.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Funk

Styx

Styx gilt in der Mythologie als Grenzfluss zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten. Er ist demnach ein magisches Symbol, das quasi den Übergang vom Leben in den Tod symbolisiert. Gleichermaßen ist sowohl das Wort im Griechischen weiblich als auch die Bedeutung der Name einer Göttin, was bezugnehmend auf den Film einer Doppeldeutung gleicht, die man kennen sollte, bevor man sich in das Werk stürzt.
Styx beeindruckt durch eine Gänsehaut verursachende Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit, die eine Problematik auf der Leinwand zum Leben erweckt, die viele von uns nicht kennen. Zudem habe ich (mittlerweile) das Gefühl, dass dieser Film zu spät in den Kinos landet, da die meisten die Aktualität und Brisanz dieser Thematik nicht mehr auf dem Schirm haben und es sich jetzt so anfühlt, als würde man es “nur noch verfilmen, damit auch dieser Punkt abgehakt ist”, wo es – als ich den Film vor Monaten gesehen habe – vor Aktualität und immenser Wichtigkeit nur so geschrieen hat.
Schreie hört man in diesem Film übrigens auch genügend. Und zwar vieler Arten. Es ist eben jene durchdringende Bosheit, die einen zum Schaudern bringt und nicht das offensichtlich Gezeigte, mit dem andere Filmemacher ihr Publikum zum Gruseln bringen wollen. Eigentlich will dieser Film ja gar nicht zum Gruseln bringen, er erzählt nur eine tiefschürfende Wahrheit, die das wahre Wesen des Menschen entkernt und ihn in seiner toten Hässlichkeit zum Vorschein bringt.
Und warum? Aus Ängsten. Aus Gründen, die nie einer verstehen wird und die jedweder Basis entbehren.
Dazu hat man hier keine Moralkeulen in die Säcke gepackt oder abartige Verbalbomben platzen lassen, sondern man lässt ein Gewitter an “Warum”-Fragen auf den Zuschauer und die Welt herunter regnen. Und das traurige daran ist: Diese Fragen sind bis heute unbeantwortet.
Styx stellt somit nicht mehr nur das Bindeglied zwischen Tod und Leben dar, sondern wirkt fast wie ein Appell an die Menschlichkeit und Vernunft und hinterlässt ernste Narben auf einer jeden Seele, die sich den Streifen zu Gemüte führt.
Diese unerträgliche Ruhe, diese angespannte Hilflosigkeit und die Pointe dieser Geschichte geraten bei allen, die sich den Weg ins Kino auferlegen, definitiv nicht in Vergessenheit.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Titel ist ein unglaublich bereichernder Beitrag zum Geiste unserer Zeit, der Fragen aufwirft, die unsere Rasse beantworten sollte, um auch in Zukunft bestehen zu können.
Die Brisanz des Themas ist schon etwas aus dem Fokus gerückt, hier wäre ein früherer Kinostart wünschenswert gewesen, die schaurig-düstere Stimmung und Endgültigkeit, mit der man uns hier die dunklen Facetten menschlicher Existenz aufzeigt, hallen aber noch genauso stark und nachhaltig nach.

 
Nachspann
❌ aufstehen erlaubt, gebt den Saal zum Putzen frei.
Kinostart: 09. August 2018

Triple 9

Und weiter geht’s mit der nächsten verspäteten Sneak Preview, ein Film, den ich eigentlich schon lange im Rahmen dieser Vorvorführung erwartet hatte: Triple 9.
Mit Casey Affleck, Chiwetel Ejiofor, Anthony Mackie, Norman Reedus, Gal Gadot, Woody Harrelson und Kate Winslet ist dieser Film promitechnisch hochkarätig besetzt und verspricht, keiner von den halbgaren Vorstellungen zu werden, in denen man irgendetwas erzählt und dabei verschiedene wichtige Aspekte des Films vernachlässigt.
Und genau so startet man auch – fulminant und actionbeseelt mit einer Geschwindigkeit, die in den ersten 15 Minuten einfach nur Vorfreude auf den Rest des Films hervorbringt. Die große Introduktion verspricht viel und man ist sofort im Geschehen gefangen.
Dann fährt man erstmal mit dem Erzählflow nach unten und lässt dem Zuschauer Zeit zum Luftholen, was dieser sicherlich nutzt, aber – im Hinblick auf Blockbuster wie Sicario – keinesfalls von Nöten gewesen wäre.
Das Problem dieser Atempause: Es geht danach irgendwie nicht weiter. Der Plot baut auf der Auflösung des Triple 9 auf, dessen Erklärung komischerweise aber bereits im ersten Trailer aufgelöst wurde (wer zur Hölle winkt so etwas einfach durch?), was das Interesse des Zuschauers deutlich mindert, da er bereits zu Beginn des Films weiter ist als die gesamte Truppe auf der Leinwand zulassen möchte.
Irgendwie stockt daher die durchaus professionell aufgebaute Geschichte und man verweilt auf einer Plattform, die weder den Absturz noch den weiteren Aufstieg zulässt. Und dieses Ausruhen auf der anfänglich verbreiteten Überflieger-Mentalität macht dem Zuschauer letztendlich das Gesamtwerk kaputt, da in dieser Weise die Komponente des zeitlosen Klassikers feierlich untergeht.
Irgendwie war zum Schluss der Streifen nur ein kurzes Aufflammen gigantischer Gefühle mit Hoffnung auf mehr, die aber zuletzt nur in Enttäuschung endet, jedoch keinen minderwertigen Geschmack abgibt, da man sich trotz des heruntergefahrenen Tempos dennoch auf hochniveaulastiger Ebene bewegt.
Hier hätte ich wesentlich mehr Action, mehr Durchtriebenheit, mehr Klasse erwartet, so dass man als Zuschauer endlich ein modernes Äquivalent zu Der Pate in der Hand hätte, mit der man die zeitlose Geschichte von Korruption und Gewalt weitererzählt, die schon seit Jahrzehnten für gute Unterhaltung in der Filmbranche sorgt.
Aber dies sollte nicht sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer eine ruhige, gelassene Form von Action sucht, die gelegentliche Spannungsspitzen zulässt, aber nicht allzudeutlich hochfährt, der ist mit Triple 9 sicherlich auf der richtigen Fährte.
Insgesamt ist das Werk aber eher enttäuschend gewesen, da ich hier wesentlich mehr Action und Plot-Verzweigungen erwartet hätte, die aber nicht wirklich vorhanden waren und angesichts der heruntergefahrenen Erzählgeschwindigkeit auch das Potenzial eines modernen Pate verschenkt wurde. Mehr als etwas langatmiger Durchschnitt ist hier einfach nicht drin.

 
Nachspann
gibt’s nur die üblichen Texte, weitere Bilder oder Geschichtsbrocken bleiben aus.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén