.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Feinde

How to Party with Mom

Melissa McCarthy ist keine A-Bomben-Ikone auf der Leinwand, hat aber ihr eingeschworenes Fan-Publikum und kämpft sich – auch in Hollywood – mit ihrer eigensinnigen Art immer wieder ihre eigene Bühne frei. Ich finde, in letzter Zeit trumpft sie immer bessere Rollen auf und überzeugte seinerzeit in Spy – Susan Cooper Undercover, legt dann mit Ghostbusters: Answer the Call einen drauf und erreicht meiner Meinung nach jetzt in How to Party with Mom ihren Karrierehöhepunkt bislang.
Was ihr für einen erfolgreichen Kinoabend benötigt: Einen Kinosaal, der mit ausreichend gemischtem Publikum gefüllt ist und jede Menge Gute Laune. Der übliche “Hey, wir sind Frauen und wir hauen jetzt so richtig auf die Kacke”-Mist, den man erwartet, kommt nämlich nicht, sondern ein sehr, ich möchte fast schon sagen, ruhiges, reflektiertes und irrsinnig witziges Kinostück, dass diesmal nicht auf “Scheiße bauen” setzt, sondern sich in Dialogvielfalt und Humor übt, der sowohl im Original als auch in der deutschen Synchronisation zum Schreien geil ist.
Dazu ist anzumerken, dass der Film diese Faszination und Humorgewalt anfangs zwar anteasert, dann aber stückweise aufbaut und erst in der zweiten Hälfte so richtig auf die Zwölf haut und alles mögliche rauslässt, ohne dabei in irgendeiner Form beschämend und lächerlich zu werden.
Was dabei ebenfalls unglaublich gut passt, ist die Zusammenstellung der Protagonisten, die allesamt herrlich schräg sind und ihre ganz eigenen Macken mit in die Runde werfen, daraus entspringt ein mega sympathisches Frauenteam, dem hier Tor und Tür geöffnet wurde, um sich einfach mal herzlichst ausleben zu dürfen.
Selbst die teils verbissenen Pressemenschen hatten während der Vorführung stellenweise ihren Spaß und beim Publikum während der Sneak Preview kam der Film irre gut an. Man sollte also dem Wesen von McCarthy schon ein klein wenig aufgeschlosen sein, wenn man sich dann aber darauf einlässt, wird’s ein herrlicher Abend mit vielen Lachern und wunderbaren Gags.
 

.kinoticket-Empfehlung: Beste Unterhaltung basierend auf tollen Dialogen und Wortwitz, der mit Schlagfertigkeit und subtiler Verdorbenheit punktet und im Frauengespann wahnsinnig Spaß macht!
Melissa McCarthy landet meiner Meinung nach hier einen richtigen Hit und toppt ihre eigenen Filme um Längen. Auch das Drumrum passt alles. Damit hat man einen “Partyfilm”, der so vollständig anders als seine Kollegen daherkommt und auf der großen Leinwand in gefüllten Sälen unfassbar viel Spaß macht. Also ladet eure Freunde und Familie ein, besorgt euch zu Futtern und genießt dann einen unbeschwert geilen Abend gemeinsam im Kino eurer Wahl.

 
Nachspann
❌ abwarten lohnt sich nicht, my Darling!
Kinostart: 5. Juli 2018

Tubelight

Wer einmal ein Bollywood gesehen hat, hat entweder für immer damit abgeschlossen, oder seine Liebe daran gefunden. Ich bin zwiegespalten, was das angeht. In der Vergangenheit war ich mehrfach beeindruckt von dieser Art Film, seiner epischen Größe und der unglaublichen schauspielerischen Leistung, die man hier eingebracht hat.
Mit Tubelight geht wieder solch ein Titel an den Start, der in seiner Ernsthaftigkeit zwar schon leicht am türkischen Kino kratzt, jedoch niemals so ausfallend und absolut schräg wie dieses Land in cineastischer Hinsicht wird. Damit hat man Hauptdarsteller, die zwar die ganze Zeit über rum blödeln, Songtexte, die für sich einen Beitrag wert wären bezüglich inhaltlicher Fragwürdigkeit, dafür aber ein absolut stimmiges Gesamtkonzept und eine Botschaft, die wieder in den Untiefen des indischen Glaubens und dessen Weisheiten gräbt und Erstaunliches zutage fördert.
Und genau das rechne ich diesem Werk hoch an: Die behutsame und trotzdem unterhaltsame und spaßige Heranführung an diese durchaus expliziten und wichtigen Lebensweisen, denen wir auch in unserer westlichen Kultur etwas mehr Aufmerksamkeit beikommen lassen sollten, um generell ein besseres Leben führen zu können.
Solcherlei Gedankengut dümpelt in den Köpfen höchstens als fernes geschichtliches Konstrukt rum, das in der aktuellen Zeit keinerlei größerer Beachtung mehr bedarf, Tubelight zeigt aber genau das Gegenteil.
So kann man jetzt über die gelungene oder misslungene Darstellung von Salman Khan und Soheil Khan diskutieren, oder sich einfach auf das besinnen, was dieses Werk einem positiv mit auf dem Weg gibt: Die subtile, tiefgründige und umso wertvollere Botschaft in ihrem Kern daselbst.
 

.kinoticket-Empfehlung: Lasst euch von dem Wörtchen “Bollywood” nicht abschrecken, denn auch hier findet ihr wieder einen Film, der in meinen Augen absolut sehenswert ist.
Klar, sollte man mit den Grundpfeilern dieser Filmform zurechtkommen und keinen absoluten Hass hegen – oder man lässt sich einfach darauf ein, löst ein .kinoticket und lässt sich von dem, was da kommt, einfach überraschen. Wer weiß, vielleicht ist hinterher der ein oder andere ja gar nicht mehr so enttäuscht, wie vielleicht erwartet?

 
Nachspann
kommt keiner, man darf also wieder ans Tageslicht.

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén