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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: FSK 6 Page 1 of 4

Blackkklansman (mit Gewinnspiel)

Man meint immer, das Leben böte einem unzählige Möglichkeiten und wenn man dann die Geschichte der Menschheit bestaunt, stellt man fest, dass sich irgendwie alles in einer sich immer wiederholenden Zeitschleife verheddert hat. So zumindest macht es mal den Anschein. Nichts aus der Geschichte gelernt, wie man so schön sagt.
Umso erschreckender, dass diese Ereignisse, die in den frühen 1970er Jahren in Amerika tatsächlich so passiert sind, heute immer noch brandaktueller denn je sind und von gefährlicher Brisanz zeugen. Dieses heiß diskutierte Thema jetzt aber unterhaltsam, urkomisch und mit einer Entertainment-Wirkung auf die Leinwand zu bannen, gehört zu den Mammutaufgaben, denen sich Spike Lee gestellt hat, was ihm in meinen Augen auch hervorragend gelungen ist.
Mein Problem damit ist folgendes: Ich habe selbst bei Facebook schon oft bemängelt, dass man mit dem Kritisieren und Zeigen von miserablen Zuständen in sozialen Netzwerken eben jene Zustände unterschwellig auch fördert, weil ihnen Plattformen geboten werden und diese Krankheiten öffentlich zur Schau gestellt werden. Wer also Bilder von Tierquälerei teilt, sorgt gleichzeitig auch dafür, dass der Pool solcher Grausamkeiten niemals aufhört, weil er sich selbst damit verantwortlich macht, diese Dinge zu verbreiten und ihnen Gehör zu schenken und damit eben auch zu “unterstützen”.
Geht man jetzt von der beschränkten Denkweise solcher Fanatiker aus, denen es scheißegal ist, in welchem Zusammenhang Dinge veröffentlicht werden, hat man hier ein wunderbares Werk, dass die Abarten dieses Klans öffentlich zur Schau stellt und man sich sabbernd davorstellen und “goiiiillll” lallen könnte.
Die denkende Bevölkerung wird dem zwar absolut nicht zustimmen, die Plastizität der dargestellten Weltanschauungen brennt sich allerdings extrem ins Hirn und sorgt hier für übermäßig viel Öffentlichkeit, auch wenn der Film dazu die richtigen Zusammenhänge herstellt und das Prädikat “besonders wertvoll” redlich verdient hat.
Manch einer bemängelte ebenfalls die Länge des Werks, die ich zwar auch leicht am oberen Limit reizend, jedoch nicht übertrieben fand, da die Menschen, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen möchten, auch gerne darin eintauchen und deshalb für sie der Film gerade lang genug ist.
BlacKkKlansman ist definitiv taugliches Unterrichtsmaterial, was den Verlauf der Geschichte unserer Welt angeht und sollte von vielen gesehen und diskutiert werden, damit derartige Abartigkeiten endlich verstanden und folglich ausgemerzt werden können. Und seinen Spaß hat man dabei auch noch, wenn auch etwas anders, als beim .trailer angenommen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Erwartet keine Komödie, sondern einen bierernsten Film über eine wahre Begebenheit, der topaktuell ist.
Dann passt die Sache und macht auch im Kino richtig Spaß. Der .trailer verleitet ein wenig zu falschen Erwartungen und führt daher eher zu Enttäuschung, der Film an sich ist spitze gemacht und ob seiner Wahrheit auch erschreckend und offenbar.
Reingehen erwünscht, und darüber nachdenken natürlich auch.

 
Nachspann
❌ bietet keine weiteren Extras, das vorzeitige Verlassen des Saals wird also nicht bestraft.
Kinostart: 23. August 2018
 
G E W I N N S P I E L
Universal Pictures International hat für meine Leser ein kleines Giveaway zum Kinostart bereitgestellt, das ich nun unter allen Kommentatoren dieses Beitrags verlosen darf.
Es handelt sich dabei um zwei großartige DIN-A1-Plakate des Films.
Blackkklansman-1
Wer daran Interesse hat, darf bis einschließlich Mittwoch, den 29. August 2018 hier im Beitrag kommentieren. Die Plakate werden anschließend unter allen Kommentatoren per Zufallsauswahl via random.org verlost.
Gebt bitte hierzu eine gültige E-Mail Adresse an, damit ich euch zum Zweck der Adressabfrage erreichen kann, um euch im Gewinnfall die Plakate zuschicken zu können. Alle erhobenen Daten werden nur zur Auswertung des Gewinnspiels von mir persönlich genutzt und anschließend gelöscht.
Ich drück euch die Daumen und wünsche natürlich viel Spaß im Kino bei dieser unglaublichen Geschichte!

Deine Juliet

Leute: Zeit für Titeldiskussionen!
Was lest und seht ihr beim Plakat? Ich bin unzählige Male in der Untergrundstation an dem riesigen Teil vorbeigelaufen und dachte mir: Mäh, noch so ein Weiberfilm, Mann, Frau, Deine Juliet, wunderbar für’n Mädchenabend … da musst du dann wohl irgendwann durch und dir den Mist anschauen, ihn bewerten und darfst ihn dann endlich wieder vergessen. Gottseidank.
Ich verrate euch, wie das Original dazu heißt:
The Guernsey Literary And Potato Peel Pie Society
oder übersetzt:
Die Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf
Merkt ihr was?
Irgendwo tief im Hirn klopft Der Club der toten Dichter ans Hirninnere und erinnert an einen verdammt guten Film. Solche “schwierigen” Titel haben doch schon einmal funktioniert, wieso belässt man es dann nicht einfach beim englischen Original?
Weil das Buch in Deutsch bereits auch so doof heißt.
Wer hat damals diese katastrophale Fehlentscheidung überhaupt getroffen? Nun, Titel werden wohl immer schon früh genug ausgewählt und dann wird erstmal gemacht … und dabei handelt der Film tatsächlich vielmehr von der “Society” als dem “Deine Juliet”-Anteil, der zwar vorhanden, aber eher unwichtig ist.
Und er nimmt jedwedes Frauen-Vorurteil und spricht eine in meinen Augen viel breitere Masse an, was den Film viel interessanter macht und enorm aufwertet. Warum also verzichtet ihr auf diesen geilen Titel? Zumal der im Film sogar oft genug genannt wird, um titelgebend Bezug darauf nehmen zu können?
Egal.
Was viel wichtiger ist: Dieses Werk, in dem gefühlt der komplette Downton Abbey-Cast mitspielt (eben die Elite der britischen Schauspieler), baut zwar auf Klischee und Tränendrüsen-Mentalität und greift somit scharf die kritischen Züge von Genialität und Einfallsreichtum an, aber: Er funktioniert. Und das sowas von. Man möchte es nicht anders.
Er ist großartig! Beeindruckend. Nachhallend. Diese Geschichte lebt und man entdeckt ein völlig neues Niveau in diesem Genre, das kein anderer Liebesfilm bisher auch nur annähernd auf diesem Level erreicht hätte. Und genau das ist der Grund, weshalb der nicht nur in der Ladies-Night, sondern überall laufen und von allen Gesellschaftsschichten und -sorten besucht werden sollte: Diese geniale Auseinandersetzung mit den Themen, mit denen Deine Juliet aufwartet, gehört mit ausreichend Besucherzahlen belohnt. Man fühlt sich auf intellektuell absolut hohem Niveau bestens unterhalten und stört sich kein kleines bisschen an möglichen Klischees oder emotionalen Tragweiten.
Dieses enorm hohe Level an Kunstfertigkeit, mit denen Mike Newell hier auftrumpft, hat auch mich stark beeindruckt. Und ja, ich werde erneut reingehen und ihn tatsächlich in der Ladies-Night sichten, um die Reaktionen des Publikums abzugreifen und mich davon zu überzeugen, dass die Erst-Sichter dann auch genügend Werbung für diesen Film machen, denn so etwas gehört auf die Leinwand. Den Weg in die Herzen der Menschen erobert der Film im Sturm.
Was noch beeindruckend ist: Arthaus hat ja mittlerweile einen zu abgespacten Beigeschmack, so dass sich viele in dem Wissen eher wieder davon abwenden, weil die Filme zu seltsam, zu anspruchsvoll oder zu abgehoben sind. Das hier ist Arthaus und keiner merkt’s. Damit hat man eine Brücke geschlagen und bietet dem ganz gewöhnlichen Zuschauer, der keinen allzu großen Anspruch möchte, hochwertiges Kino mit einer lebendigen und spannenden Story, die für einen Kinoabend allem anderen vorzuziehen ist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Das Original heißt: The Guernsey Literary And Potato Peel Pie Society.
Und jetzt packt eure Klamotten ein, bringt ein paar Taschentücher mit und lasst euch von diesem anspruchsvollen und absolut wertigen Film beeindrucken, der mit dem deutschen Titel das Understatement des Jahrhunderts gesetzt hat: Dahinter verbirgt sich so viel mehr, als man anfangs erwartet. Und genau deshalb sollten insbesondere auch Männer diesen Film zwingend besuchen.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, rausgehen erlaubt!
Kinostart: 09. August 2018

