.kinoticket-blog.de

wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Fahri Yardim

Abgeschnitten

5182_Artworkposter_Adaption_AS_DinA3_DinA1_DinA0_k1.indd
© 2018 Warner Bros. Ent.

 

Deutsches Kino, trotzdem steckt Warner Bros. da irgendwie mit drin … also irgendwas muss in Richtung Hollywood deuten und ja: Dieser Film ist hollywoodreif vom Allerfeinsten!

Moritz Bleibtreu ist in den letzten Jahren sowieso schon ein Garant für gelungenes Genre-Kino gewesen. Mit Abgeschnitten fährt man jetzt aber zu Hochtouren auf, die ich deutschen Filmkünstlern sonst nicht zugetraut hätte: Dieser Film fesselt, zerreißt einen förmlich vor Spannung und Härte und lässt einen Sturm auf die Zuschauerschaft los, den ich aus deutschen Landen bislang so nicht vernommen habe.

Das Ensemble ist großartig und es ist wurscht, auf wen der Finger dabei zeigt: Lars Eidinger, Moritz Bleibtreu oder der heimliche Star des Films: Jasna Fritzi Bauer – alle meistern ihre Rollen so abartig glaubhaft und eindrücklich, dass man diesen Film so schnell nicht vergisst.

Und ich erinnere noch mal daran: Wir reden hier vom filmprüden Deutschland, dass sich nichts traut, nicht aus sich raus kommt, kein Geld für Filme in die Hände nimmt und möglichst seriös und gediegen erscheinen will. Pustekuchen => Abgeschnitten ist überragend und sprengt die konservativen Fesseln für ein Thriller-Gewitter, nach dem nichts mehr so ist, wie es vorher war.

Ich verspreche euch, dass euch mit Szenen um die Ohren geflegelt wird, die ihr nicht sehen wollt, nicht sehen könnt, aber trotzdem hinsehen werdet, weil der Film es einfach verlangt und man trotz der komplett angespannten Muskeln im Körper nicht mehr die Kraft hat, wegzusehen: Der Bann, den dieses Härtefondue an einem ausrichtet, ist magisch und von würdig-grausamer Natur!

So etwas düster-faszinierendes hab ich schon lange nicht mehr erlebt. Damit zählt dieses Werk ab sofort zu den empfehlenswerten Stücken deutscher Filmgeschichte, die man bedenkenlos weiterzeigen und auch international auf den Leinwänden spielen kann: Dieses Land braucht sich nicht mehr zu schämen, sondern wirft einen Film in den Ring, der bei allen Zuschauern sehr lange Nachwirkungen haben wird.

 

.kinoticket-Empfehlung: Grausam, brutal und mit einer magischen Anziehung, die einem verbietet, wegzusehen: Abgeschnitten trumpft mit ungekannter Härte und einem fesselnden Plot auf, der das Niveau deutscher Filmkunst weit nach oben hebt.

Nach diesem Film ist man geflasht, geschockt und gleichzeitig fasziniert – und vor allem eines: Mega gut unterhalten! Wenn das so weiter geht, werde ich noch Fan von Christian Alvart.

 

Nachspann
❌ braucht man nicht abzuwarten, der Schock dürfte tief genug sitzen.

Kinostart: 11. Oktober 2018

Original Title: Abgeschnitten
Length: 132 Min.
Rate: FSK 16

Steig. Nicht. Aus.

