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Fifty Shades of Grey – Befreite Lust

Die Uhren schlagen zwölf – es ist soweit: Der finale Teil der Fifty Shades of Grey-Saga kommt (haha) offiziell in die Kinos und löst weltweit wieder einen Superhype aus, den niemand versteht und in den nur die Doofen reingehen. Genau wie die BILD: Kauft keiner, liest keiner, hat aber nen riesigen Absatz.
Dieses Jahr hab ich mich bewusst und sehnsüchtig für die Pressevorführung vorab entschieden, weil ich mich jetzt gerne und liebevoll für ein paar Wochen aus dem regulären Kino zurückziehe, bis diese Seuche wieder vorbei oder zumindest abgeflacht ist. Aber der Reihe nach:
Meine Äußerungen zu den Vorgängerfilmen sind in diesem Zusammenhang vielleicht nicht ganz uninteressant, um meine jetzige Einstellung besser zu verstehen:
Fifty Shades of Grey
Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe
Man merkt also, dass Fifty Shades of Grey insgesamt ein gewollt sadomasochistisches Peitschen-Image mit Sexverdunkelung und Abgründen erotischer Natur aufgebaut hat, um seinem Ursprungsideal der SM-Fanfiction-Variante von Edward und Bella aus Twilight zu entsprechen.
Und an alle Zweifler, die mir das immer noch nicht glauben: https://de.wikipedia.org/wiki/Shades_of_Grey#Entstehung << tatsächlich als Fanfiction von Twilight entstanden und später umgeschrieben. Voilà!
Ich meine: An sich ist die Idee ja gar nicht schlecht, immerhin gibt es von vielen Filmen mittlerweile die “(Soft)Pornovariante” auf Sport1 im Spätprogramm, auch wenn ich (ehrlich) noch nie eine davon gesehen habe. Sollte ich vielleicht mal nachholen, weil ich anschließend von dem hier begeistert sein werde … wer weiß 😉
Allein schon die Idee, so einen Jugend-Kitsch-Schmalzi-Girlie-Fanschrei-Film (Twilight) aus der pubertären Verniedlichung in die (ernstgemeinte) SM-Tiefe zu schicken, sollte eigentlich Freudensprünge beim von Einfallslosigkeit geprügelten Zuschauer auslösen. Dass daraus dann aber ein Konstrukt erwächst, dass den Zuschauern jedwede Relation zu seinem eigentlichen Ursprung abspricht – obwohl teils schon fast szenengenaue Parallelen zum Vorbild vorhanden sind und eigentlich deutlicher nicht mehr sein könnten – trotzdem einschlägt wie eine Bombe, wirft für mich zwei Thesen auf:
Entweder ist die ganze Welt vollkommen krank und ich bin geistig soweit zurückgeblieben, dass ich den Erfolg und das Verlangen nach solchem Stoff erst verstehen werde, wenn mir jemand an meinem Sterbebett erklärt, warum…
oder:
Diese Einfallslosigkeit ist so weit verbreitet und ich bin zu behämmert, um zu kapieren, dass das tatsächlich Alltag da draußen ist und sollte wirklich öfters aus dem Kino und mehr in die Realität wechseln.
Fakt ist: Man sollte vor dem PR-Coup seinen Hut ziehen, denn hier wurde wahrhaftig aus Scheiße Gold gemacht – und das nicht zu knapp. Allein der .trailer hat bereits Weltrekorde aufgestellt und sogar Star Wars geschlagen … mit einer Fanfiction eines behämmerten Films auf SM-Niveau! * kopfgreif * – in was für einer gestörten Welt leben wir denn?
Über die Vorteile davon hab ich mich bereits damals schon ausgelassen – den Chancen, sexuelle Aufklärung zu betreiben, Sex-Nischen salonfähig zu machen, Plattformen zum öffentlichen Diskurs zu bieten und den Menschen die Chance zu ermöglichen, auch über Tabuthemen gemeinsam zu sprechen, um so Unerfahrenheit oder ungewollte Versteckspiele endlich beenden zu können.
Ich meine: Die Welt sieht zu, die Aufmerksamkeit ist vollends vorhanden und alle starren gebannt auf die Leinwand – und was macht man daraus?
Fifty Shades of Grey – Befreite Lust!
Für mich wirkt das alles so, als wäre ein Großteil meiner Mitmenschen in einer irren Blase gefangen, die einer unbefriedigten Hausfrau der frühen Neuzeit entspringt, die vom großen Geld, dem traumhaften Prinzen und jeder Menge anderem Kitsch träumt und diesen mit unfassbar viel Kohle und einer vollkommen wahnsinnig gewordenen Kultur subventioniert bekommt.
Kürzlich meinte mal einer zu mir: Deutschland hat keine Fähigkeiten darin, Dialoge zu schreiben. Fifty Shades of Grey ist das beste Beispiel dafür – nur, dass es nicht aus Deutschland kommt. Die Dialoge sind dermaßen zum Schreien, dass es nicht mehr komisch ist. Auf Stumpfsinn folgt Plätte und danach kommt Fifty Shades.
Es fällt schwer, hier tatsächlich ernst zu bleiben und diese “unerreichbare Größe”, die dem Edward im ersten Teil zumindest noch teilweise innewohnte, hat man nun vollends aufgegeben. Ich meine, es ist okay, von dem wahnsinnig gut gebauten, knackigen, Superduperhypermilliardär zu träumen, für den alles fern jeglicher Realität absolut kein Problem ist und der sich alle Sorgen einfach mit sündhaft viel Geld wegkauft. Es ist okay, darüber Bücher zu schreiben und sich darauf einen zu schrubben, es ist auch okay, das dann ins Kino zu bringen und dem Rest der Welt zu ermöglichen, sich ebenfalls einen darauf zu schrubben.
Aber zumindest im dritten Teil erwarte ich als Kinogänger doch, dass man zumindest ansatzweise anfängt, mich als Zuschauer wahrzunehmen und aufhört, mir irgendwelche Märchen auftischen zu wollen. Ich sehe also nicht mehr in eine Girlie-Fan-Blase, sondern erwarte einen ernsthaften Film, der mich dann tatsächlich in die Welt der Superreichen einführt – was zumindest wieder Spannungsbogen-Potenzial aufweist und auch hier wieder Chancen bietet, daraus etwas durchaus Sehenswertes zu machen.
Und genau da krankt der aktuelle Film nicht nur, sondern stirbt tausend unrühmliche Tode: Christian wirkt in die wahl- und lieblos zusammengestellten Kulissen wie reingeschneidert, man kauft ihm die Rolle als Mega-Milliardär schon längst nicht mehr ab, sondern seine Stellung wirkt unbeholfen, lächerlich und hat längst nichts mehr von dem mysteriösen, verdorbenen Charme, für den Anastacia ihn im ersten Teil noch abgöttisch anhimmelte.
Statt hier den Weg einfach konsequent weiter zu gehen (Teil 1 anteasern, Teil 2 langsam bodenständig werden und Teil 3 nun vollends in die SM-Unterwelt abzutauchen und einfach Peitschen und Devotsein, Machtspiele, Erhabenheit und Unterwerfung und all die tausend Gefühle sprechen zu lassen) ergießt man sich hier in eine unzählbare Fülle von dümmlichen Dialogen, die himmelschreiende Realitätsferne aufweisen und von dem subtilen Witz und der unberührbaren Unkenntnis über dieses Genre aus Teil 1 absolut nichts mehr innehaben.
Verdammt! Ich meine, unsere Zeit ist doch aufgeklärt genug, dass man sich durchaus sexueller Themen auf der Leinwand annehmen könnte, die nicht bei Knutsch-Kuss-Wegblende aufhören, sondern man durchaus mal richtig vögeln darf und dabei auch über die Missionarsstellung hinaus gehen könnte … und was kommt?
“Hi.”
“Hey.”
“Kommst du ins Bett?”
“Später vielleicht.”
Ähm … es gibt Leute, unglaublich viele Leute, die für diese – sorry – Scheiße echtes Geld hinblättern und erwarten, dass ihr ihnen etwas dafür liefert. Und zwar nicht so einen geistigen Dünnschiss, sondern zumindest ein bisschen Humor und Ernsthaftigkeit – aber doch nicht so was?
Und was ist aus der eleganten Kulisse aus dem ersten Teil geworden? Aus dem Monster-Immobilien-Ding, dass man technisch gerne erkundet hat? Aus den Farbenspielen und den professionellen Versuchen, der Farbe Grau ein wenig Leben abzuringen?
Eine Anhäufung verschiedenster, nicht zueinander passender Stile, die stümperhaft zusammengewürfelt in eckige Szenen geschnitten wurden, in denen die beiden Hauptdarsteller jederzeit vollkommen verloren und deplatziert wirkten, was im Presseheft dann mit “sommerlicher Frische” und “farblicher Befreitheit” entschuldigt wurde. Hat bei mir nicht funktioniert.
