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wenn aus filmen leidenschaft wird

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Käpt'n Sharky

Endlich mal wieder etwas völlig neues! Packt eure Kinder ein, löst eure .kinotickets und entert die Säle für Käpt’n Sharky – ein Animationsfilm, der mit vielen Pluspunkten aufwartet, die man sich in heutiger Zeit kaum vorzustellen wähnte.
Zum einen fängt’s gleich mal mit der Animationsweise an: Selbst als Erwachsener fühlt man sich nostalgisch an seine Kindheit im Adventure-Game-Fieber zurückerinnert und genießt diese Optik, die im Kino natürlich gigantisch rüberkommt: Stellt euch einfach vor, ihr würdet Gameboy spielen und euer Display wäre das Kinoleinwand-Monstrum vor euch: Hammer!
Was mich gleich dazu bringt: Wieso gibt es davon keine Spiele? Allein diese Optik wäre es wert, dass ich mein Portmonee zücken und mir sowohl Konsole als auch Game kaufen würde, denn die macht unglaublich viel Laune!
Dann: Die Story. Klar, Zielgruppe sind hier die ganz kleinen, was aber absolut kein Problem darstellt, weil die Erwachsenen ebenfalls von den lieblichen Figürchen begeistert sein können, die mal nicht in Bosheit ertrinken, sondern durch intelligente Eloquenz und putzige Schnuffigkeit überzeugen. Man lacht, man fiebert mit und man feiert die Einfälle, die sich die Macher hier überlegt haben.
Dass es von den Charakteren bereits mehr als 3,7 Millionen verkaufte Bücher, 11 Hörbücher in 18 Sprachen, Rätselhefte, Malbücher und alles von der Augenklappe bis zum Badetier gibt, ändert nichts daran, dass man die digitale Welt ebenfalls erobern sollte – erstmal mit dem Gang in den Film, um den Machern zu zeigen: Ja, es ist geil! Und wir wollen davon mehr – und dann, um die Story voranzutreiben und mehr Teile davon geliefert zu kriegen: Sollten die Familien sich nämlich wieder bewusst dazu entscheiden, Kino in ihre Freizeitplanung zu integrieren und hier Interesse zeigen, haben wir das “Go” für weitere Teile von den Producern bereits in der Tasche.
Also – let’s go!
 

.kinoticket-Empfehlung: Geniale Optik, die an nostalgische 2D-Adventures erinnert und im Kino abartig viel Spaß macht!
Neben weiteren Filmteilen wünsche ich mir persönlich sofort ein Konsolengame dazu und rate euch allen, diese Vorstellung zu besuchen, auch wenn’s kindisch klingt: Die Figürchen sind niedlich, die Story süß und das Erlebnis alles in allem irgendwie knuffig und herzallerliebst. Geht also rein und belebt so die familiäre Freizeitgestaltung wieder durch das Event “Kino”. Bei “Erfolg” haben uns die Macher bereits Fortsetzungen versprochen.

 
Nachspann
❌ hält keine weiteren Gimmicks parat, rausgehen erlaubt.
Kinostart: 30. August 2018

