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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Feier

Alles ist gut

Kennt ihr das, wenn jemand bockwütend im Zimmer steht, schnaubt und ächzt und ihr fragt: “Is was?” und diese Person euch antwortet: “Nö, alles gut.”?
Wenn offensichtlich ist, dass was ist, und man geradewegs ins Gesicht gelogen kriegt, obwohl man einfach die Wahrheit sagen könnte und somit die Probleme aus der Welt schaffen?
Und man dann dasteht und einen unbändigen Hass oder Gleichgültigkeit auf diese Person kriegt, weil sie die Dinge nur unnötig verkompliziert und ins Lächerliche zieht, statt aktiv an dem Problem zu arbeiten und es mit einem Fingerwisch ins Nirvana zu katapultieren?
Genau diesen Hass löst Alles ist gut als Film in mir (und einigen anderen ebenso) aus. Die Idee ist simpel: Ein Team junger Filmschaffender sitzt in einem Raum und fragt sich: Worüber können wir denn mal drehen?
Die Medien brüllen laut aus allen Poren: #metoo, #metoo, #metoo und die Filmschaffenden jubilieren und eröffnen das Feuer auf die moderne, männerhassende Welt, in der Individuen männlichen Geschlechts als Dreck und Abschaum beschimpft werden, einfach nur weil sie männlichen Geschlechts sind.
An dieser Stelle sollte ich wahrscheinlich schon mal vorsorglich zynisch applaudieren und der modernen Frauenbewegung meine herzlichen Glückwünsche aussprechen, ihr habt es tatsächlich geschafft, diese Welt wahnsinnig zu verbessern und zu wesentlich mehr Frieden und Miteinander beigetragen! Großartiges Kino!
Fakt ist nämlich: Dieser Film in seinem Fail-Whale-Verhalten projiziert genau die Probleme, die die moderne Gesellschaft mit Emanzipation, Frauenrechtsbewegungen, #metoo und anderem (mittlerweile) Quatsch hat: Angeblich wurde ja bereits alles vor der großen #metoo-Erleuchtung geschrieben und gedreht. Trotzdem versagt der Film in meinen Augen auf allen nur erdenklichen Ebenen.
Man castet eine junge Frau, die dominant, aufrecht, selbstsicher und charakterstark ist, packt sie in eine klassisch-klischeetriefende Opferrolle hinein und lässt sie jeglichen Seelendummfug anstellen, der einem nur aus den Fingern gesogen werden kann. Ihre Darstellung ist sowas von unlogisch, überzogen, dämlich und unglaubwürdig, dass es einem eigenständig sämtliche Fußnägel auszieht und Fingerkuppen von selbst brechen lässt. Facepalmen ist angesagt – und zwar fast schon sekündlich!
So viel abartige Dummheit, über die man sich wenige Sekunden später dann männeranklagend beschwert, habe ich selten auf einem Haufen gesehen. Ihr werden hunderte, tausende, ja millionenfach immer wieder Angebote vor die Füße geschmissen, um andere Ausgänge dieser Story zu produzieren und sie weigert sich vehement dagegen, ihre offensichtliche Charakterstärke dafür einzusetzen, tatsächlich einfach diese starke Frau zu sein, statt rumzuheulen und zu meinen “Nö, alles gut” und dann medienlastig als ein schwer gebeuteltes Opfertier zur Schlachtbank geführt zu werden und zu “offenbaren”, wie böse die bösen bösen Männer doch alle sind.
Hau ihm halt eine rein? Tritt ihn? Wehr dich? Geh nicht wieder zu ihm zurück? Schmeiß ihn aus deiner Wohnung? Lad ihn gar nicht erst zu dir ein? Geh in die obere Etage, in der du mit der Kamera kürzlich erst durchspaziert bist und lass ihn nicht die Treppe rauf? Hau ihm ins Gesicht? Tritt ihm in den Bauch? Geh selbst auf die Straße und damit aus der Situation raus? Lass es gar nicht erst zu, dass was passiert? Renn weg und stell nicht teilnahmslos irgendwelche dummen Fragen? Nimm das Angebot an, das dir unzählige andere hinterher anbieten und erzähl einfach, was los war und mach daraus eine Sache von Wahrheit und kein Schweigen und hinterher, wenn alles viel zu spät ist, rumheulen und auf völlig blödsinnige Weise nach “Gerechtigkeit” zu schreien, die völlig unangebracht, unrechtens und illegal ist?
Du bist sowas von blöd und dämlich und das hat auch überhaupt nichts mit Hilflosigkeit oder falschem Verständnis in der Gesellschaft zu tun, sondern ist schlichtweg einfach nur dumm und dumm und dumm!
Und sowas regt mich maßlos auf! Und dass dann irgendwelche Heinis noch daherkommen und erzählen, dass dieser Film die #metoo-Debatte auf den Punkt bringt, zeigt eigentlich nur, dass keiner dieser modernen Bioanbeter verstanden hat, worum es eigentlich gehen sollte. Sorry, sowas gehört fast schon verboten!
Dieser Film bringt überhaupt nichts auf den Punkt, sondern zeigt offen und für jeden erkennbar, welches Problem diese ganze Frauenrechtsdebatte hat: Sie führt sich selbst ad absurdum, indem eben nicht echte Vergewaltigungsszenen beleuchtet oder tatsächliche Opfer zu Wort gebeten werden, sondern irgendwelche Möchtegerne eine Plattform bekommen, auf der sie ungestraft über alles und jeden herziehen können, der ihnen gerade nicht in den Kram passt und das dann unter dem Deckmantel des #metoos verstecken und Menschen für Dinge büßen lassen, die an sich überhaupt keine Straftat sind.
Dass dabei den echten Opfern die Brisanz und grandiosen Möglichkeiten zur Findung wahrer Gerechtigkeit ganz nebenbei mit entzogen werden und diese nach Gerechtigkeit schreienden Monster dafür verantwortlich sind, dass wahre Opfer im tosenden Sturm der Entrüstung sang- und klanglos untergehen, dafür wird a) niemand zur Rechenschaft gezogen und b) interessiert’s auch keinen weiter, hauptsache, man dreht den Spieß jetzt einfach um und wehrt sich mit Unterdrückung und wüster Beschimpfung und Hasstiraden und Beil und brennender Fackel gegen das männliche Geschlecht um am Ende die selben Probleme wieder zu haben: nur umgekehrt.
Rache. Blutrünstige Rache war schon immer DAS Mittel der Wahl, um hier auf Erden das Himmelreich entstehen zu lassen. Man nehme: Gleichgültigkeit, forciertes Fehlverhalten und lehne jede Möglichkeit zur vernunftbasierten Klärung offensichtlicher Tatbestände vehement ab. Dann hat man wenigstens einen selbst herbeigezauberten Grund, sich zu beschweren.
Und weil grad alle so wahnsinnig toll mitwolfheulen, passt’s doch wunderbar in diese Zeit mit rein und mit dem Thema hat man sogleich einen “Nerv der Zeit getroffen”, der nur mit Filmförderung und Subvention unterstützt werden kann – immerhin geht’s um Frauenrechte!!!
Wer Zynismus in meinen Worten findet, darf ihn behalten oder auf Internetplattformen versteigern. Sorry – bei aller Liebe, aber so nicht!
Wenn man schon in so eine Schiene möchte, dann bitte auf glaubwürdige Art und Weise und nicht mit einer Darstellerin, die genau das Gegenteil von dem verkörpert, was sie in ihrer Rolle eigentlich aussagen möchte und ohne die dämlichen forcierten Anti-Möglichkeiten, die sie mit Leichtigkeit hätte ergreifen können, um aus der Situation eine gänzlich andere zu machen: Das ist nichts weiter als pure Verarsche, die im Wahnsinn des Gerechtigkeitsaufschreis einfach nicht zur Kenntnis genommen wird, aber alle verarscht ihr damit eben nicht automatisch.
Und die Gesellschaft täte gut daran, eben dies auch zu erkennen. Das heißt nicht, dass ich hier eine Lanze für Männer breche, das heißt nur, dass in diesem Film das dümmste anzunehmende Beispiel gewählt und ausgebrütet wurde, dass man auf diesem Planeten finden konnte und dass mich dieser Schwachsinn so überhaupt nicht überzeugt hat.
Und wie schon erwähnt: Ich steh damit nicht alleine da. Dieser Film hat unbändige Diskussionen ausgelöst und noch ein paar Pressevorführungen weiter wurde immer noch hitzig darüber diskutiert – wenn das das Ziel war: Erreicht. Etwas für die Frauen zu unternehmen: Kläglich versagt!
Also Finger weg von diesem Mist und lieber selber vorher das Hirn einschalten, dann wird’s auch was mit der besseren Welt, von der alle träumen.
 

