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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Capernaum – Stadt der Hoffnung

Capernau

© 2019 Alamodefilm

Nadine Labaki möchte etwas erzählen und hat sich dafür drei Jahre Zeit genommen, um Persönlichkeiten zu finden, die dieses Elend tatsächlich durchlitten haben und damit nicht schauspielern müssen, sondern ihren Gefühlen freien Lauf lassen konnten.

Schaut man sich das Plakat einmal näher an, bemerkt man schnell, dass hier keine alten Haudegen am Werk sind, sondern der zerbrechlichsten aller Sorten Mensch eine Bühne geboten wurde: Kindern. Kleinkindern.

Capernaum – Stadt der Hoffnung erzählt eine schier unglaubliche Story, die allein von Zain Al Rafeea getragen wird. Nun kann man darüber erbost sein, dass Kinder nun auf diese Weise ausgebeutet werden und vor aller Welt vorgeführt … oder man öffnet seine Augen und sieht, was im Hintergrund wirklich passiert:

Al Rafeea, der niemals zur Schule gehen konnte, sondern 2012 als Flüchtling aus Syrien in den Libanon ging, hat durch seine internationale Aufmerksamkeit nun ein Ausreisevisum für Norwegen bekommen und kann dort mit seiner Familie ein neues Leben beginnen und zur Schule gehen.

Treasure kommt aus dem Libanon und lebte während der Dreharbeiten bei der Casting-Direktorin, da ihre Eltern tatsächlich verhaftet wurden. Um deren Freilassung kümmerte sich das Filmteam und setzte sich auch hier dafür ein, dass die Familie sicher aus dem Land ausreisen und nun in Freiheit leben kann.

Yordanos Shiferaw, Treasures Film-Mutter arbeitete illegal im Libanon und wurde ebenfalls tatsächlich verhaftet, weil sie keine Papiere vorweisen konnte. Ihre Tränen im Film sind deshalb echt, weil sie exakt diese Situationen real durchlebt hat und sich zu dem Zeitpunkt daran erinnerte. Im Film kann sie ihr Erlebtes zum Ausdruck bringen und verarbeiten.

Kawthar Al Haddad, Zains Film-Mutter hat ebenfalls keine Ausweispapiere und kämpft mit ihrem Mann um die Registration ihrer Söhne, damit diese Bildung, Impfungen und Zugang zum Gesundheitswesen bekommen. Teile der Geschichte hat sie selbst durchlebt. Im Gerichtssaal durfte sie zum ersten Mal aussprechen, was man ihr vorher bislang verboten hatte.

Die Regisseurin hat extremen Wert darauf gelegt, dass hier einzig Aufrichtigkeit das Wort erlangt und keine der Darsteller und Darstellerinnen etwas vor der Kamera spielen muss, sondern jeder seine eigenen Erlebnisse einpflegen und damit der Weltbühne präsentieren kann, was in diesen Ländern so vor sich geht. Der ganze Film ist ein einziges Prestige-Projekt, um die Gewaltdarstellungen zu demonstrieren, die vielen Menschen immer noch angetan werden und sie um grundlegende Grundrechte betrügen. Capernaum – Stadt der Hoffnung ist ein Aufschrei all jener, die auf dem Erdball leben müssen und niemals in den Genuss kamen, freie eigene Entscheidungen treffen zu können um ein Leben zu führen, dass das Attribut “Würde” auch trägt.

Die imposanten Darstellungen lassen garantiert niemanden kalt und erzeugen hier einerseits ein unglaublich tief einschneidendes Momentum, dem man sich garantiert nicht entziehen kann, sorgen andererseits aber auch für Betroffenheit und erzeugen Aufmerksamkeit für Themen, die dringend auf den Tisch gehören.

Die Erzählung ist “fiktiv”, also nicht wirklich so passiert, besteht aber ausschließlich aus Puzzle-Steinen der Recherche, die Nadine Labaki in den drei Jahren vollzogen hat und erzählt hier quasi “nur Wahres”. Der einzige “unwahre Charakter” ist sie selbst in einem kurzen Auftritt, alle anderen haben diese Dinge eben so erlebt, wie sie im Film geschildert werden.

Dass dies keine “dramatische Dokumentation” sondern ein Spielfilm ist, der es versteht, packende Situationen zu erzeugen und dem Kinogänger ein unvergessliches Bild von Teilen dieser Erde zu vermitteln, ist ein Grund mehr, seine Hufen zu schwingen und ins Kino zu gehen. Fakten wie diese sollte man kennen – gerade in Zeiten, wo sich jeder über Schutzsuchende aufregt und sich in seinem Wert beschnitten sieht.

.kinoticket-Empfehlung: Mich hat der Film zutiefst beeindruckt, der hier ausschließlich auf recherchierte Wahrheiten zurückgreift und sie zu einem “fiktiven Ganzen” zusammenfügt.

Die Darsteller bringen ihren Part zur Story alle aus eigener Erfahrung mit und “spielen” nicht vor der Kamera, sondern bekommen erstmalig die Chance, der Weltbühne ihren Seelenschmerz zu präsentieren und nach Gerechtigkeit zu fragen.

Die sollte man ihnen geben, indem man ihnen zuhört … und ganz nebenbei noch einen Spielfilm bekommt, den man lange nicht vergisst. Geht ins Kino und nehmt euch dickes Fell dazu mit!

Nachspann
❌ braucht man nicht ausharren, rausgehen erlaubt, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 17. Januar 2019

Original Title: Capharnaüm
Length: 123 Min.
Rated: FSK 12

Bumblebee (3D)

© 2018 Paramount Pictures Germany GmbH

Inzwischen läuft der Streifen schon ne Weile und er wird von euch völlig zu Unrecht durch Nichtbesuchen abgestraft: Dem müssen wir langsam mal etwas entgegen wirken.

