Fluch

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Montrak

© 2017 TBC Filmproduktion

 

Bevor ich mich hier verkünstel, lassen wir doch den Mann zu Wort kommen, aus dessen Feder Montrak stammt: Regisseur Stefan Schwenk himself im Interview mit .kinoticket-blog.de

Ben: Warum Vampirfilm?

Stefan: Warum Vampirfilm? Weil’s in Deutschland schon lang keinen Vampirfilm mehr gab. Vor allem hat’s mich gereizt, die Mischung zu finden aus Mittelalter und Neuzeiterzählung. Der Vampirfilm hat ja seine Roots in Deutschland mit Nosferatu, was ja viele nicht mehr wissen. Und das war einfach so die Idee, mal herzugehen und ‘nen Vampirfilm zu machen, gerade jetzt, wo in Deutschland der Genrefilm wieder am Aufblühen ist. Das ist mein Beitrag zum Vampirfilm.

Ben: Hast du das Gefühl, dass der Vampirfilm so ein bisschen “neu gestartet” werden soll, weil wir ja so eine gewisse neuzeitliche Veränderung erlebt haben durch die Twilight-Saga und das alles bisschen liebenswürdiger geworden ist und kitschiger, da jetzt wieder zurück zu den Wurzeln zu gehen und im Prinzip die Bosheit der Vampire wieder neu zu erfinden?

Stefan: Genau. Im Endeffekt ist es auch eine Anspielung, ‘ne Liebeserklärung an das Genre der 80er Jahre, also z.B. Lost Boys oder Near Dark, da gibt’s viele Anspielungen und Hommagen. Ich persönlich mag härtere Vampirfilme gern, also mit richtig bösen Vampiren und wollte einfach mal ein Zeichen setzen, dass es noch was anderes gibt.

Ben: Gab es beim Dreh irgendwelche Schwierigkeiten, wo du gedacht hast: Jetzt wird’s echt brenzlig?

Stefan: Also wenn ich jetzt überlege: Die größte Schwierigkeit oder Herausforderung war natürlich die Planung, alles unter einen Hut zu bringen, die Termine der Schauspieler zu koordinieren, das hat Heike Fauser (die Produzentin) ganz toll gemacht. Bei einem Low-Budget-Film musst du, weil du die Leute nicht bezahlen kannst, schauen, wann die Schauspieler Zeit haben, da sie Arrangements haben, wovon sie leben müssen. Wir haben ja nur an Wochenenden gedreht und es war schon sehr aufwendig und auch schwierig, was das angeht, aber letztendlich hat alles geklappt. Deswegen auch fünf Jahre Produktionszeit.

Ben: Gibt’s für dich eine bestimmte Szene im Film, die deine persönliche Lieblingsszene ist?

Stefan: Also ich mag den Showdown ganz gern, da haben wir auch mal sechs Tage am Stück gedreht, das war so der einzige richtige Block, den wir hatten. Da haben wir’s auf jeden Fall krachen lassen, da bin ich auf jeden Fall sehr stolz drauf.

Dann gibt’s noch die Mittelalterszene, in der Wilhelm von seinen Dorfbewohnern vertrieben wird, die ist uns ganz gut gelungen. Es gibt einige Szenen, die ich ziemlich gut finde.

Ben: Was würdest du sagen, wer ist Zielpublikum? Für wen ist der Film gemacht?

Stefan: 18-60+? Wir hatten z.B. das Erlebnis auf unserer Kinotour, dass bei einigen Vorstellungen ein paar Leute 60+ da waren, die den Film ziemlich toll fanden und herausgefunden haben, dass da zwei verschiedene Meta-Ebenen drin sind und die haben da Sachen erkannt, was ich ziemlich spannend finde, da ich mir im Vorfeld ja auch Gedanken gemacht habe. Man kann das ja auf verschiedene Dinge übertragen. Das hat mich auf jeden Fall sehr gefreut.

Ben: Gab’s für dich persönlich Inspiration von anderen Filmen, die dich durchaus mit beeinflusst haben, wo du Anspielungen mit rein gebracht hast?

Stefan: Ja, da gab’s ne Menge Anspielungen an diverse Filme, ganz im Vordergrund steht der phantastische Film der 80er, z.B. Highlander, was den Fantasyfilm angeht, Terminator gibt’s zwei Szenen. Dann der klassische Vampir-Gangfilm, z.B. Lost Boys oder Near Dark, wie ich vorhin schon erwähnte, und unbewusst sicher auch. Ansonsten pack ich immer die innere Wahrheit in einen Film rein. Was mich z.B. im Leben irgendwie fasziniert, pack ich dann in eine Subebene, im Kontext auf die Vampirthematik umgemünzt mit rein. Leben, Tod, was mich im Leben halt bewegt.

Ben: Gerade das Thema “Tod”: Du hast eine Widmung im Film, was hat es damit auf sich?

Stefan: Der Film ist meinem verstorbenen Bruder gewidmet, der 2011 das noch so ein bisschen mitbekommen hat, als die Vorbereitungen losgingen. Ich hab ihm dann am Krankenbett noch so vermittelt: Wir machen den Film, was hältst du davon? Und er hat so den Daumen nach oben gehoben und gesagt “Yes”. Das war für mich das Zeichen, das jetzt durchzuziehen, auch wenn’s lang gedauert hat, sein Spirit war auf jeden Fall immer da und das hat uns natürlich dann bewogen, im Team den Film durchzuziehen.

Ben: Der Film ist mitten in der Kinotour drin [zum Zeitpunkt des Interviews] und ihr habt auch schon einige Festivals gehabt, wo er gelaufen ist. Was steht noch in der Agenda? Auf was dürfen wir uns noch freuen?