Roman J. Israel, ESQ.

So schwierig der Titel, so komplex das Thema – und alles hat man kurz vor der Oscar®-Verleihung noch schnell in OV abgespult, damit die meisten einfach mal nichts verstanden haben, denn dieses Werk ist extrem textlastig und erfordert viel Aufmerksamkeit und Hingabe. So wie sich viele zwar vorstellen können, schnell mal Jura zu studieren und geil zu verdienen, so erwachen die meisten dann schon zu Beginn des Studiums und stellen fest: Der Preis, den man als Otto-Normalverbraucher oft als überhöht empfindet, ist tatsächlich gerechtfertigt, bedenkt man, was diese Person alles geleistet hat, um dorthin zu kommen, wo sie jetzt steht.
WAH – es erschlägt einen förmlich … und birgt darin doch eine wunderbar erzählte, von Kuriositäten durchzogene Geschichte, die sich um Moral, Menschlichkeit und diverse Abgründe dreht. Zwar kann nicht jeder etwas damit anfangen, Denzel Washington wurde jedoch zu Recht für den Oscar® nominiert. Man sollte als Zuschauer eben ausgeschlafen in die Vorstellung tippeln und keine Geistesvernebler geschluckt oder konsumiert haben.
Dieses Stück zeigt auf, mit welchen Methoden hinter dem Rücken der Gesellschaft gearbeitet wird, um Dinge zu erreichen, die sich Menschen von der Straße kaum vorstellen können. Wer sich ein wenig für das “Hinter den Kulissen des Lebens” interessiert, findet hier drin interessante Denkansätze und darf sich gerne durch den Wust an Informationen, Gesprächen und Machenschaften durchbuddeln, denn für diejenigen, die daran Spaß haben, ist Roman J. Israel, Esq. ein wahres Fest.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sehr textlastig und nicht als Unterhaltung geeignet, aber sehr weise und strukturell intelligent aufgebaut.
Man sollte sich Zeit und Muße mitnehmen, ein wenig was von Juristerei verstehen oder zumindest den Willen mitbringen, die Dinge im laufenden Betrieb analysieren zu können. Dann macht dieser sehr hoch angelegte Streifen sehr viel Spaß!

 
Nachspann
braucht man nicht abzuwarten, hier folgen keine weiteren Eskapaden.
Kinostart: 19. April 2018

Vor uns das Meer

Denkt mal an eure Schulzeit zurück – im Speziellen an den Geschichtsunterricht. Na? Langweilt es euch schon?
Mir ergeht es jedesmal so. Da gibt es ein Unterrichtsfach, das sich darum kümmern sollte, dass die Menschheit ihre eigene Vergangenheit kennenlernt und versteht und man geht als Schüler gelangweilt, genervt und von Nazi-Scheiß vollgepumpt wieder in die Pause und ist einfach froh, dass es vorbei ist. Dabei gäbe es so viele inspirierende, motivierende und spannende Geschichten zu erzählen, über deren Beweggründe man sich gerne im Unterricht hätte unterhalten können.
Aber dafür gibt’s ja Gott sei Dank Kino: Vor uns das Meer kümmert sich nämlich genau darum und präsentiert eine Story, die noch gar nicht so alt ist und aus der man gleichzeitig sehr viel lernen kann.
Dass der Tenor des Films im Grundsatz einfach mega deprimierend ist, sollte man von vornherein wissen und einkalkulieren und emotional ein wenig Abstand davon halten können, dann ist das auch kein Problem – denn die geschichtlichen Fakten und interessanten Einblicke in das Wesen und Wirken anderer Menschen zeugt auch hier wieder von Spannung und punktet durch Interessant sein.
Der Trip ist für den Kinozuschauer sehr nachvollziehbar, auch wenn man in 112 Minuten längst nicht alle seelischen Kämpfe detailliert darstellen und beleuchten kann, so hat man sich aber trotz allem die Mühe gemacht, hier möglichst realitätsgetreu an die Barrieren der menschlichen Psyche zu gelangen und diese hervorragend inszeniert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Von depressiver Grundstimmung durchzogen ein Werk, das faktisch zu Tode betrübt, aber dennoch eine wichtige und interessante Geschichte aus jüngster Vergangenheit erzählt, die man der Welt nicht vorenthalten sollte.
Die Bilder sind beeindruckend, die Größe der Gesamtunternehmung kommt vielleicht nicht immer sofort zum Tragen, allerdings hat man sich sehr nah an der Realität orientiert.