Viele haben sich von der Transformers-Tour der letzten Jahre etwas abschrecken lassen: Die Kombination Shia LaBeouf und Megan Fox hatte ja noch so ihre Reize, aber mit den Teilen 4 und 5 hat man es actiontechnisch dann echt übertrieben und die Menschen mehr oder weniger in die Enge getrieben, was bei vielen wohl für Überdruss an der Filmreihe über Hasbro-Spielzeuge geführt hat. Logisch, was soll noch groß kommen und die Realität sieht leider oft so aus, dass diese Art Film eben im falschen Kino angeschaut wird, was dann kein Genuss, sondern bloße Enttäuschung ist.

Dafür sind die meisten Dorfklitschen schlichtweg zu klein bzw. werden selbst in den Städten diese Titel oft nicht in den angemessenen Sälen präsentiert, was diese Filmreihe zusätzlich drückt, da diese Filme tatsächlich nur laut und groß und in 3D wirken und popcornmäßig Spaß machen.

ABER – und das ist das große ABER: Dieser Titel hier heißt Bumblebee und nicht: „Transformers 8 – Bumblebee“ oder sowas … man könnte also gut und gerne sagen, dass dieser Film erstmalig rein gar nichts mit Autobots und Decepticons zu tun hat, sondern etwas völlig anderes ist, obwohl diese Tierchen darin auftreten.

Fakt ist: Man hat endlich (!) gemerkt, dass mit stupider Action auf Dauer kein Geld zu machen ist und es die Leute zunehmend langweilt und hier echt richtig seine Hausaufgaben gemacht und Drehbuchautoren an das Game herangelassen, die sich nach Lust und Laune austoben durften. Und was dabei rausgekommen ist, ist echt ein sensationeller Film mit tollen Dialogen, einer wunderbar austarierten und liebevollen Geschichte, die fast schon vor Anmut und Herzwärme erstrahlt.

So viel Liebe, Mitgefühl, Normalität und Austariertheit kennt man schlichtweg nicht im Zusammenhang mit Transformers, dazu paaren sich sensibel erzählte Witze und eine absolut … ja … romantische (?) Story, die mehr oder weniger schon halb zu der Herzlichkeit an Weihnachten passt, weswegen der Starttermin gar nicht so doof gewählt ist.

Leider merkt dies der Zuschauer erst, wenn er bereits in dem Film sitzt und muss die Kaufentscheidung aber lange davor treffen – und dazu reichen weder .trailer noch andere Vorabinformationen aus, um ihn dazu zu bewegen.

Man könnte sagen: Michael Bay gibt die Schablone und zeichnet aus, wie die Transformer aussehen sollen, wobei auch hier ein wunderbar 80s-lastiger Look und nostalgischer Charme aufgespielt wurde. Steven Spielberg bringt seine BFG – Big Friendly Giant-Avancen mit ein und jemand anderes schreibt dazu das Drehbuch und liefert grandiose Dialoge. Dieser geniale Mix bringt’s einfach und macht aus Bumblebee den besten Transformers aller Zeiten, obwohl er eigentlich gar keiner sein möchte.

Hier werden nämlich noch ganz andere Dinge völlig richtig gemacht: Klischeerollen nicht besetzt, Menschen nicht die absolut dämlichsten Worte in den Mund gelegt, um sie wieder in diese Schubladen zu pressen, eine völlig unbefangene und tolle Freundschaft aufgebaut und viele der üblich-bekannten Actionfilm-Fehler nicht begangen: Hier stehen die Soldaten eben nicht einfach, nachdem sie von Betonklötzen erschlagen wurden, eigenhändig wieder auf und laufen, als wäre nichts gewesen … selbst in diesen Dingen hat man sich ein wenig Gedanken gemacht und es „realistischer“ gestaltet, was dem Film zusätzlich sehr viel mehr Glaubwürdigkeit und Ehre verleiht.

Bee hatte schon in den alten Teilen die Avancen dazu, „menschlicher“ zu sein als die anderen und in seinem eigenen Film kriegt er jetzt einfach vollkommen Spielraum, stiehlt dabei einer grandiosen Hailee Steinfeld nicht die Show und lässt sie ihre Geschichte erzählen. Und die ist den Kauf eines .kinotickets allemal wert!

.kinoticket-Empfehlung: Es ist KEIN Transformers-Film – also lasst eure Vorurteile nicht eure Entscheidungsfreiheit trüben!

Die drei magischen Worte lauten: GROSSE Leinwand, LAUTE Anlage und 3D-BRILLE auf dem Kopf! Aber nicht, weil das wieder eine martialisch-bestialische Actionschlacht wird, sondern weil Filme wie dieser da einfach laufen. Das hier? Romantik, Feingefühl, Liebe und wahre Freundschaft. Weit weg von all dem, was Transformers früher geliefert hat – und damit wahrscheinlich der beste Transformers aller Zeiten.

Lasst euch den nicht entgehen!

Nachspann
❌ Den Song sollte man mitnehmen, der im Übrigen als Soundtrack generell grandios ausgewählt ist – neue Szenen kommen aber keine mehr.

Kinostart: 20. Dezember 2018

Original Title: Bumblebee
Length: 113 Min.
Rate: FSK 12

Servus Baby (36. Filmfest München)

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Felix Hellmann und Natalie Spinell auf der Weltpremiere von Servus Baby im HFF auf dem 36. Filmfest München

© 2018 .kinoticket-blog.de

 
Binge-Watching auf dem Big Screen… die Zeiten sind längst da gewesen, in denen man mich permanent gefragt hat, ob ich auch Serien schaue und bewerte … und meine Antwort lautete stets: Wenn sie auf dem Big Screen laufen, dann schon.
Jeder von euch weiß, dass ich kein Freund von kleinen Monitoren bin, selbst relativ wenig fernsehe und absolut kein Interesse an billigem Niedrigniveau-TV-Schund habe, der intellektuell anspruchslos ist und volksmündisch die dahinsiechende alte Fraktion befriedigt.
Als genau das könnte man aus den Augen der Jugend betrachtet auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen bewerten, die Argumentationen bezüglich jugendhafter Inhalte auf öffentlich-rechtlichen Sendern lässt ja zuweilen arg zu wünschen übrig. Zu recht, möchte man meinen, denn Paradebeispiel-Sender wie Das Erste und ZDF haben sich in ihrer Vergangenheit selten mit Ruhm bekleckert, was die Beliebtheit bei unter 49jährigen angeht.
Wenn man sich jetzt davon mal abwendet und gleich in die “Dritten” geht, landet man beim Bayerischen Fernsehen und dort bei einer grandiosen Serie, die Fernsehen quasi revolutioniert und etwas bisher nie Dagewesenes bringt, dass so viel Esprit und Charme versprüht, dass es sogar in den Kinos für tosenden Applaus sorgt.
Aber immer mit der Ruhe: Serien laufen deshalb ungern auf großen Leinwänden, weil die Inhalte eben nicht dafür ausgelegt sind, ein großes Publikum auf kurze Sicht vergnüglich und zufriedenstellend zu unterhalten und die zeitliche Planung zum Sichten aller Folgen einer Staffel oftmals miserabel ist. Aus dem Grund gibt es VoD-Anbieter zu Hauf, die eben diese Lücke schließen und quasi den “Es dauert ewig, geht sehr in die Tiefe und ist pro Folge eben nicht massig mit Inhalt voll”-Button permanent gedrückt halten und alles abseits von Film per Stream durch den Äther jagen.
Wie also sollte man dann eine Serie bewerten, die – via Binge-Watching – auf dem 36. Filmfest München in einer Komplettshow gezeigt wird und beim Publikum für Standing Ovation gesorgt hat?
Leute? Ich saß im Kino und hab gedacht, ich bin das erste Mal meines Lebens tatsächlich im Himmel! Dieses Gefühl, das zu erleben … innerhalb der Landesgrenzen des sonst so biederen Deutschlands, dass sich in seiner Geschichte angewöhnt hat, nicht begeistert zu sein bzw. seine Begeisterung nicht emotional ausdrücken zu können … und dann zu spüren, wie das Publikum klatschen will, obwohl die Folge noch gar nicht vorbei ist … der helle Wahnsinn.
Also nochmal auf Deutsch: Ich, der TV-Hasser, habe im Kino gehockt und eine Serie vom BR auf der großen Leinwand geschaut und wurde emotional plattgewalzt von Gefühlen, die permanent zwischen Lachen, Weinen, Mitgefühl, Sorge und extravagantem Humor hin- und her wechselten. Im Ernst: Bieder ist was vollkommen anderes. Altbacken und seltsam, heimatkanalmäßig und volksmusiktrunken, all das lässt sich überhaupt nicht auf das anwenden, was Felix Hellmann und Natalie Spinell da auf den Screen gebracht haben: Der Humor ist sowas von erste Sahne, dass man nicht anders kann, sondern lachen muss!
Ich fühle mich als Wortakrobat kaum in der Lage dazu, würdig genug auszudrücken, mit welcher Verbalwucht man da auf die Menschheit losgegangen ist und sich gleichzeitig aus den Vorurteilsfesseln gesprengt und vom biederen Touch des öffentlich-rechtlichen Fernsehens befreit hat: Dieses Ding ist eine Sensation, die das Fernsehen grundlegend revolutioniert!
Die Dialoge (Deutschland kann keine Dialoge? Äh … doch!) sind der Hammer! Die benutzte, hoch-rasante Situationskomik ist zum Niederknien und die Konversationen brechen mit alten Gewohnheiten und machen Platz für eine von der Jugend verehrbare Form der Unterhaltung, die gänzlich in ihrem Sinne arbeitet und dabei gleichzeitig unterschwellig alles richtig macht in Sachen gendern: Man hat nicht das Gefühl von “Bäh”, sondern liebt es und möchte am liebsten zum Schluss auf “Replay” drücken und alles von vorne nochmal ansehen! Der BR zählt ab sofort zu den nicht-prüden Sendern, denn sowas hätte ich allen zugetraut, aber nicht diesem Sender.
Zeitweise hatte ich das Gefühl, Deutschland kontert nun die Desperate Housewives in einer spritzigeren, besseren und geografisch näher bezogenen Variante, von der ich einfach nur mehr sehen will! Ich bin euch garantiert böse, wenn ihr keine weiteren Staffeln davon dreht und damit endlich dauerhaft jugendlichen Flair in die senile, verstaubte, deutsche Fernsehlandschaft tragt und endlich ALLEN Bürgern Argumente liefert, wozu die Rundfunkbeiträge gut sein können!
Dieses Ding ist so gut, dass es eben nicht nur im TV funktioniert, sondern grandios auf der Kinoleinwand punktet und – so glaube ich – jeden im Saal absolut begeistert hat.
Obwohl die Ausstrahlung für September 2018 im BR geplant ist, wäre es doch absolut wünschenswert, diese Folgenkombination bis dahin noch durch die Kinos zu jagen, denn ich bin mir sicher, dass sich die Freude darüber auch in regulären Vorstellungen aufrecht erhalten lässt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein grandioser Befreiungsschlag für das deutsche Fernsehen: Revolutionär, wortgewaltig und voller Humor und Emotionen – Servus Baby überzeugt in jederlei Hinsicht und tischt einen frischen, jugendlichen Geist auf, der sich die Geschlechter ganz neu vorknüpft und daraus etwas absolut Sehenswertes macht, dass es so im TV noch nicht gegeben hat!
Ich fiebere dem September entgegen und werde den ganzen Monat lang das Programm des Bayerischen Fernsehens aufzeichnen, um diese Serie ja nicht zu verpassen! Und ihr solltet dem gleichtun und euch dieses Wunderwerk nicht entgehen lassen – sowohl Mann als auch Frau haben daran garantiert helle Freude.
Lasst es euch auf der Zunge zergehen: Eine Serie des BR ist so grandios, dass sie sogar auf der Kinoleinwand für ekstatischen Beifall sorgte – Servus Baby muss man gesehen haben!

