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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Franka Potente

25 km/h


© 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

 

Viele können sich unter dem Titel schwer was vorstellen und meine Prognose war: Sämtliche Autofahrer werden mit diesem Film anfangs ihre lieben Schwierigkeiten haben.

25 km/h – mancher Fahrradfahrer ist schneller, denn das ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Mofas, die auf der Straße allerorts gehasst sind und die deshalb kaum jemand fährt. Ich zähle zu den “kaums”, weil diese Kategorie für mich nicht in die Abzocker-Vereinigung gehört, zu denen ich überteuerte Führerscheine und noch überteuertere Fahrzeuge zähle. Wie viele Menschen leben und arbeiten, rein um ihre Wohnung und ihr Gefährt zu unterhalten, für mich ist dieser Spaß mit 50 € im Jahr gegessen und ich komme – dank Öffis – trotzdem voran und bin auch auf dem Land die paar Kilometer zum nächsten Bahnhof nicht aufgeschmissen.

Was die Touren angeht, die weit über das “Ja, das ist noch machbar” hinausreichen, habe ich auch schon genügend Erfahrungen gesammelt, indem ich z.B. mehrfach mit dem Mofa von Kempten nach Augsburg oder München und zurück gefahren bin und daher weiß, was es heißt, wenn man mal 8 Stunden am Stück auf so einem Teil sitzt und durch strömenden Regen bei Nacht und Gewitter fährt.

Eben jene Personen, die das gemacht haben, haben während dem ganzen Film schon ein Grund-Schmunzeln im Gesicht, weil all diese Dinge, die man als ambitionierter Mofa-Fahrer so erlebt, genau in diesem Film vorkommen und man sich sowas von verstanden damit fühlt.

Alle anderen haben erstmal extreme Schwierigkeiten, auf dieses “langsame Niveau” zu steigen, weil es erstmal ein wenig dauert, bis man damit klar kommt, dass alles eben etwas gemütlicher und sinnlicher von statten geht und man nicht wie die gehetzten Schweine mal eben quer durch Deutschland kommt.

Auch hier hat man meiner Meinung nach vieles richtig gemacht: Man lässt sich Zeit, man übt sich in tollen Dialogen, man spricht Dinge aus, die andere Filme eloquent wegcutten, man spricht Wahrheiten, die sich sonst nie jemand zu sagen gewagt hätte. Überhaupt ist dieser Film unfassbar dialoglastig und unglaublich ernst, was man einem Ernie-gebrandeten Bjarne Mädel sofort abkauft, womit der aber auch unglaublich erstaunt. Überhaupt wartet der Film mit einigen toll besetzten Rollen auf und wer es geschafft hat, bisher den .trailern zu entgehen, dürfte die ein oder andere Überraschung im Film erleben.

Was auch unglaublich gelungen ist, sind die Takes und Kameraeinstellungen: Für deutsches Kino absolutes Hochniveau! Man fährt hier zu Taten auf, die fast an oscarverdächtige Hollywood-Produktionen grenzen mit unglaublich beeindruckenden Bildern, Settings, Takes und Silhouetten, die dir schlichtweg den Atem rauben! Chapeau an den Macher, der dafür verantwortlich war!

Das Ende ist dann etwas in die Art, wie es im ZDF-Buche steht, all das tut dem Gesamtwerk aber keinerlei Abbruch, weil die gute Stimmung dadurch weder verloren geht, noch der Film an sich schlechter wird. Vielmehr vermisst man eigentlich nur den Oscar-Paukenschlag, der aus diesem Ding dann ein Ultimativum macht und es zur Allzeit-Koryphäe erhebt. Die bleibt aus, der Rest des Films ist aber sehr wohl brauchbar und erinnert auch in vielen Punkten an andere große Filme.

 

.kinoticket-Empfehlung: Wunderschönes, deutsches Kino mit Bildern und Kamerafahrten, die oscarreif sind!

Dialoge, Ernsthaftigkeit, Plot, Selbstfindungstrip und alles drumherum ist großartig gestaltet und lässt die Zuschauer mitlachen, emotional werden und liefert ihnen einen tollen Film, der bis zum Schluss großartig unterhält und viel Comedy bereithält.

Der Schluss sackt durch die “typisch ZDF“-Plotenden etwas ab, zerstört den Film aber dadurch nicht, sondern hinterlässt trotzdem ein wahnsinnig gutes Gefühl beim Wieder-aus-dem-Saal-spazieren.

Daumen hoch – davon dürft ihr gern mehr bringen!

 

Nachspann
❌ folgt ohne weitere Szenen oder Boni. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 31. Oktober 2018

Original Title: 25 km/h
Length: 116 Min.
Rate: FSK 6

 

25 km/h ist auf großer Kinotour in Deutschland unterwegs!