 
Nachspann
schippert ohne weitere Belange dahin und braucht daher nicht bis zum Schluss abgewartet zu werden.
Kinostart: 29. März 2018

Pitch Perfect 3

Obwohl ich eigentlich nicht dafür bin: .trailer anschauen und für sich entscheiden, ob man darin aufgeht oder nicht.
Pitch Perfect geht in die dritte und letzte Runde und an dieser Aussage scheiden sich die Geister: Fans und Liebhaber dieser Reihe beweinen den Abgang der Girls-Crew, die sich singend durchs Leben schlängelt, während Kerle wie ich ihre lieben Schwierigkeiten mit Filmen wie diesem haben: Und das liegt ganz eindeutig am Humor.
An die Grenzen des Witz-Niveaus vor unserer Zeit reicht man ja sowieso schon seit Ewigkeiten nicht mehr ran. Lachen findet heute kaum noch statt, sondern alles ist dieser banalen, unfertigen und einfallslosen Social-Media-Witzigkeit zum Opfer gefallen: Irgendwelche besoffenen Hirnkranken stellen Dinge ins Netz, die sie im Suff vielleicht witzig finden und der Zuschauer wendet sich entnervt ab, hat aber bereits geklickt.
In letzter Zeit häufen sich immer mehr Schinken, die diese Form des Humors als gesellschaftserwünscht interpretieren und sich dieser platten Zugkraft anschließen, um für ihre Generation einzustehen und zu proklamieren: Das sind wir – das ist unser Leben. Darüber lachen wir.
Mag sein – dann möchte ich an dieser Stelle mit der Menschheit nichts weiter zu tun haben. Tiefgründige Witze oder gehobenes Lach-Niveau sind nämlich etwas völlig anderes. Und nur, weil das bei YouTube und Facebook so gut funktioniert, bedeutet das noch lange nicht, dass ich diese Flachheiten auch im Kino bestaunen möchte. Genau das bekommt man aber immer häufiger vorgesetzt – und das treibt mir die Tränen in die Augen.
Übersieht man jetzt einfach mal, dass diese Songs eher ins letzte Jahrhundert gehören und klammert den musischen Teil mal vollständig aus, bleibt ein ziemlich depperter Film, der kaum Höhen und Profil aufweist. Und nur, weil jetzt jede altbackene Frau mit ihrer Clique über die Leinwand zieht und der ganzen Welt präsentiert, wie pseudogeil es doch ist, wenn man feiert und nochmal so richtig alles rausholt, bedeutet das noch lange nicht, dass das jetzt jeder machen muss. Im Ernst: Wo führt das hin?
“Hey, meine kleine Schwester trifft sich nachher mit ihrer Freundin und sie feiern ab und kotzen danach – lass schnell Kinofilm machen, Alta”!?
Beim Schauen erwischt man sich oft, wie man auf die Uhr schaut, hofft, dass es bald vorbei ist und ärgert sich über den Werteverfall und die Belanglosigkeiten, die heutzutage Anlass für Kinofilme geworden sind.
Und freut sich insgeheim, dass dies nun die letzte Runde ist. Bevor irgendwer auf die Idee kommt, deren Kinder erneut zu einer Gruppe zu formieren ….
 