 
Nachspann
in Kurzform, den darf man ruhig abwarten. Die Zeit bis zur nächsten Folge zählt man aber am liebsten in Millisekunden. MEHR DAVON!
Kinostart: Ab September 2018 im Bayerischen Fernsehen
 
Und im Anschluss gibt’s noch ein paar Impressionen von der Weltpremiere von Servus Baby auf dem 36. Filmfest München im HFF – viel Spaß damit 🙂
 

© 2018 .kinoticket-blog.de

Liebe zu Besuch

Reese Witherspoon steht mit ihrem Namen ja nicht unbedingt für Kategorie A-Humor, sondern sie hatte auch in der Vergangenheit immer wieder damit zu kämpfen, dass ihre Filme nicht so sonderlich fruchten wollten.
In Liebe zu Besuch merkt man dies sofort zu Beginn des Films, der sich marternde 15 Minuten lang dahinquält und nichts davon zum Vorschein kommen lässt, dass einen nun ein herrlicher Feel-Good-Movie erwartet.
Aber das Zähne zusammenbeißen lohnt sich, denn mit dem Auftreten ihrer Mitcharaktere ändert sich der Lauf und das Ding wird auf einmal irre spannend, unterhaltsam und nimmt Fahrt auf, die man auch bis kurz vorm Schluss durchweg durchzieht.
Stellenweise weiß man nicht so richtig, wohin man nun will und schickt den Zuschauer in die Plot-Warteschleife und auch der Schluss ist meiner Meinung nach nichtsaussagend, da man seine Gradlinigkeit stellenweise aufgegeben hat und quasi alles mehr oder weniger ins Leere laufen lässt.
Dies liegt aber – wie auch schon zu Beginn – in meinen Augen eher am Drehbuch und den Vorgaben daraus als an den Schauspielern als solches. Die geben sich nämlich bis auf das letzte, gequälte Lächeln Witherspoons durch die Bank weg richtig Mühe und meistern ihre Rollen super, allen voran Pico Alexander, dessen forsches Auftreten fast jeden den ganzen Film über köstlich amüsiert hat.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man sollte sich zu Anfang zwingen, im Saal zu bleiben und auch das unbefriedigende Ende nicht als Grund heranziehen, nicht in diesen Film zu gehen.
Liebe zu Besuch ist ein herrlicher Feel-Good-Movie, dessen überwiegender Teil sehr unterhaltsam und komisch ist und somit für einen gelungenen und spaßigen Kinoabend durchaus taugt.
Hier und da schwächelt er etwas am Drehbuch und Witherspoons übrigen Handicaps, aber das Ensemble an sich funktioniert und rang auch mir immer wieder herzliche Lacher ab.
Durchaus sehenswert.

 
Nachspann
braucht man nicht sitzen bleiben, auch nach dem Scrolling kommt kein erhofft gutes Ende mehr.
Kinostart: 23. November 2017

Der kleine Vampir

Spätestens seit Twilight sind Vampire auf der Leinwand hoch im Kurs. Früher als böse Monster und furchterregende Kreaturen der Nacht im Horror-Genre aktiv, bereitete eben genannte Filmreihe den Weg zum kuschelbunten Kinderfreund von nebenan, der einfach nur mit spitzen Zähnen und jeder Menge Mystery-Nebel um sich herum durchs Leben kreuzt und sich mit den Menschen anfreundet.
Diese Entwicklung ist in der immer aufgeklärteren Gesellschaft mehr als verständlich: Die Mysterien des Unerforschten (und damit der Nährboden der Angst) wird immer weniger und dem aufgeklärten Kinogänger gruselt kaum noch vor (nicht mehr) Unbekanntem. Dass man dafür eine ganze Filmrasse seiner Grausamkeit berauben muss, war daher irgendwo abzusehen.
Deshalb gibt es die dunklen Gestalten jetzt eben nicht mehr mit FSK 18-Logo versehen, sondern lieblich animiert im Kinderregal oder den Bambini-Vorstellungen zu bewundern. Und da reden wir bei Der kleine Vampir nicht von irgendeiner Story, sondern einem bislang mehr als 12 Millionen mal verkauften und in 30 Sprachen übersetzten Kinderbuch von Angela Sommer-Bodenburg. Der VIP-Status und Bekanntheitsgrad dürfte bei den Familien also durchaus vorhanden sein.
Dementsprechend viel Mühe und Aufwand hat man auch in die Verfilmung dieser Geschichte gesteckt: Die Animation ist auf dem technisch neuesten Stand und vermittelt mit viel Liebe, kinderfreundlichen Gestalten und einem gut gefüllten Drehbuch für jeden in der Familie etwas. Spannungsmomente, großartige Schlachten und jede Menge Humor hat hier genauso Platz wie tiefsinnige Instruktionen über Freundschaft, Beziehungen und Familie.
Damit trägt auch dieses Geschichte nicht nur den unterhaltsamen Faktor mit sich rum, sondern arbeitet auch gleich mit an der Bildung fürs weitere Leben und stellt damit wieder die Vorbildfunktion in den Vordergrund, für die das Kino der perfekt geschaffene Ort ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer also nicht unbedingt die Affinität zu den Blutsaugern aufweist, darf seine Kids trotzdem gerne in diese Vorstellungen lassen, denn hier bekommt man wichtige Werte mit auf den Lebensweg gegeben, die auch im Film einen sehr hohen Stellenwert genießen.
Man spürt, dass es den Machern wichtiger war, über Freundschaft zu sprechen, als irgendwelche furchteinflößenden Momente zu kredenzen und damit erhält man als Zuschauer ein wundervolles Unterhaltungspaket für Leute jüngeren Alters.

 
Nachspann
Definitiv abwarten: Hier kommen noch Szenen.
Kinostart: 26. Oktober 2017

Ich – Einfach unverbesserlich 3 (3D) (mit Gewinnspiel)