.kinoticket-Empfehlung: So einen unfassbaren Schwachsinn hab ich selten erlebt: Man forciert genau wie in der Gesellschaft auf stupide Weise eine charakterstarke Lady in eine herbeigezauberte Situationen, aus der sie sich angeblich nicht selbst befreien kann und am Ende leider leider das großartige Opfertierchen wird, vor dem sich alle Welt verneigen sollte.
Wenn das der Versuch für mehr Gleichberechtigung und härtere Bestrafung für männlichen Trash sein soll, dann ist’s leider tierisch in die Hose gegangen. Und diese Windel wird euch niemand freiwillig wechseln, aus der Scheiße müsst ihr euch schon selbst wieder rauskämpfen.
Also lasst die Finger davon, überlegt selbst und stellt fest: Alles, was im Film passiert, hätte einfach nicht sein müssen, wenn an winzigen Stellschrauben gedreht worden wäre, was keinerlei Anstrengung und Aufwand bedeutet hätte, sondern einfach nur eines gewesen wäre: Vernünftig. Und nein, sie hätte dafür auch nicht ihren Charakter eingebüßt, sondern alles wäre am Ende tatsächlich einfach “gut” gewesen.
Aber mit Debatten lebt sich’s ja einfacher, gell?

 
Nachspann
❌ braucht man nicht aussitzen, der macht’s auch nicht besser.
Kinostart: 27. September 2018
Original Title: Alles ist gut
Length: 93 Min.
Rate: FSK 12

B12 – Gestorben wird im nächsten Leben

B12 – Autofahrer werden unweigerlich eine Straße damit in Verbindung bringen und tatsächlich ist dieses Werk auch exakt daraus entstanden: Regisseur Christian Lerch wandelte eine Raststätte, an der er täglich vorbeifuhr, in einen Film um und erschuf damit ein Universum bayerischer Heimatliebe in einem ganz besonderen Stück Filmgeschichte.
Auch als bekennender Liebhaber bayerischer Kultur und Menschen braucht man erstmal eine Weile, bis man sich an den “Slang” gewöhnt und den dramatischen, lustigen, lebensfrohen und kämpferischen Ausführungen der durch die Bank weg authentischen Menschen folgen kann. Was zu Beginn vielleicht etwas befremdlich wirkt, mündet alsbald in eine liebenswerte Gemeinschaft, in die man sich auch als Zuschauer sofort herzlich aufgenommen fühlt und ein Stück Heimatliebe kennenlernt, dass vor allem durch eines strotzt: aufrechte Ehrlichkeit. Niemand verstellt sich, keiner spielt etwas vor, sondern alle sind einfach genau das, was sie sind: Menschen.
Dabei entdeckt man sehr bald komische Seiten, hat Spaß an immer wiederkehrenden Momenten und schließt allesamt in sein Herz. B12 – Gestorben wird im nächsten Leben entführt so in ein Stück deutsche Kultur und lässt den Alltag auf der Leinwand auf faszinierende Weise Wirklichkeit werden – genau das hätte ich niemals gedacht: Dass man es schafft, mit etwas derart Banalem wie einem Rastplatz tatsächlich einen spannenden Film zu zimmern, der eigentlich nichts weiter tut, als das abzubilden, was man sehen würde, würde man sich tatsächlich draußen hin stellen und die Leute dort einfach genauer betrachten.
Hier schenkt man dem Zuschauer einen intimen Einblick in das Leben verschiedener Menschen, zeigt auf, mit welchen Sorgen und Nöten man sich im Alltag rumschlägt und beweist damit gekonntes Handgeschick durch simples Hinsehen und Nicht-Kommentieren.
 

