hört nicht einfach auf, sondern geht im Dualscreen lustig weiter. Also einfach hockenbleiben, bis die Bilder verschwinden, das türkische Publikum ist eh gelassener und freundlicher beim Rausgehen, man verpasst also rein gar nichts, wenn man noch die paar Minuten sitzen bleibt.

Ali Baba ve 7 Cüceler

Ein Traum wird wahr: Ich sehe wieder einen türkischen Film, diesmal mit Untertiteln 😀
Spaß beiseite … oder eher her, denn mit Ali Baba ve 7 Cüceler schickt die Türkei einen landestypischen Comedyfilm ins Rennen, bei dem der Schwerpunkt der Erzählungen diesmal nicht im Bereich Kultur zu suchen ist, sondern dessen Stärken sich eher in der türkischen Art zu Lachen wiederfinden lassen.
Eben jener Art von Humor muss man viel abgewinnen, um hier uneingeschränkt Spaß haben zu können, und den türkischen Landsleuten im Saal ist dies auch gelungen. Ich persönlich hatte eher meine Schwierigkeiten, mit diesem Film warm zu werden, zumal die Realitätsferne sich eher wie ein betäubender, skurriler Traum beschreiben lässt, in den man sich wirft, der immer verrückter wird und jedwedem Ernst die Stirn bietet.
Hauptdarsteller und Sidekick sind meines Erachtens auch gewöhnungsbedürftig. Man weiß nicht, ob man sie ernst nehmen, über sie lachen oder sie ob ihrer teils gezeigten Dummheit hassen sollte. In Anbetracht der Tatsache, dass man sich hier in einem Meer aus Flunkerei und Dummfug befindet, hoffen die Macher wohl auf eine großangelegte Vergebenskultur und hohe Zuschauertoleranz.
Lässt man sich auf diese Art von Film ein, gibt es durchaus Szenen, die so schräg sind, dass man wirklich darüber lachen kann, jedoch produziert man dabei nicht unbedingt hochkultivierten Humor, sondern versucht einfach mal zwischendurch, hirnfrei zu unterhalten.
Und irgendwie funktioniert dieses Konzept dann auch, obgleich ich an dieser Stelle dennoch darauf hinweisen möchte, sich vorher unbedingt Trailer vom Film anzusehen, um in etwa abschätzen zu können, was einen da erwartet, denn jedermanns Ding ist der Streifen auf keinen Fall.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer türkischen Humor liebt, wer gerne mal über den Tellerrand großer Blockbusterproduktionen hinaus blickt, der ist mit Ali Baba ve 7 Cüceler richtig bedient.
Für den gemütlichen Abend mit Freunden im Kino mit etwas Tiefsinn und einem Funken Realität sucht man sich besser einen anderen Film raus, denn der hier zündet scheinbar wirklich nur bei Freunden dieses Genres und schafft den Schritt aus der Nische nicht wirklich heraus.
Als kulturell wertvoll würde ich den Streifen nicht bezeichnen, als Unterhaltung für einfach mal eins auf die Zwölf ist er definitiv zu gebrauchen.

 
Nachspann
Gibt es nichts. Also gerne respektvoll den Saal verlassen 😉

The Last Witch Hunter

Schon als ich den Trailer gesehen habe, wusste ich: Das Ding hier wird ganz groß! Und ehrlich gesagt habe ich an meinem Kinotag eigentlich nur auf diesen Höhepunkt hingefiebert.
Vin Diesel steht ja nicht erst seit Fast and Furious für großartiges Kino. Schon in seinen älteren Filmen merkt man ihm an, dass er nicht nur Geld verdient, sondern sein Schauspiel lebt und voll bei der Sache ist. Das gilt auch zu 100% für The Last Witch Hunter. In all den Jahren, in denen mir als Geister-/Hexen-/Übernatürliches-Liebhaber immer wieder Filme dieses Genres vorgesetzt wurden, habe ich noch nie einen derart ernstzunehmenden, vorbildhaften und großartigen Film mit derart viel Liebe zum Detail, Leidenschaft und Hingezogenheit zur Epik erlebt wie hier.
Allein so manche Szenen, in denen das Drift-Spiel zwischen den jeweiligen Welten vollzogen wird, grenzen nahezu an echte Magie. Und oben drauf: Man erlebt hier nicht nur die uns an Halloween wieder überschüttende Liebe für Grauen erregenden Kitsch, sondern wird vor bösartige Tatsachen gestellt, dass sich vor Freude die Nackenhaare aufstellen: Die Hexen sind endlich wieder böse, das Genre erfindet sich durch Ernsthaftigkeit und dunkle Vollkommenheit herrlich neu – das Fadenspiel zwischen übertriebener Brutalität und spinnerhafter Hokus-Pokus-Witzigkeit wurde sagenhaft gemeistert und derart brillant ausbalanciert, dass man vor Freude schreien möchte.
Kurzum: The Last Witch Hunter ist bis dato der beste Hexenfilm, den ich je gesehen habe. Und gleichzeitig kein Massenprodukt, denn die Tatsache, dass man die Vorstellungen auf spät abends verlagert, hat ihre Gründe. Und genau hier sehe ich nur Vorteile: Man ist endlich bereit dazu, mit Millionen von Dollars in Nischen zu springen und diese gebührend auszufüllen. Man verzichtet auf die allgegenwärtige Weichzeichnerei bei Charakteren und Darstellung und befriedigt eben endlich mal nicht die Masse, sondern die Randgruppen und respektiert somit, dass nicht jeder automatisch die gleiche Gemeinsame-Teilmenge-Meinung besitzt wie irgend ein Trend es vorzugeben versucht.
Hut ab!
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Fan von Mysteriösem auf der Leinwand sollte man sich diesen Film unbedingt ansehen.
Die Twilight-Massenphänomen-Weichzeichnerei ist vorbei. Endlich ist das Böse wieder böse, das Gute wieder menschlich und die fantastische Darstellung so, dass auch Menschen mit unterschiedlichen Geschmäckern daran Gefallen finden.
Ein Film, von dem gerne mehr kommen darf – und laut Diesel demnächst auch werden wird.

 
Nachspann
gibt es keinen, dafür aber saftige Bilder, wahnsinnige Animationen und jede Menge diffuse Welten, durch die es zu spazieren mächtig Spaß macht.

Captive

Diesmal tu ich mich wirklich recht schwer damit, ein paar Worte über diesen Film zu verlieren, ohne anderen dabei den Sehspaß zu verderben. Die Story entstammt nämlich nicht einer fiktiven Feder, sondern basiert auf wahren Begebenheiten und reißt daher doppelt in ihren Bann.
Die Erzählweise und gekonnte Kameraführung macht so richtig Lust auf mehr, zumal auf die üblichen Verdächtigen diesmal verzichtet wurde. Das Gefühlschaos, das man als Zuschauer durchleben muss, der Zwist zwischen Gut und Böse, sucht seinesgleichen.
Die “Auflösung”, die auch im Trailer schon angedeutet wurde, fand ich persönlich zeitweise etwas lächerlich und peinlich, den Film als solches jedoch sehr spannend und unterhaltsam. Was ich mir gut vorstellen kann, ist, dass sich hierzulande einige schwer damit tun, den amerikanischen Alltag, der hier zelebriert wird, als gegeben hinzunehmen, weshalb dieser Film wohl auch nicht in jedem Kino gespielt wird und auf die hinteren Ränge verschoben wurde.
Nichtsdestotrotz hat man mit diesem Werk einen Film geschaffen, der einmal völlig entspannt eine “harte Geschichte” erzählt und dabei auf großartige Action gänzlich verzichtet. Gerade diese nischenhafte Art zu Unterhalten punktet in meinem Fall sehr.
 

.kinoticket-Empfehlung: Findet man sich mit den amerikanischen Eigenarten ab, erhält man hier eine Geschichte, die einmal in einem völlig stilfremden Genre erzählt wird.
Die charakteristische Tiefe sowie die Erzählweise beeindrucken völlig, während die Auflösung leicht enttäuschend daher kam – aber nahe am Original bleibt.
Wer hier mit Freunden zuschlagen möchte, sollte sich vorher evtl. etwas näher über den Film informieren, bevor es eine Enttäuschung für einige gibt.

 
Nachspann
gibt es keinen. Nach der Abblende darf man den Saal getrost verlassen.

True Story

Zeitungen haben in der Geschichte der Menschheit schon immer eine große Rolle gespielt und mit dem urtümlichen Gedanken reiner Nachrichtenlieferungen ging auch schon immer der süße Duft von Irritation, Meinungsbildung und Verschwörung einher. Je größer die Zeitung, umso packender das Potenzial an möglicher Verworrenheit, derer Geschichten entstammen, die durchaus würdig für die verfilmte Umsetzung auf Kinoleinwand sind.
True Story ist so eine Geschichte, in der Michael Finkel, glamourös gespielt von Jonah Hill, einem Geheimnis auf die Spur geht und einen Menschen kennenlernt, der sein Leben gehörig durcheinander bringt.
Was mich beim Schauen zutiefst beeindruckt hat, war das Portraitieren der unterschiedlichen Charaktere, die diesen Film beleben. Die Art des Herantastens, das Zusammenfinden, der Hass und die Freundschaft – all das wurde hervorragend von Regisseur Rupert Goold umgesetzt. Franco und Hill liefern sich hier ein Duell der Meisterklasse und überzeugen beide mit Schauspielkunst, bei der man wahrlich von Können reden darf. Die sonstigen, zumeist blödeleibehafteten Filme, in denen Hill gerne eine Hauptrolle übernimmt, darf man getrost beiseite legen, denn hier wartet er mit einer Professionalität auf, die einen an The Insider erinnern lässt, in dem Pacino und Crowe selbiges erbringen.
Erfreulich zu sehen, dass auch die jüngeren Schauspieler meiner Jugend langsam erwachsen und ernsthaft werden und durchaus anspruchsvolles Kino abliefern können. Das Ende des Films ließ einen zwar etwas betreten zurück, da es sich hier jedoch um eine wahre Geschichte handelt, blieb den Machern kaum etwas Spielraum für kreative Freiheit.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer auf die Verfilmung von Büchern steht, darf sich dieses Werk durchaus auch mal zu Gemüte führen, in dem nicht nur ein weiteres Buch verfilmt, sondern auch mal gezeigt wurde, wie ein Buch entsteht.
Die schauspielerischen Leistungen überzeugen derart, dass man die Ernsthaftigkeit der Lage und die charakteristischen Ausprägungen der Emotionen jeder Partei glaubhaft abkauft und somit nicht nur professionell unterhalten, sondern auch intellektuell ein wenig gefordert wird.
Ein Film, der einen für knapp anderthalb Stunden in eine Welt entführt, die der Normalbürger in der Regel nur von der anderen Seite des Spiegels kennt. Sehr interessant und ob der Dialoge ein Werk, dass Tiefgang-suchende Kinogänger sehr wohl anzusprechen weiß. Daumen hoch!

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier wurde klassisch alles bereits im Hauptartikel gesagt.

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