Überhaupt wirkte dieser Film eher wirklich wie ein Softporno mit profaner Entschuldigung, für den man sich nicht mehr zu schämen braucht, weil ihn ja hunderttausend andere Menschen ebenfalls ganz offen schauen.
Von Sado oder Maso oder anderen themenrelevanten Dingen einfach überhaupt keine Spur mehr. Na gut, immerhin sieht man zumindest 2-3 Minuten mal ein paar Handschellen, aber dann?
Seid ihr wirklich so einfallslos und langweilig, ein – eigentlich so spannendes – Thema auf diese billigen Klischees zu begrenzen? Hier kommt mir wieder die untervögelte Hausfrau in den Sinn, die sich nichts mehr wünscht, als mal so richtig von Edward durchgebumst zu werden und die ihren fickrigen Sehnsüchten nun in Form einer Milliardenproduktion Ausdruck verleiht … oh mein Gott, wo sind wir da alle rein geraten? Mommy porn im Kino? Ernsthaft?
Sorry, wenn ich hier im Niveau etwas absinke und mich nicht mehr gewählt auszudrücken vermag, aber ich war gestern echt sauer. Sauer auf das, was man daraus gemacht hat. Sauer darauf, dass man jetzt ein Leben lang mit der Message leben darf, dass genau das ja “Sadomaso” ist.
Um mal Vergleiche zu ziehen: Es gibt schwule Kerle, denen man kein “Tuff Tuff Baby ich zieh mir Frauenkleider an und schmink mich” ansieht, die sich aber trotzdem inniglich lieben und definitiv schwul sind. Und dann kommt Frau Mama und erzählt: “Ich hab letztens so einen Film gesehen, in dem sich ein Typ schminkt und als Diva rumläuft, bist du auch so, weil du ja auch schwul bist?”
Und wisst ihr, was das Problem ist? Die Medien haben bis heute keine gegenteilige Ansicht geliefert, die der breiten Bevölkerung eindrücklich ins Hirn hämmert, dass sie sich ihre bekloppten Vorurteile sonstwohin stecken und anfangen sollten, einfach mal ernsthaft mit anderen zu reden.
Und dank Fifty Shades of Grey ist das jetzt nicht nur bei Schwulen und Lesben so, sondern auch bei Liebhabern dieser sexuellen Branche, die sich sowieso schon in der Öffentlichkeit immer unverstanden gefühlt haben.
Und wisst ihr was? Wir alle sollten uns auf die Schultern für diesen misslungenen Integrationsversuch klopfen und weiterhin in Ruhm und Schande ertränken, die wir uns selbst zufügen, indem wir tagsüber aller Welt von Gleichberechtigung und Integration, Toleranz und Selbstverständlichkeit predigen und uns nachts dann von Fifty Shades mit Gegenteiligkeit verarschen lassen, die uns auf den kommenden Tag und die Hexenjagd vorbereiten.
Wundert es da noch jemanden, dass es Parteien wie AfD und Co. an die Spitze der medialen Berichterstattung geschafft haben? Ich bin echt gespannt, was die hiesige Presse auf diesen Titel zu schreiben weiß, denn im Kino haben sich viele vor Lächerlichkeit kaum zurückhalten können.
Merkt eigentlich keiner von den Schaffenden, was hier allgemein für ein Bullshit produziert wurde? Die ertrinken fast in ihren Argumentationen, wie unglaublich professionell und ausgewählt, subtil und emotional hier aufeinander eingegangen wird und dass der Film sich selbst quasi nicht mehr parodiert, sondern beschämend in den Mülleimer wirft, hat dabei keiner gemerkt?
Abschließend sollte man noch erwähnen, dass man sich technisch nun auf absolut perfektem Niveau befindet, sowohl bei Kameraführung als auch in Sachen Soundauswahl! Ohne Witz: Der Soundtrack im aktuellen Shades-Film ist derart berauschend und für mich wohl das beste, das man der Welt damit schenken konnte.
Mir ist die Gänsehaut über den kompletten Körper gerauscht, als man – endlich wieder – Ellie Gouldings “Love Me Like You Do” in einem grandiosen Remix anstimmte und das Kino davon erfüllt war!
Und nicht nur da, sondern auch bei anderen Titeln hat man unglaubliches Gespür bewiesen – z.B. mit Hailee Steinfeld & BloodPop’s “Capital Letters” – einfach mal rein hören. Einige Titel, die man ruhig im Radio zu Tode spielen darf – vollkommen mein Geschmack! Dafür ein herzliches Dankeschön!
 

