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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Forschung

Venom (3D)

Dieser Film wird die Welt heilen. Er saugt all die Boshaftigkeit in sich auf, bringt die zerstörerische Wut unserer Generation in ein passendes Gefäß, lässt dieses explodieren und verteilt die genüssliche Wirkung von Rache, Feindseligkeit und Hass auf unsere Generation.

Diese Krankhaftigkeit, mit der unsere Zeit verseucht ist, bekommt hier ein Symbolbild und wird für Sehende verständlich auf die Leinwand gemalt.

Wer nicht mit Waffen draußen rumspazieren und seinem Ärger durch den Trigger Luft verschaffen will, kann dies völlig unschädlich jetzt auf der Leinwand auch einfach erleben: .kinoticket lösen, 3D Brille aufsetzen und dabei zusehen, wie Venom mit allem aufräumt.

Krieger dieser Welt, schnappt euch ein Pausenbrot, senkt eure Waffen, legt euch auf den Boden und lasst das Blut aus euren Wunden fließen: Ihr braucht vorerst nicht weiter kämpfen: Venom ist da!

Dieses Gefühl ist unbeschreiblich: Pause! Zeit für sich. Zeit, seinen eigenen Schmerz zu erleben, weil man nicht ständig für andere stark sein muss. Da drin … steckt mehr, als Sony oder Marvel weiß.

Ich hab stundenlang danach immer noch Gänsehaut gehabt und ich bin mir ziemlich sicher: Die Welt wird diesen Film nicht verstehen. David, this is for you. Only.

Es klingen überall Befürchtungen an, dieses Werk sei scheiße. Okay, Sony hat in der Vergangenheit nicht immer nur Brüller rausgehauen und Marvel ist dieses Mal nur “in association with” dabei, aber selbst das reicht, um endlich alles richtig zu machen, was vorher mit Spider-Man in die Scheiße geritten wurde.

Es ist das erste Mal, dass Marvel einen Charakter “einkauft”, den sie nicht selbst erfunden und auf die Leinwand gebracht haben. Und die Vorgeschichte ist durch alle, die vorher mit ihren Dreckhänden dran gepackt haben, im Arsch. Marvel muss diesen Charakter also nicht nur retten, sondern auch viele Lügen und Betrug bereinigen, der inzwischen in den Köpfen der Menschen rumgeistert.

Die .trailer zum neuen Spider-Man leisten da schon großartige Vorarbeit und die zerstrittenen Comic-Seelen dürften nun langsam beginnen, ihren Frieden mit dem Major-Label zu schließen und ihre Augen weiter öffnen für alles, was da kommen möge.

Vor dem Wiederaufbau die Zerstörung. Erst alles kaputtschlagen, dann schauen, was überlebt und neu hinstellen. Great American Spirit. Venom ist für’s Kaputtschlagen da und ich hoffe und bete immer noch, dass wir davon eine Trilogy bekommen werden, denn: Dieser Film wird unsere Welt heilen.

P.S: Schaut ihn euch in OV oder OmU an, die deutsche Synchronisation ist zwar ganz passabel, der Voice-Cast für Venom erfreulich düster und auch Tom Hardy‘s geile Performance wurde toll gemastered, allerdings sind einige Jokes im Englischen mit wesentlich mehr Profil gesegnet.

.kinoticket-Empfehlung: Das 3D ist nicht zwingend notwendig, den Film anzusehen dafür um so mehr: Es ist ein perfektes Spiegelbild unserer zerstörten Generation und vollbringt das, wozu alle Regierenden dieser Erde gerade scheinbar nicht in der Lage sind: Er haut mit riesigen Pranken auf den Tisch und beendet einfach alles und räumt auf.

Gebündelter Hass, vollzogene Zerstörung und dabei eine tiefschwarze Liebe, die einzigartig ist: Venom übernimmt den Kampf aller kämpfenden Helden und portraitiert damit auf der Leinwand, was außerhalb der Kinos gerade abgeht.

Nationen, zieht euch warm an, Venom ist da und ihr wollt ihn nicht als Feind.

Nachspann
✅ Die Presse wurde bereits vor der Weltpremiere bestraft, die Vorpremierenzuschauer haben sich selbst gegeißelt und die Kinogänger werden es wohl auch kaum lernen: Bei einem Marvel bleibt man bis zum Schluss sitzen.

Ja, der Abspann ist lang. Elends lang.