Stefan: Nachdem wir ziemlich erfolgreich bei diversen Festivals gelaufen sind, auch u.a. im UCI-Kino liefen im Rahmen der Midnight-Movies, stehen jetzt noch vereinzelte Kinos an. Parallel sind wir schon am Verhandeln mit Verleihern bezüglich Home-Entertainment, der Film wird definitiv auf Blu-ray, DVD und VoD erhältlich sein.

 

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Heike Fauser (Produzentin), Florian Freiberger (Schauspieler) und Stefan Schwenk (Regisseur) bei der Kinopremiere in München im Werkstattkino

 

Und an genau diesem Punkt sind wir nun angelangt: Montrak steht für’s Heimkino in den Startlöchern parat und bereichert ab sofort den deutschen Filmmarkt mit dieser liebevollen Huldigung an vergangene Zeiten, in denen Vampire tatsächlich noch richtig böse waren.

Natürlich lässt sich so ein gigantisches Low-Budget-Projekt nicht mit Mega-Blockbustern vergleichen, denen normalerweise viele Millionen zur Verfügung stehen. Hier wurden u.a. zwei Crowdfunding-Aktionen gestartet, bei denen ca. 15.000 € zusammenkamen, die für die Produktion verwendet wurden. Man spürt also schon, dass dieser Film ein Herzensprojekt ist, das finanziell von den Fans getragen wird, die genau solche Filme gerne sehen möchten.

Dabei findet man eben nichts vom glattgebügelten Hochglanz-Massenwahnsinn, den Hollywood am Fließband predigt, sondern man taucht ganz tief ins Nischendasein ein und erlebt eine düster erzählte Geschichte, die ebenso dreckig wie spannend ist und durch seine märchenhafte Düsternis begeistert. Damit beweist Deutschland einmal mehr, dass es kein Glamour und Glitzer benötigt, um Vampire ordentlich in Szene zu setzen, sondern dass ein klein wenig nostalgische Begeisterung ausreicht, um die altbekannten Stärken des Genrefilms packend auszuleben und dem Publikum einen echt sehenswerten Film zu bieten, der sich völlig in die abgelegene Mysterien-Welt der Vampire begibt.

Und solch ein Kniefall vor den heißgeliebten Fantasy-Filmen der 80er Jahre gehört einfach belohnt.

Wie ihr das tun könnt?

Auf dem Weekend of Hell wird’s einen Stand geben, wo ihr die Mediabooks direkt ordern und kaufen könnt. Mehr dazu findet ihr hier: https://weekend-of-hell.com/programm/#haendler

Ebenso werden Stefan Schwenk und seine Crew auf dem House of Horrors vertreten sein: Mehr dazu hier: https://www.houseofhorrors.events/

Und wer keine Zeit findet, zu diesen Conventions zu gehen, kann sein limitiertes Mediabook auch direkt bei der Produktion ordern: Hierfür einfach eine E-Mail an Heike Fauser ( h.fauser@tbc-film.de ) schicken und Cover-Wunsch dazu äußern:

Cover A (limitiert auf 333 Stück)
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© 2018 TBC Filmproduktion | Nameless

 

Cover B (limitiert auf 222 Stück)
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© 2018 TBC Filmproduktion | Nameless

 

Cover C (limitiert auf 111 Stück)
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© 2018 TBC Filmproduktion | Nameless

 

Die Mediabooks werden dann ab 5. November 2018 verschickt.

 

.kinoticket-Empfehlung: Endlich sind Vampire wieder böse und somit der Zustand der guten alten Welt wieder hergestellt.

Stefan Schwenk holt mit seinem neuesten Werk den Vampirfilm zurück nach Deutschland und beweist, dass man kein Glitzer braucht, um gute Unterhaltung zu produzieren. Die hingebungsvolle Hommage an längst vergangene Zeiten versetzt einen als Zuschauer zurück in die Vergangenheit und präsentiert eine mehrschichtige Erzählung in Form eines düsteren Märchens direkt aus dem Herzen der Bundesrepublik.

Wer Genrefilm mag, wird Montrak lieben!

 

Nachspann
✅ Coolest End Scroll ever seen. Bleibt sitzen, man hat sich hier richtig was einfallen lassen.

Kinostart: Ab 5. November 2018 als Mediabook inkl. Soundtrack erhältlich, 2019 wird es dann auch eine Amaray im Handel geben.

Original Title: Montrak
Length: 122 Min.
Rate: FSK 18

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Die Zeit klassischer Märchen scheint vorüber. Zumindest, wenn man nach Hollywood blickt und schaut, was in den neuen Jahren alles so für Märchenstoff produziert wurde. Klar, die alten Geschichten sind millionenfach erzählt und keiner will sie wirklich mehr hören. Dank Technik und moderner Wissenschaft ist die Weltbevölkerung längst aufgeklärt genug, um nicht mehr an Monster und Feen zu glauben. Doch genau diese Fabelwesen eigenen sich eben immer noch als Stoff für Geschichten auf der Leinwand. Und ich sehe Millionen Schüler kopfzerbrechend vor den Pulten sitzen und darüber grübeln, wie man dies nun innovativ und modern auf die Bildschirme zaubern könnte.
Prinz Charming liefert hier ein beispielhaftes Vorbild. Man zerbricht die Grenzen, badet sich in Selbstironie und fährt in lieblicher Fasson eine prunkvolle Story auf, die bis auf Teile absolut kindgerecht ist.
An dieser Stelle muss ich einmal eine Lanze für die deutsche Fassung brechen: Die Songs im Film sind berauschend und warten mit echten Stars auf, die sich auch die größte Mühe geben und in diesen Phasen die Grandiosität der Originalfassung zum Durchscheinen bringen, was mich als Erwachsenen natürlich unfassbar begeistert, die Zielpublikumkinder im Saal aber davon abhält, der Story im Film weiter folgen zu können, da die Untertitel dementsprechend schnell und damit von den Kleinen unlesbar sind und die Erwachsenen gezwungen werden, ihnen zumindest schemenhaft zu erklären, worüber hier gerade gesungen wird.
Dies schafft Unruhe, Unaufmerksamkeit und Missmut bei den Kids und stört den Flow im Film ungemein. Und das empfand ich tatsächlich als so betrüblich, dass ich mir an dieser Stelle erstmalig sogar eine schlecht gewählte deutsche Übersetzung gewünscht hätte, damit die Kinder am Ball bleiben und der ansonsten großartig erzählten Story konsequent folgen können.
Zwar hantiert man hier viel mit Vorhersehbarkeit und, sofern man die “neuen Regeln des Films” begriffen hat, wenig Überraschungspotenzial, was jedoch den Jüngsten gar nicht großartig auffallen wird, da sie dem Gezeigten wunderbar entgegensehen und auch die Animation und Charakterzeichnung hier nicht in disney’sche Bosheiten abfällt, sondern tatsächlich fürs Kinderzimmer geeignet bleibt.
Insgesamt hat mir der Film unglaublich gut gefallen und ich hätte mir einzig eine deutsche Variante der Songs gewünscht, da die Untertitel hierbei zwar lieb gemeint, jedoch vollständig am Ziel vorbeigeschossen sind.
 

