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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Filmschaffende

Die Hofer Filmtage locken ab dem 23. Oktober 2018 mit einem neuen Goldpreis

Heute gibt’s an dieser Stelle mal keine Kritik, sondern einen Sonderbeitrag, der etwas weiter in die Tiefen des Filmemachens einsteigt und euch einen ganz besonderen Preis vorstellt.
Ihr werdet festgestellt haben, dass meine besondere Vorliebe für Debütfilme jedesmal zum Tragen kommt und ich, wenn ich etwas besonders Schönes oder Empfehlenswertes entdecke, oftmals erst danach feststelle, dass es sich hier um ein Filmdebüt handelt.
Dazu gibt es ein Festival, die Internationalen Hofer Filmtage, auf denen alljährlich junge Filmemacher dazu angehalten wurden, ihre Erstlingswerke der breiten Öffentlichkeit vorzustellen um damit quasi in der Filmlandschaft Fuß zu fassen und neue, junge Regisseure und Regisseurinnen zu entdecken und zu fördern. Immerhin möchten wir in 20 Jahren noch genauso gute und frische Filme auf den Leinwänden sehen und nicht dabei aufpassen, wie die alten Genies langsam aussterben und immer mehr Müll auf den Bildschirmen landet.
Nachdem der Initiator und Gründer der Filmtage Heinz Badewitz verstorben ist, war es fraglich, wie es mit dieser Veranstaltung weitergehen sollte. Hierfür hat sich die Bayerische Akademie der Schönen Künste ein ganz besonders attraktives Angebot ausgedacht und wird fortan im Rahmen der Hofer Filmtage einen neuen Preis vergeben – den
 

Hofer Goldpreis der Friedrich-Baur-Stiftung verliehen durch die Bayerische Akademie der Schönen Künste in memoriam Heinz Badewitz

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Dieser Preis zählt zur wichtigsten Auszeichnung des Festivals und wird künftig am letzten Samstag im Rahmen des Festivals an den Gewinner übergeben, dessen Gewinnerfilm dann als Abschlussfilm am Sonntag im Rahmen einer Matineeveranstaltung erneut gezeigt wird.
Er besteht aus einem 1kg schweren Goldbarren (zertifiziert) in einer edlen Schatulle und wird gemeinsam mit einer repräsentativen Urkunde der Hofer Filmtage mit der Begründung der Preisvergabe sowie einer Stele der Hofer Filmtage ausgehändigt.
Der derzeitige Handelswert des Goldbarrens liegt bei rund 35.000,- €.
 
Warum Gold? Warum nicht Geld?
Die Initiatoren des neuen Preises haben sich gründlich darüber Gedanken gemacht, wie sie aktiv die Filmneulinge fördern können und sind darum auf diese Idee gekommen. Gold in diesem Wert ist ja nun mal etwas anderes als Geld, was man zum Kitten von Schulden oder Krediten im Nullkommanix verbraten kann.
Mit so einem edlen Stück in den Händen entscheidet man sich voraussichtlich dann doch etwas anders und kann den Barren z.B. als Sicherheit für einen Filmkredit bei einer Bank hinterlegen und so den Absprung über die Hürde der nächsten Filmproduktion schaffen. Was anschließend mit dem Preis angestellt wird, ist den Preisträgern völlig freigestellt.
In der Tat ist die Akademie selbst gespannt, wie die Filmemacher sich entscheiden werden und werden ihnen dafür eben nicht nur den Preis aushändigen, sondern stellen einen jährlich wechselnden Mentor an deren Seite. Dieser wird aus den Reihen der Akademie der Schönen Künste gewählt und hat fortan die Aufgabe, den oder die Preisträger/in ein Jahr lang beim Zweitfilm zu beraten.
Dieser Mentor muss alle zur Auswahl gestellten Filme selbst gesehen haben und wird völlig unbeeinflusst darüber entscheiden, welcher Film den Preis gewinnen wird. Als Mentor-Debütant ist dieses Jahr Edgar Reitz aufgestellt worden.
 