Ja, es kommt eine Zwischensequenz.

Ja, danach kommen noch 10 Minuten Abspann.

Ja, danach kommt noch ein Film, der den Vorfilm von Coco locker in der Zeit toppt. Nicht nur eine Sequenz … ein Film!!! Wer ihn verpassen möchte => Die Kinotüren sind die ganze Zeit offen.

Achja, und Venom steht draußen und prügelt euch wieder zurück in den Saal.

BLEIBT. ALSO. VERDAMMTNOCHMAL. BIS. ZUM. BITTEREN. ENDE. SITZEN!
Danke. 

Kinostart: 04. Oktober 2018

Original Title: Venom
Length: 112 Min.
Rate: FSK 12 (halte ich für wesentlich zu gering!)

The Meg

Bereits das Plakat und auch die .trailer-Vorschau ließ bei vielen die Intelligenzerwartungen purzeln und erweckte amüsantes Schmunzeln auf der Leinwand, weil irgendwie klar wurde, dass The Meg wieder einmal klabautermannhafter Action-Fun ohne Anspruch und Hirn werden würde.
Diesbezüglich wurden wir dieses Jahr ja schon mit Skyscraper verwöhnt, dem weiteren Action-Garanten der heutigen Zeit aus Hollywood. Beide Filme haben eins gemeinsam: Man versucht in Amerika derzeit vehement, den asiatischen Markt für sich zu begeistern und somit neues Kapital zu erschließen.
Beiden Filmen ist dies in meinen Augen auch gut gelungen, da die chinesischen Komponenten gut integriert wurden und nicht das Gefühl aufkommt, man zwingt hier ohne Sinn und Verstand einfach etwas ausländisches in die Hauptrollen, nur um “genehmigt” zu werden. Ob dem auch die Akzeptanz der asiatischen Bevölkerung folgen wird, werden wir in den kommenden Wochen erleben.
Ich freue mich ehrlich gesagt schon diebisch auf die ganzen “professionellen Verriss-Berichte” über diesen Film, weil meine heiß geliebte Feuilleton-Feudalismus-Elite sich so wunderbar herrlich über diesen “Zustand” aufregt und partout nicht begreifen möchte, dass dieses moderne Action-Kino keinerlei Ansprüche darauf erhebt, in dieser Form Tiefgang zu verzeichnen.
Ich meine: Wer in so einen Film geht, der möchte keinen Tiefgang, zumindest nicht psychologischer Natur, sondern man will Bierchen, Popcorn, coole Stunts und jede Menge dumme Action haben, die zum Abschalten taugt und CGI-Effekte aufbahrt, die man eben nicht im heimischen YouTube-Kanal nachstellen kann.
Und genau das wird geliefert! Der Film glänzt vor stupider Dummheit, wartet mit dem typischen Hochglanzmagazinfrau/integrativerVorzeige-Dunkelhäutiger/unverwundbarerActionMacho-Cast auf und bietet innerhalb der Dialoge nur Schwachsinn, enthält keinerlei nachvollziehbare Ernsthaftigkeit und bringt auch sonst storytechnisch nichts auf die Reihe (außer der einen coolen Idee, von der der Film lebt), aber genau das will man doch auch gar nicht?
Man sitzt sowieso den ganzen Film über da und wartet nur darauf, dass das Krawumms endlich losgeht und man mit überbordender Zerstörungswut auf was auch immer losgeht und metzelt und kracht, dass die Wände wackeln und die Kinoboxen an ihre Limits geführt werden.
Stichwort: Dolby Atmos. Der Coup geht nämlich vollkommen auf und man hat als Liebhaber solcher Action-Abschalt-Movies seine höllische Freude dabei, wenn man mit diesem Gigantismus einmal mehr auf unterstem Niveau Vernichtungswut über die Leinwand streut. Gerade in den heißen Tagen trägt dieser Film unglaublich dazu bei, auch psychologisch wieder etwas in kühlere Gefilde vordringen zu können und die Ausgewogenheit stimmt am Ende einfach. Man ist entertaint, man kriegt genau das, was die Erwartungen einem vorher versprechen und ich war keineswegs von irgendetwas enttäuscht, weil man sich nicht genügend Mühe gegeben hatte.
Um’s nochmal vorweg zu nehmen: Wer hier einen plausiblen Plot erwartet, hat das Prinzip solcher Filme verfehlt. Diese Pseudowissenschaft und erzwungene “Wir müssen unbedingt was bringen, um die Intelligenz dabei anzusprechen” wurde teilweise ja schon bei Rampage – Big meets Bigger anfangs ausprobiert und ist grandios gescheitert. Dafür sind solche Streifen nicht da.
Wer das braucht, dem sind in vielen anderen Sälen derzeit enorme Vorstellungen von Mission: Impossible – Fallout in allen Formen und Varianten geboten, die hatten die jahrelange Aufbauzeit und warten mit eben jenem Anspruch auf. Man merkte aber bereits im .trailer, dass MEG hier nicht in Konkurrenz treten will, sondern eher Abschalt-Abkühl-Momente bietet, für die man sich in keiner Form anzustrengen braucht, sondern sich einfach beplätschern lassen kann.
Und dass das total funktioniert, brauch ich jetzt ja nicht nochmal erwähnen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mir hat’s richtig Laune gemacht und ich gehe definitiv nochmal rein, rate aber jedem dazu, sich mit keinerlei Ansprüchen zu bewaffnen, da der Film diese nicht erfüllen will.
The Meg ist Kopfpausen-Action-Dramatik, die unterhalten und dabei einfach CGI-Gaudi präsentieren will, welche über das Niveau der YouTube-Generation hinausgeht und Dinge bietet, die man im heimischen Eigenversuch so nicht nachstellen kann. Und genau das liefert der Film in einer lockeren Fluffigkeit, die dazu einlädt, sich zurückzulehnen und die Zeit einfach zu genießen.
Pusht den Saal so groß wie möglich, macht die Anlage so laut wie möglich und setzt euch in die Mitte des Kinos, um den bestmöglichen Spaß dabei zu haben. Und lasst diesmal die kleineren Kinos am Rande liegen, dort macht der Streifen keinen Spaß.