Erinnert ihr euch noch an den sensationellen Niedergang der Tatort-Folge Tschiller: Off Duty? Der gleiche Regisseur hat erneut zugeschlagen und vernichtet öffentlich-rechtliche Gelder in einem triumphalen Krampf schlecht erzählter Geschichten.
Oder anders gesagt: Der ursprüngliche Plot stammt aus Spanien und hatte gänzlich andere Inhalte und ob der Einfallslosigkeit deutscher Filmemacher breitet man das Nichtkönnen merkwürdiger Regisseure über den Teppich an zwangseingesammelten Gebührengeldern und verbrennt sie in einem belanglosen Plot, der vor Lächerlichkeit und Dämlichkeit nur so glänzt.
Und dabei hat Wotan Wilke Möhring doch längst bewiesen, dass er es besser kann: Es tut einfach nur weh, die hart erkämpfte, filmische Ehrlichkeit Deutschlands mit Volldampf in den Scheißhaufen rasen zu sehen und nichts dagegen unternehmen zu können.
Ja, fürs Fernsehen könnte man diesen Plot sicherlich verwenden, dafür ist er schlechtgut genug, denn die langsam dahinsiechende Dattergreis-Generation wird sich sicherlich oft genug an den Herzschrittmacher greifen, um die Spannung und elendige Actionhast einigermaßen zu ertragen, aber jeder andere hat garantiert damit seine Schwierigkeiten.
Ich meine: Es gibt doch inzwischen eine weit verbreitete Anspruchsmesslatte, die man an Kinofilme anlegt und unter der man sich nicht bewegen sollte, wenn man vom allgemeinen Publikum auch angenommen werden soll.
Warum fabriziert man dann hier so eine – auf Deutsch gesagt – Scheiße? An Unglaubwürdigkeit, Lachhaftigkeit und selten dämlicher Nicht-Eloquenz kaum zu überbieten.
Für wen ist dieser Streifen also gemacht?
In erster Linie für den Autor selbst, der sich damit unfassbar bereichert und etwas auf die Füße stellt, für das jeder von uns grade stehen musste – und dafür sollte man ihn mal gehörig übers Knie legen.
Außerdem noch für diejenigen, die Spaß an Sonntag-Abend-ZDF-Unterhaltung haben und deren Intelligenzanspruch sich mit Alzheimer gemeinsam verbündet hat, denn dann merkt man nicht mehr, was hier eigentlich für ein Plot-Blödsinn gemacht wurde.
Und an alle, die Nick Tschiller als Tatort-Kommissar gut fanden.
Der Rest sollte einen weiten Bogen um dieses … Ding … machen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Schlecht, schlechter, Steig. Nicht. Aus.!
Christian Alvart bemüht sich, möglichst viele Gebührengelder in einem lächerlichen Plot zu verbrennen, der an allen Ecken und Enden einfach nur gnadenlos in die Bodenlosigkeit abstürzt. Dabei ist die Idee so genial, dass man daraus wirklich etwas hätte machen können, aber wer weiß, welchem ZDF-Intendanten das dann wieder nicht gepasst hätte …

 
Nachspann
nicht sitzen bleiben, hier kommt nichts weiter.
Kinostart: 12. April 2018

Jugend ohne Gott

Ich habe das Plakat gesehen und wusste: Da musst du rein! Den musst du unbedingt sehen!
Und ihr glaubt nicht, welche Hürden ich dafür habe überwinden müssen, nur, um einen Film zu konsumieren, nach dem meine Seele alle Hände ausgestreckt hatte. Warum? Wusste ich nicht – ich wusste nur: Der ist es!
Und was soll ich sagen? Nichts mehr. Fragt das gesamte Personal meines Stammkinos, wieviele Worte ich an diesem Tag noch aus meinem Mund rausgebracht habe. Voller Erfolg!
Neulich habe ich mich ja schon einmal über den neuen Weg ausgelassen, den deutsche Filmemacher jüngst eingeschlagen haben, indem sie sich nicht mehr lachhaften, sondern eher dramatischen Handlungen widmen und damit zumindest bei mir voll ins Schwarze treffen.
Jugend ohne Gott ist ein weiteres Beispiel dafür, das von mir höchsten Respekt und tiefste Anerkennung abverlangt. Natürlich spürt man, dass hierzulande immer noch vergleichsweise wenig Kohle für Filmproduktion übrig ist und die Regisseure ganz andere Schwierigkeiten zu meistern haben, als im Land über dem großen Teich, und auch das Schauspielfachwissen und die Veranlagung zum Ingenium der Schauspieler darf hier noch weiter gefördert werden. Was allerdings mehr als deutlich aus der Tiefe des Bodens hervorquillt ist das Können der Drehbuchschreiber!
Leute: Gebt den Produzenten hier einfach mal das Budget eines durchschnittlichen Hollywood-Schinkens und wir wären mit Jugend ohne Gott an der Stelle, die Amerika überflüssig machen würde! Und das mein ich ernst!
Die durchsetzende Verblüffung und intensive Eindringlichkeit, mit der man hier relevante Themen zeitgemäß und absolut unterhaltsam unters Volk zu bringen vermag, schreit förmlich danach, diesen Menschen endlich die gebührenden Werkzeuge an die Hand zu geben, damit sie ihre Arbeit in Vollendung vollbringen können!
Und damit verwandelt sich diese Kritik in einen Appell an alle: Geht einfach da rein und macht euch erst hinterher darüber Gedanken, ob dieser Gang nun ein lohnenswerter war oder nicht. Denn zumindest seid ihr nicht bei den Unwissenden, die anschließend nicht darüber diskutieren können. Mein Gefühl sagt mir, dass damit ein großer Meilenstein in der Entwicklung deutscher Filmgeschichte gesetzt wurde und man gezeigt hat, wohin man in kommenden Jahren gern gehen möchte – und gleichzeitig auch offenbart, wo genau noch die Schwächen liegen.
Letzteres ist in Anbetracht der durchschlagenden Kraft des Plots absolut verzeihlich und löst nicht mehr Aggression, sondern eher intensives Mitfühlen aus, das sich im tiefsten Inneren wünscht, die Produzenten kriegen für ihre Fortsetzungen einfach größere Mittel an die Hand.
 

.kinoticket-Empfehlung: Gebt dieser Produktion mal die finanziellen Mittel eines durchschnittlichen USA-Films an die Hand und wir sind an dem Punkt, wo keiner mehr auf Hollywood angewiesen wäre.
Der Inhalt: Bahnbrechend! Die Stimmung: Wow! Die Umsetzung (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) herausragend!
Ganz im Ernst: Jugend ohne Gott setzt komplett neue Maßstäbe, die deutsches Kino auch international neu positionieren und laut herausschreien: So soll es weiter gehen – helft uns dabei!
Ich habe den ganzen Tag kein Wort mehr aus mir raus gekriegt vor Ergriffenheit und 100prozentiger Volltrefferquote, die dieser Film bei mir hinterlassen hat!
REIN DA!

 
Nachspann
lohnt nicht abzuwarten, Stoff zum Nachdenken ist sowieso genügend vorhanden.
Kinostart: 31. August 2017

(Trailer) Jugend ohne Gott

Immer wieder sonntags … kommt die Trailerspritze direkt von .kinoticket-blog.de zu euch aufs Display.
Diesmal: Jugend ohne Gott
 
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=Rijc4egGL6E?rel=0&w=560&h=315]
düstere Zukunftsaussichten präsentiert von © Constantin Film Verleih GmbH
 
Warum man den Film gesehen haben sollte:
Auch wenn bereits amerikanische Vorbilder existieren, die zwar noch nicht veröffentlicht sind, aber ungefähr die gleichen Inhalte aufweisen, sollte man sich dennoch diese Form der Auseinandersetzung mit dem Thema ins Hirn einflößen, denn in Zeiten der Digitalisierung und Vollüberwachung sind genau das Themen, die eigentlich täglich auf den Tisch des Konsumenten gehören, damit dieser eine Form der Sensibilisierung dafür bekommt, was es bedeutet, wenn er jeden Scheiß überwachen und digitalisieren lässt.
Klar, schauspielerische Höchstleistungen lassen sich jetzt im kurzen Trailer kaum erkennen und auch die Story mutet nach Schema F an, was erfahrungsgemäß dann mit super Einstiegen und dem darauf folgenden Abdriften in völlig absurde Fantasiewelten endet, die kaum noch etwas mit der Realität zu tun haben, dennoch finde ich es wichtig, sich mit diesen Themen zu beschäftigen, auch wenn sie filmisch vielleicht nicht top umgesetzt wurden.
Im Vergleich zu anderen inländischen Filmen gehört Jugend ohne Gott garantiert wieder zu denjenigen, die man im oberen Viertel angesiedelt findet, da sie sich durch die Fokussierung auf ein anderes Thema vom Rest der üblichen Masse absetzen und mal nicht DAS Klischeethema in zigfacher Weise neu aufarbeiten.
 
Kinostart: 31. August 2017

Pets (3D)