.kinoticket-Empfehlung: Für mich ist Fifty Shades of Grey – Befreite Lust der erste Film über Liebe, der selbst überhaupt nichts mehr mit Liebe zu tun hat.
Ich meine, es gibt mittlerweile so viele unzählige, berührende, zu Tränen führende Filme, die sich dieser Thematik annehmen und so tief in die Materie eintauchen. Das hier ist einfach nur noch ein billiger Witz, der selbst seine Einzigartigkeiten – und waren sie noch so verrückt – aufgegeben hat, um sich schlussendlich selbst zu verraten.
Und dabei war da bevor man mal begonnen hat, eigentlich unglaublich hohes Potenzial vorhanden.
Aber um mit was positivem zu schließen: Als Jugendlicher hat man nun definitiv ein schlagfestes Argument, um sich völlig ungeniert in der Öffentlichkeit billige Softpornos anzuschauen, die auch die gleiche inhaltliche Tiefe aufweisen, wie es Softpornos eben tun.
Yeah Baby!

 
Nachspann
Abwarten. Zum einen bis ganz zum Nachspann, weil da noch die Happy-End-Sequenzen kommen, von denen man im Film ja bekanntlich nichts sehen wollte. Zumindest laut Autoren. Zum anderen hat sich das Team “fürs Erste” von Fifty verabschiedet. Um was wetten wir, dass das in ein paar Jahren wieder ausgegraben wird?
Kinostart: 8. Februar 2018