Forever My Girl

Buchverfilmung: 98% derer, die das Originalwerk gelesen haben, fühlen sich also schon mal angepisst. Ich lese nichts, von dem ich glaube, dass es verfilmt werden könnte, um mir den Filmspaß nicht zu verderben, ergo hatte man mich spätestens nach 3 Minuten und dem ersten Song.
Ja, ich hab eine Schwäche für American Country Music und kann mich an unzählige Nächte erinnern, in denen ich eben jenen Klängen gelauscht habe und meine eigenen Vorstellungen davon hatte.
Und yes, die Umsetzung davon ist dermaßen bombastisch, dass einfach jeder davon begeistert sein muss – einfach, weil im Film dazu alles passt! Farben, Klänge, Publikum, Sound, Kamera, Technik im Hintergrund, Abmischung: Die Songs sind dermaßen geil, dass sie den Film fast allein schon retten.
Gleiches gilt für die Technisierung rund um den Film: Die Crew im Hintergrund hat großartige Arbeit geleistet – und zwar bis in die kleinsten Ecken: Selbst die Casting-Geschichte, die sich über Wochen hinzog, weil man tatsächlich sehr anspruchsvoll auswählen musste, hat hier erstklassige Arbeit geleistet und Leute auf die Bühne geholt, die man von außen vielleicht nicht gleich kennt, die aber in meinen Augen perfekt ausgewählt wurden, um ihren Rollen im Film zu entsprechen.
Mankos? Die Inhalte. Man mag sich über die Moral solcher Filme streiten und ich mag sie aufgrund meiner Spoilerfreiheit jetzt hier auch nicht einzeln zerpflücken und aufschlüsseln .. und meinetwegen, es ist okay, wenn man derart in eine Geschichte packen will und die Leute dazu “bekehren”, auch wenn alles in Love-Liebe und Schnulze ertrinkt.
(P.S: Don’t forget the songs: Die retten wirklich alles!!!)
Die Handlung an sich (Buchvorlage => Gebt also der Autorin die Schuld) ist allerdings derartig kitschig und unglaubwürdig, dass ich sehr gut verstehen kann, wenn dieser Film gemischte Kritiken vom Publikum erntet: Und die fielen in der Sneak Preview tatsächlich super ausgewogen aus – zu etwa gleichen Teilen gut / mittel / schlecht, was meiner Meinung nach absolut zu diesem Film passt, je nach Gewichtungsgrundlage.
Mein Kinobuddy meinte noch: “Warum verschleudert man so viel großartiges Potenzial an so einen mistigen Plot?” – und damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Wer sich wieder einmal richtig in einen Milchbubi verschießen will, oder die weibliche Riege voll auskosten, wer auf gemütlichen Südstaaten-Flair steht oder in Musikwelten abtauchen möchte ohne dabei den trockenen Knuspermüsli-Effekt einer Dokumentation ertragen zu müssen, wer abartig geile Songs genießen und in den erstklassigen Kinoboxen zum Besten gegeben haben möchte, der darf in den Film – und wird ihn lieben.
Wem’s um Story geht und wer da ein paar Ansprüche erhebt, wird gnadenlos enttäuscht und wer beides zu gleichen Teilen wertet, wählt am Ende eben “mittel”.
Ich bin gespannt, was ihr zu dem Titel sagen werdet, ich werde (ob der grandiosen Musik!!!) wohl noch einmal reingehen und mir die Show erneut antun … denn davon hätte ich gern unsäglich viel mehr!
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Musik!!! So etwas großartiges, mitreißendes und absolut exzellent ausgeführtes gehört durch ein Kinobesuch belohnt!
Der Rest vom Film stimmt auch absolut, bis auf den tragenden Teil der Geschichte: Der ertrinkt im süffisanten Südstaaten-Heimatschmonzetten-Kleinbürgertum und kann von Plotversessenen wohl kaum wegignoriert werden.
Wer sich jedoch dafür entscheidet, den Film zu sehen, der sollte es solange tun, solange er im Kino läuft, danach ist auch der absolut rettende Teil der Musik “im Arsch”. Also sagt ja und geht ins Kino, oder lasst es ganz bleiben.

 
Nachspann
❌ abwarten lohnt nicht, man darf gerne rausspazieren.
Kinostart: 16. August 2018

Mamma Mia! – Here we go again

Es ist 10 Jahre her, dass Mamma Mia! weltweit 600 Millionen Dollar eingespielt hat und es ist keine Frage der Ehre, diesen Zug in unserer kapitalistisch veranlagten Welt erneut auszuspielen, auch wenn nur die Hälfte dabei rauskommen sollte.
Hollywood ist sowieso bekannt dafür, einmal funktionierendes so lange wieder neu aufzuwärmen, bis sich daraus wirklich kein einziger Cent mehr melken lässt. An wem ist dieser Film damals denn bitteschön nicht vorbei geschlittert? Es war also irgendwo klar, dass eines Tages die Fortsetzung serviert werden dürfte und – (da fangen jetzt die positiven Nachrichten an) – 10 Jahre sind mehr als genug Zeit, um ein vernünftiges Konzept auf die Füße zu stellen und nicht einfach nur lahmarschiges Wiederkäuen zu aktivieren.
An diese Mammutaufgabe hat sich Regisseur Ol Parker gewagt und alte Gefühle wieder neu aktiviert. Es ist nicht zu viel verraten, wenn ich ABBA ins Spiel bringe und es ist auch bekannt, dass es zweite Teile immer immens schwer haben. Im Suhl der derzeitigen .trailer-Landschaft sieht es auch höchst komisch aus, wenn auf einmal irgendwelche Figuren über die Leinwand tanzen und diese doch recht seltsam anmutende Vorschau mit dem im Vergleich merkwürdigen Film das Sommerevent des Jahres ankündigen will.
Man bleibe skeptisch. Als Laie ist bekannt, dass die immer gleichen Geschichten wieder und wieder auf den Opernbällen und Theaterbühnen erzählt werden und es niemals niemals niemals neuen Stoff geben darf, weil sonst die immer schon so seiende Bühnenlandschaft irre in sich zusammenbrechen würde und die Leute wohl auch heute in Theatern immer noch das gleiche sehen wollen.
Genau wie Grimm’s Märchen. Die gibt es – und da werden niemals neue erzählt, sondern die Klassiker wieder und wieder ausgepackt. Neu interpretiert, aber behüt’ euch Gott, wenn man dazu neuen Stoff gesellt.
Und nun ratet, was ich von Mamma Mia! – Here we go again gedacht habe. 😉
Ich meine: Allein der Titel ist schon langweilig und prophezeit einem ja förmlich, dass es quasi nur warmen Babybrei geben wird und das genussgeballte Spanferkel schon von vornherein von der Speisekarte gestrichen ist.
PUSTEKUCHEN!
 