 
Nachspann
❌ fängt ziemlich cool in 3D an, darf nach dem üblichen Blackroll-Übergang dann aber abgebrochen werden, es folgt nichts weiter.
Kinostart: 9. August 2018

Grenzenlos

Wim Wenders ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr und zumindest bei der betagteren Generation ein Begriff, der zuweilen besondere Gefühle auslöst. Das erste Mal so richtig auf ihn aufmerksam wurde ich durch Buena Vista Social Club, ein Film, den ich damals vergöttert und heute immer noch geliebt habe und der längst seinen Stammplatz in meiner Sammlung gefunden hat.
Aktuell kennen ihn wohl einige durch seine auch von mir kritisch beäugte Dokumentation Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes, die selbst bei einigen Pressekollegen ebenfalls schlecht abschnitt, da man ihn eben durch bessere Werke kennt und er sich seinen angestammten Platz in den hohen Riegen der Filmgesellschaft nicht durch gutes Aussehen verdient hat.
Vor diesem glücklichen Missgriff ertüchtigte er sich an einem Film, den man im Original mit Submergence bezeichnet, was übersetzt soviel wie “unter den Meeresspiegel tauchen”, “eintauchen” oder “überfluten” bedeutet. Hier merkt man sehr deutlich, dass der gewählte deutsche Begriff eher belanglos klingt und den Film schlechter dastehen lässt, als er ist.
Die Texte auf den Covern werden vermutlich von “Liebesfilm” reden, dem ich mich nicht wirklich anschließen möchte, da das Original bereits anklingen lässt, dass diesmal eben auf anderen Harfen gespielt wird und nicht die üblichen Kamellen auf dem Boden der Tatsachen landen.
Das geht schon mit einem hervorragend auftretenden James McAvoy los, dem diese Rolle unglaublich gut steht und den ich seitdem als Sam Witwicky in den Transformers-Filmen sehen möchte. Der Knabe läuft hier zu Hochtouren auf und verblüfft in seiner ziemlich abgedrehten Charakterpose mit einem unfassbar guten Schauspiel.
Über das Drehbuch mag man streiten, über die etwas farblos erscheinende Eigentlich-Hauptdarstellerin ebenfalls und hier und da hätte man wohl auch noch etwas an den Intensitätsschrauben drehen und dieses faszinierende Thema besser ausschmücken können, aber was soll das Jammern: Die Idee ist nicht von schlechten Eltern und die sprunghafte Umsetzung hat mich persönlich jetzt nicht so sehr gestört, wie man anderen Kollegen.
An der Tatsache, dass man diesen Reißverschluss gerne aufreißen und beide Teile in einem jeweils eigenen Film, dafür aber ausgeschmückter und intensiver hätte präsentieren können, so wie das beispielsweise Clint Eastwood mit seinem Flags of our Fathers / Letters from Iwo Jima gemacht hat, ist durchaus etwas dran. Aber Wim Wenders ist eben nicht Eastwood und darum macht er auch nicht genau das gleiche wie er.
Die Connection zwischen beiden eigentlich krassen Gegenteilen käme dann wohl auch schlechter zur Geltung, allerdings erreichte der Höhepunkt-Effekt in meinen Augen keine Glanz und Glorie, sondern verfehlt ein klein wenig das Thema, da hier und da dann doch noch zu viele Fragezeichen auftauchen, wenn auch leicht in Richtung Metaphorie driftend.
Fakt ist: Der Film hat grandiose Ansätze, baut diese Themen dann auch sehr gut aus und beeindruckt durch unglaublich gute Bilder, die jedoch den Absprung in die Königsklasse verfehlt haben. Anschauen sollte man sich den Streifen aber dennoch, und wenn es nur ist, um hinterher drüber reden zu können.
 