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn er die großen Screens vielleicht nicht im Sturm erobern wird – es ist eben jene Erfahrung, die den Film noch ein Stück wertvoller macht, als wenn man ihn nur im TV besieht: Das sich Zeit nehmen und über Dinge nachsinnen, über die man sonst vielleicht niemals nachgedacht hätte.
B12 besticht durch überschwängliche Hingabe zur Authentizität und ist einer der besonderen und liebenswürdigsten Heimatfilme aller Zeiten.

 
Nachspann
❌ läuft langsam aus und dauert nicht allzulang, man darf also gerne sitzen bleiben.
Kinostart: 19. Juli 2018

Die kleine Hexe

Ottfried Preußlers Kindergeschichten begeistern seit jeher in Buchform die Familien – und es zählt zum ungeschriebenen Gesetz, dass verfilmt wird, was verfilmbar ist.
Die kleine Hexe gehört zu seinen bekannteren Werken und erzielt derzeit in Deutschland große Aufmerksamkeit, u.a. durch einen aufgestellten Weltrekord, der gleich zweimal ein Erfolg war: Zum einen haben sich erstmalig 188 Kinos an dieser Aktion beteiligt (so viele, wie noch nie) und zweitens hat man damit die weltweit meisten Hexen/Zauberer/Magier in einer Preview zusammen bekommen – genauer gesagt 6434, die sich gleichzeitig in Deutschland und Österreich in Verkleidung in den Sälen getroffen haben um die Premiere dieses Films gemeinsam zu feiern.
Zum Film selbst: Ich finde die Umsetzung wahnsinnig liebevoll und reizend, zumal eben nicht der “große böse Disney-Wolf” ausgepackt wird. Karoline Herfurth versteht durch ihre ungemein angepasste, kindlich liebevolle und wärmende Art, weder Angst und Schrecken zu verbreiten und dennoch im Metier der Hexen zu verweilen um eine tolle Geschichte zu erzählen, die die Kinder im Saal auf Trab hält und erzählerisch begeistert.
Mein Problem mit ihr ist folgendes: Für deutsche Verhältnisse spielt sie überragend. Sie hat etwas, dass aus ihr eine ganz große Filmpersönlichkeit machen kann, aber mir fehlt ein klein wenig das individuelle Extra, quasi ihr Markenzeichen, wenn man so will. Alles, was sie bisher angepackt hat, war auf hohem Niveau, lässt sie sich von anderen Schauspielerinnen unseres Landes deutlich abheben, aber internationale Stärke gewinnt sie in meinen Augen damit nicht automatisch, sondern da fehlen eben noch ein paar Treppenstufen, um an Schauspiellegenden wie Jessica Chastain, Jennifer Lawrence oder Emily Blunt heranzureichen.
Den (hoffentlichen) Erfolg von Die kleine Hexe verdankt der Film aber definitiv ihrem Wirken, weil sie in ihrer Rolle ungemein großartig aufgeht und ihre eigene kleine Welt in dem Film mit unvergleichlich viel Liebe und Demut an die Zuschauer weitergibt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Familientauglich ersten Grades mit einer sehr präsenten, liebevollen und überzeugenden Karoline Herfurth, die in letzter Zeit alles richtig macht – aber dennoch noch zu ihrer ganz persönlichen Note finden muss, um sich dauerhaft zu etablieren.
Der Film schmiegt sich nicht in bekannte Klischees ein, sondern erzählt von Boshaftigkeit befreit die seeligen Geschichten aus den bekannten und beliebten Büchern Ottfried Preußlers.
Für’s Familienkino diese Woche der absolute Filmtipp!