.kinoticket-Empfehlung: Das vergangene Zeitalter an Musik wurde gut eingespielt, darüber gibt’s nichts zu klagen – der Rest des Films siedelt allerdings eher im untersten Niveau an und macht keinen Hehl daraus, dass Fremdschämen heute zum Alltag der Welt gehört.
Schade eigentlich, hier hätte ich wesentlich mehr erwartet.

 
Nachspann
Sitzen bleiben – es folgen noch einige Szenen und Spinnereien.
Kinostart: 21. Dezember 2017

Genauso anders wie ich

Es ist wieder mal eine Schande: Im Kino häufen sich die Filme, die in aller Munde sind und die Leute rennen zu Scharen rein und Vorstellungen wie diese sind schamlos leergefegt und werden von keinem beachtet. Dabei ist gerade dieser Titel es soooo wert, dass man ihm Aufmerksamkeit schenkt – und das gleich aus mehreren Gründen.
Vorab: Wer bereits irgendwo eine Kritik gelesen oder sich von Inhaltsangaben oder sonstigem Schwachsinn oberflächlich hat abspeisen lassen, sollte seine aufgebauten Vorurteile wieder in die Tasche stecken und einfach mal fünf Minuten zuhören.
Ja, es gibt tatsächlich kurze Momente, in denen die illustre Mädchenhaftigkeit von Renée Zellweger zu spüren ist, die nunmal ihre ganz eigene Bridget Jones Tagebuch-Manier hat, das macht sie als Person nunmal aus.
So man dies weiß und sich diesen Film besieht und erstmal geschlagene 20 Minuten braucht, um festzustellen, dass das tatsächlich Zellweger und nicht jemand anderes ist, zeugt an dieser Stelle dann wohl eher von einer schauspielerischen Stärke, die seinesgleichen sucht. Und da schließe ich alle anderen sofort mit ein, die das Kinoplakat auf den ersten Blick freigibt: Die gespielten Rollen überzeugen dermaßen mit einer Authentizität und Hingabe, die man so selten gesehen hat.
Ich behaupte oft, dass die Menschen heute in den Werken beliebig austauschbar wären und alles nur noch von Technik und CGI-Gekröse am Leben erhalten wird – dies kann man von Genauso anders wie ich mal absolut nicht behaupten: Nimm einen der Darsteller hier raus und die Kiste bricht in sich zusammen! Diese Höchstleistung gehört honoriert und es ist eine Schande, dass der Film gerade gnadenlos absäuft!
Weiter geht’s nämlich mit den eindrücklichen Szenen, die mancher als “kitschig” bewirbt oder schmalzig dargestellt sehen will: Dies kann ich so überhaupt nicht unterstreichen: Kameramäßig merkt man auch hier wieder viel Arbeit, die in solche Szenen geflossen sind und musikalisch hat man eher auf Beruhigung und Tiefenentspannung gesetzt, was in der ansonsten oft hektischen Weihnachtszeit jetzt ja wohl das Willkommenste ist, das man sich wünschen kann: Einen Film, der mal nicht nach vorne prescht, sondern sich mal die Zeit lässt und an Natur, Farbträchtigkeit und Schönheit ergötzt, ohne den Zuschauer durch mittelklassische Musik zu deformieren. Auch da wieder ein großes Lob, diese Momente sind den Besuch in einem ruhigen Kino durchaus wert!
Gehen wir zur Kindlichkeit und dem Rumgenerve von Zellweger: An alle Frauenrechtler und Feminist-Fetischistinnen: Sorry, dieser Film erzählt nicht die Geschichte einer Frau, sondern die eines Mannes – und da ist es leider ein ganz klein wenig egal, ob diese Frau sich im Laufe der Spielzeit selbst zur Lächerlichkeit führt und sich daher am Ende eigenständig obsolet macht: Vielmehr zählen die unfassbar vielen Momente, die zwei Kerle hier miteinander erleben und die eindrücklich ein so wichtiges und diskutiernotwendiges Thema aufgreifen, dass einem nur das Herz durchgeschüttelt werden kann.
Mein Gott, was bin ich zwischendrin oft zusammengebrochen, als man mit einer derartigen Einbruchskunst vor verschiedene Szenarien geführt wurde und sie in einem mächtigen Emotionsschlag hat enden lassen, die sowohl das anprangern, was angeprangert gehört als auch zeigen, aus welchen Verwindungen sich manche herauskämpfen müssen, das wiederum ihre soziale Abgeschiedenheit und Andersartigkeit erläutert und damit einen Reigen zur humanistischen Verständigung anführt, die ich in diesem Ausmaß noch nicht erlebt habe: Ohne Moralfinger, ohne Predigten und den ganzen Schwachsinn einen Film über so ein wichtiges Thema zu drehen, der diese Reaktionen beim Zuschauer auslöst: Her damit!
Und nicht zuletzt: Wahre Geschichte! Und zwar so wahr, dass er in Amerika drüben so extrem viel bewirkt hat, dass sich jemand sogar auf die Beine gemacht und das Ding verfilmt hat – es ist also etwas dran. Dies sieht man auch am Nachspann – und darum bleibt mir nur zu sagen:
 