.kinoticket-Empfehlung: McAvoy ist klasse und reißt hier tugendhafte Stücke vom Bock, die starke Bilder in einem völlig neuen Licht präsentieren.
Der vermutete Ansatz von Wenders geht durch die leichte Blässe von Alicia Vikander etwas flöten und die “Verknüpfung” wirkt teilweise lächerlich, hier hätte man besser zwei Filme gedreht und diese dann genügend ausgearbeitet. Dennoch sind die verbliebenen Eindrücke sehenswert und das Schauspiel McAvoys rechtfertigt jeden .kinoticket-Kauf mal definitiv! Also Daumen hoch – reingehen!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.
Kinostart: 2. August 2018

Kong: Skull Island (3D)

Die Geschichte rund um King Kong geistert ja nicht erst seit gestern durch die Kinos. Wie bereits erwähnt, füllen zur Zeit sehr viele Remakes die Leinwände und bezeugen, dass Hollywood derzeit mal wieder der Stoff zum Verfilmen ausgegangen ist, weshalb man auf altbewährte Konzepte zurückgreift und hier eben Geschichten neu erzählt, die es schon mal gegeben hat.
Im Zuge dessen braucht man als Interessierter an diesem Film auch keinerlei großartige Anforderungen an einen trickreichen und überraschenden Plot stellen, denn die Vergangenheit hat bereits bewiesen, dass die Ära von hervorragend erzählten Storys diesbezüglich längst vorbei ist.
Kong: Skull Island macht hier keine Ausnahme. Ehrlich gesagt bin ich mir zum ersten Mal wirklich unsicher, ob ich den Film in 3D oder 2D empfehlen soll. Gesehen habe ich mittlerweile beide Varianten und unschlüssig bin ich mir immer noch.
Tatsache ist, dass man hier unglaublich viel Geld und Rechenleistung in herausragende und absolut beeindruckende Special Effects investiert hat, die sich nicht nur sehen lassen können, sondern über alle Maßen überzeugen. Macht man die Ohren zu und schaut sich diesen Film als Stummfilm an, wird man mit einer Augenweide an grafischen Monumentalszenen belohnt, die in der Tat meisterhaft sind. Hierbei macht das 3D dann noch mal den richtigen Unterschied, da der Film so noch mal einiges an Größe dazu gewinnt und die gezeigten Szenen umso beeindruckender rüberkommen.
Warum empfehle ich dann nicht gleich die teurere, räumliche Variante?
Beim Sichten in 2D habe ich festgestellt, dass die Kluft zwischen computeranimierter Technik und dem vergleichsweise mauen Plot nicht ganz so groß ist und daher die Enttäuschung über die relativ miese Story nicht ganz so weh tut. Hier gibt es nämlich nicht nur viele Logiklücken, sondern die Erzählung verliert ein wenig ihren Charme, dadurch, dass man sich eben nicht mehr auf die in den Vorgängerfilmen gezeigten Elemente konzentriert, die eigentlich die Geschichte von King Kong ausmachen, sondern hier eben wieder mal relativ lieblos einige Szenen zusammenschustert, die dann rechtfertigen, dass man absolut gelungene CGI-Effects hat, die man innerhalb eines Filmes miteinander verbinden will.
Der Plot gewinnt dadurch nicht an eigener Harmonie und es entsteht am Ende auch keine rühmliche Moral, die hier in die Tiefe des Charakters vorstößt und gewisse Dinge aufzeigt, die in heutiger Zeit durchaus relevant wären. Stattdessen hat man einfach nur hammerhart geile Effekte, die es im Kino zu feiern gilt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer damit klar kommt, dass die Geschichte nicht mit inhaltlicher Brillanz auftrumpft, der sollte unverzüglich zur 3D Variante des Films greifen.
Alle anderen können sich auch mit der kleineren Variante zufrieden geben, die etwas mehr Harmonie mitbringt, da der Anspruch hier generell etwas niedriger ist.
Dieser Film wurde eigentlich nur deshalb gemacht, um den technischen Fortschritt unserer Zeit zu feiern, und weniger deshalb, um eine emotionale Geschichte zu erzählen.