Die Tour ist inzwischen in vollem Gange und kann von euch noch bei folgenden Events besucht werden:

30. Oktober 2018 – Köln
18:00 Uhr – Filmpalast (mit Lars Eidinger, Bjarne Mädel, Oliver Ziegenbalg)
20:00 Uhr – Residenz (mit Lars Eidinger, Bjarne Mädel, Oliver Ziegenbalg, Wotan Wilke Möhring und evtl. Sandra Hüller)

31. Oktober 2018 – München
19:30 Uhr – Mathäser Filmpalast (mit Bjarne Mädel, Markus Goller, Oliver Ziegenbalg)

01. November 2018 – Ingolstadt / Nürnberg
17:15 Uhr – Cinestar /
20:30 Uhr – Cinecitta (mit Markus Goller, Oliver Ziegenbalg)

02. November 2018 – Stuttgart / Leonberg
18:00 Uhr – Metropol /
20:15 Uhr – Traumpalast (mit Markus Goller, Oliver Ziegenbalg)

03. November 2018 – Frankfurt am Main
18:00 Uhr – Harmonie Kino
20:30 Uhr – CineStar Metropolis (mit Bjarne Mädel, Markus Goller, Oliver Ziegenbalg)

04. November 2018 – Leipzig
18:00 Uhr – CineStar (mit Sandra Hüller, Markus Goller, Oliver Ziegenbalg)

Conjuring 2

So wie uns die Kinos in den letzten Jahren in diesem Genre still angeschwiegen haben, so war es in den letzten paar Tagen hier im Blog etwas “leiser”, aber das wird sich wieder ändern. Versprochen.
Fakt ist: Mit Conjuring 2 schickt Starregisseur James Wan endlich wieder mal einen Horrorfilm ins Rennen, der diese Bezeichnung auch verdient. Was öden mich diese ganzen aufgesetzten Schocker an, die so vorhersehbar, abgelutscht, ausgeweidet und 200x aufgekocht wurden, nur um mit den wiedergleichen Effekten nochmal Geld zu machen und dem Zuschauer auf dem Tablett nur die Suppe von vorletztem Jahr zu servieren.
Conjuring 2 geht da gänzlich anders vor. Der ganze heischende “Wir sind live. Alles hier ist echt und basiert auch auf reellen Tatsachen und ist überhaupt genau so passiert”-Quatsch bleibt außen vor und man wird als Zuschauer in eine wunderbar selbstreflektierte, ernstzunehmende Welt geschmissen, die sich mit dem Übernatürlichen beschäftigt.
Dies wird aber nicht in einer derart überzogenen, unwirklichen und teilweise lächerlichen Art gemacht, wie es bei der Paranormal Activity-Reihe der Fall ist, sondern wenn man so will mit Sinn und Verstand.
Klar handelt es sich hier um Dinge, die man so im Supermarkt wohl kaum in den Einkaufswagen legen und seinen Kindern zu Hause als hübsches Mitbringsel präsentieren kann, allerdings hat man den Spagat zwischen der Unwirklichkeit des Films und der realen Gefahr, die aus dem Stoff hervorgeht, meiner Meinung nach wunderbar gelöst.
Doch einer der größten Pluspunkte ist der Gruselfaktor, da hier nicht auf überragende Effekte oder wahnsinnig moderne Animationen gesetzt wird (im Gegenteil: die Effekte wirken teilweise sogar fast schon billig), sondern tatsächlich Sphäre schafft, die den Zuschauer mitreißt und in seinen Bann zieht. Was der Trailer rüberbringt, nimmt längst nicht die Ausmaße an, die im Film ausgefüllt werden und man hat durchaus wunderbare Momente, in denen sich die Haut zusammenzieht und das Adrenalin in die Höhe schnellt.
Es geht eben also doch.
Dass sich der Regisseur, der mit dem grandiosen FSK-18-Werk SAW weltbekannt geworden ist, hinterher eher dem Paranormalen zugewendet hat, haben seine vergangenen Erfolge ja mittlerweile deutlich bewiesen. Und diese Bodenständigkeit, die einen als Zuschauer wissen lässt, dass dieser Mann noch viel mehr kann als Nichts anzudeuten und einen dabei den eiskalten Hauch im Nacken spüren zu lassen, hinterlässt auch hier deutliche Spuren. Damit erhält man ein Fundament, auf dem etwas Wunderbares entstehen kann, was im Endeffekt darin gipfelt, dass der geneigte Fan von Horrorfilmen nun endlich wieder aufatmen und seinem Stammkino einen Besuch abstatten kann: Der Grund hierfür steht im Titel dieses Beitrags.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Satz “Es geht eben doch” geisterte mir während der ganzen Vorstellung durch den Kopf.
Die Stupiditäten diverser Horrorstreifen wurden endlich mal in einen Sack gepackt und in einem dieser Keller vergraben, in denen es 100 Jahre lang keiner findet. Klar hat man auch hier witzige Stellen, die ironisch mit den Vorahnungen spielen (das Kino hatte während der Vorstellung durchaus richtig Spaß mit solchen Bemerkungen), jedoch wurde an dieser Stelle endlich mal vieles richtig gemacht.
Einziges Manko: Ein paar kleine Längen gibt es, aber ansonsten hat man wunderbar funktionierende Gruselstimmung und endlich wieder einen Grund, als Horrorfilmfanatiker ins Kino zu gehen.

 
Nachspann
Sitzen bleiben. Hier kommt noch einiges an Bildmaterial zum Vorschein.

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