 
Nachspann
wurde mit kleinen Animationen aufgehübscht, braucht aber deshalb nicht zwingend abgewartet werden. After-Credit-Scenes folgen keine weiter.
Kinostart: 1. Februar 2018

Simpel

Wenn man nüchtern auf die Sache blickt, ist es eigentlich nur ein storyschwacher Plot aus deutscher Produktion, die sowieso nicht so wirklich mit etwas auftrumpfen kann. Frage: Wieso kam der Film dann bei den Sneakern so hervorragend an und wurde vorwiegend positiv bewertet?
Weil darin doch etwas steckt, dass so einfach in Worte zu fassen nicht möglich ist. Und damit meine ich nicht mal unbedingt das Schauspiel von Frederick Lau oder Emilia Schüle – wenn davon einer lobend erwähnt werden sollte, dann David Kross, dessen Mimik und Gestik in diesem Werk tatsächlich an Höchstleistungen grenzt, die so durchzuhalten sicher nicht einfach waren.
Ebenfalls lobend erwähnen muss man die Intention des Films, der sich wieder um ein unbekanntes Bild kümmert und es in die Redseligkeit seiner Nation pflanzt, um auch hier wieder unterschwellige Bildung zu leisten, die ich TV und anderen Medien schon länger abgesprochen habe und seit jeher eher auf dem Big Screen suche.
Und finde. Simpel ist nämlich ein herausragendes Beispiel für hochwertiges Kino mit Prädikat besonders wertvoll-Qualitäten, die man durch zahlreiche Besuche in den Sälen belohnen sollte.
 

.kinoticket-Empfehlung: Großartige Schauspielleistung von David Kross in einem Film, der sowohl unterhält, als auch seinen Beitrag zur Bildung und Kenntnisnahme leistet.
Zwar sind die Elemente durch und durch deutsch und sondern sich damit auch nicht von anderen (schlechten) Produktionen ab, dennoch hat der Film das gewisse Etwas, um seine Zuschauerschaft zu begeistern und sich damit vom restlichen Sud unserer Movieversuche abzusondern und dennoch als sehenswert abgestempelt zu werden.

 
Nachspann
braucht man nicht auszusitzen, diese Anstrengungen werden auch hier wieder mal nicht belohnt.
Kinostart: 9. November 2017

Table 19 – Liebe ist fehl am Platz

Dieser Film besticht durch seine komplette Andersartigkeit sowohl in der Auswahl des Themas, als auch in seiner Art, die Dinge zu erzählen. Wenngleich die großen Köpfe des verbalen Intellekts hier auch ihre Schwierigkeiten haben mögen, so entfaltet dieser Titel dennoch eine ungewohnte, völlig absurde und dadurch absolut interessante Plattform, auf der man sich eines Themas annimmt, von dem der normale Zuschauer denkt, dieses gehöre wohl kaum als Hauptaugenmerk auf die Leinwand.
Dass genau dies passiert, macht diesen Streifen zu einem sehenswerten Konstrukt, denn man findet sich mal nicht in den üblichen platten Klischee-Zelebrierungen wieder, sondern widmet einen ganzen Spielfilm einer Gruppe, die sonst außen vor bleibt.
Dass man da jetzt keine schauspielerischen Offenbarungen oder horizonterweiternde Erlebnisse erwarten braucht, ist glaube ich jedem von Anfang an klar. Dass der Besuch eines Lichtspieltheaters trotzdem lohnenswert ist, bezeugt allein schon die Tatsache, dass diese wirklich derb komischen Vögel gemeinsam besser belacht werden können, als zu Hause auf der heimischen Couch.
Und der Spaß kommt mit dem Tun: Im Laufe der Zeit entwickelt der Plot immer mehr Eigenständigkeit und kommt durch seine skurrilen Ausführungen ins Rollen, auch wenn das groß erwartete Finale eher unspektakulär wirkt, so gehört genau dieses Ende auch wieder der Zielgruppe an, um die es hier geht.
Es ist nicht der Inhalt oder die Pointe, sondern vielmehr die Tatsache, warum dieser Film gedreht wurde, der uns einen Spiegel vorhält und zeigt, dass eben nicht nur die üblichen Verdächtigen auf einer Leinwand Platz haben, sondern man auch ganz andere Materie hernehmen kann, um diskussionswürdigen Stoff zu produzieren.
Mit Table 19 schickt man da einen Film ins Rennen, der durchaus kritisch begutachtet werden darf und den man sich gerne als Grundlage für weitere Gespräche ranziehen kann.
 