Nach dem riesigen Welterfolg der Minions wird es Zeit, dass Illumination Entertainment ein neues Werk an die Öffentlichkeit trägt, mit dem man den wirtschaftlichen Nutzen dieses Unterfangens neu aufflammen lässt, auch wenn das bei dem Run und immer noch andauernden Hype um die kleinen gelben Viecher längst nicht mehr nötig ist, da die Gelder durchaus fließen dürften.
Auch marketingstrategisch hat man hier auf die richtigen Pferde gesetzt und die Öffentlichkeit erstmal mit rein gar nichts angefixt außer dem Wunsch, den neuen Film unbedingt sehen zu wollen.
Als dann Trailer Nr. 2 und 3 nachgeschoben und mit ihnen die Story etwas erweitert wurde, kamen mir persönlich die ersten Zweifel, ob das hier wirklich etwas werden würde, oder man rein auf die Bekannt- und Beliebtheit des Publishers setzt und hofft, dass der Coup nach vorne losgeht.
Die Bedenken sind unnötig. Pets überzeugt mit einer familiengeeigneten Story rund um die namensgebenden Tierchen, die allerhand Erlebnisse zu verzeichnen haben, deren Umfang man jetzt nicht unbedingt zu den stilvollsten und tiefgründigsten zählen braucht, die aber auch nicht dermaßen aufgeplustert daherkommen, dass man sich als Zuschauer dafür fremdschämt.
Die kleinen Racker erobern durchaus die Herzen der Kinogänger, wenn auch nicht ganz so im Sturm wie die gelben Vorläufer, allerdings finde ich genau diesen Umstand extrem gut gelöst, da man sich hier nicht auf die überbordende Wirkung der Vorläuferfilme verlässt, sondern durchaus einkalkuliert, dass es jetzt “ruhiger” zugehen wird.
Dass der Plot selbst etwas altbacken daherkommt, mag verzeihlich sein, die Animation, das 3D und die Synchronisation des Films überragen und liefern hier genügend Ausgleich, dass man zufrieden den Eintrittspreis zahlt und durchaus etwas dafür geboten bekommt.
Mir persönlich hat der Schluss mit am besten gefallen, der nicht nur versöhnlich, sondern nahezu herzallerliebst die Kehle hinuntergleitet und bei manchen wohl auch die ein oder andere emotionale Regung durchfließen lässt. Schön, die Welt mal aus dieser Perspektive zu sehen und dabei ganz nebenbei noch wunderbar unterhalten zu werden.
 

.kinoticket-Empfehlung: Der große Ansturm und die mediale Begeisterung wie bei den Minions hat man hier nicht, allerdings wurde das Unternehmen souverän gelöst und dem Kinozuschauer wird hier nichts halbgares vorgesetzt.
Der Film hält trotz vorheriger Traileroffensive genügend Überraschungen vor und beinhaltet durchaus unterhaltsame, lustige und auch sehr rührende Szenen, die im Gesamtpaket einen Film abgeben, der sich das Prädikat “sehenswert” durchaus verdient.

 
Nachspann
sollte man nicht ganz so flink verschwinden, denn hier kommt noch ein paar mal etwas.

Rico, Oskar und der Diebstahlstein

So farbenfroh das Plakat an den Wänden prangt, so sommerlich frisch mutet der neuste Streich der beiden Kid-Agenten auf der großen Leinwand an, über deren letztes Spektakel ich mich ja auch schon äußerst positiv ausgelassen hatte.

Kaum zu glauben, aber ich habe mich auf diesen Titel irgendwie gefreut. Zwar ist dieses Genre nicht unbedingt auf der Top 5 meiner Filmvorlieben anzutreffen, jedoch überwiegen hier erneut die Punkte, die auch schon beim zweiten Teil maßgeblich waren: Man hat ganz große Mühen investiert, um nicht nur kindgerechte Unterhaltung zu liefern, sondern diese auch noch mit Unversehrtheit und extrem hohem Bildungswert auszustatten.

So erlebt man als Zuschauer eben nicht nur die spannende Reise der beiden durch die durchaus kurzweiligen Abenteuer, sondern erntet auch als Erwachsener eine Portion absoluter Filmgesundheit, wenn man spürt, wie normal, unbefangen, ehrlich und nicht-zerstörerisch die gezeigten Szenen hier liebevoll ineinander spielen.

Die Boshaftigkeit, der kaputte Humor, das Kundenfischen durch Ausrichtung auf Fäkalhumor und Billigwitze bleibt hier völlig aus und liefert genügend Spielraum, um dem Werk zu Recht das “Prädikat besonders wertvoll” zu verpassen.

So fies man als Erwachsener über Kinderfilme urteilen kann, so unmöglich erscheint es mir, über Werke wie dieses etwas negatives zu sagen, denn unter Anbetracht der Tatsache, dass das Zielpublikum hier tatsächlich unterhalb der Jugendlichkeit angesprochen werden soll, hat man meines Erachtens an dieser Stelle absolut alles richtig gemacht, um ein Finalprodukt abzuliefern, an dem sich große TV-Anstalten und öffentlich-rechtliche Sender ein Vorbild nehmen sollten.