Am 6. Juli 2017 ist es wieder soweit: Dann bevölkern erneut landesweit die kleinen gelben Minions die Kinoleinwände und sorgen bei Jung und Alt für Spaß und Vergnügen!
Mit zwei bahnbrechenden Vorgängerfilmen und einem exklusiven Minions-Spin-Of sorgten bereits in den letzten Jahren die Macher Pierre Coffin und Kyle Balda für einen unglaublichen Hype, der weltweit für Aufsehen gesorgt hat.
Ein Schachzug, der weitreichende Folgen haben sollte und dem sich dieses Jahr ein weiterer Filmteil anschließen wird: Ich – Einfach unverbesserlich 3. Die Marke ist längst etabliert und hat in Ländern wie Japans bereits Platz 1 der lizensierten Spielzeugfiguren erreicht.
Der Bekanntheitsgrad ist enorm und Illumination Entertainment darf jetzt schon auf eine Einspielsumme von über 4,7 Milliarden Dollar zurückblicken. Diese Zahlen beweisen, dass man seine Publikmachung längst hinter sich hat und keinerlei Imagepflege mehr zu betreiben braucht, um beim Publikum anzukommen.
Vielleicht ist das der Grund, weshalb man jetzt mit dem Erzählspeed sehr viel langsamer wird und sich eher an dem Schema einer Fernsehserie orientiert, als zu viele Inhalte in einen Film zu packen, obwohl der auf der großen Leinwand gescreent wird.
Man munkelt ja, dass demnächst noch einige Filme kommen, in denen wir unsere Lieblingsbösewichter wieder zu Gesicht bekommen werden. Und damit eröffnet man einer Welt Tür und Tor, durch die zu gehen jeder Kinobesucher bereit ist – die Zuschauerzahlen des aktuellen Films werden es beweisen.
Wer jetzt jedoch glaubt, dass damit die Essenz der Filme streikt und man sich eher auf billiges Niveau herunterlässt, der irrt sich ein wenig. Klar, die Inhalte protzen nicht mehr so arg mit Einfallsreichtum und Eleganz, wie es in den ersten beiden Ich – Einfach unverbesserlich-Teilen der Fall war, dass man deswegen jetzt aber weniger zu lachen hätte oder betrübter aus dem Kinosaal fliegt, heißt das aber noch lange nicht.
Die Minions sorgen auch im aktuellen Teil für enorme Stimmungsaufhellung und machen wieder jede Menge Klamauk, den zu betrachten das .kinoticket definitiv wert ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn die Schlagzahl der Gags deutlich verringert wurde und man sich jetzt thematisch langsam ans Ausschöpfen der Möglichkeiten ran macht, bedeutet der neuste Teil über die Minions und Gru aktuell auch wieder enormen Spaß auf den Leinwänden.
Macht es zu einem weiteren Erfolg und zeigt, dass sich die Macher auch für die kommenden Teile anstrengen sollten, um hier nicht im Niveau abzusinken oder daraus etwas Alltägliches werden zu lassen, damit die kleinen gelben Bösewichter auch in Zukunft noch etwas besonderes für uns bleiben.

 
Nachspann
sollte man natürlich noch dabei bleiben, denn auch der wartet wieder mit einigen Überraschungen auf.
Kinostart: 6. Juli 2017
 
Gewinnspiel
Zum aktuellen Gewinnspiel gibt’s auch dieses Mal wieder eine kleine Aufgabe:
Postet euren Lieblingsfilm der Minions (“Ich – einfach unverbesserlich“, “Ich – einfach unverbesserlich 2“, “Minions“, etc.) unter diesen Beitrag oder auf Facebook in den Kommentaren und nehmt automatisch an der Verlosung teil.
Zu gewinnen gibt es dieses Mal eine Auswahl an verschiedenen Postern zum aktuellen Kinofilm, die von Illumination Entertainment / Universal Pictures International Germany gesponsort wurden.
Das Gewinnspiel läuft bis einschließlich 31. Juli 2017 – die Gewinner werden dann Anfang August ausgelost und bekommen ihr Plakat nach Hause geschickt.
Kurz und knapp:

  • Lieblingsfilm mit den Minions hier im Beitrag oder auf Facebook in den Kommentaren posten.
  • Mit etwas Glück im August ein Plakat der Minions zugeschickt kriegen.

Ich wünsche jedem viel Glück und natürlich viel Spaß im Kino.

Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand

Das Thema Alter ist für viele Menschen nicht unbedingt mit positiven Assoziationen verbunden. Daher ist es auch nicht wenig erstaunlich, dass bereits im Büchermarkt der Vorgänger dieses Films ein Bestseller wurde, da viele Menschen durch die aufgeweckte und lustige Art des Hauptdarstellers inspiriert und zu ein wenig mehr Leichtigkeit im Leben eingeladen werden.
Die Fortsetzung dieses Films basiert diesmal nicht auf einem Buch, sondern entspringt aus dem Enthusiasmus und der Begeisterung der Regisseure über das Universum des alten Mannes. Die beiden haben sich hingesetzt, und eine Fortsetzung gesponnen, die seine Geschichte glaubwürdig weitererzählt. Dabei die richtigen Nuancen zu treffen und den Schauspielern zu sagen, dass sie nicht witzig sein sollen, obwohl sie in einer Komödie sind, war sicherlich eines der schwierigeren Aufgaben. Denn der Film mutet genau in diesem Stil an: er besticht durch seinen unterschwelligen Humor und seine herzensgute und bodenständige Art, die keineswegs abgehoben oder super speziell ist.
Man verliebt sich sofort wieder in die alten Charaktere, hat jede Menge Spaß bei den neuen Abenteuern und beschäftigt sich eingehend mit der Planbarkeit des Lebens. Zu sehen, wie dieser alte Mann von einem Abenteuer ins nächste stürzt, macht nicht nur vor der Leinwand richtig Spaß.
Mit seinen 101 Jahren ist Allan Karlsson mit Sicherheit nicht nur eine Inspiration und Vorbild für die ältere Generation, sondern die liefert auch genügend Lebensenergie für Junggebliebene.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand liefert beste Unterhaltung, wartet mit spritzigem, unterschwelligem Humor auf und entführt erneut in die skurrile Welt eines über 100-Jährigen.
Das Anschauen macht Spaß, es gibt jede Menge zu lachen, und man hat als Zuschauer garantiert einen unterhaltsamen Abend.

 
Nachspann
Nach der Schwarzblende darf man aus dem Saal verschwinden, hier kommt nichts weiter mehr.

Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe

Es ist soweit: Der Film, auf den die Massen gewartet haben, steht vor der Tür und feierte vorgestern seine Deutschlandpremiere in Hamburg.
Ich selbst war heute im Rahmen der Ladies Night in Augsburg und habe zusammen mit ca. 1400 Frauen die Vorpremiere von Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe geschaut.
Es ist ein Kulturphänomen, das seinesgleichen sucht. Als Fanfiction zu den Twilight-Filmen gestartet und ursprünglich als reine SM-Kopie von Edward und Bella geschrieben entwickelten sich die im Nachhinein als Christian und Anastacia betitelten Figuren zu einem weltweiten Erfolgsprodukt, dass seit jeher als Publikumsmagnet gilt.
Doch statt jetzt hier meinen Senf zum Film abzugeben, möchte ich euch an den Meinungen einiger Damen teilhaben lassen, die mir freundlicherweise hinterher zum Interview zur Verfügung standen (und namentlich nicht genannt werden möchten ^^).
 

Wie hat dir der Film gefallen?
“Ich fand ihn schon gut. Also ich fand ihn teilweise ein bisschen lächerlich.”
Ist das förderlich für den Unterhaltungseffekt?
“Ja, ich glaube schon.”
Das ist ja jetzt der zweite Teil. Habt ihr den ersten auch gesehen und wie fandet ihr den Nachfolger im Vergleich?
“Ja, viel besser als den ersten.”
Von der Technik her oder vom Schauspiel oder komplett besser?
“Mei, es war halt mehr Sex…” (lacht)
Und was hat dir besser gefallen?
“Die Handlung war irgendwie näher am Buch.”
“Ich fand ihn von allem her eigentlich besser. Man hat mehr gesehen. Beim 1. Teil hat man sich viel mehr erwartet, von den sexuellen Handlungen her, dass es da mehr in die Tiefe rein ging.”
Hast du auch alle drei Bücher gelesen?
“Ja.”
“Ich habe die Bücher nicht gelesen, aber mir hat er gut gefallen. Alles war dabei.”
Was findest du besser? Die Bücher oder was sie mit dem Film daraus gemacht haben?
“Ich muss sagen, der erste Teil: Da fand ich das Buch besser, und jetzt den Film. Ich hab die Bücher ab der Mitte des zweiten Teils auch nicht mehr weiter gelesen.”
“Ich hab nur das erste Buch gelesen, ich kann es gar nicht sagen, weil ich dachte, dass ist eh das gleiche. Aber jetzt hätte ich es vielleicht lesen sollen, wo ich das jetzt gesehen habe.” (lacht)
Wie fandet ihr den Humor des Films?
“Ja, naja (lacht) – eher stumpf.”
“Vom Witz her? Ich fand’s witzig. Erotischer wie im ersten Teil.”
“Der Humor war absolut richtig. Wir haben uns davon sehr unterhalten gefühlt.”
Hat man gemerkt, dass es ein Abklatsch von Twilight ist?
“Nein, gar nicht.” – “Überhaupt nicht.”
Auf meine Erklärungen und Vergleiche hin, die ich aus Spoilergründen hier mal nicht anbringen möchte, meinten die Damen dann:
“Ja, stimmt. Ich mochte Twilight auch, die hab ich auch angeschaut.”
“Ja, dann ist es aber echt so, dass die, die Twilight mögen, auch den hier mögen. Ich war nämlich auch kein Twilight-Fan und bin auch hiervon kein Fan.”
“Ich bin Twilight-Fan, ich habe auch alle Filme zu Hause, aber ich hätte das jetzt nicht so gesehen. Aber jetzt, wo du es so sagst…”
Was war jetzt der Grund, warum ihr ins Kino gegangen seid und euch genau diesen Film angeschaut habt?
“Musste man einfach jetzt wieder sehen. Ich hab die Karten schon im Dezember gekauft und hab die hier alle überredet. Wir haben halt den ersten gesehen und wollten die Fortsetzung sehen. Ist jetzt ja schon zwei Jahre her.”
“Ich bin nur mitgegangen, ich hätte ihn mir jetzt nicht alleine angeschaut.”
“Ich bin vielleicht jetzt auch nicht repräsentativ, ich kann das auch gar nicht so richtig begründen. Das hätte man sich vor Jahren auch gar nicht vorstellen können, dass das wirklich so groß übertragen wird und ich finde, dass man an manchen Stellen wegschauen muss und peinlich berührt ist. Und deswegen hab ich auch ein bisschen Abneigung.”
Würdest du sagen, durch Fifty Shades of Grey werden Sex und Tabuthemen öffentlicher präsentiert und dadurch mehr salonfähig gemacht? Dass man öffentlich besser und leichter drüber reden kann?
“Ja, das schon, dadurch, dass das jetzt öffentlich ausgestrahlt wird auch in den ganzen Kinos wird bei manchen Leuten, wo noch ein Tabu ist, dieses vielleicht schon gebrochen. Aber viele – glaube ich – haben da auch keine Berührungsängste.
“Jein, also im ersten Teil wird’s schon sehr verharmlost. Wenn Tenies das anschauen, die denken, das ist normal, wenn man die Freundin übers Knie legt. Es kommt halt drauf an, wer es schaut und wie man es aufnimmt.”
Was sagt ihr jetzt als Frauen dazu: Im Film wird ja immer ein wenig die Stellung der Frau im Gegensatz zu der Emanzipation und Gleichberechtigung, die ja heute eigentlich auf dem Plan steht, wieder komplett ins Gegenteil verkehrt. Ist das gut oder schlecht oder warum meint ihr, reagieren da so viele Leute drauf?
“Also ich finde sogar, dadurch, dass sie die einzige ist, die es schafft, ihn zu ändern und nicht zu allem Ja und Amen sagt, spiegelt sie die Emanzipation wieder. Weil sie eben dagegen ankommt. Im ersten Teil nicht, aber jetzt im zweiten vielleicht schon ein bisschen.”
“Ich finde nicht, dass es Schwierigkeiten mit der Darstellung der Frau gibt, die im Film ja oft als “Objekt” dargestellt werden soll. Es kommt halt darauf an, wer was mit sich machen lässt. Geschmäcker sind da verschieden.”
Würdest du sagen, dass dieser Film ein Erfolg wird? Würdest du ihn dir nochmal anschauen?
“Ja, würde ich schon machen.”
“Ich kauf mir auch die DVD” (lacht)
“Ja.” (mehrfach wie aus der Pistole geschossen ^^)
“Definitiv ja.”
“Kann es mir schon vorstellen, weil eben dieses ‘Verbotene’
oder nicht Alltägliche mal übertragen wird.”
Und da liegt jetzt die Faszination drin, dass gerade beim weiblichen Publikum – wie man ja sehen kann – der Film so gut ankommt?
“Ja, könnt ich mir schon vorstellen.”
Freut ihr euch auf den dritten Teil?
“Ja, auf jeden Fall.”
Würdet ihr diesen Teil hier weiter empfehlen?
“Ja, auf alle Fälle.”
Was hat euch am Film am meisten gefallen?