 
Nachspann
Viel wichtiger ist es, die kurze Zeit während des Abspanns sitzen zu bleiben, denn danach kommt noch eine etwas längere Abhandlung, die das eigentliche Ende des Films darstellt und das Gefühl eines offenen Endes verschwinden lässt. Erst danach macht der Film in meinen Augen wieder etwas mehr Sinn.

Das Morgan Projekt

Ridley Scott – seinerzeit bekannt durch Filmlegenden wie Alien, beherrscht einmal mehr ein Universum, das vor legendärer Andersartigkeit glänzt, indem er seinen Söhnen dabei hilft, ihr Kinodebüt zu feiern. 
Die Darsteller werden dabei an den Rand einer Gesellschaft geworfen und mit Dingen konfrontiert, die garantiert alles sind, außer alltäglich. Die Szenerie, die Kameraführung, die düstere Atmosphäre und der Touch, der sofort zu Beginn gleich den Zuschauer packt, sind hier einmal mehr professioneller denn je. Der Film erhebt sich in seiner dunklen Erzählweise zu einem Glanzstück packenden Kinos und schickt den Zuschauer auf einen Trip, der garantiert seine Spuren hinterlässt.
Die Charakterzeichnungen sind allglatt, aber dennoch geheimnisvoll und rätselhaft, allerdings hätte ich mir persönlich im Mittelteil etwas mehr Mystifizierung rund um die Darstellungen gewünscht, was jedoch dem gesamten Projekt keinerlei Abstriche zumutet, sondern durchweg eine lobenswerte Qualität durchzieht. 
Das Szenenbild, die Kostüme und die Qualitäten der Eigenschaften der gezeigten Darsteller passt hier so wunderbar herrlich in ein Schema, das keinerlei Kanten und Ecken zulässt, sondern zu einem Filmfinale hinführt, dem man wohlwollend applaudieren kann. Auch technisch hat man hier absolute Größe bewiesen und besticht durch nicht zu schnelle, nicht zu lahme Schnitte, behält ein Erzähltempo bei, das super gut bei mir ankam und erfrischt mit einer Geschichte, der man wirklich sehr viel Fantasie beimischen muss, um sie vergleichbar mit anderen Werken zu machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Als wäre der Geist der inspirativen 90er Jahre wieder aus der Versenkung aufgetaucht, beherrscht einmal mehr großartige Unterhaltung den Kinosaal und sorgt hier für ausgelassenes Forschen, Grübeln, Mitfiebern und visuellen Augenschmaus.
Das Projekt ist als solches absolut gelungen und hinterlässt bei mir als Filmliebhaber einfach nur einen positiven Nachgeschmack, der mich dazu verleitet, euch allen zu empfehlen, diese Vorstellung in euer Repertoire der gesehenen Streifen aufzunehmen, insofern ihr auf hervorragende Thriller steht.

 
Nachspann
braucht nicht abgewartet zu werden, der letzte Eindruck zählt – und der kommt vor dem Text.

Erschütternde Wahrheit

Auch wenn ich dafür in der Vergangenheit oft ausgelacht wurde: Ich vertrete die Ansicht, dass Hollywood eine der wenigen Institutionen ist, wo man dir die Wahrheit aufs Brot schmiert und eiskalt serviert. Warum auch nicht? Es ist ein perfektes Versteckspiel, nach dem sich die Gesellschaft sehnt, um eben solche Wahrheiten zu konsumieren. Echte Wahrheit tut weh. Und die will keiner hören, geschweigedenn spüren. Also packt man die Tatsachen einfach in einen Film und überlässt dem Publikum dann die Wahl, sagen zu können, dass das “ja nur ein Film ist”.
Super bequem. Wer sehen will, der sieht. Wen’s nicht interessiert, der spielt weiter darauf, dass es ja “nur” ein Film ist. Klappte bisher hervorragend und wird es in 100 Jahren vermutlich noch genauso tun.
Erinnern wir uns daran zurück, was in den vergangenen Jahrzehnten auf den Bildschirmen als “Science Fiction” über den Äther geschwemmt wurde (meine Eltern fanden es z.B. wahnsinnig cool, dass sich Türen von selbst öffnen, wenn man hindurchgehen will) und schauen uns unsere gegenwärtige Zeit an, stellen wir schnell fest, dass sich die Dinge aus Filmen meistens in ein paar Jahr(zehnten) bewahrheitet haben. Unsereiner ist enttäuscht, wenn sich die Türen nicht von selbst öffnen, wir empfinden es mittlerweile als so normal, dass es fast schon unfreundlich wirkt, wenn man als Kunde die Tür zu einem Laden selbst öffnen muss.
Für mich ist dies schon seit Jahrzehnten ein Grund, bei Filmen genau hinzuschauen. Und zwar nicht nur Unterhaltungsstreifen, in denen solche Wahrheiten versteckt sein könnten, sondern gerade jetzt in unserer Zeit, wo man viele Fakten offen auf die Tisch legt und das Publikum unverfroren mit der Wahrheit konfrontiert. The Big Short war einer dieser Filme, den sich jeder angesehen haben sollte (!), Erschütternde Wahrheit hat etwas völlig anderes zum Ziel, richtet aber genauso den Fokus auf das öffentliche Leben einer Gesellschaft, die seit Jahrhunderten existiert und sich im Hintergrund scheinbar in die völlig falsche Richtung zu entwickeln scheint.
Was mir in diesem Film absolut wie Öl die Seele runtergegangen ist: Wie man den Menschen hier behandelt. So viel Respekt vor dem Leben, dem Menschen selbst, egal, ob tot oder lebendig, hat man lange nicht gesehen. Unsere Zeit ist darauf ausgerichtet, jedem lebenden Wesen eine Nummer zu verpassen und somit alles Leben zu verbürokratisieren, um jegliche Emotion und Menschlichkeit auszurotten und nur noch steif nach Vorschrift vorzugehen.
Erschütternde Wahrheit macht hier den absoluten Unterschied und achtet das Leben wieder aus einer Warte heraus, die fast schon gottgleich ist. Es geht nicht um amerikanischen Patriotismus (und ich finde es wunderbar, wie der am Rande auch noch abgehandelt wird), es geht auch nicht um gut oder böse, sondern einfach mal darum, innezuhalten und sich zu überlegen, was sich vor unseren Augen eigentlich seit Jahren abspielt.
Und was dort zu Tage getragen wird, schreit tatsächlich zum Himmel. Und zeigt mir, dass selbst das Kino eine Institution ist, die dazu beitragen kann, dass geschehenes Unrecht am Ende doch aufgedeckt wird und niemand auf diesem Planeten einfach so rumlaufen und anderen schaden kann, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Zumindest denjenigen, die von den Skandalen damals betroffen waren, ist dieser Film eine warmherzige Entschuldigung und Wiedergutmachung dessen, das man ihren Liebsten angetan hat. Es wird öffentlich, die Welt erfährt davon und wer weiß, vielleicht ändert eine ganze Gesellschaft ja in ein paar Jahrzehnten dann auch ihre Meinung und richtet ihr Dasein auf Dinge, die weniger mit Geld und mehr mit dem Menschen zu tun haben. Wünschenswert wäre es allemal.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der Saal war absolut voll … und absolut ruhig! Jeder war irgendwo ergriffen von dem, was er gesehen hat.
Ich finde es gut, dass Filme dafür genutzt werden, um Unrecht aufzuzeigen und der breiten Masse vor Augen zu halten, das auch in den Medien nicht immer alles das ist, als was es hingestellt wird.
Ja, man darf Dinge anzweifeln. Ja, man darf in Frage stellen. Ja, man sollte hinschauen und sich nicht auf das Geplapper aus irgendwelcher Münder verlassen und unreflektiert hinnehmen, was man vorgesetzt kriegt.
Erschütternde Wahrheit ist einer der Filme, die man gesehen haben sollte, um sein Bild von ganz alltäglichen Dingen ein kleines bisschen korrigieren zu können und zu wissen, dass hinter all dem Trubel und der Gewohnheit noch andere Dinge verborgen sind, die dann nicht in den Medien ausgeschlachtet werden, weil sie nicht ins kapitalistische Grundbild der Wirtschaft passen und eben kein Geld einbringen, sondern eher kosten.