.kinoticket-Empfehlung: So werden moderne Märchen neu erzählt, damit sie auch zukünftigen Generationen wieder Spaß machen und nicht in endlosen Wiederholungen enden.
Die liebevolle Selbstironie ist absolut herzergreifend, macht Spaß und sorgt für Kurzweil bei den Kindern. Einzig in Phasen des Singens werden die Jüngsten leicht unruhig, da die Songs im Original vorgespielt werden und die Untertitel dabei kaum lesbar sind, ob der Geschwindigkeit der Songs. Dies führt zu Erklärungsbedarf zwischen dem Film und generiert so immer wieder Unruhepausen in der ansonsten tollen Story.

 
Nachspann
❌ braucht nicht ausgeharrt zu werden, hier folgt nichts weiter.
Kinostart: 2. August 2018

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Okay, Klartext: Im Presseheft ist vom “Meister des Horror-Films Jason Blum” die Rede, von “äußerst wichtig, sein Publikum ständig im rätselhaften Unklaren zu lassen”, von “Geschichte, deren Rahmenbedingungen eine Herausforderung sind”.
Ich blätter wieder zu, schau nochmal auf das Cover: Jap, ist wirklich von Wahrheit oder Pflicht die Rede.
Gut, ich hatte den .trailer im Rahmen der Sneak Preview bereits angeteasert gesehen, und die ist grundsätzlich FSK 18 – also darf alles gezeigt werden, auch im Vorprogramm. Und es hat mich nicht begeistert, sondern eher enttäuscht. Alle anderen so: “Ja, der wird mega geil!” – Ich so: “Ähm, ich hab da so meine Zweifel, denn der .trailer zeigt bereits genügend Macken, die eigentlich voraussagen, dass das Ding einfach scheiße wird.”
Was eignet sich besser, als den Film einfach zu sichten? Nichts. Kein Gelaber mehr – Fakten auf den Tisch.
Hand hoch: Wer will nochmal die Abhandlung über das “Horror”-Konzept von Blum hören? Bausteine? Billiger Plot? Keine Lust, irgendwas explizites zu kreieren? Usw.? Keiner?
Gut, dann erspar ich euch das an der Stelle und rege mich heimlich und leise über was ganz anderes auf: Dieser Schuppen hat mit Get Out unfassbare Summen eingefahren, er hat – und ich meine, mich daran zu erinnern, darüber auch bereits schonmal lautstark rumgenölt zu haben – Herausforderungen wie die The Purge-Reihe auf die Rippen gestellt, Happy Deathday als Überraschung im Kino gebracht und jetzt zu all dem noch Kohle in den Taschen.
Und was kommt?
Wahrheit oder Pflicht.
Ernsthaft jetzt?
Ich mein, nicht dass der Titel nicht vielversprechend wäre und man daraus nicht eine endgeile Story rauskitzeln könnte, so mit “Welt geht unter – alles am Arsch … Raumstation … letzter Funkspruch: Wahrheit oder Pflicht?” – Nein… Achso… ähm … ja, hier war ja was mit “ich spoiler nicht” – äh … stimmt, aber das kommt ja auch nicht. Jason Blum als Leihgabe für miesen Horrorgeschmack ist in seiner Meister-des-Horrorfilms-Genialität ja längst über all unsere Vorstellungen hinaus und hat die grundgeniale Kombination an Überraschung und Grandiosität entdeckt. Nicht.
Es ist nämlich einfach nur billigster Abklatsch von allem bisher dagewesenen, nur in unlustig und langweilig. Der ganze Film hat überhaupt keinen Drive, die einzige Stelle, die wenigstens lustig und langweilig war, war wieder so selten dämlich, dass man sich das auch hätte ersparen können und während der Show haben mir links und rechts ständig Leute reingequasselt, was sie meinen, das als nächstes passieren wird.
Und – ihr dürft raten – sie haben ihren Satz teilweise kaum zu Ende sprechen können, da ist es auch schon passiert.
Scrollen wir noch einmal zurück: “äußerst wichtig, sein Publikum ständig im rätselhaften Unklaren zu lassen” – was zu lassen? Rätselhaft? Was denn? Wenn jede kleinste Handlung bereits schon Stunden im Voraus von jedem Dahergelaufenen vorausgesagt werden kann? Ernsthaft jetzt? MEISTER DES HORRORFILMS?
Mir kommen die Tränen!
Und ich erinnere nochmal daran: Dieser Verein schwimmt mittlerweile im Geld! Sie könnten also … ordentliche Drehbuchschreiber engagieren… äh … der hat ja schon mal einiges geschrieben.
Unter anderem das Drehbuch zum X-Men/Deadpool Spin-Of X-Force, der uns im Herbst beglücken soll.
DAS ist nun wahrhaftiger Horror.
NEEEEEEEIIIIIIIIIIINNNNNNNNNNNNNNNNNNNNN…
 