Dirty Grandpa

Unter normalen Voraussetzungen würde ich über Filme dieser Art wohl tierisch herziehen. Bei Dirty Grandpa hatte ich schon beim Trailer das “ungute” Gefühl, dass das hier etwas werden könnte.
Letzte Woche – Sneak Preview – und die dunklen Sneak-Film-Auswähler haben sich tatsächlich für diesen Film stark gemacht! YES!
Denn ehrlich gesagt hatte ich darauf gehofft, dass der über die Leinwand flimmert.
Und was soll ich sagen? Ich musste erst grinsen, dann richtig breit grinsen, dann kam der Vorspann und dann war ich fast nur am Lachen! Dass Sex-sells-Filme ja meist alle Register ziehen, um irgendwie bei den völlig verblödeten Zuschauern zu punkten, dürfte ja hinreichend bekannt sein. Was unterscheidet nun Dirty Grandpa von all den anderen dreckigen Filmen, die ich mit Leidenschaft und Hingabe an dieser Stelle verreißen würde?
DeNiro. Efron. Und irgendwie auch das Drehbuch. Und die Filmgeschwindigkeit. Aber der Reihe nach.
Hat man Robert DeNiros Konterfei in jüngster Vergangenheit zwar öfters auf der Leinwand zu Gesicht bekommen, fehlte jedoch gänzlich die von ihm allseits bekannte Coolness und Frische, die aus seinem Charakter das macht, was er am besten kann: Unterhalten. Und für Dirty Grandpa steht vor allem eins fest: DeNiro is back in town!
Ihm wurde endlich wieder Freiraum gewährt, nach altbekannter Manier zu punkten und irgendwie wurde das Prunkstück vollbracht, das in einem thematischen Umfeld zu praktizieren, das so absolut gar nichts mit Herrschaften seines Jahrgangs zu tun hat.
Die Verbindung zwischen ihm mitsamt all dem Stil, den er schon seit jeher auf der Leinwand ausgelebt hat, und Jungbubi Zac Efron, der hier eigentlich den Coolen markieren müsste, aber so alles andere als das ist, funktioniert einfach. Das “Bälle Zuspielen” funktioniert in einer Geschwindigkeit und Dynamik, das sich andere Filme gerne warm anziehen dürfen.
Spannenderweise haben sich nach Ausgang des Films einige beim Kinopersonal beschwert, dass man hier wieder die schlechte Auswahl getroffen hätte, komischerweise war der Saal aber permanent mit Lachern bestückt – inklusive meinen. Werde ich also langsam zu mainstream?
Ich glaube kaum. Den Film würde ich sogar meiner Mutter vorführen und kann jedem nur ans Herz legen, ihn sich mit ein paar Freunden reinzuziehen. Der Spaß, den die beiden auf ihrem Trip erleben, ist wirklich beispielhaft. Und diesmal ist es nicht “nur ein weiterer der Sorte XY”, sondern hier werden untergürtelhafte Maßstäbe gesetzt.
Kurzum: Der ganze Scheiß, den man da gezeigt kriegt, will gar nicht, dass man ihn ernst nimmt. Und dafür wurde verdammt professionell gearbeitet und mit einer obskuren “Größe” hantiert, die die darstellenden Personen glaubhaft wirken lässt – in einem völlig unterirdischen Genre, das dennoch eines macht: Verdammt viel Spaß!
So stark zur U-Bahn getänzelt vor aufrichtigem Vergnügen und einem wunderbaren Abschluss eines Kinomarathon-Montags bin ich schon seit Monaten nicht mehr. Und ich werde mir den Streifen, sofern die Zeit es hergibt, auch definitiv nochmal reinziehen. Wer kommt mit?
 

.kinoticket-Empfehlung: Verbale Kunst unter der Gürtellinie, die eines dabei nicht abgibt: Ihre Würde.
Klingt komisch, funktioniert bei Dirty Grandpa aber hervorragend. Der Trip durch die Spielzeit macht einfach nur verdammt Laune, sofern man dazu in der Lage ist, seine Intelligenz kurzzeitig auf Pause zu stellen und respektiert, dass dieser Film sich nicht ernst genommen sehen will. Nur dass es diesmal eben nicht blöd rübergebracht wird, sondern durchaus mit Stil und erhabenen Kontern zu punkten weiß.
Für mich ein absolut gelungenes Werk, in dem DeNiro endlich wieder seine Stärken auf den Tisch haut und damit einen Erfolg produziert, auf den ich lange Zeit gewartet habe. Reingehen!