 

.kinoticket-Empfehlung: Als Familienfilm absolut empfehlenswert und frei von jedweder geisteszerstörender Bosheit, ohne dabei ins Dutschi-Dutschi-Baby-Getue abzurutschen.

Würde man mich dazu zwingen, mir einen Kinderfilm rauszusuchen, den ich mir ansehen müsste, würde ich ohne zu zögern zur “Rico, Oscar und…“-Reihe greifen und hätte beim Schauen sogar meinen Spaß dabei.

Daumen hoch, so wird perfekte Unterhaltung für jüngere Kinobesucher gemacht!

 

Nachspann
belebt durch animierte Bildchen, zeigt aber keine weiterführende Szenen.

Kinostart: 28. April 2016

Social: www.facebook.com/RicoOskar.Filme

Tschiller: Off Duty

Ich habe noch nie einen Tatort gesehen. Warum? Ich mag das deutsche Kino nicht sonderlich. Anscheinend machen die Synchronsprecher internationaler Filme einen besseren Job als die originalen deutschen Schauspieler, denn mir fehlt in den Kinowerken aus heimischer Abstammung schlichtweg fast immer die Authentizität in punkto Sprache und Klangbild.
Til Schweiger macht hier scheinbar mit seiner oft als leidlich bezeichneten Stimme den großen Unterschied, obwohl das für manche auch kein Genuss ist. Doch wenigstens spielt er sich selbst und tut nicht so, als wäre er auf einer Theaterhochschule geboren worden, in der er niemals natürliches Sprechen gelernt hat.
Punkt zwei, weshalb gerade dieser Tatort mein erster war: Er lief im Kino. Angesichts der Schlagzahl meiner Beiträge hier und der bis dato 246 besuchten Vorstellungen innerhalb meines noch bis 24. April 2016 andauernden Kinojahrs dürfte ersichtlich sein, dass ich der großen Leinwand ein Fünkchen mehr abgewinnen kann, als dem heimischen Fernseher.
Wenn also jetzt ein deutscher Tatort mit “Spitzenbesetzung” ins Kino flattert, dann schaue auch ich mir das Teil an. Schon zu Bond-Zeiten war ersichtlich, dass hier mit ganz kalter Milch gekocht wird, denn der Tschiller-Trailer war der einzige, der so gar nicht in das Übermaß an Qualität bei der Vorschau zum Agenten des MI:6 gepasst hat. Und dennoch bin ich reingegangen. Obwohl andere bereits zur Premiere frühzeitig das Kino verlassen haben.
Das größte Problem, dem ich mich hier gegenüberstehen sehe, ist folgendes: Der Tatort ist ein Phänomen, das auf den öffentlich-rechtlichen Fernsehkanälen ausgelebt und zelebriert wird. Logisch habe ich hier und da mal ein zwei Ausschnitte beim Zappen mitbekommen, jedoch immer weitergeschaltet, weil mir die Größe zum Kinofilm einfach gefehlt hat. Diese Form von Unterhaltung gehört für mich schlichtweg ins TV und nicht auf die Kinoleinwand.
Und genau daran leidet die Story, die Aufmachung, das gesamte Werk: Für einen Fernsehfilm wurde hier richtig gute Arbeit geleistet. Dinge vollbracht, die sicherlich einige Münzen über den Tresen springen ließen und auch in punkto Kulisse hat man sich einige Mühe gemacht, um über den Tellerrand üblicher Fernsehproduktionen hinaus zu gehen und ein wenig Mehrwert zu bieten.
Dennoch reicht dieser Mehrwert eben nicht, um im Wettstreit mit anderen Kinoproduktionen mitzuziehen. Dafür ist es eben doch “nur” ein Tatort und kein Film internationaler Größe, der sich mit anderen Produktionen messen kann und dabei auch nur annähernd die Chance hat, in irgendeinem Feld zu punkten.
Klar, mit Fahri Yardim im Schlepptau erhält man hier wenigstens einen Darsteller, der mit etwas Ironie und Selbstwitz punkten und somit zumindest unterhaltungstechnisch einiges zu bieten hat, Til selbst war eher enttäuschend und auch das Gesamtkonzept der beiden Ermittler war für meine Erwartungen einfach viel zu unausgereift. Der ganze Plot wirkte so, als hätte man jetzt von irgendwem Geld bekommen, um irgendwas fürs Kino zu produzieren und dann einfach mal losgelegt ohne Ziel, Plan und Strategie im Hintergrund.
Und diesem Tenor schließen sich sogar die wenigen Medien an, die über das Spektakel berichten: Zu selbstjustizorientiert, zu viel Action für zu wenig Grips im Hintergrund und das im Vergleich zu anderen Action-Hirn-aus-Thrillern dann eben noch in mittelmäßig statt überragend.
Hätte man dieses Werk um 20:15 in der ARD gezeigt, hätte ich vielleicht meinen Hut gezogen und ihnen mit auf den Weg gegeben, dass die Richtung jetzt zumindest langsam anfängt zu stimmen. Der Sprung über bekannte Schauspieler hin ins Kino ist meines Erachtens aber nicht wirklich richtig gewesen, denn hier hat das Werk selbst gegen schlechte andere Kinofilme leidlich versagt.
Lediglich ein einziger Zuschauer applaudierte nach der Vorstellung und grinste über beide Backen. Älteren Semesters lässt dieser Mann mich weiterhin darüber grübeln, was genau am Tatort so packend ist, dass die ganze Welt ihn immer wieder einschaltet und damit für derart sensationelle Quoten sorgt. Ich für meinen Teil werde lieber weiter ins Kino gehen und darauf hoffen, dass die Fernsehmacher dort bleiben, wo sie hingehören: Im Fernsehen.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer auf den Tatort steht und sich den vierten Teil der Reihe auch besehen möchte, darf hier getrost ins Kino gehen und ihn auf der großen Leinwand bestaunen.
Für TV-Verhältnisse wurde hier übermäßig gut gearbeitet, als Konkurrenz für andere Kinofilme suckt dieses Teil einfach nur derbe ab. Weder ausgeklügelte Charakterprofile noch das sinngemäße Handeln der beiden Ermittler sind im Film zu finden. Alles konzentriert sich auf einige wenige gute Action-Momente, die allerdings im Fernsehen besser aufgehoben wären als im Kino.
Für mich war diese Show eher der Beweis dafür, dass ich mit meiner Tatort-Abstinenz bis jetzt alles goldrichtig gemacht habe und mich auch weiterhin eher auf Kino statt Fernsehen konzentriere.