 
Nachspann
kommt keiner mehr, man darf also in Gedanken nach Hause wanken und darüber nachdenken, was hier grade publiziert wurde.

Zwischen Himmel und Eis

Ganz ehrlich: Ich schätze mich sehr glücklich, einer derer zu sein, die dieses wertvolle Stück informative Filmgeschichte in sich aufgesogen haben, denn ich weiß ehrlich gesagt nicht, wann und wo dieser Film im Kino überhaupt (noch) läuft.
Erzählt werden die wahren Ereignisse des Glaziologen Claude Lorius, der einmal fernab der ganzen Klimadebatte von seinen Erfahrungen, seinem Werdegang und seinen Entdeckungen berichtet, um so – so zumindest fühlt es sich als Zuschauer an – Hintergrundwissen an die breite Bevölkerung zu liefern, vorbei an allen oberen Instanzen und möglichen Wortverdrehern und Zensoren.
Dass heutzutage der Klimawandel immer wieder in Frage gestellt wird, dass die Menschheit einerseits darüber spricht, sich zu ändern, andererseits aber genau dies nicht passiert, ist mittlerweile ja ein altbekannter Fakt.
Jedoch ist es mir in all den Jahren, die ich mich damit schon beschäftige (und ich habe Geografie, Thermik, Wetter und dergleichen schon zu Schulzeiten geliebt), noch nie untergekommen, dass derart plastisch, unvoreingenommen und vor allem anschaulich verdeutlicht wurde, welche Konsequenzen sich die Rasse Mensch selbst auferlegt, in dem sie so handelt, wie sie es eben tut.
Das hört sich jetzt vielleicht wieder ein bisschen nach Fingerzeig-Film mit pseudo-emotionaler Änderungsbotschaft an, aber genau das fehlt hier. Du bist schlichtweg einfach dabei. Du bist dabei, wenn sie fahren, du bist bei den Entdeckungen, den Forschungen dabei, du erlebst, wie die Erkenntnisse eintrudeln, wie damit in der Öffentlichkeit zu jener Zeit umgegangen wurde und du selbst kriegst die gewonnenen Daten umgangssprachlich auf den Tisch gepackt und darfst als “Wissenschaftler” selbst dein Urteil daraus bilden.
Eben jene Eigenverantwortung, die viele Zeitschriften, Zeitungen, Magazine oder Dumm-Filme den Zuschauern sonst immer abnehmen wollen, wird einem hier gelassen und sogar darauf gebaut, dass selbst das Hirn rattert und das Empfinden für sein zu Hause mental gestärkt wird.
Gleichwohl positiv empfand ich das unpolitische Wesen dieses Films. Hier gibt’s kein patriotisches Ansinnen irgendwelcher Staaten oder heroisches Rumgetue einzelner Nationen, sondern ein Hand-in-Hand-Arbeiten einzelner Teams, die sich einzig und allein um eines Gedanken machen: Das Fortbestehen unserer Welt.
Somit fallen alle wirtschaftlichen und politischen Interessen dem Reißwolf zu und übrig bleibt ein Film, der frei von Fremdeinflüssen tatsächlich Zeit und Muße hat, sich mit dem Thema selbst auseinanderzusetzen und dieses dem Zuschauer näherzubringen versucht.
Und tatsächlich: Hut ab vor dieser grenzgenialen Leistung, ein so dermaßen einprägsames, kritisches, klischeebefreites Werk auf den Markt zu schmeißen und den Bürger selbst mit den anstehenden Konsequenzen zu konfrontieren, ohne dabei den Teufel an die Wand zu malen und gleichwohl ohne irgendetwas schön zu reden.
Einfach harte, klare Fakten und solide belegende Beweise der aufgestellten Thesen, die uns allen zu denken geben sollten, wie es hierzulande weitergehen wird.
 

