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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: Fabrik

KIN

Regiedebüt: Eines der Movies, das mich sofort gepackt hat! Diesmal hab ich mich sogar dazu herabgelassen und bereits vorher den .trailer geschaut und der hatte mich quasi schon fest in der Tasche – und der Film setzt dem ordentlich eins oben drauf!
KIN gehört zu der Sorte SciFi, die mit Hirn und Verstand an die Sache rangeht und somit unvergleichbar viel Realismus-Nähe mitbringt, was seinerzeit bei Arrival auch schon einen derart guten Beigeschmack hinterlassen hat. Man hebt eben nicht mehr in fantastische Zukunftswelten ab und bewegt sich völlig in einer Fantasie, sondern gestaltet die Elemente derart durchdacht, dass der Zuschauer die Handlung und Möglichkeiten abkauft und sich intellektuell nicht vor den Kopf gestoßen fühlt.
Und was mich absolut begeistert hat: Der Look und das Design des Films! Leute? Burner! Diese Einfälle erstmal zu kriegen und dann derart leuchtend und grandios umzusetzen ist ein Move, den ich lange nicht gesehen habe und der wirklich absolut überzeugend rüberkommt, trotz CGI-Rumgefummel. Ehrlich, wie kommt man dazu, so eine geile Technik zu erfinden und sie dann so formschön und elegant und gleichermaßen zerstörerisch und wütend auf die Menschheit loszulassen?
Dieser Film räumt auf und holt eine ganz bestimmte Sorte Menschen vor die Bildschirme, um ihre unausgesprochene Wut zu beantworten und zu kurieren. Und dabei bewegt man sich so fernab von jedweder Kinoblockbuster-Dummheit und kriegt jedesmal wieder eins auf die Twist-Mütze, wenn die Meinung aufkommen könnte, dass es langweilen würde.
Ganz ehrlich? Es macht so einen riesigen Spaß, dieser Geschichte zu folgen und auch wenn einiges vorhersehbar ist, stört dies nicht die exzellente Zusammenstellung des Casts und die bärigen Design-Elemente, mit denen man jedes Auge hier verwöhnt!
Schreibt mir, wem’s nicht so ging, dass er sich selbst auf die Leinwand wünscht um dies und das einfach zu klauen und es selbst zu besitzen, einfach weil’s geil aussieht! Auch wenn der Start inzwischen nahe gerückt ist, fällt es extrem schwer, darauf zu warten, dass ich endlich wieder Dauerkinosaalbesetzer werden kann, um dieses Ding hoch und runter laufen zu lassen, denn genau das sollte man damit anstellen: Gebt ihm so einen ruhmreichen Kinostart, dass sich die Produzenten von großartigen Filmen noch öfters dazu hinreißen lassen, so etwas grandioses zu probieren und aus dieser Geschichte eine Reihe werden lassen: Potenzial dazu hätte sogar der Plot in der Tasche!
 

.kinoticket-Empfehlung: Design: Augenschmaus! Cast: Mega! Twist: Bravourös!
KIN hat mich sofort gepackt und bisher nicht mehr losgelassen: Ich liebe so einen Scheiß! Allein nur wegen der Effekte und dem außerordentlich göttlichen Design des Films hat dieser Titel Aufmerksamkeit verdient und wer sich dann noch in dem Plot verliert, wünscht sich genauso, dass man hier jetzt ansetzt und endlich mal eine taugliche SciFi-Reihe auf die Füße stellt, die man sich ungeschoren ansehen kann!
Großartig – und als Regie-Debüt einfach klasse!

 
Nachspann
❌ braucht man nicht aushocken, Kinosaal freimachen und zum Putzen freigeben. Bucht lieber die nächste Vorstellung inzwischen… 😉
Kinostart: 13. September 2018
Original Title: KIN
Length: 102 Min.
Rate: FSK 12 | PG-13

Ein Chanson für dich

Bereits in den Kinos gestartet erzählt Ein Chanson für dich das, was der Titel vermuten lässt, auf eine herzerweichende, liebevoll-heimische Art den Zuschauern und Liebhabern des Independent-Kinos auf seine ganz eigene Weise.
Dabei machen die mir bis dato unbekannten Schauspieler/innen eine verdammt gute Figur. Die verwegene Konstruktion des Bühnenbilds und die opportunistische Gestaltung der Kulisse passt sich den Rahmenbedingungen des Plots ungemein gut an. Man wird entführt in eine Welt abseits des Mainstreams und erörtert gemeinsam einen Weg, der die Darsteller zu völlig neuen Lebenszielen führt und dabei über die ein oder andere ethische Diskrepanz stößt.
Und genau das macht den Plot so wahnsinnig interessant: Man erfährt etwas über die großartigen Lebensweisen der Menschen, an denen Otto-Normalverbraucher nur stumm vorbeigeht, ohne daran teilzuhaben und wird mitten ins Geschehen gezogen, ohne dabei die medienunwirksame Langeweile auszusparen, die von den Abendblättern im Normalfall nicht berichtet wird.
Bavo Defurne hat ein feinsinniges Gespür dafür, emotional tiefgreifendes Kino zu gestalten, dass den Zuschauer ohne Schwierigkeit in seinen Bann zieht und einen Film abliefert, den man definitiv gesehen haben muss – wenn auch nicht zwingend in einem Kino. Doch genau diese Stücke sind es, die dem Blockbuster-Wahnsinn aus Hollywood den Kampf ansagen und beweisen, dass Leinwände genauso dafür genutzt werden können, um Nischen-Kunst zu verbreiten und nicht nur, um massenhaft Kohle zu scheffeln.
Mehr davon!
 