 
Nachspann
wirkte relativ altbacken und erinnerte stark an die ARD, führt jedoch einige offene Fragen zu Ende und darf bis zum Schluss gesehen werden.

Halbe Brüder

Halbe Brüder ist für mich die Kinoüberraschung des Jahres. Eigentlich war mir nur langweilig und ich wollte die Zeit zwischen Wunschfilm 1 und Wunschfilm 2 über die Runden bringen und habe mir daher lückenfüllend noch ein .kinoticket für diesen Kinospaß gegönnt.
Hier haben wir eine brandgefährliche Kombination:

  • Sido
  • ein Türke
  • ein dunkelhäutiger Möchtegernrapper
  • deutsches Kino

Sind für mich vier durchschlagende Gründe, mir diesen Schwachsinn nicht zu Gemüte führen zu müssen. Aber was tut man nicht alles, wenn die Eintrittskarten nichts mehr kosten … Gott sei Dank.
Denn gelacht haben wir von Anfang an – und auch bis ganz zum Schluss, denn hier endet das Zwerchfelltraining keine Sekunde früher als nach dem kompletten Abspann.
Irgendwie funktioniert diese Combo hier so wunderbar, das hätte ich niemandem der involvierten Hauptdarsteller zugetraut. Gerade Tedros Teclebrhan führt mit seiner supercharmanten Art ganz viel Wohlfühlfaktor ein und sorgt permanent für gute Stimmung im Saal. Und weder Sido noch Fahri Yardim machen an dieser Seelengeborgenheit etwas kaputt.
Im Gegenteil: Die drei Halbbrüder teilen sich mit ihren unterschiedlichen Lebensweisen eine Geschichte, die dich sofort in seinen Bann reißt und weder blöd, noch dümmlich, noch überdreht oder gehypt-cool daher kommen möchte, sondern die authentisch und ehrlich sein will und darum auch vollständig überzeugt.
Selbst die Cameo-Auftritte überzeugen mit mächtig viel Spaß und sorgen für noch mehr Lacher, wenn ihre Zeit gekommen ist.
In einem deutschen Kinofilm habe ich noch nie in meinem Leben derart viel Vergnügen und Freude empfunden – und ich habe mir bislang auch noch keinen deutschen Film 2x im Kino angeschaut. Diesen hier schon.
 