.kinoticket-Empfehlung: Ich hab gewonnen: Er ist so, wie ich im .trailer bereits vermutet hab.
Aber andererseits haben Blum-Filme es ja nicht umsonst auf das Treppchen des Erfolgs geschafft, also irgendwelche Geister muss es geben, die dafür .kinotickets ordern und ihn damit erfolgreich machen. Denen wird der Stoff dann sicher auch gefallen.
Ich fands ehrlich gesagt nur zum Kotzen – und das ist allein meine persönliche Meinung, von der ihr euch alle bitte überhaupt nicht beeinfluss… ach vergesst es!

 
Nachspann
Nö. Also einfach nein.
Kinostart: 10. Mai 2018

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Wie es mir schon bei Bigfoot Junior ergangen ist, so schreit es auch hier von der Leinwand: Ich bin besser als du glaubst.
Mein Presetting vor dem Film war gewesen: Kinderkram, animiert, just another vampire movie mit aufgesetztem Witz, krampfhafter Lustigkeit und dem Wunsch, beim jungen Publikum abzusahnen.
Wie falsch man liegen kann.
Wie falsch.
Man bekommt nämlich eine ordentliche Ladung Erwachsenenspaß, der die ganze Familie mit anspricht und durch unglaublich dichte Situationskomik punktet. Und die reißt selbst Komiker-Pessimisten wie mich aus der Lethargie und ringt mir ein Lachen nach dem anderen ab.
Die Charaktere sind so überragend gezeichnet, formen sich durch persönliche Entwicklung zu immer besseren Figuren ab und überdauern so die Häme, die andere Werke an dieser Stelle entblößt hätten. Man offenbart eine neue Form von Familienunterhaltung und entfesselt dabei der kulturellen Intensität tiefsten Wunsch.
Die spaßige und dennoch ernstzunehmende Integration in das alltägliche Normalsein Sterblicher, deren Momente immer wieder vor Situationskomik nur so schreien, erbietet dem Zuschauer hier ein Flair von Leichtigkeit und Eleganz, die von glasklarer Unterhaltung im trüben Nebel des Genres nur so vor Eigenständigkeit glänzt. Und diese erfrischende Kur inhaltsträchtigen Klamauks ist auch für Erwachsene die besten Entschuldigung dafür, ein .kinoticket für diese Vorstellung zu lösen und den Machern zu zeigen: Richtig so – und bitte eine Fortsetzung davon!
 

.kinoticket-Empfehlung: Kinder schnappen, .kinoticket lösen und rein in die Vorstellung, denn auch hier schlummert Potenzial, dass sich erst beim Schauen erschließt und den Sichtungswilligen offenbart, dass die Entscheidung mehr als richtig gewesen ist, in genau diesen Saal zu gehen.
Die Situationskomik sprießt aus allen Poren und ringt selbst Widerwilligen ein Lachen nach dem anderen ab.
Luftig-lockerer Unterhaltungsspaß für die ganze Familie, die danach tatsächlich als “Happy Family” wieder aus dem Kino dümpelt.

 
Nachspann
erfordert auch diesmal nicht, dass man sitzen bleibt, denn: Es kommt einfach nichts mehr.
Kinostart: 24. August 2017

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Ich weiß noch, was es für eine Sensation war, als sich in meiner Kindheit erstmalig zwei große Filmhelden miteinander verbanden und man filmübergreifende Jokes einarbeitete, die zeigten, dass eine Figur nicht mehr nur einem Film allein gehörte, sondern man themenübergreifend damit arbeiten konnte.
Was anfangs in spektakulären Gegenüberstellungen begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu großartigen Universen, in denen man sämtliche Kolosse gegeneinander antreten bzw. sie miteinander das Böse bekämpfen ließ.
Heute – im Jahr 2017 – haben viele Studios ihre eigenen Universen gegründet, innerhalb derer jetzt fröhlich publiziert und das Volk mit immer neuen Einfällen versorgt wird, die filmische Unterhaltung generieren.
Dem schließt sich Universal Pictures an und startet dieses Jahr mit der Neuauflage des 1932 erschienenen Die Mumie sein eigenes Dark Universe und beginnt damit gleich mal mit einem CGI-Vollkracher, der seine Fans mit offenen Mündern dastehen und garantiert keine Langeweile aufkommen lässt. Was hat sich im Laufe von fast 100 Filmjahren alles getan!
Klar, die nostalgischen Momente kreuzen bei Menschen wie mir auch immer wieder auf und man ertappt sich öfters dabei, wie man sehnsüchtig in Richtung der vergangenen Jahrzehnte und deren Errungenschaften blickt, jedoch müssen wir alle wohl langsam begreifen, dass diese Zeiten vorbei sind und man bewusst einen Schritt in die Zukunft getan hat, bei dem Digitalismus und Rechenpower genauso als “Cast” dazugehören wie die echten Schauspieler. Dass ersteres oftmals sogar höhere Gagen bekommt und damit der Mensch hier und da zur abgewerteten Spezies innerhalb eines Stücks verkommt, ist in der Vergangenheit ja nicht nur einmal passiert.
Fakt ist: Die Mumie versucht sich daran, den Fans nicht die Suppe zu verderben, sondern eine völlig neue, moderne und trotzdem unterhaltsame und spaßige Variante auf die Leinwand zu projizieren, die auch Genrefans des vergangenen Jahrhunderts erreicht.
Was mir dabei aufgefallen ist: Tom Cruise ist alt geworden, wirkt abgespannt, müde und wie ein Schatten seiner selbst, während er über die Leinwand tobt und der einstige Glanz seiner Persönlichkeit eher zur Action-Ikone verkommt, die den Film nicht mehr so einzigartig trägt, wie er es in seinen vergangenen Werken getan hat. Für mich die absolute Bombe war vielmehr Sofia Boutella, die auf Wunsch des Regisseurs als Ahmanet gecastet wurde und ihre Sache mehr als herausragend meistert.
Dass längst nicht mehr der altägyptische Charme der alten Mumie-Trilogie aufgefahren wird, sondern man sich bewusst für moderne Zeitalter mit neuartigen Interpretationen dieser Story entschieden hat, soll Liebhaber nicht davon abschrecken, dennoch in die neue Vorführung zu gehen und sich das Werk anzusehen.
Mit Effekten wird hier nicht gespart, jedoch hält man sich den ganzen Film über treu die Waage und verschandelt die Show nicht mit der Überglorifizierung digitaler Errungenschaften, sondern lässt den Menschen dazwischen immer noch genügend Spielraum, um ihr Können und ihre Existenzberechtigung unter Beweis zu stellen.
Dabei werden nicht nur alte Methoden mit neuem Anstrich versehen, sondern auch in Sachen Gigantismus völlig neue Geschütze aufgefahren, die eben nicht das traurige Bild einer nochmals aufgekochten Geschichte präsentieren, sondern als Startschuss für eine neue Ära von Monsterfilmen durchaus spürbare Eindrücke hinterlassen. Im Zuge der Idee, die alten Horrorfilme alle einem Reboot zu unterziehen, sehe ich diesen Film als einen gelungenen Startschuss, der einstiges B-Movie-Niveau nun auf massentaugliche Blockbuster-Ebene hievt und den Zuschauern so jede Menge Zündstoff für Diskussionen bietet, da sicher nicht jeder automatisch mit der Modernität einverstanden sein wird.
Als Zuschauer sollte man auf keinen Fall den Fehler machen und hier die tiefgründige, dialogschwere Besonderheit erwarten, sondern sich einfach auf ein kolossal-schwarzes Event einstellen, dass frühere Abarten des Bösen durchaus in seine Schranken verweist.
 

