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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Freiheit

Leto (inkl. Gewinnspiel)


© 2018 Weltkino Filmverleih

 

So Leute: Auf euch wartet ein immens wichtiger Film, zu dem es viel zu sagen gibt. Und damit den möglichst viele sehen, hat Weltkino euch 2×2 Freikarten für den Film zur Verfügung gestellt, die unter diesem Beitrag verlost werden.

Kirill Serebrennikow – der Director dieser Erinnerungsnacherzählung von Natalia Naumenko – steht seit dem 23. August 2017 (!) in Russland unter Hausarrest, der es ihm verbietet, weitere Stellungnahmen zu seinem Werk zu äußern und der es ihm u.a. auch verbot, seine eigene Weltpremiere im Rahmen des Wettbewerbs der Filmfestspiele in Cannes zu besuchen.

Er wurde während der finalen Drehaufnahmen festgenommen und hat den Film darum unter Hausarrest fertiggestellt. Künstler wie Cate Blanchett, Volker Schlöndorff und Nina Hoss solidarisierten sich mit ihm und forderten seine sofortige Freilassung.

Ihr spürt, welche Brisanz in diesem Thema steckt? Schaut euch das Plakat an und ratet mal, worum es geht…

Musik, Unterhaltung, Entertainment, das Volk durch Worte und Töne zu bewegen, emotional mitzureißen und dabei nicht vollkommen diktatorisch zensiert zu werden.

Ja, wenn ihr gegen das System seid: Das ist euer Film.

Ich liebe ihn und werde ihn so oft schauen, wie es mir irgendwie möglich ist – denn das trifft genau den Kern auf den Punkt: Der Musik-Style ist der meine, die Botschaften hinter den Texten sind die meinen und der Grundgedanke an die Freiheit künstlerischen Schaffens ist das, wofür ich quasi lebe. Und dieser Film erzählt keinen fiktiven Schwachsinn, sondern basiert auf den Erinnerungen von Natalia, die das damals alles live so erlebt hat und quasi das Portrait der geistigen Gefangenschaft eines ganzen Volkes durch Serebrennikow dokumentiert und über die Leinwände in die Welt hinaus schreit.

Moah, spürt ihr diesen Vibe? Spürt ihr, wie wichtig Kino tatsächlich ist und was für (vom System unentdecktes) Potenzial hierin steckt, freie Gedanken äußern zu dürfen und Wahrheiten entgegen dem Willen einer Regierung doch ans Licht zu bringen und aufzudecken und das weltweit zu können? Welche demokratische Kraft auf diesen Leinwänden zu finden ist und warum es wichtig ist, dass die Menschen bis an ihr Lebensende niemals damit aufhören, Kinos zu besuchen?

All die Unterdrückung, Unmenschlichkeit und immer noch aktuelle Zensur, die durch staatliche Organe vorgenommen wird und Menschen verbietet, ihren Geist frei entfalten zu dürfen und mit etwas positivem zu füllen, wird hier in einem Film präsentiert, der es absolut in sich hat und in meinen Augen auf jede Leinwand gehört, die dieses Land zu bieten hat.

Und lasst euch von unwichtigen Randfakten nicht abschrecken: Dass der Film in schwarz-weiß gedreht wurde, ist für mich oft ein Indiz, etwas distanzierter mit der Auswahl umzugehen und es eher in die hinteren Ränge der “To do”-List zu schieben. Bei Leto hatte ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl, dass in diesen Grautönen extrem viel Farbe verborgen ist und dass das einfach so sein muss und nicht anders gehört. Es wäre ein Fehler gewesen, ihn in Farbe zu drehen, weil auch das wieder die Zeitepoche dokumentiert, die Russland damals einfach so erlebt hat und deren Auswirkungen aktuell (siehe Festnahme) immer noch anhalten.

Ich feiere es, wenn irgendwo die Wahrheit gesprochen wird und es mächtige Leute gibt, die diese Wahrheiten ankotzen. Je mehr solche teils weltfremden Personen von Wahrheit angewidert sind, umso wichtiger erachte ich es, dass diese Wahrheiten gesprochen werden. Und genau das tut dieser Film in einer ehrwürdigen Form, die für mich einfach mit einem sensationellen Kinoerfolg gekrönt gehört, der wiederum Aufmerksamkeit auf Serebrennikow lenkt und ihn durch Proteste und andere Reaktionen aus seiner Gefangenschaft befreit.

Das hier ist kein Aufruf dazu, Gewalt anzuwenden oder in anderer Form auszuticken: Es ist ein Aufruf dazu, sich diesen Film anzusehen und darüber in Kenntnis zu kommen, wie es anderswo aussieht. Diese Fakten richten nämlich viele ungeraden Ansichten in den Köpfen der Menschen wieder gerade. Und dass die Welt in Tagen wie diesen so etwas bitter nötig hat, brauch ich ja wohl nicht extra erwähnen oder?

 

.kinoticket-Empfehlung: Eines der wichtigsten Werke, in denen der Kampf um die Freiheit des Geistes weitergeführt wird – das überaus gelungene Portrait einer Gesellschaft, die ihren Geist öffentlich nicht frei entfalten darf.

Filme wie dieser gehören auf die Pflicht-Liste eines jeden Menschen, egal, ob Kinogänger oder nicht: Die Wahrheiten, die hier gesprochen werden, kotzen große Regierungen an. Umso wichtiger ist es, sie weiter zu verbreiten und den Menschen zu sagen, damit die Mehrheit dieser Welt über das Gebaren Bescheid weiß und dementsprechend reagieren kann. Und wenn es nur korrigierte Ansichten im Kopf sind, weil man danach definitiv mehr weiß als vorher.

 

Nachspann
❌ I love the music, mehr Szenen kommen deshalb aber nicht. Wer also rausgehen möchte, dem sei es erlaubt.

Kinostart: 8. November 2018

Original Title: Leto
Length: 128 Min.
Rate: FSK 12

 

G E W I N N S P I E L

Weltkino hat für euch von diesem extrem wichtigen Film 2×2 Freikarten klargemacht, die ich hiermit an euch weiter verlosen darf.

Kommentiert bis einschließlich Sonntag, 11. November 2018 unter diesem Beitrag, mit wem ihr euch den Film gerne ansehen möchtet und ihr seid im Lostopf dabei. Die Gewinner/innen werden anschließend via random.org gezogen und von mir per E-Mail benachrichtigt. Gebt also unbedingt eine gültige E-Mail-Adresse an, unter der ich euch schnell erreichen kann.