.kinoticket-Empfehlung: Unglaublich einfühlsames, ehrliches Porträt von Ruhm und Reichtum, das nicht nur die glorifizierten, sondern auch die dunklen Seiten der Medaille des Rampenlichts beleuchtet.
Das personenfixierte Eintauchen in die emotionalen Irrwindungen löst bei mir pure Begeisterung aus. So viel Liebe und Hingabe gehört einfach mit einem .kinoticket gewürdigt. Also rein in die Lichtspielhäuser!

 
Nachspann
hält, außer dem üblichen Text, nichts weiter parat, der vorzeitige Filmabbruch bleibt somit ohne großartige Folgen.
Kinostart: 6. Juli 2017

Free Fire

Dass die Menschen bei dem Namen Martin Scorsese direkt an die rühmlichen Werke denken, die man von ihm sonst so kennt, wird höchstwahrscheinlich dafür sorgen, dass sich zu Anfang des Films die Reihen der Kinos ganz von selbst lichten.
Als eingeschworener Kinofan erwartet man nach dem zugegebenermaßen genialen Trailer auch erst mal etwas völlig anderes, als einem hier geboten wird.
Mich hat die Machart des Films sehr viel mehr an einen typischen Quentin Tarantino erinnert, als dass ich ihn mit anderen Regisseuren vergleichen würde. Tatsächlich ist hier auch der Regisseur von High-Rise am Start und Scorsese agiert nur als ausführender Produzent. Man befindet sich eher in einem genial durchdachten Konzept eines typischen Kammerspiels, bei dem weniger die Kulisse als viel mehr das Konzept als solches gefeiert wird.
Im Prinzip gibt es in diesem Film keinen Plot, keine Geschichte die erzählt wird, sondern die Fortbewegung in der Story ergibt sich allein durch die Dialoge der einzelnen Persönlichkeiten, die durch in sehr speziellem schwarzen Humor mündenden Dialogen die Zuschauer mit ihrer komischen Art unterhalten.
Faszinierend hierbei war der Soundtrack und die Art und Weise, wie sich die Schauspieler im Verlaufe der Geschichte verhalten haben. Nach den Schusswechseln die richtige körperliche Position einnehmend, realistisches Geballer und im Zuge der Interpretation durch den Zuschauer auch die richtige Pose zeigend, die den Charakter dadurch nicht nur passend beschreibt, sondern auch bebildert, in welcher Gemütsverfassung derjenige gerade ist.
Insgesamt braucht es beim Betrachten sehr viel Interpretation durch den Zuschauer, der eben nicht nur das gezeigte eins zu eins auffassen sollte, sondern die symbolischen Darstellungen auch richtig verstehen muss.
Daraus ergibt sich dann ein Film, der im ersten Moment total schräg anmutet, sich im Verlaufe der Geschichte aber durchaus seine Genialität verdient respektive sie immer mehr offenbart. Wenn wir uns an Zeiten zurückerinnern, in denen Menschen aus den Vorstellungen gerannt sind, in denen The Rocky Horror Picture Show lief, der bekanntermaßen im Anschluss ja auch ein Kultstreifen wurde, dann sehe ich hier gewisse Parallelen, auch wenn ich das Kult-Gen noch etwas vermisse.
Darum muss sich jetzt aber die Fan-Gemeinde kümmern, die diesen Film entweder zu einem kommerziellen Erfolg im Kino oder eben später auf DVD machen kann. Das Potenzial dazu schlummert in den Tiefen der Ritzen, die bis jetzt noch keiner erkennt.
 

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film befindet sich so weit abseits des Mainstreams, dass es in meinen Augen sehr schwer werden kann, ihn zu promoten oder im Kino erfolgreich laufen zu lassen.
Das ändert gar nichts daran, dass die Macher durchaus mit der Wahl ihrer Darstellungsform Größe bewiesen haben und hier eher Theater als Kino stattfindet.
Wer Nieschenkino liebt, wird hier mit größtem Glück erfüllt aus dem Saal raus gehen, sobald die Vorstellung vorbei ist.

 
Nachspann
folgt keiner, man darf den Saal also direkt beim Beginn des Abspanns verlassen.