.kinoticket-Empfehlung: Vorurteile an der Kinokasse abgeben und richtig lustige, deutsche Unterhaltung erleben, die dich in allen Belangen einfach nur positiv überrascht.
Vergesst, wie die Typen heißen, die hier spielen und vergesst für zwei Stunden ihre Vergangenheit – das hier macht einfach nur Spaß und ist es wert, gesehen zu werden.
Gerne mehr davon!

 
Nachspann
sollte man zwingend anschauen – hier wartet man nochmal mit richtig vielen Lachern auf – und das bis ganz zum Schluss! Sitzen bleiben!

Honig im Kopf

Man kann über Til Schweiger denken, was man will. Ich hasse ihn. Tut mir leid, ich kann mit dem Typen nichts anfangen und mochte keinen seiner früheren Filme. Ich mag die schmierige, deutsche, eigene Art von ihm so überhaupt nicht und es wundert mich um so mehr, dass jemand wie ich es tatsächlich über den Schemel gebracht hat und nun Besitzer zweier Honig im Kopf-Tickets ist.

Wie gut, dass man Mütter hat, die einem solche Streifen empfehlen. Wie gut, dass es Söhne gibt, die manchmal auf ihre Mütter hören 😉

Anfangs hatte ich tatsächlich meine argen Schwierigkeiten, in den Film einzusteigen, denn er punktet mit allem, was den typisch-deutschen Film so ausmacht und das ich auf den Tod nicht leiden kann.

Genervte Ehefrauen, perfekt stilisiertes Deutsch, die üblichen, nervigen Kinder, Til Schweiger … der sich zu meiner Bewunderung erstaunlich zurückgehalten hat. Wenn man ihn im Bild sieht und er einfach mal nur dasteht und die Klappe hält – eine Wohltat.

Dieter Hallervorden macht seine Sache großartig. Er war für mich der Knackpunkt, mit dem ich mich zuerst angefreundet habe. Und dann zu erleben, wie die Stimmung schlagartig umschlägt und man einfach nur von Liebe und Herzlichkeit umgeben ist, der Hass wie weggeblasen erscheint.

Es hat mich auf Deutsch gesagt so richtig umgehauen, wie in diesem Film mit dem Thema dieser Krankheit umgegangen wird. Dass zu erleben, wie in der gezeigten Öffentlichkeit auf diesen Menschen reagiert wird, vorzuleben, wie man sich in solchen Momenten verhalten kann –

Wahnsinn!

Zu spüren, mit welcher Herzlichkeit und Hingabe die einzelnen Charaktere dieser Familie aufeinander eingehen und sich mal nicht alles nach Friede-Freude-Eierkuchen-Manier in die absolute Glückseligkeit verwandelt, sondern ein wahrlich ernsthafter Film mit einem allzeit defensiven Til Schweiger, der sich zu keinem Zeitpunkt als Macker aufdrängt, sondern der Geschichte mal einfach ihren Lauf lässt.

Ganz ehrlich? Meine Augen waren feucht und ich konnte zwei Stunden nach dem Film noch immer nicht unbefangen sprechen, sondern war froh, wortlos mit meiner Begleitung durch die Stadt schlendern und Fotos machen zu dürfen.

Absolut positiv überrascht und ein Kandidat für die Blu-ray-Sammlung.

.kinoticket-Empfehlung: Auch wenn ihr Til Schweiger auf den Tod nicht abkönnt, gebt diesem Film eine Chance. Er trägt wahrlich Potenzial in sich und beschäftigt sich nicht klischee-, sondern ernsthaft mit einem Thema, über das viel mehr Menschen aufgeklärt werden sollten.

Ganz sicher wird hier nicht das reale Abbild unserer Gesellschaft portraitiert, der Film geht jedoch als gutes Beispiel voran zu zeigen, wie man sich angemessen verhalten könnte. Nachahmenswert.

Nachspann
❌ zeigt keine weiterführenden Szenen, man darf also getrost gehen, sofern man nicht auf die Musik steht.

Kinostart: 25. Dezember 2014

Original Title: Honig im Kopf
Length: 139 Min.
Rated: FSK 6

Powered by WordPress & Theme by Anders Norén