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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Freundin

High Society

Da hab ich das deutsche Kino kürzlich noch so überdramatisch gelobt für seine neue Richtung, die es jetzt lobenswerterweise geht und die auch beim Publikum wie mir absolut anschlägt, schon steht das nächste Negativbeispiel auf dem Plan, weswegen ich mir mit der Rezension zu diesem Titel auch ein wenig Zeit gelassen habe.
High Society steht wieder für deutsche Comedy, wie ich sie aus allen Poren verachte. Sorry, Leute: Das ist einfach nur ein billiger Griff ins Klo. Unwitzig, belanglos, langweilig. Einzig Jannis Niewöhner macht eine einigermaßen gute Figur und behält in seinem Part bei diesem Trauerspiel wenigstens noch ein wenig seine Würde, der Rest gehört für mich schon per se zur verachteten Spezies – nicht zuletzt, weil ich genau dieser “High Society” absolut nichts abgewinnen kann und es abscheulich finde, wie man hier beispielsweise mit dem Leid anderer umgeht und dazu meint, die Menschen “unterhalten” zu können auf Kosten solcher Menschen.
Den Darstellern gehört für diese Rolle allen mal mächtig der Arsch versohlt, um zu zeigen, dass so etwas absolut nicht unterstützt werden sollte, sondern man sich mit viel mehr Einfühlungsvermögen und Menschlichkeit solchen Thematiken widmen sollte. Denn die eigentliche Absicht, hier den Zwist darzustellen, die beide Klassen in der Gesellschaft spaltet, geht in der Lächerlichkeit der Darstellung komplett unter und darum versagt auch jedweder Versuch von Moral und Lehrreichtum in diesem Stück.
Und auch im restlichen Saalpublikum wurden eher Aufrufe wie “Oh mein Gott, nicht dein Ernst” laut statt dass die Szenen mit Lachern gefeiert wurden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ein armseliges Beispiel dafür, dass die Zeit für deutsche Komödien abgelaufen ist.
Die Zuschauer fanden’s nicht witzig, ich auch nicht und man fühlt sich peinlich beschämt, wenn man den Lifestyle und das Benehmen der High Society in diesem Film sieht und sich dazu so seine Gedanken macht.
Sorry, sowas geht absolut gar nicht!

 
Nachspann
beinhaltet keine weiteren Szenen, man darf also beim Abspann gleich nach draußen.
Kinostart: 14. September 2017

Rock My Heart

Woran denkst du, wenn du den Titel liest? So ganz ohne Bild, ohne Information?
Rocklegenden? Musikerfilm? irgendeine abgefahrene Love-Story?
Mir ging’s so und ich hatte zu dem Zeitpunkt, wo die Pressevorführung angesetzt war, tatsächlich innerlich absolut keinen Turn darauf, mir irgendwelche Musikerlegenden anzusehen und darum mit mir selbst gehadert, ob ich die Einladung überhaupt wahrnehmen soll oder nicht.
Wie man sieht: Ich habe. Zum Glück.
Denn auch nachdem man endlich ein wenig mehr in Erfahrung bringen kann, finde ich, bringt selbst das Kinoplakat noch nicht wirklich Aufschluss darüber, welch Filmperle hinter diesem Titel schlummert.
Dieter Hallervorden wird wohl auch bei einigen etwas mehr Sympathie hervorrufen als Milan Peschel, aber kurioserweise stört im Film keiner der beiden durch etwas, durch dass – zumindest letzterer – bekannt geworden wäre. Ganz im Gegenteil.
Der Film überrascht gleich mal am Anfang mit unfassbar packenden, spannungsgeladenen und begeisternden Szenen, die man – nächste Überraschung – in einem deutschen Film so gut wie nicht kennt. Zumindest ist das die allgemein gefühlte Stimmung im Land, wenn es darum geht, den deutschen Film zu bewerten: Er landet in der Tonne.
Tatsache ist, dass es in der Vergangenheit sehr viele … extrem viele … Beispiele dafür gegeben hat, dass die Deutschen es durchaus so überhaupt nicht auf den Kasten bringen und Hollywood aber sowas von sein Existenzrecht hat, Tatsache ist aber auch, dass gerade in jüngster Zeit immer mehr zum Vorschein bricht, das beweist, dass dieses Land durchaus exzellente Filmschaffende beherbergt und durchaus dazu in der Lage ist, mit Intelligenz pointiert, reflektiert und überraschend zu arbeiten, um dem Publikum etwas zu bieten, das man neuerdings immer mehr in Hollywood vermisst: Richtig herausragendes Kino.
Fakt ist: Der Deutsche ist so gebeutelt von vergangenen Filmerfahrungen, dass er entweder lustlos im TV vorbeizappt und vielleicht hier und da hängen bleibt, sich aber niemals aktiv auf den Weg machen würde, um genau so etwas in einem Kino anzuschauen. Daraus resultiert ein unfassbar schlechter Schöpfungsraum, in dem wenige Fördermittel da sind und man als Regisseur auf unglaublich viel Widerstand trifft, was es so gut wie unmöglich macht, wirklich gute Filme auch tatsächlich in viele Kinos zu bringen und damit die Möglichkeiten zu eröffnen, dass sich dieses Land wieder neu eine Meinung bilden kann.
Und dieses Kunststück ist Rock My Heart gelungen, zumindest was den Weg an die Presse angeht. Ich hoffe und bete, dass viele Kinobesitzer ebenfalls soviel Chuzpe haben und den Film in ihre wöchentliche Planung einbeziehen, denn: Ihr müsst da unbedingt rein!
Wer jetzt keinen Bock auf die 100.000ste Wiederholung von platten Matthias Schweighöfer-Witzen hat und sich auch die Hackfresse von Hallervorden nicht mehr anschauen kann: Für euch ist dieser Film!
Jap! Wirklich!
Deutschland ist gerade aktiv dabei, Drama ganz neu für sich zu entdecken. Und es mag geradezu hämisch pervers anmuten, dass gestern so ein Ergebnis der Bundestagswahl zustandekommen ist. Auch hier wieder: Drama! Und das fast schon in Perfektion!
Und soviel sei verraten: Rock My Heart ist Drama, ohne den platten Humor, ohne irgendwelche Selbstdarstellungen, ohne Bezüge zu dem, was mal war. Es ist einfach ein Film, der durch Inhalte, emotionale Nähe und temperamentvolle Entwicklungen punktet und den Zuschauer in ein Geschehnis hineinreißt, dass ich niemandem wünsche.
Und um dem noch eins oben drauf zu setzen (und ihr wisst, wie sehr ich seine Charaktere hasse): Sollte sich Peschel weiterhin solche Rollen suchen, habe ich rückwirkend mit diesem Film meinen absoluten Frieden mit ihm geschlossen und werde künftig jedes Werk, in dem er mitspielt, mit Freuden konsumieren!
 

.kinoticket-Empfehlung: Fakt ist also: Wir haben es hier mit einem unfassbar glanzvollen, durch die Bank weg spannend inszenierten, Botschaft übermittelnden und packenden Film aus der deutschen Filmschmiede zu tun, der alle Argumente der Vergangenheit überflüssig macht und 1000 Gründe bietet, weshalb man gerade jetzt wieder in die Kinos gehen sollte.
Wenn ihr die Argumente verlieren möchtet, dass Deutschland nichts auf die Reihe bringt, dann zeigt den Kinos, den Studios, den Labels, den Regisseuren, den Darstellern, dass genau diese Art von Film die Form der Unterhaltung ist, die man sich wünscht und für die man auch gerne Fördergelder locker machen sollte!
Indem. Ihr. Ins. Kino. Geht!

 
Nachspann
setzt spielerisch ein, also nicht im Vollgalopp aus dem Saal sprinten, sondern schön gemächlich 🙂
Kinostart: 28. September 2017

Baby Driver

Mir fehlen die Worte. Im Ernst. Auf dem Plakat steht ja schon so schön: “All you need is one killer track.”
Ich habe den Film das zweite Mal in der Sneak Preview auf Deutsch gesehen und die Mannschaft war begeistert! Mein Empfinden war eher, dass man mit der Synchro wieder mal einiges ziemlich in den Sand gesetzt hat, weil viel Ausdrucks-Schwere durch die “quietischigen” deutschen Stimmen verloren geht und wie üblich einiges an Wortwitz das Zeitliche segnet.
Und wenn die Sneaker schon begeistert davon waren, wie viel mehr ist man es dann, wenn man das Glück ergattert und in eine der wenigen OV-Vorstellungen darf?
Burner!
Ich meine: Der Cast liest sich allein schon runter wie Butter und ich LIEBE Ansel Elgort und seine butterweiche, zärtliche, romantische Milchbubikid-Art, die ihn zu dem macht, was er ist: Die perfekte Besetzung für Baby Driver, denn diese Rolle ist ihm perfekt auf den Leib geschneidert.
Kein Ausprobieren. Kein Cool-Wirken. Kein “mal sehen, die Kinobesucherzahlen werden’s schon richten”. Nope. Einfach nur ein verdammt schnittiger, flotter, stylischer, verbalintegrer und in sich stimmiger Film mit verdammt viel Esprit.
Achja, bevor ich’s vergesse: Kevin Spacey! Irgendjemand schon mal einen Film mit ihm gesehen?
Und wenn man dazu jetzt eine unglaublich austarierte Ballzuspiel-Dynamik mit Ansel Elgort dazu nimmt, kommt das raus, was von der Leinwand runter prescht, wenn man sich für eine der kargen Vorstellungen entscheidet.
Und Leute: Ihr werdet es nicht bereuen. Diese Eigendynamik, das Herzblut, wenn man die Schüsse perfekt an die Song-Takte angleicht und in so vielen Kleinigkeiten Sinn fürs Detail beweist, zeigt einfach, dass hier nicht irgendwelche spröden Zwänge die Oberhand hatten, sondern man tatsächlich liebte, was man tat: Ein Wunderwerk erschaffen, dass in punkto Soundtrack, Optik, Schnelligkeit, Einzigartigkeit und Harmonie nur so vor sich hin glänzt und darauf wartet, von den Kinobesuchern angebetet zu werden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Was bleibt mir also mehr zu tun, als zu behaupten: All you need is a .kinoticket?
Damit wäre alles von meiner Seite aus erledigt. Der Rest obliegt nun euren fähigen Händen, denn wer einen fantastischen Kinoabend erleben möchte, ist mit Baby Driver garantiert gut bedient.
Achja: One last word: Gute Boxen ob des überirdisch guten Soundtracks sollten natürlich auch hier völlig selbstverständlich sein.

 
Nachspann
Zuhören! Wirklich jetzt. Und wer nicht mag, darf gerne rausgehen, nochmal nimmt man den Deckel nicht vom Objektiv.
Kinostart: 27. Juli 2017

Alibi.com

Früher hat man das französische Kino ausnahmslos gelobt. Der geniale Einfallsreichtum und die unverbrauchte Frische gegenüber den ausgedienten Hollywoodschinken war eine völlig neue Erfahrung im Kino.
Mittlerweile haben sich einige Schauspieler zu internationalem Ruhm emporgearbeitet, die nun – gleichsam wie in der großen Filmschmiede – zum Aushängeschild mutieren und dafür sorgen, dass die Hinter-den-Kulissen-Arbeiter nicht mehr soooo sorgfältig beim Auswählen ihrer Sprüche und Einfälle sind, da man sich auf bereits erreichte Erfolge stützt und darauf hofft, dass die aktuellen Werke daran anschließen.
Und genau dieses Eingefahren sein, dass sich damit ausbreitet, macht mir als Vielkinogänger und Filmjunkie extreme Unlust, denn ein zweites Hollywood ist nicht nur überflüssig, sondern befreit uns damit auch von der Andersartigkeit und Vielfalt, die mit internationalen Filmerschaffern einhergeht. Und genau diese Vielfalt sollten wir erhalten.
Alibi.com dreht den Spieß nun wieder um und orientiert sich an den ursprünglichen Werten französischer Komödien: Man stellt keine bekannten Leute auf die Leinwand, sondern sorgt sich wieder um einen herausragenden Plot, der mit Genialität besticht und den Zuschauer von Anfang an auf einen unglaublich irren Trip durch die Filmgeschichte mitnimmt.
Es ist wieder an der Zeit, die Zuschauer darauf vorzubereiten, dass man zum Verstehen all der vielen Anspielungen unglaubliches Filmwissen und Vorkenntnisse mitbringen sollte, um das gigantische Ausmaß an Gags hier voll auszuschöpfen.
Bei einigen Dingen wird nachgeholfen und so manche Alliteration verstehen auch Unmündige, und genau das hat mir Anfang der Woche im Saal extrem Spaß gemacht: Man wurde für sein Filmwissen belohnt und durfte von einem Lacher zum anderen segeln.
Der einzige Kritikpunkt, den ich hier anführen möchte, ist folgender: Ab einem gewissen Punkt nimmt sich der Film selbst nicht mehr wirklich ernst und driftet dabei etwas spurverloren über die Geschwindigkeit, die er anfangs aufgebaut hat. Ohne dabei sein Ziel wirklich zu verlieren, erlebt man während dieser Fahrt einen Moment der Unsicherheit, der zwar zum Ende hin wieder aufgefangen wird, aber aus einem möglichen sensationellen Erfolg “nur” einen Kinofilm macht, den man zwingend mit Freunden in vollen Sälen besucht haben sollte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Die typisch gewordene French Comedy wurde durchbrochen und durch ursprünglichen Wind ersetzt, der die Segel wieder herrlich weit aufbläht und hier für ordentlich Fahrt sorgt.
Das enorme Ausmaß an filmübergreifenden Gags ist allein einen Besuch wert und die Idee als solches sorgt definitiv für Spaß in den Reihen.
Schnappt euch ein paar Freunde, fahrt ins nächstbeste Kino und genießt die Show – es lohnt sich!

 
Nachspann
Selten so gelacht. Also: Sitzenbleiben!
Kinostart: 3. August 2017

Mein Blind Date mit dem Leben

Der Trailer verbreitet ja an sich schon extrem gute Stimmung und deutet auf eine unglaubliche Geschichte hin, die tatsächlich so passiert ist. Kostja Ullmann spielt hier den Hauptdarsteller und punktet damit schon mal grundsätzlich, sofern ihr mir an dieser Stelle gestattet, mich als heimlichen Fan dieses Schauspielers zu outen.
An der Seite von Jacob Matschenz taucht er in einen Berufszweig ein, aus dessen Abgründen ich als Gebrandmarkter sowieso selbst genügend Stories erzählen kann. Umso interessanter ist es dann, eben jene Gleichgesinnten auf der Leinwand wiederzuentdecken und damit nicht nur tiefer ins Berufsfeld vorzudringen, sondern sich zumindest gedanklich auch noch mit den Einschränkungen zu befassen, die dem Hauptdarsteller hier gegeben waren.
Dadurch, dass Kostja sich nicht nur immens auf seine Rolle vorbereitet hat, sondern auch mit dem wahren Helden dieser Story angefreundet und von ihm unterrichtet wurde, was Mimik, Gestik, Wahrnehmung und Co. betrifft, erhält der Film nochmals ein Stück weit mehr “Nähe zur Realität” und offenbart auf ehrliche Art und Weise, mit welchen Problemen sich der “echte Akteur” rumzuschlagen hatte.
Dies wurde nicht nur überzeugend und nachvollziehbar rübergebracht, sondern auch in unterhaltsame Kurzweil verpackt, die beim Schauen richtig Spaß macht.
Dass man sich dann als Drehort noch für die Stadt entschieden hat, zu der ich ganz besondere Gefühle entwickelt habe und in einem Hotel dreht, in dessen Hallen ich auch schon zugegen war, setzt für mich dem Ganzen die Krone auf.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mir hat es riesig gefallen und ich kann diesen Titel auch ohne Vorbehalte weiterempfehlen.
Die Darsteller sind allesamt überzeugend und das Metier wird einigermaßen gut eingefangen. Der Blick “hinter die Kulissen” ist für manche vielleicht genauso spannend wie der Plot, der eine schier unglaubliche Story aufgreift und zum Besten gibt.
Dieser Film macht sogar in kleinen Kinos richtig Gaudi und sorgt für einen wohlig-gemütlichen Abend und gute Unterhaltung. Reingehen!

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, hier kommt nichts mehr.

Timm Thaler oder das verkaufte Lachen

Ihr wisst, was ich von deutschen Filmen halte, kennt meine abschätzige Meinung zu deutschen Schauspielern und deren Lautdarstellungen und vernehmt an dieser Stelle, dass selbst mein hoch geschätzter Sender ZDF hier coproduziert hat.
Beste Voraussetzungen für eine positive Kritik.
Spinnt der jetzt?
Zugegeben, als ich Milan Peschel auf der Darstellerliste entdeckt habe, kamen in mir auch die größten Angstgefühle hoch und ich befürchtete das Schlimmste. Vielleicht war das auch grade mein Glück, denn mit derart niedrigen Erwartungen liegt die Arbeitsleistung dann wieder darin, diese nicht noch zu unterbieten, sondern einfach nur mäßig gute Arbeit abzuliefern.
Es wurde mehr getan. Sehr viel mehr. So richtig viel mehr.
Irgendwie fällt nämlich gar nicht so richtig auf, dass das hier eine deutsche Produktion ist, wenn man über die üblichen Filmkinderkrankheiten mal hinweg sieht. Im Gegenteil: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen hat mir sogar bis auf ein paar Ausnahmen so richtig gut gefallen.
Und das meine ich diesmal auch nicht ironisch. Gut, das Lachen des Kleinen wirkt auf den ersten Moment doch etwas befremdlich und unfreiwillig komisch, jedoch gewinnt Arved Friese als Hauptdarsteller dieser Kinderbuchverfilmung dann ganz schnell die Sympathie aller Anwesenden und punktet als glaubwürdiger und überaus charmanter Jungdarsteller in einem Bühnenstück, das die Empore guter Filme recht schnell erklimmt.
Gedreht wurde in Halle (Saale), Sachsen-Anhalt, Berlin und Umgebung und dabei eine sehr tiefgründige, Fragen aufwerfende Geschichte erzählt, die sich mit den wichtigen Themen unserer Zeit auseinandersetzt und somit nicht nur dem jungen Publikum ein Forum für Überlegungen und Diskussionen bieten.
Dabei wird dem zärtlichen Aufbau von Gefühlen und Magie, Neugier, Herausforderungen und Problembewältigung in der sicheren Atmosphäre eines Kinder- und Jugendfilms sehr viel Raum geboten. Man hat während des Schauens sehr viel Zeit zum Entdecken und Erkunden des Lebens und stellt dem Zuschauer die Frage danach, was wirklich wichtig ist und zählt.
Einzig die Rolle des Justus von Dohnanyi hat mir ob der Undurchsichtigkeit seiner Handlungsmotive nicht ganz so gefallen, was aber dem ansonsten gut durchstrukturierten Plot mit aufgeweckten Figuren und klaren Zielen nicht weiter schadet.
Lobend erwähnen möchte ich auch nochmal die Kulisse, die hier genutzt wurde, die malerisch durchaus mit Design und Ästhetik zu beeindrucken weiß.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht nur als Kinderbesitzer sollte man hier zuschlagen und die Chance auf richtig gutes, unverdorbenes und lehrreiches Kino vertun, sondern ein .kinoticket lösen und die große Version dieses Kinderuniversums in vollen Zügen genießen.
Der Plot ist abwechslungsreich, spannend und wird vom gesamten Cast super rüber gebracht, hier und da gibt es ein paar kleine Mankos, die aber dem gesamt positiven Eindruck keinen Schaden zufügen.
Daumen hoch!

 
Zum Schluss noch ein paar interessante Fakten über das Lachen
© Constantin Film Presseheft
☑️ Die Wissenschaft vom Lachen heißt Gelotologie und stammt vom griechischen “gelos” ab, was soviel wie “das Lachen” heißt.
☑️ Das Lachen war ursprünglich eine Drohgebärde und entstand aus dem Zähnefletschen.
☑️ Beim Lachen aktiviert der Mensch 80 Muskeln, davon 17 in seinem Gesicht.
☑️ Die Redensart “Ich mache mir vor Lachen in die Hose” hat einen wahren Kern. Denn das Lachen entspannt die Blasenmuskulatur.
☑️ 20 Sekunden herzhaft zu lachen entspricht in etwa der körperlichen Leistung von drei Minuten schnellem Rudern. Somit kräftigt Lachen das Herz-Kreislauf-System.
☑️ Bären können nicht lachen, ihnen fehlen die entsprechenden Muskeln im Gesicht.
☑️ 1998 wurde der Weltlachtag eingeführt. Am ersten Sonntag im Mai lachen die Teilnehmer in mehr als 100 Ländern um Punkt 14 Uhr deutscher Zeit eine Minute lang.
☑️ Der Weltlachtag ist eine Initiative des Inders Madan Kataria, dem Gründer der weltweiten Yoga-Lach-Bewegung.
☑️ In einem Sketch der Comedytruppe Monty Python setzt das britische Militär im Zweiten Weltkrieg den “lustigsten Witz der Welt” als tödliche Waffe gegen die deutsche Wehrmacht ein.
 
Nachspann
Optisch anfangs ansprechend gestaltet bringt einen dieser auch bei gänzlichem Schauen nicht zu noch mehr Bildmaterial. Rausgehen ist also erlaubt.

Osman Pazarlama

Wer in diesem Film Spaß haben will, muss viel Gequassel aushalten können. Denn gesprochen wird hier quasi fast ununterbrochen. Mit der typisch-türkischen Art, die man aus anderen Comedy-Filmen dieser Kultur bereits kennt, wird hier wieder eine Geschichte erzählt, die so dermaßen weit über den Tellerrand des Normalen hinausschießt, dass man darüber tatsächlich lachen kann.
Und gerade die Skurrilität, mit der der Hauptdarsteller seine sehr wohl als edel zu bezeichnenden Beweggründe in die Tat umsetzt, schafft hier einen Raum, in dem der Zuschauer seinen Spaß haben oder völlig durchdrehen kann, da man sich mehr oder weniger tatsächlich von der Realität absetzt und in einer völlig obskuren Welt eintaucht, die mit dem echten Leben längst nichts mehr zu tun hat. Und damit fallen Vergleiche, Ansprüche und Enttäuschungen weg, denn es zählt einfach nur noch, ob das Boot als solches schwimmt, und nicht, wie es sich im Vergleich zu anderen schlägt.
Was man dazu aber auch sagen muss: Ich habe bereits andere türkische Filme gesehen, die ebenfalls lustig waren, jedoch einen tieferen Sinn verfolgt haben oder eben bis dato unerreicht geblieben sind. Davon distanziert man sich hier ein wenig, denn der große Sinn bleibt aus und am Ende sind es halt nur 114 Minuten, die man mit spaßigem Quatsch vollgesülzt wird, der nicht dazu anregt, sich dieses Spektakel nochmals anzutun. Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass das Werk deshalb schlecht ist.
Erwägt man, sich diesen Streifen anzuschauen, sollte man eben einfach nur einplanen, dass neben der Skurrilität auch eine gewisse Art von Sinnlosigkeit da ist, man im Film zwar genügend Szenen hat, in denen man lachen kann, der Plot aber keine weiteren ernsthafteren Bereiche abdeckt. Wer mit dieser Enttäuschung leben kann, der darf sich diesen Film ruhigen Gewissens zu Gemüte führen. Denn mit türkischem Publikum im Saal macht Comedy im Kino erst richtig Spaß.
 

.kinoticket-Empfehlung: Müsste ich zwischen allen bisher gesehenen OmU-Titel vergleichen, würde ich diesen hier als letzten empfehlen.
Man muss dazu eine große Portion Bereitschaft zur Selbstaufgabe der Vernunft und des Wirklichen mitbringen und akzeptieren, dass hier in einer Ära gearbeitet wird, die so absolut nichts mehr mit dem wirklichen Leben zu tun hat.
Findet man sich damit ab, erlebt man eine Spaßkultur, die während der Laufzeit durchaus Freude bereitet und dazu anregt, andere Dinge kurzfristig mal zu vergessen.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, allerdings ist auch hier wieder die türkische Musik der Grund, der mich am Weggehen hindern würde.

Die Peanuts – Der Film (3D)

Charlie Brown – wieder so ein Massenphänomen, das jeder kennen sollte. Neuer Stoff für neue Geschichten sind in Hollywood immer gerne gesehen – und wenn man dabei dann auf Altbewährtes zurückgreifen kann, das den Erfolg quasi schon per Definition vorgibt, umso besser.
Demnach ist es in einer Zeit, wo so ziemlich alles, was irgendwo irgendwie existiert, zu einem Film gemacht wird, nicht verwunderlich, dass nun auch Die Peanuts das Kino erobern.
Ich spare mir an dieser Stelle die übliche “Buch-besser-Film-schlechter”-Diskussion und verweise erneut auf das Nichtvorhandensein diverser Vorkenntnisse, da – man mag es kaum glauben – ich auch an den Peanuts in meiner Kindheit vorbeigeschlichen bin. Ergebnis: Vorurteilsfreie Rezension zu einem Kinofilm, dessen Besuch sich durchaus lohnt.
Was definitiv positiv auffällt, ist das Fehlen von bösen Elementen. Blue Sky Studios schlagen hier nicht mit Disney-Tönen an, bei denen immer ein Gegensatz existiert, der in beide Richtungen extravagant ausgedehnt ist und in stereotypischer Weise jeweils nach oben oder unten verkommt. Bei der Sippe von Charlie Brown hat man tatsächlich mal vollends auf niedliche, kindgerechte, ordentliche und erzählerische Art gesetzt und den Zuschauern bewiesen, dass man Comics und Animation nicht zwingend mit Blödsinn oder absolutem Übertreiben in Verbindung bringen muss.
Die Charaktere zeichnen sich durch vergleichsweise hohe Profiltiefe gegenüber der Konkurrenz markant ab und erzählen hier aus einer Welt, der man deutlich anmerkt, dass sie nicht erst seit gestern existiert. Vielleicht auch ein Grund, weshalb das Gros der Figuren nicht groß erklärt wird, sondern man einfach loslegt.
Das funktioniert selbst bei Menschen wie mir, die zwar schon davon gehört und das ein oder andere Comicbildchen gesehen, sich jedoch nie tiefer in die Materie eingegraben haben und somit völlig ahnungslos vor der Leinwand hocken.
Was mir ein wenig gefehlt hat, war, dass man unterschwellig doch gespürt hat, dass das Medium “Film” begrenzte Mittel hat und kaum eine derartige Tiefe erreicht werden kann, wenn man Ideen und Spinnereien, die sich im Kopf beim Lesen abspielen, dann materialisieren und somit begrenzen muss. Schließlich ist Fantasie immer noch der größte Inspirationsmotor und dem mussten sich die Macher des Films irgendwo beugen.
Somit landet man hier für die junge Generation definitiv einen Volltreffer, der einfach nur putzig ist, mit Liebe und kindlicher Geborgenheit punktet und neben wahnsinnig überzeugendem 3D auch mit inhaltlichem Intellekt überzeugt und sogar die Erwachsenenriege in ihren Bann ziehen kann.
An dieser Stelle muss ich allerdings auch erwähnen, dass dieser Film nicht mehr “für die ganze Familie” gedacht ist, sondern man mit den Peanuts auch etwas anfangen können muss, um hier wirklich Spaß zu haben. Geht man völlig vorurteilsfrei an die Sache, findet man sich nämlich irgendwo im Kinderzimmer wieder, auch wenn hier interessante Werdegänge und Überlegungen eingearbeitet werden und man sich so von anderen Animationen deutlich abhebt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer sich in Nostalgie baden, mit seinen Kindern einen tollen Nachmittag erleben oder einfach mal etwas ausschließlich Gutes in sein Hirn brennen möchte, der macht mit den Peanuts sicher keinen Fehler.
Jedoch sollte man sich dessen bewusst sein, dass das Zielpublikum hier eindeutig die jüngeren Zuschauer sind und man sich als Erwachsener in die Welt von Charlie Brown reinfinden muss. Hat man diesen Schritt hinter sich, macht der Rest dann richtig Spaß und hinterlässt ein wärmendes Gefühl von Liebe und Geborgenheit in einem drin.
Und nicht zuletzt bietet der Film ein 3D, dass so richtig reinhaut und allein für sich schon den Kinobesuch wett macht. Dieses Feature sollte man in diesem Fall auf jeden Fall mitbuchen.

 
Nachspann
Gibt es … und der hat es sogar richtig in sich. Ich sag mal so viel: Die Kinder rannten nach vorne und tanzten alle auf der Bühne vor der Leinwand. Hier wird Stimmung gemacht, Bilder gezeigt und der Song ist hammergeil. Drin bleiben!

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