.kinoticket-Empfehlung: Mit Russell Crowe und Sofia Boutella im Gepäck entsteht hier eine völlig neue Dimension des Schreckens, die sich an den heutigen Standards der Filmindustrie orientiert und dabei selbst digitale Maßstäbe auf absolut höchstem Action-Niveau setzt.
Der Film ist nicht vergleichbar mit seinen Vorläufern, sondern liefert aus Randdaten eine völlig neuinterpretierte Erzählung, die zwar nicht unbedingt mit Tiefgang und Eleganz, dafür aber mit extrem viel Style und wuchtiger Action punktet und somit dem Popcornkino wieder einen Grund zum Besuch abstatten liefert.
Wer Fan von Die Mumie ist und Horrorfilme liebt, den schreckt wohl als erstes die FSK-12-Freigabe, die ich – wie übrigens damals auch schon – für zu niedrig angesetzt halte. Nichtsdestotrotz macht die brachiale Düsternis im Kino bei aufgedrehter Lautstärke mal wieder richtig Spaß und sorgt ab heute garantiert für gelungene Kinoabende.

 
Nachspann
liefert keine weiterführenden Elemente, jedoch ist klar, dass das als Auftakt einer Reboot-Reihe genutzt wird, die sich um die Horrorfilme der 30er bis 50er Jahre von Universal Pictures dreht.