.kinoticket-Empfehlung: Vergesst die verdammten Kritiker und setzt euch auf eure vier Buchstaben und zwar genau in diesen Film!
Eine wichtigere Botschaft gibt es an Weihnachten nicht – und das Geplörre von irgendwelchen Schrullen, die einem erzählen wollen, dass das hier schmalzt oder nervt, darf man sich gerne wohin stecken.
Dies ist ungelogen menschlich gesehen einer der besten Filme, die ich seit langem gesehen habe!

 
Nachspann
dringend sitzen bleiben, denn hier sieht man, dass das nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern tatsächlich wahr ist. Sehr wertvoll!
Kinostart: 30. November 2017

Simpel

Wenn man nüchtern auf die Sache blickt, ist es eigentlich nur ein storyschwacher Plot aus deutscher Produktion, die sowieso nicht so wirklich mit etwas auftrumpfen kann. Frage: Wieso kam der Film dann bei den Sneakern so hervorragend an und wurde vorwiegend positiv bewertet?
Weil darin doch etwas steckt, dass so einfach in Worte zu fassen nicht möglich ist. Und damit meine ich nicht mal unbedingt das Schauspiel von Frederick Lau oder Emilia Schüle – wenn davon einer lobend erwähnt werden sollte, dann David Kross, dessen Mimik und Gestik in diesem Werk tatsächlich an Höchstleistungen grenzt, die so durchzuhalten sicher nicht einfach waren.
Ebenfalls lobend erwähnen muss man die Intention des Films, der sich wieder um ein unbekanntes Bild kümmert und es in die Redseligkeit seiner Nation pflanzt, um auch hier wieder unterschwellige Bildung zu leisten, die ich TV und anderen Medien schon länger abgesprochen habe und seit jeher eher auf dem Big Screen suche.
Und finde. Simpel ist nämlich ein herausragendes Beispiel für hochwertiges Kino mit Prädikat besonders wertvoll-Qualitäten, die man durch zahlreiche Besuche in den Sälen belohnen sollte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Großartige Schauspielleistung von David Kross in einem Film, der sowohl unterhält, als auch seinen Beitrag zur Bildung und Kenntnisnahme leistet.
Zwar sind die Elemente durch und durch deutsch und sondern sich damit auch nicht von anderen (schlechten) Produktionen ab, dennoch hat der Film das gewisse Etwas, um seine Zuschauerschaft zu begeistern und sich damit vom restlichen Sud unserer Movieversuche abzusondern und dennoch als sehenswert abgestempelt zu werden.

 
Nachspann
braucht man nicht auszusitzen, diese Anstrengungen werden auch hier wieder mal nicht belohnt.
Kinostart: 9. November 2017