.kinoticket-Empfehlung: Erwartet nichts normales, sondern stellt euch einfach auf eine völlig andersartige Überraschung ein, dann wird es auch keine Enttäuschung.
Die Nische, in der man hier wandelt und die gekonnte Nicht-Inszenierung dessen, was eigentlich jeder erwartet hätte, lässt aufleuchten, dass hinter den Absichten mehr steht, als man eingangs vermutet.
Definitiv eine interessante, aufschlussreiche Erfahrung.

 
Nachspann
Aufstehen, anziehen, rausgehen – hier folgen keine weiteren Szenen.
Kinostart: 17. August 2017

The Party

The Party ist definitiv der außergewöhnlichste Film, den ich in diesem Kinojahr innerhalb der Presse gesichtet habe. Nicht nur seine Ambitionen, vollkommen in schwarz-weiß gedreht zu sein, sondern auch sein eigenwilliger Inhalt und seine absolute Dedikation zur exotischen Kunst machen dieses Machwerk zu einem absolut gelungenen Bühnenstück erster Güte.
Die Moral dieser Geschichte erwächst dabei nicht aus langweiligen Handlungssträngen oder anderer Vorhersehbarkeit, sondern besticht mit einzigartiger Originalität und spezifischer Genauigkeit. Man könnte fast meinen, der Raum hinter der Leinwand wurde eröffnet und man befände sich auf einmal in einem Theaterstück jenseits der Masse.
Und alle Schauspieler sind hervorragend gecastet und spielen mit unglaublicher Imposanz und außergewöhnlichem Können. Auch, wenn man inhaltlich im Original nicht immer ganz mitkommt, so beeindruckt doch die aufgebrachte Mimik, Situationskomik und durchtriebene Besessenheit von diesem Plot.
Das Ausarten in immer verwirrendere Zustände einer eigentlich anfangs durchschaubaren Situation erblüht zum Ende hin zu einem Gipfel künstlerischen Schaffens, dem nicht mal der eigene Trailer gerecht zu werden scheint. Die verhaltenen Reaktionen der Arthouse-Kinobesucher auf den Trailer sind absolut ungerechtfertigt, denn der Film bringt viel mehr mit, als sein offensichtliches Aushängeschild verspricht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer mal etwas völlig Außergewöhnliches erleben möchte, darf sich gerne ein gemütliches Kino aussuchen und die Show in allen Vorzügen genießen.
Die Abgeschiedenheit zur Realität ist hier eines der Stärken, die The Party während seiner kurzen Laufzeit ausspielt und den Zuschauer hier mit zutiefst bewegendem künstlerischen Können verwöhnt.
Sehenswert und absolut anders als alles andere.