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Diese Auszeichnung soll dazu dienen, die Attraktivität der Internationalen Hofer Filmtage zu erhalten und junge Filmemacher dazu animieren, ihre Erstlingswerke beim Festival einzureichen. Die Deadline dafür ist dieses Jahr bereits der 3. September 2018.
Der Goldpreis wird ausschließlich für Debütfilme verliehen. Die Filmemacher können eigenständig entscheiden, ob dies der HFF-Abschlussfilm oder der erste Regiefilm ist.
Somit bleibt Hof als künstlerisches Sprungbrett für großartige Filme auch in Zukunft ein spannender Ort, an dem jeder jeden trifft und man sich in familiärer Stimmung mit Filmschaffenden austauschen kann.
Diese Förderung junger Talente war Heinz Badewitz’ großes Anliegen und wird durch die Vergabe des neuen Preises somit auch in Zukunft fortgeführt.
 

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Thorsten Schaumann (Künstlerischer Leiter der Hofer Filmtage), Edgar Reitz (1. Mentor des Goldpreises), Georg von Waldenfels (Kurator der Friedrich-Baur-Stiftung), Bernhard Sinkel (Direktor “Film- und Medienkunst” der Bayerischen Akademie der Schönen Künste)


 
Die diesjährigen Hofer Filmtage finden vom 23. – 28. Oktober 2018 statt. Mehr dazu auf der Homepage www.hofer-filmtage.com.

Auf der Suche nach Ingmar Bergmann

Auf der Suche nach … Margarethe von Trotta könnte dieser Titel auch heißen, zumindest, wenn man sich die 50% des Films ansieht, die sich nicht mit Ingmar Bergman beschäftigen, sondern mit der Regisseurin Margarethe von Trotta. Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich habe nichts gegen diese Frau. Ich finde nur, wenn man einen Film so nennt wie diesen, sollte man sich dann auch mit Ingmar Bergman und seinen Gepflogenheiten beschäftigen und nicht ständig ellenlange Szenen einbasteln, die sie in ihrer Schönheit durch Paris spazierend zeigen oder sich sonst in einer Form mit ihr beschäftigen.

Auf mich wirkte das stellenweise wie das Insta-Video einer Girl-Clique, die sich selbst feiert und ihren Idolen auf der Spur ist. Als wäre es kein Film von … sondern eine Selbstinszenierung von … und das machte das eigentlich ansonsten hervorragende Werk doch ein ganz klein groß wenig viel kaputt. Die Passagen, die sich tatsächlich mit Ingmar Bergman beschäftigen, sind nämlich spannend und verfolgen einmal den Gang des Films in die Epoche des Kinos und zeigen hier die Anfänge allen Seins, was selbst für unsere Generation heute interessant wäre. Auch, wenn man sich deshalb jetzt nicht zwingend seinen Filmen zuwenden möge (Geschmackssache), so ist doch der Ursprung allen Seins aus kinotechnischer Sicht definitiv einen Einblick wert.

Die andauernden Narzissmus-Phasen stören dabei halt gewaltig. “Uh, yeah, dort haben wir das, und da haben wir das … und geil war’s” – so etwas kennt man heute tatsächlich von Best Buddies, die zum Tomorrowland-Festival reisen und sich selbst dabei aufnehmen. Ganz nett, wenn man so etwas sehen möchte, dann ist aber der Titel gewaltig irreführend und diese Selbstdarstellung ist nicht nur mir negativ aufgefallen.

Sollte man sich beim Kauf des .kinotickets also für diesen Titel entscheiden, dann mit dem Wissen, dass hier zwei Persönlichkeiten großartig im Vordergrund stehen. Wer’s positiv sehen will, bekommt eben gleich zwei zum Preis von einem – dafür dann jeweils nur halb so lang.

 

.kinoticket-Empfehlung: Selbstinszenierung meets hervorragende Recherche über Ingmar Bergman.

Das Werk liefert spannende Einblicke in die anfänglichen Entwicklungen des Films hin zum Kino und durchmischt sich mit girliehaftem Erinnerungsgeplänkel über alte Zeiten, die ein Massenpublikum kaum interessieren dürften. Aber wer weiß, vielleicht releast Frau von Trotta das Ding ja nicht auf Blu-ray, sondern in ihrem Instagram-Kanal, da wäre sie dann der absolute King mit ihrem Werk. Wir werden sehen.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht auszuharren, hier folgen keine Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 12. Juli 2018

Original Title: Searching for Ingmar Bergman
Length: 99 Min.
Rated: FSK 12

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