Die Freikarten werden dann per Post zugeschickt und können von euch in jedem Kino eingelöst werden, das diesen Film regulär im Programm hat und in der gewünschten Vorstellung noch freie Plätze zur Verfügung stellt. Genaueres erfahrt ihr dann im Anschreiben.

Ich drücke euch die Daumen und wünsche allen viel Glück und lege jedem ans Herz: Geht da rein und schaut es euch an – dieses Movie ist enorm wichtig für eine weitere gute Welt!

Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon

Zur Zeit holt Deutschland aus sich raus, was rauszuholen geht und liefert Leinwandbombardements ab, die tierisch begeistern. Nach Sauerkrautkoma und der drei Millionen Zuschauerrekordmarke für die Eberhofer-Reihe setzt nun Elmar Wepper als grantelnder Gärtner den Siegeszug missgelaunter Hauptdarsteller im Kino fort und begeisterte schon vor Wochen die Presse.
Die Geschichte ist denkbar einfach und der Plot mag als solches bereits hunderte Male verwurstelt worden sein, was dem Film jedoch zu seiner Einzigartigkeit verhilft, sind ganz andere Sachen. Ich persönlich habe grundsätzlich ja schon mal viel für “Roadmovies” übrig, da ich generell ein freiheitsliebender Mensch bin, dem Sesshaftigkeit und Konsequenz schlecht stehen und der dem “Hier bin ich geboren, hier sterbe ich” noch nie etwas abgewinnen konnte.
In meinen Augen entwickelt sich der Mensch immer dann, wenn er reist und dabei seinen Horizont erweitert – nur so kann er Bereicherungen in das bisherige Leben bringen und lebt nicht einen immer wiederkehrenden Zyklus der Dinge, die eben nun grad an dem Flecken Erde vorhanden sind, wo er geboren wurde.
Und da sich viele aus ihrer Bequemlichkeit und thronenden Dauer-Prokrastination nicht erheben können, darf man zumindest gedanklich diese Mühen auf sich nehmen und sich von dem Gefühl der Veränderung mitreißen lassen, dass hier auf unfassbar liebende und herzliche Weise inszeniert und von den Protagonisten zum Leben erweckt wurde.
Buchverfilmung – dies merkt man an einigen Stellen im Twist und auch von den Figuren her, tut der Unterhaltungsebene, die man hier eröffnet, aber keinerlei Abbruch, sondern fasziniert mit einem durchweg funktionalen und unterhaltsamen Momentum.
Und dass bayerisches Granteln grad aktuell auf den Leinwänden gefeiert wird, ist wohl mit ein Grund, weshalb man sich gerade jetzt für die Veröffentlichung entscheidet und die Stimmung der Zuschauer auskosten möchte. Es funktioniert.
 

.kinoticket-Empfehlung: Familiäre Stimmung, jede Menge Herzschmerz, Wehleid, Fernweh, Lebensfindung und sarkastischer Zynismus mit Blick auf die Welt, die auf ein völlig neues Leben abzielen: Dieser Film dürfte so ziemlich jedem gefallen.
Deutschland packt seine Könner aus und präsentiert sich in diesem Sommer als Event-Begeisterer von seiner besten Seite: Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon reiht sich in den Erfolg dieser Filme ein und liefert euch in den nächsten Wochen beste Unterhaltung im Kino eurer Wahl.

 
Nachspann
❌ liefert keine zusätzlichen Szenen oder Abschnitte mehr. Rausgehen erlaubt.
Kinostart: 30. August 2018

Die Frau, die vorausgeht

Über Die Frau, die vorausgeht sollte man im Vorfeld nicht allzu viel wissen, weil der Film aus bestimmten Gründen sonst ziemlich schnell langweilig werden kann. Susanna White inszeniert die wahre Geschichte mit Starlegenden Jessica Chastain und Sam Rockwell für die große Leinwand und bringt dabei reichlich weibliche Gefühle und Charme mit ins Spiel.
Als ich ins Kino ging und einige Randfakten über den Film bereits gehört hatte, erwartete ich epochale Schlachten, romantische Bergzüge, indianische Weisheiten und anderes, was dieser Film zwar in gewisser Weise liefert, jedoch vollkommen anders, als ich mir das zu Beginn vorgestellt hatte.
Der “Drive”, den man in Richtung Epos vielleicht erhofft, bleibt nämlich völlig aus. Stattdessen nimmt man sich die Zeit für Beziehungen, Charakterzüge, gedankliche Entwicklungen und lullt einen dabei mithilfe des Soundtracks dermaßen ein, dass man schon ausgeschlafen sein sollte, um hier wirklich bis zum Schluss bei der Stange zu bleiben. Nicht nur ich hatte nach dem Film das Gefühl, dass hier gut und gerne 20-40 Minuten gekürzt werden dürften, die geschichtlich keine Lücken aufgetan, dem Film selbst aber ungemein mehr Augenmerk aufs Wesentliche vermacht hätten. Und dabei gehört der mit seinen 102 Minuten gar nicht mal zu den Monsterlängen, die man sonst so im Kino kennt.
Damit wandert das Stück also nicht in die beste Sendezeit auf der großen Leinwand, sondern gehört eher zur gemütlichen Abendlektüre, die man vor ein paar Drinks gerne noch mitnehmen darf, um sich ein wenig in Romantik und weibliche Aggression zu stürzen.
Okay, das klingt bis jetzt alles recht negativ und ausladend, ganz so schlimm ist es aber nicht. Ich meine, hier spielen keine Laien, sondern die von mir heiß geliebte Jessica Chastain, die ihre Sache mit allen anderen Schauspielern meisterhaft durchzieht und in ihrer Rolle auch tatsächlich überzeugt. Sie spielen großartig – alle miteinander. Die Langatmigkeit schreibe ich eher dem Drehbuch oder den “Grundvoraussetzungen” zu, wenn man so möchte, immerhin basiert der Stoff ja auf wahren Begebenheiten. Dafür hätte man meiner Meinung nach dann aber entweder mehr ausholen, oder tiefer in die Psyche der einzelnen Protagonisten absteigen müssen, um hier die ständigen Szenenbilder, in denen nichts passiert, zu überbrücken bzw. ganz auslassen zu können.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht schlecht, aber stellenweise sehr schweratmig und langwierig.
Für die vergleichsweise kurze Laufzeit passiert noch zu wenig, um hier wirklich Spannung und Geschwindigkeit aufkommen zu lassen, dennoch machen alle Darsteller ihre Sache super und in punkto “geile Landschaft” und romantische Stimmungen ist der Film unschlagbar. Zappt durch den .trailer und verschafft euch (ohne Ton) ein paar Eindrücke, dann wisst ihr, wohin die Reise geht und könnt sie guten Gewissens antreten.

 
Nachspann
❌ braucht nicht ausgeharrt zu werden, nach dem Finaltext geht’s in die Schwärze.
Kinostart: 5. Juli 2018

The Rider

The Rider – endlich mal ein Film, der einem schon im Kinoplakat alles offenbart, was man vorher wissen muss, und dabei vermag, in keiner Weise zu spoilern oder wesentliche Elemente bereits im Vorfeld preiszugeben. Schaut euch dieses romantisch verwöhnte Bild einfach mal genau an, studiert seine Absichten, lest zwischen den Zeilen: Dieser Film revolutioniert ein Genre, dem er gar nicht zugehörig ist. Zumindest nicht so richtig.
Es ist kaum zu glauben, dass gerade so ein Werk verantwortlich dafür ist, der Welt zu zeigen, dass dieses machohafte Gehabe, das wir aus solchen Werken normalerweise kennen, und das für viele die einzige Quelle solcher Geschichten ist, gar nicht der Realität entspricht, sondern dahinter eine Gefühlswelt verborgen ist, die man solch einer Unternehmung niemals zugetraut hätte.
Dieses Ding hat mich überwältigt. Die Bilder betören und senden eine sensible, verträumte, fast schon verletzliche Form von Gewalt auf die Leinwand, die zum einen schockt, zum anderen fesselt und in seinen Bann zieht. Chloé Zhao schafft es als Regisseurin, hier eine Ansicht an den Zuschauer zu vermitteln, der in den Gedanken und Sehnsüchten gefangen genommen wird und sich innerhalb dieser unendlichen Weiten bewegen kann, ohne darin verloren zu gehen.
Wer schon mal einen kleinen Blick in die ersten Eindrücke und Kurz-Reviews des Films geworfen hat, wird die Überwältigung an allen Enden dieser Welt bemerkt haben, die dieser Streifen global ausgelöst hat. Auch mich hat’s geflasht und lasst euch zum Schluss eines gesagt sein: Nutzt die großen Leinwände, gerne auch in ruhigeren Sälen, die die maßgebliche Pracht und Schönheit erst richtig zur Geltung bringen – sie ersetzen in keiner Weise die kleineren Displays, auf denen man sich später dieses Werk zu Gemüte führen könnte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Sensibles, beeindruckendes und emotional angereichertes Gefühlsepos in einem Genre, wo man dies so gar nicht erwartet.
Brady Jandreau spielt überragend und setzt damit Akzente in einem Umfeld, dass normalerweise von gegenteiligen Gefühlen geprägt auf der Leinwand exerziert wird. Dieser romantisch-verträumte Blick in die Abgründe einer Seele sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen und nur die große Leinwand dafür nutzen, damit die Naturgewalt und all die kleinen Details und Feinheiten richtig zur Geltung kommen.

 
Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgt nichts mehr.
Kinostart: 21. Juni 2018

The Cleaners

Dieses Mal ist es ganz einfach: Beantworte folgende Fragen. Falls du bei einem (oder mehreren) Punkten mit “ja” antwortest, dann ist dieser Film für dich Pflicht!

  • Hast du ein Smartphone?
  • Bist du bei Facebook registriert?
  • Nutzt du Twitter?
  • Schaust du hin und wieder (oder regelmäßig) auf YouTube Videos?
  • Nutzt du Instagram?
  • Nutzt du generell soziale Netzwerke?
  • Folgst du auf irgendeiner Plattform Freunden?
  • Hast du dir Ausschnitte eines Lebens schon mal in einer Timeline oder Wall angesehen?
  • Kennst du Menschen, die soziale Netzwerke nutzen?
  • Hast du vom Datenskandal auf Facebook gehört?
  • Hast du schon mal etwas von der Einflussnahme sozialer Netzwerke auf unsere Gesellschaft gehört?
  • Kennst du den Namen “Mark Zuckerberg“?
  • Sagt dir Google etwas und nutzt du deren Online-Angebote manchmal?

Solltest du eine dieser Fragen da oben mit “ja” beantworten, dann stehst du in der Pflicht! Dann bist du mit verantwortlich! Dann bist du Teil von etwas, das der Menschheit längst über den Kopf hinausgewachsen ist – ein entfesseltes Monster, dass es wieder zu bändigen gilt!

In den letzten Tagen und Wochen ist ein Konstrukt durch die Medien gegeistert, von dem diejenigen, die sich nicht aktiv mit Medien, IT und der Macht dahinter beschäftigt haben, vielleicht nicht viel verstanden haben.

Wieder einmal gilt nämlich: Worin Politik, Medien und öffentliche Personen glorreich versagt haben, obsiegt einmal mehr die Leinwand, indem sie eine Filmproduktion zulässt, die jedem Menschen diese Dinge beispielhaft und einleuchtend erklärt.

Es geht um ein Phänomen, von dem kaum einer etwas mitkriegt, weil diesen Personen unfassbare Bürden aufgelegt werden – wie die, über ihre Tätigkeiten schweigen zu müssen … was nun mutige Filmemacher recherchiert und enthüllt haben: Die schmutzige Dreckwäsche der Communities, in denen wir alle uns mehr oder weniger täglich rumtreiben und von dem Gebaren vordergründig kaum etwas mitkriegen.

The Cleaners heißt zu Deutsch: “Die Säuberer” – und dieses Wort allein löst schon eine schmutzige Affirmation aus: Ethnische Säuberungen, brutale Aktionen, Etwas, wo man am liebsten schnell wegschauen möchte, weil es mit Sicherheit irgendetwas Ekelhaftes im Hintergrund birgt.