 
Nachspann
Auch hier hat man sich nicht lumpen lassen und eine Aftershow kreiert, die voll ins Bild passt und auch zum Schluss noch beweist: Man hat das Balancieren auf Messers Schneide nicht nur verstanden, sondern beherrscht. Top!

Gut zu Vögeln

An dieser Stelle ist es wohl gut, dass ich jeweils 7 Tage ins Land ziehen lasse, bevor ich mich ausführlich dem letzten Sneak Preview-Film widme, denn sonst hätte ich meinem Ärger über das bevorstehende Werk sicherlich mit anderen Worten Luft gemacht, als diesen hier.
Ja, ich fand Gut zu Vögeln zum Kotzen. Wenn es einen neuen Rekord in Sachen Niedrigniveau gibt: Dieser Film hat ihn seit letzter Woche Montag inne.
Ja, der Trailer hat ausdrücklich erwähnt, dass es sich hier um eine “anti-romantische Komödie” handelt und ich hatte bereits bei den vorgestellten Kurz-Sequenzen sanftes Grummeln im Magen, da ich kaum erwartet hätte, dass man hier jetzt mit Geistesblitzen punkten würde und zumindest ein Werk auf die Füße stellt, das den Durchschnittsverstand nicht in dem Maße angreift, wie es das Endergebnis definitiv tut.
Was sollte also erledigt werden, um bei dem Film möglichst viel Spaß zu haben?

  • keine Ansprüche an irgendwas stellen
  • sich besaufen
  • Drogen konsumieren, um das restliche Denkvermögen auch noch auszuschalten
  • eine Vorliebe für schlechte Ballermann-Parties besitzen
  • Denkprozesse hassen
  • Überraschungen hassen
  • Lieblosigkeit beim Kulissendesign etwas abgewinnen können
  • etwas Geschmack für brillante Musik mitbringen