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Es ist der fünfte Teil dieser Saga.
Kritik beendet.
So oder so ähnlich könnte man schreiben. Damit wäre fast alles gesagt. Alles, was ursprünglich mal Fluch der Karibik gewesen ist, wurde ersetzt durch monströse Effekte. Die charmant-dämliche Art eines Johnny Depp, der in Captain Jack Sparrow seine Paraderolle gefunden zu haben scheint, war anfänglich noch die absolut tragende Säule der ganzen Scharade. Seine dauerbetrunkene, selten-dämliche Aufführung in der Öffentlichkeit, gespickt mit den banalen Strukturen dieser simplen Gesellschaft formten damals ein Bild, wie es bislang keines gab. Der sprühende Nebel des komödiantischen Untergangs war noch hell genug am Disney-Himmel, um daraus eine Story zu schöpfen, die sowohl jung als auch alt in ihren Bann zog und Filmgeschichte schrieb.
Die meisten, die ich im Laufe des Neustarts des aktuellen Teils dazu befragt habe, sagten mir, dass sie irgendwo zwischen Teil 2 und 3 ausgestiegen sind, da dort bereits das Elend begann. Ich zähle mich übrigens auch dazu, denn bereits beim zweiten Teil war mir nicht mehr wohl ums Herz. Und das, obwohl ich die Dunkelheit liebe und es bei mir ruhig düster sein darf. Zum einen passt diese allseits von Tod umgebende Sphäre so überhaupt gar nicht mehr zu Disneys sonstigen Werken, zum anderen erhält man in Pirates of the Caribbean – Salazars Rache zwar erstmals endlich einen korrekten Titel, der jedoch absolut nichts mehr mit dem Original zu tun.
Sparrow ist überflüssig geworden und wird von den monströsen Effekten einfach nur noch zum symbolgebenden Logo degradiert. Früher war er derjenige, ohne den der Film nicht funktioniert hätte, dieses Mal hätte es wohl gereicht, wenn man sein Konterfei Mumienlike am Schluss ins Wasser gerendert hätte, um einen Cameo-Auftritt zu geben, der Rest des Films wird durch absolut übertriebene Effekte maskiert und damit zur CGI-Feier verwahrlost.
Versteht mich nicht falsch: Die Arbeit an den Computern ist herausragend und durchaus einen Kinobesuch wert, auch das 3D basht so dermaßen tief in den Kinosaal rein, dass man sich manchmal gerne wegducken würde, jedoch verkümmern die einzelnen Schauspieler dadurch nur noch zu austauschbaren Plastikpüppchen, die durch markantes Aussehen tatsächlich bestätigen, dass es sich hier um Fluch der Karibik und nicht um ein x-beliebiges anderes Epos dreht. Als ob Disney einfach mal gesagt hätte: “Komm, wir streichen sämtliche Gagen und pulvern einfach alles ins Rendering.”
Wer also auf der Suche nach abartigen Effekten ist, Gigantomanie liebt und sich von erschlagender Größe in Perfektion niedermachen lassen will, ist hier genau richtig. Wer den Flair des ersten Teils aufleben lassen möchte, wird maßlos enttäuscht. Und da hilft auch ein Jerry Bruckheimer nichts, der daraus wieder eine seiner typischen Rätsel-Erkundungen à lá Das Vermächtnis der Tempelritter machen möchte. Starrt man so manch altem Charakter ins Gesicht, stellt man fest, dass sie genau das geworden sind: Alt, verbraucht, farblos. Genauso verhält es sich mit der Dialogschwere, dem mythologischen Tiefgang und der Story selbst: Der wahre Vorstoß auf den Grund des Meeres findet hier nicht statt, sondern alles ereignet sich knapp unter der Oberfläche. Die Figuren wirken eher harmlos, werden nur als Erzählroboter gebraucht in einer ansonsten perfekt austarierten CGI-Umgebung, die für sich allein atemberaubend genug ist, um das .kinoticket zu rechtfertigen, jedoch keineswegs irgendwelche Ansprüche an Story oder Originalität befriedigt.
Überlegt euch also lieber dreimal, ob ihr wirklich in diese Vorstellung gehen möchtet.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wir haben einen funktionierenden Titel und die Leute werden schon rein rennen, also ist es egal, was wir daraus machen.
Wer dieses System nicht unterstützen möchte, der geht einfach nicht rein. Denn wenn die großen Filmschmieden damit aufhören, originell zu sein, haben wir Cineasten bald ein Problem mit nachwachsenden Rohstoffen guter Geschichten.
Hier lohnen sich wirklich nur noch die Effekte, der Rest ist für’n …………

 
Nachspann
lässt es sich auch diesmal wieder nicht nehmen, bereits erste Anzeichen auf Fortsetzungen zu setzen, denn nach erfolgtem Abspann kommt noch eine längere Szene.

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Vor der Pressevorführung habe ich mich gedrückt, den Film in Ruhe anlaufen lassen und mich dann doch dazu bequemt, ihn mir im Kino anzuschauen.
Meine Kritik zu Vaiana ließ meinen Geschmack zu Disney-Filmen ja bereits etwas durchblitzen und erkennen, dass ich nicht unbedingt der Typ dafür bin, der gesungenen Musicals auf der Leinwand großartig etwas abgewinnen kann.
Dazu kommt die relativ einfallslose Geschichte, die man so schon hundertfach gesehen hat und auswendig mitbeten kann, die Disney im Zuge der Wiederaufbereitung der vergangenen Film-Jahrzehnte jetzt auch wieder ausgräbt, um noch mal ordentlich Kasse zu machen.
In Verbindung mit der Gier des Konzerns nach Geld, die vielen kleinen Kinos das Leben schwer macht – was ich Disney bisher immer noch nicht verziehen habe, sorry! – bin ich mit sehr stark gemischten Gefühlen in diese Vorstellung gegangen ohne große Lust, mir den Film tatsächlich anzusehen.
Von der Presse wird Emma Watson für ihre Darbietung sehr gelobt, der Film erhält insgesamt positive Kritiken und die Menschen scheinen zufrieden damit zu sein.
Was mich auf nüchternen Magen und ohne das magische Einhornsprühen glitzernder Sterne in den Augen habend etwas gestört hat, waren die teilweise unterirdischen Dialoge, die sowohl bei den Erzählungen als auch in den Songs verwendet werden. Dies entbehrte an vielen Stellen einer unfreiwilligen Komik, die dem ziemlich gefüllten Saal auch zu viel Gelächter verhalf.
Aber ich möchte dem zukünftigen Publikum die Show jetzt auch nicht schlecht reden, und da ich persönlich ehrlich gesagt nicht wirklich weiß, was ich zu diesem Film noch sagen soll, habe ich mich auf die Suche nach ein paar Damen im Saal gemacht und sie einfach gefragt, wie sie die Vorstellung fanden.
Dabei kam raus, dass – wie auch schon bei Fifty Shades of Grey – eine der Damen nur wegen ihrer Freundin mitgegangen ist, dann aber die Liebe zum Film entdeckt hat und sich ihn sogar noch einmal ansehen würde, wenn sich jemand findet, der eine Begleitung fürs Kino braucht.
Gut gefunden wurde auch, dass man sich hier eher am klassischen Märchen orientiert hat und nicht so auf die Horrorelemente gegangen ist, wie es bei anderen Märchenverfilmungen ja durchaus öfters zu finden ist. Damit erinnert dieser Film eher an die eigene Kindheit und wenn man die Erzählung früher schon mochte, bekommt man sie heute in einer technisch aufbereiteten aber dennoch gelungenen Version wieder auf der Leinwand zu sehen.
Eine der Damen hatte – wie ich – auch größere Probleme damit, dass ständig gesungen wird, weil sie so etwas persönlich überhaupt nicht mag. Sie empfand bei diesem Werk die richtige Ausgewogenheit zwischen Gesangseinlagen und erzählter Geschichte, was die Story als solches recht angenehm rüberbrachte.
Die Animationen und das 3D sind bei diesem Film so dermaßen herausragend, dass man den Kinos fast schon verbieten sollte, überhaupt 2D-Vorstellungen anzubieten. Die Räumlichkeit und Integration in die reale Verfilmung ist derart gelungen, dass ich Disney erstmalig zugestehe, das verdiente Geld auch wirklich in gute Filme zu investieren.
Man sollte sich als Zuschauer von vornherein darüber im Klaren sein, dass hier eben keine klassische Märchenerzählung stattfindet, sondern das ganze eher wie ein gefilmtes Musical rüber kommt, das in sehr großem Stil mit sehr viel Detailgetreuheit inszeniert wurde, um hier einmal mehr die technischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zu feiern.
Damit hat Disney für mich zwar nicht den großen Coup gelandet – dafür hätte ich mir etwas mehr Inspiration und Kreativität im Plot gewünscht – aber dennoch eine Vorstellung abgeliefert, die Musical-Niveau hat und durchaus auf einer Theaterbühne gezeigt werden könnte. Damit entfernt man sich etwas von den klassischen Erzählungen des Kinos und sollte hier nicht von Kinokritikern bewertet werden, sondern sich sein Publikum eher im Opernbereich suchen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Fest steht, dass Disney sich selbst im Vergleich zu allen anderen Filmen hier getoppt hat, denn auch meine beiden Interview-Gäste empfanden dieses Werk deutlich qualitativ über den Vorgängerfilmen wie Vaiana & Co.
Wer also auf klassische Märchen steht, keine großartigen Innovationen hinsichtlich einer Geschichte braucht und einfach tollen Farben, Formen und Bewegungen etwas abgewinnen kann, der sollte sich zwingend ein 3D-Ticket kaufen und diese Vorstellung aus Herzenslust genießen.
Der Song, der mir persönlich am besten gefallen hat, befindet sich am Beginn des Nachspanns, der irgendwie auch eine Art Charakter des Films darstellt.
Also hört euch von Celine Dion “How does a Moment Last Forever” an und entscheidet auf Basis des Gefallens dieses Songs, ob dieser Film für euch taugt oder nicht.