Dieses Ekelhafte ist der Mensch. Das, was Menschen tagtäglich auf sozialen Plattformen hochladen, was von Facebook sozialgenormt als “hatespeech entfernen” in den Medien salonfähig gemacht wurde. Was so “normal” und wie eine gesellschaftliche Pflicht klingt, ist in Wirklichkeit ein hässliches Geschäft, dass auf dem Rücken weniger ausgetragen wird und enorme Risiken birgt, die eine Grundsatzdiskussion auslösen MÜSSEN!

Leute, um diese Pflicht können und dürfen wir uns nicht mehr drücken: Die Inhalte dieses Films MÜSSEN in den Medien und der Öffentlichkeit, in Schulen, Universitäten diskutiert werden, ja – dieser Film sollte zur Pflichtlektüre werden, bevor man sich als Anwender jemals an ein Smartphone setzen und dieses benutzen darf.

Ich appelliere hier ganz stark an die öffentlich-rechtlichen Medien, von ihrer Reichweite und Gebührenstärke unabhängig von der Quote Gebrauch zu machen und diesen Film breitflächig durch das Programm zu jagen – wieder und wieder – und all diejenigen zu erreichen, die es bislang noch nicht in den Kinos gesehen haben, solange der Film dort läuft.

Diese Botschaft hat nichts mehr damit zu tun, dass jemand hier Geld verdienen will oder man einfach nur “eine Geschichte” erzählt, diese Botschaft grenzt von ihrer Wichtigkeit her an die Grundprinzipien des Menschen, deckt Abgründe auf, in die wir uns alle mit Scheuklappen verrennen und elendig darin zugrunde gehen, sofern wir uns nicht aktiv diesem Thema annehmen und uns alle endlich darüber klar werden, was da eigentlich im Hintergrund gespielt wird – und wieso!

Das hat auch nichts mehr mit “Facebook” allein zu tun oder mit sozialen Netzwerken. Selbst wenn du kein Handy hast, kein Account auf dem Blauen Riesen besitzt, dich vehement dagegen weigerst, ein Smartphone zu besitzen und zu bedienen, aber deine Freunde oder Familie tut es: Deine Pflicht ist hier genauso, sie mit diesem Film zu konfrontieren und zur allgemeinen Debatte beizutragen, damit endlich Aufklärung in diese dunklen Bereiche kommt und die Menschen wissen, WAS sie da in den Händen halten.

Hier gehört Schulung her, hier gehören Menschen her, die mit klugen Gedanken eine Gesellschaft unterrichten und die Kompetenz in jedem einzelnen herstellen, der bereits ein Smartphone besitzt und diese Netzwerke ständig nutzt.

Die jahrelang versäumten Informationen, die aus dem “Was ist das überhaupt? Das braucht doch kein Mensch” ein Medium entwickelt haben, von dem heute viele süchtig sind und ohne das viele nicht mehr leben können, gehören endlich in die breite Öffentlichkeit, damit jeder, der dort drin agiert, endlich selbstbestimmt und verantwortungsbewusst postet und derartige Aktionen nicht mehr in den digitalen Hinterzimmern durchgeführt werden müssen, sondern endlich transparent und vom Bürger verständlich in die Primetime von ARD und ZDF gespült werden, damit diejenigen, die zu dem Zeitpunkt nicht schauen, spätestens in die Wiederholungen in den Dritten reinschalten, weil es vom Ersten in einer Primetime ausgestrahlt wurde und daher wichtig sein muss!

Letztendlich liegt die Verantwortung nämlich allein bei uns – den Anwendern – die ihr Verhalten und ihre Sichtweise mit eigenen Gedanken bespielen müssen, damit nicht mehr das Netz das alleinige Medium bleibt, dem man Glauben schenkt, sondern das eigene Hirn das zentrale Organ wird, mit dem ein objektives Bild hergestellt wird und manche (viele?) Dinge vorerst in Frage gestellt werden.

Und bevor jetzt der ein oder andere Angst kriegt, dass dies wieder so eine aufmerksamkeitsheischende Hetzjagd auf soziale Netzwerke wird: Dies ist es nicht. Dieser Film versteht sehr gut die Bedürfnisse und zeigt genauso auf, wie wichtig diese digitalen Einrichtungen sind. Hier werden keine Pauschalurteile gesprochen, sondern immens wichtige Punkte angerissen und Dinge aufgezeigt, die zum Alltag (!) dieser Netzwerke gehören und die einfach nicht länger ignoriert werden dürfen!

.kinoticket-Empfehlung: Der Film feierte im Rahmen des DOK.fest in München seine Deutschlandpremiere und startet am 17. Mai 2018 regulär in den Kinos.

Seit diesem Zeitpunkt kann niemand mehr behaupten, er “habe ja nichts davon gewusst”, sondern es gehört zu eurer bürgerlichen Pflicht, diesen Stoff zu konsumieren und zu verstehen – und lautstark dafür zu protestieren, dass diese Diskussion endlich von den Medien sachlich aufgegriffen wird, in Schulen und Universitäten verbreitet und flächendeckend die Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, wie wir alle in Zukunft mit so etwas umgehen müssen.

Die Zeit des Wegsehens ist vorbei und Ausreden gelten dabei auch nicht: Wer sich den Eintritt ins Kino nicht leisten kann, für den werden TV-Ausstrahlungen zur Verfügung stehen, wo er sich spätestens darüber in Kenntnis setzen kann, was dieser Film zu berichten hat.

Und ja, hier ist nichts gefaked, sondern es ist ein Enthüllungsfilm, der unter enorm schwierigen Voraussetzungen gedreht wurde und bei dem einige Menschen ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um uns an diese Informationen gelangen zu lassen. Also zollt ihnen gefälligst den Respekt dafür, den sie verdient haben!

Ich weiß: Die Konkurrenz diese Woche ist riesig – aber die Message dieses Dokumentarfilms ist um Welten wichtiger!

Nachspann
❌ Raus zu den anderen und darüber reden! Tauscht euch darüber aus. Diskutiert auf den Schulhöfen, in den Klassen, mit euren Lehrern, in Apple-Stores und Handyverkaufsgeschäften. Auf der Straße. Einfach überall darüber, was hier abgeht. Den Nachspann braucht ihr dafür nicht abwarten.