Unter deutschen Betten

Soll ich an dieser Stelle auch mal mit “Untertiteln” anfangen und über meine Kritik “Eine Abrechnung” schreiben?
Denn genau das ist es, woran der Film meiner Meinung nach tierisch krankt: Er schürt beim Zuschauer durch diesen blöden Untertitel immens falsche Erwartungen, was in derber Enttäuschung mündet, da genau diese absolut nicht geliefert werden.
Ich weiß natürlich nicht, wie andere das sehen oder auffassen, ich kann da nur von mir ausgehen – als jemand, der das Buch nicht gelesen hat (aber jetzt gerne lesen würde), hätte ich erwartet, dass eben genau das im Film gezeigt und inszeniert wird, was der Untertitel verspricht: Eine Putzfrau packt aus.
Dass im Bezug auf “Unter deutschen Betten” dann eben sehr pikante Details über das Privatleben “echter” Bürger offenbart werden, was wiederum eine interessante Fallstudie zum Thema Öffentlichkeitserscheinung vs. reale Tatsachen darstellen würde – und so etwas interessiert mich brennend! Ein Blick hinter die Kulissen der Fassaden, mit denen fast jeder auf der Straße rumrennt und die von jemandem widerlegt werden, der genau hinter diesen Kulissen arbeitet.
Und da ist der Film auf ganzer Linie enttäuschend: Man könnte fast meinen, er ist eine Art “Rahmenhandlung”, wie es überhaupt zu dem Buch gekommen ist, der dabei wieder auf völlig andere Augenmerke wert legt und sich um den eigentlichen Inhalt einen Dreck schert. Und dabei aber immer mit dem nicht einsehbaren Werk vor den Augen der Zuschauer rum wedelt, der es kaum erwarten kann, doch endlich etwas präsentiert zu bekommen … und dann wohl oder übel auf den zusätzlichen Kauf des Buches angewiesen ist. Marketingstrategisch auf jeden Fall wiederum ein sehr kluger Schachzug, der allerdings auf dem Rücken des Kunden ausgetragen wird.
Kommen wir dann zum Film ohne diesen Untertitel, bleibt ein weiteres Werk, dass zwar bei Weitem nicht an die unterirdische “Größe” von High Society heranreicht, jedoch die gleiche Klientel zum Thema hat und daher bei mir etwas bitter aufstößt.
Ja, ich weiß, wie es ist, wenn man Geld hat – ich weiß aber auch, wie es ist, wenn man mit 10 Pfennig (umgerechnet 5 Cent) im Monat (!) klar kommen muss und 2 ½ Jahre auf eine Dose Pringles sparen müsste und daher seine ganze Kindheit über nie eine zu essen bekommen hat.
Und genau aus dem Grund halte ich es für falsch, mit Besitz und Reichtum hausieren zu gehen und diese blöde öffentliche Zurschaustellung zu zelebrieren, während woanders Leute um ihr Leben kämpfen. Und die peinlichen “Von oben herab”-Spendengalas sind einfach nur bitter und lächerlich, weil sie den Leuten vielleicht Geld vermachen, jedoch keine Wertschätzung und Anerkennung liefern – und genau das hätten die Ärmsten der Armen aber verdient.
Dass hier dann die Chance mal genutzt wird und diese Scherenstellung der Gesellschaft auseinandergepflückt wird, ist zwar tendenziell zu erkennen, mündet für mich aber auch nicht in der bleibenden Moral, die ich dabei hintenan gestellt hätte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich widersprechen sich Untertitel und Inhalt des Films, was in meinem Fall zu einer herben Enttäuschung mutierte, statt zu vergnügter Offenbarung der Fälle hinter den Kulissen unseres Lebens.
Die teils ausbleibenden Lacher im Kino zeugen davon, dass es anderen ebenfalls so geht und auch mit einer Ansammlung nationaler Stars dabei kein großer Hit gelandet wurde, sondern allenfalls eine Nebensächlichkeit.
Man könnte den Film quasi als Rahmenhandlung zum Buch sehen – und sollte spätestens danach zur Lektüre greifen, damit sich der Untertitel auch noch erfüllt.

 
Nachspann
braucht man nicht abwarten – gebt den Saal zum Reinigen frei ^^.
Kinostart: 5. Oktober 2017