Hä? Genau. Was?
Also mal Klartext: Nein, man sollte keine Drogen konsumieren oder sich bis zur Besinnungslosigkeit besaufen, denn das ist schädlich und zudem illegal (zumindest, was die Drogen betrifft – komisches Land mit komischen Gesetzen).
Man sollte allerdings auch keinerlei Anstalten machen und erwarten, dass hier in irgendeiner Form großartige Unterhaltung oder eine annähernd verstrickte Geschichte erzählt wird, denn womit dieser Film punktet, sind einzig und allein peinliche, flache Darmwitze weit unter der Gürtellinie, die nicht nur Schamesröte ins Gesicht treiben, weil man sich abgrundtief für das Gezeigte fremdschämt, sondern die den Intellekt eines jeden beleidigen, der nicht besinnungslos besoffen in der Ecke liegt und über jede noch so peinliche Abartigkeit lachen kann.
Das “anti” in “anti-romantisch” hätte man durchaus mit Stil (und ich schreibe hier bewusst “Stil” und nicht “mehr Stil”, denn da ist kein Stil, der mehr werden könnte) umsetzen können und auf die peinlichen Momente verzichten, die sich hier Minute für Minute aneinanderreihen und zu einem Filmwerk mutieren, das in seiner Gänze ein geradezu jämmerliches Bild abgibt.
Man liest in den Medien (ja, ich habe tatsächlich viele Artikel gesucht, um dem Film irgendetwas positives abgewinnen zu können!) viel über die Studios, die sich mit anderen Werken gemeinsam nun den Weg an den Pop-Himmel der Filmindustrie erkämpfen wollen und darum besonders stolz auf die Zusammenarbeit untereinander sind, allerdings ändert dies nichts an meinem Empfinden, hier als Zuschauer vor den Kopf gestoßen zu werden, indem in mir das Gefühl erzeugt wird, ich sollte mich schleunigst von den gezeigten Persönlichkeiten entfernen.
Und ja, ich wurde auch Zeuge dessen, dass meine Mitzuschauer aus dem Saal tigerten und ihr Kinokärtchen bei “Gut” in die Bewertungsbox fallen ließen – bitte erklärt mir, weshalb. Ich versteh’s nicht.
Und auch ich habe bereits einige “Drogenfilme” gesehen, in denen ebenfalls Normalität ein Fremdwort war und die für sich eine schwachsinnige Idee nach der anderen umgesetzt haben, dabei aber ihre Würde dennoch behielten. Und die fehlt mir in Gut zu Vögeln einfach komplett.
Ist das einmal mehr der Beweis, dass man sich hierzulande einfach nicht mehr trauen sollte, mit selbstproduzierter Kost an die Öffentlichkeit zu gehen? Wäre an dieser Stelle wohl besser gewesen, denn witzig ist das zu keiner Sekunde. Auch nicht mit Toleranz. Viel eher wird hier der Stereotyp eines Unsympath in den Olymp der Selbstverherrlichung geschickt und bei seinem narzisstischen Treiben gefilmt. Ob dies nun zu einer glorreichen Veränderung charakteristischen Ausmaßes wird oder einfach nur absolut keine Rolle spielt, ist völlig unwichtig, da man sowieso von Anfang an mit Bier zugeschüttet war und es auf eine Moral mehr oder weniger nun auch nicht mehr ankommt.
Wo manches Genie die Grenzen der üblichen Konstellationen galant zu brechen weiß und mit Stilbruch ein völlig neues Verständnis von eben jenem Stil erschafft, gleicht dieses Werk hier dem Nachhall grauer Staubwolken, die noch nicht mal farbtechnisch etwas auf die Reihe bringen.
Die Frage, ob ich mich wenigstens auf der Party wohlfühlen würde, wäre ich selbst vor Ort gewesen, löste in mir reinen Ekel aus und hievte Fragen an die Oberfläche, was denn der Grund für eben jene Maßlosigkeit an Geschmacksverirrungen gewesen sein könnte, die dieses armselige Bild einer Kulisse rechtfertigen würden. Im Ernst? Im Glanz einer Ära, die sich in technischer Relevanz kaum zu überbieten schafft, erhebt man ein Werk in den Himmel, das völlig anspruchslos eben jene Technik verwirft und auf Dinge zurückgreift, die nicht mal 4jährige toll finden?
Entschuldigt, falls ihr zu denen gehört, die bei diesem Film gelacht haben. Entschuldigt, falls ihr zu den Darstellern oder Machern zählt, deren Arbeit ich jetzt hier ungeniert zertrample. Entschuldigt, falls ihr vor hattet, euch mit diesem Streifen einen gemütlichen Abend zu kredenzen und ich eure Träume nun mit meinen Worten zerstört habe. Aber ich kann nicht anders, als jedem zu empfehlen, den Besuch dieses Films gründlich zu unterlassen.
Und sollte man doch einen Grund suchen, weshalb man hier rein darf, dann ist es einzig und allein die Musik. Ja, der Soundtrack war herrlich, die gewählten Songs aus einer Ära, in der Musik noch Relevanz an der Tagesordnung hatte und die Beats waren letztendlich auch das einzige, das ich diesem Film als Pluspunkt durchgehen lasse. Den Rest darf man getrost in die Tonne treten und sie irgendwo tief im Meer versinken, auf das jeder ihren Inhalt vergesse.
 