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Das Teil ist dermaßen geil und großartig geworden, dass ich dem Film wünsche, die 600 Millionen Dollar zu knacken und die Macher zu inspirieren, in vielleicht 8 Jahren dann den dritten Wurf zu präsentieren!
Es ist absolutely amazing, was einem da von der Leinwand in die Seele springt und die Gefühle vom Hocker reißt! Die Farbenfreude, das Summer-Feeling, die hoch angesiedelte Emotionalität und die Idee, mit der man hier eine absolut bekannte und zigtausendmal durchgekaute Geschichte so verblüffend neu und einzigartig erzählt, ist unglaublich!
Wer meine Disney-Ausführungen verfolgt hat, der weiß, wieviel ich für “Singfilme” übrig habe und wer schon etwas länger mitliest, weiß auch, dass ich einige Male prophezeit habe, dass in Zukunft immer mehr Werke in die Lichtspielhäuser gezerrt werden, die neue Zuschauer anwerben und ihnen Opern und Theater schmackhaft machen sollen. Initiative “Bekehrt den Bürger fürs Theater” ist also auf vollen Touren und Mamma Mia! – Here we go again spielt da kein einziges Stück mit rein und teilt sich den Kuchen, sondern basht einfach mit unfassbarer Positivität und tatsächlichen Sommergefühlen vor den Latz, dass einem Hören und Sehen vergeht.
Dieses Ding ist so wunderbar ausgeglichen und austariert, dass eben nicht nur die üblichen Schmonzetten und Evergreens präsentiert werden, sondern man hat eine hervorragende Auswahl an Songs getroffen, bringt diese (besser als auf der Bühne?) in den Storyfluss ein und interpretiert da drumherum ein Stück, dass eine mögliche Entstehung der Geschichte des ersten Teils erklären könnte.
 


 
Nichts wurde aufgewärmt, sondern man liefert Frischfleisch und junges Gemüse und distanziert sich damit hintergründig auch von “Die jungen Schauspieler können allesamt nichts mehr, sondern nur noch doofen CGI-Kram” und setzt selbst hinter den Kulissen damit Maßstäbe und Statements, die mehr als begrüßenswert für die Kinolandschaft sind.
Wer hier am Schluss keine gute Laune hat, dem ist leider nicht zu helfen. Und das, was einem geboten wird, zieht in seinen Bann, Opernlover ja oder nein – es ist wurscht, ob man sich damit auskennt, Teil 1 vielleicht sogar noch nicht gesehen hat oder in seinem Leben noch nie etwas von Mamma Mia! gehört hat (gibt’s da jemand?) – diese Fortsetzung zählt, ich möchte fast schon sagen “erstmalig”, zu den Sequels, die das Level ihres Vorgängers überragen und sich absolut nicht anmerken lassen, dass es hier “nur weiter geht”.
Es ist ein gigantisches Spektakel, dass sich niemand – und ich meine wirklich niemand – auf der großen Leinwand entgehen lassen soll, und danach – so beweisen es die Bilder im Beitrag – darf man sich dann in die Theater verziehen und dort das passende Bühnenstück bewundern, von dessen Münchner Darstellerinnen und Pianisten wir in der Pressepreview eine exklusive Überraschungsvorstellung genießen durften.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich halte nichts von Hypes und es ist daher um so verwunderlicher, dass ich auf diesen Faszinationszug aufspringe und begeistert bin von dem, was uns da auf der Leinwand geboten wird: Eine absolut neu aufgesetzte, durchkuratierte und ästhetisch himmlische Darbietung, die alles andere seinerzeit mit Leichtigkeit in den Schatten stellt.
Wenn man vorher kein ABBA-Fan war: Danach ist man es. Und das liegt sehr daran, dass eben nicht nur Dauerbrenner, sondern gerade die “liegengelassenen” Titel großartig vorgetragen und in Szene gesetzt werden, so dass man am Schluss total beflügelt und vor positiver Energie sprühend ins Leben entlassen wird.
Wer jemals eine Glücksdroge ohne Nebenwirkungen haben wollte: Hier ist sie! Stürmt die Säle und lasst euch dauerhaft davon begeistern und verzaubern – es lohnt sich!