Kinostart: 17. Mai 2018

Original Title: The Cleaners
Length: 85 Min.
Rated: FSK 16

Und das sagen andere zu diesem immens wichtigen Film:
Programmkino.de: https://www.programmkino.de/content/Filmkritiken/the-cleaners/
ARD-Sendung Stilbruch: http://www.ardmediathek.de/tv/Stilbruch/The-Cleaners-Doku-über-die-digitale-/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=3914800&documentId=49763856
Variety.com: http://variety.com/2018/film/reviews/the-cleaners-review-1202673932/ (englisch)
Puls im BR: https://www.br.de/puls/themen/popkultur/interview-macher-the-cleaners-100.html


Userstimmen: Wenn ihr auch in diesem Beitrag gelistet und verlinkt werden möchtet, schreibt einfach eine kurze E-Mail mit eurem Blog/Artikel und einem Link dazu an meine E-Mail benjamin@directbox.com – ich werde eure Beiträge sichten und gerne mit einpflegen. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass sich so viele Menschen wie möglich mit diesem Thema auseinandersetzen und wir denjenigen Gehör verschaffen, die so etwas im Namen dieser Konzerne durchleiden müssen.

Gerne freue ich mich auch über Backlinks: Let’s spread the world!

Was werden die Leute sagen

Leute, mir fehlen die Worte. Ich bin in diesen Film rein, in der Erwartung, etwas zu sehen, dass sich ein wenig mit Scham, Heimlichtuerei oder kulturellen Unterschieden in der Gesellschaft auseinandersetzt … und geliefert hat man eine Explosion, die mich sprachlos gemacht und zutiefst schockiert hat!
Aber der Reihe nach.
Ich weiß, mein Label steht für Spoilerfreiheit, und ich glaube, dass ich nicht zu viel verrate, wenn ich sage: Beginnt einfach damit, euch noch einmal Der Stern von Indien anzusehen, um die Erschaffung und Gründung dieses Staates zu verstehen. Um ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, woraus das alles entstanden ist und welche moralischen, emotionalen und religiösen Fundamente hier Grundstein waren, auf denen sich diese Kultur entwickelt hat.
Dann legt euch selbst die Halterungen im Schädel an, holt euch ein .kinoticket und begebt euch auf eine grausame, unfassbare Reise durch einen Film, der für mich bis jetzt absolut der Film des Jahres ist!
Iram Haq hat etwas erschaffen, dass ich als “Meilenstein internationaler, kultureller Verständigung und Aufklärung” bezeichnen würde, dass nicht nur Einblicke in ein Leben gewährt, sondern hier zu einem tieferen Grundverständnis führt und verschiedene Kulturen (hoffentlich) zusammenbringt.
Wir leben in einer Welt kultureller Diversität, in der längst nicht mehr einheitlich durch Landesgrenzen abgeschirmt ist, was woanders passiert. Nicht nur moderne Technik hat die Abgrenzungen zu fremden Nationen, fremden Gepflogenheiten längst verwischen lassen, sondern politische und marktwirtschaftliche Entscheidungen fordern unlängst ihre überfälligen Konsequenzen ein und verändern aktiv das Bild einer Welt, die in sich zusammenzubrechen droht.
Geht man von Deutschland aus – einem Land, dass vergleichsweise zu anderen Nationen in Reichtum und Wohlstand lebt – hört man vielerorts Beschwerden über Zugereiste, Flüchtende aus Nationen und Ländern, in denen andere Regeln herrschen und man spürt den Unmut unserer Landesbürger über die ungewollte Konfrontation mit anderen Gewohnheiten.
Die Medien haben daraus eine inzwischen lächerliche Dauerdiskussion gemacht, in der die immergleichen Fragen nicht beantwortet und zumindest wohlgemeinte Absichten nicht mehr erkennbar sind, was zusätzlich den Hass auf diese Menschen schürt und den Aufgebrachten zusätzlichen Nährboden liefert, was dann in Aktionen wie Hausbränden und anderen Verwerflichkeiten endet.
All dies entsprungen aus einem grundsätzlichen Unverständnis heraus, da keiner von uns ernstlich den Willen und Mut aufgebracht hat, sich diesen Fremdartigkeiten zu stellen und sie zumindest ansatzweise verstehen zu wollen.
Okay, bevor ihr hier gleich alle Sturm lauft: Es geht nicht darum, alle Grenzen zu öffnen und die ganze Welt in unser Land spazieren zu lassen, ihnen Geld in den Rachen zu werfen und dabei nichts zu hinterfragen. Falsch. Es geht um etwas viel größeres.
Wozu Politiker nicht in der Lage waren, was viele sogenannte “Experten” in unzähligen Talk-Diskussionen und Polit-Shows nicht auf die Reihe gebracht haben, hat nun ein Paradebeispiel geschafft auf einer Plattform, auf der ordentliches Reden und das Aufzeigen einer komplexeren Sache unglaublich einfach ist: Kino.
Iram Haq erzählt eine Geschichte, von Schauspielern inszeniert, die mit großartiger Sorgfalt gecastet wurden, um die entsprechend psychische Belastung auch korrekt darstellen zu können. Wer den Film besieht und im Abspann genau hinschaut, wird feststellen, dass die Handlungen “frei erfunden” sind. Im Interview verrät die Regisseurin aber, dass dies ihre persönliche Geschichte ist, die sie durch diesen Film zu interpretieren versucht und für die sie Jahre ihres Lebens gebraucht hat, um sie auch richtig erzählen zu können.
Ihr ging es nicht um kulturelles Bashing, ihr ging es auch nicht um die Darstellung einer Opfer-Täter-Rolle, sondern ihr Ziel war, beide Kulturen so in einem Film zu präsentieren, der zwar ganz klar aus Sicht des Kindes, das sie damals war, gezeigt wird und den Zuschauer sehr einfühlsam an ihrer Welt teilhaben lässt, jedoch auch zumindest versucht, diese verschrobenen und hier verurteilten Werte und Ängste einer ganzen Nation widerzuspiegeln.
Die Grundelemente dieses Films hat sie in ihrer Kindheit persönlich durchlitten und ist damit selbst Leidtragende dieser hasszerfressenen Kluft, die zwischen verschiedenen Völkern unterschiedlichen Glaubens entstehen können, den Film selbst hat sie aber mit einigen Details ausgeschmückt, weil sich dies so im Kino besser darstellen ließ.
Im Film selbst kommt man zu einem Punkt, wo man sich fragt: “Wieso bringst du dich nicht einfach um? Wie kann ein Mensch so etwas aushalten?”
Wenn man diese Gedanken dann weiter verfolgt und z.B. einfach mal ein Gedankenexperiment durchführt, in dem alle Deutschen nun den Platz mit Bürgern dieser Nation austauschen und für den Rest ihres Lebens unter diesen Bedingungen leben müssen, dann wären wohl ziemlich viele deutsche Selbstmorde an der Tagesordnung, da diese Belastungen einfach unvorstellbar sind.
Wie hält ein Mensch so etwas aus?
Diesen Film zu machen und der Welt einen offenen, ungeschönten Blick auf alle Seiten solcher Religionen und Länder zu verschaffen, ist das Beste, das diese Frau machen konnte – und sie bereichert uns alle dadurch mit einer unbezahlbar großen Portion Grundverständnis für Menschen, die das unbeschreibliche Glück haben, in unserer westlichen Welt leben und aufwachsen zu dürfen und all die Freiheiten zu genießen, derer wir, die wir hier geboren sind, gar nicht mehr gedenken noch sie zu schätzen wissen.
Ich wage sogar zu behaupten: Wenn jeder dazu verpflichtet wäre, diesen Film zu schauen, um die komplexe Verstrickung kultureller Unterschiede endlich in seiner Gänze zu begreifen, hätten wir weltweit kein Rassismusproblem mehr.
Dir als Europäer geht es während der Laufzeit wahrscheinlich permanent durch die Muskeln, du zuckst und würdest gewissen Parteien permanent ins Gesicht schlagen, damit sie diese Ungerechtigkeiten und qualvollen Misshandlungen junger Menschen endlich unterlassen, aber du verstehst genauso, dass dies dort einfach so ist und man das nicht durch Verantwortungszuweisung und eine simple Schuldfrage klären kann, sondern da viel mehr dahinter steht, dass so einfach nicht zu lösen ist, dass diese psychischen “Vergewaltiger” selbst Opfer ihrer eigenen Kultur geworden sind und man dies nicht durch billiges Gewäsch als eigene Verantwortung verurteilen kann.
Ich weiß, meine Worte sind schäbig im Vergleich zu der bildhaften und verständlichen Darstellung Iram Haqs durch den Film, aber ihr merkt schon, welch ein gigantisches Konstrukt interkultureller Aufklärung und Harmoniefindung dieses Projekt innehat, dass zu klaren Schlüssen kommt, dessen Befreiungsschlag sich aber nicht wie eine Erlösung anfühlt, was uns alle noch vor große Aufgaben für die Zukunft stellt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn der Titel ins Schwarze trifft: Gegen die Mega-Giganten derzeitiger Kinopublikationen stirbt dieser Film elende Tode und die Presseabteilungen haben genügend Schwierigkeiten, Kinos zu finden, die Raum zum Screenen zur Verfügung stellen.
Dabei ist dieser Film die wohl wichtigste Errungenschaft des heutigen Jahrhunderts, weil er einen unbezahlbaren Beitrag dazu liefert, dass ganze Nationen zu einem besseren Ich aufsteigen können, indem er ungeschönt und konsequent die Geschichte eines jungen Mädchens erzählt, das Opfer einer Welt geworden ist, die heute immer noch traurig-aktuell ist.
Wenn man sich als Zuschauer bereits den erlösenden Freitod der Hauptdarstellerin wünscht, um sie endlich von den unsäglichen Qualen zu befreien, weil diese Torturen unvorstellbar sind, dann zeigt dies, mit welch geballter Macht hier Dinge verarbeitet werden, die man als Europäer zwar kennt, sie aber immer mit “Geht mich nichts an” zur Seite geschoben hat, ohne zu verstehen, was dies wirklich bedeutet.
Dieser Film schafft es, den Bann des Hasses durch simple Aufklärung zu brechen und verhilft jedem, der es möchte, zu einem tieferen Grundverständnis für diese schwierige Situation – und ich wünsche jedem von euch, diesen Film gesehen zu haben, um diesen Planeten durch anderes Handeln zu einer gesünderen Lebensweise zu verhelfen.
Lasst alles andere links liegen und helft aktiv dabei, dass dieser Film nicht in einer Versenkung verschwindet und unter sinnfreien Blockbustern begraben wird – er hat alles verdient, nur nicht das.