.kinoticket-Empfehlung: Nein. Geht nicht. Tut euch diese verlorene Zeit nicht an. Es lohnt sich nicht. Auch betrunken nicht.
Selbst RTL hat besseres im Nachmittagsprogramm zu bieten als dieser Film. Hier war wirklich alles unterste Kanone und weit entfernt von witzig, humorvoll, stilgerecht und echt.
Ich könnte dem Hauptdarsteller permanent eine reinwürgen und die Flachwitze und Gegebenheiten sind nichts anderes als zum Fremdschämen.
Einzig bei der Auswahl der Songtitel hat man Klasse bewiesen und sie in einen Film gezerrt, der vor Niveaulosigkeit nur so strotzt – was an und für sich eigentlich schon selbst fast wieder eine Unverschämtheit ist.
Also besorgt euch die Playlist auf iTunes und lasst den Film dafür einfach links liegen. Alles ist besser als das.

 
Nachspann
“glänzt” mit Outtakes, die keineswegs an die Brillanz eines Fack Ju Göhte 2 oder Abschussfahrt heranreichen und somit selbst völlig in der Glanzlosigkeit des Gesamtwerks untergehen. Und diese beiden Werke sind ebenfalls deutsch. Aber wer es bis hierhin ausgehalten hat, dem schaden die paar Minuten extra nun auch nicht mehr. Immerhin ist der Titel mit seinen 92 Minuten nicht all zu lang.

The Diary of a Teenage Girl

Sex ist salonfähig geworden. Das steht spätestens seit The Diary of a Teenage Girl fest, indes der Film in den 70ern spielt und eine Ära neu entfaltet, die von körperlicher Nähe geprägt war.
Der Durchschnittskinobesucher wird hier in einen Sturm von Bildern und Worten geworfen, mit denen die meisten scheinbar nicht klarzukommen scheinen, nicht anders lässt sich mir erklären, weshalb sich im Laufe der Spielzeit der halbe Saal stückweise leerte.
Was man hier bietet, sind Bilder, die nicht nur förmlich vor arte-Intellekt brüllen, sondern einen derart umwirbeln, dass man darin ertrinkt. Nischenkino feinster Güte mit schlecht spielenden Schauspielern – so denkt man anfangs – die eine Geschichte erzählen, die diverse Tabus nicht nur anreißt, sondern überwältigend bricht und grenzüberschreitend zur Schau stellt.
Genau hierin liegt scheinbar auch die Crux vergraben: Man weiß als Zuschauer jetzt nicht, ob man über die Dummheit, Naivität, bodenlose Provokation jetzt lachen (und humoristische Einlagen hat der Film durchaus genügend), oder sich angewidert zur Seite drehen und damit beweisen soll, dass man in Sachen Toleranz und “leben lassen” so rein gar nichts aus der Moderne gelernt hat.
Dass es sich hier nicht um Pornografie, sondern um durchaus wohlüberlegte Form von Kunst handelt, zeigen die immer wieder eingeflochtenen Comic-Animationen, die nicht nur ihren ganz eigenen Stil prägen, sondern wahrlich zu begeistern wissen.
Die adäquate Balance zwischen “ficken” und “Liebe” wird hier galant umspielt und immer wieder mit Ausbrüchen, Lehrversuchen, Moral und Rebellion umrissen – und genau das fasziniert einen, nachdem der Film zu Ende und ein, zwei Tage ins Land gegangen sind, dann doch.
 

.kinoticket-Empfehlung: Kost zum Abschalten und zu Gunsten der puren Unterhaltung ist das hier definitiv nicht.
Ein interessantes Gesellschaftsportrait der sexuellen Freizüge der 70er Jahre eingebunden in visuelle Achterbahnfahrten und tabubrechende Szenen dann doch. Hier muss man während des Schauens mitdenken, die Zeit und damals vorherrschende Moral verstehen und sich zudem in den Geist einer Teenagerin hineinversetzen können, die ihre ganz eigene Welt offenbart ohne dabei vorm Publikum vorgeführt zu werden.
Und diesen Scherenschnitt sauber und präzise auf die Leinwand zu bringen ist für mich hohe Kunst.

 
Nachspann
provoziert ganz zum Schluss nochmal recht nett 😉

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