 
Und an dieser Stelle möchte ich vor spoilernden, aber interessanten Antworten mal aus den Interviews aussteigen und mich nochmal für alle bereitwilligen Antworten der Gäste bedanken, die sich die Zeit genommen haben und mir Rede und Antwort standen.
Was mir persönlich am meisten gefallen hat?
Man ist endlich ein wenig tiefer in die Materie eingestiegen, auch wenn man von Fifty Shades of Grey noch lange nicht behaupten kann, wirklich im Genre angekommen zu sein, sondern das alles durchaus noch sehr oberflächlich und – um es mit den Worten einer Dessouladenbesitzerin zu sagen – “langweilig” ist.
Das Interesse an Erotik und dem Verbotenen ist wohl vielerorts schon immer da gewesen, aber es wurde in unserem Jahrzehnt nicht derart offen ausgelebt, wie es Fifty Shades of Grey jetzt tut.
Ich erinnere nur an die rühmlichen 68er, da wäre ein Film dieser Größenordnung wohl eher langweilig gewesen und hätte den Zuschauern nur müdes Lächeln abgerungen. Dass wir danach wieder in einer amerikanischen Prüderie angelangt sind, aus der man sich jetzt schrittweise wieder hervorkämpft, ist nun mal Tatsache und beweist, dass die Gesellschaft nicht nur permanent im Wandel ist, sondern sich gewisse Dinge in Abschnitten auch immer wiederholen.
Der Design-Effekt, der mir beim ersten Teil noch am besten gefallen hat, fällt in dieser Fortsetzung nun komplett weg, diese Liebe zur Unerreichbarkeit ist weg und man befindet sich mehr auf dem Boden der Tatsachen.
Über den Plot brauchen wir nicht reden, auch die Dialoge sind wieder zeitweilig so beschissen, dass sich in vielen Situationen allein aus der dämlichen Ausdrucksweise eine Art Selbstironie entwickelt, die als solches dann schon wieder lustig ist und durchaus seinen Unterhaltungseffekt hat.
In punkto Forschheit und anzüglicher Anmache hat man sich hier tatsächlich gesteigert und langsam ein Gespür dafür entwickelt, wie man in die Tiefen der Dunkelheit vordringen kann, die sich in der Allgemeinheit noch zu befinden scheint, jedoch agiert man auch hier relativ zaghaft und plotbedingt teilweise lächerlich.
Ich persönlich habe immer noch meine Probleme mit der Darstellung der Frau, die immer wieder als Sexobjekt und “Gegenstand” bzw. “Eigentum” angesehen werden soll. Diesbezüglich gibt es – wie beim Interview oben schon benannt – zwar nun endlich halbwegs vernünftige Gegenwehr, das Thema als Solches finde ich aber im Film zu unreflektiert und damit für die heutige Generation als zu unverantwortlich behandelt. Die Unterwerfung der Frau dem Mann gegenüber ist immer noch Thema in der Gesellschaft, was man schon anhand der Problematiken sieht, die aus dem Arabischen in die westliche Welt überschwappen und immer wieder für Unmut in unserem Land sorgen.
Interessant war auch, den Einlass zu beobachten, wie sich die Scharen der weiblichen Welt ins Kino zwängten und immer ein bedrückt dreinblickender Typ dazwischen … Macht euch den Spaß und vergleicht einfach mal mit Twilight und ihr werdet im Film so extrem viele Parallelen finden, dass man fast behaupten könnte, die Schreiberin der Fifty Shades of Grey-Romane hat absolut keine Fantasie, sondern tatsächlich Wort für Wort in den SM-Slang übernommen. Selbst Nebencharaktere bilden so eindeutig und erkennbar das Gegenstück zu den jeweiligen Doublen aus Twilight, dass einem fast schon die Lust daran vergeht.
Fakt ist, dass hiermit ein Nerv der Zeit getroffen wird, der gestern in Augsburg fast 1500 Menschen zeitgleich ins Kino gelockt hat und sicher wie beim ersten Teil auch in den nächsten Wochen und Monaten für volle Kinosäle sorgen wird.
Müsste ich mich zwischen beiden Filmen entscheiden, würde ich sofort zum neuesten greifen, da der tatsächlich sehr viel mehr Unterhaltungseffekt bietet und nicht mehr so zimperlich mit den Dingen umgeht, auch wenn man die Thematik durchaus besser hätte beleuchten und ausarbeiten können. Stichwort: SM-Variante von Underworld…? 😉
Die Damen bekommen in den nächsten Wochen auf jedenfalls einiges zu sehen – und das nicht nur im Kinosaal, sondern auch davor…

© Dessous und Modelle ausgestellt von Fee, Steingasse 10, 86150 Augsburg, www.my-fee.de

 

.kinoticket-Empfehlung: Das Gespür, in die Materie einzusteigen, erwächst langsam, Teil zwei ist um Welten besser als der erste, erreicht aber noch lange keine Krone der Filmschöpfungen, sondern etabliert sich in der Frauenwelt durch Diskussionen über Tabuthemen garantiert immer noch zu einem Publikumsliebling und punktet durch teils sehr selbstironische Züge.
Ernst nehmen sollte man den Film auf keinen Fall, sondern einfach die Show genießen und sich über teils abartig dämliche Aktionen lustig machen und mit richtig viel Publikum, das stellenweise sogar zu den Entscheidungen der Darsteller applaudiert, wird auch der Kinobesuch zu einem ganz eigenen Erlebnis.