 
Nachspann
✅ Abwarten! Den kriegt man quasi gar nicht mit, weil das, was in einem Nachspann normalerweise gezeigt wird, vollkommen untergeht … und tut euch selbst den Gefallen und geht nicht, bevor der letzte Vorhang fällt: Es kommt nämlich noch was. Und zwar ganz zum Schluss!
Kinostart: 19. Juli 2018

Augenblicke: Gesichter einer Reise

Nouvelle-Vague-Regie-Ikone Agnès Varda und Streetart Künstler JR haben sich zusammengetan und eine Reise angetreten, in der es um die sinnlichen, herzergreifenden und seelisch intimen Momente von Menschen aller Art geht. Dieser Film ist eine Perle – eine Augenweide für die Seele und das Herz. Er erweicht jeden noch so knochenharten Betonbrecher und öffnet das zärtlichste aller Organe ganz wie von selbst.
Dass ich als Kamerabenutzer etwas für Fotografie übrig habe, ist offensichtlich. Dass ich mich für Kunst und geistreiche Kreativität begeistere, hat man wohl auch schon aus dem ein oder anderen Beitrag herausgelesen. Mich hat Augenblicke: Gesichter einer Reise voll erwischt! Dieses Projekt ist der reine Wahnsinn und es wurde zurecht auf den wichtigsten Verleihungen als beste Dokumentation nominiert und sogar mit Preisen ausgezeichnet!
Das, was die zwei hier angehen, einfach anzusehen ist schon absolut ergreifend. Diese Reise als Zuschauer mit anzutreten und in die geheimen Höhlen menschlicher Existenz vorzukrabbeln um darin die pure Schönheit zu entdecken, ist ein wahres Juwel, dass dieses Werk jedem Zuschauer einfach so in die Hände legt. Die Künstler verstehen ihr Handwerk bestens und es ist faszinierend, bewegend und überwältigend zugleich.
Auch Kunstbanausen und solche, die mit “Art” und “französischen Begriffen” absolut nichts anfangen können, holt der Film an ihrem Standpunkt ab und vermittelt ihnen etwas, dass wirklich jeder versteht und an dessen Ergebnissen sich tatsächlich jeder erfreuen kann. Es gibt also keine Ausreden, die Freundin nicht zu begleiten.
Diese Vielfalt, die Schlupflöcher in die Gefühlswelt der Menschen und die selbst auferlegten Regeln der zwei sind wunderbar und schöpfen hier das wahre Ich aus jedem einzelnen der Protagonisten.
Zu erleben, wie Menschen mit eigentlich einfachsten Mitteln die besten Seiten aus ihren Mitmenschen heraus kitzeln, sollte jedem ein .kinoticket wert sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Selten habe ich etwas so wunderschönes und einfühlsames gesehen, wie das hier: Kunst, Ästhetik und Schönheit auf den Punkt gebracht und zur Vollkommenheit geführt.
Zwei großartige Menschen haben sich auf den Weg gemacht und aus der Welt etwas geholt, um es in dieser großartigen Dokumentation jenem Planeten zurückzugeben und zu zeigen, dass die Menschheit manchmal eben doch ganz anders ist. Man muss einfach nur hinschauen … und hier und da ein wenig zuhören.

 
Nachspann
✅ Sollte man mitnehmen, es hört erst auf, wenn’s wirklich alle ist 😉
Kinostart: 31. Mai 2018

Early Man – Steinzeit bereit

Wer kennt sie nicht – die herrlichen Knet-Figürchen aus Wallace & Gromit, Shaun, das Schaf und Chicken Run: Mit seiner Erfindung begeistert Nick Park seit jeher Groß und Klein und sorgt sowohl im Fernsehen, als auch im Kino und Heimkino zumeist bei Kindern für jede Menge Vergnügen.
Mit Early Man – Steinzeit bereit katapultiert er die Story zurück an die Anfänge der Menschheit und erzählt einmal mehr eine absolut familientaugliche Geschichte in wahrlich süßer Stop-Motion-Knet-Animationstechnik. Diesmal wurden wahre Geschütze aufgefahren, denn die Produktion stand vor vollständig neuen Herausforderungen, die man händisch im Studio niemals hätte herstellen können, weshalb er eine seiner Grundsätze brach und doch auf CGI zurückgreifen musste, da sonst das komplette Produktionsstudio vom Platz her nicht ausgereicht hätte, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden.
Nun kann man meinen, dass alles immer schlechter wird und auch mir haben die teils animierten Züge des Films nicht besonders gut gefallen, da man halt einfach spürt, dass CGI eingesetzt wurde und somit ein Stück Echtheit eingebüßt wird. Man kann sich heute vortrefflich darüber streiten: Ich finde, wir sind in einem Zeitalter angelangt, wo es den Zuschauer wieder mehr nach echten Darstellungen dürstet und er auch bereit ist, auf die ein oder andere Superlative zu verzichten, wenn dabei die Seele eines Films nicht verraten wird.
All dies ändert jedoch nichts daran, dass man während der Vorstellung durchaus seinen Spaß haben kann und mit dem üblichen Aardman-Humor von der Leinwand herab versorgt wird. Die Story ist spannend, die Showeinlagen gelungen, die Gags ausgewählt und nur hin und wieder hat man ein paar Längen, die aber innerhalb der kurzen Laufzeit kaum auffallen.
Ob sich der Film nun als Quotenbringer in einer FSK 18 – Sneak Preview eignet oder nicht, sei dahingestellt: Mit dem richtigen Publikum am Sonntag Morgen jedoch in meinen Augen die definitiv richtige Wahl für gute Unterhaltung.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die Welt von Wallace & Gromit erlebt ihre Anfänge und wird durch CGI erweitert: Was des einen Lust, ist des anderen Frust – der Plot funktioniert aber und die Zuschauer haben ihren Spaß.
Man sollte wissen, worauf man sich einlässt und keinem ausschließlichen Erwachsenenpublikum diesen Streifen vorsetzen, obwohl es auch in diesen Jahrgängen genügend Leute gibt, die diese Art Film schätzen und lieben und dabei garantiert ihre Freude haben.