 
Nachspann
Bei den 3D-Animationen bleibt sowieso jeder noch sitzen, danach kommt nichts weiter, auch wenn der Hintergrund wunderbar aussieht.

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Schon als ich den Trailer gesehen habe, wusste ich: Das Ding hier wird ganz groß! Und ehrlich gesagt habe ich an meinem Kinotag eigentlich nur auf diesen Höhepunkt hingefiebert.
Vin Diesel steht ja nicht erst seit Fast and Furious für großartiges Kino. Schon in seinen älteren Filmen merkt man ihm an, dass er nicht nur Geld verdient, sondern sein Schauspiel lebt und voll bei der Sache ist. Das gilt auch zu 100% für The Last Witch Hunter. In all den Jahren, in denen mir als Geister-/Hexen-/Übernatürliches-Liebhaber immer wieder Filme dieses Genres vorgesetzt wurden, habe ich noch nie einen derart ernstzunehmenden, vorbildhaften und großartigen Film mit derart viel Liebe zum Detail, Leidenschaft und Hingezogenheit zur Epik erlebt wie hier.
Allein so manche Szenen, in denen das Drift-Spiel zwischen den jeweiligen Welten vollzogen wird, grenzen nahezu an echte Magie. Und oben drauf: Man erlebt hier nicht nur die uns an Halloween wieder überschüttende Liebe für Grauen erregenden Kitsch, sondern wird vor bösartige Tatsachen gestellt, dass sich vor Freude die Nackenhaare aufstellen: Die Hexen sind endlich wieder böse, das Genre erfindet sich durch Ernsthaftigkeit und dunkle Vollkommenheit herrlich neu – das Fadenspiel zwischen übertriebener Brutalität und spinnerhafter Hokus-Pokus-Witzigkeit wurde sagenhaft gemeistert und derart brillant ausbalanciert, dass man vor Freude schreien möchte.
Kurzum: The Last Witch Hunter ist bis dato der beste Hexenfilm, den ich je gesehen habe. Und gleichzeitig kein Massenprodukt, denn die Tatsache, dass man die Vorstellungen auf spät abends verlagert, hat ihre Gründe. Und genau hier sehe ich nur Vorteile: Man ist endlich bereit dazu, mit Millionen von Dollars in Nischen zu springen und diese gebührend auszufüllen. Man verzichtet auf die allgegenwärtige Weichzeichnerei bei Charakteren und Darstellung und befriedigt eben endlich mal nicht die Masse, sondern die Randgruppen und respektiert somit, dass nicht jeder automatisch die gleiche Gemeinsame-Teilmenge-Meinung besitzt wie irgend ein Trend es vorzugeben versucht.
Hut ab!
 

.kinoticket-Empfehlung: Als Fan von Mysteriösem auf der Leinwand sollte man sich diesen Film unbedingt ansehen.
Die Twilight-Massenphänomen-Weichzeichnerei ist vorbei. Endlich ist das Böse wieder böse, das Gute wieder menschlich und die fantastische Darstellung so, dass auch Menschen mit unterschiedlichen Geschmäckern daran Gefallen finden.
Ein Film, von dem gerne mehr kommen darf – und laut Diesel demnächst auch werden wird.

 
Nachspann
gibt es keinen, dafür aber saftige Bilder, wahnsinnige Animationen und jede Menge diffuse Welten, durch die es zu spazieren mächtig Spaß macht.