.kinoticket-Empfehlung: As said before: Schätze sich glücklich, wer eine dieser Vorstellungen gesehen hat oder gar noch sehen kann, jeder andere halte die Augen offen, ob diese Dokumentation irgendwo im Fernsehen auf arte oder ZDF-Info ausgestrahlt wird, denn die hat es nicht nur inhaltlich in sich, sondern glänzt auch noch mit vorbildhaftem journalistischen Wissen und einer Unbefangenheit bei einem Thema, bei dem sich viele Parteien seit jeher die Köpfe zerreißen.
Diese unverdorbene, politisch und kapitalistisch freie Art der Dokumentation war reines Gold in meine Cineasten-Venen – ein Hochgenuss, den man selten bis nie in Dokumentationen dieser Art erlebt.

 
Nachspann
läuft wie üblich ab, das Warten auf den Schlussakt lohnt sich nicht.

Sinister 2

Was kommt dabei raus, wenn man das Genre “Horror” mit “FSK 16” und “mainstreamtaugliches Kino” mischt? Richtig: Meistens nichts gutes.
Warum mir der Film trotzdem gefallen hat?
Die Charaktere nehmen sich selbst ernst.
Wie oft begegnet man der manifestierten Dummheit, wenn man die Charakterausbildung in diversen Horrorfilmen ein wenig näher betrachtet. Hier macht man da ein klein wenig den Unterschied und setzt weniger auf ironisch-komische Einlagen, sondern vielmehr auf Ernsthaftigkeit und damit auch ein Stück weit Glaubwürdigkeit. Zwar beißt sich dies mit der Insgesamt-Aussage des Films zeitweise ein bisschen, jedoch gehen die Schauspieler in ihren Rollen authentisch auf und überzeugen so mit ihrem Tun.
Der Gruselfaktor stimmt.
Nichts ist schlimmer, als ein Horrorfilm, bei dem man ausschließlich lachen muss oder sich gar langweilt. Wenn die Tiefe der menschlichen Ängste nicht mal ansatzweise angekratzt wird, sondern nur oberflächlich peinlich versucht wird, durch altbekannte Tricks ein klein bisschen Panik zu schüren. Hier wurden jedoch Szenen eingebaut, die bei mir tatsächlich Gänsehaut auf dem Rücken spazieren schickten. Nicht viele, aber immerhin genug, um als Horrorfilm respektiert zu werden. Das Ungreifbare ist stets präsent, wenn klar ist, dass wieder ein wenig mehr ins Dunkel des Unwissens hervorgedrungen werden soll – und Psychoschocks sind sowieso wesentlich wirksamer als jedes noch so liebevoll angerichtete Blutbad im Bilderwald.
Die übliche Schlächterzählung fehlt.
Das systematische Abschlachten der anfangs lieblos eingeführten, oberflächlichen Darsteller fehlt hier gänzlich. Im Gegenteil: Es ist faszinierend, mit welcher Hingabe man sich hier an die Familie annähert und mit ihnen gemeinsam etwas erlebt, von dem anfangs gar nichts klar ist. Auch wenn der Clou der Geschichte eher fragwürdig und teils verstörend bis hin zu lächerlich ist, so hat der Weg in den finalen Abgrund durchaus seine Reize. Man springt zwar auf den Zug der bekannten Horrorfilm-Mache auf, reist aber nicht im Inneren des Waggons mit, sondern ist allenfalls S-Bahn-Surfer des Ganzen.
Der Soundtrack ist eigenwürdig genug, um hervorzustechen.
Es ist selten, dass man einen musikalisch so tief in die Verzerrtheit führen kann, dass selbst Disharmonien in sich vollkommen klingen und auf ihre perfide Art schon wieder eine völlig neue Harmonie ausmachen. Musikalisch betrachtet durchaus ein sehenswertes Stück, das irgendwie funktioniert und auch hier ein klein wenig aus der Masse ausbricht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht wirklich was für hartgesottene Fans von gruselnder Unterhaltung mit Sinn und Verstand, durch die Bodenständigkeit und andeutungsweise Andersartigkeit aber dennoch ein sehenswertes Stück, das in verschiedenen Punkten durchaus zu überzeugen weiß.
Die große Überraschung bleibt genauso aus, wie die totale Enttäuschung. Antipathien zu dem Film wurden bei mir keine geweckt und davor warnen würde ich auch zu keinem Zeitpunkt. Wer mal etwas anderes sehen will, darf hier getrost zuschlagen.

 
Nachspann
spart euch das Warten, hier kommt nichts weiter.

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