 
Nachspann
enthält noch ein paar animierte Gimmicks, muss deshalb jetzt aber nicht bis zum Schluss ausgesessen werden.
Kinostart: 26. April 2018

Im Zweifel glücklich

Ben Stiller – früher eher als Comedy-Krawalltante bekannt – übt sich seit neuestem ja in ernsthafterem Kino und hat bereits in dem wunderbaren Das erstaunliche Leben des Walter Mitty bewiesen, dass er auch ernsthaftere Kost glaubhaft und wohldosiert rüberbringen kann.
An der Seite seiner Schauspielkollegen brilliert er einmal mehr in einem Stück, dass sich essentielle Fragen des Lebens zu Gemüte führt und sie in einem fantastischen Tanz erörtert, der zu einem grandiosen Finale führt.
Dabei irrt er nicht mehr auf alten Pfaden und versucht, durch halbherzig komödiantische Einlagen das Publikum für sich zu gewinnen (oder nicht ganz so arg zu verärgern), sondern seine zweifelhafte Stimmung und die permanent kippende Laune ist begleitet von einer fast legendär-empathischen Erfahrung, auf die man sich als Zuschauer einfach einlassen muss – auch wenn es gefühlsmäßig manchmal echt schwer ist.
Doch der harte Kampf lohnt, bis zum bitteren Ende ausgefochten zu werden – denn dieses Finale ist einfach traumhaft in herrliche Szenen eingepackt und geleitet den Zuschauer in wohlige Wärme gebettet wieder durchs Foyer in die eiskalte Welt hinaus.
Dass diese Erkenntnis so manchem morgens aufs Smartphone gebrannt werden müsste, damit der- bzw. diejenige endlich begreift, dass vieles im Leben so viel einfacher wäre, wenn man die Prozedur Stillers gedanklich bis zum Ende durchläuft und sie auf sein eigenes Leben projiziert, bezeugt, dass genau dieser Film eine Wahrheit birgt, die sofort von euch entdeckt werden sollte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Also fackelt nicht lange, organisiert euch .kinotickets und belebt die dunklen Gemächer des Lichts – hier gibt es etwas zu lernen und obendrauf noch eine Frischzellenkur für Geist und Herz – die Investition zahlt sich in jedem Fall aus.
Ben Stiller ist großartig und seine Mitprotagonisten vervollkommnen ein Gesamtprojekt, dass den Gang auf für Kinomuffel endlich wieder einmal begründbar macht.