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Was kommt dabei raus, wenn man das Genre “Horror” mit “FSK 16” und “mainstreamtaugliches Kino” mischt? Richtig: Meistens nichts gutes.
Warum mir der Film trotzdem gefallen hat?
Die Charaktere nehmen sich selbst ernst.
Wie oft begegnet man der manifestierten Dummheit, wenn man die Charakterausbildung in diversen Horrorfilmen ein wenig näher betrachtet. Hier macht man da ein klein wenig den Unterschied und setzt weniger auf ironisch-komische Einlagen, sondern vielmehr auf Ernsthaftigkeit und damit auch ein Stück weit Glaubwürdigkeit. Zwar beißt sich dies mit der Insgesamt-Aussage des Films zeitweise ein bisschen, jedoch gehen die Schauspieler in ihren Rollen authentisch auf und überzeugen so mit ihrem Tun.
Der Gruselfaktor stimmt.
Nichts ist schlimmer, als ein Horrorfilm, bei dem man ausschließlich lachen muss oder sich gar langweilt. Wenn die Tiefe der menschlichen Ängste nicht mal ansatzweise angekratzt wird, sondern nur oberflächlich peinlich versucht wird, durch altbekannte Tricks ein klein bisschen Panik zu schüren. Hier wurden jedoch Szenen eingebaut, die bei mir tatsächlich Gänsehaut auf dem Rücken spazieren schickten. Nicht viele, aber immerhin genug, um als Horrorfilm respektiert zu werden. Das Ungreifbare ist stets präsent, wenn klar ist, dass wieder ein wenig mehr ins Dunkel des Unwissens hervorgedrungen werden soll – und Psychoschocks sind sowieso wesentlich wirksamer als jedes noch so liebevoll angerichtete Blutbad im Bilderwald.
Die übliche Schlächterzählung fehlt.
Das systematische Abschlachten der anfangs lieblos eingeführten, oberflächlichen Darsteller fehlt hier gänzlich. Im Gegenteil: Es ist faszinierend, mit welcher Hingabe man sich hier an die Familie annähert und mit ihnen gemeinsam etwas erlebt, von dem anfangs gar nichts klar ist. Auch wenn der Clou der Geschichte eher fragwürdig und teils verstörend bis hin zu lächerlich ist, so hat der Weg in den finalen Abgrund durchaus seine Reize. Man springt zwar auf den Zug der bekannten Horrorfilm-Mache auf, reist aber nicht im Inneren des Waggons mit, sondern ist allenfalls S-Bahn-Surfer des Ganzen.
Der Soundtrack ist eigenwürdig genug, um hervorzustechen.
Es ist selten, dass man einen musikalisch so tief in die Verzerrtheit führen kann, dass selbst Disharmonien in sich vollkommen klingen und auf ihre perfide Art schon wieder eine völlig neue Harmonie ausmachen. Musikalisch betrachtet durchaus ein sehenswertes Stück, das irgendwie funktioniert und auch hier ein klein wenig aus der Masse ausbricht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nicht wirklich was für hartgesottene Fans von gruselnder Unterhaltung mit Sinn und Verstand, durch die Bodenständigkeit und andeutungsweise Andersartigkeit aber dennoch ein sehenswertes Stück, das in verschiedenen Punkten durchaus zu überzeugen weiß.
Die große Überraschung bleibt genauso aus, wie die totale Enttäuschung. Antipathien zu dem Film wurden bei mir keine geweckt und davor warnen würde ich auch zu keinem Zeitpunkt. Wer mal etwas anderes sehen will, darf hier getrost zuschlagen.

 
Nachspann
spart euch das Warten, hier kommt nichts weiter.

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Zugegeben: Ich hab mich um die ersten beiden Teile von Saw-Macher Leigh Whannell gedrückt und war der Meinung, ich starte “von hinten” und sattel den Gaul von der falschen Seite auf, weil man dann mit “steigenden Teilen” nicht enttäuscht, sondern eher positiv überrascht wird.

Im Kino wurde mir versprochen, dass ich bei diesem Film garantiert wach werde und ich muss sagen, dass die ängstlichen Erwartungen, die ich aufgrund von diversen anderen Horrorfilmen dieses Jahres hatte, nicht eintrafen.

Die Story ist zwar in ihrer Basis fantastisch, hat jedoch den riesigen Vorteil, dass sie sich selbst sehr ernst nimmt und sich damit der Zuschauer auch nicht unbedingt verblödet vorkommt, sondern eher authentisch unterhalten wird.

Spannend war auch, dass diesmal der erste Teil des Films für mehr Gänsehautfeeling sorgte und es zum Ende hin unspannender wurde, nachdem es quasi “aufgelöst” ist. Das Ende fand ich persönlich etwas zu weit ab von der sonstigen Ernstheit des Films, aber ich nehme an – da es sich hier um das Prequel der beiden vorherigen Teile geht – dass da einfach der Bogen zur Startgeschichte gespannt werden musste.

Mit ein paar Szenen konnte man mich während der Spielzeit durchaus kurz zusammenzucken lassen, den ganz großen Wurf, dass eine Angst-Szene die andere jagt und man so kaum zur Ruhe kommt, bleibt aber aus. Alles in allem aber ein sehr hochwertiger, ernstzunehmender Horrorschocker, der weniger auf Gore- und Blutszenen setzt sondern vielmehr die Angst im Kopf ansprechen will – und das auch an vielen Stellen durchaus schafft.

.kinoticket-Empfehlung: Freunde der Insidious-Reihe dürften hier sicherlich wieder Spaß haben, wer sich einfach mal einen an Angst-Zucker grenzenden Film anschauen will, ist hiermit auch super bedient.

Für dieses Jahr definitiv der beste Horrorfilm, der im Vergleich zu anderen Gruselfilmen der bislang authentischste und professionellste ist.
Durchaus einen Besuch im Kino wert.

Nachspann
❌ Musikalisch der bislang seltsamste Abspann, den ich je gesichtet habe. Zusätzliche Szenen gibt es keine.

Kinostart: 2. Juli 2015

Original Title: Insidious: Chapter 3
Length: 98 Min.
Rated: FSK 16

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