 
Nachspann
Ich saß da und konnte nicht mehr aufstehen. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. War einfach nur geschockt.
Kinostart: 10. Mai 2018

Schloss aus Glas

Das Thema Breakout ist derzeit in vielen Kinos wieder in Mode und erweist sich so langsam auch als Publikumsmagnet. Zumindest in kleineren Städten reißen sich die Menschen um .kinotickets für solche Vorstellungen und man rüstet den Wochenplan dementsprechend um, um genau das zu bieten.
Schloss aus Glas basiert erneut auf einer wahren Geschichte und ist somit zugleich Buchverfilmung als auch “aus dem echten Leben erzählt”. Die Geschichte ist derart verblüffend, tragisch und ergreifend, da sie nicht zwischen A und B entscheidet, sondern den erbitterten Zwist zwischen der notwendigen Realität und dem unerklärlichen Drang nach Freiheit und Ausbruch sorgfältig unter die Lupe nimmt und hier neue Formen des Umgangs damit präsentiert.
Durch seine “Tatsächlich passiert”-Nacherzählung verpuffen alle Argumente, die dieses Leben als “nur ein Film” hinstellen wollen und offenbart einmal mehr, dass es durchaus möglich ist, nicht nach den konformen Regeln des Konservatismus leben zu müssen, um tatsächlich erfolgreich und – viel wichtiger – glücklich im Leben sein zu können.
All dies verrät aber immer noch nichts über das, was uns in Schloss aus Glas in eindrücklichen und bleibenden Bildern erzählt wird. Brie Larson glänzt neben Naomi Watts an der Seite von Woody Harrelson, der wieder einmal Höchstleistungen darbietet, die auch in diesem Film wieder zum Anbeten sind.
Und neben all den Exzessen, Querulanten, Absonderlichkeiten und dem unbändigen Streben einer Coming-of-Age-Generation, die sich im harten Alltag durch alle möglichen und unmöglichen Situationen durchbeißt, erblüht hier eine diskutierbare Offerte von Optionen des Erwachsenwerdens, ohne dabei auf den Respekt und die Liebe verzichten zu müssen.
Und ich wage zu versprechen, dass jeder, der diesen Film besucht, auf irgendeine Weise angesprochen wird. Denn um das völlig gefühlskalt und emotionsbefreit abzutun, braucht es die Abwesenheit jedweder menschlicher Regung – und das dürfte in den seltensten Fällen der Fall sein.
 