 
Nachspann
Bleibt sitzen, er ist großartig!
Kinostart: 29. März 2018

Bamse – Der liebste und stärkste Bär der Welt

Kürzlich habe ich mich mit meiner Schwester über Peru unterhalten, ein Land, das noch nicht so zivilisiert und modernisiert ist, wie Deutschland. Es ging um gesellschaftliche Gepflogenheiten, Kulturbräuche, Umstände und Situationen aus dem alltäglichen Leben.
Sie war völlig entgeistert, mit welcher Geschwindigkeit und welchem Irrsinn wir uns hier in Deutschland mittlerweile rumärgern müssen und hat mir von Zeit haben berichtet: Menschen, die am Straßenrand sitzen und einfach mal nichts tun und die Welt sich dabei trotzdem weiter dreht.
Bei diesem Gespräch kam ich nicht umhin, in mir ein wenig Neid auf die Einfachheit und Simplizität zu entdecken, mit der dieses arme und durchaus ebenfalls mit Problemen geplagte Land gesegnet ist. Am Heiligabend kommen viele Familien einfach im Dorf zusammen, bringen gerichtete Backbleche mit Truthahn und anderen Speisen darauf mit, geben diese beim öffentlichen Lehmofen ab und werden dann nach wenigen Stunden informiert, sobald sie diese wieder abholen können. Erst dann zahlt man für diesen Service, der dort üblich ist, da viele Leute keine Öfen in ihren Häusern haben und zudem Truthahn in einem Lehmofen zubereitet wesentlich besser schmeckt als mit einem Elektroherd zu Hause – sofern denn Strom da ist.
So kann es also passieren, dass in einem riesigen Ofen, der eigens dafür hergerichtet wurde, eben mal 20-24 Backbleche verschiedener Familien nebeneinander stehen, bei denen man nur den Namen gesagt hat und sonst nichts weiter. Diese unbürokratische Gemeinschaft und Unkompliziertheit wäre in Deutschland heutzutage fast undenkbar!
Warum ich das alles erzähle?
Sitzt man demnächst im Kino und schaut sich Bamse – Der liebste und stärkste Bär der Welt an, könnte in einem genau das gleiche Gefühl des in der Zeit Zurückgeworfenseins entstehen, denn man fühlt sich auf einmal, als wäre Disney noch an seinen Ursprüngen und würde erstklassige Familienunterhaltung liefern, nur eben in viel niedlicher.
Diese Figur wurde 1966 von Rune Andréasson erfunden und erfreut sich seitdem in Schweden höchster Beliebtheit. Mit seinen Anfängen im TV, später durch Comics in Wochenzeitungen und eigene Hefte ergänzt, eroberte der Bär mittlerweile seinen eigenen Freizeitpark und steht als unmissverständliches, kindgerechtes und vollkommen unverdorbenes Symbol für so ziemlich alles, das man als gut bezeichnen kann.
Dabei ist nicht nur die Geschichte für jedermann geeignet, sondern die Inhalte beschäftigen sich mit teils hochkomplexen politischen und gesellschaftsrelevanten Themen – aber dermaßen kindgerecht verarbeitet, dass selbst als Erwachsener oft vor Staunen der Mund offen bleibt.
Mittlerweile gibt es zwei Kinofilme, die in Schweden ca. 300.000 Zuschauer begeistert haben und damit verhältnismäßig mit Filmen wie Ice Age oder Ich – Einfach unverbesserlich im Kinderfilmsektor mitziehen. Dieser Erfolg ist Grund genug, den liebenswürdigen Bär nun auch nach Deutschland in die Kinos zu bringen und ich wünsche mir von Herzen, dass er hierzulande genauso die Herzen erobert, wie in unserem Nachbarland.
 

.kinoticket-Empfehlung: Zu recht mit dem Prädikat “besonders wertvoll” ausgezeichnet – Kindgerechte Unterhaltung mit absolut pädagogischem Mehrwert in einer optimistischen, lebensbejahenden und fast schon superheldenmäßigen Weise, die bislang beispiellos ist.
Die Welt des Bären versprüht familiären Charme, die Probleme sind brandaktuell und die Geschichte ist völlig frei von Boshaftigkeit und düsteren Elementen, so dass dieser Film tatsächlich für jeden geeignet ist.
Auch Erwachsene sollten sich von den moralischen Ansichten dieses Bären eine große Scheibe abschneiden.

 
Nachspann
Nicht gleich davon springen, hier kommt noch ein klein bisschen was.
Kinostart: 28. Dezember 2017

Coco – Lebendiger als das Leben (3D)

Man sagte mir, Coco sei der schönste Film des Jahres. Ich schau mir das Plakat an und sehe Disney und entwickle erstmal Abneigung. Abneigung wegen Geldgeilheit, die seit Jahren auf dem Rücken kleinerer Kinos ausgetragen wird.
Und ja, auch heute, wo ich mich auf Presseservern bewerbe, um Einlass an den Pforten der großen Verleihe bitte, um an Bildmaterial zu kommen und nicht einfach etwas aus dem Internet zusammenklaue, weil das nicht meine Art ist – nie meine Art war – auch da traue ich mich noch, gegen so einen großen Dino der Filmwelt aufzustehen und meinen Unmut über das Gebaren dieses Konzerns lautstark zu äußern.
Ich halte immer noch nichts von den kapitalistischen Riesen, die alle kleinen Verleihe der Reihe nach schlucken, nur um anschließend allein die Weltherrschaft an sich zu reißen und im Alleingang bestimmen zu können, wie diese Welt zu funktionieren hat.
Im Klartext: Alle Kinos drücken eine bestimmte Prozentzahl der Ticketeinnahmen an den Verleih ab. Demnach obliegt es jedem Kinobetreiber selbst, zu entscheiden, welche Filme gezeigt werden um dann aus den Ticketeinnahmen + Snackverkauf den Laden am Laufen zu halten. Glücksspiel quasi.
Konkurrenz wie Netflix, Amazon Prime oder Apple appellieren immer mehr an die Kundschaft, weniger ins Kino zu gehen und stattdessen lieber VOD zu nutzen, um die neuesten Blockbuster zu sichten, weswegen es kleinere Kinos sowieso schon schwer haben, Kundschaft an Land zu ziehen.
Daraus folgt, dass die Kinos entsprechend Programm bieten müssen, um auch weiterhin Leute anzulocken, die dann nicht nur Tickets kaufen, sondern auch im Kino verzehren, da sie sonst pleite gehen.
Tun sie das, ist das der Tod für Independent-Produktionen, die auch kleineren, mittelloseren Produzenten ermöglichen, Filme in die Lichtspielhäuser zu bringen um damit die kulturelle Vielfalt zu erhalten und nicht eines Tages nur noch massenproduzierten Einheitsbrei auf den Leinwänden zu sehen. Denn riesige Kinoketten und Multiplexkinos haben weniger Interesse daran, Nischenfilme zu zeigen, die sowieso nur wenig Kundschaft anlocken, aber viel mehr unterstützt und gezeigt werden sollten. Niemand wünscht sich Diktatur im Cinema – und genau darauf steuert man aber zu, wenn man den kleinen Kinos so hinter dem Rücken langsam den Saft abdreht.
Und in diesem Szenario kommt Disney und erhöht vorsichtshalber mal pauschal die Prozentpunkte bei den abzuführenden Abgaben, die die Kinos zu leisten haben so stark, dass kleinere Kinos nun Filme von Disney entweder pauschal aus dem Programm nehmen müssen, die Leute bleiben aus und Werbung für andere Angebote dieses Kinos laufen ins nichts… oder so dermaßen tief in die Taschen greifen, dass die restlichen Filme im Programm so starke Einnahmen generieren müssen, die dann den Verlust der Disney-Filme kompensieren.
Und so ein arschiger Schachzug von einem Unternehmen, dass einst für friedliche Familie, Zauber und Magie stand und einfach nur gute Laune vermittelt hat?
Dagegen mein entschiedenes Nein!
Warum will ich dann trotzdem auf den Presseserver von Disney?
Weil sie ihre Masche, die eigens erarbeiteten Erfolge im Zuge von Giga-Produktionen ohne Herz und Seele zu Grabe zu tragen, dadurch kompensieren, dass sie andere Unternehmen schlucken, die ihrerseits recht ansehnliche Gewinne einfahren. Dazu gehören die Marvel-Studios, dazu gehört Lucasfilm und eben auch die Pixar Animation Studios, deren Filme quasi ein Kinoerfolgsgarant sind.
Und letztere hatten hier die Federführung, weswegen dieser Film tatsächlich einer der schönsten des Jahres geworden ist, denn der Erfolg ist auch hier jede Minute spürbar.
Man sieht schon am Plakat die herrliche Farbenpracht und imposante Bildkraft, die sich nicht nur konsequent durch den immens langen Film schlängelt, sondern wie immer den Weg ins Herz des Kinozuschauers bahnt.
Und die Story ist diesmal so ergreifend, dass mich ein paar Journalisten tatsächlich gefragt haben, ob ich dieses Thema für Kinder nicht zu schwierig finde, da diese nach so einem Film ja eigentlich schwer depressiv wieder aus dem Kino gehen, weil die Situation einfach nur tief traurig ist.
Womöglich. Ich weiß es nicht. Ich finde eher, dass man sich dessen mal sehr lustig, liebevoll – aber auch lehrreich angenommen hat und hier auf spielerische Weise etwas sehr wertvolles vermittelt, dass sehr wohl nachdenklich macht, aber in sich trotzdem mit genügend Humor gespickt ist, der Kleinkindern viel eher im Gedächtnis hängen bleibt als die vergleichsweise komplexe Message, die meines Erachtens dann eher an die älteren der Familie appelliert. Hier würde ich also lieber auf “Das kapieren die eh noch nicht” setzen, als ein Verlangen nach höherer FSK laut werden zu lassen.
Fakt ist: Unterhaltung ist da – auf sehr hohem Niveau. Sehr liebevoll gestaltet, auf seine ganz eigene Art und Weise gemacht und durchaus ohne die Eskapaden benetzt, die man aus neueren Disney-Filmen so kennt. Also wirklich ein Werk, dass spüren lässt, dass hier Geld drin steckt aber gleichzeitig nicht den emotionalen Bezug zum Zuschauer verliert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Für Kinder, die hinterher auch Fragen stellen dürfen und bei denen man bereit ist, auch über gefährliche Themen in diesem Alter zu reden, definitiv ein sehenswerter Film, der auf allerhöchstem Niveau für Spaß und gute Unterhaltung, aber auch für Nachdenklichkeit und Tiefsinnigkeit sorgt.
Lasst euch vom .trailer nicht abschrecken, der Film ist viel viel besser und auch viel liebevoller, als es auf den ersten Moment den Eindruck macht.

 
Nachspann
darf man sich gerne anschauen, hier wird wieder grandios gesungen!
Kinostart: 30. November 2017

Paddington 2

Um mal eins vorweg zu nehmen: Es ist wurscht, ob man sich vorher den ersten Teil angesehen hat oder nicht – fest steht, dass man das spätestens nach dem zweiten dann definitiv nachholt.
Und wenn mich in Zukunft jemand fragt, ob es ein Beispiel dafür gibt, dass der Nachfolger mal besser war als der erste Film, dann werde ich sagen: Paddington 2.
Die Szenen sind – ganz anders als beim ersten Teil – sehr viel mehr aufgeladen mit Situationen, in denen du vor Lachen kaum noch kannst. Ich habe den Film bereits regulär im Kino erneut sichten können und wir waren nur 6 Leute im Saal und es hat sich angefühlt, als wäre das Kino halb voll, wenn man vom Lärm ausgeht, denn die Gäste beim Lachen verursacht haben!
Und davon ist einfach jeder betroffen – ob du willst, oder nicht. Ich würde fast behaupten, Paddington gibt da nur ansatzweise zu erkennen, worauf man sich im zweiten Teil dann einstellen muss und komme daher nicht umhin, euch allen wärmstens ans Herz zu legen:
 

.kinoticket-Empfehlung: Geht unbedingt mit jedem, den ihr finden könnt, in diesen Film, denn gerade jetzt gibt es genügend Gründe, wieso man einfach mal wieder unbeschwert und sorgenfrei lachen sollte.
So viel Liebe, Herzerwärmung, Kitschfreiheit, Freude und unbändigen Humor hab ich selbst in den neueren Minions-Filmen nicht finden können.
Ganz großartiges Kino, dass gerne weiter so machen darf!
Sicht-Pflicht!

 
Nachspann
nicht gleich raus rennen, hier gibt’s anfangs noch witzige Szenen.
Kinostart: 23. November 2017
 

Battle of the Sexes – Gegen jede Regel

Ein Schlagabtausch der besonderen Art zwischen Emma Stone und Steve Carell, der nicht nur ehrbare Zwecke verfolgt, sondern sogar geschichtlich belegt ist: Mit Battle of the Sexes wirft Twentieth Century Fox einen Film auf die Leinwand, der klare Stellungen bezieht und das ganze Wischi-Waschi beim Geschlechterwettkampf obsolet macht: Davon sollten sich viele Großveranstaltungen heute eine fette Scheibe abschneiden.
Wir alle haben eine Ära hinter uns, in der Meinungsdekadenz und prunkvolles Rumprotzen an der Tagesordnung stand. Werte, Rechte, Sinnhaftigkeit und andere Ehrbarkeiten sind längst in Vergessenheit geraten und machen Platz für Bosheit, Stupidität und jede Menge sinnfreies Gelaber von Menschen, die sich dabei auf ihre Meinungsäußerungsfreiheit stützen und selbst nicht mehr registrieren, dass das eigentlich alles nur noch Schwachsinn ist, der da aus ihren Mündern güllt.
Wie schön zu erleben, dass man sich dieser Krankheiten langsam wieder entledigt und zukünftigen Generationen erneut anständiges Verhalten beibringen will – indem man lebende Beispiele unserer Vergangenheit hervorzieht und ihre Ruhmestaten ausgiebig beleuchtet auf die Leinwand wirft.
Sich nicht auf das Niveau herabzulassen, sondern mit fairen Mitteln zu kämpfen auf einer Ebene, die nachahmenswert ist, lobe ich mir – und da erwecken diese Persönlichkeiten nicht nur eine vergangene Zeit wieder zum Leben, sondern entfachen hoffentlich vielfach den Wunsch nach einem gentlemanmäßigeren Verhalten.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sehenswerter Schlagabtausch, der die Diskussion um die Geschlechterverschiedenheiten nicht nur beendet, sondern auch beantwortet.
Stone und Carell gehen in ihren Rollen gänzlich auf und erbringen Vorbildverhalten für zukünftige Generationen.
Definitiv sehenswert.

 
Nachspann
sieht man die historischen Persönlichkeiten, die belegen, dass dies keine ausgedachten Fantasien sind, sondern echte Menschen, die gegen echte Ungerechtigkeiten gekämpft haben.
Kinostart: 23. November 2017

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