 
Nachspann
Da es sich hier um eine back-to-back-Produktion handelt (der folgende Teil ist also bereits abgedreht), sollte man auf jeden Fall noch sitzen bleiben, denn die Vorfreude auf 2018 wird in der Mitte des Abspanns nochmal angehoben.

Bridget Jones' Baby

Nach Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück und Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns erblüht nun nach jahrelanger Pause der dritte Teil dieser Filmreihe und besticht einmal mehr mit der sympathisch-unsympathischen Renée Zellweger, die wieder in die Rolle des tollpatschigen Mittdreißigers schlüpft und ihre Unbeholfenheit zum Besten gibt.
Man muss die beiden Vorgängerfilme lieben, um auch im dritten Teil voll auf seine Kosten zu kommen. Dies gestaltet sich bei mir durchaus als schwierig, da ich dieser Art von Erzählungen so gar nichts abgewinnen kann, das Verhalten nicht als amüsant, sondern fast schon als peinlich bezeichnen würde.
Klar – auch die Mitstreiter Colin Firth und Patrick Dempsey leisten hier volle Arbeit und bilden einen bunten Reigen rund um die Stammgeschichte, jedoch hat Ersterer in Kingsman: The Secret Service eine wesentlich bessere Figur abgegeben, die dem britisch-zurückhaltenden Humor viel mehr gewachsen ist, als der Unbeholfenheit, die er hier ausstrahlt. Und auch Dempsey hat bereits in anderen Rollen bewiesen, dass er es besser drauf hat, zumindest was die Integration in die Geschichte angeht.
Dass hier auf charmante Weise wohl eher weibliches Publikum unterhalten werden möchte, gereicht an dieser Stelle dann bei mir wohl zum Minuspunkt. Einzig und allein Emma Thompson leistet vollwertigen Einsatz und besticht durch ihren Charakter und Komik, was den Film für mich bis zum Schluss erträglich machte. Jedoch hat sie bedingt durch ihre Besetzung nicht allzuviel Spielzeit auf der Bildfläche – die Erbrachte jedoch kostet man in vollen Zügen aus.
Dass man als Plotinteressierter auch keine großartigen Geschmackskirschen auf der Sahne oben drauf suchen braucht, muss glaube ich nicht unbedingt erwähnt werden. Man zieht die Sache durch, belebt die ganze Geschichte wieder und führt sie auf seine Weise fort. Das weibliche Publikum findet’s einigen Meinungen nach durchaus witzig und dann bleibt mir wohl auch nur noch zu sagen:
 

.kinoticket-Empfehlung: Geht rein, aber nehmt die Freundinnen mit, für Kerle ist das schwere bis unerträgliche Kost, die nicht nur langatmig ist, sondern eben keinerlei Freudenperlen ausstößt, die männliches Publikum gekonnt unterhalten könnten.
Das Schauspiel der Hauptdarsteller/innen ist sehr wohl gut anzusehen, jedoch passt die Story für mich irgendwie nicht oder das ist einfach nicht meine Welt.

 
Nachspann
Wer’s bis zum Schluss aushält, wird noch mit einer unspektakulären Überraschung belohnt.

Mullewapp – Eine schöne Schweinerei

Wenn ich den Titel in mein Handy eintippe, schlägt er mir jedesmal Müllhalde als Verbesserung vor und eine Zeit lang wünschte ich mir fast, der Titel wäre nicht ins Kino gekommen, denn Lust auf diesen Beitrag hatte ich tendenziell null.
Und das lag am Trailer. Der zeigt zwar ansatzweise, auf was man sich damit so einlässt und filtert sein Zielpublikum bereits vorher ab. Gut so, denn als Erwachsener hat man in diesem Film absolut nichts verloren. Dass der Titel dann das Prädikat besonders wertvoll erhielt, ließ mich innerlich wieder mehr zur Ruhe kommen und als ich heute tatsächlich im Kino saß und mir mit der Kinderschar das Vergnügen antun durfte, wurde ich eines Besseren belehrt.
Mullewapp – Eine schöne Schweinerei zählt zu den Kinderfilmen, die tatsächlich für Kids gemacht sind und mit herrlich oldschool angehauchtem Charme überzeugen. Hier wird nichts überdreht, es gibt zwar das klassische Gut-Böse-System, allerdings längst nicht in der überzeichneten Weise, wie man es beispielsweise von Disney her kennt. Hier können die Erwachsenen noch so konservativ, verklemmt, altmodisch oder sonstwas sein – der Film matcht alle möglichen Konstellationen und befriedigt auf ganzer Linie.
Die Problematiken sind für jüngere Zuschauer bestens geeignet und fördern hierbei mal ausschließlich positive Eigenschaften und grenzen den Reiz des Verbotenen vollkommen aus. Die Zeichnungen sind auf eine niedlich-zärtliche Weise erstellt, die die sowieso meist schon überdrehten Kids nicht noch zusätzlich irre im Schädel machen, sondern eher wieder zurück auf den Boden der Normalität holen und dennoch super unterhalten.
Letztendlich der größte Pluspunkt ist aber die absolute Unverdorbenheit, die man den Kleinsten hier angedeihen lässt, indem man ihnen zeigt, wie Konflikte auf die richtige Weise gelöst werden. Dass so etwas noch so kindgerecht und dennoch spannend dargestellt werden kann, unterstreicht für mich die absolut richtige Entscheidung, den Film mit diesem Prädikat zu versehen. In diesem Sinne – alles richtig gemacht, weiter so!
 

.kinoticket-Empfehlung: Unverdorbenes, kindgerechtes Kino, das man uneingeschränkt empfehlen kann.
Sowohl thematisch als auch bei der Auswahl der Animation und Zeichnung hat man hier auf klassische Tauglichkeit geachtet und eine Geschichte geliefert, die nicht nur nett anzuschauen ist, sondern auch moralisch ausschließlich positive Eigenschaften zum Vorschein bringt und bei den Kleinen fördert.

 
Nachspann
kommt in Form von niedlichen Animationen daher, die auch bis zum Schluss andauern. Wem also nach wenigen Minuten langweilig wird, der braucht auf keine Veränderung warten.

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