 
Nachspann
kommt keiner, man darf also nach draußen.
Kinostart: 27. Juli 2017

Dügün Dernek 2: Sünnet

Viele von euch wissen, dass ich kein großer Liebhaber von Komödien bin, weil Comedy so ein heißes Pflaster ist, das in heutiger Zeit so überstrapaziert und überreizt wird, dass die Unterhalter meist unter der Gürtellinie landen (müssen), um überhaupt das Publikum anzusprechen und Lacher aus ihren überreizten Zwerchfellen zu entlocken.
Umso erstaunlicher ist es, dass gerade ein Film, der die Beschneidung eines Jungen zum Thema hat, mich zu 100% davon überzeugt hat, zur Komödie des Jahres ernannt zu werden: Dügün Dernek 2: Sünnet.
Wir landen also – wieder einmal – im türkischen Kinoumfeld und hier bei derart schrägen Persönlichkeiten, die gleich von Anfang an auf Vollgas aufdrehen und diese Geschwindigkeit konsequent halten. Im Film selbst jagt ein Gag den nächsten und in Verbindung mit der Brücke zur türkischen Kultur im Saal ergibt dies ein Gagfeuerwerk der Extraklasse, bei dem jeder Schuss zu einem Treffer ins Schwarze mutiert.
Allein die Durchgeknalltheit der Hauptdarsteller reicht aus, um permanente Lacher im Saal zu produzieren und ich kann erfahrungsgemäß sagen, dass in unterschiedlichen Städten in unterschiedlichen Kinos jeweils mega Stimmung im Saal herrschte – und zwar den ganzen Film über.
Hier kann sich das deutsche Kino nicht nur eine oder zwei Scheiben abschneiden, denn Dügün Dernek 2 macht vor, wie Comedy richtig funktioniert. Nicht nur die Einfälle sind genial und übertreffen bisher alles dagewesene, sondern man suhlt sich auch in einem Klamauk der Kulturen und nimmt türkische Herausforderungen auf die Schippe und erfreut sich an dem skurrilen Ergebnis, das selbst landeseigene Zuschauer dazu zwingt, zu lachen!
Diese Geballtheit an Witz, funktionierendem Humor und spannender Kurzweil verbunden mit einer derartigen Sensibilität, die niemals unter die Gürtellinie rutscht, obwohl das Thema weit darunter liegt, hab ich bislang noch in keinem einzigen deutschen Film gesehen, der mit “Humor” und dergleichen wirbt. Hut ab und meinen tiefsten Respekt für diese Meisterleistung, die in meiner gesamten Kinokarriere zusätzlich auch noch einen weiteren Rekord aufgestellt hat: Durchsagen im Kinofoyer, dass die 23-Uhr-Vorstellung eines OmU-Filmes restlos ausverkauft ist!!!
Zu Recht! Denn wer diesen Film nicht gesehen hat, den interessiert Comedy schlichtweg nicht – anders kann man es nicht sagen.
 

.kinoticket-Empfehlung: “Kennst du einen lustigen Film, in den man gehen kann?” “Dügün Dernek 2: Sünnet.”
Und zwar uneingeschränkt und ohne Vorbehalte, dass da irgendwas nicht hinhaut. Von Sekunde 1 bis ganz zum Schluss ein Gagfeuerwerk, bei dem sich alle bisher dagewesenen deutschen und ein Großteil der amerikanischen Produktionen mehr als warm anziehen müssen, denn hier trifft jeder Schuss ins Schwarze!
Noch niemals hab ich erlebt, dass eine OmU-Vorstellung zu später Stunde restlos ausgebucht war und noch niemals hab ich inmitten eines so freudig erregten, vergnüglich quietschenden Publikums gehockt und konnte kaum mehr an mich halten, als in diesem Film.
Rein da – Klappe zu und einfach darauf warten, dass es los geht. Der Rest passiert ganz von allein. Versprochen!

 
Nachspann
hört nicht einfach auf, sondern geht im Dualscreen lustig weiter. Also einfach hockenbleiben, bis die Bilder verschwinden, das türkische Publikum ist eh gelassener und freundlicher beim Rausgehen, man verpasst also rein gar nichts, wenn man noch die paar Minuten sitzen bleibt.

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