Victoria & Abdul

Es gibt zwei Fakten über Judi Dench:
Erstens: Wir alle lieben sie seit spätestens ihrer legendären Rolle als M in den James Bond-Filmen.
Und zweitens: Sie kann verdammtnochmal schauspielern!
Und da ist Victoria & Abdul keine Ausnahme. Was sie hier raushaut, ist grandios. Begleitet von Ali Fazal, der mir persönlich nichts sagt, mich jedoch angesichts des unglaublichen Drehbuchs und der wahren Geschichte dahinter von Anfang an sofort begeistert hat.
Ja, die übliche “has been dramatized for purposes”-Meldung stand auch in diesem Film wieder im Abspann. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass man eben jene Tagebücher 2010 gefunden hat und nun mit Victoria & Abdul eine schier unfassbare Story hinter den Kulissen des britischen Empire der breiten Öffentlichkeit zugänglich macht – und das auf eine höchst unterhaltsame und extrem berührende Weise.
Der ganze Film ist teilweise so unfassbar, dass man glaubt, man würde hier verarscht und es würden einem irgendwelche Ammenmärchen vorgesetzt, die einfach nur gut schmecken sollen, weil es sich im Kino halt gerade deshalb anbietet. Sobald man aber etwas Recherche betreibt, stellt man schnell fest, dass jene Personen tatsächlich existiert haben und hier im großen Ganzen tatsächlich all das so geschehen ist – was die Sache als solches einerseits mega interessant für einen Film macht und andererseits dafür sorgt, dass man vor lauter Staunen oft den Mund nicht mehr zukriegt.
Wo auch immer der Streifen gezeigt werden wird: Sichert euch .kinotickets und besucht eines der Lichtspielhäuser, ihr werdet garantiert einen emotionsreichen Abend erleben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Dinge sind manchmal echt unfassbar und dennoch tatsächlich passiert, was Victoria & Abdul zu einer unglaublichen Geschichte macht, die man unbedingt gesehen haben sollte.
Dank unserer schnelllebigen Zeit bietet es sich daher an, diese Story in einem Kino und nicht im TV zu konsumieren, da man sich hier noch vollständig auf den Film einlassen kann und ziemlich störungsfrei verfolgen, was sich vor vielen Jahren so ereignet hat.
Definitiv eine Perle des Kinos, die sowohl Lachsalven als auch zutiefst empfundenes Mitleid in einem Werk vereint.

 
Nachspann
Mitnehmen – ist ziemlich wichtig und haut nochmal einen oben drauf.
Kinostart: 28. September 2017

Bullyparade – Der Film

Michael Bully Herbig gehört in Deutschland zu einem der ganz großen – zumindest, was meinen Geschmack und meinen Humor angeht. Seine berühmte Bullyparade war damals Aushängeschild im TV und hat eine ganze Generation begeistert.
Nachdem Stück für Stück all jene abgetreten sind, die man als Herangewachsener heute aus seiner Kindheit schmerzlich vermisst, landet nun endlich ein Meilenstein deutscher TV-Geschichte auf der großen Leinwand und bietet somit allen Fans die Chance, ihre Lieblinge nochmal auf dem Screen bewundern zu dürfen.
Und die Show lohnt sich! Die Dichte der Gags, die gewohnt übliche, durchgeknallte Form humoristischer Überlegenheit, der “alte Charme” – all das ist wieder da und besticht mit wahnsinniger Freude die Fans und das Publikum. Es fühlt sich an, als wäre die Bullyparade in seiner Gänze auf einen Kinofilm projiziert worden und man hätte einfach nur die Werbepausen von damals ausgelassen und stattdessen mit noch mehr Gags gefüllt.
Der Saal war jedenfalls am Brüllen vor Lachen und der Film erhielt bereits weit vor Kinostart schon standing ovations vom Publikum, die – zumindest meinen Interviews nach – alle sofort nochmal reingegangen wären.
Auch ich werde mir jetzt ein finales Bild dieses Films geben und die Chance nutzen, wieder und wieder reinzugehen, sofern es die Zeit zulässt, denn hier hat man endlich wieder einen deutschen Großmeister, der sein Handwerk wirklich versteht und dem nichts zu schade ist, um es in den Dreck zu ziehen, so dass eine ganze Nation sich darüber herrlich amüsieren kann.
Mehr davon!!!
 

.kinoticket-Empfehlung: Ganz groß!
Nehmt euch die 14-Uhr-Vorstellungen vor, dann habt ihr direkt im Anschluss die Chance, gleich nochmal reinzurennen, denn ihr werdet sie brauchen.
Die Gagdichte ist überragend, die Jokes überzeugen, die Schauspieler können’s einfach und die deutsche Doofheit hat Zutrittsverbot. Mehr davon!

 
Nachspann
Es ist Bully: Sitzenbleiben! Schon in der TV-Show gab es damals immer Outtakes und dieser Marotte ist man sich beim Kinofilm genauso treu geblieben!
Kinostart: 17. August 2017

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