.kinoticket-Empfehlung: Eine ergreifende und wahre Geschichte, die nicht nur mit völliger Schrägheit verblüfft, sondern die irren Windungen inmitten von Gesetzen und Normen durchbricht, um schlussendlich völlig befreit aus dieser Lage emporzusteigen.
Die Szenen sind beeindruckend und hallen noch lange nach, die Darsteller erobern die Herzen im Sturm und die erbitterte Wahrheit dieser Erzählung erschüttert noch lange danach den Geist.
Definitiv sehenswert und mega emotional!

 
Nachspann
sollte man mitnehmen, da dieser zur Glaubwürdigkeit extrem viel beiträgt.
Kinostart: 21. September 2017

Ostwind – Aufbruch nach Ora

Nachdem ich hier bereits meine “große Freude” an dieser Filmreihe bekanntgegeben habe, hatte ich natürlich “wahnsinnige Lust”, mir dieses von frevelhaftem Deutsch durchzogene Nachfolgewerk im Kino anzuschauen.
Und sorry, ja, ich bin spät dran. Zu spät.
Und sorry für meine Vorurteile. Ich entschuldige mich zutiefst bei den Machern, denn mit dem dritten Teil der Ostwind-Verfilmungen hat man mich gelinde gesagt extrem vom Kinosessel gehauen!
Die Verniedlichungen sind weg. Alle. Das ist kein Kinderfilm mehr, sondern höchster Anspruch auf Erwachsenen-Niveau, der nicht nur metaphysische Gipfel erklimmt, sondern mit einer Tiefgründigkeit aufwartet, die mehr als erstaunlich ist!
Probe gefällig? Dann zappt allein mal in den Soundtrack des Films (Ostwind – Aufbruch nach Ora – “Opener” reicht da schon fast als Track) rein und macht eure Augen dabei zu. Was seht ihr?
Ich sehe keinen Kinderfilm mehr (auch wenn die Spielzeiten das vermuten lassen). Ich sehe großartiges Kino, wohl bedacht, mächtig, mit Tiefgang und Eleganz, ein Epos. Und genau das ist Ostwind – Aufbruch nach Ora auch: Ein mit Menschlichkeit durchzogener Strang einer Geschichte, die für Kinder erzählt anfing und eine tränenbringende Wendung angenommen hat, die mich zutiefst im Herzen erschüttert.
Ich schreie vor Verzweiflung und Ergriffenheit, wenn der Soundtrack in meinen Ohren dröhnt und die imposanten Bilder des Films in seiner glanzvollen Pracht in meinem Kopf nachhallen, während ich ungeduldig darauf warte, dass dieser Film wieder und wieder über die Leinwand flimmert und ich mich erneut in den Fluten dieser von Niedergeschlagenheit und Ernsthaftigkeit durchzogenen Welt verlieren kann und als stiller Begleiter der Hauptdarstellerin durch die Wesenszüge gleite, die dort sanft umspielt, ernsthaft untermauert und mächtig durch den Boden krachend in die Welt posaunt werden.
Das hier ist kein “Wir sind kleine Hippies, die Pferde anhimmeln” mehr. Es ist so viel größer. So viel ehrbarer. So viel imposanter und mächtiger, dass man längst das Genre verlassen muss, weil Kinder nur noch die nette Beigabe sind, die man außerhalb als Entschuldigung braucht, um sich als Erwachsener ein Bild davon machen zu dürfen.
Und sobald man im Saal sitzt und all die bunten, quietschenden Trailer vorbei sind, landet man in einem Emotionsstrudel, der vor Ernsthaftigkeit und Harmonie nur so sprudelt. Man fiebert. Man weint. Man leidet. Und da ist absolut nichts mehr von dem ursprünglichen Hass des Nichtskönnens oder irgendwelcher Sprache. Oder typisch-deutscher Blödheit. Nichts.
Herrschaft, ich seh kaum noch, während ich diese Zeilen schreibe, weil sich meine Augen bereits beim Klang wieder mit Wasser füllen…
Wie konnte man zwischen zwei Filmen so schnell “erwachsen” werden? Wie konnte man aus einer fast schon “Lachnummer” etwas so dermaßen großartiges werden lassen? Ich bin immer noch beeindruckt und wünsche jedem sehnlichst, dass er meine Worte versteht und sich tatsächlich auf den Weg macht und sich den Film im Kino anschaut.
Denn Kino ist der einzige Ort, wo diese präsente Wucht auch gebührend rübergebracht werden kann. Nicht umsonst landete die Ausstrahlung im größten Saal, der dem Film überraschend angemessen war.
 

.kinoticket-Empfehlung: Überwindet euren Stolz und traut euch in diesen Film.
Er ist für Erwachsene fast besser geeignet als für Kinder, denn nicht nur die Charaktere sind älter geworden, sondern die Story bezeugt eine derartige Reife, wie sie manch andere – an Erwachsene gerichtete – Filme vermissen lassen.
Mich hat’s zutiefst beeindruckt (und dabei meine ich nicht nur, dass man sich von der üblichen Schmalzigkeit deutscher Filme gelöst hat).
Absolut sehenswert – und dieses Prädikat auch mehr als verdient bekommen!
Reingehen!