Unfriend

Wer mich kennt, weiß: Ich liebe guten Horror. Und was hab ich bei Unknown User geschwärmt, als man uns brühwarm ein neues Genre auf den Tisch gepackt hat, das Horror anreißt und dabei die moderne Technologie nicht außer acht lässt.

Endlich mal ein Film, der das Erlebte wahr sein lassen könnte, den halbwegs gebildeten Zuschauer nicht stumpf vor den Kopf stößt und mit Intellekt und durchaus gruseligen Szenen, vor allem aber mit sympathischen Darstellern den Weg in die Herzen der Horrorliebhaber findet.

Unfriend ist nun die deutsche (!) Antwort darauf und damit das komplette Gegenteil: Der Hass keimte bei mir schon während des Trailers hoch und mir war klar, dass dieser Versuch einfach nur ein Schuss in den Ofen sein kann – und was soll ich sagen: Meine Vermutungen hatten Recht! Leider.

Wir kopieren (ja, kopieren!) nun einfach die grandiose Idee aus dem oben genannten Meisterwerk und stülpen die große Kugel der Massenverblödung darüber, schütteln alles einmal kräftig durch, öffnen die Kugel und entlassen danach noch jeglichen Sinn… und fertig ist Unfriend.

Gibt es Gründe, weshalb die Darsteller so handeln, wie sie tun? Nein.

Ergibt es Sinn, was sich da auf den Monitoren abspielt? Nein.

Hat der Rest irgendeinen tieferen Sinn, der vielleicht sogar ethisch erziehend oder dergleichen wirkt? Nein.

Hier handelt es sich um billigsten Horror unterster Schublade, der das Wort “Facebook” aufgreift und somit auf gezielten Massenfang gehen will, denn wer ist dort denn nicht registriert und somit interessiert am Geschehen im Film?

Die Pseudomoral desselben ist genauso fragwürdig wie die Story: Kommt es denn wirklich auf die Größe einer Zahl an einer bestimmten Stelle im Internet im Leben an?

Das Problem dabei ist: In Unknown User haben diese Effekte tatsächlich funktioniert, denn die große Show wurde dort nicht schlecht inszeniert, sondern tatsächlich meisterhaft durchdacht und bis zum Schluss logisch zusammengesetzt. Nicht so hier: Der Grund, weshalb man dieses und jenes tun oder lassen sollte, ist völlig an den Haaren herbeigezogen und ein feister Schlag in die Fresse eines jeden Online-Gängers.

Nicht nur Programmierer dürften sich hier verarscht vorkommen, sondern auch ganz normale Menschen, die zwischenmenschliche Beziehungen pflegen. Getreu dem stereotypischen Darstellen des bösen Internets in den Medien: Wo gesurft wird, ist alles düster, dunkel, unheilvoll und natürlich böse. Gefundenes Fressen für RTL und die öffentlich-rechtlichen Sender, wieder einmal über das Internet herzuziehen und alles pro forma schlecht zu machen, da dort das reinste Übel wartet und die Kundschaft bis zum Tode getrieben wird.

Und die Moral von der Geschicht’: Gehst du ins Internet, bist du des Dämons Hauptgericht.

Was für ein Schwachsinn!

Und nicht zuletzt ist die Handlung hier so dermaßen vorhersehbar, dass das komplette (!) Kino eine Heidenfreude daran hatte, den nächsten Part vorherzusagen, der dann auch … oh Wunder … exakt so eingetroffen ist.

“Gleich werden wir uns alle wieder erschrecken. Nein, jetzt noch nicht, die Tür geht erst noch zu. Aber jetzt … gleich …. JETZT!”

Und da war es.

So etwas überraschungsarmes, langweiliges, stupides und sinnloses hab ich selten erlebt.

.kinoticket-Empfehlung: Spart euch die Kohle und geht lieber in was anderes rein, alles ist besser als das hier.

So verblödet und hirnfrei, wie der Plot ist, so weh tut der Schlag ins Gesicht eines jeden, der halbwegs klar denken kann. Was andere großartig vorgemacht haben, wurde hier mal wieder eingedeutscht und in allen Facetten zerrissen und wunderbar zerstört.

Das Zuschauen macht nicht nur keinen Spaß, sondern ruft Hassempfindungen in einem hoch, dass man besser daran tut, den Saal nicht nur frühzeitig zu verlassen, sondern gar nicht erst zu betreten.

Glaubt mir, lohnen bedeutet etwas anderes.

Nachspann
✅ Bleibt mal sitzen bis ganz zum Schluss. Habt keine Erwartungen und harrt dessen, was da kommt und schickt mir dann mal eine E-Mail oder einen Kommi hier rein und sagt mir, wie ihr es fandet. Ich fühl mich weiterhin verarscht.

Kinostart: 7. Januar 2016

Original Title: Friend Request
Length: 92 Min.
Rated: FSK 16

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