 
Nachspann
Nicht gleich aufspringen. Es endet langsam.
Kinostart: 27. Juli 2017

Chasing Niagara

Ich hoffe, ihr kriegt noch eine der raren Vorstellungen ab, wenn Chasing Niagara in den deutschen Kinos gezeigt wird. Das Sportevent ist vielleicht nicht unbedingt das passende Stichwort, um bei der breiten Bevölkerung zu punkten, denn die, die Sport machen, sind bei dem Wetter sowieso draußen im Freien und bewegen sich mittendrin statt nur dabei, während diejenigen, die sich ins Kino verkrümeln auch nicht unbedingt sportliche Events feiern möchten, sondern eher zähfließende Unterhaltung bevorzugen, bei der man den Geist nicht zu sehr anstrengen muss.
So zumindest machen für mich die Erfolgsmeldungen erst Sinn, wenn man das breite Spektrum an Kinofilmen betrachtet und sich die allgemein gegenwärtigen Meinungen dazu anhört.
Chasing Niagara nimmt einen hier mit in eine völlig andere Welt, die nicht in der ARD breitgetreten wird und vom Publikum so frenetisch abgefeiert, wie der mit den 11 Leuten und dem runden Ding.
Was man überdeutlich spürt: Die Menschheit ist erwachsen geworden, wenn es um Dokus geht und liefert hier nicht mehr nur wackelige Handkamera-Shots ab, sondern begeistert mit nahezu unglaublichen Bildern in abgefuckter 4K-Qualität, die jeden Blockbuster in ästhetischer Hinsicht vom Platz verweisen. Was dabei in sensationellen Bildern über die Bildfläche rauscht, nimmt einem nicht nur die Luft zum Atmen, sondern lässt die Zeit für einen Moment kurz stillstehen.
Zu erleben, wie sich die Menschen aus ihrem Trott freikämpfen und dem Sinn des Lebens auf der Spur sind, zu spüren, wie sich das Leben in ihnen ausbreitet, fruchtet und sie zu euphorischem Jubel führt – wer dabei keine Gänsehaut kriegt, der hat nie gelebt.
Die Marke Red Bull hat sich in jüngster Vergangenheit ja zu größeren Sportereignissen bekannt und trumpft auch hier wieder neben jeder Menge Marketing auf, was aber angesichts der freien Bühne für die wirklichen Stars des Films keinerlei Abbruch tut, denn die Botschaft kommt an und die Impressionen überwältigen.
Allein schon das virtuelle Bereisen der verschiedensten versteckten Winkel dieser Erde lockt dazu, sich aus seinen vier Wänden zu bewegen und endlich freie Luft zu atmen, auch wenn man dabei keine so halsbrecherischen Aktionen bewältigen muss, wie im Film gezeigt.
Also auf die müden Füße, raus und sofort ins Kino, wenn irgendwo draußen das Plakat dazu hängt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Ganz ehrlich? Mein 4K-TV und das passende 4K-Equipment locken nicht mehr nur, sondern greifen mit 5000 Armen nach der schwarzen Scheibe, wenn die denn endlich auf dem Markt erhältlich sein wird – und spätestens dann werde ich höchstpersönlich jeden am Schlawittchen packen und vor die Glotze nageln …
oder ihr geht einfach freiwillig rein und schaut euch an, was einem da geboten wird – es ist … unbeschreiblich!

 
Nachspann
Sitzenbleiben. Der ist zwar nicht lang, aber voll mit betörenden Bildern und gehört bei diesem Kunststück einfach mit dazu.

Die Bestimmung – Allegiant

Ich hab’s versprochen – hier ist sie: Die .kinoticket-Filmrezension zum dritten (und vorletzten) Teil der Bestimmung-Saga.
An diesem Beispiel kann man glorreich erkennen, was passiert, wenn im Trailer viel zu viel verraten wird. An dieser Stelle: Teasern! Lasst die Leute auf die Mauer zurennen und dann blendet ab! Lasst doch den Scheiß und zeigt schon im Trailer die markanten Stellen, um der Geschichte schließlich noch den letzten Rest von Interpretationswürde zu rauben, damit macht ihr den Kinogängern nämlich das Leben wirklich zur Hölle.
Wir reden wieder einmal von: Vorhersehbarkeit.
Nichts ist tödlicher für eine Geschichte, als wenn man deren Ausgang erahnen könnte und sich dann im Laufe der Zeit mit der vorhergesagten Vermutungsbewahrheitung anfeindet. Und genau das wird scheibchenweise bei Die Bestimmung – Allegiant getan.
Klar, das Werk erhebt sich technisch aus der Masse der Dinge und entspricht in seiner Machart locker dem, was man ein episches Finale nennen würde, jedoch gilt mein Lob hier vorwiegend wieder: Der Kulisse, dem Ton und der Kameraführung.
Dass diesmal dann tatsächlich auf 3D verzichtet wurde (kommt das noch?) lässt sich wohl nur dadurch erklären, dass im zweiten Teil die Leute so dermaßen angepisst waren, dass man den Aufschwung zur 3D-.kinoticket-Grenze wohl nicht mehr wagen wollte, um wieder mehr Leute in den Film zu kriegen, damit die Massenphänomen-Regeln erfüllt werden.
Und ohne sagenhaftes 3D – wir erinnern uns: das war in Teil 2 wirklich herausragend! – bleibt dann auf einmal nur die Story und der Gesamteindruck des Films. Und da beschleicht mich das Gefühl, dass ich dem Alter entwachsen und somit nicht mehr einfach angefixt werden kann, denn das Kino war zum Teil mit 13-14jährigen gefüllt, die ihre helle Freude an den Geschehnissen verkündeten.
Und als Kinderrevolution geht die Sache durchaus durch. Wenn man beabsichtigt, die Generation BRAVO hier zu begeistern, erfüllt man definitiv die gewünschten Kriterien und erntet Lob vom Wunschpublikum. Die Frage ist nur, was diese (Quad)-Trilogie dann von Panem unterscheidet, da hat der Käse nämlich auch für Erwachsene durchaus zumutbar funktioniert.
Die Schauspieler sind ungefähr gleich alt, die Welt ist ähnlich beschissen aufgeteilt, die Menschen werden ähnlich unterdrückt, es geht ebenfalls um nicht ausschließlich erwachsene Systemkritik und bei dem einen krachts gewaltig und endet furios, bei dem anderen gähnt man hinterher und spaziert gemütlich wieder von dannen.
What has happened?
 

.kinoticket-Empfehlung: Zusammenfassend würde ich sagen, dass man hier zwar einiges aus dem wirklich verpatzten zweiten Teil wieder gut gemacht hat, jedoch zu wenig Materie auf den Bordstein wirft, um die Menschen darauf auch nur annähernd zu erschüttern.
Stoff genügend hätte man, um hier etwas wirklich großes daraus entstehen zu lassen, doch damit hätte man sich dann wohl von der Kinderfraktion abgewendet und wäre publikumsleer ausgegangen. Und das soll ja nun nicht passieren.

 
Nachspann
Die Musik war gut – wirklich gut. Doch ob sich dafür das Warten auf den Schlussakkord lohnt, bleibt jedem selbst überlassen. Der Teaser für das endgültige Finale bleibt auf jeden Fall aus.

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